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Schlagerzeilen

So, jetzt hab ich mir doch mal (zum ers­ten Mal seit der Ent­de­ckung Ame­ri­kas, ver­mut­lich) den „Spie­gel“ gekauft. Noch nicht mal pri­mär, weil da das sagen­um­wo­be­ne Schäub­le-Inter­view drin ist, son­dern wegen … Micha­el Wend­ler!

Den hat­ten wir hier schon mal ken­nen­ge­lernt, als ich Dins­la­ken zur zukünf­ti­gen Musik­haupt­stadt Deutsch­lands erklär­te. Ganz so weit ist man beim „Spie­gel“ noch nicht, aber der Arti­kel von Tho­mas Schulz zählt zum Unter­halt­sams­ten, was ich in den letz­ten Mona­ten gele­sen habe (und man soll­te es beim „Spie­gel“ kaum für mög­lich hal­ten: das scheint sogar beab­sich­tigt gewe­sen zu sein).

„Der Wend­ler wird eine Hys­te­rie aus­lö­sen.“ Sagt der Wend­ler. „Der Wend­ler ist ein­fach geil.“ Sagt der Wend­ler. „Wenn ich nicht selbst der Wend­ler wäre, ich würd‘ mir die gan­ze Zeit zu mei­nen Kon­zer­ten hin­ter­her­fah­ren.“
Der Wend­ler, das ist Micha­el Wend­ler, 35, gelern­ter Spe­di­ti­ons­kauf­mann aus Dins­la­ken, Beruf: Schla­ger­star. Obwohl der Wend­ler das so nie sagen wür­de, genau wie er nie „der Micha­el“ sagt und sel­ten „ich“, son­dern immer nur „der Wend­ler“. Er wür­de sagen: König des Pop-Schla­gers. So steht es auf sei­nen Pla­ka­ten, sei­nem Fan-Maga­zin, sei­nen Plat­ten. Er hat sich den Begriff mar­ken­recht­lich schüt­zen las­sen.

Ich gebe zu, ich hät­te den Arti­kel nicht an der U‑Bahn-Sta­ti­on lesen sol­len, man wird ja doch immer schief ange­guckt, wenn man sich in der Öffent­lich­keit kaputt­lacht. Schon in der Ein­lei­tung steht „Ein Besuch in einer Par­al­lel­welt“, und genau das ist es: Schulz macht sich nicht über sein The­ma lus­tig, er beschreibt es nur mit dem dezent ungläu­bi­gen Blick, den man wohl drauf­ha­ben soll­te, wenn man im Auf­trag eines Ham­bur­ger Nach­rich­ten­ma­ga­zins Fest­zel­te, Dorf­dis­cos und den „Bal­ler­mann“ auf Mal­lor­ca auf­su­chen muss:

Es dau­ert nicht lan­ge, dann schlappt ein Mann her­an in knall­ro­ten Leder­ho­sen und abge­schnit­te­ner Jeans­ja­cke, er setzt sich an den Tisch, ein­fach so, und stellt sich vor: „Gestat­ten: Drews, Schla­ger­star, alternd“.

Die Schla­ger­bran­che, so der Tenor der Repor­ta­ge, erlebt gera­de mal wie­der ein Revi­val – aber dies­mal ohne die Hel­den von vor­ges­tern und abseits der Öffent­lich­keit:

Des­we­gen ist Andrea Berg wohl auch der unbe­kann­tes­te Star im Land. Ihr „Best of“-Album hielt sich 290 Wochen in den Charts. Ihr aktu­el­les Album war die meist­ver­kauf­te Plat­te des Musik­rie­sen Sony BMG in Deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr. Sie kann inzwi­schen bis zu 30 000 Euro pro Auf­tritt neh­men. Aber das hat RTL nicht davon abge­hal­ten, ihren Auf­tritt bei der Ver­lei­hung des Deut­schen Musik­prei­ses Echo fast kom­plett her­aus­zu­schnei­den.

Es lohnt sich, den Arti­kel zu lesen, und es lohnt sich anschei­nend auch, sich mal so ein Micha­el-Wend­ler-Kon­zert aus der Nähe anzu­schau­en:

„Bei mei­nen Auf­trit­ten sind die Leu­te so ral­lig, die knal­len sich auf den Toi­let­ten.“

Nach­trag 20:25 Uhr: Wie mir mei­ne Mut­ter soeben per E‑Mail mit­teilt, ist der Arti­kel auch online ver­füg­bar. Das war er heu­te Nach­mit­tag, als ich zum Kiosk ging, noch nicht …

Nach­trag, 20. Juli: Jetzt ist der Arti­kel natür­lich wie­der off­line bzw. kos­ten­pflich­tig. Kön­nen die sich mal ent­schei­den?

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Sicherheits(ge)denken

Es ist Som­mer­loch und was macht man da? Die Bun­des­re­gie­rung hat sich offen­bar dazu ent­schie­den, den über­aus umtrie­bi­gen Wolf­gang Schäub­le durchs Dorf zu trei­ben. Glaubt man man­chen Reak­tio­nen, so hat der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter in einem „Spiegel“-Interview offen­bar die Zer­schla­gung des Rechts­staats und die Ein­set­zung einer Mili­tär­jun­ta unter sei­ner Füh­rung gefor­dert – nichts genau­es weiß man jedoch nicht, denn die Mei­nun­gen über­schla­gen sich und beim „Spie­gel“ ist man (noch) nicht bereit, das Inter­view ein­zeln (oder gar kos­ten­los) online zu stel­len, damit sich jeder ein eige­nes Bild machen kann (was auch onlinejournalismus.de bemän­gelt).

