Kategorien
Musik

A trotter a day …

Mit Geheim­tipps ist es ja immer so eine Sache: Ein Teil der Leu­te, denen man davon berich­tet, guckt einen mit­lei­dig an und sagt „aber das ist doch soooooo alt“ (im Inter­net wird das meist weit weni­ger freund­lich aus­ge­drückt), wäh­rend einem ein ande­rer Teil der Leu­te (nicht sel­ten die, von denen man gedacht hat­te, sie wür­den „aaaalt“ sagen) dank­bar um den Hals fällt. Oder sowas in der Art.

Weil eine Per­son der zwei­ten Grup­pe zehn der ers­ten über­tönt, möch­te ich Ihnen heu­te Day­trot­ter ans Herz legen.

Das ist ein Web­site, auf der man sich exklu­si­ve Auf­nah­men ver­schie­dens­ter Bands und Künst­ler anhö­ren kann. Oder (nach einer kur­zen Anmel­dung) her­un­ter­la­den. Kos­ten­los. Legal.

So ziem­lich alles, was im (meist nord­ame­ri­ka­ni­schen) Indie-Bereich Rang und Namen hat, war schon min­des­tens ein­mal im Day­trot­ter-Stu­dio: Death Cab For Cutie, Bon Iver, The Hold Ste­ady, Rogue Wave, Ron Sexs­mith, The Ting Tings, Vam­pi­re Weekend, Ingrid Micha­el­son, Fleet Foxes oder The Acorn z.B., die ich Ihnen schon drin­gend emp­feh­len woll­te, seit ich sie im Vor­pro­gramm von Bon Iver gese­hen habe.

Auf der Sei­te kann man also wun­der­bar neue Musik ent­de­cken (und anders als bei MySpace, You­Tube oder last.fm auch für unter­wegs her­un­ter­la­den), wäh­rend man sich als Fan über die ein­ma­li­gen Auf­nah­men freut, deren Arran­ge­ments mit­un­ter von den Album­ver­sio­nen abwei­chen. Man­che Künst­ler spie­len auch Cover­ver­sio­nen. Aber Vor­sicht: Wenn man ein­mal ins Archiv hin­ab­ge­stie­gen ist, kann es schon mal sein, dass man dort meh­re­re Stun­den ver­bringt.

So etwas ähn­li­ches nur ohne Down­loads (da hät­te ver­mut­lich auch die GEMA wie­der was gegen) und mit klei­ne­rem Archiv gibt es übri­gens auch in Deutsch­land: bei Rote Rau­pe.

Kategorien
Musik

The Great Pretenders

Thees Uhlmann und Simon den Hartog.

In unse­rer belieb­ten TV-Serie „Thees Uhl­mann und Simon den Har­tog sin­gen …“ hat­ten wir schon einen Tom­te-Song und ein Kil­lers-Cover.

Fehlt noch was? Klar: Ein Kili­ans-Song!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

[Direkt­link]

„Used To Pre­tend“, live beim Fest van Cleef in Essen am ver­gan­ge­nen Sonn­tag.

Bit­te betrach­ten Sie die­ses Video auch unter der Fra­ge­stel­lung, was Sän­ger so mit ihren Hän­den anstel­len, wenn sie gera­de kei­ne Gitar­re fest­hal­ten.

Kategorien
Musik Digital

Der Weg zum Rockstar in sechs Milliarden Schritten

Falls ich mal eine Lis­te machen müss­te „Musi­ker, die auf die Musik­in­dus­trie nicht so rich­tig gut zu spre­chen sind“, stün­den zwei Namen ganz oben: Thom Yor­ke von Radio­head (deren letz­tes Album „In Rain­bows“ gegen so ziem­lich jede Logik der Bran­che ver­sto­ßen hat) und Trent Rez­nor von den Nine Inch Nails.

