Der Weg zum Rockstar in sechs Milliarden Schritten

Von Lukas Heinser, 14. Juli 2009 14:38

Falls ich mal eine Liste machen müsste „Musiker, die auf die Musikindustrie nicht so richtig gut zu sprechen sind“, stünden zwei Namen ganz oben: Thom Yorke von Radiohead (deren letztes Album „In Rainbows“ gegen so ziemlich jede Logik der Branche verstoßen hat) und Trent Reznor von den Nine Inch Nails.

Letzterer hat sich letzte Woche mit einem Beitrag im Forum seiner Bandwebsite zu Wort gemeldet, in dem er mal eben kurz und holzschnittartig die Möglichkeiten erklärt, die man als Musiker heute so hat. Kurz zusammengefasst lauten sie ungefähr „Lass Dich traditionell von einem Majorlabel vermarkten und gib die Kontrolle ab“ und „Mach alles selber, sei aktiv und beiß Dich durch“. Das ist natürlich grob vereinfachend (und von mir noch mal destilliert), kommt aber so in etwa hin.

Wie genau das mit der Selbstvermarktung laufen soll, erklärt Reznor dann gleich ausführlicher:

Have your MySpace page, but get a site outside MySpace – it’s dying and reads as cheap / generic. Remove all Flash from your website. Remove all stupid intros and load-times. MAKE IT SIMPLE TO NAVIGATE AND EASY TO FIND AND HEAR MUSIC (but don’t autoplay). Constantly update your site with content – pictures, blogs, whatever. Give people a reason to return to your site all the time. Put up a bulletin board and start a community. Engage your fans (with caution!) Make cheap videos. Film yourself talking. Play shows. Make interesting things. Get a Twitter account. Be interesting. Be real. Submit your music to blogs that may be interested. NEVER CHASE TRENDS. Utilize the multitude of tools available to you for very little cost of any – Flickr / YouTube / Vimeo / SoundCloud / Twitter etc.

Ich habe Bücher gelesen, die in der Summe unkonkreter waren.

Aber die Problemlösung führt natürlich zu neuen Problemen: Erstens muss ich mich als Musiker neben der Musik (und dem … äh: Leben) auch noch um die ganzen Verbreitungskanäle kümmern. Im Bestfall ist das nur unglaublich aufwendig — wenn man Pech hat, kann man aber weder mit Videoschnitt, noch mit Sozialen Netzwerken umgehen. Zweitens wird man ja nie die einzige Nachwuchsband sein, die diese Wege geht. Statt auf dem traditionellen Musikmarkt mit ein paar hundert anderen Acts konkurriert man heute bei MySpace mit – setzen wir die Schätzung mal optimistisch an – sechs Milliarden Kapellen.

Während man ja schon bei offiziell (also via Plattenfirma) veröffentlichter Musik in aller Regel genau die Sachen nie mitkriegt, die einen sonst am meisten begeistert hätten, gleicht es einem Blitzschlag nach dem Lottogewinn, bei MySpace (oder irgendeiner anderen der paar Tausend Musikplattformen) eine unbekannte Band zu entdecken, die einen kickt. Das, was ich immer über Blogs gesagt habe („Man muss halt Medienkompetenz entwickeln und ein bisschen Glück haben, dann findet man schon ein paar Sachen, die einen richtig begeistern“), erscheint mir im Bezug auf Musik plötzlich hoffnungslos naiv.

Wie also kommen Musiker und Hörer zusammen? Nicht mehr unbedingt durch Radio-DJs und Musikfernsehen, wenn man dieser Studie über den Medienkonsum von Teenagern glaubt — wobei Radio-DJs in Deutschland eh seit den 1980er Jahren unbekannt sind. Häufig bekommt man Musik von automatisierten Diensten wie last.fm oder von Freunden empfohlen. Aber da geht’s bei mir schon wieder los: „Höre ich mir jetzt nebenher diese ganzen unbekannten Sachen an oder lasse ich einfach zum hundertsten Mal The Killers/Travis/Oasis laufen?“ Ob ich mich dazu zwingen könnte, an einem Tag in der Woche nur neue Musik zu hören?

