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Musik

Listenpanik 03/​08

Das hat ja lan­ge genug gedau­ert: Bevor es Mai wird und ich zwei Lis­ten in Rück­stand gera­te, habe ich ein­fach ein biss­chen gewür­felt, was im März in den Top-Five-Lis­ten lan­den soll. Die Ergeb­nis­se sind wie immer streng sub­jek­tiv und wer­den schon mor­gen wie­der bereut. Trotz­dem viel Spaß damit!

Alben
1. Lightspeed Cham­pi­on – Fal­ling Off The Laven­der Bridge
Auf der Lis­te der unwahr­schein­lichs­ten Acts recht weit vor­ne: ein Bri­te, der frü­her bei den Test Ici­c­les, einer der außer­ge­wöhn­lichs­ten Bands die­ses Jahr­zehnts, gespielt hat, nimmt mit Indie-Folk-Erfolg­pro­du­zent Mike Mogis (Bright Eyes, Cur­si­ve, Riol Kiley, …) eine Indie-Rock-Folk-Coun­try-Alter­na­ti­ve-Plat­te auf. Noch dazu eine ganz wun­der­ba­re, die nach ame­ri­ka­ni­scher Prä­rie und ver­las­se­nen Klein­städ­ten klingt. Das kann man sich alles kaum vor­stel­len, das muss man sich anhö­ren.

2. R.E.M. – Acce­le­ra­te
Ja ja, R.E.M. gehen zurück zu ihren Wur­zeln, erfin­den sich neu, rha­bar­ber­rha­bar­ber. R.E.M. klin­gen natür­lich immer nach R.E.M., egal, wie lang die Songs und wie hoch die BPM-Zahl ist – dafür sorgt schon Micha­el Sti­pe, der sich auch dies­mal wie­der viel Mühe gibt, den ohne­hin kryp­ti­schen Tex­ten durch geziel­te Ver­nu­sche­lung noch eine wei­te­re Bedeu­tungs­ebe­ne zu geben. Bei R.E.M. bin ich so unkri­tisch und so sehr Fan wie bei kaum einer ande­ren Band (neben Oasis, Tra­vis und Manics), von daher fin­de ich „Acce­le­ra­te“ eh toll. Natür­lich wie­der­holt man sich nach 28 Jah­ren Band­ge­schich­te das eine oder ande­re Mal in Gitar­ren­läu­fen und Melo­die­bö­gen, aber auch in „wie­der rockig“ sind R.E.M. gut und mög­li­cher­wei­se sogar immer noch rele­vant.

3. Fet­tes Brot – Strom Und Drang
Mein ers­tes ech­tes deutsch­spra­chi­ges Hip-Hop-Album (Fan­ta 4 unplug­ged zählt ja nicht so rich­tig). Es ist laut, es ist heiß, es ist Sams­tag­nacht. „Strom Und Drang“ ist ein klu­ges, gewitz­tes Album mit gro­ßen Hym­nen und klei­nen Mör­der­bal­la­den. Wenn Beden­ken­trä­ger beim Wort Hip-Hop mal an Fet­tes Brot statt an Bushi­do den­ken wür­den, wäre schon viel gewon­nen.

4. Gre­gor Meyle – So Soll Es Sein
Man muss Ste­fan Raab dank­bar sein, dass er sei­ne klei­ne, fei­ne Cas­ting­show „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ gestar­tet hat. Die Musik von Gre­gor Meyle, der dort den zwei­ten Platz beleg­te, muss­te an die Öffent­lich­keit, hät­te das aber (und das zeigt, wie belie­big das Musik­ge­schäft mit­un­ter ist) aus eige­ner Kraft viel­leicht nie geschafft. Musi­ka­lisch liegt „So Soll Es Sein“ ganz nah bei Howie Day, Cary Brot­hers oder John May­er und auch text­lich ste­hen die sehr per­sön­li­chen Songs ihren US-Vor­bil­dern in nichts nach – auf deutsch klingt es halt nur schnell mal schla­ge­resk. Trotz­dem ist „So Soll Es Sein“ ein sehr schö­nes Album, mit dem Gre­gor Meyle die Lücke beset­zen dürf­te, die im Spek­trum deutsch­spra­chi­ger Musik zwi­schen Tom Liwa und Her­bert Grö­ne­mey­er klafft.

5. Get Cape. Wear Cape. Fly – Sear­ching For The Hows And Whys
Gut ein Jahr, nach­dem das groß­ar­ti­ge Debüt in Deutsch­land erschien, kommt schon der Nach­fol­ger. Sam Duck­worth ist nicht mehr ganz so allei­ne mit sei­ner Akus­tik­gi­tar­re und sei­nem Drum­com­pu­ter, die Arran­ge­ments klin­gen mit Band sat­ter und pop­pi­ger, ansons­ten bleibt alles beim Alten: wun­der­schö­ne Songs mit klu­gen Tex­ten, gro­ße Ges­ten und klei­ne Über­ra­schun­gen. Ob „Sear­ching For The Hows And Whys“ mit „The Chro­nic­les Of A Bohe­mi­an Teen­ager“ mit­hal­ten kann, wird erst der Lang­zeit­ein­satz im MP3-Play­er zei­gen. Im Moment deu­tet aber vie­les dar­auf hin.

