Kategorien
Musik

Glamorous Indie Rock’n’Roll

Als The Killers, die erste Rockband, die es je aus Las Vegas lebend herausgeschafft hat, vor drei Jahren ihr Debüt “Hot Fuss” veröffentlichten, sagten alle: “Boar geil, dieser Eighties Sound und diese Texte und diese ganze Ironie.” Als The Killers im vergangenen Jahr ihr Zweitwerk “Sam’s Town” veröffentlichten, sagten alle: “Oh weh, das klingt ja, als sei Bruce Springsteen unter dem Joshua Tree geboren worden. Der Sänger trägt einen Schnauzbart und der Gitarrist sieht aus wie jemand von Europe – oder wenigstens wie Brian May. Was machen wir denn, wenn das gar keine Ironie ist?”

Wer es ernst meint, hat es noch wie vor schwer im Rockbusiness. Schwerer hat es nur derjenige, bei dem man nicht weiß, ob er es ernst meint. Da rüpelt Sänger Brandon Flowers durch die Musikpresse, verpasst The Bravery, Panic! At The Disco und Green Day ein paar verbale Abreibungen und verkündet, das eigene Album sei eines der besten der letzten zwanzig Jahre, nur um dann ein paar Wochen später wie ein beliebiger Bundespolitiker wieder zurückzurudern mit dem Hinweis, das alles nicht so gemeint zu haben. Also wieder nichts geworden mit der Hoffnung, irgendjemand könnte die Gallaghers doch noch als Großkotze des internationalen Rock’n’Roll-Circus beerben. Flowers, so war zuletzt im Musikexpress zu lesen, halte sich selbst für nicht sonderlich eloquent und sage dann manchmal Sachen, die er hinterher bereue. Am liebsten sage er aber nichts.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Anzahl der Zwischenmoderationen beim gestrigen Killers-Konzert im ausverkauften Kölner Palladium auf ein Minimum beschränkten. Die Band war auch mit wichtigerem beschäftigt: nach der ganz famosen britischen Vorgruppe Mumm-Ra und nach einem Multimedia-Intro, das sich gewaschen hat, standen The Killers plötzlich im Glitterregen (rot-weiß-blau, of course, und silber) auf der Bühne, spielten die ersten drei Stücke von “Sam’s Town” durch und starteten damit eine Party, bei der in knapp 80 Minuten mehr los war als im Borussiapark zu Mönchengladbach in einer ganzen Saison. Ohne Rücksicht auf Verluste und ohne den sonst so verbreiteten Drang, die ganz großen Hits alle erst in der Zugabe zu verbraten, reihten The Killers ihre Singles wie die Perlen einer etwas übertrieben glitzernden Kette aneinander: “Bones”, “Somebody Told Me”, “Jenny Was A Friend Of Mine” und “Smile Like You Mean It” als Nummern Vier bis Sieben im Set, so hintereinander weg.

Das Publikum hatte vom ersten Takt an die Hände in der Luft und machte Party, Party, Party. Ich war nach zwanzig Minuten körperlich am Ende und fragte mich, wie die ganzen Duracell-Häschen um mich herum ihr Pensum aufrechterhalten konnten. Und: Nein, nicht alle waren jünger. Ruhig wurde es eigentlich nie, einzig ein paar Intros und Zwischenspiele waren nicht so beatgetrieben wie der Rest der Show. Aber waberten gerade mal sphärische Keyboard-Teppiche durch das aufgeheizte Palladium, war das Publikum sein eigener Anheizer und klatschte, was die Hände hergaben (und wie es sich gehört, klatschte es natürlich ohne einen Hauch von Rhythmusgefühl, so dass man das Gefühl hatte, Drummer Ronnie Vannucci würde statt seiner Bassdrum lieber einigen Zuschauern den richtigen Beat einprügeln). Es war ein Hüpfen und Springen und Tanzen und man musste sich wieder fragen, warum man eigentlich nie mit den attraktiven Indiemädchen zusammenstößt – “Don’t you wanna feel my skin on your skin?” -, sondern einem immer nur die gesetzteren Damen auf die Zehen hopsen. (Preisfrage am Rande: Warum hab ich mich mit 1,85 m nur so verdammt klein gefühlt und wie viel haben die wirklich kleinen Indiemädchen eigentlich noch von dem auch nicht sonderlich großen Brandon Flowers sehen können?)

Noch vor der Zugabe erklang “Mr. Brightside”, der vielleicht größte Hit der Band bisher, im Zugabenblock verbeugten sich The Killers mit einer Coverversion von “Shadowplay” vor Joy Division (The Killers benannten sich ja nach der Fantasieband gleichen Namens im “Crystal”-Video der Joy-Division-Nachfolgeband New Order) und zum Abschluss gab es dann den “Sam’s Town”-Schlusstrack “Exitlude”. Und hintendran noch mal einen Refraindurchlauf von “When You Were Young”. Mehr Hits, mehr Stimmung ging wirklich kaum, es wäre körperlich kaum zu verkraften gewesen. Das Glaubensbekenntnis der Band und der Fans war sowieso schon mitten im Konzert erklungen: “Glamorous Indie rock’n’roll is what I want / It’s in my soul, it’s what I need”. Nicht mehr, aber nun wirklich auch nicht weniger.

Und für die Freunde von Listen, Statistiken und Namedropping gibt es hier noch die komplette Setlist:

Kategorien
Musik

Voll auf die … Ach, lassen wir das!