Wolfgang Schäuble auf der Titelseite der “taz” (9. Juli 2007)Die bes­te Titel­sei­te zum The­ma lie­fert (wenig über­ra­schend) die „taz“, der bis­her bes­te Kom­men­tar stammt von Heri­bert Prantl in der „Süd­deut­schen Zei­tung“. Und wäh­rend die Kari­ka­tu­ris­ten über­le­gen, wie sie Schäub­le noch als völ­lig durch­ge­knall­ten Blut­rä­cher dar­stel­len könn­ten, lie­fern sich die Poli­ti­ker aller Par­tei­en einen mun­te­ren Schlag­ab­tausch. Die CDU-Minis­ter­prä­si­den­ten Roland Koch, Gün­ther Oet­tin­ger und Peter Mül­ler, die nie fern sind, wenn Bedenk­li­ches öffent­lich aus­ge­spro­chen wird, ste­hen schon … äh: Gewehr bei Fuß und sagen so klu­ge Sachen wie „Sicher­heit zuerst“. (Inwie­weit sich das mit der ande­ren Grund­satz­pa­ro­le „Vor­fahrt für Arbeit“ ver­ei­nen lässt, ist wohl noch nicht ganz raus.) Oet­tin­ger schreibt ver­mut­lich schon an einer Rede, in der er Schäub­le als „obers­ten Ver­fas­sungs- und Daten­schüt­zer“ bezeich­nen wird, und war­tet nur noch auf eine unpas­sen­de Gele­gen­heit, die­se auch hal­ten zu dür­fen.

Nach­trag 20:07 Uhr: Gera­de ent­deckt: „Wer for­dert mehr?“, ein Quiz vom „Zün­der“, der Jugend­sei­te der „Zeit“. Dort muss man ver­schie­de­ne ver­hee­ren­de Zita­te dem rich­ti­gen Urhe­ber (Schäub­le, Bush, Putin, …) zuord­nen. Wer ist alles bes­ser als 4/​9?

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Swimming Pool und Peitsche

Heu­te begann die Tour de France offi­zi­ell (wen inter­es­siert die­ser Pro­log?) und obwohl diver­se Doping­ge­ständ­nis­se der letz­ten Mona­ten und das Kar­rie­re­en­de von Her­bert Watt­erott eigent­lich Grün­de wären, den Rad­sport­klas­si­ker die­ses Jahr zu igno­rie­ren, kom­me ich doch nicht von der eigen­tüm­li­chen Fas­zi­na­ti­on die­ses Ereig­nis­ses los: Da fah­ren Män­ner im Schwei­ße ihres Ange­sichts stun­den­lang durch schö­ne Land­schaf­ten und weil das zwar beacht­lich, aber eben auf Dau­er auch nicht soooo span­nend ist, reden die Kom­men­ta­to­ren über Schlös­ser, Kir­chen, Brü­cken und kuli­na­ri­sche Spe­zia­li­tä­ten, ehe sie sich in der letz­ten hal­ben Minu­te förm­lich beim Spre­chen über­schla­gen.

Bevor das ZDF am spä­ten Nach­mit­tag in die ers­te Etap­pe von Lon­don nach Can­ter­bu­ry (ja, das ist Eng­land, nicht Frank­reich) ein­stieg, lie­fen schon meh­re­re Stun­den bei Euro­s­port. Lei­der war es mir auf­grund der völ­lig zer­schos­se­nen Euro­s­port-Web­site nicht sofort mög­lich, die Namen der zwei, manch­mal drei Kom­men­ta­to­ren her­aus­zu­fin­den, aber die­sen Quel­len zufol­ge will ich sie Kars­ten Migels, Ulli Jansch und Andre­as Schulz nen­nen. Wich­ti­ger ist aber eh, was sie zu sagen hat­ten:

Migels: So, Ulli, unse­re Stamm­zu­schau­er wis­sen, Du bist Russ­land­ex­per­te: Minsk …
Jansch: Aber ich bin nicht Weiß­russ­land­ex­per­te …
Migels: Ach so (lacht). Aber da warst Du doch bestimmt auch schon mal, oder?
Jansch: (lacht) Der Zufall will es so, dass ich schon mal dort war …
Migels: (lacht) Das hab ich mir doch gedacht, komm …
Jansch: Viel­leicht nicht die hüb­sches­te Stadt, die ich in Russ­land oder Weiss­russ­land schon gese­hen hab oder in der Ukrai­ne – Kiew, zum Bei­spiel, ist ja eine sehr schö­ne Stadt – aber eine sehr sport­in­ter­es­sier­te Stadt: Den Biath­lon-Fans wird – aus der Ver­gan­gen­heit zumin­dest noch – Rau­bi­chi vor den Toren von Minsk im Gespräch sein und vor allem die Schwim­mer und Was­ser­sprin­ger aus Weiß­russ­land waren sei­ner­zeit in den Mann­schaf­ten der UdSSR sehr, sehr stark – ich kann mich an Ale­nik erin­nern, Euro­pa­meis­ter und Medail­len­ge­win­ner bei Welt­meis­ter­schaf­ten, und ich hat­te ’n schö­nes Erleb­nis: Die hat­ten dort unter­ir­disch Höh­len aus­ge­baut zu einem Zen­trum, was man heu­te – das ist schon zwan­zig Jah­re her – als ein Well­ness-Zen­trum bezeich­nen wür­de. Ganz toll gemacht und … äh … war ’n sehr, sehr ange­neh­mer und inter­es­san­ter Besuch und gut getan hat’s auch.
(Pau­se)
Migels: Dort hast Du dich damals schon gepflegt …
Jansch: Mmmmh!
(Pau­se)
Migels: Daher die­ses jugend­li­che Aus­se­hen.
Jansch: „Aus dem Osten kommt das Licht“ – viel­leicht auch die Well­ness.
Migels: Bist zwar schon 49, siehst aber aus wie … 43.
(Pau­se)
Jansch: Du bist aber gei­zig!
Migels: (lacht) Extra ’n biss­chen hoch­ge­sta­pelt …

Mehr davon? Aber gewiss:

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Die Umwelt retten mit Ole von Beust und welt.de

Heu­te fin­det, wie Sie viel­leicht mit­be­kom­men haben, Rund um die Welt „Live Earth“ statt. (Wenn Sie es nicht mit­be­kom­men haben, sind sie ent­we­der nicht son­der­lich leben­dig oder gera­de nicht auf der Erde.)

welt.de betreibt dazu eine Art Live­blog irgend­was aktu­el­les mit Schrift. Und inmit­ten die­ses Tex­tes fin­det sich mal eben die Lösung, wie man die­ses gan­ze CO2, das ja bekannt­lich in gro­ßen Men­gen für den Treib­haus­ef­fekt mit­ver­ant­wort­lich ist, schnell und prak­tisch los­wird:

Hamburger Kraftwerk verbraucht CO2
(Screen­shot: welt.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

Also müss­ten wir nur genug von die­sen Kraft­wer­ken bau­en und schon hät­ten kei­ne CO2-Sor­gen mehr wären wir alle tot.

