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Musik

Wir Sind Haldern

Haldern Pop 2003

Über­mor­gen ist es end­lich soweit: das Hald­ern Pop Fes­ti­val beginnt. Zeit, für einen letz­ten Stand der Din­ge:

  • Ich wer­de ver­su­chen, eine Art Live­blog zu betrei­ben. Natür­lich nicht alle paar Minu­ten wie beim Grand Prix oder Fuß­ball, aber ich wer­de schon ver­su­chen, zu jeder Band zeit­nah etwas zu schrei­ben. Mal gucken, wie das ohne eige­nen Lap­top geht, aber das soll­te eigent­lich schon pas­sen. Ansons­ten wird auch hier und hier von fach­kun­di­gem Per­so­nal live gebloggt.
  • Zu den Bands, die beim Wett­be­werb für Nach­wuchs­künst­ler einen Slot im Spie­gel­zelt ergat­tern konn­ten, zäh­len Black Rust. Die hab ich letz­tes Jahr bei einem ande­ren Nach­wuchs­wett­be­werb in Bochum gewin­nen sehen (sie erhiel­ten einen Slot beim letzt­jäh­ri­gen Area-4-Fes­ti­val, das dann nie statt­fand) und fand sie sehr gut. Das soll­te man also nach Mög­lich­keit auch noch mit­neh­men.
  • Als letz­te Nach­no­mi­nie­rung fürs „offi­zi­el­le“ Auf­ge­bot ticker­te ver­gan­ge­ne Woche Kate Nash her­ein. Die jun­ge Dame gilt schon als neue Lily Allen (wur­de ja auch lang­sam Zeit …) und ist mit ihrer Sin­gle „Foun­da­ti­ons“ aktu­ell auf Platz 2 der bri­ti­schen Sin­gle­charts. Spie­len wird sie am Don­ners­tag um 18 Uhr im Zelt – das könn­te knapp wer­den.
  • Apro­pos Zelt und knapp: Sie haben es tat­säch­lich getan. Erst­mals in der Geschich­te des Hald­ern Pop wer­den sich Kon­zer­te (absicht­lich) über­lap­pen. Am Frei­tag ist das für mich per­sön­lich nicht so tra­gisch, weil zwi­schen Spi­ri­tua­li­zed und The Elec­tric Soft Para­de genug Zeit liegt, um vom Platz ins Spie­gel­zelt zu gelan­gen. Theo­re­tisch zumin­dest, denn in den letz­ten Jah­ren war das schmu­cke Zelt fast immer bis an den Rand gefüllt – das kommt halt davon, wenn man Bands ein­lädt, die jeder sehen will. Schwie­ri­ger wird der Sams­tag, denn ich kann nicht gleich­zei­tig bei Jan Delay & Dis­ko No. 1 und Ghosts sein. Im Zwei­fels­fall muss Herr Ver­zö­ge­rung dann vor einer Lukas-frei­en Zuschau­er­schaft spie­len. Scha­de eigent­lich.
  • Zuletzt das wich­tigs­te: Hof­fen wir mal, dass sich die Wet­ter­vor­her­sa­gen (Regen­wahr­schein­lich­keit ab Frei­tag Abend: 0%) bestä­ti­gen. Beim drit­ten Regen-Hald­ern in Fol­ge wür­de ich näm­lich mei­ne Fes­ti­val­be­su­cher­kar­rie­re been­den. Eigent­lich bin ich eh schon viel zu alt, um im Zelt zu schla­fen und not­dürf­tig auf­ge­wärm­te Dosen­sup­pen zu essen. Auf der Fes­ti­val­sei­te gibt es aber ein Tem­pe­ra­tu­ren-Tipp­spiel, bei dem man bis Don­ners­tag teil­neh­men kann.

Haldern Pop 2002

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Musik

It’s gonna be an easy ride

Jacqui Naylor (photo by Thomas Heinser)Es gibt Alben, die sind so Gen­re-spren­gend, dass sie haar­scharf an jeder Ziel­grup­pe vor­bei­schram­men. „The Color Five“ von Jac­qui Nay­lor könn­te so ein Fall sein: Eigent­lich ist die Kali­for­nie­rin Jazz­sän­ge­rin, aber ihre Alben und Kon­zer­te öff­nen auch die Schub­la­den „Folk“ und „Pop“ so weit, dass die Kom­mo­de, auf der groß „Musik­gen­res“ steht, und die Musik­jour­na­lis­ten­me­ta­phern um die Wet­te aus­ein­an­der­fal­len.

Gemein­sam mit ihrer (sehr guten, aber dazu kom­men wir noch) Band hat Jac­qui Nay­lor etwas erfun­den, was sie „acou­stic smas­hes“ nennt: Singt Nay­lor den Text eines Pop­songs („Hot Legs“ von Rod Ste­wart“, „I Still Haven’t Found What I’m Loo­king For“ von U2, „Lola“ von den Kinks), spielt die Band dazu einen Jazz­stan­dard („Can­ta­lou­pe Island“ von Her­bie Han­cock, „All Blues“ von Miles Davis, „Side­win­der“ von Lee Mor­gan); singt Nay­lor einen … nun ja: etwas abge­grif­fe­nen Klas­si­ker wie das unver­meid­li­che „Sum­mer­ti­me“ von Geor­ge und Ira Gershwin, bemerkt man das viel­leicht gar nicht auf Anhieb, weil die Band lie­ber „Whip­ping Post“ von den All­man Brot­hers spielt. Hört sich kom­pli­ziert, merk­wür­dig oder schlicht unvor­stell­bar an? Hier kann man in alle Songs rein­hö­ren und sich davon über­zeu­gen, dass es ziem­lich gut klingt.

