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Musik

Lieder für die Ewigkeit: Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken

Gera­de habe ich bei MTV (bei MTV!!!!1) zum ers­ten Mal das Video zur neu­en Sport­freun­de-Stil­ler-Sin­gle „Alles Roger“ gese­hen. Ich bin mir rela­tiv sicher: bei denen geht nicht mehr viel. End­gül­tig vor­bei scheint die Zeit, in der die sym­pa­thi­schen Bay­ern intel­li­gen­te, gewitz­te Tex­te mit char­man­ten Melo­dien zusam­men­pack­ten und dabei Songs wie „Ein Kom­pli­ment“ aus dem Ärmel schüt­tel­ten.

Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man die dama­li­ge Vor­ab­sin­gle zum zwei­ten Sport­freun­de-Album „Die gute Sei­te“ zu den bes­ten deutsch­spra­chi­gen Lie­bes­lie­dern aller Zei­ten (also inkl. Roman­tik und Stur­m’n’­Drang) zählt. Die unum­wun­de­ne Sym­pa­thie­be­kun­dung, die bei vie­len ande­ren Künst­lern in schlimms­tem Schla­ger­kitsch hät­te ver­sin­ken kön­nen, kam bei den Sport­freun­den Stil­ler sym­pa­thisch und authen­tisch rüber. Ja, so ist das halt, wenn man ver­liebt ist: die Ange­be­te­te wird zum „Ziel einer lan­gen Rei­se“, zur „Schaum­kro­ne der Woge der Begeis­te­rung“, kurz­um zum „größ­ten für mich“.

Man kann nur ver­mu­ten, auf wie vie­len Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­ten „Ein Kom­pli­ment“ in den letz­ten fünf­ein­halb Jah­ren gelan­det ist. Wer ein Mix­tape mit die­sem Song dar­auf ver­schenkt und dar­auf kei­ne Ant­wort in der einen oder ande­ren Rich­tung bekommt, soll­te sich ein neu­es Ziel aus­su­chen (hät­te mir das damals mal jemand gesagt …). All das, was man sich als Teen­ager (und dar­über hin­aus) nie zu sagen getraut hat, kann man ein gan­zes Stück ein­fa­cher trotz­dem aus­drü­cken (las­sen).

Aber auch fern­ab die­ses Dienst­leis­tungs­ge­dan­kens ist und bleibt „Eine Kom­pli­ment“ ein wun­der­ba­res Lied: emo­tio­nal, eupho­risch, aber immer noch mit einem soge­nann­ten Augen­zwin­kern. Das ist das Schlacht­schiff „Pathos“ mit dem Ret­tungs­boot „Iro­nie“, die neun­und­neun­zig­kom­ma­neun­pro­zen­ti­ge Hin­ga­be. Ein sol­ches Lied kann man einer Band gar nicht hoch genug anrech­nen.

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Rundfunk Sport

Öffentlich-rechtliche Radlosigkeit

Ges­tern sind ARD und ZDF aus der Über­tra­gung der Tour de France aus­ge­stie­gen. Der Spie­gel­fech­ter hat die­ses Vor­ge­hen recht aus­führ­lich kom­men­tiert und in zwei Sät­zen gut zusam­men­ge­fasst:

Wenn man „den Doping­sumpf“ halb­wegs tro­cken legen will, ist weder kra­wal­li­ger Aktio­nis­mus noch Hys­te­rie hilf­reich, wie die ARD und ZDF an den Tag legen. Wer bes­se­re Kon­trol­len for­dert und laut auf­schreit, wenn die­se Kon­trol­len tat­säch­lich etwas zu Tage för­dern, agiert wie der Dieb der „Hal­tet den Dieb!“ schreit.

Heu­te haben dann völ­lig über­ra­schend Sat.1 und Pro­Sie­ben, zwei Sen­der die in der letz­ten Zeit nicht unbe­dingt durch Sport­über­tra­gun­gen auf­fie­len, die Sen­de­rech­te der Tour de France gekauft. Für die Öffent­lich-Recht­li­chen ist das ein laut­star­ker, öffent­li­cher Schlag in die Fres­se, denn die Quo­ten bei Sat.1 wer­den – wie ges­tern die bei Euro­s­port – explo­die­ren. Die Zuschau­er wol­len offen­bar die Tour sehen und das ist ja auch gar nicht so abwe­gig: Unter Beob­ach­tung wer­den die Fah­rer ja wohl hof­fent­lich weni­ger Schei­ße bau­en, als wenn sie unter sich sind.