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Listenpanik (4): Knietief im Pop

Dank der zu Anfang etwas kru­den Abrech­nungs­zeit­räu­me war Teil 3 unse­rer Serie für den Mai gedacht, die­ser (vier­te) befasst sich also mit den Alben und Sin­gles des Monats Juni. Wie immer streng sub­jek­tiv und ohne den Hauch eines Anspruchs auf Voll­stän­dig­keit – und dies­mal beson­ders pop­pig:

Alben (inkl. Amazon.de-Links)
1. Crow­ded House – Time On Earth
Crow­ded House war trotz der gro­ßen Hits („Wea­ther With You“, „Don’t Dream It’s Over“, „Four Sea­sons In One Day“, …) die Band, die kaum jemand kann­te. Das änder­te sich auch nicht groß, als sich die Band 1996 auf­lös­te und ihr Kopf Neil Finn allei­ne und mit sei­nem Bru­der Tim schö­ne bis groß­ar­ti­ge Pop-Alben ver­öf­fent­lich­te. Jetzt hat sich die Band in Bei­na­he-Ori­gi­nal­be­set­zung (Schlag­zeu­ger Paul Hes­ter beging 2005 Selbst­mord) wie­der zusam­men­ge­tan und ihr fünf­tes regu­lä­res Album ver­öf­fent­licht. Und man muss sagen: Wenn es je eine Band ver­dient hat, das musi­ka­li­sche Erbe der Beat­les anzu­tre­ten, dann Crow­ded House. Die wun­der­schö­nen, oft melan­cho­li­schen Melo­dien pur­zeln nur so aus den Boxen und Songs wie die Sin­gle „Don’t Stop Now“ hät­ten es ver­dient, min­des­tens so berühmt zu wer­den wie „Wea­ther With You“.

2. Jupi­ter Jones – Ent­we­der geht die­se scheuß­li­che Tape­te – oder ich
Zwei­ein­halb Jah­re nach ihrem Debüt sind Jupi­ter Jones zurück und machen bei­na­he da wei­ter, wo sie auf­ge­hört haben. Zu den gran­dio­sen Tex­ten über Lie­be und Ein­sam­keit, Auf­bruch und Auf­ge­ben hat sich die Band musi­ka­lisch wei­ter­ent­wi­ckelt und beein­druckt jetzt mit Blä­sern, Strei­chern und natür­lich auch wei­ter­hin mit jede Men­ge Feu­er unterm Arsch. Nenn‘ es Punk­rock, nenn‘ es Deutsch­rock oder Emo – das ist eigent­lich egal, denn es ist und bleibt gut: Musik mit kathar­ti­scher Wir­kung.

3. Mark Ron­son – Ver­si­on
Mark Ron­son ist DJ und Pro­du­zent (Lily Allen, Rob­bie Wil­liams, …) und das, was er auf sei­nem zwei­ten Solo­al­bum betreibt, ist das, was ein DJ und Pro­du­zent eben so macht: Songs inein­an­der über­ge­hen las­sen und über­ra­schen­de Klän­ge her­vor­zau­bern. Neun Cover­ver­sio­nen gibt es, zwei Remi­xe und drei Instru­men­tal­tracks und die Gast­stars geben sich die Klin­ke in die Hand: Die char­man­te Lily Allen gewinnt „Oh My God“ von den Kai­ser Chiefs ein weib­li­che Lon­do­ner Kom­po­nen­te ab, Dani­el Mer­ri­wea­ther schmach­tet sich durch „Stop Me“ von The Smit­hs, Phan­tom-Pla­net-Sän­ger Alex Green­wald bezwingt (wie schon auf die­sem Tri­bu­te-Sam­pler) Radio­heads „Just“ und Rob­bie Wil­liams darf bei „The Only One I Know“ von den Char­la­tans zei­gen, dass er immer noch sin­gen kann. Dazu gibt’s fet­te Beats und sat­te Blä­ser und schon hat man etwas ganz sel­te­nes: ein Album, dass man auf einer Par­ty durch­lau­fen las­sen kann.

4. Ryan Adams – Easy Tiger
Fast andert­halb Jah­re lagen zwi­schen der Ver­öf­fent­li­chung von „29“ und „Easy Tiger“ – Ryan Adams hat­te doch nicht etwa eine Schreib­blo­cka­de? Iwo: Der leicht ver­peil­te Alt.-Country-Rocker hat nur Anlauf genom­men und will die­ses Jahr noch ein Box­set mit Out­takes und Rari­tä­ten ver­öf­fent­li­chen. Vor­her gibt es aber „Easy Tiger“, das so ziem­lich alle Qua­li­tä­ten des frü­he­ren Whis­key­town-Sän­gers ver­eint: Rock’n’Roll‑, Folk‑, Coun­try- und Pop­songs ste­hen neben­ein­an­der wie Geschwis­ter, die sich nicht so hun­dert­pro­zen­tig ähn­lich sehen, aber doch den glei­chen Papa haben. Es ist Adams‘ abwechs­lungs­reichs­tes Album seit dem phan­tas­ti­schen „Gold“ und viel­leicht auch sein bes­tes seit­dem. Das merkt man u.a. dar­an, dass bei „Two“ noch nicht mal Sheryl Crow stört.

