Beiträge vom Juli, 2009

Der Onan-Kanon

Von Lukas am Freitag, 31. Juli 2009 23:09

Ich habe heute etwas entdeckt, das man den Lesern eines Magazins für Popkultur, Listen und – gemessen an den Google-Anfragen, die hierher führen – Selbstbefriedigung nicht vorenthalten darf: “10 Songs I’m Pretty Sure Are About Masturbation”

Bei “Paste”, wo man eine selbst für meinen Geschmack leicht besorgniserregende Listen-Obsession hegt, hat sich also jemand Gedanken darüber gemacht, in welchen Songs es um nachhaltigen Rückenmarkabbau gehen könnte. Spektakulär ist die Liste nicht unbedingt, aber mitunter schön abwegig.

Als Zugabe gibt’s von mir einen legalen Download-Tipp zum Thema: “The Sun Always Shines On TV” — nicht von a-ha, sondern vom schwedischen Elektropop-Duo Tribeca.

Die erste Strophe beginnt so:

Tonight I’m in love with myself
I go berserk in my couch
My favourite stars and my favourite me
Natalie Portman comes to me (to me)

Kategorie: Digital Ist Besser, My Shared Folder, Rock'n'Roll High School | Kommentare (3)

Da prallen Welten aufeinander

Von Lukas am Donnerstag, 30. Juli 2009 20:09

Natalie Imbruglia war vor vielen Jahren mal berühmt. Sie hatte einen Hit namens “Torn” und war eine der ersten Frauen, bei denen ich als Teenager dachte “Schau mal an, die sieht aber ganz gut aus …” (die Zweite war Natalie Portman, womit die Natalie-Serie aber auch schon endete).

Ich habe keine Ahnung, was die Australierin in den letzten Jahren gemacht hat (mutmaßlich Alben veröffentlicht, von denen kaum jemand etwas mitbekommen hat), aber heute vermeldet NME.com, sie habe ein neues Album aufgenommen.

Die eigentliche Nachricht ist aber:

Natalie Imbruglia has announced details of her forthcoming new studio album, which features three co-writes with Coldplay.

Die eigentliche Nachricht ist aber:

The album, entitled ‘Come To Life’, will be released on October 5. It will be preceded by a single, ‘Want’, on September 28. The single is a Coldplay co-write, as are album tracks ‘Lukas’ and ‘Fun’.
(Hervorhebung von mir)

Nach all den Jahren, in denen ich mit “Luka” von Suzanne Vega Vorlieb nehmen musste (was ja immerhin ein schöner, wenn auch etwas deprimierender Song war), gibt’s jetzt endlich “Lukas” — und das gleich von Natalie Imbruglia und Coldplay.1

Damit sind wir aber noch nicht bei der spannendsten Kollaboration des Musikherbstes, denn die kommt wohl aus einem anderen land down under, aus Neuseeland. Neil Finn (Ex-Split Enz, Ex- und Wieder-Crowded House, Finn Brothers) hat letztes Jahr Weihnachten einen ganzen Haufen Musiker um sich geschart, um unter dem Projektnamen 7 Worlds Collide ein paar Songs2 für einen guten Zweck aufzunehmen.

Die Liste der Mitwirkenden beinhaltet unter anderem Johnny Marr (Modest Mouse, Ex-The Smiths), Phil Selway und Ed O’Brien (beide Radiohead), Jeff Tweedy, John Stirratt, Glenn Kotche und Pat Sansone (alle Wilco), KT Tunstall, Bic Runga, Tim Finn, Liam Finn, Lisa Germano und Sebastian Steinberg (Soul Coughing). Die Songs wurden in den wüstesten Kombinationen geschrieben und eingespielt und wie man den Videos auf der MySpace-Seite des Projekts entnehmen kann, hat das alles wohl richtig viel Spaß gemacht. Erste Höreindrücke gibt es dort auch schon.

  1. Ich werde demnächst noch einmal ausführlicher über Songnamen, die auf Namen basieren, schreiben. Ich finde es verdammt ungerecht, dass eine Geraldine so einen großartigen Song wie den von Glasvegas verehrt bekommt, eine Lena aber mit BAP und Pur leben muss. []
  2. Also ein Doppelalbum. []

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Das kann’s doch nicht gewesen sein

Von Lukas am Dienstag, 28. Juli 2009 13:56

Muff Potter beim Fest van Cleef 2009 in Essen.