Letz­te­rer hat sich letz­te Woche mit einem Bei­trag im Forum sei­ner Band­web­site zu Wort gemel­det, in dem er mal eben kurz und holz­schnitt­ar­tig die Mög­lich­kei­ten erklärt, die man als Musi­ker heu­te so hat. Kurz zusam­men­ge­fasst lau­ten sie unge­fähr „Lass Dich tra­di­tio­nell von einem Major­la­bel ver­mark­ten und gib die Kon­trol­le ab“ und „Mach alles sel­ber, sei aktiv und beiß Dich durch“. Das ist natür­lich grob ver­ein­fa­chend (und von mir noch mal destil­liert), kommt aber so in etwa hin.

Wie genau das mit der Selbst­ver­mark­tung lau­fen soll, erklärt Rez­nor dann gleich aus­führ­li­cher:

Have your MySpace page, but get a site out­side MySpace – it’s dying and reads as cheap /​ gene­ric. Remo­ve all Flash from your web­site. Remo­ve all stu­pid intros and load-times. MAKE IT SIMPLE TO NAVIGATE AND EASY TO FIND AND HEAR MUSIC (but don’t auto­play). Con­stant­ly update your site with con­tent – pic­tures, blogs, wha­te­ver. Give peo­p­le a reason to return to your site all the time. Put up a bul­le­tin board and start a com­mu­ni­ty. Enga­ge your fans (with cau­ti­on!) Make cheap vide­os. Film yours­elf tal­king. Play shows. Make inte­res­t­ing things. Get a Twit­ter account. Be inte­res­t­ing. Be real. Sub­mit your music to blogs that may be inte­res­ted. NEVER CHASE TRENDS. Uti­li­ze the multi­tu­de of tools available to you for very litt­le cost of any – Flickr /​ You­Tube /​ Vimeo /​ Sound­Cloud /​ Twit­ter etc.

Ich habe Bücher gele­sen, die in der Sum­me unkon­kre­ter waren.

Aber die Pro­blem­lö­sung führt natür­lich zu neu­en Pro­ble­men: Ers­tens muss ich mich als Musi­ker neben der Musik (und dem … äh: Leben) auch noch um die gan­zen Ver­brei­tungs­ka­nä­le küm­mern. Im Best­fall ist das nur unglaub­lich auf­wen­dig – wenn man Pech hat, kann man aber weder mit Video­schnitt, noch mit Sozia­len Netz­wer­ken umge­hen. Zwei­tens wird man ja nie die ein­zi­ge Nach­wuchs­band sein, die die­se Wege geht. Statt auf dem tra­di­tio­nel­len Musik­markt mit ein paar hun­dert ande­ren Acts kon­kur­riert man heu­te bei MySpace mit – set­zen wir die Schät­zung mal opti­mis­tisch an – sechs Mil­li­ar­den Kapel­len.

Wäh­rend man ja schon bei offi­zi­ell (also via Plat­ten­fir­ma) ver­öf­fent­lich­ter Musik in aller Regel genau die Sachen nie mit­kriegt, die einen sonst am meis­ten begeis­tert hät­ten, gleicht es einem Blitz­schlag nach dem Lot­to­ge­winn, bei MySpace (oder irgend­ei­ner ande­ren der paar Tau­send Musik­platt­for­men) eine unbe­kann­te Band zu ent­de­cken, die einen kickt. Das, was ich immer über Blogs gesagt habe („Man muss halt Medi­en­kom­pe­tenz ent­wi­ckeln und ein biss­chen Glück haben, dann fin­det man schon ein paar Sachen, die einen rich­tig begeis­tern“), erscheint mir im Bezug auf Musik plötz­lich hoff­nungs­los naiv.