Songs
1. The Ting Tings – Gre­at DJ
Ein Mann, eine Frau, eine Gitar­re, ein Schlag­zeug. Nicht ori­gi­nell, sagen Sie? Na ja, ers­tens ist die Auf­tei­lung bei den Ting Tings genau anders­rum als bei den White Stripes, zwei­tens kom­men die Bei­den aus Eng­land und drit­tens hei­ßen die musi­ka­li­schen Ein­flüs­se bei ihnen Dis­co, Post­punk und was­wei­ßich­noch. „Gre­at DJ“ ist ein sym­pa­thi­scher Ham­mer von Tanz­bo­den­fül­ler und steht auf der vor­läu­fi­gen Lis­te mei­ner Hits des Jah­res sehr weit oben.

2. Fet­tes Brot – Lie­ber Ver­bren­nen Als Erfrie­ren
Will man von Mitt­drei­ßi­gern wirk­lich hören, wie es ist, jung und frei zu sein? Wenn es Fet­tes Brot sind und so klingt: Auf jeden, Alter! Die Rave-Hip-Hop-Vari­an­te von „Live Fore­ver“ ist eine über­le­bens­gro­ße Hym­ne, für deren stan­des­ge­mä­ße Wie­der­ga­be man sogar kurz über den Erwerb eines Cabri­os mit Rie­sen-Sound­sys­tem nach­den­ken soll­te.

3. Lüt­zen­kir­chen – 3 Tage Wach
Darf man einen Track, der bei „Poly­lux“ gespielt wird, über­haupt noch gut fin­den? Ist es dann nicht defi­ni­tiv zu spät? „3 Tage Wach“ könn­te das „D.A.N.C.E.“ des Jah­res 2008 wer­den, der Kon­sens-Elek­tro-Par­ty-Schla­ger. Die Pha­se, in der man den Song nicht mehr „doof“ und noch nicht „lang­wei­lig“ fin­det, könn­te kurz sein, aber, hey: druff, druff, druff, druff, druff!

4. Gre­gor Meyle – Irgend­wann
Die Qua­li­tä­ten des Albums „So Soll Es Sein“ hat­te ich ja wei­ter oben schon zusam­men­ge­fasst. Kon­zen­triert kann man das alles in „Irgend­wann“ hören, einem Lied, das ich mir als gro­ßen Hit für einen hof­fent­lich schö­nen Som­mer wün­sche.

5. The Last Shadow Pup­pets – The Age Of The Under­state­ment
Alex Tur­ner (Arc­tic Mon­keys) und Miles Kane (The Ras­cals) woll­ten mal unab­hän­gig von ihren Haupt­bands musi­zie­ren und grün­de­ten The Last Shadow Pup­pets. „The Age of The Under­state­ment“ ist eine wahn­wit­zi­ge Kom­bi­na­ti­on aus Spa­ghet­ti-Wes­tern-Musik und Schwarz­meer-Kosa­ken-Chö­ren. Oft kann man sich sowas auch nicht anhö­ren, aber schön isses schon.

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Digital Musik

Lost In MySpace

Bei­na­he täg­lich kom­men neue „Freun­des­an­fra­gen“ via MySpace rein. Die meis­ten Leu­te kennt man nicht, die meis­ten Bands adden wahl­los alles, bis sie mehr Fol­lower haben als Haa­re auf dem Kopf. Bei man­chen Sachen guck ich gar nicht mehr rein, weil ich nun wirk­lich nicht alles und jeden auf der Lis­te haben will, bis alles völ­lig unüber­sicht­lich gewor­den ist. Aber manch­mal ent­de­cke ich dabei doch Schman­kerl, die unter den zig­tau­send Bands auf MySpace unter­zu­ge­hen dro­hen. Und da dach­te ich mir: „War­um nicht mal wie­der eine neue Serie fürs Blog star­ten?“ Tada­aa: Lost In MySpace, Epi­so­de I.

L’Al­ba Di Nuo­vo
Hardcore/​Punk/​Emo auf Ita­lie­nisch hat es natür­lich schon wegen des Exo­ten­bo­nus leicht, auf­zu­fal­len – auch wenn es ver­mut­lich an die Hun­dert­tau­send ita­lie­nisch­spra­chi­ge Hard­core-Bands bei MySpace geben dürf­te. Die Musik knallt aber schön nach vor­ne und ist genau das, was ich an einem Sonn­tag­mit­tag hören möch­te. L’Al­ba Di Nuo­vo, die dann auch den Aus­schlag für die­sen Ein­trag gaben, haben sich die Erwäh­nung an ers­ter Stel­le also ver­dient.

The Bloom
Ein 20-Jäh­ri­ger aus Olpe, der genau einen Song online hat, und der mir trotz­dem auf­ge­fal­len ist. Unauf­ge­reg­ter Sin­ger/­Song­wri­ter-Kram, der aus dem Wust der gan­zen lau­ten, tanz­ba­ren Mas­sen-Adder posi­tiv her­vor­sticht.

Blek Le Roc
Indie-Trio aus Mün­chen, klang­lich irgend­wo zwi­schen Snow Pat­rol, Miles und U2. Ein wei­te­rer Beweis dafür, dass die bes­te Musik nicht zwangs­läu­fig von Plat­ten­fir­men ver­öf­fent­licht und von gro­ßen Men­schen­mas­sen gehört wird.

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Digital

Warum nicht „Wechselgeld“?