5. Ghosts – The World Is Out­side
Jedes Jahr kom­men jun­ge bri­ti­sche Bands zu uns, die die Nach­fol­ge von a‑ha oder wenigs­tens der New Radi­cals antre­ten wol­len. Bei man­chen (Kea­ne) klappt das, ande­re lau­fen zwar im Radio, schaf­fen den Durch­bruch dann aber doch nicht (Orson, The Fee­ling, Thir­teen Sen­ses. …). Wozu Ghosts gehö­ren wer­den, ist noch nicht abzu­se­hen. Man kann aber schon sagen, dass sie schi­cke Pop­mu­sik machen, die uns durch den Som­mer beglei­ten soll – egal, wie das Wet­ter noch wird. Das klappt viel­leicht nich über die vol­le Album­di­stanz und ist auch alles ande­re als neu, aber eben doch sehr nett gemacht. Wer jetzt sagt: „Na, das ist aber kein beson­ders über­zeu­gen­des Plä­doy­er“, dem sage ich: „Kann schon sein. Aber hören Sie sich das ein­fach mal an, es könn­te Ihnen gefal­len.“

Sin­gles (inkl. iTu­nes-Links)
1. Beat­steaks – Cut Off The Top
Das dazu­ge­hö­ri­ge Album hat­te ich hier schon sträf­lich ver­nach­läs­sigt, die Sin­gle muss aber rein. Die Beat­steaks machen mal wie­der alles rich­tig und hau­en einen schwer zu kate­go­ri­sie­ren­den Song (und ein tol­les Video) raus. „Dama­ge! Dama­ge!“

2. Smas­hing Pump­kins – Taran­tu­la
Dafür bringt man als 16-Jäh­ri­ger all sein Taschen­geld zum Ticket­händ­ler und geht auf ein Kon­zert der „Abschieds­tour­nee“, damit sich die Band sie­ben Jah­re spä­ter refor­miert. Oder: Damit sich Bil­ly Cor­gan ein paar neue Band­dar­stel­ler auf die Büh­ne stellt und Paris Hil­ton aufs Sin­gle-Cover klatscht. Der Song ist aber schon recht beacht­lich, der ein­zi­ge ande­re Ur-Pump­kin Jim­my Cham­ber­lin knüp­pelt sich durch min­des­tens vier ver­schie­de­ne Rhyth­men und ich muss gleich drin­gend los und mir das Album kau­fen. Bleibt nur die Fra­ge: Was ist mit dem „The“ im Band­na­men pas­siert?

3. Mika – Relax (Take It Easy)
Mika habe ich ja schon eini­ge Male gefei­ert (z.B. hier sein Album), „Relax“ kann man ruhig aber noch mal extra erwäh­nen. Für alle, die kei­ne Cut­ting-Crew-Samples und kei­ne Kopf­stim­men mögen, ist der Song natür­lich eine Zumu­tung, für mich eine char­mant durch­ge­knall­te Dis­co-Num­mer, die auch durch die Ver­wen­dung im Wer­be­fern­se­hen kei­nen gro­ßen Scha­den nimmt.

4. Ghosts – Stay The Night
Schon wie­der Ghosts. Ja, das ist halt ein­gän­gi­ger Radio­pop und „Stay The Night“ das, was man wohl als „Gute-Lau­ne-Musik“ bezeich­nen wür­de, wenn das nicht ein abso­lut wider­li­cher, bescheu­er­ter Begriff wäre. Mal dar­über nach­ge­dacht, dass die­se Sin­gles-Lis­te immer so pop­las­tig sein könn­te, weil so wenig Math­co­re- oder Expe­ri­men­tal-Bands Sin­gles ver­öf­fent­li­chen? Ist mir auch gera­de erst auf­ge­fal­len.

5. Take That – Reach Out
Jawoll, ich bin end­gül­tig wahn­sin­nig gewor­den und packe Take That auf mei­ne Lis­te. Aber wie­so eigent­lich wahn­sin­nig? Das ist doch wohl ein­fach ein schö­ner Pop­song, sau­ber geschrie­ben und gut gesun­gen. Und um mich gleich rich­tig lächer­lich zu machen: Bin ich der ein­zi­ge, den die Stro­phen an „Die Tie­re sind unru­hig“ von Kan­te erin­nern?

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Die Ohnmacht der Möglichkeiten

Beim Blick auf mei­nen Kalen­der habe ich gera­de fest­ge­stellt, dass in vier Wochen ja schon wie­der Hald­ern Pop ist. Seit sie­ben Jah­ren fah­re ich nun auf die­ses sym­pa­thi­sche Fes­ti­val am schö­nen Nie­der­rhein und es hat sich bis­her immer gelohnt. Ich hof­fe nur instän­dig, dass sich das Wet­ter bis zum 2. August noch bes­sert, denn ein drit­tes Jahr mit Platz­re­gen und Schlamm­schlacht in Fol­ge wür­de mir so lang­sam dann doch mal auf die Ket­ten gehen.

Das Line-Up ist die­ses Jahr ein biss­chen … äh: unge­wöhn­lich, spie­len mit Jan Delay und Jamie T doch zwei Künst­ler, die auf den ers­ten Blick nicht soooo viel mit Indie zu tun haben. Auf den zwei­ten natür­lich schon und über­haupt: Schub­la­den­den­ken ist den Hald­ern-Machern von Raum3 völ­lig fremd, des­we­gen gibt es jedes Jahr eine außer­ge­wöhn­li­che Mischung aus Sze­ne­grö­ßen, gera­de durch­bre­chen­den Acts und vor­her noch völ­lig unbe­kann­ten Künst­lern. Gera­de­zu bezeich­nend ist die Tat­sa­che, dass die schwächs­ten Auf­trit­te der letz­ten Jah­re aus­ge­rech­net die der Super­stars Franz Fer­di­nand und Man­do Diao waren – die sorg­ten aber immer­hin für eine Indie­mäd­chen­quo­te, über die sich so man­che „Ladies Night“ freu­en wür­de.

