Kategorien
Literatur Digital

Books From Boxes

Juch­uh, es ist soweit: Ama­zon mel­det Voll­zug und am Mon­tag soll­te es end­lich in mei­nem Brief­kas­ten lie­gen. Wie lan­ge hab ich dar­auf gewar­tet. Und natür­lich schön auf Eng­lisch, weil es noch ewig dau­ern kann, bis das auf Deutsch erscheint und ich die ande­ren Bücher auch auf Eng­lisch hab und ich Bücher sowie­so viel lie­ber im Ori­gi­nal (also auf Eng­lisch, in der ein­zi­gen Fremd­spra­che, die ich beherr­sche) lese.

Wie, „das erscheint doch erst in zwei Wochen“? Das ist doch längst raus. Was? Nein, wen inter­es­siert denn so ein doo­fer Zau­ber­lehr­ling? Ich rede von „Chuck Klos­ter­man IV: A Deca­de of Curious Peo­p­le and Dan­ge­rous Ide­as“, das jetzt end­lich als Taschen­buch­aus­ga­be auf dem Weg zu mir ist.

Eine aus­führ­li­che Bespre­chung folgt, wenn ich es durch habe. Also in hof­fent­lich einer Woche.

Kategorien
Musik Digital

Kinder, Garten, Plätze

Wenn sogar die „Visi­ons“ dar­über berich­tet, soll­te ich viel­leicht auch mal dar­auf hin­wei­sen …

Mei­ne lie­ben Freun­de von den Kili­ans haben sich etwas eini­ger­ma­ßen obsku­res ein­fal­len las­sen, aber das kön­nen sie selbst am Bes­ten erklä­ren (in ihrem MySpace-Bul­le­tin):

Uns ist lang­wei­lig. Wir wol­len mehr. Wir wol­len Action! Und wir wol­len, dass ihr uns wollt. WOLLT UNS! Ist das schon Freu­dia­ner­tum im Anfangs­sta­di­um? Kryp­tisch?

Es geht noch wei­ter! Wir wol­len euren Vorgarten/​Garage/​Hinterhof/​Hood irgend­was, denn wir wol­len für euch spie­len. Wer Kon­zert + Par­ty mit den Kili­ans gewin­nen will, muss mit fol­gen­dem um die Ecke kom­men: LADE UNS EIN. Und zwar nicht so: „Ja kommt doch mal vor­bei. Oma und Opa sit­zen eh auf dem Sofa.“ Son­dern bas­telt eine Ein­la­dung. Ob groß oder schön, vul­gär oder krea­tiv – ganz egal. Nur so dass wir den­ken…: „Da MÜSSEN wir vor­bei kom­men! Sonst macht das Leben kei­nen Sinn mehr!“ Macht davon ein Foto und schickt uns das als Kom­men­tar.

Suche eine Stel­le an/​vor/​hinter dei­nem Haus, an der wir mit dem Kili­ans-Bus vor­fah­ren kön­nen. Dort wer­den wir unser Dach auf­klap­pen und schon habt ihr die Büh­ne. Da Red Bull in Spen­dier­lau­ne ist bekom­men nicht nur wir von ihnen den Bus, son­dern auch ihr na, was wohl? Genau, Red Bull +X von ihnen.

Und: Macht eure Gara­gen hübsch. Ver­ziert eure Loca­ti­ons. Rüscht sie auf und zeigt uns, was ihr habt. Stellt ein selbst­ge­bau­tes Kili­ans Pos­ter her, auf dem ihr zeigt, wie ihr unser Kon­zert ankün­digt. Drauf muss: Der Vor­gar­ten-Tour-Zeit­raum, näm­lich *1. – 9. August 2007* und unser Name.

Also: Schi­cke Loca­ti­on, davor das Pos­ter (mit *1. – 9. August 2007* und * Kili­ans* drauf) -> davon ein Foto -> ab als Pro­fil­bild auf eurer MySpace-Sei­te und spä­tes­tens jetzt unser Freund wer­den. -> einen Kom­men­tar auf unse­rer MySpace Site hin­ter­las­sen, in dem ihr erklärt, war­um ihr UNS aus­ge­rech­net bei euch spie­len las­sen wollt (und wenn ihr habt, eure gebas­tel­te Ein­la­dung hin­ter­lasst). Ob wir bei euch spie­len, erfahrt ihr spä­tes­tens am 26. Juli. Nicht ver­ges­sen: Die ers­ten Tage im August für uns frei hal­ten!