… und dann war da noch First­news, Toch­ter der Klas­sik Radio AG und laut Selbst­be­schrei­bung „die größ­te und leis­tungs­fä­higs­te Unter­hal­tungs-Nach­rich­ten­agen­tur im deutsch­spra­chi­gen Raum“, zu deren Kun­den neben diver­sen Online-Por­ta­len auch vie­le öffent­lich-recht­li­che Radio­sta­tio­nen in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz gehö­ren.

Die lei­di­ge Shaki­ra-Geschich­te ging unter ande­rem über First­news, eben­so die Mel­dung, wonach sich Lily Allen mit zwei Män­nern auf einer Toi­let­te auf­ge­hal­ten habe. In die­sem Fal­le stimmt der Kern wohl, aber First­news ver­brei­te­te auch fol­gen­den Abschnitt:

Als sie ertappt wur­den, erklär­te Lily scherz­haft, sie hät­te Sex mit den bei­den Män­nern und wol­le nicht gestört wer­den.

(First­news ist ein kos­ten­pflich­ti­ges Ange­bot, auf das man nicht ver­lin­ken kann, die Mel­dung steht aber im Wort­laut unter ande­rem hier.)

Und jetzt raten Sie mal, was das „Heat“-Maga­zin, auf das sich First­news expli­zit beruft, geschrie­ben hat.

Sie kom­men nicht drauf:

While Lily laug­hed off the inci­dent and clai­med she’d had a sex chan­ge, John­ny was a bit more grum­py, shou­ting, “Don’t touch me, just don’t touch me!” at the boun­cers (like they’d want to – have you seen the sta­te of him?!) and left short­ly after­wards.

(Für die­je­ni­gen, die wie der First­news-Prak­ti­kant kein Eng­lisch kön­nen: sex chan­ge bedeu­tet „Geschlechts­um­wand­lung“.)

Ich habe die Redak­ti­ons­lei­te­rin von First­news letz­te Woche ange­schrie­ben und gefragt, war­um Ihre Agen­tur ver­spä­te­te April­scher­ze und fal­sche Über­set­zun­gen ver­brei­te. Bis heu­te hat nie­mand geant­wor­tet.

Nach­trag, 23. April: Heu­te kam eine E‑Mail der Redak­ti­ons­lei­te­rin. Sie sei eini­ge Tage außer Haus gewe­sen, bei­de Mel­dun­gen sei­en aber inzwi­schen „geän­dert und ent­spre­chend aus­ge­bes­sert“ wor­den.

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Musik

Mal schauen, was so kommt

Die Musik­in­dus­trie ist aktu­ell höchst­pro­duk­tiv, was neue Releases angeht. Alte Hel­den mel­den sich zurück, von denen man ent­we­der lan­ge nichts, oder stel­len­wei­se nichts Gutes gehört hat. Und dazu kom­men Plat­ten von Musi­kern, die ich vor­her nicht kann­te. Und die trotz­dem tau­gen. Die­se Plat­ten habe ich schon­mal pro­be­ge­hört.

dEUS – Van­ta­ge Point (VÖ: 18.4.)
Wenn ich ganz ehr­lich bin: Das Vor­gän­ger­al­bum „Pocket Revo­lu­ti­on“ ist dezent an mir vor­bei­ge­gan­gen, es hat mich gera­de­zu gelang­weilt. „Van­ta­ge Point“ ist da anders. Schon die Sin­gle „The Archi­tect“ hat mich wegen der Tanz­bar­keit gepackt, weil sie eben nicht so typisch dEUS war. Ansons­ten sind sie sich halb­wegs treu geblie­ben. Von „Eter­nal Woman“, das ein wenig an „Not­hing Real­ly Ends“ erin­nert, und dem leicht ver­track­ten „When She Comes Down“ schließt eini­ges an alte Tra­di­tio­nen an. Und endet mit „Popu­lar Cul­tu­re“ in einem herr­li­chen Pop­song inklu­si­ve Kin­der­chor.

Kett­car – Sylt (VÖ: 18.4.)
„Sylt“ ist ein Album, an dem ich schei­te­re. Es hat sei­ne klei­nen Höhe­punk­te im kraft­vol­len „Kein Aus­sen mehr“ und dem eher ruhi­gen, an „Nacht“ erin­ner­den „Ver­ra­ten“, wäh­rend „Grace­land“ war die denk­bar schlech­tes­te ers­te Sin­gle war. Es fehlt der rote Faden, die zum Bei­spiel ihr Erst­ling hat­te, es ist viel­mehr eine Ansamm­lung ver­schie­de­ner Songs, die für sich allei­ne ste­hend sicher schick sind, aber zusam­men­ge­stellt kein stim­mi­ges Gan­zes erge­ben. Viel­leicht miss­ver­ste­he ich die Jungs auch. Wenn das so ist, tut es mir Leid.

Cal­vin Har­ris – I Crea­ted Dis­co (VÖ: 18.4.)
Heu­re­ka, end­lich mal wie­der ein Minis­try Of Sound-Release, der mich wirk­lich begeis­tert. Eini­gen wird der gute Mann viel­leicht aus dem Pro7-Tages­pro­gramm bekannt sein, dank einer gewis­sen Model­sen­dung läuft der Song in jeder Wer­be­pau­se. Er hat aber mehr als nur „Accep­ta­ble In The 80s“. Sehr fun­ky ist „Mer­ry­ma­king At My Place“, all­ge­mein ist der Sound irgend­wie in Rich­tung 80s-Dis­co zu ver­or­ten. Es ist sicher kein Über-Album, aber taugt für die Momen­te des Tages, wo man ein wenig schwung­vol­le Musik und gute Lau­ne brau­chen kann.

