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Musik Digital

Wagners Arie

Patrick Wag­ner war mal Sän­ger der mit­tel­gu­ten Band Sur­ro­gat, heu­te betreibt er das Label Louis­ville Records, bei dem eini­ge mit­tel­gu­te Bands sowie die gran­dio­sen Naked Lunch unter Ver­trag sind. Dort erscheint jetzt das Debüt­al­bum von Navel, die die­ses Jahr einen bereits siche­ren Sup­port­s­lot für die Smas­hing Pump­kins mit der Begrün­dung ablehn­ten, sie hät­ten es nicht nötig „mit so abge­half­ter­ten Rock­opas wie Smas­hing Pum­pins zu tou­ren“. Kurz vor Ver­öf­fent­li­chung hat sich Herr Wag­ner, der mit Franz Josef nicht nur den Nach­na­men, son­dern auch ein mit­un­ter bizar­res Selbst­ver­ständ­nis gemein hat, mal ein biss­chen aus­ge­kotzt über die­se gan­zen Blöd­män­ner im Musik­biz, die Navel nicht hin­rei­chend zu wür­di­gen wis­sen:

Gross­ar­tig auch Leu­te wie Chris­toph von MTV – “Bei Navel könn­te ich mir echt gut vor­stel­len, wenn das Video gut wird, dass wir da einen New­co­mer Deal anbie­ten könn­ten – ca 10 000€ spä­ter, ist das Video zwei mal gelau­fen und MTV lässt über Drit­te aus­rich­ten, dass man kei­nen Rock spie­le auf MTV – als hät­ten sie das nicht einen Moment frü­her gewusst. Bes­ser sind da schon die herr­li­chen Kol­le­gen von den Print­me­di­en – am bes­ten aus der Rock­haupt­stadt Mün­chen vom Musik­ex­press – zB. Oli­ver “das sind New­co­mer, oder ?- Ja dann musst du mit Chris­toph spre­chen: “ich weiss nicht ob ich da was brin­gen kann, es ist so viel los gera­de” die Wahr­heit ist, dass im März/​April aus­ser Nick Cave und Port­is­head kei­ne ein­zi­ge auch nur halb­wegs anhör­ba­re Plat­te raus­ge­kom­men ist, da nimmt man schon mal eine Künst­le­rin aufs Cover die gra­de nur Cover­ver­sio­nen ver­öf­fent­licht, wenn das nicht die Musik vor­an­treibt? Toll auch Mar­kus vom Radio Sen­der “Eldo­ra­dio” (Hörer­schnitt: 4/​Tag), der ganz ger­ne von einem erwar­tet, dass man für ihn und sei­nen beschis­se­nen Sen­der und sei­ne abso­lut irrele­van­ten Cam­puscharts einen Song umschreibt oder ne and­re Sin­gle aus­kop­pelt und im glei­chen Atem­zug sagt “Kett­car fin­den wir zwar auch scheis­se, müs­sen wir aber machen”. Da sind mir die Kol­le­gen von der Spex schon lie­ber, die ein­fach, sagen, “da machen wir nichts”, ‑genau­so hab ich mir nen Dis­kurs vor­ge­stellt.

Mal davon ab, dass die Cam­pus­ra­di­os zu den weni­gen Sen­dern gehö­ren dürf­ten, die Bands von Louis­ville Records spie­len: Jeder, der schon mal mit „Mar­kus vom Radio Sen­der ‚Eldo­ra­dio‘ “ zusam­men­ge­ar­bei­tet hat, wird Wag­ners Schmerz nach­emp­fin­den kön­nen.

[via taz Pop­b­log]

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Kultur

Back Office

Der Klas­sen­raum einer berufs­bil­den­den Schu­le irgend­wo in Ber­lin. An einem Dut­zend Tische sit­zen ange­hen­de Bäcke­rei­fach­ver­käu­fe­rin­nen. Vor­ne ste­hen der Leh­rer und Herr Brö­dow von der IHK.