Ein Drit­tel der fünf­zehn Songs sind die­se „acou­stic smas­hes“, ein Drit­tel „nor­ma­le“ Cover­ver­sio­nen und ein Drit­tel Ori­gi­nals, also Songs, die Nay­lor und ihr Musi­cal Direc­tor Art Khu selbst geschrie­ben haben. Das nicht gänz­lich unre­nom­mier­te Maga­zin „Jazz Times“ ver­glich das Song­wri­ting der bei­den mit dem der nicht gänz­lich unbe­deu­ten­den Joni Mit­chell und Paul Simon, und ich möch­te wenigs­tens noch Sara McLach­lan, Tori Amos und Neil Finn name­drop­pen. „Easy Ride From Here“ z.B. ist ein der­art run­der Pop­song, dass ich ihn bit­te in den nächs­ten Jah­ren in min­des­tens fünf ver­schie­de­nen roman­ti­schen Komö­di­en oder ame­ri­ka­ni­schen Hoch­glanz­se­ri­en hören möch­te.

Ich weiß nicht, ob ich je von Jac­qui Nay­lor erfah­ren hät­te, wenn ich sie nicht per­sön­lich ken­nen­ge­lernt hät­te; ob ich auch so von ihrer Musik begeis­tert wäre, wenn ich sie nicht live gese­hen hät­te. Ihre Stim­me bewegt sich zwi­schen but­ter­weich und ange­nehm krat­zig und ihre Band … Ach, die­se Band: Jazz­mu­si­kern zuzu­se­hen, ist für Men­schen wie mich, die stolz sind, drei Akkor­de feh­ler­frei grei­fen zu kön­nen, immer in glei­chem Maße beein­dru­ckend wie ernüch­ternd. Die­se Band ist beson­ders tight (ist „tight“ über­haupt eine Voka­bel, die zum Beschrei­ben von Jazz­bands geeig­net ist?): Art Khu könn­te man ver­mut­lich ein Alp­horn in die Hand drü­cken und nach fünf Minu­ten wür­de er dem Instru­ment lieb­lichs­te Töne ent­lo­cken, Drum­mer Josh Jones spielt nicht nur die ver­track­tes­ten Beats und Rhyth­men­wech­sel, er gri­mas­siert dabei auch noch, als müs­se er wäh­rend des Kon­zerts noch einer Grup­pe durch­ge­knall­ter Comic­zeich­ner Modell sit­zen.

Es gibt Alben, die sind so Gen­re-spren­gend, dass sie jede Ziel­grup­pe begeis­tern. „The Color Five“ von Jac­qui Nay­lor könn­te so ein Fall sein.

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Radio Musik Rundfunk

Programmhinweis

Mor­gen (Don­ners­tag, 26. Juli) wer­de ich noch ein­mal an mei­ne alte Wir­kungs­stät­te zurück­keh­ren und die Sen­dung „Rocka­way Beach“ bei CT das radio mode­rie­ren.
Es wird eine ein­stün­di­ge Vor­schau auf das Hald­ern Pop Fes­ti­val, das vom 2. bis zum 4. August wie­der am schö­nen Nie­der­rhein statt­fin­det, und ich wer­de haupt­säch­lich Künst­ler spie­len, die die­ses Jahr in Hald­ern am Start sind, und Anek­do­ten aus den ver­gan­ge­nen Jah­ren erzäh­len.

Rocka­way Beach
am 26. Juli 2007
um 21 Uhr
auf CT das radio (Web­stream gibt’s hier)

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Musik

Autumnsongs

Als ich heu­te Mor­gen erwach­te, war drau­ßen Herbst. „Nun ja“, dach­te ich, „das kann ja mal pas­sie­ren!“ Ich ver­warf mei­ne eigent­li­chen Blog­plä­ne für heu­te, warf iTu­nes an und mich nebst Buch aufs Bett. Dann war mir aber doch für einen Moment lang­wei­lig und des­halb stel­le ich jetzt hier exklu­siv die Top Twen­ty mei­ner liebs­ten Herbst-Alben vor:

20. Manic Street Pre­a­chers – This Is My Truth Tell Me Yours (VÖ: 25. August 1998)
Über­le­bens­gro­ßer Brit­pop des wali­si­schen Tri­os. Jeder Song eine Hym­ne, jedes Streich­in­stru­ment eine Umar­mung.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „The Ever­las­ting“

19. The Smas­hing Pump­kins – Ado­re (VÖ: 2. Juni 1998)
Die unend­li­che Trau­rig­keit der zum Trio geschrumpf­ten Pump­kins ging wei­ter. Bil­ly Cor­gan spielt mit Drum­com­pu­tern rum und ist doch redu­zier­ter denn je.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Blank Page“

18. Dan Bern – New Ame­ri­can Lan­guage (VÖ: 6. Mai 2002)
Ame­ri­ka­ni­scher Singer/​Songwriter, der das exak­te Mit­tel­ding zwi­schen Bob Dylan und Elvis Cos­tel­lo ist. Scha­de, dass das kei­ner kennt.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Albu­quer­que Lul­la­by“

17. Get Cape. Wear Cape. Fly – The Chro­nic­les Of A Bohe­mi­an Teen­ager (VÖ: 16. Febru­ar 2007)
Der Jun­ge mit der Gitar­re und dem Drum­com­pu­ter aus Groß­bri­tan­ni­en. Muss sich eigent­lich noch im kalen­da­ri­schen Herbst bewei­sen, wird das aber sicher schaf­fen.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Call Me Ishma­el“

16. Toploa­der – Onka’s Big Moka (VÖ: 14. August 2000)
Das One Hit Won­der mit dem Bubble­gum Radio­pop. Trotz­dem ist nicht nur das Album­co­ver wun­der­bar herbst­lich, son­dern auch die Musik.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Only For A While“

15. Embrace – If You’­ve Never Been (VÖ: 5. Sep­tem­ber 2001)
Die Brit­pop-Brü­der, die nicht Oasis sind, mit ihrem eigent­lich schwächs­ten Album. Trotz­dem ein ech­ter Herbst-Dau­er­bren­ner mit eini­gen gro­ßen Melo­dien.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Make It Last“