Den Deutschen sagt man ja (neben vielem anderen) auch ein etwas gestörtes Verhältnis zur Popkultur nach. Wenn also die Veröffentlichung eines neuen Tonträgers in jedem Medium von der F.A.Z. bis zur “Vanity Fair”, von “Wetten dass…?” bis zu MTV thematisiert wird, dann ist das schon etwas ganz besonderes. Herbert Grönemeyer ist populärer als jeder andere deutsche Musiker und so über jeden Zweifel erhaben wie andernorts Bob Dylan. Eine CD-Besprechung verbietet sich fast von selbst, denn kein noch so kritischer Musikjournalist mag an Grönemeyer herummäkeln. Er ist einfach eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn er das selber nicht hören mag. In den letzten Wochen hat Grönemeyer so viele Interviews gegeben, dass man als aufmerksamer Medienkonsument mittlerweile an seiner statt Interviews geben könnte (was aktuell übrigens auch für Christoph Maria Herbst und den Start der dritten “Stromberg”-Staffel gilt).

Jetzt kreist “Zwölf” endlich seit ein paar Tagen in meinem CD-Laufwerk und in der Tat habe ich keine Ahnung, was ich darüber schreiben sollte. Wie schon bei “Mensch” bin ich mir sicher, dass es sich um ein wichtiges Album mit ausgefeilter Musik und klugen Texten handelt, und wieder hab ich keine Ahnung, ob mir das Album persönlich jetzt sehr viel oder gar nichts bedeutet. Dieses Gefühl habe ich wirklich nur bei Platten des Ex-Bochumers. (Wäre dies ein Zeitungsartikel, hätte der Textchef gerade “Ex-Bochumer” durchgestrichen und “Wahl-Londoner” hingeschrieben. Aber Lokalpatriotismus ist halt stärker als der Drang zum Mainstream-Synonym.) Schon beim ersten Hören kommt einem die Musik seltsam vertraut vor und selbst wenn Grönemeyer immer wieder betont, wie unwichtig ihm selbst die Texte eigentlich seien: in jedem Lied findet sich mindestens eine Zeile, die man unter “Das hat er wieder sehr schön gesagt” in sein Notizbüchlein kritzeln möchte.

Und weil mir immer noch zwei Tonnen Hermeneutik und die eigene diffuse Erwartung den Zugang dem Werk versperren, stattdessen hier ein paar Fakten und Beobachtungen:

  • Aus Gründen, die wohl nur der Plattenfirma EMI bekannt sind, erscheint die CD in einer “Super Jewel Box”. was eine normale CD-Hülle mit abgerundeten Ecken ist. Sieht im Regal total dämlich aus und man kommt schlecht ans Booklet ran. Aber weil Universal in Europa mit dieser Unsitte angefangen hat (richtige CD-Hüllen gibt es noch in den USA), musste EMI wohl nachziehen.
  • Für die epische Single “Stück vom Himmel” scheint Nick Ingham schon wieder den gleichen Streichersatz verwendet zu haben, den er auch schon bei “Whatever” von Oasis und zuletzt bei Grönemeyers eigenem “Demo (Letzter Tag)” verbraten hat.
  • “Marlene” klingt ein bisschen wie Peter Gabriel und behandelt auch ähnlich schwere Themen wie der Ex-Genesis-Sänger: Aids in Afrika.
  • “Ich versteh” erinnert wegen seines prominenten Bass-Einsatzes an Kompositionen von Sting. Also an die wirklich guten Sachen von Sting.
  • In “Zieh deinen Weg” singt Grönemeyer “Sei aus Unsicherheit nicht arrogant / Hab immer Mitgefühl als Unterpfand”. Es handelt sich damit erst um das zweite mir bekannte Lied, in dem das Wort “Unterpfand” vorkommt. Das andere ist die deutsche Nationalhymne.
  • Lied 12 (“Liebe liegt nicht”) fängt an wie irgendwas von Kaizers Orchestra. Danach spielt Fran Healy von Travis die Akustikgitarre (und ich bilde mir ein, ihn auch im Chor singen zu hören). Deren letztes Album hieß “12 Memories” und hatte auch zwölf Stücke, was eine nicht gerade unspannende Parallele zu Grönemeyers “Zwölf” ist.
  • “Zwölf” ist nicht der letzte Eintrag, wenn ich meine iTunes-Bibliothek alphabetisch nach Albumtiteln sortiere. Danach kommt noch (warum auch immer) “ZZYZX” von Zeromancer.

Doch, ich finde das Album schon sehr gut. Vielleicht ist es einfach normal, dass mich Grönemeyer-Alben nicht voll ins Herz treffen. Aber gerade der streichergetränkte Abschluss sorgt schon für Glücksgefühle. Die werden übrigens noch größer, wenn ich gerade noch eben die anderen Achtziger-Jahre-Deutschrockgrößen abhake: Westernhagen: lange nichts mehr gehört, hoffentlich bleibt das so; Maffay: schreibt Kindermusicals und stemmt bei Thomas Gottschalk Gewichte; Nena: ach, schweigen wir über Nena; Heinz Rudolf Kunze: tritt heute Abend beim Grand-Prix-Vorentscheid an. Damit wäre dann wohl alles gesagt.