Die Teams von ARD und ZDF, die für drei Wochen gebucht waren, ste­hen jetzt mit ihren Über­tra­gungs­wa­gen, Dekos und Kame­ras irgend­wo mit­ten in Frank­reich, ihnen droht auch noch der Ent­zug ihrer Akkre­di­tie­run­gen. Mög­li­cher­wei­se wird sich der eine oder ande­re Gebüh­ren­zah­ler fra­gen, wel­che Kos­ten die nun­mehr beschäf­ti­gungs­lo­sen ÖR-Repor­ter gera­de so ver­ur­sa­chen.

Für Sat.1 kam die Nach­richt unter­des­sen so über­ra­schend, dass man impro­vi­sie­ren muss­te: Exper­te Mike Klu­ge erzähl­te vor­hin, man habe ihn ges­tern Abend um 23 Uhr ange­ru­fen und gefragt, ob er kom­men­tie­ren wol­le. Des­we­gen sit­zen er und N24-Sport­chef Timon Saat­mann heu­te auch noch in einem Ber­li­ner Stu­dio und nicht (wie sonst üblich) am Ziel in Mont­pel­lier. Das erklärt auch, war­um der Kom­men­tar heu­te so ster­bens­lang­wei­lig ist: die bei­den haben ja noch nicht mal das Buch zur Hand, in dem his­to­ri­sche Gebäu­de, loka­le Wein- und Käse­sor­ten ver­merkt sind. Ich will hof­fen, dass sich das ab mor­gen ändert. Sonst muss ich mir die Tour nach­her noch von Euro­s­port kom­men­tie­ren las­sen.

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„Wie man’s spricht!“

Eine der wich­tigs­ten Regeln, die man lernt, wenn man für die Lokal­re­dak­ti­on einer Tages­zei­tung ers­te Berich­te über Kanin­chen­züch­ter­ver­ei­ne und Schul­thea­ter­auf­füh­run­gen schreibt, lau­tet: „Frag lie­ber noch mal nach, wie man den Namen rich­tig schreibt!“

Das gilt natür­lich haupt­säch­lich für Kanin­chen­züch­ter wie Man­fred Sub­c­zier­c­zyk und Nach­wuchs­schau­spie­le­rin­nen wie Sabi­na Schney­da. Bei Rock­stars, die man zwecks O‑Ton-Abson­de­rung kon­tak­tiert, muss man nicht mehr unbe­dingt nach­fra­gen. Das wür­de ja irgend­wie pein­lich wir­ken und man kann ja zur Not im Inter­net nach­schau­en, wie der Inter­view­part­ner rich­tig geschrie­ben wird.

Soll­te man viel­leicht sogar:
Wer ist Tees Ullmann?
(Screen­shot: taz.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

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Abiwitzig

Ges­tern las ich bei „Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che“ die­sen schö­nen Satz:

Wie die Oster­ei­er­su­che durf­ten die Fans […] hin­ter jedes Sen­de­fens­ter lugen, irgend­wann kam halt mal wie­der ein Stück­chen.

„Nun ja“, dach­te ich als ers­tes, „da sind Herrn Knü­wer halt die Meta­phern ver­rutscht. Weiß doch jedes Kind, dass das mit den Fens­tern Advents­ka­len­der sind und die nichts mit Oster­ei­ern zu tun haben.“ Dann dach­te ich: „Und was mach ich jetzt mit dem Satz?“

Ver­un­glück­te, unge­wollt zwei­deu­ti­ge oder auch von vor­ne bis hin­ten sinn­lo­se Sät­ze wer­den von den eta­blier­ten Medi­en allen­falls stief­müt­ter­lich behan­delt. Wenn Edmund Stoi­ber nicht gera­de die Vor­zü­ge des Trans­ra­pids zu erklä­ren ver­sucht, ist „TV Total“ so ziem­lich die ein­zi­ge Platt­form, die sich am Schei­tern von Spra­che in der Öffent­lich­keit wei­det. Dabei hat bei­na­he jeder, der in die­sem Land über einen Schul­ab­schluss ver­fügt, sich schon als Kata­lo­gi­sie­rer von miss­glück­ten Aus­sprü­chen betä­tigt.