14. The Fray – How To Save A Life (VÖ: 27. Okto­ber 2006)
Col­lege­rock auf dem Kla­vier, gemacht von vier über­zeug­ten Chris­ten aus Den­ver. Man muss schon einen Soft Spot für eine gewis­se Men­ge Pathos haben, dann ist es aber groß­ar­tig.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Hea­ven For­bid“

13. Radio­head – Kid A (VÖ: 29. Sep­tem­ber 2000)
Das gro­ße, sper­ri­ge Meis­ter­werk der bes­ten Band unse­rer Zeit. Unbe­schreib­lich und unbe­schreib­lich gut.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „How To Dis­ap­pear Com­ple­te­ly“

12. The Finn Brot­hers – Ever­yo­ne Is Here (VÖ: 20. August 2004)
Neil und Tim Finn haben mit Split Enz und Crow­ded House bei­na­he im Allein­gang die Musik­ge­schich­te Neu­see­lands und Aus­tra­li­en geschrie­ben. Als Finn Brot­hers schrei­ben sie dar­an wei­ter.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Edi­ble Flowers“

11. Kash­mir – Ziti­li­tes (VÖ: 11. August 2003)
Die Wie­der­auf­nah­me von „Kid A“ mit ande­ren, däni­schen Mit­teln. Kash­mir machen alles rich­tig und sichern sich einen Platz in den Musi­kan­na­len, Kate­go­rie: „Stän­dig über­se­he­ne Genies“.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „The After­math“

10. Maxi­mi­li­an Hecker – Infi­ni­te Love Songs (VÖ: 28. Sep­tem­ber 2001)
Sie kön­nen Fal­sett­ge­sang und hoff­nungs­los roman­ti­sche Tex­te nicht aus­ste­hen? Dann wer­den Sie mit die­sem Album nicht glück­lich wer­den. Alle ande­ren schon.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „The Days Are Long And Fil­led With Pain“

09. The Car­di­gans – Long Gone Befo­re Day­light (VÖ: 24. März 2003)
Mit die­sem Folk-Album zeig­ten die Car­di­gans end­gül­tig allen, dass sie kein Bubble­gum Pop One Hit Won­der sind. Und wer vor­her noch nicht in Nina Pers­son ver­liebt war, war es danach.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „You’­re The Storm“

08. Death Cab For Cutie – Plans (VÖ: 29. August 2005)
Mit „O.C., Cali­for­nia“ und einem Major­la­bel im Rücken erober­ten DCFC end­lich die Welt im Sturm. Wäre aber auch zu scha­de gewe­sen, wenn man die­ses groß­ar­ti­ge Indiepop-Album über­se­hen hät­te.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Dif­fe­rent Names For The Same Thing“

07. Muff Pot­ter – Heu­te wird gewon­nen, bit­te (VÖ: 15. Sep­tem­ber 2003)
Nach Jah­ren des Übens und Fin­ger­wund­spie­lens an der Deutsch­punk-Front waren Muff Pot­ter bereit für ihr Meis­ter­werk. 14 Songs zwi­schen Bord­stein­kan­te und Mond, die alles um einen her­um ver­ges­sen machen.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Das Ern­te 23 Dank­fest“

06. The Pos­tal Ser­vice – Give Up (VÖ: 28. April 2003)
Death-Cab-Sän­ger Ben Gib­bard und Dntel-Mas­ter­mind Jim­my Tam­bo­rel­lo zei­gen auf zehn Songs, dass sich Elek­tro­nik und Folk­songs nicht aus­schlie­ßen müs­sen – und die Welt von Indi­edis­co-DJs und Sound­track-Kom­pi­lie­rern war hin­fort nicht mehr die Sel­be.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „The Dis­trict Sleeps Alo­ne Tonight“

05. Cold­play – Parach­u­tes (VÖ: 21. Juli 2000)
Bevor sie Fuß­ball­sta­di­en und Vor­abend­se­ri­en beschall­ten, waren Cold­play für einen Herbst die klei­nen ver­husch­ten Indien­erds, die einen über uner­füll­te Lie­ben und nass­kal­te Heim­we­ge vom Schul­sport hin­weg­trös­te­ten. We live in a beau­tiful world und everthing’s not lost.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „We Never Chan­ge“

04. Ben Folds – Rockin‘ The Sub­urbs (VÖ: 11. Sep­tem­ber 2001)
Das ers­te Solo­al­bum nach dem Ende von Ben Folds Five, erschie­nen an dem Tag, nach dem nichts mehr so war wie zuvor. Groß­ar­ti­ge Songs vol­ler Kla­vie­re und Melan­cho­lie – und vol­ler Witz und Iro­nie.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Car­ry­ing Cathy“

03. Star­sail­or – Love Is Here (VÖ: 19. Okto­ber 2001)
Sie soll­ten die nächs­ten Cold­play wer­den, wenn nicht auch noch Jeff und Tim Buck­ley und mög­li­cher­wei­se Nick Dra­ke – das konn­te ja kaum klap­pen. Star­sail­or lie­fer­ten trotz­dem ein unglaub­lich groß­ar­ti­ges Album ab – und lie­ßen Cold­play dann den Vor­tritt bei der Welt­kar­rie­re.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Fever“

02. R.E.M. – Auto­ma­tic For The Peo­p­le (VÖ: 1. Okto­ber 1992)
R.E.M. schaff­ten den end­gül­ti­gen Sprung vom Geheim­tipp zu Mega­stars – sonst änder­te sich nichts. Wer wis­sen will, wie sowas geht, soll­te das Album hören.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: Alle – ein­fach alle.

01. Tra­vis – The Man Who (VÖ: 28. Mai 1999)
Kein Wun­der, dass das Album in Deutsch­land erst im Herbst so rich­tig sei­ne Hörer fand: der Som­mer ’99 war ein­fach zu tro­cken für „Why Does It Always Rain On Me?“. Wer die Bedeu­tung des Wor­tes „Melan­cho­lie“ erfah­ren will, ist hier rich­tig. Alle ande­ren auch.
Defi­ni­ti­ver Herbst­song: „Turn“

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Musik Sport

Hardcore-Hoteliers

Tom­te-Sän­ger, Grand-Hotel-van-Cleef-Label­chef und Kili­ans-Mana­ger Thees Uhl­mann hat eine neue Band ent­deckt. Sie heißt Esca­pa­do, macht deutsch­spra­chi­gen Hard­core und eine Hör­pro­be kann man sich hier her­un­ter­la­den. Das neue Album erscheint dann wohl Ende Sep­tem­ber beim Grand Hotel.