Kategorien
Musik

Mensch braucht HipHop

Sah ja fast schon so aus, als fehlte dem HipHop nur noch eine (weitere) Kugel im Brustkorb zum endgültigen Tod. Der Mainstream ist mittlerweile derart zugeschissen worden mit aufgepumpten Holadris (und ihren jeweiligen Posses), die gar nichts und noch weniger zu sagen haben, dass man schon froh ist, wenn irgendjemand mal ein Video ohne Frauenfeindlichkeiten zu Ende bringt. Die “Avantgarde” bei den Vorzeigelabels von Def Jux und Stones Throw scheint mir gleichzeitig ein bisschen selbstgefällig geworden zu sein, kaum mehr auszubrechen aus den selbst gesteckten, mühsam erarbeiteten Themenbereichen und Soundwelten. Und Dangermouse? Hatte schon bei Gnarls Barkley und den Gorillaz nur noch am Rande mit HipHop zu tun, bevor er zuletzt Platten von The Rapture und The Good, The Bad & The Queen betreute. Das jüngste Rapalbum deshalb, das mich völlig aufgefressen hat: Commons “Be” aus 2005, klug betextet, kein Bullshit drumherum und glänzend produziert von Kanye West, der damals noch Dinge zu beweisen hatte.

Das Gute nun an so einer Ausgangssituation: Im Prinzip konnte es für HipHop-07 nur aufwärts gehen, wenigstens an den Rändern des Genres, wo es nie viel zu verlieren, aber umso mehr zu holen gab. Wie schnell und steil das gerade passiert, finde ich trotzdem mindestens genauso überraschend wie erfreulich. Der März fängt gerade erst an, und es gibt trotzdem schon Einiges herzuzeigen:

Clipse – Hell Hath No Fury
Wirkt am Anfang etwas trocken und spröde, lebt im Endeffekt aber vor allem von diesen Eigenschaften. Unglaubliche Produktion von den Neptunes, sehr reduziert und trotzdem offen für Akkordeons und solchen Quatsch. Die Texte der beiden MCs dazu sind sehr böse und düster, fast schon verbohrt in ihre Hauptthemen (ca. Koks und Nutten), aber letztlich atemberaubend gut und konzentriert. Perfektes Pokerface, auch.

Dälek – Abandonded Language
Sind weggekommen vom Dröhnen und Ächzen der letzten Platte, jetzt ein bisschen zugänglicher und einfacher anzuhören. Der überwältigenden Tiefe ihrer Tracks hat das erstaunlicherweise nicht geschadet, es gibt immer noch ausreichend zu bemerken und verarbeiten, immer noch genug Rätselaufgaben von Dälek, dem kleinen, dicken MC mit der Donnerstimme. My Bloody Valentine in HipHop.

Talib Kweli & Madlib – Liberation
Konnte man sich Anfang des Jahres kostenlos auf der Stones-Throw-Homepage runterladen und war eigentlich nur als Warm-Up für Kwelis neue Platte gedacht, die irgendwann später in 07 kommen soll. Gerade diese zwanglose Herangehensweise hat der Sache sehr gut getan, die Old-School-Bläser-Samples knacksen und schleifen ganz herrlich, die Raps sind prima vertändelt. Wird nun doch noch “richtig” herausgebracht, vermutlich weil es zum Verschenken einfach zu gut war.

Busdriver – Roadkill Overcoat
Der Abenteuerspielplatz des HipHop. In der zweiten Hälfte verrennt es sich leider ein bisschen, davor brennt hier aber der Busch wie lange nirgendwo sonst mehr. “Less Yes’s, More No’s” muss bitte jeder gehört haben, viel präziser kann man einen solch sturen Schlagzeugbeat gar nicht mehr mit wunderbaren Kinderreien über den Bauch pinseln.

K-Os – Atlantis: Hymns for Disco
In dieser Liste wohl der Streber. Vielseitigkeits-HipHop, der sich bis zu Marvin Gaye rüberneigt, aber irgendwie immer noch die Kurve kriegt, bevor es zu viel werden könnte. Wyclef Jean würde so klingen, wenn er, na ja, wenn er gut wäre, vielleicht.

Kategorien
Musik

Eine Idee zur Gewalt

Wenn Daniel schon gerechterweise von Modest Mouse schwärmt, fühle ich mich genötigt, auf die wundervolle Rose Kemp hinzuweisen, die ich unlängst schon auf Plattentests.de abfeiern mußte. Zu ihrem bewegenden Gemütsbrecher “Violence” haben Fránçois und Rozi Plain ein stimmungsvolles Video in Sepiafarben gedreht. Bunt ist anders. Aber sicherlich längst nicht so intensiv.

Und mit dem Geprügel der Dumpfbacken nicht nur im Fußballosten dieses Landes, sondern auch in anderen großen Fußballnationen wie Spanien oder Italien hat das zum Glück so wenig zu tun wie nur was.

Kategorien
Musik Digital

12, 483, 1, 2:0 (Zusatzzahl: 2007)

Morgen erscheint das neue Album von Herbert Grönemeyer “Zwölf”. Morgen erscheinen aber auch die aktuellen Albumcharts, in denen, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, Tokio Hotels “Zimmer 483” auf Platz 1 einsteigen dürfte. Deswegen bin ich gerade ein bisschen am Recherchieren, um dann nächste Woche (wenn, jede Wette, Grönemeyer auf 1 gehen wird) einen schönen Eintrag über den musikalischen Generationenkonflikt, der vielleicht gar keiner ist, schreiben zu können.