Kei­ne Abizei­tung kommt ohne eine Zita­ten­samm­lung aus, in der Leh­rern und Mit­schü­lern mit scho­nungs­lo­ser Bru­ta­li­tät Aus­sprü­che um die Ohren gehau­en wer­den, an die sich die Betref­fen­den oft genug gar nicht mehr erin­nern kön­nen. Wenig (nicht ein­mal die Abitur­klau­su­ren) bleibt im halb­öf­fent­li­chen Raum der Schu­le so lan­ge bestehen wie die aus Gedan­ken­lo­sig­keit for­mu­lier­ten und sofort mit­ste­no­gra­phier­ten Sät­ze, die zumeist wäh­rend der Ober­stu­fen­zeit fal­len. Ich weiß, wovon ich spre­che, denn ich war in unse­rer Jahr­gangs­stu­fe zustän­dig für das Sam­meln, Sor­tie­ren und schließ­lich auch Abdru­cken die­ser Zita­te.

Im Wesent­li­chen gibt es vier Klas­sen von Abizei­tungs­zi­ta­ten. Die belieb­tes­ten sind natür­lich die zwei­deu­ti­gen, „ver­sau­ten“:

SoWi-Leh­rer: „Der Sven ist in den letz­ten Stun­den gar nicht schlecht gekom­men.“

Dann gibt es die, die an der fach­li­chen Kom­pe­tenz der Leh­rer zwei­feln las­sen:

Erd­kun­de­leh­re­rin: „Wart Ihr schon mal auf Mal­lor­ca oder einer ande­ren grie­chi­schen Insel?“

Es gibt Aus­sprü­che, bei denen man das Kna­cken in den Hirn­win­dun­gen der Spre­cher hören zu kön­nen glaubt:

Geschichts­leh­rer: „In Wirk­lich­keit haben wir es nicht mit Fik­tio­nen zu tun, son­dern mit Rea­li­tät!“

Und dann gibt es natür­lich noch die Schü­ler, die glau­ben, durch beson­ders vor­lau­te und alber­ne Ant­wor­ten in Erin­ne­rung zu blei­ben – oder es wenigs­tens in die Abizei­tung zu schaf­fen:

Deutsch­leh­re­rin: „Gebt mal ein Bei­spiel für ’schein­bar‘!“
Schü­ler: „Er woll­te mit Münz­geld bezah­len, aber die Bedie­nung sag­te: ‚Dies ist eine Schein­bar‘!“

Eini­ge Leh­rer haben ein Stan­dard­re­per­toire an Sprü­chen, mit denen sie es in bei­na­he jede Abizei­tung schaf­fen, weil die mit­schrei­ben­den Schü­ler nicht über aus­rei­chend Recher­che­wil­len oder Lebens­er­fah­rung ver­fü­gen. So ein Ver­hal­ten ist ver­gleich­bar mit dem hal­bi­ro­ni­schen Rum­ge­ei­er, das Bands wie die Toten Hosen pro­du­zie­ren, wenn sie bei einer „Award Show“ aus­ge­zeich­net wer­den, und äußert sich in Sät­zen wie:

Phy­sik­leh­rer: „Letz­te Stun­de stan­den wir vorm Abgrund, heu­te sind wir einen Schritt wei­ter!“

Selt­sa­mer­wei­se kommt außer­halb des Bio­tops Ober­stu­fe kaum jemand auf die Idee, die Aus­sprü­che sei­ner Mit­men­schen auf­zu­schrei­ben und zu ver­öf­fent­li­chen. Vor­ge­setz­te, Fami­li­en­mit­glie­der, ja sogar Uni­ver­si­täts­do­zen­ten kön­nen sich trotz Video­han­dys in Sicher­heit wie­gen: Nie­mand wird mehr lei­se kichern und mit der Über­schreib­sei­te eines Tin­ten­kil­lers hek­ti­sche Noti­zen auf einem Col­lege­block vor­neh­men, wenn mal wie­der ein denk­wür­di­ger Aus­spruch im Raum hängt wie ein gro­tes­ker Papa­gei auf der Schul­ter einer rosa­ge­wan­de­ten, über­schmink­ten alten Dame.