Für die­ses Jahr sind unter ande­rem ange­kün­digt: Two Gal­lants, Naked Lunch, The Elec­tric Soft Para­de, Polar­kreis 18, The View, Jamie T, The Magic Num­bers, Sebas­tien Tel­lier, John­os­si, Archi­tec­tu­re In Hel­sin­ki, Shout Out Louds, Jan Delay & Dis­ko No. 1, Ghosts, Duke Spe­cial, The Ear­lies, …

Je län­ger man sich das Line-Up anguckt, des­to bes­ser wird es eigent­lich. Zuge­ge­ben: Im letz­ten Jahr hat­te ich mit Ele­ment Of Crime, The Divi­ne Come­dy und James Dean Brad­field gleich drei per­sön­li­che Hel­den, auf die ich mich freu­en konn­te. Aber ich neh­me an, ich wer­de auch die­ses Jahr wie­der begeis­tert zurück­kom­men. Wenn das Wet­ter stimmt …

Hald­ern Pop Fes­ti­val
vom 2. bis 4. August in Rees-Hald­ern (Ndrh.)
Tickets gibt’s offen­bar noch hier

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Musik

Like a robot from 1964

Tom Jones ist eine coo­le Sau, dar­an soll­te es kei­nen Zwei­fel geben. Zwar oszil­liert der Mann immer zwi­schen hoch­not­pein­lich und rich­tig cool, aber allein sein Auf­tritt in „Mars Attacks!“ und sein groß­ar­ti­ges „Rel­oad“-Album soll­ten aus­rei­chen, um den Mann zu fei­ern.

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag stand er beim Gedenk­kon­zert für Prin­zes­sin Dia­na auf der Büh­ne des Lon­do­ner Wem­bley Sta­di­ums und sang …

„I Bet You Look Good On The Dance­f­lo­or“ von den Arc­tic Mon­keys. Nicht so cool wie das Ori­gi­nal und nicht so char­mant wie die Suga­ba­bes, aber schon irgend­wie ganz spa­ßig für einen 67-Jäh­ri­gen. Wenn man nur nicht das Gefühl hät­te, die Band wür­de eigent­lich „Venus“ spie­len …

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Die Trennung von Staat und Irrsinn

Es gibt Situa­tio­nen, in denen gibt es kein „rich­tig“ und kein „falsch“. Man steht als Unbe­tei­lig­ter davor, guckt sie sich an und ist froh, dass man nicht gezwun­gen ist, eine Posi­ti­on ein­zu­neh­men. Aber man kann sich so sei­ne Gedan­ken machen.

Hier ist so ein Situa­ti­on: Tom Crui­se will/​soll/​wird in „Val­ky­rie“, dem neu­en Film von Bryan Sin­ger, Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg spie­len, einen der Draht­zie­her des geschei­ter­ten Atten­tats auf Adolf Hit­ler am 20. Juli 1944. Crui­se ist aber Mit­glied bei Sci­en­to­lo­gy und des­halb sind ver­schie­dens­te Per­so­nen dage­gen, dass Crui­se an Ori­gi­nal­schau­plät­zen dre­hen darf bzw. Stauf­fen­berg über­haupt spie­len soll.

Uff! Da muss man sich schon eine gan­ze Men­ge Gedan­ken machen, um die­se Situa­ti­on eini­ger­ma­ßen zu ent­wir­ren. Gehen wir also der Rei­he nach vor:

Sci­en­to­lo­gy ist eine höchst umstrit­te­ne Orga­ni­sa­ti­on, die je nach Sicht­wei­se als „Kir­che“, „Sek­te“ oder „Wirt­schafts­un­ter­neh­men“ bezeich­net wird. Als Ein­füh­rung in die Leh­ren von L. Ron Hub­bard sei jedem die­ser erhel­len­de Aus­schnitt aus der „South Park“-Folge „Trap­ped In The Clo­set“ emp­foh­len („This is what Sci­en­to­lo­gists actual­ly belie­ve“) – wobei Reli­gi­ons­kri­ti­ker sicher­lich sagen wür­den, die dort vor­ge­stell­te Geschich­te sei auch nicht bedeu­tend alber­ner als die Erschaf­fung der Welt in sechs Tagen und die Ent­ste­hung der Frau aus einer Rip­pe des Man­nes. Sci­en­to­lo­gys Metho­den sind sicher­lich höchst beun­ru­hi­gend und eigent­lich kann man die Insti­tu­ti­on nur als Gehirn­wä­sche­ver­ein bezeich­nen. Ande­rer­seits ist nach Arti­kel 4 des Grund­ge­set­zes die „unge­stör­te Reli­gi­ons­aus­übung“ gewähr­leis­tet – und wie soll­te bei einer Tren­nung von Staat und Kir­che der Staat bestim­men kön­nen, was eine „ech­te“ Reli­gi­on ist und was nicht?

Das führt unwei­ger­lich auch zu der Fra­ge, ob es eine Tren­nung zwi­schen dem Schau­spie­ler und Pro­du­zen­ten Tom Crui­se und dem Sci­en­to­lo­gen Tom Crui­se gibt. Schon 1996 rief die Jun­ge Uni­on zu einem Boy­kott von „Mis­si­on: Impos­si­ble“ auf, was inso­fern schon eine gelun­ge­ne Akti­on war, als dadurch erst­ma­lig die Metho­den und Leh­ren von Sci­en­to­lo­gy in den Focus einer brei­te­ren Öffent­lich­keit in Deutsch­land gelang­ten. Allein: „Mis­si­on: Impos­si­ble“ hat­te natür­lich außer sei­nem Haupt­dar­stel­ler und Pro­du­zen­ten nicht viel mit Sci­en­to­lo­gy zu tun – im Gegen­satz zu „Batt­le­field Earth“, das auf einem Roman von L. Ron Hub­bard basier­te, den eben­falls berühm­ten Sci­en­to­lo­gen John Tra­vol­ta in der Haupt­rol­le hat­te und als einer der schlech­tes­ten Fil­me aller Zei­ten gilt. Für „Val­ky­rie“ steht unter Regis­seur Bryan Sin­ger („X‑Men“, „Die übli­chen Ver­däch­ti­gen“, …) indes wenig bis gar kei­ne Ver­zer­rung des Stoffs zu befürch­ten (und mal ehr­lich: Wie soll­te man Hub­bards Sci­ence-Fic­tion-Wel­ten in eine Deutsch­land-Anno-’44-Geschich­te packen?).