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Musik

Lieder für die Ewigkeit: Sportfreunde Stiller – Ein Kompliment

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken

Gera­de habe ich bei MTV (bei MTV!!!!1) zum ers­ten Mal das Video zur neu­en Sport­freun­de-Stil­ler-Sin­gle „Alles Roger“ gese­hen. Ich bin mir rela­tiv sicher: bei denen geht nicht mehr viel. End­gül­tig vor­bei scheint die Zeit, in der die sym­pa­thi­schen Bay­ern intel­li­gen­te, gewitz­te Tex­te mit char­man­ten Melo­dien zusam­men­pack­ten und dabei Songs wie „Ein Kom­pli­ment“ aus dem Ärmel schüt­tel­ten.

Man greift sicher nicht zu hoch, wenn man die dama­li­ge Vor­ab­sin­gle zum zwei­ten Sport­freun­de-Album „Die gute Sei­te“ zu den bes­ten deutsch­spra­chi­gen Lie­bes­lie­dern aller Zei­ten (also inkl. Roman­tik und Stur­m’n’­Drang) zählt. Die unum­wun­de­ne Sym­pa­thie­be­kun­dung, die bei vie­len ande­ren Künst­lern in schlimms­tem Schla­ger­kitsch hät­te ver­sin­ken kön­nen, kam bei den Sport­freun­den Stil­ler sym­pa­thisch und authen­tisch rüber. Ja, so ist das halt, wenn man ver­liebt ist: die Ange­be­te­te wird zum „Ziel einer lan­gen Rei­se“, zur „Schaum­kro­ne der Woge der Begeis­te­rung“, kurz­um zum „größ­ten für mich“.

Man kann nur ver­mu­ten, auf wie vie­len Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­ten „Ein Kom­pli­ment“ in den letz­ten fünf­ein­halb Jah­ren gelan­det ist. Wer ein Mix­tape mit die­sem Song dar­auf ver­schenkt und dar­auf kei­ne Ant­wort in der einen oder ande­ren Rich­tung bekommt, soll­te sich ein neu­es Ziel aus­su­chen (hät­te mir das damals mal jemand gesagt …). All das, was man sich als Teen­ager (und dar­über hin­aus) nie zu sagen getraut hat, kann man ein gan­zes Stück ein­fa­cher trotz­dem aus­drü­cken (las­sen).

Aber auch fern­ab die­ses Dienst­leis­tungs­ge­dan­kens ist und bleibt „Eine Kom­pli­ment“ ein wun­der­ba­res Lied: emo­tio­nal, eupho­risch, aber immer noch mit einem soge­nann­ten Augen­zwin­kern. Das ist das Schlacht­schiff „Pathos“ mit dem Ret­tungs­boot „Iro­nie“, die neun­und­neun­zig­kom­ma­neun­pro­zen­ti­ge Hin­ga­be. Ein sol­ches Lied kann man einer Band gar nicht hoch genug anrech­nen.

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Musik Print

„Wie man’s spricht!“

Eine der wich­tigs­ten Regeln, die man lernt, wenn man für die Lokal­re­dak­ti­on einer Tages­zei­tung ers­te Berich­te über Kanin­chen­züch­ter­ver­ei­ne und Schul­thea­ter­auf­füh­run­gen schreibt, lau­tet: „Frag lie­ber noch mal nach, wie man den Namen rich­tig schreibt!“

Das gilt natür­lich haupt­säch­lich für Kanin­chen­züch­ter wie Man­fred Sub­c­zier­c­zyk und Nach­wuchs­schau­spie­le­rin­nen wie Sabi­na Schney­da. Bei Rock­stars, die man zwecks O‑Ton-Abson­de­rung kon­tak­tiert, muss man nicht mehr unbe­dingt nach­fra­gen. Das wür­de ja irgend­wie pein­lich wir­ken und man kann ja zur Not im Inter­net nach­schau­en, wie der Inter­view­part­ner rich­tig geschrie­ben wird.

Soll­te man viel­leicht sogar:
Wer ist Tees Ullmann?
(Screen­shot: taz.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

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Musik Digital

Kinder, Garten, Plätze

Wenn sogar die „Visi­ons“ dar­über berich­tet, soll­te ich viel­leicht auch mal dar­auf hin­wei­sen …

Mei­ne lie­ben Freun­de von den Kili­ans haben sich etwas eini­ger­ma­ßen obsku­res ein­fal­len las­sen, aber das kön­nen sie selbst am Bes­ten erklä­ren (in ihrem MySpace-Bul­le­tin):

Uns ist lang­wei­lig. Wir wol­len mehr. Wir wol­len Action! Und wir wol­len, dass ihr uns wollt. WOLLT UNS! Ist das schon Freu­dia­ner­tum im Anfangs­sta­di­um? Kryp­tisch?

Es geht noch wei­ter! Wir wol­len euren Vorgarten/​Garage/​Hinterhof/​Hood irgend­was, denn wir wol­len für euch spie­len. Wer Kon­zert + Par­ty mit den Kili­ans gewin­nen will, muss mit fol­gen­dem um die Ecke kom­men: LADE UNS EIN. Und zwar nicht so: „Ja kommt doch mal vor­bei. Oma und Opa sit­zen eh auf dem Sofa.“ Son­dern bas­telt eine Ein­la­dung. Ob groß oder schön, vul­gär oder krea­tiv – ganz egal. Nur so dass wir den­ken…: „Da MÜSSEN wir vor­bei kom­men! Sonst macht das Leben kei­nen Sinn mehr!“ Macht davon ein Foto und schickt uns das als Kom­men­tar.