Aber es gibt ja noch genug ande­re Bei­spie­le für Din­ge, die man nach sei­nem Abitur klu­ger­wei­se nie wie­der macht: Sich mit dem Brut­to­in­lands­pro­dukt Litau­ens aus­ein­an­der­set­zen; sich mit eigent­lich unbe­kann­ten, davor und danach ver­hass­ten Alters­ge­nos­sen ver­brü­dern; auf dem Schul­hof mit Bier rum­sprit­zen und sich alber­ne Wort­spie­le ein­fal­len las­sen. Vor allem letz­te­res wäre eigent­lich mal ein Fall für irgend­ei­ne noch zu grün­den­de Auf­sichts­be­hör­de: Jede „Abi“-Verballhornung soll­te pro Jahr maxi­mal drei­ßig Mal und mit einem Sicher­heits­ab­stand von 120 Kilo­me­tern zwi­schen den betei­lig­ten Schu­len ver­wen­det wer­den dür­fen. Und nach ein paar Jah­ren wer­den Slo­gans wie „Kohl­rA­BI – Wir machen uns vom Acker“, „Can­nA­BIs – Der Stoff ist durch!“ oder „Abiged­don“ dann voll­stän­dig ver­bo­ten.

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Leben Unterwegs

Greetings From Co

Offen­bar ist Inkom­pe­tenz kein Pri­vi­leg der deut­schen Post, auch die ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen wis­sen zu beein­dru­cken:

*** *******CO, California

Gut, dass ich weiß, woher die Post­kar­te kommt. Lesen wür­de ich es näm­lich nicht kön­nen.

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Film

„Und wofür ist der Knopf?“

Für alle, die sich immer schon gefragt haben, wie es wohl im Kon­troll­raum eines Vat­ten­fall-Atom­kraft­werks zugeht: So oder so ähn­lich könn­te ich mir das schon vor­stel­len …

Nach­trag 18. Juni, 01:05 Uhr: Tja, da war der Film lei­der ganz schnell wie­der weg. Es han­del­te sich übri­gens um „Lifted“, einen neu­en Kurz­film von Pix­ar. Den kann man aber auch ab Okto­ber im Kino sehen, im Vor­pro­gramm von „Rata­touille“ (und der soll auch gut sein).

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Leben

Die Bahn fuhr pünktlich …

Lei­der wer­de ich auf mein Buch wohl noch ein wenig war­ten müs­sen. Die hoch­kom­pe­ten­ten Men­schen von DHL haben näm­lich irgend­wie Mist gebaut, wes­we­gen ich gera­de gezwun­gen war, mit Schaum vor dem Mund und dem „Beschwer­de­rat­ge­ber für Behör­den- und Leser­brie­fe“ auf mei­nen Knien fol­gen­des in die Tas­ten zu zim­mern:

Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

als ich heu­te nach Hau­se kam, kleb­te an mei­ner Haus­tür eine Benach­rich­ti­gungs­kar­te. Die­se Kar­te war weder voll­stän­dig aus­ge­füllt, noch war sie in mei­nen Brief­kas­ten ein­ge­wor­fen – ich habe sie eher zufäl­lig gefun­den.
Geht es nach die­ser Kar­te, soll ich ein Post­pa­ket, auf das ich aus beruf­li­chen Grün­den war­te, in einer ent­le­ge­nen „Post­agen­tur“ in Bochum-Alten­bo­chum abho­len, was bei die­ser Hit­ze eine Zumu­tung ist.
Ich fra­ge mich, wie­so das Paket über­haupt wie­der mit­ge­nom­men wur­de: In unse­rem Haus gibt es immer genug Per­so­nen, die zuhau­se und bereit sind, ein sol­ches Paket ent­ge­gen­zu­neh­men und wei­ter­zu­lei­ten – ich selbst neh­me pro Woche durch­schnitt­lich ein Paket ent­ge­gen und sehe des­halb gleich dop­pelt nicht ein, wie­so ich mein Paket in einem Laden abho­len soll, der noch dazu ganz und gar unprak­ti­sche Öff­nungs­zei­ten hat.

Ich möch­te Sie des­halb bit­ten, mir (oder einem mei­ner Nach­barn) das Paket ent­we­der direkt zuzu­stel­len, oder es wenigs­tens in einem Post­amt zu lagern (Haupt­post am Hbf, Uni­cen­ter), das ich ohne Auto errei­chen kann.

