Ich und McClane

Von Lukas Heinser, 3. Juli 2007 19:39

Stirb langsam 4.0 (Plakat)Es gibt ja Filme, die hat man gefühlte Tausendmal gesehen. Bei mir ist „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ (Nr. 3 der Serie) so ein Fall (das letzte Mal im letzten November an Bord eines Flugzeugs von New York nach Oakland). Teil 1 habe ich bestimmt auch schon ein Halbdutzend Mal gesehen – nur Teil 2 fehlt mir bis heute. Jedes Mal, wenn er im Fernsehen läuft, ist irgendwas: Geburtstagsfeier, Bochum Total oder der Papst stirbt.*

Deshalb fehlt mir natürlich ein gewisser Teil des Ganzen, aber ich glaube, man kann „Stirb langsam 4.0“ (erst dachte ich ja: „Doofer Titel“, aber er passt ganz gut zur Thematik) auch ganz ohne Vorkenntnisse der Serie schauen – nur die Running Gags und Querverweise bekommt man dann nicht immer mit. Es gibt in diesem Sommer aber sicher ganz andere Fortsetzungen, die auf eine fortlaufende Handlung setzen.

Bruce Willis ist zum vierten Mal John McClane, der New Yorker Polizist, der schon so ziemlich alles durchgemacht hat. Diesmal soll er eigentlich nur einen jungen Hacker (Justin Long) ans FBI überführen, aber natürlich kommt alles ganz anders, als Cyberterroristen die komplette Infrastruktur der USA in ihre Gewalt bringen wollen.

Diesmal ist es also kein Einer-gegen-Alle-Kampf im Hochhaus wie in Teil 1 (obwohl es gegen Ende des Films noch ein paar schöne Verweise in die Richtung gibt) und keine Schnitzeljagd wie in Teil 3 (auch wenn McClane wieder einen ungeliebten Begleiter hat und auch diesmal die meiste Zeit über nur in fernmündlichem Kontakt zum Oberschurken steht). „Stirb langsam 4.0“ ist also irgendwie ein Destillat der bisherigen Teile und hat trotz seines recht schlicht anmutenden Plots einen gut konstruierten Ablauf.

Bruce Willis ist natürlich wieder genau die coole Sau, für die man ihn so liebt, und die Action vor allem eins: laut, hell, brutal. McClane steht in der heutigen Welt der Hacker und Mobiltelefone für die alte, rohe Handarbeit und Willis steht eigentlich für eine ganz andere Generation von Actionfilmen: Denn natürlich kommt auch „Stirb langsam 4.0“ wie beinahe jeder Actionfilm diesseits von 1999 nicht ohne Computerbildschirme, Kung-Fu-Elemente und prügelnde Frauen (nix gegen Maggie Q …) aus – es wäre also dringend an der Zeit, dass mal irgendjemand einen Film dreht, der „Matrix“ als Genreprägendes Werk ablösen kann.

Außer dieser Ranschmeiße an die Jugend („Ihr wart ja noch nicht mal geplant, als der erste Teil im Kino lief!“) kann man dem Film und seinem Regisseur Len Wiseman („Underworld“, „Underworld: Evolution“) aber nichts vorwerfen. Die wenigsten Logik- und Schnittfehler fallen einem während des Films auf und hinterher hat man viel zu viel Adrenalin in der Blutbahn, um über solche Lappalien reflektieren zu können.

Das Thema Cyberterrorismus ist gar nicht mal so abwegig und man ist fast versucht, von „erschreckend realistischen Szenarien“ zu faseln. Um keine Vorurteile zu schüren oder von der Realität überholt zu werden, reden die Bösen aber abwechselnd französisch, italienisch und englisch (hierzulande natürlich deutsch) und sehen auch kein bisschen arabisch aus. Und der Oberbösewicht (Timothy Olyphant) ist noch nicht mal in der Originalfassung Deutscher …

Auch wenn außer John McClane (und um den geht’s ja schließlich) nur wenige verbindende Elemente, die über das Selbstzitat hinausgehen, existieren: „Stirb langsam 4.0“ ist ein würdiger Nachfolger (und möglicher Schlusspunkt) der Serie. Es ist einer dieser rar gewordenen Actionfilme, die noch richtig Wumms haben anstelle von computeranimierten Kamerafahrten. Man könnte auch in die Kiste mit der Aufschrift „elendige Klischeesätze“ greifen und sagen bzw. schreiben: eine 130minütige Achterbahnfahrt, perfektes Popcorn- bzw. Sommerkino. Würde auch stimmen.

Offizielle Website zum Film
Offizielle deutsche Website zum Film

* Es gehört zu den besonderen Details dieser Welt, dass einer der wenigen deutschen Fernsehsender, der sein Programm beim Tod Johannes Paul II. munter fortsetzte, Pro Sieben war – mit besagtem „Stirb langsam 2“.

Ein Kommentar

  1. Bernd
    4. Juli 2007, 13:58

    „[…] Kung-Fu-Elemente und prügelnde Frauen […]“

    Zu diesem mittlerweile doch sehr nervenden Bild der harten KungFu-Assistentin hat McLane aber auch nen sehr schönen Spruch auf Lager, irgendwas von wegen „diese ganze KungFu-Scheiße geht mir langsam echt auf den Sack“ oder etwas in dieser Richtung – sprach mir aus der Seele und ich habe es als eine kleine Selbstverarschung des Films an sich selbst aufgefasst.
    Außerdem kommt es eher selten vor dass nen Kerl ohne KungFu dieses Asiamädel dann sowas von respektlos durch die Gegend schmeißt und ins Gesicht schlägt, war schon fast erfrischend (seltsam dass zu sagen wenn grad ne Frau auf der Leinwand verprügelt wird, aber ihr wisst schon was ich meine ;)

  2. Steffen
    8. Juli 2007, 12:56

    In diesem Zusammenhang sei auf das vorügliche Interview von Bruce Willis mit der Süddeutschen (hier: http://www.sueddeutsche.de/kul.....95/119849/) verwiesen.