Also wer einen Vor­gar­ten, eine Gara­ge oder auch ein Fuß­ball­sta­di­on sein eigen nennt, soll­te die­sen klar for­mu­lier­ten Anwei­sun­gen Fol­ge leis­ten und wird mit etwas Glück noch sei­nen Enkeln davon berich­ten kön­nen, dass „die­se welt­be­rühm­te Band, die da gera­de im Fern­se­hen zu Ehren des hun­derts­ten Geburts­tags von Welt­prä­si­dent Al Gore spielt“, damals bei ihm auf dem Grund­stück gerockt hat. Den Zusatz „Und so hab ich Eure Omma rum­ge­kriegt“, kann man sich ja spa­ren …

Kategorien
Digital

Welcome To The Nepp Parade

Hier die irre­füh­rends­ten Über­schrif­ten der letz­ten 24 Stun­den bei „Spie­gel Online“:

Nicole Richie: Schwanger - doch Vater Lionel weiß von nichts

Nun wis­sen natür­lich die meis­ten, dass Lio­nel Richie der (Adoptiv-)Vater von Nico­le Richie ist und nicht der des zu erwar­ten­den Babys. Aber unglück­lich for­mu­liert ist es schon.
USA: Welker Rasen bringt Rentnerin in den Knast

Knast bezeich­net umgangs­sprach­lich: ein Gefäng­nis […]“, weiß Wiki­pe­dia. Für „Spie­gel Online“ bezeich­net es offen­bar auch Arrest­zel­len auf Poli­zei­wa­chen. Und dass „in den Knast brin­gen“ all­ge­mein als „zu einer Gefäng­nis­stra­fe ver­ur­tei­len“ auf­ge­fasst wird (und nicht als „whe­re she sat for more than 30 minu­tes“), soll uns bei­na­he egal sein: Man ist ja schon froh, dass die Über­schrift nicht „Tro­cke­nes Gras bringt Rent­ne­rin in den Knast“ lau­tet.

Harry Potter: Rowling schürt Hoffnung auf achten Band

Wer eine Fort­set­zung selbst als „unwahr­schein­lich“ bezeich­net, kann natür­lich trotz­dem in sei­ner Über­schrift von geschür­ten Hoff­nun­gen spre­chen – es wirkt nur etwas wirr. Aber was bei der Mel­dung so alles falsch gelau­fen ist, liest man am bes­ten bei „Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che“ und Ste­fan Nig­ge­mei­er nach.

Kategorien
Musik Digital Politik

Die Umwelt retten mit Ole von Beust und welt.de

Heu­te fin­det, wie Sie viel­leicht mit­be­kom­men haben, Rund um die Welt „Live Earth“ statt. (Wenn Sie es nicht mit­be­kom­men haben, sind sie ent­we­der nicht son­der­lich leben­dig oder gera­de nicht auf der Erde.)

welt.de betreibt dazu eine Art Live­blog irgend­was aktu­el­les mit Schrift. Und inmit­ten die­ses Tex­tes fin­det sich mal eben die Lösung, wie man die­ses gan­ze CO2, das ja bekannt­lich in gro­ßen Men­gen für den Treib­haus­ef­fekt mit­ver­ant­wort­lich ist, schnell und prak­tisch los­wird:

Hamburger Kraftwerk verbraucht CO2
(Screen­shot: welt.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

Also müss­ten wir nur genug von die­sen Kraft­wer­ken bau­en und schon hät­ten kei­ne CO2-Sor­gen mehr wären wir alle tot.

Kategorien
Digital

Spiegel Online macht die Nacht zum Tag

Zuge­ge­ben: Es ist etwas unge­wöhn­lich, wie in man­chen Län­dern die Uhr­zei­ten auf­ge­schrie­ben wer­den. Und das ame­ri­ka­ni­sche „a.m.“ (ante meri­diem – vor dem Mit­tag) und „p.m.“ (post meri­diem – nach dem Mit­tag) kann man schnell mal durch­ein­an­der­brin­gen, beson­ders bei Zei­ten um zwölf Uhr rum. Aber dar­um geht es gar nicht.

Zu den ver­ei­tel­ten Bom­ben­an­schlä­gen in Lon­don schreibt die BBC:
01:25 Uhr nachts bei der BBC
(Screen­shot: bbc.co.uk, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

So ziem­lich alle ande­ren Quel­len grei­fen die­se Zahl auf und rech­nen sie viel­leicht auch noch in die deut­sche Orts­zeit um.

Nur bei Spie­gel Online geht man (mal wie­der) eige­ne Wege:
Nachmittag bei SpOn
(Screen­shot: spiegel.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee & TV)

Dabei hät­te doch irgend­wem auf­fal­len kön­nen, dass Nacht­clubs, die im Text sechs Mal erwähnt wer­den, Nach­mit­tags eher sel­ten geöff­net sind …

Nach­trag 1. Juli, 18:10 Uhr: In der (kaum rei­ße­risch beti­tel­ten) Chro­no­lo­gie „Drei Tage Angst: Alarm in Groß­bri­tan­ni­en“ ist nun kor­rekt von „01.00 Uhr (Orts­zeit)“ die Rede – im Ursprungs­ar­ti­kel ist aber immer noch „Nach­mit­tag“.

Kategorien
Digital Gesellschaft

Nicht immer gut

Wer guckt sich eigent­lich die­se alber­nen Bil­der­ga­le­rien auf den Start­sei­ten diver­ser Web­mail-Diens­te an? Ich, zum Bei­spiel, wenn ich mich gera­de mal wie­der ver­klickt habe.