Suche eine Stel­le an/​vor/​hinter dei­nem Haus, an der wir mit dem Kili­ans-Bus vor­fah­ren kön­nen. Dort wer­den wir unser Dach auf­klap­pen und schon habt ihr die Büh­ne. Da Red Bull in Spen­dier­lau­ne ist bekom­men nicht nur wir von ihnen den Bus, son­dern auch ihr na, was wohl? Genau, Red Bull +X von ihnen.

Und: Macht eure Gara­gen hübsch. Ver­ziert eure Loca­ti­ons. Rüscht sie auf und zeigt uns, was ihr habt. Stellt ein selbst­ge­bau­tes Kili­ans Pos­ter her, auf dem ihr zeigt, wie ihr unser Kon­zert ankün­digt. Drauf muss: Der Vor­gar­ten-Tour-Zeit­raum, näm­lich *1. – 9. August 2007* und unser Name.

Also: Schi­cke Loca­ti­on, davor das Pos­ter (mit *1. – 9. August 2007* und * Kili­ans* drauf) -> davon ein Foto -> ab als Pro­fil­bild auf eurer MySpace-Sei­te und spä­tes­tens jetzt unser Freund wer­den. -> einen Kom­men­tar auf unse­rer MySpace Site hin­ter­las­sen, in dem ihr erklärt, war­um ihr UNS aus­ge­rech­net bei euch spie­len las­sen wollt (und wenn ihr habt, eure gebas­tel­te Ein­la­dung hin­ter­lasst). Ob wir bei euch spie­len, erfahrt ihr spä­tes­tens am 26. Juli. Nicht ver­ges­sen: Die ers­ten Tage im August für uns frei hal­ten!

Also wer einen Vor­gar­ten, eine Gara­ge oder auch ein Fuß­ball­sta­di­on sein eigen nennt, soll­te die­sen klar for­mu­lier­ten Anwei­sun­gen Fol­ge leis­ten und wird mit etwas Glück noch sei­nen Enkeln davon berich­ten kön­nen, dass „die­se welt­be­rühm­te Band, die da gera­de im Fern­se­hen zu Ehren des hun­derts­ten Geburts­tags von Welt­prä­si­dent Al Gore spielt“, damals bei ihm auf dem Grund­stück gerockt hat. Den Zusatz „Und so hab ich Eure Omma rum­ge­kriegt“, kann man sich ja spa­ren …

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Musik

Another Day In Paradise

Die ers­te Schall­plat­te, von der ich mich erin­nern kann, sie in den Hän­den gehal­ten zu haben, müss­te „…But Serious­ly“ von Phil Coll­ins gewe­sen sein. Mein Vater hat­te sie ver­mut­lich kurz nach Erschei­nen gekauft und ich neh­me an, „Ano­ther Day In Para­di­se“ war mit sechs Jah­ren sowas wie mein ers­tes Lieb­lings­lied, ein­fach weil es stän­dig auf Plat­te und im Radio lief. So ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber Phil Coll­ins war ein­fach immer da.

Etwa zu die­ser Zeit fing ich mit dem Schlag­zeug­spie­len an und begriff erst lang­sam, dass Phil Coll­ins auch ein berühm­ter Schlag­zeu­ger (gewe­sen) war – einer der bes­ten der Welt. So wird es wohl nie mehr einen beein­dru­cken­de­ren Schlag­zeug­ein­satz geben als auf „In The Air Tonight“ und auch heu­te sind sei­ne Schlag­zeug­so­li die Höhe­punk­te jedes Live­kon­zerts. Ehe der ungleich coo­le­re Dave Grohl vom Nir­va­na-Schlag­zeug ans Foo-Figh­ters-Mikro­fon wech­sel­te, war Phil Coll­ins das Vor­bild aller Drum­mer, die sich zu Höhe­rem beru­fen fühl­ten (also aller Drum­mer).

Sein ’93er Album „Both Sides“ war eine der ers­ten CDs, die ich selbst besaß, auch wenn ich es bis heu­te glau­be ich kein ein­zi­ges Mal kom­plett gehört habe – als jun­ger Mensch hör­te man ja irgend­wie immer nur die Sin­gles, die man aus dem Radio oder aus der WDR-Video­clip­sen­dung „Hit Clip“ kann­te. Dafür kann ich die Tex­te die­ser Sin­gles heu­te immer noch aus­wen­dig mit­sin­gen, was inso­fern beacht­lich ist, als das Album ja aus einer Zeit stammt, zu der ich gera­de im ers­ten Jahr des Eng­lisch­un­ter­richts steck­te.

Weih­nach­ten 1996 wünsch­te ich mir dann und bekam „Dance Into The Light“, das ich auch erst­ma­lig als voll­stän­di­ges Album wahr­nahm. Aus heu­ti­ger Sicht lässt sich natür­lich leicht sagen, dass es sich um ein ziem­lich grau­en­haf­tes Radio­pop-Album han­delt, auf dem der damals 45-jäh­ri­ge Coll­ins abwech­selnd ver­such­te, jugend­lich und wie sein alter Gene­sis-Kum­pel Peter Gabri­el zu klin­gen. Auch hat­te ich mich als 13-Jäh­ri­ger noch nicht so weit in die Musik­his­to­rie ein­ge­ar­bei­tet um zu erken­nen, dass Coll­ins‘ Ver­si­on von „The Times They Are A‑Changin‘ “ ein ziem­lich übles Ver­ge­hen am Werk eines gewis­sen Bob Dylan war. Ich war halt Phil-Coll­ins-Fan und soll­te noch ler­nen, dass es offen­bar eben­so schwer ist, sich gegen sei­ne ers­ten musi­ka­li­schen Hel­den zu stel­len, wie etwas schlech­tes über sei­ne ers­te Teen­ager-Lie­be zu sagen. So bin ich ja heu­te noch glü­hen­der Ver­eh­rer von a‑ha und Her­bert Grö­ne­mey­er, ver­su­che auch der grau­en­haf­ten neu­en Paul-McCart­ney-Plat­te irgend­et­was posi­ti­ves abzu­rin­gen und nach mei­nem Wie­der­hö­ren mit der Mün­che­ner Frei­heit will ich am liebs­ten gar nicht wis­sen, was ich auch heu­te noch von BAP und East 17 hiel­te.