Wie also kom­men Musi­ker und Hörer zusam­men? Nicht mehr unbe­dingt durch Radio-DJs und Musik­fern­se­hen, wenn man die­ser Stu­die über den Medi­en­kon­sum von Teen­agern glaubt – wobei Radio-DJs in Deutsch­land eh seit den 1980er Jah­ren unbe­kannt sind. Häu­fig bekommt man Musik von auto­ma­ti­sier­ten Diens­ten wie last.fm oder von Freun­den emp­foh­len. Aber da geht’s bei mir schon wie­der los: „Höre ich mir jetzt neben­her die­se gan­zen unbe­kann­ten Sachen an oder las­se ich ein­fach zum hun­derts­ten Mal The Killers/​Travis/​Oasis lau­fen?“ Ob ich mich dazu zwin­gen könn­te, an einem Tag in der Woche nur neue Musik zu hören?

Natür­lich war es nie ein­fa­cher, ohne Kon­tak­te und ohne indus­tri­el­les Mar­ke­ting sei­ne Hörer zu fin­den. Und gleich­zei­tig nie schwie­ri­ger. Bis heu­te gibt es kei­ne mir bekann­te Band, die aus­schließ­lich durch das Inter­net in die ers­te Liga auf­ge­stie­gen wäre (und sagen Sie nicht „Arc­tic Mon­keys“ oder „Lily Allen“, die haben sowie­so wie­der nor­ma­le Plat­ten­ver­trä­ge unter­schrie­ben). Die gan­zen social media-Akti­vi­tä­ten erfor­dern eini­ges an Auf­wand und es bleibt immer offen, ob und wann es sich lohnt. (Das Beru­hi­gen­de dar­an ist wie­der­um: Es bleibt auch bei Major­la­bels offen, ob ein „The­ma“ funk­tio­niert. Da sind die Fehl­schlä­ge auch viel teu­rer.)

Lus­ti­ger­wei­se höre ich in letz­ter Zeit von vie­len Nach­wuchs­bands, dass sie jetzt ein eige­nes Manage­ment hät­ten. Das sind dann häu­fig Men­schen, die in einem Hin­ter­hof ein Ton­stu­dio für Wer­be­jin­gles haben und immer schon den Geruch des Rock’n’Roll ein­at­men woll­ten. (Rock’n’Roll riecht übri­gens nach kal­tem Rauch, Schweiß und Bier. Man kann es sich ganz leicht in der hei­mi­schen Küche züch­ten.) Im Best­fall haben die­se Mana­ger vor zwan­zig Jah­ren mal selbst in einer Band gespielt (man­che von ihnen haben Mil­lio­nen von Plat­ten ver­kauft, aber das weiß und glaubt heu­te nie­mand mehr) und wis­sen noch, wie die Bran­che damals funk­tio­niert hat. Ande­re „Mana­ger“ könn­ten sonst auch als „Model-Agent“ jun­ge Blon­di­nen in der Dis­co anspre­chen. (Spie­len Sie die gan­zen bösen Kli­schees ruhig im Geis­te alle mal durch, sie stim­men sowie­so alle. Das Gegen­teil aber auch immer, das ist ja das tol­le.)

Vie­le Bands sind natür­lich nur Musi­ker – die brau­chen jeman­den, der sich um alles ande­re küm­mert und auf sie auf­passt. Sol­che Leu­te gibt es, aber sie kos­ten im Zwei­fels­fall viel Geld. Geld, das man nicht hat, nie ver­die­nen wird und sowie­so für Equip­ment und Kip­pen aus­ge­ben muss.