Leh­rer: Guten Mor­gen, Mädels! Ihr wisst, heu­te wird’s ernst! Ich bin aber ganz zuver­sicht­lich, dass Ihr die Prü­fung schaf­fen wer­det, Ihr seid ja alle gut vor­be­rei­tet. Lasst Euch nicht ver­rückt machen!
Herr Brö­dow: Ja, natür­lich auch von mei­ner Sei­te einen guten Mor­gen. Ich wün­sche Ihnen viel Erfolg, ich bin ja nicht hier, um Sie durch­fal­len zu las­sen! (lacht)
Leh­rer: Um es mög­lichst fair zu gestal­ten, haben wir die Rei­hen­fol­ge, in der Ihr geprüft wer­det, vor­ab aus­ge­lost. Es geht los mit: Nadi­ne!

Nadi­ne schlägt die Hän­de vors Gesicht, dann steht sie auf und geht nach vor­ne.

Herr Brö­dow: Nadi­ne, machen Sie sich kei­ne Sor­gen. Ihre Noten sind ja alle­samt sehr gut, sehe ich. Wir machen ein klei­nes Rol­len­spiel: Ich bin Kun­de bei einem mit­tel­gro­ßen Sor­ti­ment-Bäcker, Sie bedie­nen mich. Ich kom­me dann mal rein.

Herr Brö­dow geht umständ­lich zur Tür, öff­net die­se aber nicht, und geht wie­der auf Nadi­ne zu.

Nadi­ne: Guten Mor­gen!

Der Leh­rer zuckt zusam­men, ein Rau­nen geht durch die Klas­se. Herr Brö­dow hält inne.

Herr Brö­dow: Nadi­ne, Sie sind auf­ge­regt, das macht gar nichts. Atmen Sie ein­mal tief durch, wir begin­nen dann noch mal!

Herr Brö­dow geht wie­der Rich­tung Tür, war­tet, bis Nadi­ne sich etwas locke­rer hin­ge­stellt hat, und geht dann wie­der zu ihr.

Herr Brö­dow: Guten Mor­gen!
Nadi­ne: Guten Mor­gen, was …

Der Leh­rer schlägt die Hän­de vors Gesicht, die Mit­schü­le­rin­nen rut­schen ein Stück unter ihre Pul­te.

Herr Brö­dow: Wis­sen Sie, wir fan­gen ein­fach noch ein drit­tes Mal an. Aller guten Din­ge sind ja, haha, drei. Blei­ben Sie ganz ruhig und kon­zen­trie­ren Sie sich. (Er ballt die Faust, eine alber­ne Moti­vie­rungs­ges­te.) Sie wol­len die Bäcke­rei­fach­ver­käu­fe­rin­nen von Ber­lin reprä­sen­tie­ren! Wir fan­gen ein­fach direkt an: Guten Mor­gen!

Nadi­ne guckt unsi­cher zu ihren Mit­schü­le­rin­nen, die abbrem­sen­de Ges­ten machen. Es ent­steht eine pein­li­che Stil­le.

Nadi­ne: (brummt) Mor­gen!

Der Leh­rer atmet erleich­tert durch, die Mit­schü­le­rin­nen strah­len.

Herr Brö­dow: Ich hät­te gern einen But­ter­crois­sant, drei Schrip­pen und … Was ist das da? (Deu­tet auf ima­gi­nä­re Back­wa­ren.)
Nadi­ne: Das sind Rosi­nen­schne­cken!

Herr Brö­dow fällt aus sei­ner Kun­den­rol­le und wird wütend.

Herr Brö­dow: Also wirk­lich, ich gebe Ihnen hier die drit­te Chan­ce und Sie machen immer noch alles falsch. Sie da (er deu­tet auf Man­dy): Wie lau­tet die kor­rek­te Ant­wort?
Man­dy: (steht auf) „Steht doch dran!“
Herr Brö­dow: Sehr rich­tig! Sie haben schon fast bestan­den! (lächelt unan­ge­nehm; wen­det sich wie­der Nadi­ne zu) Also noch­mal: Was ist das da?
Nadi­ne: (brummt) Steht doch dran!
Herr Brö­dow: Dann neh­me ich davon zwei!
Nadi­ne: Sonst noch was?

Der Leh­rer schlägt mit dem Kopf gegen die Wand, die Mit­schü­le­rin­nen seuf­zen.