Mit freund­li­chen Grü­ßen und Dank im Vor­aus,

Immer­hin bin ich so mal in den Genuss gekom­men, das Wort „Zumu­tung“ zu ver­wen­den, das man ja sonst haupt­säch­lich von selbst­ge­mal­ten Zet­teln in bun­des­deut­schen Trep­pen­häu­sern kennt. Natür­lich hät­te ich auch anru­fen kön­nen, aber das kos­tet 14 Cent pro Minu­te, die man in der War­te­schlei­fe und beim Ein­tip­pen mehr­stel­li­ger Zah­len­codes ver­bringt, und ich bin (fern)mündlich immer viel zu nett und nach­gie­big.

Jetzt atme ich erst­mal tief durch, set­ze mich mit einem Gin Tonic auf den Bal­kon und über­le­ge, ob ich ger­ne mal in einem Ver­brau­cher­ma­ga­zin im drit­ten Pro­gramm auf­tre­ten möch­te. Ich sehe mich schon vor dem Haus ste­hen und mit gespielt fas­sungs­lo­sem Blick einem davon­brau­sen­den gel­ben Post­au­to hin­ter­her­schau­en, unter­legt mit „lus­ti­ger“ Stumm­film­mu­sik.

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Rundfunk Gesellschaft

Die Hitze dauert an

Ich bin nie­mand, der sich som­mer­li­che Tem­pe­ra­tu­ren wünscht und dann meckert, sobald die Son­ne mal drei Tage am Stück scheint. Wenn es nach mir gin­ge, müss­te das Ther­mo­me­ter nie über 18, naja: 23°C klet­tern. Zwar bin ich durch­aus bes­ser gelaunt, wenn es drau­ßen mal nicht reg­net, aber die­se gute Lau­ne ver­fliegt nach drei Minu­ten, denn inten­si­ver Son­nen­schein macht mich wahn­sin­nig: Man kann noch schlech­ter vor die Tür gehen als bei Regen, weil einen nichts wir­kungs­voll vor den hohen Tem­pe­ra­tu­ren und der Son­nen­ein­strah­lung schützt. Man kann nachts nicht rich­tig schla­fen, weil die gan­ze Woh­nung auf­ge­heizt ist. Man ist über­all mit Mücken­sti­chen über­sät, weil die klei­nen Blut­sauger ins Zim­mer flie­gen, sobald man nur kurz das Licht ein­schal­tet, um hei­len Fußes von der Zim­mer­tür zum eige­nen Bett zu kom­men.

Ohne Som­mer gäbe es kei­ne „Som­mer­in­ter­views“ im Fern­se­hen, bei denen die Poli­ti­ker ankün­di­gen, wel­chen Irr­sinn sie in den nächs­ten Mona­ten in Geset­zes­tex­te gie­ßen wol­len. Es gäbe kei­ne 14. Wie­der­ho­lung irgend­wel­cher uralter Fil­me (lief die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie eigent­lich schon?) und kei­ne Som­mer­pau­se in der Fuß­ball­bun­des­li­ga zwei­ten Liga. Es gäbe kei­nen Feri­en­ver­kehr und somit kei­ne „Superstaus“ und Ben­zin­preis­er­hö­hun­gen.

Mich wür­de mal inter­es­sie­ren (und ich bin sicher, irgend­ei­ne Unter­neh­mens­be­ra­tung hat das längst aus­ge­rech­net), wie groß der volks­wirt­schaft­li­che Scha­den ist, der jedes Jahr durch min­des­tens zwei Mona­te Hit­ze und Unter­be­set­zung ent­steht. Allein ich kann mich ja kaum dar­auf kon­zen­trie­ren, einen neu­en Blog-Ein­trag zu schrei­ben …

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Literatur Digital

Books From Boxes

Juch­uh, es ist soweit: Ama­zon mel­det Voll­zug und am Mon­tag soll­te es end­lich in mei­nem Brief­kas­ten lie­gen. Wie lan­ge hab ich dar­auf gewar­tet. Und natür­lich schön auf Eng­lisch, weil es noch ewig dau­ern kann, bis das auf Deutsch erscheint und ich die ande­ren Bücher auch auf Eng­lisch hab und ich Bücher sowie­so viel lie­ber im Ori­gi­nal (also auf Eng­lisch, in der ein­zi­gen Fremd­spra­che, die ich beherr­sche) lese.