Den Tag “bandauflösungen” hatten wir auch lange nicht mehr.

Das hätte aber ruhig so bleiben können:

liebe freunde von muff potter,

vor fast zehn jahren sangen wir in dem “siegerlied”:
“tapferkeit ist nicht gottgegeben, wer will schon lernen wie man sowas macht.”
und weil wir nie gelernt haben wie man sowas macht machen wir es kurz:

WIR LÖSEN UNSERE BAND AUF!

wir glauben, daß wir nach gut 16 jahren an einem schlusspunkt angekommen sind. wir glauben, daß wir dieses jahr mit “gute aussicht” eine der besten randale platten des ganzen jahrzehnts abgeliefert haben. wir glauben, daß wir in all den jahren, nicht zuletzt 2008/2009, phänomenal viel energie in diese band gesteckt haben.
muff potter, ein monster, larger than life. manche von uns spielen jetzt seit der hälfte ihres lebens in dieser band. das muss man sich mal vorstellen!

irgendwann ist auch mal schluss.
der besiegte sieger macht platz für etwas neues.

alle angekündigten konzerte werden gespielt, und im dezember sagen wir nochmal eine woche lang tschüs. die termine werden in wenigen wochen bekannt gegeben.

danke an alle die uns in den letzten 16 jahren unterstützt haben.
danke am allermeisten an uns selbst für 16 jahre fahrtwind.
wir gehen erhobenen hauptes, in demut und stolz. besser können wir uns einen abgang nicht vorstellen.

muff potter forever.
auf wiedersehen,
sagen nagel, shredder, dennis und brami.

[muffpotter.de, via GHvC-Newsletter]

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Schreipflicht

Von Markus am Dienstag, 28. Juli 2009 12:35

Kennen Sie das? Man fährt gemütlich in seinem Dienstwagen an der Spree entlang, hört ein bisschen Radio, und ab und an kriegt man die Scheiben an den Ampeln geputzt. Manchmal sagt man “Nein”, dann machen die Damen und Herren das trotzdem, man gibt fünfzig Cent, kein Problem, schließlich ist man ja Gesundheitsministerin, und schwupps hat man die Zeit vergessen und sitzt irgendwo in Spanien und das Auto ist einem unter dem Allerwertesten weg geklaut worden. So schnell kann’s gehen. Erstmal zum zweiten Thema:

Dienstwagen im Sommerloch – das ist ganz und gar brandgefährlich. Die Gedankenverbindung von “Dienstwagen” zu “Affäre” ist eine der kürzesten überhaupt.

Das steht heute auf Zeit Online und auch im Online-Angebot des “Tagesspiegel”. Man kann jetzt versuchen, sich zu erinnern, wann man das letzte Mal diese kürzeste aller Gedankenbrücken schlagen musste. Und wenn das überraschenderweise noch nie der Fall gewesen sein sollte, setzt man alles daran, die Assoziationskette genuin und neu nachzuverfolgen, aber wenn ich das tue, komme ich von “Dienstwagen” immer nur bei “Benzin” vorbei zu “Tankstelle” und dann vielleicht noch zu “Scheiße, EC-Karte nicht dabei”, aber das ist ja schon eine relativ lange Verbindung. Und wie man von “Scheiße, EC-Karte nicht dabei” so flugs zu “Affäre” kommt, ist mir in dem Zusammenhang eher schleierhaft. Vermutlich ist es eher so, dass da einmal wieder jemand dachte, dass man durch möglichst uneigentlichen Schreibstil besonders leicht zu knüppelharten Aphorismen kommt. Das sei so sicher wie die Rente.

Persönlich, und das muss natürlich nichts heißen, bin ich der Meinung, dass es nicht unbedingt nötig war, so eine Panzerlimousine mit in den Urlaub zu nehmen, aber die paar Tausend Euro hätte man auch ohne Dienstwagen gut anderweitig loswerden können. Muss man sich also nicht drüber aufregen. Aber: Wer bin ich schon, um so eine Behauptung aufzustellen?