Und so stieß ich bei gmx.de auf eine Gale­rie, die wie folgt vor­ge­stellt wur­de:

GMX glaubt, dass manche Prominentenoutings der Karriere geschadet haben.
(Screen­shot: gmx.de)

Mal davon ab, dass auch hier mal wie­der mun­ter die Begrif­fe „Outing“ und „Coming-Out“ durch­ein­an­der gewor­fen wer­den, ist die Lis­te der Pro­mi­nen­ten (Hape Ker­ke­ling, Elton John, Pink, Peter Pla­te, Micha­el Sti­pe, Geor­ge Micha­el, Lilo Wan­ders, Tho­mas Her­manns, Klaus Wowe­reit, Melis­sa Ether­idge, Hel­la von Sin­nen, Jür­gen Domi­an, Dirk Bach, Vera Int-Veen und Ellen de Gene­res) unge­fähr so span­nend wie eine Fla­sche Pro­sec­co, die seit dem letzt­jäh­ri­gen Chris­to­pher Street Day offen rum­steht – man fragt sich eigent­lich nur, wer Georg Uecker und Maren Kroy­mann ver­ges­sen hat.

Natür­lich könn­te man sich jetzt fra­gen, bei wel­cher der genann­ten Per­so­nen sich das Coming-Out/Ou­ting denn als „nicht gut“ für die Kar­rie­re erwie­sen habe. „Na, für Ellen de Gene­res zum Bei­spiel“, ruft da gmx.de:

Als sie sich in einer Epi­so­de als lebisch outet, wird der Sen­der von Geld­ge­bern unter Druck gesetzt und setzt die Sen­dung ab.

Nein, ich weiß auch nicht, was „lebisch“ ist und ob sowas die Kar­rie­re zer­stö­ren kann. Aber wenn wir der Wiki­pe­dia trau­en kön­nen, schob man es bei ABC wohl auch eher auf die schwä­cheln­den Quo­ten und den Druck reli­giö­ser Orga­ni­sa­tio­nen nach de Gene­res‘ Coming-Out, als man „Ellen“ 1998 aus­lau­fen ließ.

Apro­pos Wiki­pe­dia: die scheint bei der Recher­che für den Arti­kel die Bild­be­gleit­tex­te eine wich­ti­ge Rol­le gespielt zu haben. So heißt es bei Ernie Rein­hardt (Lilo Wan­ders):

… im Zweifelsfall war’s die Wikipedia
(Screen­shot: gmx.de, Her­vor­her­bung: Cof­fee & TV)

Viel Arbeit war also offen­bar nicht von­nö­ten, um die Lis­te zu erstel­len und ein paar Fak­ten zusam­men­zu­tra­gen. Und trotz­dem kann man auch an so einer Auf­ga­be noch schei­tern:

Die meis­ten Men­schen ver­bin­den Elton John nur mit jener schwer ver­dau­li­chen Bal­la­de „Cand­le in the wind“, die 1997 zu Ehren der ver­stor­be­nen Lady Di in jedem Radio-Sen­der der Welt run­ter­ge­lei­ert wur­de. Trotz des Prä­di­kats „meist­ver­kauf­te Sin­gle aller Zei­ten“ muss sich der mitt­ler­wei­le geadel­te Sir Elton John für die­sen Schmacht­fet­zen auch heu­te noch Kri­tik gefal­len las­sen.

wird dem Leben ’n‘ Werk von Elton John jetzt viel­leicht nicht so ganz gerecht, ist aber harm­los ver­gli­chen mit dem, was bei Hape Ker­ke­ling steht:

Der 1964 gebo­re­ne Come­dy-Star oute­te sich Anfang der 90er-Jah­re als homo­se­xu­ell

Ist das jetzt nur unglück­lich for­mu­liert oder bewuss­tes Ver­schlei­ern der Tat­sa­che, dass Ker­ke­ling (wie auch Alfred Bio­lek) 1991 von Regis­seur Rosa von Praun­heim in der RTL-Sen­dung „Explo­siv – Der hei­ße Stuhl“ geoutet wur­de? Eine Pra­xis, die unter ande­rem der Bund les­bi­scher und schwu­ler Jour­na­lis­tIn­nen ver­ur­teilt.

Aber was soll so ein Para­dies­vo­gel-Sam­mel­al­bum unter dem Titel „Pro­mi­nen­te auf dem CSD? Die­se Stars könn­ten Sie dort tref­fen“ über­haupt? Und wer guckt sich die­se alber­nen Bil­der­ga­le­rien auf den Start­sei­ten diver­ser Web­mail-Diens­te eigent­lich an?

Gerüch­ten zufol­ge „könn­te“ man auf „dem CSD“ (gemeint ist ver­mut­lich der Chris­to­pher Street Day in Ber­lin am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de, Köln kommt aber z.B. auch noch) auch hete­ro­se­xu­el­le Pro­mi­nen­te tref­fen. Und homo- oder bise­xu­el­le Nicht-Pro­mi­nen­te. Und hete­ro­se­xu­el­le Nicht-Pro­mi­nen­te. Und und und …

Kategorien
Digital

SpOn findet „funzen“ nicht k3w1

Wenn der “Spie­gel” übers Inter­net schreibt, ist das meist ähn­lich desas­trös, wie wenn der “Spie­gel” über Spra­che schreibt. Wie erreicht man also maxi­ma­les Desas­ter mit mini­ma­lem Auf­wand? Rich­tig: Indem man jeman­den über Inter­net­spra­che schrei­ben lässt.