Wie, „das erscheint doch erst in zwei Wochen“? Das ist doch längst raus. Was? Nein, wen inter­es­siert denn so ein doo­fer Zau­ber­lehr­ling? Ich rede von „Chuck Klos­ter­man IV: A Deca­de of Curious Peo­p­le and Dan­ge­rous Ide­as“, das jetzt end­lich als Taschen­buch­aus­ga­be auf dem Weg zu mir ist.

Eine aus­führ­li­che Bespre­chung folgt, wenn ich es durch habe. Also in hof­fent­lich einer Woche.

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Musik Digital

Kinder, Garten, Plätze

Wenn sogar die „Visi­ons“ dar­über berich­tet, soll­te ich viel­leicht auch mal dar­auf hin­wei­sen …

Mei­ne lie­ben Freun­de von den Kili­ans haben sich etwas eini­ger­ma­ßen obsku­res ein­fal­len las­sen, aber das kön­nen sie selbst am Bes­ten erklä­ren (in ihrem MySpace-Bul­le­tin):

Uns ist lang­wei­lig. Wir wol­len mehr. Wir wol­len Action! Und wir wol­len, dass ihr uns wollt. WOLLT UNS! Ist das schon Freu­dia­ner­tum im Anfangs­sta­di­um? Kryp­tisch?

Es geht noch wei­ter! Wir wol­len euren Vorgarten/​Garage/​Hinterhof/​Hood irgend­was, denn wir wol­len für euch spie­len. Wer Kon­zert + Par­ty mit den Kili­ans gewin­nen will, muss mit fol­gen­dem um die Ecke kom­men: LADE UNS EIN. Und zwar nicht so: „Ja kommt doch mal vor­bei. Oma und Opa sit­zen eh auf dem Sofa.“ Son­dern bas­telt eine Ein­la­dung. Ob groß oder schön, vul­gär oder krea­tiv – ganz egal. Nur so dass wir den­ken…: „Da MÜSSEN wir vor­bei kom­men! Sonst macht das Leben kei­nen Sinn mehr!“ Macht davon ein Foto und schickt uns das als Kom­men­tar.

Suche eine Stel­le an/​vor/​hinter dei­nem Haus, an der wir mit dem Kili­ans-Bus vor­fah­ren kön­nen. Dort wer­den wir unser Dach auf­klap­pen und schon habt ihr die Büh­ne. Da Red Bull in Spen­dier­lau­ne ist bekom­men nicht nur wir von ihnen den Bus, son­dern auch ihr na, was wohl? Genau, Red Bull +X von ihnen.

Und: Macht eure Gara­gen hübsch. Ver­ziert eure Loca­ti­ons. Rüscht sie auf und zeigt uns, was ihr habt. Stellt ein selbst­ge­bau­tes Kili­ans Pos­ter her, auf dem ihr zeigt, wie ihr unser Kon­zert ankün­digt. Drauf muss: Der Vor­gar­ten-Tour-Zeit­raum, näm­lich *1. – 9. August 2007* und unser Name.

Also: Schi­cke Loca­ti­on, davor das Pos­ter (mit *1. – 9. August 2007* und * Kili­ans* drauf) -> davon ein Foto -> ab als Pro­fil­bild auf eurer MySpace-Sei­te und spä­tes­tens jetzt unser Freund wer­den. -> einen Kom­men­tar auf unse­rer MySpace Site hin­ter­las­sen, in dem ihr erklärt, war­um ihr UNS aus­ge­rech­net bei euch spie­len las­sen wollt (und wenn ihr habt, eure gebas­tel­te Ein­la­dung hin­ter­lasst). Ob wir bei euch spie­len, erfahrt ihr spä­tes­tens am 26. Juli. Nicht ver­ges­sen: Die ers­ten Tage im August für uns frei hal­ten!