Natürlich war es nie einfacher, ohne Kontakte und ohne industrielles Marketing seine Hörer zu finden. Und gleichzeitig nie schwieriger. Bis heute gibt es keine mir bekannte Band, die ausschließlich durch das Internet in die erste Liga aufgestiegen wäre (und sagen Sie nicht „Arctic Monkeys“ oder „Lily Allen“, die haben sowieso wieder normale Plattenverträge unterschrieben). Die ganzen social media-Aktivitäten erfordern einiges an Aufwand und es bleibt immer offen, ob und wann es sich lohnt. (Das Beruhigende daran ist wiederum: Es bleibt auch bei Majorlabels offen, ob ein „Thema“ funktioniert. Da sind die Fehlschläge auch viel teurer.)

Lustigerweise höre ich in letzter Zeit von vielen Nachwuchsbands, dass sie jetzt ein eigenes Management hätten. Das sind dann häufig Menschen, die in einem Hinterhof ein Tonstudio für Werbejingles haben und immer schon den Geruch des Rock’n’Roll einatmen wollten. (Rock’n’Roll riecht übrigens nach kaltem Rauch, Schweiß und Bier. Man kann es sich ganz leicht in der heimischen Küche züchten.) Im Bestfall haben diese Manager vor zwanzig Jahren mal selbst in einer Band gespielt (manche von ihnen haben Millionen von Platten verkauft, aber das weiß und glaubt heute niemand mehr) und wissen noch, wie die Branche damals funktioniert hat. Andere „Manager“ könnten sonst auch als „Model-Agent“ junge Blondinen in der Disco ansprechen. (Spielen Sie die ganzen bösen Klischees ruhig im Geiste alle mal durch, sie stimmen sowieso alle. Das Gegenteil aber auch immer, das ist ja das tolle.)

Viele Bands sind natürlich nur Musiker — die brauchen jemanden, der sich um alles andere kümmert und auf sie aufpasst. Solche Leute gibt es, aber sie kosten im Zweifelsfall viel Geld. Geld, das man nicht hat, nie verdienen wird und sowieso für Equipment und Kippen ausgeben muss.

Geld mache man heutzutage mit Konzerten, heißt es immer wieder. Das ist unter bestimmten Aspekten (z.B. wenn man U2 ist) sicher nicht falsch, aber man muss sie erst mal spielen. Außerhalb von Jugendzentren (die natürlich auch alle kein Geld haben bzw. machen) ist das schwierig bis unmöglich. Booking ist die Hölle für alle Beteiligten, weswegen ich mich da auch nie rangetraut habe: Die Bands verschicken Demos und Bandinfos im Dutzend und die Veranstalter haben den Schreibtisch voll mit dem Kram. Wenn man heutzutage als Nachwuchsmusiker irgendwas wirklich braucht, dann einen gescheiten Booker, der im Idealfall ein ganzes Portfolio von Bands hat und den Veranstaltern genau das präsentieren kann, was zu ihnen passt. (Und das mit den Kontakten geht auch einfacher.) Winzlings-Labels und -Vertriebe sind meines Erachtens verzichtbar: Für die Downloadstores (die heutzutage unverzichtbar sind, wenn man seine Musik nicht eh verschenken will) gibt es Dienstleister wie Tunecore und die CDs, die man bei Konzerten unbedingt dabei haben sollte, kann man entweder in kleiner Stückzahl pressen lassen oder gleich – Sakrileg! – selbst brennen.

Wichtig ist heutzutage vor allem der Austausch untereinander. Deswegen bin ich auch sehr gespannt auf die all2gethernow, die „Anti-Popkomm“, die im September in Berlin stattfinden wird.

Ihre Ziele kann man natürlich auch total ekelig ausdrücken, aber ich find’s trotzdem spannend:

Spätestens jetzt geht es darum nach vorne zu schauen, neue Ideen und innovative Praxis in der Kreativwirtschaft zu beleuchten. Ziel muss sein gemeinsam Modelle zu definieren, die Kreativen und Künstlern mit ihrer Arbeit Einkünfte ermöglichen. Jede Form des Input ist hilfreich, denn finale Antworten gibt es noch nicht. Eine offene Form der Diskussion wie sie ein Barcamp gewährleistet ist deshalb ideal.