Die eigen­wil­li­ge Sprach­ge­stal­tung hat Tra­di­ti­on im Netz. Da schrei­ben Men­schen schon mal Sät­ze wie „Das Hijack­ing-Pro­blem könn­te man mit dem hea­der-redi­rect 301 leicht ver­mei­den.“ Die­se Spra­che nervt Web-Nut­zer.

Ja ja, die­se gan­zen ver­rück­ten Betrü­ger, Kri­mi­nel­len und Kin­der­schän­der im soge­nann­ten „Inter­net“, ganz komi­sche Leu­te.

War­um liest man eigent­lich nie sowas:

Die eigen­wil­li­ge Sprach­ge­stal­tung hat Tra­di­ti­on im Jour­na­lis­mus. Da schrei­ben Men­schen schon mal Sät­ze wie „Das Musik­ma­ga­zin ‚Rol­ling Stone‘ zähl­te Spec­tor noch 2004 zu den ‚100 groß­ar­tigs­ten Künst­lern aller Zei­ten‘.“ Die­se Spra­che nervt Leser.

Spie­gel Online ließ sei­ne Leser über die „gräss­lichs­ten Web-Wör­ter“ abstim­men. Mit erwart­ba­ren Ergeb­nis­sen:

Blogo­sphä­re. Über­set­zung von Blogos­phe­re. Meint die Gesamt­heit aller Web­logs.

Lei­der erfah­ren wir nicht, was jetzt so „gräss­lich“ an dem Wort ist. Ist es die Ein­deut­schung des eng­li­schen Begriffs, der eng­li­sche Begriff selbst oder die Tat­sa­che, dass man doch auch bequem „die Gesamt­heit aller Web­logs“ sagen könn­te. Was wir aber sicher wis­sen: Autor Kon­rad Lisch­ka hät­te sein „meint“ von sei­nem noto­ri­schen Kol­le­gen Bas­ti­an Sick um die Ohren gehau­en bekom­men.

Neti­quet­te. Benimm­re­geln für den Umgang mit­ein­an­der im Netz. Es gibt kei­ne ein­heit­li­che Lis­te, son­dern vie­le, zum Teil schrift­li­che Vor­schlä­ge – und den gesun­den Men­schen­ver­stand.

So what? Wir reden auch vom „Gesetz“, obwohl es sich dabei auch um „kei­ne ein­heit­li­che Lis­te, son­dern vie­le, zum Teil schrift­li­che“ Tex­te han­delt. Ver­stö­ße dage­gen wer­den übri­gens – im Gegen­satz zu Neti­quet­te-Ver­stö­ßen – trotz gesun­den Men­schen­ver­stands auch noch geahn­det.

Zu den „von den SPIE­GEL-ONLINE-Lesern meist­ge­nann­ten Stör-Wör­tern aus dem Inter­net“, die aber etwas ande­res sind als die „gräss­lichs­ten Web-Wör­ter“, zählt unter ande­rem:

Goo­geln: „Mit Goog­le im Inter­net suchen“, defi­niert der Duden, in dem die­ser Aus­druck für das Recher­chie­ren im Web inzwi­schen auch zu fin­den ist. „Goog­le Ear­then“ kann man beim Goog­len schon 384 Mal fin­den!

Schreck­lich! Wor­te, die im Duden ste­hen! So tu doch jemand etwas!

Zu den „gedan­ken­lo­sen Ver­nied­li­chun­gen, die man am liebs­ten nie mehr lesen oder hören will“ zählt Spie­gel Online dann das Wort „fun­zen“, womit end­gül­tig klar sein dürf­te, dass Tex­te zu Sprach­the­men dort grund­sätz­lich nur von Nicht-Lin­gu­is­ten geschrie­ben und gegen­ge­le­sen wer­den – sonst wäre sicher jeman­dem auf­ge­fal­len, dass „fun­zen“ bekannt­lich zu den Voka­beln der Ruhr­ge­biets­spra­che zählt und eben kein Com­pu­ter-Neo­lo­gis­mus ist. Und eine „Ver­nied­li­chung“ schon drei­mal nicht.

Ich will das gan­ze Elend („Jeder anstän­di­ge Web‑2.0‑Dienst hat nicht nur einen vokal­ar­men Namen, son­dern auch ein ent­spre­chen­des Verb.“) gar nicht wei­ter aus­brei­ten. Dass „Spie­gel“ und Spie­gel Online“ dump­fen Sprach­pro­tek­tio­nis­mus betrei­ben wol­len und sich noch nicht ein­mal von Lin­gu­is­tik-Pro­fes­so­ren beein­dru­cken las­sen, ist spä­tes­tens seit Mathi­as Schrei­bers gro­ßer Titel­ge­schich­te (ist die 50 Cent nicht wert) offen­sicht­lich. Das könn­te einem ja egal sein, wenn der­ar­ti­ge Geschich­ten nicht auf­ge­grif­fen und von selbst­er­nann­ten „Sprach­schüt­zern“ nach­ge­plap­pert wür­den.