Geld mache man heut­zu­ta­ge mit Kon­zer­ten, heißt es immer wie­der. Das ist unter bestimm­ten Aspek­ten (z.B. wenn man U2 ist) sicher nicht falsch, aber man muss sie erst mal spie­len. Außer­halb von Jugend­zen­tren (die natür­lich auch alle kein Geld haben bzw. machen) ist das schwie­rig bis unmög­lich. Boo­king ist die Höl­le für alle Betei­lig­ten, wes­we­gen ich mich da auch nie ran­ge­traut habe: Die Bands ver­schi­cken Demos und Band­in­fos im Dut­zend und die Ver­an­stal­ter haben den Schreib­tisch voll mit dem Kram. Wenn man heut­zu­ta­ge als Nach­wuchs­mu­si­ker irgend­was wirk­lich braucht, dann einen geschei­ten Boo­ker, der im Ide­al­fall ein gan­zes Port­fo­lio von Bands hat und den Ver­an­stal­tern genau das prä­sen­tie­ren kann, was zu ihnen passt. (Und das mit den Kon­tak­ten geht auch ein­fa­cher.) Winz­lings-Labels und ‑Ver­trie­be sind mei­nes Erach­tens ver­zicht­bar: Für die Down­loads­to­res (die heut­zu­ta­ge unver­zicht­bar sind, wenn man sei­ne Musik nicht eh ver­schen­ken will) gibt es Dienst­leis­ter wie Tun­e­co­re und die CDs, die man bei Kon­zer­ten unbe­dingt dabei haben soll­te, kann man ent­we­der in klei­ner Stück­zahl pres­sen las­sen oder gleich – Sakri­leg! – selbst bren­nen.

Wich­tig ist heut­zu­ta­ge vor allem der Aus­tausch unter­ein­an­der. Des­we­gen bin ich auch sehr gespannt auf die all2gethernow, die „Anti-Pop­komm“, die im Sep­tem­ber in Ber­lin statt­fin­den wird.

Ihre Zie­le kann man natür­lich auch total eke­lig aus­drü­cken, aber ich find’s trotz­dem span­nend:

Spä­tes­tens jetzt geht es dar­um nach vor­ne zu schau­en, neue Ideen und inno­va­ti­ve Pra­xis in der Krea­tiv­wirt­schaft zu beleuch­ten. Ziel muss sein gemein­sam Model­le zu defi­nie­ren, die Krea­ti­ven und Künst­lern mit ihrer Arbeit Ein­künf­te ermög­li­chen. Jede Form des Input ist hilf­reich, denn fina­le Ant­wor­ten gibt es noch nicht. Eine offe­ne Form der Dis­kus­si­on wie sie ein Bar­camp gewähr­leis­tet ist des­halb ide­al.

(Mehr über „Krea­tiv­wirt­schaft“ und „Input“ kön­nen Sie dem­nächst in mei­nem neu­en Buch „Die 1.000 dümms­ten Begrif­fe des frü­hen 21. Jahr­hun­derts“ nach­le­sen. Auf den Sei­ten zwi­schen „Digi­tal Nati­ve“, „Gene­ra­ti­on Upload“ und „fail“.)

Jeden­falls soll dis­ku­tiert und nicht nur reprä­sen­tiert wer­den und Musi­ker und Blog­ger dür­fen auch dabei sein.

Kategorien
Musik

Vergebene Blicke

Ich sit­ze gera­de eigent­lich an der Lis­ten­pa­nik für den Monat Juni (der ja auch schon ein biss­chen zurück­liegt). Es wird noch ein biss­chen war­ten, denn ich muss wohl erst noch das neue Eels-Album hören. Ande­rer­seits waren die Eels für mich immer schon eine Band, bei der ich ein­zel­ne Songs geliebt, aber nie die gan­zen Alben gehört habe …

Jeden­falls: Die­ses Lied hier, das lie­be ich. Nach einem Mal hören. Und wenn Sie ein Herz haben, wer­den Sie es auch tun.

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.youtube-nocookie.com anzu­zei­gen.

[„That Look You Give That Guy“]

That look you give that guy
I wan­na see
Loo­king right at me
If I could be that guy
Ins­tead of me
I’d never let you down

ist natür­lich die Sor­te Text, die einem im fal­schen Moment den Boden unter den Füßen weg­zie­hen kann. Auf dass dies kein sol­cher Moment sei!