Edit: Habe der bes­se­ren Les­bar­keit wegen einen Hau­fen „irgendwie„s raus­ge­nom­men. Auch Joseph zulie­be.

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Digital

Rein und raus bei mtv.de

Mitt­woch, 9. April 2008
mtv.de berich­tet unter der Über­schrift „Sex­vi­deo – Jetzt auch Shaki­ra?“ über ein angeb­li­ches Sex­vi­deo, das die Sän­ge­rin Shaki­ra mit zwei Män­nern auf einer Yacht zei­gen soll. Die­se Geschich­te ist falsch, es han­del­te sich dabei um den April­scherz eines argen­ti­ni­schen Radio­mo­de­ra­tors (s.a. hier).

Noch am sel­ben Tag weist ein Leser mtv.de mit zwei gleich­lau­ten­den Kom­men­ta­ren auf die­sen Feh­ler hier:

Verschwundener Kommentar bei mtv.de

Frei­tag, 11. April 2008
Nach­dem ich die gan­ze Geschich­te auf­ge­schrie­ben habe, schi­cke ich eine E‑Mail an die Pres­se­spre­che­rin von MTV, in der ich fra­ge, war­um man bei mtv.de auf den Leser­kom­men­tar nicht reagiert und die Sache nicht rich­tig­ge­stellt habe. Außer­dem will ich wis­sen, ob bei mtv.de die Kom­men­ta­re unter den Arti­keln über­haupt gele­sen wer­den.

Am glei­chen Tag geht bei mtv.de ein Wochen­rück­blick online, der unter ande­rem mit fol­gen­der Geschich­te auf­war­tet:

Die Wochenhighlights bei mtv.de

Sams­tag, 12. April 2008
Als ich nach­gu­cken will, ob sich bei mtv.de inzwi­schen etwas getan hat, stel­le ich fest, dass die Geschich­te nach wie vor unkor­ri­giert online steht – aber die Leser­hin­wei­se auf den April­scherz ver­schwun­den sind.

Ent­spre­chend sinn­los wirkt auch der Kom­men­tar, der plötz­lich Num­mer 1 in der Lis­te ist:

Kommentar bei mtv.de

Weil mir das alles etwas merk­wür­dig vor­kommt, kom­men­tie­re ich sel­ber mal, und nach gut andert­halb Stun­den sind wir schon zwei:

Kommentare bei mtv.de

Mon­tag, 14. April 2008
Bei mei­nem Kon­troll­rund­gang stel­le ich fest, dass der Arti­kel und die neu­en Kom­men­ta­re immer noch da sind – nun ist aber plötz­lich der Wochen­rück­blick aus dem Archiv von mtv.de ver­schwun­den.

Die Falsch­mel­dung führt unter­des­sen die Lis­te der „most wan­ted“ (meist­ge­klick­ten) Nach­rich­ten mit Abstand an:

Most wanted news bei mtv.de

Ich nut­ze das Kon­takt­for­mu­lar in der Hoff­nung, irgend­je­man­den zu errei­chen, der mir erklä­ren kann, war­um a) die Falsch­mel­dung nicht nach dem Leser­hin­weis kor­ri­giert, son­dern andert­halb Tage spä­ter noch ein­mal im Wochen­rück­blick wie­der­holt wur­de, b) der ent­spre­chen­de Leser­kom­men­tar plötz­lich ver­schwun­den ist, c) der gan­ze Wochen­rück­blick unauf­find­bar ist und d) ob ange­denk der Reak­tio­nen auf die­sen Arti­kel die Kom­men­ta­re bei mtv.de über­haupt gele­sen wür­den:

Gaga-Kommentare bei mtv.de

Als ich spät­abends noch ein­mal mei­ne E‑Mails che­cke, habe ich immer noch kei­ne Ant­wort von mtv.de bekom­men. Der zuvor ver­schwun­de­ne Wochen­rück­blick ist aber plötz­lich wie­der online und taucht auch im News-Archiv wie­der auf:

Die Wochenhighlights bei mtv.de

Dafür sieht die Lis­te der „most wan­ted“ Nach­rich­ten plötz­lich so aus:

Most wanted news bei mtv.de

Diens­tag, 15. April 2008 (Update)
Die Pres­se­spre­che­rin von MTV ruft mich an, um mir zu erklä­ren, dass mtv.de ein gro­ßer Laden sei, wo nicht alle Kom­men­ta­re sofort gele­sen wür­den. Was mit den Hin­wei­sen des Lesers pas­siert sei, wer­de noch geprüft. Der Wochen­rück­blick sei ver­mut­lich im Zuge eines Daten­bank-Updates kurz­zei­tig ver­schwun­den, ein Hin­weis auf den April­schertz wer­de ein­ge­baut.

Noch war­ten wir dar­auf.