Ich stolperte also gerade über ein Interview, dass Spiegel Online mit dem Magdeburger Quartett geführt hat. Kreative Idee dabei: Prominente wie Boris Becker, Bushido oder Jonathan Meese durften auch Fragen stellen. Aber auch Niels Ruf und Dolly Buster. Und das ging wie folgt:

NIELS RUF, Schauspieler und Comedian: Mir haben damals die Pressekonferenzen zur Auflösung von Tic Tac Toe wahnsinnig gut gefallen. Wie die sich da gestritten haben! Plant Ihr zu Eurer Auflösung etwas Ähnliches?
Bill: Ich fand das mit Tic Tac Toe auch lustig, aber leider müssen wir Dich enttäuschen: Wir haben noch nichts geplant. Ich glaube, wenn man sich trennt, sollte man das vernünftig machen.
Tom: Und ich glaube, das wird Niels Ruf auch nicht mehr miterleben.

Zugegeben: die Frage war lahm. Die Antwort von Tom Kaulitz dafür gar nicht mal so schlecht.

Noch besser aber:

DOLLY BUSTER: Und hattest Du schon mal Sex?
Bill: Ich?! Das werde ich auch Dir nicht verraten. Ich weiß auf jeden Fall, dass Du schon welchen hattest!

Ich bin mir noch nicht sicher, ob das eine richtig gute Replik oder so ein “Tataa!”-Karnevalsspruch ist, dafür hätte man wohl den Tonfall miterleben müssen. Trotzdem: Solche Antworten hätte ich den Jungs gar nicht zugetraut. Um so mehr freue ich mich auf das Chart-Rennen der nächsten Tage.

Nachtrag 2. März, 15:00 Uhr: Ich hab natürlich wieder überhaupt keine Ahnung von Charts. Offenbar beziehen sich die aktuellen (es gibt leider keinen Permalink) auf die Verkäufe von letzter Woche. Tokio Hotel (letzten Freitag erschienen) sind also nächste, Herbert Grönemeyer erst übernächste Woche dran. Was diese Woche auf 1 ist, gucke ein jeder lieber selber nach …

Kategorien
Musik Rundfunk

Ships ahoy

Zu schön, um’s zu verpassen: Das Video zur ersten Single “Dashboard” aus dem neuen Modest-Mouse-Album “We Were Dead Before The Ship Even Sank”. Wir sehen darin Sänger Isaac Brock als ergrauten Seemann mit Mikrofonhakenhand (hinreissend gespielt!), atemberaubende Spezialeffekte, riesige Seeungeheuer und gegen Ende auch Johnny Marr als so eine Art Gitarre spielenden Fischmenschen. Hat der gewusst, worauf er sich bei Modest Mouse einlässt? Ist gar nicht so wichtig, das Album ist super geworden, “Dashboard” sowieso und sonst ist auch alles gut.

Kategorien
Musik

Live Is Beautiful

Es ist fast fünf Jahre her, da veröffentlichte eine Band, die aus dem halben Commonwealth kam, ihr Debütalbum. Die Musikpresse schrieb mal wieder was vom Next Big Thing und das wären Vega4 sicherlich geworden – wenn ihr Album “Satellites” nur ein paar Jahre später erschienen wäre. Ihre Mischung aus U2, Embrace und sehr frühen Radiohead rauschte damals am Publikum vorbei, das sich kurz darauf lieber auf Coldplay, Snow Patrol und Razorlight stürzte. Lange Zeit hörte man gar nichts mehr von Vega4, dann gab es im letzten Frühjahr mit “You And Me” plötzlich ein Lebenszeichen auf ihrer MySpace-Seite und im Herbst erschien dann “You And Others” – allerdings zunächst nur in Großbritannien, in Deutschland ist es erst im April soweit.

Die Band hat viel Energie in dieses Album gesteckt und ihre neuen, elektronischeren Vorbilder wie The Postal Service mal mehr (“A Billion Tons Of Light”), mal weniger (“Tearing Me Apart”) auffällig zitiert. Mit dem Quasi-Snow-Patrol-Cover “Life Is Beautiful” (Produzent beider Bands ist Jacknife Lee, der auch schon für U2, Kasabian und zuletzt Bloc Party an den Reglern saß) und dessen Einsatz bei “Grey’s Anatomy” kann eigentlich nichts mehr schief gehen, jetzt fehlt nur noch das Publikum.

Ob es eine so brillante Idee war, die Band noch vor der offiziellen Albumveröffentlichung (und damit gänzlich ohne aktuellen Airplay) durch Deutschland touren zu lassen, ist eine Frage, die in den Büros der Sony BMG sicher ausgiebig diskutiert wurde. Auch die Frage, ob es denn ausgerechnet das zwar sehr schmucke, aber auch recht abgelegene Gebäude 9 sein musste, in dem die Band in Köln spielen sollte, kann man durchaus stellen. Im Nachhinein kann man aber beide Fragen mit einer lässigen Handbewegung abtun: es hat sich gelohnt.