Kategorien
Gesellschaft Digital

I love you, you pay my rant

Lie­be PR-Futzis,

wir müs­sen reden. Habt Ihr eigent­lich ’nen Knall? Seit eini­gen Mona­ten errei­chen mich Pake­te, auf denen kein Absen­der steht 1 und in denen sich irgend­wel­cher Prött befin­det. Eure Erwar­tung ist offen­bar, dass ich dar­über schrei­be, was für einen cra­zy-ver­rück­ten Kram ich da ins Haus bekom­men habe, und dass ich dann irgend­wann nach Eurer Auf­lö­sung auch noch nach­tra­ge, von wel­cher Fir­ma der Mist kam. Sowas nennt man dann wohl „vira­les Mar­ke­ting“, obwohl ich eigent­lich immer dach­te, Virals sei­en nicht plan­bar.

Es ist ja jedem Blog­ger 2 selbst über­las­sen, ob er über sowas schrei­ben will. Eine kur­ze Beschäf­ti­gung mit die­sem Blog dürf­te aber zei­gen, dass wir hier eher nicht so auf PR ste­hen. Ein­zi­ge Aus­nah­me: Ihr seid die Kili­ans – aber das wüss­te ich.

Natür­lich muss man als Blog-Betrei­ber damit rech­nen, unver­langt E‑Mails zu bekom­men und in News­let­ter ein­ge­tra­gen zu wer­den. Das ist auch nicht rich­tig höf­lich, aber okay, wenn es the­ma­tisch passt. 3 In jedem Fall sind Spam-Mails bedeu­tend leich­ter zu ent­sor­gen als Pake­te, die wie ein „So tren­ne ich mei­nen Müll richtig“-Lernspiel für Grund­schü­ler anmu­ten.

Im Moment kann ich mich übri­gens nicht mal rich­tig über ech­te Geschen­ke von lie­ben Men­schen freu­en, da mein 20‑m2-Zim­mer schon bis zum Rand mit Kram gefüllt ist und mir beim Gedan­ken an den irgend­wann dann doch mal anste­hen­den Umzug schon regel­mä­ßig der Schweiß aus­bricht. „Ver­brauchs­wa­ren“ braucht Ihr mir aber auch nicht zu schi­cken, denn wer will schon anonym ver­sand­te Lebens­mit­tel?

Noch ein biss­chen blö­der wird so eine Akti­on, wenn das Paket aus­ge­rech­net am Sams­tag­mor­gen um Zehn nach Neun (lies: Mit­ten in der Nacht) zuge­stellt wird. Aber das wäre natür­lich noch stei­ger­bar: Wenn ich mit dem Bus nach Alten­bo­chum fah­ren müss­te, um in der Post­agen­tur fest­zu­stel­len, dass mir jemand ein Päck­chen Son­der­müll zuge­schickt hat, wür­de ich ver­mut­lich schlicht­weg grün anlau­fen und erst mal ein paar Autos durch die Gegend wer­fen.

Nehmt Euch ein Bei­spiel an den Musik-Pro­mo­tern, Plat­ten­fir­men und Nach­wuchs­bands die­ses Lan­des, die in der Regel immer nett nach­fra­gen, bevor sie einem was ins Haus schi­cken. Das ist schon aus öko­no­mi­schem Selbst­schutz die tau­send­mal bril­lan­te­re Idee und häu­fig erge­ben sich dar­aus auch net­te Kon­tak­te. Als ich vor ein paar Mona­ten unauf­ge­for­dert ein Paket von einem nam­haf­ten deut­schen Ver­lag bekam, mit des­sen Pres­se­ab­tei­lung ich zuvor schon mal zu tun gehabt hat­te, war ich erst ver­wirrt. Aber die Aus­wahl der Bücher leg­te nahe, dass sich da jemand sehr genau mit die­sem Blog beschäf­tigt haben muss, und ich war nicht mehr ver­wirrt, son­dern gerührt. Ent­spre­chend schlecht ist mein Gewis­sen, dass die Bücher noch immer unge­le­sen sind.