(Mehr über „Kreativwirtschaft“ und „Input“ können Sie demnächst in meinem neuen Buch „Die 1.000 dümmsten Begriffe des frühen 21. Jahrhunderts“ nachlesen. Auf den Seiten zwischen „Digital Native“, „Generation Upload“ und „fail“.)

Jedenfalls soll diskutiert und nicht nur repräsentiert werden und Musiker und Blogger dürfen auch dabei sein.

16 Kommentare

  1. jan
    14. Juli 2009, 15:45

    Guter Artikel,
    was mich aber als ‚alter‘, analog aufgewachsener Musikhörer gerne mal aus Deinem oder anderem berufenen Munde hören würde: gerade als neu in die Musik eintauchender Jungteenager muss das von Dir gezeichnete Sxzenario noch mehr die Hölle sein – wenn man keine Namen kennt und sich nicht durch Reinhören rantasten kann, sondern gleich 348 GB auf die Festplatte geschmissen bekommt – da ist Geschmacksbildung eigentlich unmöglich, oder? Da kann man gleich die Oberkrainer – essen…

  2. Alberto Green
    14. Juli 2009, 15:50

    Naja, natürlich muss man sich nicht mit 6 Milliarden myspace-Bands konkurrieren, sondern man muss sich neben allem, was Trent Reznor fordert, den Arsch abspielen. Myspace ist dann für die Leute, die einen gehört und gemocht haben. Die empfehlen dich dann weiter, während du dir weiter den Arsch abspielst. Also alles wie früher, nur ohne Tapes und Copyshop für schlechte Plakate. Das mit dem Geld Verdienen kommt dann erst viel später. Wenn man da angekommen ist, konkurriert man mit 5.998.000.000 Bands weniger.

    Zum Probenraumgeruch gehört übrigens noch der Schimmel und der Döner, der mal unter Couch vergessen wurde.

  3. Lukas
    14. Juli 2009, 16:06

    @jan: Die Frage, was in heutigen Teenagern vorgeht, kann ich Dir auch bestenfalls theoretisch beantworten.

    Man kann sich ja immer noch rantasten. Und dann schaut man Fernsehserien und hört da Bands wie Death Cab For Cutie oder The Fray, besorgt sich deren Musik (auf welchem Wege auch immer), spricht mit Freunden drüber …

  4. Sven E.
    14. Juli 2009, 17:02

    Es gibt schon ein paar Bands, die ich online „entdeckt“ habe, bevor sie in Magazinen oder im TV auftauchten (und dabei komme ich mir vor, als schriebe ich „Ich fand Nirvana ja schon vor Nevermind großartig“) aber auf alle trifft _mindestens_ das zu, was du oben über Arctic Monkeys oder Lily Allen gesagt hast. Ich will sie trotzdem kurz nennen: Wir sind Helden, Großstadtgeflüster, Schwefelgelb, Wolfmother, Gnarls Barkley (ja…), Long Distance Calling, Dúné und Little Boots.

  5. Alex
    14. Juli 2009, 17:46

    Danke für einmal aus der Seele sprechen. So ziemlich alle Aspekte, die du erwähnst habe ich so oder so ähnlich schon erlebt. Inklusive dem „Manager“. Irgendwann habe ich entschieden, Musik nur noch zum Spaß zu machen :)

  6. Seb
    14. Juli 2009, 19:20

    Als ich angefangen hatte, Musik übers Internet zu hören, habe ich jede Menge spannender Bands entdeckt. Auch heute noch begegnet mir hin und wieder ein Leckerbissen. Dann aber weniger auf Myspace oder LastFM, sondern eher auf speziellen Musik-Blogs, deren Betreiber einen ähnlichen Musikgeschmack haben wie ich. Ich stimme dem Satz ”Man muss halt Medienkompetenz entwickeln und ein bisschen Glück haben, dann findet man schon ein paar Sachen, die einen richtig begeistern” absolut zu. Wenn man nur weiß, wie!