86 Karten seien im Vorverkauf weggegangen, erzählte die Band hinterher, da standen etwa 120 Leute vor der Bühne. Von Anfang an war mir das Publikum irgendwie merkwürdig vorgekommen, kurz bevor die Vorband (Frictane aus Köln, sollte man mal im Auge behalten) anfing, dämmerte mir dann auch, was genau da nicht stimmte: ich war einer der jüngsten im ganzen Club (wahrscheinlich sogar der jüngste männliche Konzertbesucher), was einem mit 23 nicht mehr allzu häufig passiert. Was ich als “ältere Konzertbesucher” bezeichnen möchte, waren noch nicht einmal die Ü40-Sekretärinnen, die die Band wohl vor fünf Jahren im Vorprogramm von Bryan Adams für sich entdeckt hatten, sondern wirklich ältere Menschen beiderlei Geschlechts mit grauen Haaren und Windbreakern. Da denkt man bei einem Rockkonzert natürlich erst mal “Uff, was wollen die mir denn hier meine Jugendkultur wegglotzen?” bis einem auffällt, dass “generationsübergreifend” ein Attribut ist, das man außer Udo Jürgens und den Rolling Stones nicht ganz so vielen Musikern nachsagt.

Neun Songs standen auf der Setlist, zehn spielte die Band am Ende (weil sich eine Konzertbesucherin “The Caterpillar Song” vom Debüt gewünscht und sicherheitshalber gleich den ausgedruckten Liedtext mitgebracht hatte), davon sieben vom neuen Album. Für diese zehn Songs brauchte sie fast anderthalb Stunden, so lang gerieten manche Liveversionen und so viel redeten, nein: alberten Sänger John McDaid und der neue Bassist zwischen den Liedern herum. Besagtes “Life Is Beautiful”, die aktuelle Single in UK, ging als nicht enden wollender Stadionrock über die Bühne, inkl. einem Ausflug McDaids ins Publikum und halsbrecherischem Rumturnen auf den Monitorboxen. Sowas darf man aber auch nur machen, wenn man vor dem Lied den eigenen Vater anrufen lässt und sich über die Lautsprecher mit ihm unterhält.

Es macht immer Spaß, einer Band mit großer Spielfreude zuzuschauen, und es war schön anzusehen, wie sehr sich die Vier über den warmen Empfang in Deutschland und besonders in Köln gefreut haben. Als ich John McDaid nach dem Konzert fragte, warum es nur so wenige alte Songs zu hören gab, erklärte er mir, die neue Platte bedeute der Band sehr viel und sie wollten vor allem diese neuen Sachen spielen: “We might play some of the old stuff again when we’re doing two hour shows!” Auf einer Stadionbühne würden Vega4 sicher eine gute Figur machen. Bleibt nur zu hoffen, dass dann ein paar Leute mehr kommen.

Kategorien
Musik Leben

The höher they come, the blöder they fall

Es mag Zufall sein, dass es fast auf den Tag genau acht Jahre her ist, dass ich zum ersten Mal von Britney Spears hörte. Sie trat mit ihrer ersten Single “Baby One More Time” bei “Top Of The Pops” auf und als mein bester Freund und ich das sahen und hörten, gaben wir dem Mädel drei Singles, dann sei alles wieder vorbei. Ich gebe zu: wir hatten uns verschätzt. Es waren dann doch vier Alben, die zu bewerten hier gar nicht Thema sein soll. (Nur ein Hinweis sei erlaubt: dass “Baby One More Time” ein toller Song war, wurde spätestens ein Jahr später klar, als Travis ihn coverten.)

Die Frage, wann eigentlich Britneys letzte Single erschienen sei (und wie die klang), könnte ich nicht ohne vorherige Recherche beantworten. Aber das ist inzwischen auch völlig egal, es interessiert ja auch nur noch die wenigsten, dass Pete Doherty noch Musik macht (die letzte Babyshambles-EP, das weiß ich wenigstens, hieß “The Blinding” und erschien Ende 2006). Britney Spears, die ja sowieso immer schon ein beliebtes Thema des sog. Boulevard-“Journalismus” war, ist endgültig zum Traum eines jeden Gossenbeobachters geworden, weil sie alles, aber auch wirklich alles vereint, wofür man sonst Paris Hilton, Robbie Williams und Pete Doherty bräuchte – oder die jetzt nicht mehr verfügbare Anna Nicole Smith.

Jetzt (das ist der Bildzeitungs-Begriff für “vor einiger Zeit”, in diesem Fall: “letze Woche”) hat sie sich eine Glatze schneiden lassen, was die “Panorama”-Redakteure hunderter Online-Magazine in Verzückung versetze. Zwar gab es allenfalls zwei grieselige Fotos von Spears’ Platte, aber fast niemand ließ sich die Gelegenheit entgehen, noch mal eine Foto-Galerie mit den schönsten glatzköpfigen Frauen (Sinead O’Connor, Skin, Natalie Portman, Demi Moore) zusammenzustellen. Entsetzt wurde das Phrasenschwein gemolken und die ewig gleiche Frage, wie es nur so weit habe kommen können, in den Raum oder zumindest auf die Titelseiten gestellt. Frau Spears, die vor dem Friseurbesuch eine Entziehungskur abgebrochen hatte, begab sich in der Zwischenzeit in eine Entzugsklinik, checkte nach 24 stunden wieder aus und hat nach neuesten Meldungen grad zum dritten Mal innerhalb einer Woche eine Reha-Klinik aufgesucht. (Ich muss mich korrigieren: nach neuesten Meldungen soll Frau Spears mit einem Regenschirm auf ein Auto losgegangen sein, das entweder ihrem Noch-Gatten oder einem Paparazzo gehörte. Das mit der Klinik könnte natürlich trotzdem stimmen. Oder schon wieder überholt sein.)