Jede Web­site bemüht sich heut­zu­ta­ge um per­so­na­li­sier­te Wer­bung, die mög­lichst prä­zi­se auf die Inter­es­sen des ein­zel­nen Besu­chers zuge­schnit­ten ist, aber Ihr bal­lert mit Schrot­flin­ten auf Pfen­nig­stü­cke. Genau­so gut könn­ten Eure Kun­den Geld­schei­ne in die Luft wer­fen und was oben bleibt, ist gut inves­tiert.

Über­haupt, lie­be Fir­men: Fin­det Ihr das eigent­lich gut, die­se Beläs­ti­gung im Namen des Mar­ke­tings? Ein­fach Leu­te anzu­ru­fen ist ver­bo­ten, aber ihnen Krem­pel ins Haus zu schi­cken ist okay? Wisst Ihr, was Eure ver­mut­lich über­be­zahl­ten PR-Stra­te­gen da machen? Habt Ihr das so in Auf­trag gege­ben? Und wenn Ihr die­sen Text hier in Eurer Pres­se­map­pe fin­det (weil any PR ja bekannt­lich good PR ist), habt Ihr dann nicht das Gefühl, dass da irgend­was irgend­wo gewal­tig schief gelau­fen sein könn­te?

Es ist das derbs­te PR-Kli­schee, aber sol­che Aktio­nen fal­len einem doch nicht im nüch­ter­nen Zustand ein, oder? Die Kri­se ist erst eine, wenn sie auch bei den Ham­bur­ger und Düs­sel­dor­fer Koks­dea­lern ange­kom­men ist. Und mal ehr­lich: Wer auf die Idee kommt, in einem Wer­be­spot aus­ge­rech­net den Titel­song von „Wir Kin­der vom Bahn­hof Zoo“ zur Ver­mitt­lung eines posi­ti­ven Lebens­ge­fühls ein­zu­set­zen (wie ges­tern gese­hen), der muss sich doch wohl ein eher lege­res Ver­hält­nis zu Betäu­bungs­mit­teln nach­sa­gen las­sen.

Genug der kal­ten Wut. Ich den­ke, es ist deut­lich gewor­den, dass ich von wei­te­ren Care-Pake­ten aus der Wer­be­höl­le ver­schont wer­den möch­te. Ich wäre glück­lich, wenn Ihr Euch dar­an hiel­tet.

Mit freund­li­chen Grü­ßen und Dank im Vor­aus,

Lukas Hein­ser

  1. Der Satz „Hof­fent­lich ist kei­ne Bom­be drin“ von mei­nem Paket­bo­ten ist nur mit­tel­wit­zig.[]
  2. Ich neh­me an, Ihr schreibt ein­fach immer die ers­ten hun­dert Blog­ger an, die Ihr fin­den könnt.[]
  3. Die Typen, die neu­lich einen Linktausch zum The­ma „Kaf­fee“ anlei­ern woll­ten, haben sich die­ses Blog sicher­lich die vol­len andert­halb Sekun­den ange­se­hen, die man braucht, um das Impres­sum zu fin­den.[]
Kategorien
Musik

Es ist nicht immer Delmenhorst

Und Sie hat­ten schon gedacht, ich hät­te es ver­ges­sen:

Heu­te ist die neue Sin­gle der Kili­ans erschie­nen. Es han­delt sich dabei um den Song „Home­town“, den ich hier schon ein­mal geprie­sen hat­te, und der laut Simon den Har­tog trotz allem nicht von Dins­la­ken han­delt.