Herr Brö­dow: (wütend) Nadi­ne, wo wol­len Sie denn arbei­ten? Im Puff oder in der Bäcke­rei? Sie müs­sen sich schon kon­zen­trie­ren! Mit so einer Lari-Fari-Ein­stel­lung kom­men Sie nicht weit!
Nadi­ne: (brüllt) Jetzt reicht’s mir aber, Sie dum­mes Arsch­loch! Sie gucken doch eh nur die gan­ze Zeit der Man­dy auf die Tit­ten! Ich kann das hier sehr wohl, ja? Ich hab nur kei­nen Bock, für so eine arm­se­li­ge Witz­fi­gur hier so eine Rie­sen­schau abzu­zie­hen wie im Kas­per­le­thea­ter! Ich hab über­haupt kei­nen Bock mehr auf die gan­ze Schei­ße hier!

Nadi­ne stampft wütend zu ihrem Platz, wo sie sich mit ver­schränk­ten Armen nie­der­lässt. Die Mit­schü­le­rin­nen erhe­ben sich und applau­die­ren, der Leh­rer strahlt.

Herr Brö­dow: Glück­wunsch, Sie haben mit Aus­zeich­nung bestan­den!

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Kommen und gehen

“Eine Liebeserklärung an die Hauptstadt - BILD ist ein Berliner!”

“Tote Hose auf dem Straßenstrich”

Mit Dank an Chris­ti­an M.

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Digital

Die mittischen Krassen

Es ist immer ein schö­nes Gefühl, wenn man von einer Rei­se wie­der­kommt und dann „Mein Gott, ist das schön hier“ denkt. So ging es mir, als ich ges­tern unweit unse­res Wohn­heims aus dem Bus stieg und von der Bochu­mer Stil­le fast erschla­gen wur­de. Die re:publica und Ber­lin waren schön und gut, aber dort leben: Nein, Dan­ke!

Zwi­schen den Pro­gramm­punk­ten „End­lich mal wie­der Aus­schla­fen“ und „Wäsche waschen“ will ich aber nun doch noch ein paar Wor­te über die re:publica ver­lie­ren. Und weil schon alle (inter­es­san­ter­wei­se auch Leu­te, die nicht vor Ort waren oder sein woll­ten) dar­über geschrie­ben haben, will ich nur ein paar unge­fil­ter­te Gedan­ken­gän­ge nie­der­pin­nen:

  • Ich habe bei der gan­zen re:publica genau fünf Minu­ten gefilmt, danach dach­te ich mir, dass da schon genug Leu­te fil­men, wie genug Leu­te ande­re fil­men­de Leu­te beim Fil­men fil­men. Die­se fünf Minu­ten hat der „Tages­spie­gel“ genutzt, um mich zu foto­gra­fie­ren.
  • Die Dis­kus­si­on „Blog­ger vs. Jour­na­lis­ten“ ist laut John­ny Haeus­ler jetzt end­gül­tig abge­schlos­sen. Lei­der habe ich ver­ges­sen, mit wel­chem Ergeb­nis. (Wahr­schein­lich mit kei­nem.)
  • Die mit­un­ter gehör­te Bezeich­nung „Blog­ger-Kon­fe­renz“ ist eini­ger­ma­ßen absurd, weil es um eine gan­ze Men­ge The­men ging und längst nicht jeder Teil­neh­mer auch ein Blog betrieb.
  • Die Dis­kus­si­ons­run­de „Musik im Netz“ war in etwa so uner­gie­big, wie man es erwar­ten durf­te. Zumin­dest war sie zu kurz, denn sie muss­te in dem Moment been­det wer­den, als Tim Ren­ner mit Aus­füh­run­gen anfing, nach denen ich ihm die Ret­tung der Musik­in­dus­trie im Allein­gang zutrau­en wür­de.
  • Lei­der habe ich zu wenig von der Dis­kus­si­ons­run­de über „Citi­zen Jour­na­lism“ im Aus­land mit­be­kom­men (was ich und jeder ande­re aber online nach­ho­len kann), aber was ich über „Ali­ve In Bagh­dad“ gehört habe, hat mich tief beein­druckt. Ver­gli­chen mit dem (Über-)Leben in Bag­dad und dem Dar­über-Berich­ten ist wohl alles, was wir in Deutsch­land so ins Inter­net stel­len, pil­le­pal­le.
  • Wenn ich mich ein biss­chen kon­zen­trie­re, kann ich mir auch Vor­trä­ge anhö­ren, mit denen ich inhalt­lich null über­ein­stim­me. So weiß ich wenigs­tens, was am ande­ren Ende des Spek­trums vor sich geht.
  • Schö­ner als die vie­len Vor­trä­ge und Dis­kus­si­ons­run­den ist es eigent­lich, am Ran­de Leu­te ken­nen zu ler­nen, deren Tex­te man teil­wei­se schon seit lan­gem liest und schätzt. Bei ande­ren wuss­te ich anschlie­ßend wenigs­tens, war­um ich ihre Tex­te nicht lese.
  • Den bes­ten Namen von allen Refe­ren­ten hat­te sicher Bert­ram Gugel, des­sen Nach­na­men man wirk­lich wie „Goog­le“ aus­spricht.
  • Der Kaf­fee (ein in die­sem Blog viel zu sel­ten gewür­dig­tes The­ma) in der Kalk­scheu­ne war beein­dru­ckend schlecht. Das war Kon­sens, aber auch der ein­zi­ge ech­te Nach­teil der Ört­lich­kei­ten.
  • Weit­aus schlech­ter als der Kaf­fee aber war das, was die „Süd­deut­sche Zei­tung“ über die re:publica geschrie­ben hat – gar­niert mit einem ca. 10 Jah­re alten Sym­bol­bild.
  • Trotz des Mot­tos „Die kri­ti­sche Mas­se“ fra­ge ich mich, wie viel von dem, was auf der re:publica bespro­chen wur­de, für Leu­te außer­halb des Fach­pu­bli­kums, das wir nun mal irgend­wie alle waren, rele­vant ist. Mit­un­ter hat­te ich schon das Gefühl, dass die Gegen­stän­de von Vor­trä­gen und Dis­kus­sio­nen mit dem Leben von wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung gar nichts zu tun haben.
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Digital

Wenn der Moabit losgeht

Hier pas­siert im Moment nahe­lie­gen­der Wei­se nicht viel, da ich auf der re:publica bin. Wie wir Inter­ne­thei­nis unse­re Tage so aus­klin­gen las­sen, wenn wir mit kon­fe­rie­ren durch sind, kann man sich hier anse­hen. Viel­leicht soll­te man es aber bes­ser auch blei­ben las­sen.

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Musik

Photographic

Pitch­fork hat sich über die Stand­auf­nah­men schon gewun­dert, die „Not in a mil­li­on lovers, das neue Video der Bean­gro­wers, so bewegt machen. Noch bewe­gen­der ist aber wie­der die Stim­me von Ali­son Galea, der mög­li­cher­wei­se nied­lichs­ten andert­halb Meter von Mal­ta, die die­sen Song des dem­nächst erschei­nen­den Bean­gro­wers-Albums mit dem glei­chen Titel gewohnt ver­edelt.

Und jetzt alle: hach!!!1

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Leben

Kurt Beck wird Kanzlerkandidat der SPD

Nen­nen Sie mich humor­los, aber ich has­se April­scher­ze. Ich wer­de jeden, der sich heu­te dar­an ver­sucht, für min­des­tens 15 Minu­ten ver­ach­ten.

Das liegt unter ande­rem an dem Trau­ma, das ich erlitt, als ich vor zehn Jah­ren fest­stell­te, dass es den von der Film­zeit­schrift „Cine­ma“ ange­kün­dig­ten Director’s Cut von James Came­rons „Tita­nic“ (inkl. Gast­auf­tritt von Arnold Schwar­zen­eg­ger als Kell­ner) nie geben wird. Ich stand schon fast an der Kino­kas­se, als ich den „Witz“ bemerk­te.

April­scher­ze funk­tio­nie­ren nach dem Prin­zip „Freu­de plus Fall­hö­he“, bzw. „Ärger plus Fall­hö­he“: Man erzählt eine Geschich­te, bei der sich die Zuhö­rer auf etwas freu­en, das nie kom­men wird, oder sich über etwas ärgern, das nie statt­ge­fun­den hat. Kin­der oder ande­re logisch den­ken­de Wesen wür­den das „Lügen“ nen­nen.