Mitt­woch, 16. April 2008 (2. Update)
mtv.de muss ein sehr gro­ßer Laden sein: Es fehlt näm­lich immer noch jeder Hin­weis auf den April­scherz. Dafür steht dort seit ges­tern ein wei­te­rer Leser­kom­men­tar:

Noch ein Leserkommentar bei mtv.de

Frei­tag, 18. April 2008 (3. Update)
Ich habe mich geirrt: mx weist in den Kom­men­ta­ren dar­auf hin, dass mtv.de sehr wohl bereits am Diens­tag klar­ge­stellt hat, dass es sich um einen April­scherz han­delt – aller­dings in einem Extra-Arti­kel!

In bes­ter „Bild“-Manier heißt es dort, „jetzt“ sei her­aus­ge­kom­men, dass es sich um einen April­scherz gehan­delt habe. Außer­dem schließt der Text mit einem sel­ten däm­lich Hin­ter­tür­chen-Satz:

Vielleicht hat mtv.de ja doch recht gehabt

Wer durch Zufall auf den Ursprungs­ar­ti­kel stößt, muss immer noch glau­ben, dass ein sol­ches Video exis­tiert.

Immer­hin im Wochen­rück­blick taucht die Kor­rek­tur auf – wenn auch irgend­wie komisch for­mu­liert:

mtv.de bedauert, dass es kein Sex-Video von Shakira gibt

Don­ners­tag, 22. Mai 2008 (4. Update)
Ich habe gera­de spa­ßes­hal­ber noch mal nach­ge­schaut: tat­säch­lich hat mtv.de es irgend­wann in den letz­ten fünf Wochen geschafft, den Ursprungs­ar­ti­kel doch noch zu bear­bei­ten.

Er endet jetzt wie folgt:

mtv.de erklärt, dass es doch kein Shakira-Sex-Video gibt

Ich beschlie­ße, den Recht­schreib­feh­ler zu igno­rie­ren und den Fall als abge­schlos­sen zu betrach­ten.

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Digital Gesellschaft

Scheiß auf Freunde bleiben

Kürz­lich frag­te ich in die Run­de der Dins­la­ke­ner Schul- und Jugend­freun­de, ob und wie sie eigent­lich online zu errei­chen wären. MySpace, Face­book, Live­Jour­nal, Twit­ter, last.fm, … – es gäbe da ja zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten. Eine der Ant­wor­ten lau­te­te sinn­ge­mäß, der­ar­ti­ge Platt­for­men sei­en Zeit­ver­schwen­dung und dien­ten nur der Aus­brei­tung des Pri­vat­le­bens vor den Augen der Welt­öf­fent­lich­keit, per­sön­li­che Gesprä­che sei­en doch viel bes­ser.

Nun kann man natür­lich dar­über strei­ten, ob eine sol­che Aus­sa­ge nicht eher zu grei­sen Redak­teu­ren Lesern der „Süd­deut­schen Zei­tung“ pas­se als zu auf­ge­schlos­se­nen Mitt­zwan­zi­gern – noch dazu, wenn die­se schon aus beruf­li­chen Grün­den am Erhalt und Aus­bau von Netz­wer­ken inter­es­siert sein soll­ten. Ich will aber gar nicht dar­über urtei­len, jeder Mensch soll bit­te genau so leben und kom­mu­ni­zie­ren, wie er es für rich­tig hält. Ich will auf etwas völ­lig ande­res hin­aus: Die Gesell­schaft wird sich über kurz oder lang nicht mehr (nur) in alt und jung, arm und reich, oder nach Wohn­or­ten auf­tei­len, die Gren­ze wird ent­lang von „online“ und „off­line“ ver­lau­fen.

Natür­lich: Ich ver­wei­ge­re mich ja auch vehe­ment der Nut­zung von Stu­diVZ (seit dem Ein­trag sind bei denen noch mal etwa drei Dut­zend neue Sün­den­fäl­le hin­zu­ge­kom­men). Wer das tut, ver­schließt sich auto­ma­tisch einem brei­ten Teil sei­ner Alters­ge­nos­sen, denn wenn jemand von denen online ist, dann bei Stu­diVZ. Ande­rer­seits stellt sich sowie­so die Fra­ge, ob man Leu­te, denen man in der Uni oder gar in der Schu­le ab und zu „Hal­lo“ gesagt hat, in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den „Wie geht’s?“ fra­gen und ihnen zum Geburts­tag gra­tu­lie­ren soll­te, wenn einen die ent­spre­chen­de Web­site dar­auf hin­weist. Ich habe Schul­freun­de, die nicht bei Goog­le zu fin­den sind, und zu denen ich seit Jah­ren kei­nen Kon­takt mehr habe, was ich immer­hin auf­rich­ti­ger fin­de, als wenn sie Kar­tei­lei­chen in mei­nem Face­book-Account wären.

Die meis­ten Leu­te, die davon spre­chen „im Inter­net“ zu sein, mei­nen damit ihre E‑Mail-Adres­se für die gan­ze Fami­lie bei T‑Online, bei der sie ein­mal in der Woche nach elek­tro­ni­scher Post gucken. Das ist völ­lig in Ord­nung und wer sei­ne Eltern oder gar Groß­el­tern ein­mal so weit gebracht hat, will ihnen nicht auch noch Use­net, IRC, Instant Mes­sen­ger und VoIP-Diens­te erklä­ren. Als mei­ne Groß­mutter mir ein­mal in einem Neben­satz mit­teil­te, dass sie die­ses Blog hier lese, hät­te ich fast mei­nen Kaf­fee gegen den Fern­se­her über den Tisch geprus­tet.