Aufregen kann man sich nämlich auch über weit geringere Dinge, womit wir beim eigentlich ersten Thema angelangt wären. Die “Süddeutsche Zeitung” druckt heute (wie an jedem Tag seit 1946) auf ihrer Titelseite die Glosse mit dem Namen “Streiflicht”. Die ist manchmal ziemlich witzig, oft ziemlich bemüht, witzig zu sein und in den gottlob seltensten Fällen irgendwie ein Griff ins Klo. Heute geht es um besagte Fensterputzer an Berliner Ampelkreuzungen:

Bis vor kurzem handelte es sich bei diesen Serviceleuten um Punks. Sie waren sehr freundlich, denn an jeder Kreuzung des Lebens, an der es links zur Anarchie geht und rechts zur Schrankwand aus Eiche, waren sie einfach geadeaus weitergetrottet [...]. Lehnte also der gemeine Berliner ihre Offerte ab, etwa mit den Worten “Solange ick dir hierdurch erkennen kann, lässte deine Finger von”, trollten sich die artigen Punks. Was ihre dem Aussehen und Vernehmen nach aus Südosteuropa kommenden Nachfolger nicht tun. Sie wischen trotzdem. Dann halten sie die nasse Hand auf.

Dann wird sich da noch ein bisschen über ein paar Aufkleber ausgelassen und geendet wird mit der unspezifischen Aussage, dass nicht jeder gleich ein Schwein sei, der an der Ampel nein sagt. Zunächst war ich mir nicht so ganz sicher, was ich davon zu halten hatte. Ich kenne leider niemanden persönlich, der sich durch seine finanziellen Umstände irgendwie dazu gezwungen sieht, den halben Tag mit Schwimmfingern auf der Friedrichstraße herumzustehen, aber ich kann mir vorstellen, dass dieser jemand, läse er diese Kolumne, sich ein bisschen fühlen würde wie der, über den man in der achten Klasse gelästert hat, ohne zu bemerken, dass er hinter einem stand. Auf der Titelseite ist das Ding jedenfalls irgendwie frech, auf der Meinungsseite wäre es aufgrund der fehlenden Relevanz sowieso nicht aufgetaucht, und wenn man es in die Panorama-Ecke stellt, wüsste der Leser ja sowieso gleich, was Phase ist. Hätte man man besser abgebügelt.

Dennoch gibt es heute auch eine frohe Botschaft: Die “taz” hat begriffen, dass die Wahrheit manchmal einfach schöner und leichter verdaulich ist als die Wahrheit.

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Internetversteher unter sich

Von Lukas am Montag, 27. Juli 2009 15:03

Ich muss zugeben, nie der große Blumfeld-Fan gewesen zu sein. Deswegen war es mir auch einigermaßen egal, dass deren früherer Frontmann Jochen Distelmeyer vor kurzem bei einigen Konzerten neue Songs vorstellte, die auf seinem Solo-Debüt “Heavy” (VÖ: 25. September) enthalten sein werden.

Einige dieser Songs wurden – wie heutzutage allgemein üblich – mit Handy- oder Digitalkameras aufgenommen und kurz danach bei YouTube hochgeladen. Dort blieben sie nicht allzu lange stehen: Sie wurden mit Hinweis auf Urheberrechtsverletzungen gelöscht, wie der Popkulturjunkie gestern in einem Eintrag dokumentierte.

Seine Überschrift ließ keinen Zweifel daran, wer hier der Schuldige sein müsste:

Sony hat das Internet immer noch nicht begriffen

In den Kommentaren ergoss sich schnell der übliche “Wir hier unten, die da oben”-Sermon von

ich finde das äußerst begrüßenswert wenn sich sony selbst ins bein schießt, je früher medienkonzerne aller art krepieren desto besser.

bis hin zu

Memo an mich selbst: Kauf von Sony Produkten meiden!

Als Christian Ihle höflich anfragte, ob es nicht viel einfacher sein könnte und weder Distelmeyer noch die Plattenfirma das Risiko eingehen wollten, dass die Leute die neuen Songs in schlechter Qualität hörten (weil das “den Buzz zerstören würde”), wurde diese Möglichkeit mit dem Hinweis abgebügelt, so schlecht sei die Qualität nun auch wieder nicht gewesen.