Spra­che lebt und ver­än­dert sich. Gera­de Bei­spie­le wie die auch ver­teu­fel­ten Ver­ben „qypen“, „pos­ten“ oder „voi­pen“ zei­gen, wie krea­tiv man mit Spra­che umge­hen kann, und wie schnell Spra­che auf tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen reagiert (viel schnel­ler als wei­te Tei­le der Gesell­schaft oder gar der sog. Qua­li­täts­jour­na­lis­mus). Die­se Ver­än­de­run­gen zu ver­ur­tei­len, ist unge­fähr so sinn­voll, wie die Evo­lu­ti­on zu ver­ur­tei­len.

Und wer schon über Inter­net­spra­che schreibt, soll­te (wir wis­sen: „Qua­li­täts­jour­na­lis­mus“) wenigs­tens auch mal den einen oder ande­ren Fach­mann zu Wort kom­men las­sen.

Kau­fen Sie sich des­halb unbe­dingt das „Spiegel“-Sonderheft „Leben 2.0 – Wir sind das Netz“, wenn auch Sie an nied­ri­gem Blut­druck lei­den oder ger­ne Leser­brie­fe schrei­ben!

Kategorien
Digital

Sachen gibt’s …

Goog­le Alerts sind was tol­les: Man gibt ein­mal einen Such­be­griff ein und bekommt dann jedes Mal, wenn der Begriff im Netz auf­taucht, eine E‑Mail. So habe ich Dank mei­nes Goog­le Alerts auf Bil­ly Wil­der heu­te das hier erfah­ren:

Über Bil­ly Wil­der spricht Hans­jörg Just in der Rei­he „Krank­heit und Tod berühm­ter Per­sön­lich­kei­ten“ am Mon­tag, 2. Juli, 17.15 Uhr, im Hör­saal der Inne­ren Medi­zin, Bau 205 an der Kli­nik.

Klingt sogar span­nend.

Kategorien
Digital Politik Gesellschaft

Hot Turkey

An meh­re­re mei­ner zahl­rei­chen E‑Mail-Adres­sen ging im Lau­fe des Tages eine E‑Mail mit dem Betreff „AN ALLE TUERKEN: Lasst den Jun­gen (Mar­co) frei. Euer Tours­tik-Auf­schwung ist in Gefahr. DIE EU-MITGLIEDSCHAFT AUCH“. Die E‑Mail ist von sie­ben, mir unbe­kann­ten Per­so­nen unter­schrie­ben, und ich soll sie an „alle TUERKEN“, die ich ken­ne, „oder Leu­te, die aus die­sem Land kom­men oder dort Urlaub machen wol­len“ wei­ter­lei­ten. Es geht (natür­lich) um den in der Tür­kei inhaf­tier­ten deut­schen Schü­ler Mar­co W., dem vor­ge­wor­fen wird, eine 13jährige Bri­tin miss­braucht zu haben, und dar­in steht unter ande­rem fol­gen­des:

Seid Ihr noch ganz nor­mal, einen 17 Jah­re alten Jun­gen ein­zu­sper­ren, nur
weil er eine jun­ge Frau ken­nen­ge­lernt hat?
Das Gesetz ist doch nur geschaf­fen wor­den, damit es zu kei­nen Zwangs­ehen
kommt. Aber des­halb muss man doch
kei­nen 17 Jah­re alten Jun­gen, der in Eurem Land Urlaub macht, mona­te­lang
ein­sper­ren. Und das noch bei Euren
mise­ra­blen Haft­be­din­gun­gen? DAS IST UNMENSCHLICH! SCHLUSS DAMIT. SOFORT!

Ein Unding in einer zivi­li­sier­ten Welt, die Euch noch leid tun wird, wenn
nicht bald Schluss damit ist!

(Kata­stro­pha­le Zei­len­um­brü­che über­nom­men)

Hui, da weiß man ja gar nicht, wo man anfan­gen soll!

Ver­su­chen wir es mal so: Nach­dem anfangs von einem „Urlaubs­flirt“, dann von einer „Knut­sche­rei“ die Rede war, hat inzwi­schen offen­bar auch Mar­co W. „sexu­el­le Kon­tak­te“ ein­ge­räumt. Damit hät­te sich Mar­co W., wie im Law­blog aus­ge­führt wird, auch in Deutsch­land straf­bar gemacht – auch wenn das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um offen­bar Gegen­tei­li­ges ver­laut­ba­ren lässt.
Dafür, dass „das Gesetz“ nur geschaf­fen wur­de, „damit es zu kei­nen Zwangs­ehen kommt“, fin­det sich in der gesam­ten Bericht­erstat­tung zu der Geschich­te kein ein­zi­ger Anhalts­punkt. Ich bin kein Exper­te für tür­ki­sche Geset­ze, möch­te aber anneh­men, dass sich ein sol­ches Detail wenigs­tens in einem Teil der Arti­kel wie­der­ge­fun­den hät­te.
Auch will mir der Hin­weis „der in Eurem Land Urlaub macht“ nicht so ganz ein­leuch­ten: Soll die tür­ki­sche Poli­zei etwa davon abse­hen, Tou­ris­ten zu inhaf­tie­ren, weil die ja so nett sind, das Geld ins Land zu brin­gen, oder was?
Kom­men wir zu den Haft­be­din­gun­gen: Die sind, nach allem (nun ja: fast allem), was man liest, in der Tat „mise­ra­bel“ – aber wohl für alle Gefan­ge­nen. Wenn die (sicher­lich berech­tig­te) Auf­re­gung dar­über dazu füh­ren wür­de, dass sich jetzt ein paar Hun­dert Leu­te bei Amnes­ty Inter­na­tio­nal enga­gie­ren, wäre das ein posi­ti­ves Signal, das man dem gan­zen Fall abge­win­nen könn­te – ich glau­be aber lei­der nicht dar­an.