Außen­ste­hen­den zu erklä­ren, wor­um es sich beim Bar­camp Ruhr oder der re:publica han­del­te, wird schwie­ri­ger, je tie­fer man in der Mate­rie drin ist. Zwar konn­te ich gera­de noch so erklä­ren, was ein Start­up ist („ein jun­ges Unter­neh­men im Inter­net“), aber die Fra­ge nach Twit­ter hät­te ich nicht beant­wor­ten wol­len – geschwei­ge denn die Fra­ge, was man denn davon über­haupt habe.

Wäh­rend die gro­ße Mehr­heit an Leu­ten im Inter­net höchs­tens Nach­rich­ten „Spie­gel Online“ liest, befasst sich ein klei­ner Kreis von Leu­ten mit immer schnel­ler wech­seln­den Spiel­zeu­gen. Aus der Mode gekom­me­ne Sachen sind heu­te nicht mehr „so 2000“, son­dern „so März 2008“. Das, was ich mitt­ler­wei­le doch ganz ger­ne „Web 2.0“ nen­ne, ist selbst für vie­le Leu­te, die in Web­fo­ren und ähn­li­chen 1.0‑Gebilden aktiv sind, oft genug noch ter­ra inco­gni­ta.

Ich war selbst lan­ge Zeit skep­tisch, was vie­le die­ser Din­ge angeht, habe aber mit der Zeit gemerkt, dass es gar nicht weh­tut, Social Net­works zu nut­zen, zu twit­tern oder zu Tref­fen (pl0gbar, Bar­camp, re:publica) hin­zu­ge­hen. So habe ich über das Web 2.0 neue Leu­te ken­nen­ge­lernt und sogar neue Freun­de gefun­den. Mein Bekann­ten­kreis glie­dert sich zuneh­mend in On- und Off­li­ner, wobei ich mit ers­te­ren fast täg­lich in Kon­takt ste­he, mit letz­te­ren meist nur noch zu Weih­nach­ten.

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Musik Leben

Meat Is Murder

Ich hät­te nie geglaubt, mal die seich­te Poprock­grüt­ze von Match­box Twen­ty mit Mor­ris­sey ver­glei­chen zu wol­len. Jetzt aber nötigt mich eine Mel­dung dazu, es doch zu tun. „Tier­lie­be: „Match­box Twen­ty“ sagen Fes­ti­val­auf­tritt ab“ heißt es da:

Los Ange­les: „Match­box Twen­ty“ haben aus Tier­lie­be ihre Teil­nah­me am „Che­yenne Fron­tier Days Fes­ti­val“ abge­sagt. Front­mann Rob Tho­mas wur­de vor kur­zem näm­lich von einer Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on ein Video­tape zuge­spielt, auf dem zu sehen war, dass im ver­gan­ge­nen Jahr Tie­re bei dem Event gequält wur­den. Laut Medi­en­be­rich­ten zog die Band dar­auf­hin die Kon­se­quen­zen und can­cel­te ihren geplan­ten Auf­tritt. Was genau auf dem Video zu sehen war, ist nicht bekannt. […]

Das ist dann aber doch ein wenig Mor­ris­sey für Arme. Der beken­nen­de Tier­freund sorgt näm­lich lie­ber für Tat­sa­chen. Er ver­bannt seit Jah­ren erfolg­reich das von ihm ver­ach­te­te Fleisch nicht nur aus sei­nen Kon­zert­ve­nues, son­dern teil­wei­se auch aus deren nähe­rer Umge­bung. Er sagt auch schon ein­mal ein Kon­zert ab, weil es in einem ehe­ma­li­gen Schlacht­hof hät­te statt­fin­den sol­len. Rob Tho­mas und co. hin­ge­gen knei­fen lie­ber, ohne irgend­et­was zu ändern, und pro­tes­tie­ren dann auch noch brav und zahm. Noch alber­ner wird es aller­dings, wenn man in der eng­lisch­spra­chi­gen Ursprungs­mel­dung erfährt, dass die­ses Fes­ti­val übri­gens nicht nur eine Rodeo-Ver­an­stal­tung ist, son­dern sogar die welt­größ­te. Das macht die schlech­te Behand­lung von Tie­ren dann doch irgend­wie einen win­zi­gen Deut erwart­ba­rer. Ihren Auf­tritt bei einem ande­ren Rodeo zie­hen Match­box Twen­ty aber wohl durch.

Ange­sichts so viel Weich­eie­rig­keit und Inkon­se­quenz denkt man doch gleich viel lie­ber an Mor­ris­seys hüb­sche Aus­fäl­le. Der for­dert schon mal die Aus­wei­sung aller Fleisch­esser oder über­leg­te ange­sichts sei­ner pelz­tra­gen­den Kol­le­gin Madon­na laut, wie es wohl wäre, wenn man ihre Män­tel­chen aus einem ande­ren Mate­ri­al nähen wür­de. Ähn­lich hand­fest ist übri­gens auch Mark E. Smith von The Fall. Der geht schon ein­mal mit Hecken­sche­ren auf Din­ge los, die ihn stö­ren. Was Mor­ris­sey davon hält, wis­sen wir noch nicht. Eine zukünf­ti­ge Zusam­men­ar­beit der bei­den bri­ti­schen Rock­hel­den dür­fen wir aber wohl aus­schlie­ßen.