Der ziemlich brillante amerikanische Popjournalist Chuck Klosterman sagt in einem (im November 2006 geführten) Interview in der aktuellen Galore:

Es ist schwierig, jemanden wie Britney satirisch zu begleiten. Wenn jemand vor zwei Jahren eine Parodie auf Spears verfasst hätte, was hätte er getan? Wahrscheinlich hätte man sie mit einem weißen Mittelstands-Mann verheiratet, der von sich denkt, er sei ein Rapper. Und der dann in ihrem Keller wohnt und hinterher um das Sorgerecht für die Kinder klagt, um an ihr Geld zu kommen. Das wäre glatt als Satire durchgegangen. Aber es ist wirklich passiert. Man hätte auch eine Szene schreiben können, wie Britney barfuß aus einer öffentlichen Toilette kommt. Auch das ist wirklich passiert.

Bei YouTube kann man sich ein Video ansehen, wie Britney Spears von Paparazzi bedrängt wird und schließlich ausrastet. Die Berufszyniker der Scum Press werden wieder was faseln von “Wer die Medien für seinen Aufstieg nutzt, muss auch damit rechnen, in der Zeitung zu stehen, wenn es mal nicht so gut läuft.” (das Zitat ist zusammenerfunden, sollte aber als authentisch durchgehen) und auch der kleine Mann auf der Straße wird wieder geistreiche Leserbriefe absondern mit Sentenzen wie “Ich kann das Gejammer der ‘Reichen und Schönen’ nicht mehr hören. Er hat sich für das Leben, das er führt, entschieden, und entscheidet sich jeden Tag aufs Neue dafür.” (aus den Kommentaren zu einem sueddeutsche.de-Artikels über Robbie Williams’ aktuellen Tablettenentzug, der sich sowieso schon wie ein Nachruf liest). Und warum gucken wir uns das alle an? Weil “die da oben” viel schöner und länger fallen können. Das Schlusswort dieses quirligen Gedankenhoppings gebührt deshalb Billy Wilder:

Der Unterschied zwischen einer Komödie und einer Tragödie ist: Ein Mann läuft eine Straße hinunter und fällt hin. Wenn er wieder aufsteht, ist das eine Komödie, die Leute lachen; bleibt er liegen, ist es eine Tragödie.

Kategorien
Musik

Der musikalische Aschermittwoch: Who Invented These Lists?

Nicht nur die Politiker machen heute allerorten Bestandsaufnahmen, auch ich werfe einen Blick ins Plattenregal und versuche festzuhalten, was da so bisher unter dem Erscheinungsjahr 2007 einsortiert wurde.

Alben
1. Bloc Party – A Weekend In The City
“Silent Alarm” hat (fast) alle kalt erwischt: vor zwei Jahren, auf dem ersten Höhepunkt der Newest Wave, waren Bloc Party plötzlich da und klangen so anders als der ganze Rest. Die Erwartungshaltungen für den Nachfolger waren riesig und was tut die Band? Schlägt so viele Haken, dass man erst gar nicht merkt, dass das Zweitwerk noch größer ist als das Debüt.
Eine Art Konzeptalbum über London und England allgemein, geprägt von der dortigen Paranoia und Gewalt, von Exszessen und der immer gleichen Suche nach Liebe. Die ganz großen Themen, gehauen in nicht minder große Songs, die auf dem Grat zwischen verstörend und überwältigend tanzen.
Ausgewählte Highlights zu bestimmen, erscheint schon fast unmöglich. Mein persönlicher Favorit aber von Anfang an: “Sunday”, nicht zuletzt wegen des Refrains “I love you in the morning / When you’re still hung over / I love you in the morning / When you’re still strung out”. Das dürfte dieses Jahr schwer zu toppen sein.

2. The Blood Arm – Lie Lover Lie
Schreibt der Musikexpress, die klängen wie eine Mischung aus Ben Folds Five und Franz Ferdinand. Denk ich: “Das wollen wir doch erst mal sehen”. Da dröhnt es aus den Boxen der Indiediscos: “I like all the girls and all the girls like me”, immer und immer wieder. Das Rennen um die Textzeilen des Jahres ist also ganz sicher noch nicht entschieden und der dazugehörige Song “Suspcicious Character” hat alle Chancen, meine Single des Jahres zu werden.
Das zweite Album des Quartetts aus L.A. hat aber mehr zu bieten als textarme Mitgrölhymnen: “Going To Arizona” ist eine herrliche Folknummer zum, nun ja: Mitgrölen, und “Dolores Delivers A Glorious Death” ein fast schon tödlicher Schunkler. Es gibt eine weitere Band, die das Klavier zum Rocken nutzt und im Gitarrenverliebten Indierock abstellt, was will man mehr?