Als Chuck Klos­ter­man heu­te vor zwei Jah­ren das ewig ver­scho­be­ne Guns‑n‘-Roses-Album „Chi­ne­se Demo­cra­cy“ rezen­sier­te, war das schon irgend­wie wit­zig, aber nicht halb so gut wie die letz­te Woche ange­kün­dig­te (offen­sicht­lich ernst gemein­te) PR-Akti­on von Dr Pep­per zum The­ma.

Wenn ich mir so anse­he, wie viel Mühe sich man­che Medi­en mit der Vor­be­rei­tung ihres April­scher­zes gege­ben haben, dann weiß ich auch, wie­so die­se den Rest des Jah­res über so schwach sind. Bei ande­ren wür­de eine wei­te­re Falsch­mel­dung gar nicht auf­fal­len.

Aller­dings muss ich der Fair­ness hal­ber sagen, dass es zumin­dest immer mal wie­der ein paar sehr lie­be­voll durch­dach­te April­scher­ze gab und ver­mut­lich auch geben wird: Das WDR-„Zeitzeichen“ brach­te vor vie­len Jah­ren einen Bericht über die Ein­füh­rung von Säch­sisch als Unter­richts­fach in der DDR und bei Spie­gel Online eines­ta­ges fin­det sich die schö­ne Geschich­te aus dem „Guar­di­an“ von 1977 über die Ent­de­ckung der Insel­re­pu­blik San Ser­rif­fe. Aber wenn ich auf die rein­ge­fal­len wäre, hät­te ich sie ver­mut­lich auch doof gefun­den.

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Unterwegs Gesellschaft

Being Franz Josef Wagner

Lie­be BVGler,

jetzt habt Ihr Euch also über­ra­schend ent­schie­den, heu­te doch nicht zu strei­ken. Ihr wer­det also Euren Job tun, für den Ihr bezahlt wer­det. Und das sol­len wir jetzt als gro­ße Ges­te Eurer Gut­mü­tig­keit fei­ern.

Einem Kind, das nicht zur Schu­le gehen will, gibt man Einen hin­ter die Löf­fel und bie­tet ihm nicht noch mehr Süßig­kei­ten an. Ihr geht jetzt wei­ter zur Schu­le, wollt aber noch mehr von dem Kuchen, der schon zu vie­len klei­nen Kru­men zer­fal­len ist. Natür­lich habt Ihr einen Teil die­ser Kru­men ver­dient, so wie jeder Mensch, der Teil unse­rer Gesell­schaft ist, und so wie ich.

Von mei­nen Kru­men muss ich zum Bei­spiel den Fahr­schein bezah­len, der heu­te mal wie­der teu­rer wird. In Euren U‑Bahnen muss man Angst haben, selbst zu Kru­men zer­schla­gen zu wer­den. Aber Ihr fahrt mich heu­te in mei­nem gelieb­ten Ber­lin über­all hin: ins Büro, zum Fri­seur und in die Knei­pe. Ihr macht Euren Job, für den Ihr bezahlt wer­det. Ich fin­de, dafür soll­te man Euch auch mal dan­ken.

Herz­lichst …

Mit ande­ren Wor­ten: Ich bin die nächs­ten Tage in Ber­lin.

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Film Print

Kulturhauptstadt 2008

Ich freue mich sehr, nach­tra­gen zu kön­nen, dass Cle­mens Schön­born, den ich beim „Berg­fest“ des Adolf-Grim­me-Prei­ses in Marl ken­nen­ge­lernt hat­te, und der wie ich in Dins­la­ken auf­ge­wach­sen ist, für sei­nen Film „Der Letz­te macht das Licht aus“ das Mer­ce­des-Benz-För­der­sti­pen­di­um ver­lie­hen bekom­men hat. Im Gegen­satz zum eigent­li­chen Grim­me-Preis, für den er nomi­niert war, macht sich die­ses auch in barer Mün­ze (oder wie auch immer man die 10.000 Euro aus­ge­hän­digt bekommt) bemerk­bar. Ich habe den Film lei­der immer noch nicht gese­hen, aber Ste­fan Nig­ge­mei­er, dem ich in sol­chen Din­gen durch­aus ver­traue, fand ihn gut.