Natür­lich darf man Mit­leid mit einem 17jährigen haben, der in einem frem­den Land ins Gefäng­nis gesteckt wor­den ist. Ich will auch nicht über Schuld, Unschuld, mora­li­sche Vor­stel­lun­gen oder gar den ver­meint­li­chen Tat­her­gang dis­ku­tie­ren.
Aber an die­sem Fall wun­dert mich doch so eini­ges:

  • War­um dau­er­te es nach der Fest­nah­me des Jun­gen am 11. April über zwei Mona­te, bis der Fall letz­te Woche in der deut­schen Pres­se ankam?
  • Wie wür­de die deut­sche Bevöl­ke­rung, die deut­sche Pres­se reagie­ren, wenn sich der tür­ki­sche Außen­mi­nis­ter Abdul­lah Gül laut­stark für die Frei­las­sung eines tür­ki­schen Staats­bür­gers in Deutsch­land, dem ähn­li­ches vor­ge­wor­fen wird, aus­spre­chen wür­de?
  • Wo war Frank-Wal­ter Stein­mei­er, als das letz­te Mal ein deut­scher Staats­bür­ger unter extre­men Bedin­gun­gen im Aus­land inhaf­tiert war? Oh, Moment, das wis­sen wir ja …
  • Wel­chen Zweck sol­len sol­che E‑Mails erzie­len?

Womög­lich ste­hen die Absen­der die­ser begin­nen­den Ket­ten­mail Mar­co W. nahe. Sie haben natür­lich das Recht, besorgt und ver­zwei­felt zu sein. Sie haben aber kein Recht, Halb- und Unwahr­hei­ten zu ver­brei­ten, und dif­fu­se Dro­hun­gen („die Euch noch leid tun wird“) aus­zu­sto­ßen.

Und wie immer, wenn Men­schen mit Inter­net­an­schluss besorgt sind und irgend­was tun wol­len, wird es auch dies­mal nur eine Fra­ge der Zeit blei­ben, bis es dazu eine Stu­diVZ-Grup­pe geben wird …

Nach­trag 28. Juni, 00:58 Uhr: Cars­ten Heid­böh­mer ruft in sei­nem Kom­men­tar bei stern.de zu weni­ger Hys­te­rie in Sachen Tür­kei (und Polen) auf. Soll­te man gele­sen haben.

Nach­trag 29. Juni, 18:35 Uhr: Bei mein Ding ist man weni­ger optimistisch/​naiv als ich:

Das kommt mir vor wie ein Ablen­kungs­ma­nö­ver, um den Anschein zu erwe­cken, es sei ein Appell von Freun­den des Inhaf­tier­ten.

Kategorien
Politik Digital

Schieflage der Nation

Wann weiß man, dass in die­sem Land etwas falsch läuft?

Wenn sich Goog­le laut­stark für Pri­vat­sphä­re und Daten­schutz ein­setzt.

Kategorien
Digital Politik

Bedeutungsverschiebungen

Da das Wort „Zen­sur“ im Zuge der Yahoo/Flickr-Dis­kus­si­on der­zeit immer wie­der fällt, habe ich doch noch mal kurz des­sen Bedeu­tung nach­ge­schla­gen:

3) Publi­zis­tik: staat­li­che Über­wa­chung und Unter­drü­ckung von Ver­öf­fent­li­chun­gen in Print- und audio­vi­su­el­len Medi­en (Vor­zen­sur und Nach­zen­sur), um die Publi­zis­tik im Sinn der Staats­füh­rung oder der herr­schen­den Par­tei oder Klas­se zu beein­flus­sen. Eine Zen­sur gab es ins­be­son­de­re im Abso­lu­tis­mus. In frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Staa­ten ist die Zen­sur abge­schafft; auto­ri­tä­re und tota­li­tä­re Staa­ten dage­gen arbei­ten mit einem Zen­sur­ap­pa­rat oder mit lizen­zier­ten bezie­hungs­wei­se ver­staat­lich­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­men.

(Quel­le: Mey­ers Lexi­kon Online, Her­vor­he­bun­gen von mir)

Zen­sur (cen­su­ra) ist ein Ver­fah­ren eines Staa­tes, einer ein­fluss­rei­chen Orga­ni­sa­ti­on oder eines Sys­tem­trä­gers, um durch Medi­en ver­mit­tel­te Inhal­te zu kon­trol­lie­ren, uner­wünsch­te Aus­sa­gen zu unter­drü­cken bzw. dafür zu sor­gen, dass nur erwünsch­te Aus­sa­gen in Umlauf kom­men.