    “Höre ich mir jetzt nebenher diese ganzen unbekannten Sachen an oder lasse ich einfach zum hundertsten Mal The Killers/Travis/Oasis laufen?”
    Genauso ist es bei mir auch! Leider entscheide ich mich zu oft für Letzteres, bei mir sind es natürlich andere Bands. Dennoch mache ich ab und zu eine Blograzzia durch alle meine Lieblings-Musikblogs. Das dauert zwar etwas, aber manchmal ist es die Mühe wert. Und dann ist die Freude natürlich besonders groß. Das einzige Problem an der Sache ist, dass man manche Musik nicht unmittelbar nach dem ersten Hören beurteilen kann und sollte. Manchmal braucht es viel Zeit, bis einem etwas wirklich gefällt, und dann aber erst recht. (Ich habe ein Jahr gebraucht, bis mir OK Computer gefallen hat. Da war ich aber auch noch klein.) Um sich viel Zeit zu sparen, muss man beim ersten Mal hören beurteilen können, warum einem ein bestimmtes Lied nicht zusagt, wenn es denn so ist. Ist es einfach nur schlecht, mag man den Stil einfach nicht, oder ist es vielleicht zu komplex, um beim ersten Mal ins Ohr zu gehen? Diese Frage ist manchmal schwieriger, als man denkt und ich habe sie schon oft falsch beantwortet.

    Die andere Seite: Auch ich selber bin Teil dieser 6 Mrd. Kapellen (wer nicht?). Natürlich reicht es nicht, mal eben ein paar MP3s bei Myspace hochzuladen, um groß raus zu kommen. Eine Popkomm hilft mir da auch nicht weiter. Und es gibt immer mehr Bands, da heutzutage jeder mit einem Laptop Musik machen kann. Man muss sich nunmal gewisse Fähigkeiten einfach aneignen (Webdesign, Management), auch wenn sie nichts mehr mit der Musik zu tun haben. Zeiten ändern sich.

  7. DifferentStars
    14. Juli 2009, 19:55

    Das Problem ist auch…unter den 6 Mrd. Kapellen sind dann auch noch 100.000 sehr gute… wer sucht, findet also mehr, als er mit zwei Ohren hören kann (geschweigen denn, der Geldbeutel Fülle für CDs, Konzerttickets etc bereithält).

    Ich wünschte, ich könnte alle meine Entdeckungen entsprechend würdigen bzw. genießen.

  8. Christian
    14. Juli 2009, 21:26

    Verlasse mich momentan fast nur noch auf Freunde und Bekannte, die wissen was ich für Bands höre und mir dann Empfehlungen geben können. Manchmal kommt dann noch die gute alte Visions dazu (letztes Beispiel: Wintersleep als Platte des Monats oder auch Attack in Black). Mir täglich 10 Bands auf Myspace/last.fm anzuhören ist mir auf Dauer einfach zu anstrengend und es gibt dann ja auch noch genug Alben von „Lieblingsbands“, die erscheinen und, die man dann auch noch hören „muss“. Vom Aufarbeiten von Backkatalogen mal ganz zu schweigen.

  9. Coffee And TV: » Listenpanik 06/09
    16. Juli 2009, 16:02

    […] zum ersten Mal auf WDR 2 gehört und danach beschlossen, mir das Album zu kaufen. So viel zum Thema “das Radio hat als Multiplikator ausgedient” […]

  10. Worte zum Wochenende « Real Virtuality
    17. Juli 2009, 12:49

    […] Heinser , Coffee and TV // Der Weg zum Rockstar in sechs Millarden Schritten However, it turned out that Smith was not a time-travelling Terminator but was in fact suffering […]

  11. Michael
    16. August 2009, 21:54

    Hi,
    ich sehe ein, dass ich um Aufmerksamkeit für die Musik meiner Band zu generieren, bloggen, twittern, mein Gesabbel filmen und irgendwie interessant sein muss, aber wann soll ich denn all das tun? Selbst wenn ich das mittlerweile technisch ganz gut auf die Reihe bekomme, ist es doch einfach neben einem Job und der Musik unheimlich viel Arbeit. Man kann Stunden damit verbringen und füllt in einer fremden Stadt trotzdem nicht die kleinste Kneipe. Es ist einfach zu unwahrscheinlich, dass ein potentieller Fan die Eigeninitiative aufbringt sich mit unserer Musik auseinanderzusetzen und dieser Vorgang dann auch noch in den Zeitraum fällt, in dem wir in seiner Stadt spielen. Denn er kann ja gleichzeitig auch einfach die Killers hören. :) Ich frage mich manchmal, wo Madonna jetzt stünde, wenn sie in en 80ern jeden einzelnen Fan persönlich hätte anquatschen müssen.