[via Forum von plattentests.de]

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Coffee And CCTV

Mit einer beson­ders gelun­ge­nen Kom­bi­na­ti­on aus Mel­dung und Wer­bung war­tet „Spie­gel Online“ heu­te auf:

Kameraüberwachung (Symbolbild)

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Latte niedriger gelegt

heute-online.ch, 7. April:

Flotter Dreier mit Shakira auf Sextape?

orf.at, 9. April:

Shakira: Beim flotten Dreier gefilmt?

nachrichten.ch, 9. April:

Shakira beim flotten Dreier gefilmt?

mtv.de, 9. April:

Sexvideo - Jetzt auch Shakira?

rp-online.de, 9. April:

Erpressung mit Shakira-Sex-Video?

Alle die­se Fra­gen las­sen sich recht ein­fach beant­wor­ten:

NEIN!

Wenn die Men­schen, die die­se Über­schrif­ten in ihre Redak­ti­ons­sys­te­me getippt haben, am glei­chen Com­pu­ter kurz eine Goog­le-Anfra­ge (in etwa shaki­ra sex tape oder art­ver­wand­tes) gestar­tet hät­ten, wären sie even­tu­ell auf die­se neu­see­län­di­sche Nach­rich­ten­sei­te gesto­ßen, auf die­ses Blog bei sfgate.com oder auf die­sen Bei­trag bei popcrunch.com. Sie hät­ten bin­nen Sekun­den her­aus­ge­fun­den, dass die „Gerüch­te“, nach denen „angeb­lich“ ein Video exis­tie­ren „soll“, das Shaki­ra bei einem „flot­ten Drei­er“ zeigt, auf einem April­scherz beru­hen.

Als schwei­zer, öster­rei­schi­sche und deut­sche Medi­en die Geschich­te am Mitt­woch die­ser Woche auf­zu­grei­fen began­nen, war also schon vier bis sechs Tage klar, dass sie nicht stimmt. Bei mtv.de frag­te ein Kom­men­ta­tor bereits am Mitt­woch­abend, war­um man dort einen auf­ge­klär­ten April­scherz ver­brei­te – und erhielt wenig über­ra­schend kei­ne Ant­wort. Die schwei­zer Bou­le­vard-Sei­te 20minuten.ch hat ihre Geschich­te vom Diens­tag ohne einen wei­te­ren Kom­men­tar aus dem Netz genom­men, im Goog­le-Archiv kann man sie aber noch nach­le­sen und sich dar­über wun­dern, dass dem zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter bei sei­ner angeb­li­chen Online­re­cher­che nichts auf­ge­fal­len sein soll:

Wie der Online­dienst und wei­te­re Blogs berich­ten, soll das ero­ti­sche Streif­chen ein offi­zi­el­les Beweis­stück in einem Pro­zess sein, den Sanz gegen zwei ehe­ma­li­ge Ange­stell­te füh­re.

Der „Ber­li­ner Kurier“ geht ges­tern (10. April) zwar auf die Zwei­fel an der Geschich­te ein

Pech nur, dass die Pop-Ama­zo­ne und ihre zwei Gala­ne von dem Drei­er gar nichts mit­be­kom­men haben wol­len. Ver­tre­ter des Tri­os sag­ten: „Es gibt kei­ne Mög­lich­keit, dass ein sol­ches Video exis­tiert. Es han­delt sich um ein bös­ar­ti­ges Gerücht ohne Basis.“

schafft aber in der Über­schrift kacken­dreist Fak­ten:

Shakira beim Sex mit zwei Männern gefilmt

Beson­ders beein­dru­ckend ist natür­lich das, was Radio NRJ schreibt, wo man die Mel­dung offen­bar als ers­tes deutsch­spra­chi­ges Medi­um ver­brei­te­te:

Sowohl Shaki­ra als auch Anto­nio de la Rúa und Ale­jan­dro Sanz demen­tie­ren die Berich­te. Von einem April-Scherz ist die Rede…

Ich weiß jetzt einen wei­te­ren Grund, war­um ich April­scher­ze has­se: Weil Jour­na­lis­ten den Blöd­sinn auch nach der Auf­klä­rung noch wei­ter­ver­brei­ten.

[via die Kom­men­ta­re bei Ste­fan Nig­ge­mei­er]

Nach­trag, 16:55 Uhr: Bei RP-Online hat man’s bemerkt und reagiert ent­spre­chend:

RP-Online entschuldigt sich.

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Silberscheiben am Horizont

In mei­nem Zim­mer sta­pelt sich der Son­der­müll. Dafür muss­te ich weder ein Atom­kraft­werk über­fal­len noch Alt­öl abzap­fen, ich wur­de über Jah­re hin­weg bemus­tert, was im Klar­text heißt: Plat­ten­fir­men schi­cken einem eine gan­ze Men­ge CDs, von denen ein rela­tiv klei­ner Teil sehr, sehr gut ist, der Groß­teil aber egal bis schlimm.