(Quel­le: Wiki­pe­dia, Her­vor­he­bung von mir)

Das, was Yahoo bei Flickr gemacht hat, ist also kei­ne Zen­sur, son­dern wohl „nur“ eine Mischung aus Angst, Ahnungs­lo­sig­keit und völ­li­ger Unter­schät­zung der eige­nen Kun­den, die viel­leicht noch am ehes­ten unter dem Begriff „Bevor­mun­dung“ ein­sor­tiert wer­den kann.

Das, was Yahoo (aber auch Goog­le und Micro­soft) in Chi­na ver­an­stal­tet, dürf­te hin­ge­gen zwei­fels­oh­ne Bei­hil­fe zur Zen­sur sein. Und in mei­nen Augen schwächt man die­se Ver­ge­hen ab, wenn man bei der (zuge­ge­ben uner­freu­li­chen und dum­men) Sper­rung von Fotos gleich „Zen­sur!“ brüllt.

(Und das soll auch wirk­lich mein ein­zi­ger Bei­trag zu dem The­ma sein. Es geht mir um Spra­che und nicht um das Unter­neh­men, des­sen Name schon viel zu oft gefal­len ist. Und schon gar nicht geht es mir dar­um, was Drit­te davon hal­ten, wenn Vier­te die­sem Unter­neh­men Wer­be­flä­chen ver­kau­fen – da emp­feh­le ich schlicht­weg Adblock Plus.)

Kategorien
Leben Digital

Keine seriöse Presse ohne kaffeetrinkende Rockstar-Freundinnen

Es ist natür­lich rei­ner Zufall, dass am glei­chen Tag, an dem auf Pro­Sie­ben eine Serie star­tet, die eine C‑Prominente und ihren Ver­lob­ten auf dem Wege zur Hoch­zeits­vor­be­rei­tun­gen zei­gen (und die in der ers­ten Live-Hoch­zeit im deut­schen Fern­se­hen mün­den soll), der Bun­des­ge­richts­hof ent­schei­det, dass die „Bun­te“ kein Recht hat, Fotos der Lebens­ge­fähr­tin von Her­bert Grö­ne­mey­er abzu­dru­cken. Aber es sind die­se klei­nen Zufäl­le, die das Leben so unter­halt­sam machen.

Wäh­rend also Gül­can Karahan­ci und Sebas­ti­an Kamps die Mensch­heit aus frei­en Stü­cken und gegen gutes Geld an ihrem Pri­vat­le­ben teil­ha­ben las­sen wol­len, bekommt die Grö­ne­mey­er-Freun­din höchst­rich­ter­lich bestä­tigt, dass sie es nicht hin­neh­men muss, dass frem­de Men­schen (die natür­lich auch nur ihren Job machen und ihre Fami­li­en ernäh­ren müs­sen) Fotos von ihr und ihrem zufäl­li­ger­wei­se pro­mi­nen­ten Part­ner bei nicht-offi­zi­el­len Ter­mi­nen machen und die­se dann abge­druckt wer­den.

Es folgt mein Lieb­lings-Satz­an­fang: Ich bin zwar kein Jurist, aber es erscheint mir voll­kom­men nahe lie­gend, dass so ent­schie­den wur­de. Ich habe nie ver­stan­den, mit wel­cher Begrün­dung sog. Per­so­nen der Zeit­ge­schich­te auf Schritt und Tritt von Papa­raz­zi ver­folgt wer­den soll­ten. Mich inter­es­siert nicht, wie Brit­ney Spears beim Ein­kau­fen aus­sieht, und es hat eigent­lich auch nie­man­den sonst zu inter­es­sie­ren.

Nun ist es natür­lich so, dass vie­le Stars die Pres­se für die eige­ne Kar­rie­re­pla­nung nut­zen. Bit­te: Wer so däm­lich ist, sich und sei­ne unbe­tei­lig­te Fami­lie für sog. Home Sto­ries zur Ver­fü­gung zu stel­len, ist selbst schuld und soll von mir aus an unge­ra­den Wochen­ta­gen zwi­schen 11:30 Uhr und 19:00 Uhr (Zei­ten ver­han­del­bar) beim Ver­zehr von Mett­bröt­chen, beim Erwerb von Fuß­bett­s­an­da­len oder bei son­stir­gend­et­was unin­ter­es­san­tem foto­gra­fiert wer­den, das in kei­nem Zusam­men­hang mit der beruf­li­chen Tätig­keit und der Pro­mi­nenz des Foto­gra­fier­ten steht.