„…Hits“, das Coll­ins-Best-Of von 1998, war jeden­falls eine mei­ner ers­ten selbst­ge­kauf­ten CDs und mach­te mich auch mit den Erfol­gen, die vor mei­ner Geburt lagen, bekannt. Als Phil Coll­ins dann 1999 den Sound­track zu Dis­neys „Tarzan“-Film ver­öf­fent­lich­te, befand ich mich zwar schon auf dem Weg zu einem ande­ren Musik­ge­schmack, aber die sym­pa­thi­sche Stim­me des klei­nen Man­nes gehör­te inzwi­schen qua­si zur Fami­lie. Auch die­se Lie­der kann ich heu­te alle noch mit­sin­gen und die Sin­gle „You’ll Be In My Heart“ hat es sei­ner­zeit auf min­des­tens eine Kas­set­ten­mäd­chen­kas­set­te geschafft.

Selbst, als sich bei mir schon die Radiohead‑, Smas­hing-Pump­kins- und Tom-Liwa-Alben sta­pel­ten, war Phil Coll­ins aus mei­nem Leben nicht weg­zu­krie­gen: Das Leo-Say­er-Cover „Can’t Stop Loving You“ vom ansons­ten grau­en­haf­ten Album „Testi­fy“ lan­de­te wahr­schein­lich nur des­halb auf kei­nem Mix­tape, weil die Ste­reo­an­la­ge mei­nes Vaters damals nach einem Blitz­scha­den in Repa­ra­tur war, und selbst „Look Through My Eyes“ vom „Bären­brü­der“-Sound­track fand ich gut. Phil Coll­ins‘ Stim­me hat inzwi­schen die glei­che Wir­kung auf mich wie der Geruch auf dem Dach­bo­den mei­ner Groß­el­tern: Sie weckt Erin­ne­run­gen an längst ver­gan­ge­ne Tage, als die Welt noch groß und auf­re­gend war, und einem trotz­dem nichts pas­sie­ren konn­te.

So war ich auch kein biss­chen über­rascht, als bei der Aka­de­mi­schen Jah­res­fei­er, in deren Rah­men ich am Diens­tag mein Bache­lor-Zeug­nis erhielt, ein Jazz-Trio „Against All Odds“ zum Bes­ten gab (der Grund, war­um ich über­haupt auf die Idee zu die­sem Ein­trag kam). Ich war sogar rich­tig­ge­hend beru­higt, denn ich wuss­te, Phil Coll­ins und sei­ne Songs wür­den immer da sein, egal wo ich bin und was ich tu. Und es ist doch immer schön, wenn man sich auf etwas ver­las­sen kann.

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Schlagerzeilen

So, jetzt hab ich mir doch mal (zum ers­ten Mal seit der Ent­de­ckung Ame­ri­kas, ver­mut­lich) den „Spie­gel“ gekauft. Noch nicht mal pri­mär, weil da das sagen­um­wo­be­ne Schäub­le-Inter­view drin ist, son­dern wegen … Micha­el Wend­ler!

Den hat­ten wir hier schon mal ken­nen­ge­lernt, als ich Dins­la­ken zur zukünf­ti­gen Musik­haupt­stadt Deutsch­lands erklär­te. Ganz so weit ist man beim „Spie­gel“ noch nicht, aber der Arti­kel von Tho­mas Schulz zählt zum Unter­halt­sams­ten, was ich in den letz­ten Mona­ten gele­sen habe (und man soll­te es beim „Spie­gel“ kaum für mög­lich hal­ten: das scheint sogar beab­sich­tigt gewe­sen zu sein).

„Der Wend­ler wird eine Hys­te­rie aus­lö­sen.“ Sagt der Wend­ler. „Der Wend­ler ist ein­fach geil.“ Sagt der Wend­ler. „Wenn ich nicht selbst der Wend­ler wäre, ich würd‘ mir die gan­ze Zeit zu mei­nen Kon­zer­ten hin­ter­her­fah­ren.“
Der Wend­ler, das ist Micha­el Wend­ler, 35, gelern­ter Spe­di­ti­ons­kauf­mann aus Dins­la­ken, Beruf: Schla­ger­star. Obwohl der Wend­ler das so nie sagen wür­de, genau wie er nie „der Micha­el“ sagt und sel­ten „ich“, son­dern immer nur „der Wend­ler“. Er wür­de sagen: König des Pop-Schla­gers. So steht es auf sei­nen Pla­ka­ten, sei­nem Fan-Maga­zin, sei­nen Plat­ten. Er hat sich den Begriff mar­ken­recht­lich schüt­zen las­sen.

Ich gebe zu, ich hät­te den Arti­kel nicht an der U‑Bahn-Sta­ti­on lesen sol­len, man wird ja doch immer schief ange­guckt, wenn man sich in der Öffent­lich­keit kaputt­lacht. Schon in der Ein­lei­tung steht „Ein Besuch in einer Par­al­lel­welt“, und genau das ist es: Schulz macht sich nicht über sein The­ma lus­tig, er beschreibt es nur mit dem dezent ungläu­bi­gen Blick, den man wohl drauf­ha­ben soll­te, wenn man im Auf­trag eines Ham­bur­ger Nach­rich­ten­ma­ga­zins Fest­zel­te, Dorf­dis­cos und den „Bal­ler­mann“ auf Mal­lor­ca auf­su­chen muss:

Es dau­ert nicht lan­ge, dann schlappt ein Mann her­an in knall­ro­ten Leder­ho­sen und abge­schnit­te­ner Jeans­ja­cke, er setzt sich an den Tisch, ein­fach so, und stellt sich vor: „Gestat­ten: Drews, Schla­ger­star, alternd“.