Vie­le die­ser CDs sind mit dem Hin­weis ver­se­hen, sie befän­den sich wei­ter­hin im Eigen­tum der aus­hän­di­gen­den Plat­ten­fir­ma oder Prom­o­agen­tur und dürf­ten unter kei­nen Umstän­den (die For­mu­lie­run­gen vari­ie­ren da etwas, legen aber dra­ko­ni­sche bis schmerz­haf­te Stra­fen nahe) ver­kauft, ver­schenkt oder sonst­wie ver­äu­ßert wer­den. Eini­ge Fir­men arbei­ten inzwi­schen mit digi­ta­len Was­ser­zei­chen, die angeb­lich eine prä­zi­se Rück­ver­fol­gung zulas­sen, wenn mal wie­der ein böser, böser Jour­na­list die CD ins Inter­net gestellt hat – und dann gna­de ihm Gott. (Insi­der gehen davon aus, dass unver­öf­fent­lich­te CDs fast immer von unter­be­zahl­ten Mit­ar­bei­tern in Press­wer­ken und an Pack­stra­ßen gerippt wer­den und fast nie von Jour­na­lis­ten oder DJs.)

Uni­ver­sal Music führt des­halb zur Zeit einen Rechts­streit gegen den eBay-Händ­ler Troy Augus­to, des­sen Aus­gang bizar­re Fol­gen haben könn­te, min­des­tens in den USA: Wenn näm­lich eine Fir­ma durch ein paar schlich­te Sät­ze ein­fach fest­le­gen kann, was der Kon­su­ment mit ihrem Pro­dukt machen darf und was nicht – wobei der Kon­su­ment im Extrem­fall ein zah­len­der Kun­de sein könn­te, der das Pro­dukt für viel Geld erwor­ben hat.

Der Fall zeigt wie­der ein­mal die Hilf- und Ahnungs­lo­sig­keit der Musik­in­dus­trie auf: Dabei geht es gar nicht so sehr um den kon­kre­ten Fall, in dem man die Wei­ter­ga­be von Wer­be­ge­schen­ken (und nichts ande­res sind Pro­mo-CDs ja in den meis­ten Fäl­len) unter­bin­den will. Der Fall zeigt viel­mehr, wie unbe­darft die gro­ßen Unter­hal­tungs­kon­zer­ne immer noch mit dem Inter­net umge­hen, denn jetzt ste­hen sie schon wie­der als kla­ge­wü­ti­ge, ansons­ten aber ideen­lo­se Fir­men da.

[Ähn­lich geschickt stell­te sich zuletzt übri­gens SonyBMG an.]

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In eigener Sache

Eigent­lich woll­te ich schon längst die belieb­te Serie „Lis­ten­pa­nik“ mit den Alben und Songs des Monats März fort­ge­setzt haben. In die­sem Monat erschien aber der­art viel, dass ich noch nicht dazu gekom­men bin, alles zu hören – außer­dem befin­den sich die poten­ti­el­len Lis­ten­kan­di­da­ten Get Cape. Wear Cape. Fly und Gre­gor Meyle noch irgend­wo in der Post.

Zur Über­brü­ckung ver­ra­te ich Ihnen aber schon mal, was ver­mut­lich der Song des Monats März wer­den wird: „Gre­at DJ“ von The Ting Tings.

[Ich hät­te das Video ger­ne direkt ein­ge­bet­tet, aber das scheint Colum­bia grund­sätz­lich nicht zu wol­len. Die­ses böse, böse Inter­netz halt.]

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Rockin‘ The Suburbs

Im Spät­herbst 1999 gin­gen Ben Folds Five, die Band, die ich gera­de und bis ans Ende aller Tage zu mei­ner Lieb­lings­band ernannt hat­te, in Deutsch­land auf Tour – im Auf­trag des „Rol­ling Stone“ und gemein­sam mit Tra­vis, die ich wenig spä­ter zu einer mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­bands ernann­te, und Gay Dad. Da Köln und Müns­ter für sech­zehn­jäh­ri­ge Dins­la­ke­ner unend­lich weit waren, ging ich auf kei­nes der Kon­zer­te und dach­te: „Die kom­men schon wie­der.“

Ein Jahr spä­ter hat­ten sich Ben Folds Five auf­ge­löst und Ben Folds kam das nächs­te Mal im Som­mer 2005 nach Deutsch­land. Mög­lich gewor­den war das durch die „Ben Folds Socie­ty“, die Unter­schrif­ten für eine Rück­kehr des Pia­no­ro­ckers nach Deutsch­land gesam­melt hat­te. Und natür­lich war ich bei bei­den Kon­zer­ten dabei, auch wenn das bedeu­te­te, sowohl nach Ber­lin, als auch nach Köln rei­sen zu müs­sen. Im ver­gan­ge­nen Jahr war ich immer­hin bei sei­nem Kon­zert in Köln dabei.

Die­ses Jahr muss ich Ben Folds nir­gend­wo­hin hin­ter­her­fah­ren müs­sen, die­ses Jahr spielt er einen Stein­wurf von mir ent­fernt: in der Zeche in Bochum.

Alle Tour­da­ten:
30.06.2008: Ham­burg, Grün­span
02.07.2008: Bochum, Zeche
03.07.2008: Mann­heim, Alte Feu­er­wa­che
05.07.2008: Bonn, Rhein­kul­tur-Fes­ti­val

Fei­ern wol­len wir die­se gute Nach­richt mit Folds‘ Ver­si­on eines mei­ner Lieb­lings­lie­der:

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[Direkt­link: „Such Gre­at Heights“]