Her­bert Grö­ne­mey­er aber hat sein Pri­vat­le­ben (bis auf eini­ge Sät­ze in Inter­views) sehr bewusst von der Öffent­lich­keit abge­schirmt. Spie­gel Online ist da offen­bar ande­rer Mei­nung und dreht mal wie­der an der Logik­schrau­be:

Der Fall Grö­ne­mey­er ist für die Pres­se gra­vie­rend. Der wohl berühm­tes­te Sän­ger Deutsch­lands hat­te die Trau­er über den Tod sei­ner Frau im Jahr 1998 immer wie­der öffent­lich ver­ar­bei­tet: in sei­nem Best­sel­ler-Album „Mensch“, aber auch in zahl­rei­chen Inter­views, und noch im SPIE­GEL-Gespräch im Febru­ar 2003 hat­te er frei­mü­tig bekannt: „Ich war immer eine nicht­öf­fent­li­che Per­son. Durch den Tod mei­ner Frau bin ich jetzt genau das Gegen­teil.“

Ja, was hat er denn da „frei­mü­tig bekannt“? Dass er eine öffent­li­che Per­son ist? Ja. Dass die Öffent­lich­keit Anteil genom­men hat am Schick­sal sei­ner Fami­lie? Gut mög­lich. Wenn Grö­ne­mey­er aber aus die­ser Posi­ti­on per­ma­nen­te Kame­ra­über­wa­chung für sich und sein Umfeld ein­ge­for­dert haben soll­te, so geht das aus dem Zitat (das betref­fen­de Inter­view ist natür­lich nicht frei ver­füg­bar) aber in kei­ner Wei­se her­vor. Außer, man inter­pre­tiert es her­ein, weil es einem gera­de in den Kram passt.

Ein Spie­gel-Online-Arti­kel kommt bekannt­lich nur schwer ohne den Abge­sang aufs Abend­land auf den Qua­li­täts­jour­na­lis­mus aus, des­halb folgt die­ser auf dem Fuße:

Künf­tig dürf­ten auch Medi­en wie der SPIEGEL oder die „Süd­deut­sche Zei­tung“ etwa in einem Fea­ture über Tod und Trau­er-Ver­ar­bei­tung zwar über die ergrei­fen­den Lie­der von Grö­ne­mey­er berich­ten, aber nicht mit Bil­dern illus­trie­ren, dass Trau­er-Vor­bild Grö­ne­mey­er sei­nen Schmerz offen­bar über­wun­den hat.

Ja, Him­mel, war­um soll­ten sie denn auch? Erst ein­mal möch­te ich den­je­ni­gen Leser sehen, der in einem Fea­ture über Tod und Trau­er-Ver­ar­bei­tung Bil­der von Her­bert Grö­ne­mey­er und des­sen Freun­din erwar­tet. Er wür­de sich doch hof­fent­lich einen gut recher­chier­ten und geschrie­be­nen Text wün­schen, wenn Betrof­fe­ne oder Exper­ten zu Wort kom­men, soll­ten die­se viel­leicht mit einem Por­trät­fo­to vor­ge­stellt wer­den, damit man sich beim Lesen ein bes­se­res Bild machen kann, und von mir aus kann man das „Fea­ture“ (es könn­te „Arti­kel“ oder „Text“ hei­ßen, aber who cares?) noch mit Sym­bol­bil­dern von Kreu­zen, Son­nen­un­ter­gän­gen und Auen im Win­ter auf­hüb­schen, wenn es denn unbe­dingt eye can­dy braucht. Ein Foto eines ver­wit­we­ten Pop­mu­si­kers mit sei­ner neu­en Lebens­ge­fähr­tin ist aber auch bei gewag­tes­ter Kon­struk­ti­on sicher nicht das, was dem Fea­ture noch zum Pulit­zer-Preis gefehlt hät­te.

Das per­fi­des­te ist aber nicht, dass Spie­gel Online so einen Blöd­sinn ein­for­dert. Das per­fi­des­te ist, wie die Leser auf die eige­ne Sei­te geholt und gegen die Betrof­fe­nen auf­ge­bracht wer­den sol­len:

Aber kann sich die Freun­din oder Lebens­ge­fähr­tin einer natio­na­len Berühmt­heit wie Her­bert Grö­ne­mey­er auch dage­gen weh­ren, in eigent­lich unver­fäng­li­chen Situa­tio­nen abge­bil­det zu wer­den? Zumal wenn die Fotos in aller Öffent­lich­keit auf­ge­nom­men wur­den, ein­mal auf der Stra­ße, das ande­re mal zwar im Café, aber gewis­ser­ma­ßen auf dem Prä­sen­tier­tel­ler sit­zend hin­ter Glas­tü­ren, die zu einer Stra­ße oder Pas­sa­ge weit geöff­net sind?

Was soll denn die­se Wort­wahl? „In eigent­lich unver­fäng­li­chen Situa­tio­nen“ – soll­ten es wenigs­tens abar­ti­ge, kom­pro­mit­tie­ren­de Bil­der sein, wenn die­se läs­ti­gen Pro­mi­nen­ten und ihre Part­ner, die ihr sog. Pri­vat­le­ben par­tout vor Spie­gel Online und den ande­ren Klatsch­blät­ter geheim­hal­ten wol­len, schon dage­gen vor­ge­hen müs­sen? Soll jeder, in des­sen Umfeld es jeman­den gibt, der auf­grund sei­nes Beru­fes in der Öffent­lich­keit steht, in Zukunft zuhau­se blei­ben, wenn er nicht in der „Bun­ten“ abge­druckt oder von Spie­gel Online bloß­ge­stellt wer­den will?

Ich bin kein Jurist, aber auf­re­gen könn­te ich mich da schon.