Ich hab heute einfach mal Jochen Distelmeyers Manager Oliver Frank nachgefragt, wie es denn zu der Löschung gekommen sei. Der sagte mir, er habe während der Tour beobachtet, dass immer mehr Mitschnitte aus den Konzerten hochgeladen wurden, und – “weil wir nicht so früh in den Wettbewerb ‘Wer stellt das wackeligste Video ins Netz?’ einsteigen wollten” – Distelmeyers Plattenfirma Sony Music gebeten, etwas dagegen zu unternehmen.

Oliver Frank meinte weiter, dass es nicht nur immer die “bösen Konzerne” seien, die Trends wie das Hochladen ganzer Konzerte skeptisch sehen, sondern häufig auch die Künstler selbst. Man käme sich vor den hochgereckten Kameras im Publikum ja manchmal vor wie vor einer Busladung Touristen.

Ich weiß, dass es vielen Künstlern gerade bei neuem Material ähnlich geht, und ich kann das verstehen: Man verbringt doch nicht Monate im Studio, damit die Hörer dann eine übersteuerte, verquatschte und womöglich noch nicht mal fehlerfreie Liveversion als ersten Eindruck bekommen.

[Zwischenruf: "Dann braucht man doch gar nicht mehr live zu spielen!"]

Äh, doch. Es ist ja was anderes, ob dreihundert Menschen so eine Version einmal hören, oder sich ein paar Tausend diese Version immer und immer wieder anschauen können.

Man kann das als Musiker natürlich auch anders sehen und wie Thees Uhlmann sagen: “Film das und stell das online!”, aber das ist ja dann eine bewusste Entscheidung des Künstlers:

Tomte – "der letzte große Wal" aufm Fest van Cleef 2008

(Ben Folds nutzt die YouTube-Mitschnitte seiner Konzerte ja bekanntlich, um aus wüsten Improvisationen Albumtracks zu zaubern.)

Ich finde es legitim, wenn ein Musiker wenigstens im Vorfeld einer Albumveröffentlichung versucht, die Kontrolle über seine Songs zu behalten. (Und Jochen Distelmeyer hat ja durchaus schon einen Song, der nicht die Single wird, zum Durchhören auf seine Website gestellt.) Nach der Veröffentlichung gehören die Songs ja sowieso den Menschen, wie Fran Healy so schön sagt — auch wenn manche das mit dem “gehören” vielleicht ein bisschen zu wörtlich nehmen.

Das Management von Jochen Distelmeyer hat übrigens angedeutet, dass die Löschung die letzte gewesen sein wird.

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Born To Sing Along

Von Lukas am Montag, 27. Juli 2009 13:29

Über das All-Songs-Considered-Blog bin ich auf diesen Eintrag im Musikblog I Am Fuel You Are Friends aufmerksam geworden, der sehr passend mit “If you’ve ever wondered what pure, unfettered joy looks like….” betitelt ist.

Man sieht darin ein Livevideo von The Gaslight Anthem, die gemeinsam mit Bruce Springsteen ihren Song “The ‘59 Sound” beim Glastonbury Festival spielen:


the 59 sound – bruce springsteen & gaslight anthem( glasto )
von runawaydream

Da dachte ich noch “Na ja, könnte man noch mal bloggen, so nach einem Monat. Aber muss man auch nicht …”, aber dann fiel mir ein, wie viele Videos ich schon im Internet gesehen hatte, in denen Bruce Springsteen andererleuts Songs veredelt. Und dann dachte ich, die kann man doch mal schön zusammentragen:

[...]

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Madame 0,1 Prozent

Von Lukas am Sonntag, 26. Juli 2009 21:01

Deutschland hat – Sie werden das mitbekommen haben – seit ein paar Tagen endlich eine Kanzlerkandidatin. Helga Zepp-LaRouche, bis zum Aufstieg von Gabriele Pauli Gesamtführende in der Kategorie “Frauen mit den meisten Parteimitgliedschaften”, hat in der vergangenen Woche ihre Kandidatur für die “Bürgerrechtsbewegung Solidarität” (BüSo) bekanntgegeben.