Natür­lich müs­sen der­lei gute Nach­rich­ten auch von der Lokal­pres­se sofort wei­ter­ver­brei­tet wer­den, und so brach­te die „Rhei­ni­sche Post“ ges­tern ein mit­tel­gro­ßes Por­trät.

Er fühl­te sich geschmei­chelt, auch von der Begrün­dung der Jury: „Jens Schön­born setzt einen Mei­len­stein auf das sel­ten – viel zu sel­ten – beacker­te Ter­rain der deut­schen Arbei­ter­ko­mö­die.“

Das stimmt so natür­lich nicht, denn in der Begrün­dung der Jury heißt Cle­mens auch wei­ter­hin Cle­mens und nicht Jens.

Noch ein wei­te­rer Satz ließ mich sto­cken:

Er besuch­te das Theo­dor-Heuss-Gym­na­si­um, mach­te dort sein Abitur.

Ich habe Cle­mens Schön­born jetzt nicht noch mal zum Fact-Che­cking kon­tak­tiert, aber bei unse­rer leicht hys­te­ri­schen „Kenns­te das und das und den?“-Runde, die orts­frem­de Mit­glie­der unse­rer klei­nen Gesprächs­run­de zu besorg­tem Stirn­run­zeln ani­miert hat­te, hat­te er mir eigent­lich erzählt, sein Bru­der habe (wie ich) das „THG“ besucht, er selbst sei auf das damals noch exis­ten­te Ernst-Bar­lach-Gym­na­si­um gegan­gen. Aber ich mag mich irren, das Bier war an jenem Abend kos­ten­los.

Nicht irren tue ich mich aber, wenn ich aber­mals die Kul­tur­me­tro­po­le Dins­la­ken aus­ru­fe. Denn von dort kommt nicht nur Deutsch­lands ange­sag­tes­te Nach­wuchs­band, son­dern natür­lich auch Micha­el Wend­ler, der „König des Pop­schla­gers“, des­sen neu­es Album am Frei­tag erschei­nen wird, und in das Sie bereits jetzt „exklu­siv“ (was auch immer das dies­mal wie­der hei­ßen mag) bei bild.de rein­hö­ren kön­nen.

Das nächs­te Kapi­tel Dins­la­ke­ner Kino­ge­schich­te wird übri­gens auf­ge­schla­gen, wenn im April „Lauf um Dein Leben“ anläuft, ein Film, der vom in Dins­la­ken gebo­re­nen Regis­seur Adnan G. Köse zu wei­ten Tei­len in sei­ner Hei­mat­stadt gedreht wur­de.

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Musik

Und jetzt sind wir wieder schwierig

Heu­te erscheint mit „Grace­land“ die Vor­ab­sin­gle zu „Sylt“, dem neu­en, drit­ten Album von kett­car. Ich hät­te nie gedacht, sowas mal zu schrei­ben, aber der Song macht nicht gera­de Lust auf das Album.

Musi­ka­lisch ein stol­pern­der Rocker ohne ech­te Struk­tur und Melo­dien, wirkt der Text wie der Ver­such, sich unbe­dingt von den eige­nen Emo-Tex­ten der Ver­gan­gen­heit und der Seicht­heit der gan­zen ande­ren Deutschrock­bands unter­schei­den zu wol­len. Irgend­wie eine Wichs­vor­la­ge für Intro, Spex und Visi­ons – wobei deren Leser die Band sicher schon has­sen, seit sie auf Platz fünf der deut­schen Album­charts war.

Dafür ist das Video recht hübsch gewor­den:

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Ich wer­de mir das Album natür­lich trotz­dem wie­der kau­fen. Auch wenn ich viel­leicht lang­sam zu alt dafür bin.