Trotz­dem hät­te ich es natür­lich irgend­wie fun­ky gefun­den, das Video in Dins­la­ken zu dre­hen, aber es ist auch so ganz hübsch gewor­den:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

[Direkt­link]

Viel­leicht erklärt Chris Mar­tin dem Simon ja bei den Cold­play-Kon­zer­ten ja noch, wie man das mit dem Rück­wärts­sin­gen noch bes­ser hin­kriegt …

Eine B‑Seite gibt’s übri­gens auch bei der Sin­gle: Einen „Hometown“-Remix der Sala­zar Brot­hers (die wo die neue Man­do Diao gemacht haben), den man sich auch ohne Kau­fen bei last.fm anhö­ren kann.

Die Sin­gle gibt’s in allen bekann­ten Down­loads­to­res. Die Kili­ans, vie­le ande­re Bands und die Über­schrift-inspi­rie­ren­den Ele­ment Of Crime gibt es noch mor­gen und über­mor­gen beim Fest van Cleef.

Zir­kel­schluss-Epi­so­de zum Abschluss: Vor­ges­tern saß ich mit Simon den Har­tog in einem Köl­ner Bus, als eine Frau im Micha­el-Wend­ler-T-Shirt ein­stieg. Ich bin ja immer noch der Mei­nung, man müss­te Micha­el Wend­ler feat. Kili­ans zum Grand Prix nach Trom­sø schi­cken.

Kategorien
Leben

The End Is The Beginning Is The End

Als ich noch über eine aka­de­mi­sche Kar­rie­re nach­dach­te, hielt ich es als begeis­ter­ter Varie­tä­ten­lin­gu­ist für eine gute Idee, mei­ne Dok­tor­ar­beit über Brot­enden zu schrei­ben (die Alter­na­tiv­idee hieß „Ficken, Bum­sen, Bla­sen – Eine Ety­mo­lo­gie der Sex-Spra­che“). Denn, so hat­te ich gelernt: Die­se Din­ger hei­ßen über­all anders.

Eine ansehn­li­che Lis­te mit Bezeich­nun­gen (sowie mit Namen für das Kern­ge­häu­se eines Apfels) hat­te ich schon begon­nen – und es steht Ihnen natür­lich frei, die­se in den Kom­men­ta­ren zu ergän­zen. Ich erfuhr, dass es sogar Dör­fer gibt, in denen der Anfang und das Ende eines Bro­tes unter­schied­li­che Bezeich­nun­gen haben. Da ist man dann schnell im Grenz­ge­biet von Lin­gu­is­tik und Phi­lo­so­phie.

Schwie­rig wür­de es da natür­lich bei so einem Kan­di­da­ten der kubis­ti­schen Pha­se:

Quadratisch, praktisch, Brot
Kategorien
Leben

Freudlos glücklich

Für den Fall, dass Sie immer schon mal einen Ein­blick in mein Unter­be­wusst­sein haben woll­ten:

Kurz bevor ich heu­te erwach­te, stand ich auf der Besu­che­re­ta­ge des Ber­li­ner Reichs­tags, woll­te aber drin­gend nach unten zum Ein­gang. Also drän­gel­te ich mich in einen der gro­ßen glä­ser­nen Fahr­stüh­le, in dem plötz­lich Frank-Wal­ter Stein­mei­er neben mir erschien und in Jeans und Pull­over einer offen­bar befreun­de­ten Rei­se­grup­pe etwas erklär­te.

Der Fahr­stuhl fuhr hin­ab und hielt an und Stein­mei­er muss­te sei­ne Aus­füh­run­gen unter­bre­chen, weil gera­de das neu­es­te Kunst­werk im Reichs­tags­ge­bäu­de ein­ge­weiht wur­de: ein rie­si­ges höl­zer­nes Trep­pen­haus. Im Fahr­stuhl! Es sprach eine Stim­me, die sich dar­über freu­te, mit einem Haus­kauf die gan­ze Repu­blik gefoppt zu haben, und die erstaun­lich an den öster­rei­chi­schen Gesund­heits­on­kel Hade­mar Bank­ho­fer erin­ner­te. Ange­spro­chen wur­de sie vom Mode­ra­tor des Events aber mit „Herr Fritzl, der größ­te Künst­ler unse­rer Zeit.“

Bit­te ent­schul­di­gen Sie, falls ich heu­te noch ein biss­chen ver­wirr­ter sein soll­te als sonst schon.