Die Schla­ger­bran­che, so der Tenor der Repor­ta­ge, erlebt gera­de mal wie­der ein Revi­val – aber dies­mal ohne die Hel­den von vor­ges­tern und abseits der Öffent­lich­keit:

Des­we­gen ist Andrea Berg wohl auch der unbe­kann­tes­te Star im Land. Ihr „Best of“-Album hielt sich 290 Wochen in den Charts. Ihr aktu­el­les Album war die meist­ver­kauf­te Plat­te des Musik­rie­sen Sony BMG in Deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr. Sie kann inzwi­schen bis zu 30 000 Euro pro Auf­tritt neh­men. Aber das hat RTL nicht davon abge­hal­ten, ihren Auf­tritt bei der Ver­lei­hung des Deut­schen Musik­prei­ses Echo fast kom­plett her­aus­zu­schnei­den.

Es lohnt sich, den Arti­kel zu lesen, und es lohnt sich anschei­nend auch, sich mal so ein Micha­el-Wend­ler-Kon­zert aus der Nähe anzu­schau­en:

„Bei mei­nen Auf­trit­ten sind die Leu­te so ral­lig, die knal­len sich auf den Toi­let­ten.“

Nach­trag 20:25 Uhr: Wie mir mei­ne Mut­ter soeben per E‑Mail mit­teilt, ist der Arti­kel auch online ver­füg­bar. Das war er heu­te Nach­mit­tag, als ich zum Kiosk ging, noch nicht …

Nach­trag, 20. Juli: Jetzt ist der Arti­kel natür­lich wie­der off­line bzw. kos­ten­pflich­tig. Kön­nen die sich mal ent­schei­den?

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Die Umwelt retten mit Ole von Beust und welt.de

Heu­te fin­det, wie Sie viel­leicht mit­be­kom­men haben, Rund um die Welt „Live Earth“ statt. (Wenn Sie es nicht mit­be­kom­men haben, sind sie ent­we­der nicht son­der­lich leben­dig oder gera­de nicht auf der Erde.)

welt.de betreibt dazu eine Art Live­blog irgend­was aktu­el­les mit Schrift. Und inmit­ten die­ses Tex­tes fin­det sich mal eben die Lösung, wie man die­ses gan­ze CO2, das ja bekannt­lich in gro­ßen Men­gen für den Treib­haus­ef­fekt mit­ver­ant­wort­lich ist, schnell und prak­tisch los­wird:

Hamburger Kraftwerk verbraucht CO2
(Screen­shot: welt.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

Also müss­ten wir nur genug von die­sen Kraft­wer­ken bau­en und schon hät­ten kei­ne CO2-Sor­gen mehr wären wir alle tot.

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Listenpanik (4): Knietief im Pop

Dank der zu Anfang etwas kru­den Abrech­nungs­zeit­räu­me war Teil 3 unse­rer Serie für den Mai gedacht, die­ser (vier­te) befasst sich also mit den Alben und Sin­gles des Monats Juni. Wie immer streng sub­jek­tiv und ohne den Hauch eines Anspruchs auf Voll­stän­dig­keit – und dies­mal beson­ders pop­pig:

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1. Crow­ded House – Time On Earth
Crow­ded House war trotz der gro­ßen Hits („Wea­ther With You“, „Don’t Dream It’s Over“, „Four Sea­sons In One Day“, …) die Band, die kaum jemand kann­te. Das änder­te sich auch nicht groß, als sich die Band 1996 auf­lös­te und ihr Kopf Neil Finn allei­ne und mit sei­nem Bru­der Tim schö­ne bis groß­ar­ti­ge Pop-Alben ver­öf­fent­lich­te. Jetzt hat sich die Band in Bei­na­he-Ori­gi­nal­be­set­zung (Schlag­zeu­ger Paul Hes­ter beging 2005 Selbst­mord) wie­der zusam­men­ge­tan und ihr fünf­tes regu­lä­res Album ver­öf­fent­licht. Und man muss sagen: Wenn es je eine Band ver­dient hat, das musi­ka­li­sche Erbe der Beat­les anzu­tre­ten, dann Crow­ded House. Die wun­der­schö­nen, oft melan­cho­li­schen Melo­dien pur­zeln nur so aus den Boxen und Songs wie die Sin­gle „Don’t Stop Now“ hät­ten es ver­dient, min­des­tens so berühmt zu wer­den wie „Wea­ther With You“.

2. Jupi­ter Jones – Ent­we­der geht die­se scheuß­li­che Tape­te – oder ich
Zwei­ein­halb Jah­re nach ihrem Debüt sind Jupi­ter Jones zurück und machen bei­na­he da wei­ter, wo sie auf­ge­hört haben. Zu den gran­dio­sen Tex­ten über Lie­be und Ein­sam­keit, Auf­bruch und Auf­ge­ben hat sich die Band musi­ka­lisch wei­ter­ent­wi­ckelt und beein­druckt jetzt mit Blä­sern, Strei­chern und natür­lich auch wei­ter­hin mit jede Men­ge Feu­er unterm Arsch. Nenn‘ es Punk­rock, nenn‘ es Deutsch­rock oder Emo – das ist eigent­lich egal, denn es ist und bleibt gut: Musik mit kathar­ti­scher Wir­kung.

3. Mark Ron­son – Ver­si­on
Mark Ron­son ist DJ und Pro­du­zent (Lily Allen, Rob­bie Wil­liams, …) und das, was er auf sei­nem zwei­ten Solo­al­bum betreibt, ist das, was ein DJ und Pro­du­zent eben so macht: Songs inein­an­der über­ge­hen las­sen und über­ra­schen­de Klän­ge her­vor­zau­bern. Neun Cover­ver­sio­nen gibt es, zwei Remi­xe und drei Instru­men­tal­tracks und die Gast­stars geben sich die Klin­ke in die Hand: Die char­man­te Lily Allen gewinnt „Oh My God“ von den Kai­ser Chiefs ein weib­li­che Lon­do­ner Kom­po­nen­te ab, Dani­el Mer­ri­wea­ther schmach­tet sich durch „Stop Me“ von The Smit­hs, Phan­tom-Pla­net-Sän­ger Alex Green­wald bezwingt (wie schon auf die­sem Tri­bu­te-Sam­pler) Radio­heads „Just“ und Rob­bie Wil­liams darf bei „The Only One I Know“ von den Char­la­tans zei­gen, dass er immer noch sin­gen kann. Dazu gibt’s fet­te Beats und sat­te Blä­ser und schon hat man etwas ganz sel­te­nes: ein Album, dass man auf einer Par­ty durch­lau­fen las­sen kann.