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Fernsehen Rundfunk

I blog to differ

Da data-epi-spa­cing wir data-epi-spa­cing ja data-epi-spa­cing gera­de data-epi-spa­cing noch data-epi-spa­cing so data-epi-spa­cing von data-epi-spa­cing Ellen data-epi-spa­cing Page data-epi-spa­cing geschwärmt data-epi-spa­cing hat­ten: data-epi-spa­cing Das data-epi-spa­cing Froll­ein data-epi-spa­cing war data-epi-spa­cing vor data-epi-spa­cing vier data-epi-spa­cing Wochen data-epi-spa­cing zu data-epi-spa­cing Gast data-epi-spa­cing bei data-epi-spa­cing „Satur­day data-epi-spa­cing Night data-epi-spa­cing Live“, data-epi-spa­cing dem data-epi-spa­cing Come­dy-Dau­er­bren­ner data-epi-spa­cing in data-epi-spa­cing den data-epi-spa­cing USA data-epi-spa­cing und data-epi-spa­cing Vor­bild data-epi-spa­cing für data-epi-spa­cing „RTL data-epi-spa­cing Sams­tag data-epi-spa­cing Nacht“.

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Musik Literatur

Der Saal wird still, die Lichter gehn aus

Sei­en wir ehr­lich: Wir Sind Hel­den sind so ziem­lich die lang­wei­ligs­te Band Deutsch­lands. Zwar wird man hier­zu­lan­de sowie­so kaum eine Band fin­den, die sich mal schlecht benimmt oder wenigs­tens mal ein paar Kol­le­gen disst, aber Wir Sind Hel­den sind immer noch eine Spur net­ter. Jetzt tou­ren sie sogar schon mit Baby! Und so eine Band will uns gera­de fünf Jah­re nach dem Durch­bruch ihre Geschich­te und ihren Tourall­tag erzäh­len? Auf 400 Sei­ten?

Wir Sind Hel­den sind aber natür­lich auch eine der sym­pa­thischs­ten Bands Deutsch­lands. Selbst als „Bri­git­te“ und „Poly­lux“, wo sie zu Hoch­zei­ten gefühlt in jeder Sen­dung por­trä­tiert wur­den, Judith Holo­fer­nes zur Klas­sen­spre­che­rin der Nati­on erklä­ren woll­ten und die Band droh­te, zum Sound­track­lie­fe­ran­ten von Attac-Demons­tra­tio­nen zu wer­den, sorg­te das Quar­tett immer mit genug Selbst­iro­nie dafür, dass man sie immer noch moch­te. Oder sie has­sen muss­te, weil sonst aus­nahms­los alle sie moch­ten. Die­se Wir Sind Hel­den haben jetzt „Infor­ma­tio­nen zu Tou­ren und ande­ren Ein­zel­tei­len“ ver­öf­fent­licht, eine Samm­lung alter Tour- und Stu­dio­ta­ge­bü­cher, ange­rei­chert mit ganz vie­len Zusatz­ge­schich­ten und lie­be­voll kom­pi­liert von den „Musikexpress“-Granden Josef Wink­ler und Albert Koch.

Wir haben die akti­ve Legen­den­bil­dung in einem frü­hen Sta­di­um ver­säumt und müs­sen nun damit leben: Drei Vier­tel der Hel­den haben sich beim, seufz, Som­mer­kurs einer Musik­hoch­schu­le ken­nen­ge­lernt.

Nun gut, wer unre­flek­tiert Dro­gen- und Sex­ge­schich­ten geschil­dert krie­gen will, kann ja „Scar Tis­sue“ von Antho­ny Kie­dis lesen, bei Wir Sind Hel­den gibt es erst mal län­ge­re Schil­de­run­gen des zag­haf­ten Ken­nen­ler­nens, die dafür jeder Mensch nach­voll­zie­hen kann, der sich mal mit ein paar Freun­den und deren Freun­den „so zum rum­zo­cken“ getrof­fen hat. Über­haupt: Das Hel­den-Buch soll­te man zur Pflicht­lek­tü­re von Nach­wuchs­mu­si­kern ernen­nen. Wenn sich die Band eupho­risch an die ers­ten (natür­lich ziem­lich schlech­ten) Auf­trit­te erin­nert, will man sofort auf die Büh­ne in egal wel­chem Jugend­zen­trum stür­men – und viel­leicht sogar in den Pro­be­raum. Wie man neben­her auch noch ohne ech­tes Manage­ment die Ange­bo­te von Plat­ten­fir­men ablehnt, die einen „top­down in GSA“ „brea­k­en“ wol­len, kann man sich bei den Hel­den zumin­dest abschau­en.