3. Little Man Tate – About What You Know
Sheffield, Partnerstadt Bochums und Heimat von Pulp und der Arctic Monkeys. Letztere sind dafür verantwortlich, dass wohl bald jeder verpickelte Schuljunge in der Stadt, der eine Gitarre halten kann, einen Plattenvertrag unterschreiben muss. Bevor es aber so weit ist (und der große Rock’n’Roll-Circus womöglich nach Darlington weiterzieht), dürfen wir uns am Debütalbum von Little Man Tate erfreuen.
Die machen das, was man als junge Band halt so macht: leicht rotzigen Gitarrenpop mit mehr oder weniger bissigen Texten und eingängigen Melodien. Der Opener “Man I Hate Your Band”, das schon mehrfach als Single ausgekoppelt worden war, spielt dann auch gleich mit den ganzen Klischees, die Schülerbands auf Musikmagazintitelbildern so mit sich bringen, aber auch “European Lover” und “Court Report” springen direkt aus dem Alltag in die Radios dieser Welt. Bochum hat immer noch nur Grönemeyer. Noch.

4. Cold War Kids – Robbers And Cowards
Da kommt jahrelang nichts Neues aus Kalifornien und jetzt haben wir hier schon die zweite Band, die am Pazifik zu Hause ist: auch Indierock im weitesten Sinne, auch ab und zu mal mit Klavier, aber insgesamt ein weniger kantiger als The Blood Arm. Man erahnt ein wenig Tom-Waits-Einflüsse (California, you know?), auch Vergleiche mit Clap Your Hands Say Yeah klopfen höflich an, aber so unhörbar sind Cold War Kids dann auch nicht.
“Hang Me Up To Dry” heißt die aktuelle Single, die nur deshalb nicht so häufig in Indiediscos laufen wird, weil man auf den Takt kaum tanzen kann.

5. Tele – Wir brauchen nichts
Und noch schnell was für die Deutschquote tun: Tele werden beim Durchzählen der aktuellen deutschsprachigen Bands gerne übersehen. Ihre Singles laufen vielleicht im Radio, aber viele ihrer Songs sind ein bisschen zu vetrackt, um noch Massenkompatibler Pop zu sein. Beim “Bundesvision Song Contest” landeten sie im Mittelfeld, dabei war “Mario” wohl der mit Abstand am besten ausgearbeitete Song im Wettbewerb: die Lied gewordene Geschichte eines Jungen aus gutem Hause, der immer auf der Suche ist, vorgetragen zu leicht lateinamerikanisierter Musik und unwiderstehlichen “Oh oh”-Chören.
Mit nicht ganz so naheliegenden Musikstilen haben es Tele eh, auch wenn “Rio de Janeiro” eher nach US-amerikanischer Revuemusik als nach Samba klingt. Und dann noch diese Texte: “Als Du noch hier warst, war ich sicher, ich bin nicht mehr in dich verliebt, aber das war falsch wie der erste und der zweite Golfkrieg”. Der Titeltrack ist dann (nach Muff Potters “Wenn dann das hier” und “Nichts geht verloren” von Kante) der endgültige Beweis dafür, dass man über Sex sehr wohl auch auf Deutsch singen kann. Ein Lied, so vereinnehmend, dass man dazu auch gerne mal seine Reisetasche im Zug stehen lässt.

Singles
1. Kaiser Chiefs – Ruby
Meinen Hang zu klug ersonnenen Mitgrölhymnen hatte ich ja schon weiter oben zugegeben. “Rubyrubyrubyruby (ahaaahaa), doyadoyadoyadoya” ist also ein Zwei-Promill-Refrain ganz nach meinem Geschmack. Das ist für den Moment mehr als genug, das ist sogar spitzenmäßig, und wie das Album wird, sehen wir dann am Freitag.

2. Bloc Party – I Still Remember
Gerüchten zufolge die zweite Single, deswegen hier in der Liste: ein The-Cure-Gitarrenriff, danach erst mal nur noch Bass, Schlagzeug und die unglaubliche Stimme von Kele Okereke. Eine Hymne über unerfüllte Liebe, wahrscheinlich bald zu Kerzenlicht und billigem Rotwein in jedem zweiten Teenager-Zimmer zu hören (falls man sowas heute noch macht).

3. The Blood Arm – Suspcious Character
Ich schreib doch jetzt nicht das dritte Alkohol-Loblied in Folge! Stattdessen nur “I like all the girls and all the girls like me”, der Rest steht eh oben.

4. Mika – Grace Kelly
Seit Wochen Nummer 1 in UK, muss ich mehr sagen? Okay: Wenn es Queen mit ihrer Reunion halbwegs ernst gemeint hätten, hätten sie sich Mika als Sänger geholt. Der jongliert nicht nur mit seiner Stimme wie dereinst Freddie Mercury, der schreibt auch noch gleich solche Songs.

5. Lady Sovereign – Love Me Or Hate Me
Weiße Engländerinnen, die anfangen zu rappen: Au weia. Glücklicherweise erreicht Louise Harman einen recht beachtlichen Wert auf der Mike-Skinner-Skala und bastelt sich noch reichlich Grime-Elemente in die Musik. Wie Lily Allens böse Stiefschwester. Klar, dass sowas polarisiert, aber das sagt ja auch schon der Titel.