Die Sek­ten­ex­per­tin der CDU/C­SU-Frak­ti­on, Ant­je Blu­men­thal, teil­te mit, dass das Bun­des­ver­teid­gungs­mi­nis­te­ri­um, das heu­te im Ber­li­ner Bend­ler­block resi­diert, in dem Stauf­fen­berg sein Atten­tat plan­te und wo er auch hin­ge­rich­tet wur­de, einen Dreh am Ori­gi­nal­schau­platz mit der Begrün­dung ableh­ne, eine Dreh­ge­neh­mi­gung für „einen rang­ho­hen Sci­en­to­lo­gen in einem Bun­des­ge­bäu­de“ käme einer bun­des­po­li­ti­schen Aner­ken­nung gleich – und das, bevor auch nur der Antrag auf eine Dreh­ge­neh­mi­gung vor­lag. Allein die­ser „Dienst­weg“ soll­te min­des­tens für skep­ti­sche Bli­cke und Stirn­run­zeln sor­gen.

In der „Süd­deut­schen Zei­tung“ gab es ges­tern einen sehr inter­es­san­ten Kom­men­tar von Andri­an Kreye und die „FAZ“ druck­te einen läng­li­chen Text des deut­schen Oscar-Preis­trä­gers Flo­ri­an Hen­ckel von Don­ners­marck, in dem die­ser über Stauf­fen­berg, Crui­se und die „deut­sche Ver­bots­geil­heit“ phi­lo­so­phiert. Mit­un­ter schießt er dabei ein wenig übers Ziel hin­aus, beweist damit aber auch, dass er mit sei­nem Pathos und Libe­ra­lis­mus (sowie natür­lich mit sei­nem beacht­li­chen Ehr­geiz) in den USA wirk­lich bes­ser auf­ge­ho­ben zu sein scheint als in Deutsch­land. Don­ners­marck argu­men­tiert, dass man die größ­ten und wich­tigs­ten Geschich­ten nur dann einem gro­ßen Publi­kum erzäh­len kön­ne (und wer soll­te etwas dage­gen haben, Stauf­fen­bergs Geschich­te in die Welt zu tra­gen?), wenn man sie mit gro­ßen Stars ver­fil­me – ein Stand­punkt, für den er post­wen­dend von Peter Stein­bach, dem Lei­ter der Gedenk­stät­te Deut­scher Wider­stand, eine drü­ber­ge­bra­ten bekam.

Im Kern hat der streit­ba­re Don­ners­marck aber sicher nicht unrecht: Mit dem ihr eige­nen Fin­ger­spit­zen­ge­fühl hat es die deut­sche Poli­tik geschafft, das The­ma Wider­stand an den Rand zu drän­gen und durch das The­ma Sci­en­to­lo­gy zu erset­zen. Es sind sicher bei­des wich­ti­ge The­men, aber die Wich­tig­tu­er aller Par­tei­en hät­ten sich kaum einen unge­eig­ne­te­ren Hin­ter­grund aus­su­chen kön­nen, um das staat­li­che Ver­hält­nis zu Reli­gi­on und Kunst zu dis­ku­tie­ren.

Auch ich hal­te Sci­en­to­lo­gy für gefähr­lich und wün­sche mir (gera­de ange­sichts der aktu­el­len Deutsch­land-Offen­si­ve) Auf­klä­rung über deren Machen­schaf­ten und mei­net­we­gen auch Beob­ach­tung durch den Ver­fas­sungs­schutz. Ich sehe mir aber trotz­dem Fil­me an, in denen Tom Crui­se mit­spielt (es gibt da ja hin und wie­der auch mal gute mit ihm) – wohl­wis­send, dass ein Teil des Gel­des, das er als Pro­du­zent damit ver­dient, an Sci­en­to­lo­gy gehen wird. Ich kann Crui­se als Per­son (spä­tes­tens seit sei­nem Auf­tritt bei Oprah Win­frey) kein biss­chen ernst neh­men, ich hal­te ihn aber für einen ziem­lich guten Schau­spie­ler und er ist zwei­fel­los einer der größ­ten Stars unse­rer Zeit. Pete Doh­erty ist ja auch nur die Par­odie eines Rock’n’Rol­lers und trotz­dem ein guter Musi­ker.

Was kön­nen wir also aus der gan­zen Cho­se ler­nen? Deut­schen Poli­ti­kern ist es egal, vor wel­chem Hin­ter­grund sie sich pro­fi­lie­ren kön­nen, solan­ge sie dadurch in die Pres­se kom­men. Auch die größ­ten Film­stars der Welt kön­nen sich nicht dar­auf ver­las­sen, über­all rein­zu­kom­men. Schau­spie­ler kön­nen noch so gut spie­len, sie blei­ben auch immer sie selbst. Flo­ri­an Hen­ckel von Don­ners­marck woll­te sich als Zehn­jäh­ri­ger im Gar­ten von Mari­on Yorcks Dah­le­mer Vil­la das Hemd aus­zie­hen. Und: Es gibt Situa­tio­nen, in denen es weder „rich­tig“ noch „falsch“ gibt, und bei denen man froh sein kann, dass man nicht gezwun­gen ist, eine kla­re Posi­ti­on ein­zu­neh­men.

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Politik

Warum Wolfgang Schäuble nie „Krieg und Frieden“ geschrieben hätte

Wenn klei­ne Kin­der wir­res Zeug reden, nennt man sie krank und steckt sie ins Bett. Wenn erwach­se­ne Män­ner wir­res Zeug reden, nennt man sie Poli­ti­ker und steckt sie ins Kabi­nett.

Wolf­gang Schäub­le hat sich also mal wie­der der Pres­se gestellt und dabei ver­rä­te­ri­sches bemer­kens­wer­tes gesagt:

Die Unter­schei­dung zwi­schen Völ­ker­recht im Frie­den und Völ­ker­recht im Krieg passt nicht mehr auf die neu­en Bedro­hun­gen.

Könn­te in etwa hei­ßen: Guan­ta­na­mo wäre auch auf Hel­go­land mög­lich – aber Fol­ter schließt Schäub­le ja eh seit län­ge­rem nicht mehr aus. Und selbst­ver­ständ­lich will er auch wei­ter­hin die Bun­des­wehr im Inne­ren ein­set­zen.