Also wer einen Vor­gar­ten, eine Gara­ge oder auch ein Fuß­ball­sta­di­on sein eigen nennt, soll­te die­sen klar for­mu­lier­ten Anwei­sun­gen Fol­ge leis­ten und wird mit etwas Glück noch sei­nen Enkeln davon berich­ten kön­nen, dass „die­se welt­be­rühm­te Band, die da gera­de im Fern­se­hen zu Ehren des hun­derts­ten Geburts­tags von Welt­prä­si­dent Al Gore spielt“, damals bei ihm auf dem Grund­stück gerockt hat. Den Zusatz „Und so hab ich Eure Omma rum­ge­kriegt“, kann man sich ja spa­ren …

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Musik

Another Day In Paradise

Die ers­te Schall­plat­te, von der ich mich erin­nern kann, sie in den Hän­den gehal­ten zu haben, müss­te „…But Serious­ly“ von Phil Coll­ins gewe­sen sein. Mein Vater hat­te sie ver­mut­lich kurz nach Erschei­nen gekauft und ich neh­me an, „Ano­ther Day In Para­di­se“ war mit sechs Jah­ren sowas wie mein ers­tes Lieb­lings­lied, ein­fach weil es stän­dig auf Plat­te und im Radio lief. So ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber Phil Coll­ins war ein­fach immer da.

Etwa zu die­ser Zeit fing ich mit dem Schlag­zeug­spie­len an und begriff erst lang­sam, dass Phil Coll­ins auch ein berühm­ter Schlag­zeu­ger (gewe­sen) war – einer der bes­ten der Welt. So wird es wohl nie mehr einen beein­dru­cken­de­ren Schlag­zeug­ein­satz geben als auf „In The Air Tonight“ und auch heu­te sind sei­ne Schlag­zeug­so­li die Höhe­punk­te jedes Live­kon­zerts. Ehe der ungleich coo­le­re Dave Grohl vom Nir­va­na-Schlag­zeug ans Foo-Figh­ters-Mikro­fon wech­sel­te, war Phil Coll­ins das Vor­bild aller Drum­mer, die sich zu Höhe­rem beru­fen fühl­ten (also aller Drum­mer).

Sein ’93er Album „Both Sides“ war eine der ers­ten CDs, die ich selbst besaß, auch wenn ich es bis heu­te glau­be ich kein ein­zi­ges Mal kom­plett gehört habe – als jun­ger Mensch hör­te man ja irgend­wie immer nur die Sin­gles, die man aus dem Radio oder aus der WDR-Video­clip­sen­dung „Hit Clip“ kann­te. Dafür kann ich die Tex­te die­ser Sin­gles heu­te immer noch aus­wen­dig mit­sin­gen, was inso­fern beacht­lich ist, als das Album ja aus einer Zeit stammt, zu der ich gera­de im ers­ten Jahr des Eng­lisch­un­ter­richts steck­te.

Weih­nach­ten 1996 wünsch­te ich mir dann und bekam „Dance Into The Light“, das ich auch erst­ma­lig als voll­stän­di­ges Album wahr­nahm. Aus heu­ti­ger Sicht lässt sich natür­lich leicht sagen, dass es sich um ein ziem­lich grau­en­haf­tes Radio­pop-Album han­delt, auf dem der damals 45-jäh­ri­ge Coll­ins abwech­selnd ver­such­te, jugend­lich und wie sein alter Gene­sis-Kum­pel Peter Gabri­el zu klin­gen. Auch hat­te ich mich als 13-Jäh­ri­ger noch nicht so weit in die Musik­his­to­rie ein­ge­ar­bei­tet um zu erken­nen, dass Coll­ins‘ Ver­si­on von „The Times They Are A‑Changin‘ “ ein ziem­lich übles Ver­ge­hen am Werk eines gewis­sen Bob Dylan war. Ich war halt Phil-Coll­ins-Fan und soll­te noch ler­nen, dass es offen­bar eben­so schwer ist, sich gegen sei­ne ers­ten musi­ka­li­schen Hel­den zu stel­len, wie etwas schlech­tes über sei­ne ers­te Teen­ager-Lie­be zu sagen. So bin ich ja heu­te noch glü­hen­der Ver­eh­rer von a‑ha und Her­bert Grö­ne­mey­er, ver­su­che auch der grau­en­haf­ten neu­en Paul-McCart­ney-Plat­te irgend­et­was posi­ti­ves abzu­rin­gen und nach mei­nem Wie­der­hö­ren mit der Mün­che­ner Frei­heit will ich am liebs­ten gar nicht wis­sen, was ich auch heu­te noch von BAP und East 17 hiel­te.