Kategorien
Digital

Schräglich schrill

In unse­rer belieb­ten Serie „Krea­ti­ve Bild­un­ter­schrif­ten in Klick­stre­cken über bun­te Stra­ßen­um­zü­ge“ (Auf­takt hier) ist heu­te der Köl­ner „Express“ zu Gast:

Der kunterbunte CSD-Lindwurm hat sich in Gang gesetzt. Schrille und schräge Teilnehmer gehören natürlich dazu.

Nun wer­den Sie mög­li­cher­wei­se ein­wen­den, das sei doch eine recht ange­mes­se­ne Beschrei­bung für die Gescheh­nis­se bei so einem Chris­to­pher Street Day.

Aber urtei­len Sie nicht, bevor Sie nicht das Bild gese­hen haben, das der­art betex­tet wur­de:

Screenshot: express.de

Mit Dank an Ingo.

Kategorien
Musik Unterwegs

Bochum Total 2009

In den letz­ten Tagen war Bochum mal wie­der der Mit­tel­punkt irgend­ei­ner Welt – mut­maß­lich der Musik­welt Nord­rhein-West­fa­lens. Jeden­falls war Bochum Total und aus mir selbst nicht ganz nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den woll­te ich mög­lichst viel davon mit­krie­gen.

Ort der Gegensätze: Bochum Total

Vier Tage, 60 Bands, hun­dert­tau­sen­de Liter Bier und noch ein biss­chen mehr Regen­was­ser – eine per­sön­li­che Doku­men­ta­ti­on:

Don­ners­tag, 2. Juli

Man kann nicht behaup­ten, ich sei schlecht vor­be­rei­tet gewe­sen: Cen­ti­me­ter­dick hat­te ich Son­nen­creme auf­ge­tra­gen, um eine zer­fetz­te Nase wie nach mei­nem Nord­see-Urlaub zu ver­mei­den. Ich hat­te eine Son­nen­bril­le auf, die nicht nur unge­fähr­de­tes fas­sungs­lo­ses Anstar­ren bizarr geklei­de­ter Men­schen ermög­lich­te, son­dern auch derbs­te Gewit­ter­tier­chen-Schwär­me davon abhielt, mir in die Augen zu flie­gen. War­um das alles nur halb­gut vor­be­rei­tet war, lesen Sie gleich …

Kategorien
Musik

Schöner Heulen

Man hört ja lei­der viel zu sel­ten Dan Bern.

Beson­ders Die­ter Gor­ny und Hubert Bur­da (und all den ande­ren hun­gern­den Medi­en­futzis) möch­te ich aber sei­nen „Albu­quer­que Lul­la­by“ aus dem Jahr 2001 ans Herz legen.

Schon vor acht Jah­ren sang Bern da:

I have a fri­end
Sits in his office
Whe­re he’s had his big suc­cess
Now he cries all day
He says the Inter­net
Is ste­al­ing his royal­ties
Talks of his glo­ry days
I say no one cares about your glo­ry days

In die­sem Live­vi­deo ver­haut er zwar die ent­schei­den­de Zei­le, aber schön ist der Song trotz­dem:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

[Direkt­link]

Kategorien
Digital

Topschlagen

Mal ange­nom­men, Sie müss­ten ein Foto betex­ten, in dem unter ande­rem die­ses Detail vor­kommt:

Acht Brüste, davon zwei im Bikini.

Wür­den Sie es nicht exakt so machen wie der Kol­le­ge von „eines­ta­ges“?

Topp-Stimmung: Eine mit einem Bikini-Top bekleidete Love-Parade-Teilnehmerin (2. v. li.) blickt von einem Partywagen herab.

Mit Dank an Nico K.