4. Ryan Adams – Easy Tiger
Fast andert­halb Jah­re lagen zwi­schen der Ver­öf­fent­li­chung von „29“ und „Easy Tiger“ – Ryan Adams hat­te doch nicht etwa eine Schreib­blo­cka­de? Iwo: Der leicht ver­peil­te Alt.-Country-Rocker hat nur Anlauf genom­men und will die­ses Jahr noch ein Box­set mit Out­takes und Rari­tä­ten ver­öf­fent­li­chen. Vor­her gibt es aber „Easy Tiger“, das so ziem­lich alle Qua­li­tä­ten des frü­he­ren Whis­key­town-Sän­gers ver­eint: Rock’n’Roll‑, Folk‑, Coun­try- und Pop­songs ste­hen neben­ein­an­der wie Geschwis­ter, die sich nicht so hun­dert­pro­zen­tig ähn­lich sehen, aber doch den glei­chen Papa haben. Es ist Adams‘ abwechs­lungs­reichs­tes Album seit dem phan­tas­ti­schen „Gold“ und viel­leicht auch sein bes­tes seit­dem. Das merkt man u.a. dar­an, dass bei „Two“ noch nicht mal Sheryl Crow stört.

5. Ghosts – The World Is Out­side
Jedes Jahr kom­men jun­ge bri­ti­sche Bands zu uns, die die Nach­fol­ge von a‑ha oder wenigs­tens der New Radi­cals antre­ten wol­len. Bei man­chen (Kea­ne) klappt das, ande­re lau­fen zwar im Radio, schaf­fen den Durch­bruch dann aber doch nicht (Orson, The Fee­ling, Thir­teen Sen­ses. …). Wozu Ghosts gehö­ren wer­den, ist noch nicht abzu­se­hen. Man kann aber schon sagen, dass sie schi­cke Pop­mu­sik machen, die uns durch den Som­mer beglei­ten soll – egal, wie das Wet­ter noch wird. Das klappt viel­leicht nich über die vol­le Album­di­stanz und ist auch alles ande­re als neu, aber eben doch sehr nett gemacht. Wer jetzt sagt: „Na, das ist aber kein beson­ders über­zeu­gen­des Plä­doy­er“, dem sage ich: „Kann schon sein. Aber hören Sie sich das ein­fach mal an, es könn­te Ihnen gefal­len.“

Sin­gles (inkl. iTu­nes-Links)
1. Beat­steaks – Cut Off The Top
Das dazu­ge­hö­ri­ge Album hat­te ich hier schon sträf­lich ver­nach­läs­sigt, die Sin­gle muss aber rein. Die Beat­steaks machen mal wie­der alles rich­tig und hau­en einen schwer zu kate­go­ri­sie­ren­den Song (und ein tol­les Video) raus. „Dama­ge! Dama­ge!“

2. Smas­hing Pump­kins – Taran­tu­la
Dafür bringt man als 16-Jäh­ri­ger all sein Taschen­geld zum Ticket­händ­ler und geht auf ein Kon­zert der „Abschieds­tour­nee“, damit sich die Band sie­ben Jah­re spä­ter refor­miert. Oder: Damit sich Bil­ly Cor­gan ein paar neue Band­dar­stel­ler auf die Büh­ne stellt und Paris Hil­ton aufs Sin­gle-Cover klatscht. Der Song ist aber schon recht beacht­lich, der ein­zi­ge ande­re Ur-Pump­kin Jim­my Cham­ber­lin knüp­pelt sich durch min­des­tens vier ver­schie­de­ne Rhyth­men und ich muss gleich drin­gend los und mir das Album kau­fen. Bleibt nur die Fra­ge: Was ist mit dem „The“ im Band­na­men pas­siert?

3. Mika – Relax (Take It Easy)
Mika habe ich ja schon eini­ge Male gefei­ert (z.B. hier sein Album), „Relax“ kann man ruhig aber noch mal extra erwäh­nen. Für alle, die kei­ne Cut­ting-Crew-Samples und kei­ne Kopf­stim­men mögen, ist der Song natür­lich eine Zumu­tung, für mich eine char­mant durch­ge­knall­te Dis­co-Num­mer, die auch durch die Ver­wen­dung im Wer­be­fern­se­hen kei­nen gro­ßen Scha­den nimmt.

4. Ghosts – Stay The Night
Schon wie­der Ghosts. Ja, das ist halt ein­gän­gi­ger Radio­pop und „Stay The Night“ das, was man wohl als „Gute-Lau­ne-Musik“ bezeich­nen wür­de, wenn das nicht ein abso­lut wider­li­cher, bescheu­er­ter Begriff wäre. Mal dar­über nach­ge­dacht, dass die­se Sin­gles-Lis­te immer so pop­las­tig sein könn­te, weil so wenig Math­co­re- oder Expe­ri­men­tal-Bands Sin­gles ver­öf­fent­li­chen? Ist mir auch gera­de erst auf­ge­fal­len.

5. Take That – Reach Out
Jawoll, ich bin end­gül­tig wahn­sin­nig gewor­den und packe Take That auf mei­ne Lis­te. Aber wie­so eigent­lich wahn­sin­nig? Das ist doch wohl ein­fach ein schö­ner Pop­song, sau­ber geschrie­ben und gut gesun­gen. Und um mich gleich rich­tig lächer­lich zu machen: Bin ich der ein­zi­ge, den die Stro­phen an „Die Tie­re sind unru­hig“ von Kan­te erin­nern?