Aus­lö­ser der neu­er­li­chen Dis­kus­si­on sind natür­lich die ver­ei­tel­ten Anschlä­ge in Groß­bri­tan­ni­en vom ver­gan­ge­nen Wochen­en­de. Aber nur noch mal zur Erin­ne­rung: Nicht Online­durch­su­chun­gen von Fest­plat­ten, Vor­rats­da­ten­spei­che­rung oder Fol­ter haben schlim­me­res ver­hin­dert, son­dern der Geruch von aus­strö­men­dem Gas und ein Pol­ler.

P.S.: Wer Wolf­gang Schäub­le bei der Bekämp­fung des inter­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus behilf­lich sein will, kann unter informiert-wolfgang.de ver­schie­dens­te For­mu­la­re her­un­ter­la­den, mit denen man für sich und sein direk­tes Umfeld Ent­war­nung geben kann. Dann muss Schäub­le nicht alles obser­vie­ren las­sen.

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Film

Ich und McClane

Stirb langsam 4.0 (Plakat)Es gibt ja Fil­me, die hat man gefühl­te Tau­send­mal gese­hen. Bei mir ist „Stirb lang­sam – Jetzt erst recht“ (Nr. 3 der Serie) so ein Fall (das letz­te Mal im letz­ten Novem­ber an Bord eines Flug­zeugs von New York nach Oak­land). Teil 1 habe ich bestimmt auch schon ein Halb­dut­zend Mal gese­hen – nur Teil 2 fehlt mir bis heu­te. Jedes Mal, wenn er im Fern­se­hen läuft, ist irgend­was: Geburts­tags­fei­er, Bochum Total oder der Papst stirbt.*

Des­halb fehlt mir natür­lich ein gewis­ser Teil des Gan­zen, aber ich glau­be, man kann „Stirb lang­sam 4.0“ (erst dach­te ich ja: „Doo­fer Titel“, aber er passt ganz gut zur The­ma­tik) auch ganz ohne Vor­kennt­nis­se der Serie schau­en – nur die Run­ning Gags und Quer­ver­wei­se bekommt man dann nicht immer mit. Es gibt in die­sem Som­mer aber sicher ganz ande­re Fort­set­zun­gen, die auf eine fort­lau­fen­de Hand­lung set­zen.

Bruce Wil­lis ist zum vier­ten Mal John McCla­ne, der New Yor­ker Poli­zist, der schon so ziem­lich alles durch­ge­macht hat. Dies­mal soll er eigent­lich nur einen jun­gen Hacker (Jus­tin Long) ans FBI über­füh­ren, aber natür­lich kommt alles ganz anders, als Cyber­ter­ro­ris­ten die kom­plet­te Infra­struk­tur der USA in ihre Gewalt brin­gen wol­len.

Dies­mal ist es also kein Einer-gegen-Alle-Kampf im Hoch­haus wie in Teil 1 (obwohl es gegen Ende des Films noch ein paar schö­ne Ver­wei­se in die Rich­tung gibt) und kei­ne Schnit­zel­jagd wie in Teil 3 (auch wenn McCla­ne wie­der einen unge­lieb­ten Beglei­ter hat und auch dies­mal die meis­te Zeit über nur in fern­münd­li­chem Kon­takt zum Ober­schur­ken steht). „Stirb lang­sam 4.0“ ist also irgend­wie ein Destil­lat der bis­he­ri­gen Tei­le und hat trotz sei­nes recht schlicht anmu­ten­den Plots einen gut kon­stru­ier­ten Ablauf.

Bruce Wil­lis ist natür­lich wie­der genau die coo­le Sau, für die man ihn so liebt, und die Action vor allem eins: laut, hell, bru­tal. McCla­ne steht in der heu­ti­gen Welt der Hacker und Mobil­te­le­fo­ne für die alte, rohe Hand­ar­beit und Wil­lis steht eigent­lich für eine ganz ande­re Gene­ra­ti­on von Action­fil­men: Denn natür­lich kommt auch „Stirb lang­sam 4.0“ wie bei­na­he jeder Action­film dies­seits von 1999 nicht ohne Com­pu­ter­bild­schir­me, Kung-Fu-Ele­men­te und prü­geln­de Frau­en (nix gegen Mag­gie Q …) aus – es wäre also drin­gend an der Zeit, dass mal irgend­je­mand einen Film dreht, der „Matrix“ als Gen­re­prä­gen­des Werk ablö­sen kann.

Außer die­ser Ran­schmei­ße an die Jugend („Ihr wart ja noch nicht mal geplant, als der ers­te Teil im Kino lief!“) kann man dem Film und sei­nem Regis­seur Len Wise­man („Under­world“, „Under­world: Evo­lu­ti­on“) aber nichts vor­wer­fen. Die wenigs­ten Logik- und Schnitt­feh­ler fal­len einem wäh­rend des Films auf und hin­ter­her hat man viel zu viel Adre­na­lin in der Blut­bahn, um über sol­che Lap­pa­li­en reflek­tie­ren zu kön­nen.

Das The­ma Cyber­ter­ro­ris­mus ist gar nicht mal so abwe­gig und man ist fast ver­sucht, von „erschre­ckend rea­lis­ti­schen Sze­na­ri­en“ zu faseln. Um kei­ne Vor­ur­tei­le zu schü­ren oder von der Rea­li­tät über­holt zu wer­den, reden die Bösen aber abwech­selnd fran­zö­sisch, ita­lie­nisch und eng­lisch (hier­zu­lan­de natür­lich deutsch) und sehen auch kein biss­chen ara­bisch aus. Und der Ober­bö­se­wicht (Timo­thy Oly­phant) ist noch nicht mal in der Ori­gi­nal­fas­sung Deut­scher …

Auch wenn außer John McCla­ne (und um den geht’s ja schließ­lich) nur weni­ge ver­bin­den­de Ele­men­te, die über das Selbst­zi­tat hin­aus­ge­hen, exis­tie­ren: „Stirb lang­sam 4.0“ ist ein wür­di­ger Nach­fol­ger (und mög­li­cher Schluss­punkt) der Serie. Es ist einer die­ser rar gewor­de­nen Action­fil­me, die noch rich­tig Wumms haben anstel­le von com­pu­ter­ani­mier­ten Kame­ra­fahr­ten. Man könn­te auch in die Kis­te mit der Auf­schrift „elen­di­ge Kli­scheesät­ze“ grei­fen und sagen bzw. schrei­ben: eine 130minütige Ach­ter­bahn­fahrt, per­fek­tes Pop­corn- bzw. Som­mer­ki­no. Wür­de auch stim­men.