„…Hits“, das Coll­ins-Best-Of von 1998, war jeden­falls eine mei­ner ers­ten selbst­ge­kauf­ten CDs und mach­te mich auch mit den Erfol­gen, die vor mei­ner Geburt lagen, bekannt. Als Phil Coll­ins dann 1999 den Sound­track zu Dis­neys „Tarzan“-Film ver­öf­fent­lich­te, befand ich mich zwar schon auf dem Weg zu einem ande­ren Musik­ge­schmack, aber die sym­pa­thi­sche Stim­me des klei­nen Man­nes gehör­te inzwi­schen qua­si zur Fami­lie. Auch die­se Lie­der kann ich heu­te alle noch mit­sin­gen und die Sin­gle „You’ll Be In My Heart“ hat es sei­ner­zeit auf min­des­tens eine Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­te geschafft.

Selbst, als sich bei mir schon die Radiohead‑, Smas­hing-Pump­kins- und Tom-Liwa-Alben sta­pel­ten, war Phil Coll­ins aus mei­nem Leben nicht weg­zu­krie­gen: Das Leo-Say­er-Cover „Can’t Stop Loving You“ vom ansons­ten grau­en­haf­ten Album „Testi­fy“ lan­de­te wahr­schein­lich nur des­halb auf kei­nem Mix­tape, weil die Ste­reo­an­la­ge mei­nes Vaters damals nach einem Blitz­scha­den in Repa­ra­tur war, und selbst „Look Through My Eyes“ vom „Bären­brü­der“-Sound­track fand ich gut. Phil Coll­ins‘ Stim­me hat inzwi­schen die glei­che Wir­kung auf mich wie der Geruch auf dem Dach­bo­den mei­ner Groß­el­tern: Sie weckt Erin­ne­run­gen an längst ver­gan­ge­ne Tage, als die Welt noch groß und auf­re­gend war, und einem trotz­dem nichts pas­sie­ren konn­te.

So war ich auch kein biss­chen über­rascht, als bei der Aka­de­mi­schen Jah­res­fei­er, in deren Rah­men ich am Diens­tag mein Bache­lor-Zeug­nis erhielt, ein Jazz-Trio „Against All Odds“ zum Bes­ten gab (der Grund, war­um ich über­haupt auf die Idee zu die­sem Ein­trag kam). Ich war sogar rich­tig­ge­hend beru­higt, denn ich wuss­te, Phil Coll­ins und sei­ne Songs wür­den immer da sein, egal wo ich bin und was ich tu. Und es ist doch immer schön, wenn man sich auf etwas ver­las­sen kann.

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Welcome To The Nepp Parade

Hier die irre­füh­rends­ten Über­schrif­ten der letz­ten 24 Stun­den bei „Spie­gel Online“:

Nicole Richie: Schwanger - doch Vater Lionel weiß von nichts

Nun wis­sen natür­lich die meis­ten, dass Lio­nel Richie der (Adoptiv-)Vater von Nico­le Richie ist und nicht der des zu erwar­ten­den Babys. Aber unglück­lich for­mu­liert ist es schon.
USA: Welker Rasen bringt Rentnerin in den Knast

Knast bezeich­net umgangs­sprach­lich: ein Gefäng­nis […]“, weiß Wiki­pe­dia. Für „Spie­gel Online“ bezeich­net es offen­bar auch Arrest­zel­len auf Poli­zei­wa­chen. Und dass „in den Knast brin­gen“ all­ge­mein als „zu einer Gefäng­nis­stra­fe ver­ur­tei­len“ auf­ge­fasst wird (und nicht als „whe­re she sat for more than 30 minu­tes“), soll uns bei­na­he egal sein: Man ist ja schon froh, dass die Über­schrift nicht „Tro­cke­nes Gras bringt Rent­ne­rin in den Knast“ lau­tet.

Harry Potter: Rowling schürt Hoffnung auf achten Band

Wer eine Fort­set­zung selbst als „unwahr­schein­lich“ bezeich­net, kann natür­lich trotz­dem in sei­ner Über­schrift von geschür­ten Hoff­nun­gen spre­chen – es wirkt nur etwas wirr. Aber was bei der Mel­dung so alles falsch gelau­fen ist, liest man am bes­ten bei „Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che“ und Ste­fan Nig­ge­mei­er nach.