Kategorien
Musik Rundfunk

Rock Me Amadeus

Ich mag die Österreicher. Und in den letzten 12 Stunden fand ich wieder zwei Sachen, an denen ich das festmachen konnte:

1. Die ORF-2-Übertragung vom Wiener Opernball. Während mann im deutschen Fernsehen (auch oder gerade im öffentlich-rechtlichen) bei solchen Ereignissen hektische, oberflächliche Interviews mit den immer gleichen Prominenten sehen würde, unterhielt sich Arabella Kiesbauer mindestens drei Minuten mit Stella Deetjen, die sich für ein Lepra-Projekt in Indien engagiert und den Opernball zum Kontakteknüpfen und Spendensammeln nutzen wollte. Man mag das als Alibi-Thema abtun, aber dann stelle man sich mal vor, bei irgendeinem deutschen “Event” (bei dem deutschen “Event”, was auch immer das sein sollte) käme eine nicht-prominente Wohltäterin zu Wort und redete drei Minuten über eine immer noch weit verbreitete, aber relativ gut heilbare Krankheit. Klingt eher unwahrscheinlich, oder? Dass der kurze Talk mit Paris Hilton dann auch noch gar nicht mal so oberflächlich war und Moderator Alfons Haider mit dem hübschen Nebensatz “sie versucht sich als Schauspielerin, Sängerin und Model” auch noch eine (unfreiwillige?) Spitze reinbrachte, rundete meine Freude über dieses TV-Ereignis ab.

2. Diese Worte, die die Österreicher, und wirklich nur die Österreicher haben, diese Berufsbezeichnungen, diese etwas antiquiert wirkende Höflichkeit, das alles finde ich ganz toll. Und ein neues Lieblingswort habe ich jetzt auch: Pönale.

In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht darauf hinweisen, dass der zweit dritt viertberühmteste Österreicher der Welt nächste Woche 50 Jahre alt geworden wäre. Stand in der neuen Vanity Fair.

Kategorien
Musik

Gothic nicht mehr Underground?

Mit Faszination stelle ich nun seit längerer Zeit fest, dass die Musikbewegung, die sich immer noch für elitär und undergroundverbunden hält, immer mehr Einzug in die 0815-Musikszene findet – aber nicht nur das, auch umgekehrt gibt es Schnittstellen !
Nina-Friederike Gnädig, besser bekannt als das Biest aus „Verliebt in Berlin“ posiert für das Video „Schwarze Witwe“ der Gothic-Rock Band Eisbrecher. Regina Halmich ist sehr gut mit Mozart von Umbra et Imago befreundet und geniesst durchaus Abende in Gothicschuppen. Es ist einerseits gut zu sehen, dass die Toleranz der „Normalos“ für so einen Lebensstil wie den des Goths steigt, allerdings sehe ich die umgekehrte Wendung mit einem weinenden Auge – denn es gibt genug Künstler, die mit den Grufties gross geworden sind und nun ihren Stil um 180 Grad drehen, damit sie von grossen Musiksender akzeptiert werden. Um nur einige zu nennen: Apoptygma Berzerk – die haben früher keine einzige Gitarre gesehen, Oomph waren anders unterwegs als sie noch „Ich bin der neue Gott“ sangen, And One klingen nach Schlager und jedem „Chart-Hörer“ würde das Blut in den Adern gefrieren, wenn sie z.B. „Panzermensch“ statt „So klingt Liebe“ im Radio hören würden. Auch ist es interessant zu sehen, dass Rammstein seichter in ihren Videos werden, stattdessen aber junge Teeny Bands geschminkt rumlaufen wie Chris Pohl in seinen dunkelsten Jahren.

Ich glaube, ich wird das nie verstehen…. ich bin einfach zu alt für so was *lach*

Kategorien
Musik

Unendliche Weiten: Imogen Heap verändert meine Welt

Es ist inzwischen schon mindestens drei Wochen her, da erreichte mich die Platte einer Musikerin, die mich bisher hauptsächlich mit ihrem Projekt Frou Frou beglückt hatte. Erste Begegnung mit der Stimmgewalt der Frau Heap: Der Film Garden State, in dem der Song “Let Go” die Endszene untermalte.
In den USA hat sie schon seit langem einen guten Status innerhalb der Musikszene, und das hier gerade erst auf den Markt geschmissene Album “Speak For Yourself” ist dort bereits seit 2005 eine gern benutzte Quelle für die Musikverantwortlichen der großen TV-Serien. Aber nun genug des Gefasels, es geht ja schließlich um Musik.

Erster Eindruck: Och ja. Ganz nett, aber vom Hocker reißen? Nee. Zweiter Eindruck: Huch, sind das teilweise detailverliebte Songs. Danach nur noch Begeisterung. Aber eine Begeisterung, die man mit Worten nicht umschreiben kann. Zeitweilige Schublade: Elektropop. Aber das trifft es manchmal dann doch eben nicht.
Episch, aber doch minimalistisch, detailverliebt, aber doch schlicht, und dazu ein gehöriger Schuss Atmosphäre. Eine gefährliche Mischung, der ich mich mit großer Begeisterung ein komplettes Wochenende hingebe. Tanze, seufze, über das gehörte nachdenke. Eine lange nicht da gewesene Intensität, die sich durch das Album zieht. Komplett instrumentenlos in andere Sphären zieht wie bei “Hide And Seek”. Dahinwabert wie in “Clear The Area”. Und dann wiederum auch kraftvoll zuhaut in “Daylight Robbery”. Für vielseitige Alben die richtigen Worte finden ist schwierig. Bei Imogen Heap fällt es mir noch viel schwerer als normalerweise. Der Zufall leite mich auf ein Zitat aus “Goodnight And Go”.

Skipping beats, blushing cheeks I am struggling
Daydreaming, bed scenes in the corner cafe
And then i’m left in bits recovering tectonic tremblings
You get me every time

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur noch eins:
Say goodnight and go.