Offi­zi­el­le Web­site zum Film
Offi­zi­el­le deut­sche Web­site zum Film

* Es gehört zu den beson­de­ren Details die­ser Welt, dass einer der weni­gen deut­schen Fern­seh­sen­der, der sein Pro­gramm beim Tod Johan­nes Paul II. mun­ter fort­setz­te, Pro Sie­ben war – mit besag­tem „Stirb lang­sam 2“.

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Politik Gesellschaft

Muse auf dem Straßenstrich

Heu­te waren also die Gut­ach­ter der Eli­te­u­ni­be­schau­kom­mis­si­on an unse­rer … äh: schö­nen Ruhr-Uni unter­wegs. Das erklärt so eini­ges:

  • Seit Wochen wer­den Beton­de­cken und ‑wän­de neu gestri­chen. Das Weg­wei­ser­sys­tem ist auf den neu­es­ten Stand gebracht und das Pflas­ter gerei­nigt wor­den. Sogar die Wasch­be­ton­plat­ten auf dem Cam­pus wur­den ange­ho­ben und neu ver­legt, wodurch sie ihr cha­rak­te­ris­ti­sches Klap­pern ver­lo­ren haben. Und wenn irgend­wel­che krass coo­len Sty­ler die frisch gestri­che­nen Flä­chen mit Eddings getaggt haben, wur­den die eben noch mal gestri­chen.
  • Die sog. Stu­den­ten­ver­tre­ter, denen ich seit jeher skep­tisch gegen­über­ste­he und von denen ich mich fast genau­so schlecht ver­tre­ten füh­le wie von unse­ren Poli­ti­kern, ver­tei­len Fly­er, pla­ka­tie­ren auf den frisch gerei­nig­ten Flä­chen und lau­fen mit Trans­pa­ren­ten umher, die sinn­ge­mäß aus­sa­gen: „Eli­ten sind doof“.
  • Heu­te stand die Poli­zei (nicht Toto & Har­ry, das muss man in Bochum ja immer dazu­sa­gen) auf dem Cam­pus und las „Bild“-Zeitung.

Mir fehlt das Hin­ter­grund­wis­sen zum The­ma „Vor- und Nach­tei­le einer Eli­te­uni­ver­si­tät“ (und weder mei­ne Stu­den­ten­ver­tre­ter noch mei­ne Uni­ver­wal­tung waren in der Lage, mir die­se dar­zu­le­gen) und ich fin­de es natür­lich auch lus­tig, wenn die mit­un­ter reich­lich her­un­ter­ge­kom­me­ne Ruhr-Uni plötz­lich so raus­ge­putzt wird.

Ich fin­de es aber auch schön, dass sie so raus­ge­putzt wird, denn ich gehe lie­ber über einen raus­ge­putz­ten, als über einen ver­wahr­los­ten Cam­pus. Des­halb fin­de ich es auch nicht schön der Uni, den Stu­den­ten und den Hand­wer­kern gegen­über, wenn frisch raus­ge­putz­te Flä­chen wie­der mit irgend­wel­chen aus­sa­ge­lo­sen Schmie­re­rei­en bekra­kelt wer­den. Auch aus­sa­ge­vol­le Schmie­re­rei­en soll­ten aus Grün­den der Ästhe­tik und der Höf­lich­keit woan­ders unter­ge­bracht wer­den.

Ich kann zum The­ma Uni aber noch hin­zu­fü­gen, dass es in der „Süd­deut­schen Zei­tung“ [via Der Mor­gen] und in der „Net­zei­tung“ zwei recht auf­schluss­rei­che Arti­kel über die Fol­gen der Bache­lor-/Mas­ter­stu­di­en­gän­ge für das Bil­dungs­we­sen und die Gesund­heit der Stu­den­ten zu lesen gibt. Und ver­mut­lich soll­te mir das auch etwas zum The­ma „Vor- und Nach­tei­le von Eli­te­uni­ver­si­tä­ten“ ver­ra­ten …

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Spiegel Online macht die Nacht zum Tag

Zuge­ge­ben: Es ist etwas unge­wöhn­lich, wie in man­chen Län­dern die Uhr­zei­ten auf­ge­schrie­ben wer­den. Und das ame­ri­ka­ni­sche „a.m.“ (ante meri­diem – vor dem Mit­tag) und „p.m.“ (post meri­diem – nach dem Mit­tag) kann man schnell mal durch­ein­an­der­brin­gen, beson­ders bei Zei­ten um zwölf Uhr rum. Aber dar­um geht es gar nicht.

Zu den ver­ei­tel­ten Bom­ben­an­schlä­gen in Lon­don schreibt die BBC:
01:25 Uhr nachts bei der BBC
(Screen­shot: bbc.co.uk, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

So ziem­lich alle ande­ren Quel­len grei­fen die­se Zahl auf und rech­nen sie viel­leicht auch noch in die deut­sche Orts­zeit um.

Nur bei Spie­gel Online geht man (mal wie­der) eige­ne Wege:
Nachmittag bei SpOn
(Screen­shot: spiegel.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

Dabei hät­te doch irgend­wem auf­fal­len kön­nen, dass Nacht­clubs, die im Text sechs Mal erwähnt wer­den, Nach­mit­tags eher sel­ten geöff­net sind …

Nach­trag 1. Juli, 18:10 Uhr: In der (kaum rei­ße­risch beti­tel­ten) Chro­no­lo­gie „Drei Tage Angst: Alarm in Groß­bri­tan­ni­en“ ist nun kor­rekt von „01.00 Uhr (Orts­zeit)“ die Rede – im Ursprungs­ar­ti­kel ist aber immer noch „Nach­mit­tag“.