Dass das Buch aber trotz aus­führ­li­cher Schil­de­run­gen von Stu­dio­ar­beit und Live­be­trieb auch noch für Nicht-Insi­der inter­es­sant ist (sein dürf­te), ist der eigent­li­che Ver­dienst: Im Gegen­satz zum ver­gleich­ba­ren Tom­te-Tour­ta­ge­buch „Die Schön­heit der Chan­ce“ hat „Infor­ma­tio­nen zu Tou­ren und ande­ren Ein­zel­tei­len“ zwar den sper­ri­ge­ren Titel, erzählt aber sehr viel all­ge­mein­ver­ständ­li­cher und weit weni­ger puber­tär vom Tour-All­tag. Das könn­te natür­lich auch dar­an lie­gen, dass die bei­den Bands so grund­ver­schie­den sind, wie Thees Uhl­mann im Buch noch mal erklä­ren darf. Als Mehr­wert hängt dem Buch noch ein Glos­sar an, in dem von „A&R“ über „Night­li­ner“ bis zum sen­sa­tio­nell däm­li­chen Wort „Venue“ („Auf­tritts­ort“) alle Begrif­fe erklärt wer­den, die im Musik­ge­schäft so wich­tig sind. Dar­über freu­en sich sicher auch Musi­ker, Musik­jour­na­lis­ten und Musik­in­dus­tri­el­le, die zwar täg­lich mit die­sen Begrif­fen han­tie­ren müs­sen, sich aber nie trau­en wür­den, nach deren Bedeu­tung zu fra­gen.

400 Sei­ten sind recht viel, um dar­auf knapp sie­ben Jah­re Band­ge­schich­te zu erzäh­len. Den Groß­teil nimmt dabei der Weg bis zum uner­war­te­ten Erfolg des Debüt­al­bums „Die Rekla­ma­ti­on“ ein, aber das war ja auch eine span­nen­de Zeit und man merkt den klug mon­tier­ten Erzäh­lun­gen der Band­mit­glie­der an, wie unglaub­lich die­se Erfah­run­gen für sie auch heu­te noch sein müs­sen. Man hört das Zweit­werk „Von hier an blind“ mit etwas ande­ren Ohren, wenn man um den Druck weiß, der damals auf den Musi­kern las­te­te, und man glaubt es ihnen ger­ne, wie befrei­end es gewe­sen sein muss, als die Auf­merk­sam­keit im ver­gan­ge­nen Jahr etwas nach­ließ.

Am Ende hat man das Gefühl, die Band und ihre Mit­glie­der wirk­lich ken­nen­ge­lernt zu haben. Bei der Scho­nungs­lo­sig­keit, mit der eige­ne Feh­ler ein­ge­stan­den und eige­ne Lügen in der Ver­gan­gen­heit als sol­che ent­larvt wer­den, muss die­ses Buch ein­fach der Wahr­heit ent­spre­chen. Wenn etwas nervt, dann der wie­der­hol­te Hin­weis auf die eige­ne Unkom­mer­zia­li­tät: Kei­ne Fir­men­ver­an­stal­tun­gen, Wer­be­ban­ner am Kon­zert­ort bit­te abneh­men – aber dann begeis­tert anneh­men, wenn bei „Rock am Ring“, die­sem Mar­ke­ting­fes­ti­val mit inte­grier­tem Kon­zert­be­trieb, der Head­li­ner abspringt! Wenn die Band sich dann aller­dings über die Rezep­ti­on am Nür­burg­ring freut, glaubt man ihnen schon fast wie­der, dass dort tat­säch­lich mal für die Län­ge eines Kon­zerts kei­ne Hun­dert­tau­send Dosen­bier-Asis, son­dern ech­te Musik­fans auf dem Gelän­de her­um­lie­fen.

Am Ende weiß man: Wir Sind Hel­den wer­den nie Rock’n’Roll sein, sind aber grund­sym­pa­thisch. Sie machen tol­le Musik und kön­nen sogar Bücher schrei­ben. Das soll ihnen erst mal einer nach­ma­chen.

Wir Sind Hel­den – Infor­ma­tio­nen zu Tou­ren und ande­ren Ein­zel­tei­len
Fischer Ver­lag
12,95 Euro