    Genug gejammert, auf zu myspace… :)

  12. Lukas
    16. August 2009, 22:53

    @Michael: Klar, die Frage, wie ein Künstler das alles gleichzeitig auf die Reihe kriegen soll, stell ich mir ja auch.

    Madonna stünde natürlich da, wo Lady Gaga oder Lily Allen heute stehen — denn es ist ja nicht so, dass die gezielte Platzierung heute nicht immer noch funktionieren würde.

  13. Michael
    17. August 2009, 16:28

    Hi Lukas,
    ist klar, aber wer platziert mich gezielt? Nebenbei bemerkt, schlummert in mir kein Superstar, aber eine kleine Deutschlandtour pro Jahr zu der dann auch Publikum erscheint würde die Musik meiner Band schon hergeben, denke ich. Ich will dabei noch nicht einmal reich werden. Aber ärmer sollten mich solche Aktionen eben auch nicht machen.

  14. Kunar
    17. August 2009, 20:01

    Man sollte es nicht für möglich halten, aber: Es gibt nunmal kein Kochrezept auf dem Weg zum Rockstar.

    Dass Musiker, die mehr Freiheit für sich und ihre Musik inklusive Vermarktung verlangen, mehr dafür selbst tun müssen, gebietet bereits der gesunde Menschenverstand. Dass viele Musiker selbst offenbar nicht viel von Medien verstehen und einige der dringendsten Tipps von Reznor nicht befolgen (KEIN FLASH! ordentliche Navigation! leichtes Probehören!), spricht Bände.

  15. Lukas
    17. August 2009, 22:53

    Was für Bände spricht es denn, wenn ein Musiker nicht viel von Medien versteht? (Außer, dass sie offenbar auf einem Gebiet etwas begabter sind als auf einem anderen.)

  16. Kunar
    18. August 2009, 20:41

    Zugegeben, ich hätte lieber einen riesenlangen Kommentar schreiben sollen, der alles erklärt. Aber ich wollte es einmal kurz bzw. etappenweise versuchen…

    Wenn ein Musiker nicht viel von Medien versteht, ist das alleine nicht schlimm. Es gibt genügend Leute auf dieser Welt, die in einer speziellen Sache ganz gut sind, aber beim Rest unterdurchschnittlich. Wer mit seinem einem Talent Geld verdienen kann, besorgt sich entsprechende Unterstützung und gut ist. Klar deckt man als Nachwuchsband nicht sofort Pressesprecher, Manager und Mädchen fürs Internet ab, aber in die Richtung sollte man dann wohl gehen. Was hingegen nicht klappt, ist die Verweigerungshaltung im Sinne von „ich will alles“: Die Einnahmen mit möglichst niemandem teilen, sich nicht mit lästigem Krams rund um die Musik beschäftigen, aber gleichzeitig bekannt und gut aufgestellt sein. Entweder man macht’s selbst oder man muss jemanden bezahlen. Das Prinzip der Arbeitsteilung hat seit Jahrtausenden funktioniert.

    Selbstmarketing ist hart und mühselig, keine Frage. Aber den Aufwand muss heute jeder junge Mensch treiben (Bewerbungen). In den angelsächsischen Ländern soll – so „USA erklärt“ – es sogar viel natürlicher sein, dass sich jeder selbst zu präsentieren lernt.

    Und was den Umgang mit Medien betrifft: Jeder Jugendliche muss lernen, nicht einfach irgendwelche Fotos von sich ins Netz zu stellen oder Unsinn zu schreiben. Warum soll man das alles nicht von einem Musiker verlangen können (wenn er gleichzeitig nicht für diese Dienste zu zahlen bereit ist)?

    (Ich könnte noch mehr schreiben, aber ein Punkt pro Kommentar reicht erst einmal.)