Diese Nachricht ist vielleicht psychologisch spannender als politisch: Was mag in einem Menschen vorgehen, dessen Partei bei der letzten Bundestagswahl 0,1% erreichte (und die bei der Europawahl im Mai die zweitniedrigste Stimmenzahl von allen 32 Parteien bekommen hat), und der es daraufhin für eine gute Idee hält zu sagen: “Hey, da nenn’ ich mich mal nicht Spitzenkandidatin, sondern Kanzlerkandidatin”? Zumal ihre erste Kanzlerkandidatur (damals noch für die “Europäische Arbeiterpartei”) nun auch schon wieder 33 Jahre zurückliegt und damals überraschenderweise nicht so erfolgreich wie erhofft verlief. (Für die Jüngeren: Bundeskanzler blieb damals ein Mann namens Helmut Schmidt.)

Frau Zepp-LaRouche erklärt in 67.595 Zeichen, warum sie als Kanzlerkandidatin kandidiere (zum Vergleich: das ist mehr als der achtfache Umfang der Unabhängigkeitserklärung der USA), und lässt doch die entscheidende Frage unbeantwortet:

Des öfteren werde ich gefragt, wieso es kommt, daß ich mich seit nunmehr 37 Jahren für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung und ein neues Bretton-Woods-System einsetze, obwohl Wahlerfolge in der Vergangenheit ausgeblieben seien.

Der Fairness halber muss man sagen, dass Zepp-LaRouche, ihr Mann, der “mehrfache Präsidentschaftskandidat” Lyndon LaRouche und die “Bürgerrechtsbewegung Solidarität” schon länger vor dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft gewarnt hatten — genau genommen so lange, dass man nicht genau sagen kann, ob es nun eine präzise oder nicht eher eine zufälligerweise zutreffende Vorhersage war. Und selbst vor diesem Hintergrund bleibt es fraglich, ob man seine Stimme deshalb gleich einer umstrittenen “Polit-Sekte” (“Frankfurter Allgemeine Zeitung”, 26. September 1994) geben muss.

Viel sagt Helga Zepp-LaRouche in ihrem Wahlprogramm übrigens nicht. Es ließe sich mit “Alles doof, so wie es ist” ganz gut zusammenfassen.

Deshalb müssen wir auch zurück ins Zeitalter der großen “Dichter und Denker”:

Woher soll die Veränderung kommen, wenn die Politiker untertänig, die Manager korrupt, die „Künstler” der Gegenwartskultur voller Drogen und die Massen verwildert sind?

Es folgen längliche Ausführungen, denen man anmerken kann, mit welcher … äh: Kreativität die Autorin das Wort “entartet” zu Umschiffen versuchte:

Was heute meist unter Kreativität verstanden wird, gleicht eher im besten Falle jenen zufällig vom Künstler an die Wand geworfenen Arabesken, von denen Kant irrtümlicherweise meinte, sie hätten einen höheren künstlerischen Wert als das Werk, in dem man die Absicht des Autors erkennen könne.

(Es gehört natürlich eine gewisse Nonchalance dazu, Kant mal so eben in einem Nebensatz abzubügeln. Man hat ja wichtigeres zu tun, als sich mit so einem angestaubten Denker rumzuschlagen.)

Und dann gewährt uns Helga Zepp-LaRouche noch einen tieferen Einblick in ihr Kunstverständnis:

Als Bundeskanzlerin wäre die klassische Kultur nicht der reichen Oberschicht vorbehalten, die sich die Eintrittskarten bei den Festivals leisten kann, sie würde allen Bürgern zugänglich gemacht. [...] Die öffentlichen Medien würden beauftragt, der Bevölkerung klassische Kunst zu präsentieren, die nicht vom Regie-Theater und ähnlichen Bearbeitungen ruiniert wäre, selbst wenn man dafür zwischenzeitlich auf historische Aufführungen zurückgreifen müßte.

Da werden sich die “öffentlichen Medien” aber freuen, wenn die Bundeskanzlerin ihnen vorschreibt, was sie zu senden haben. Und die Bürger erst: Sie werden nicht mehr klamottige Dauerwerbesendungen schauen, sondern Videoaufzeichnungen von Inszenierungen August Kotzebues im Weimarer Nationaltheater.

Und über all das dürfen sie auch noch selbst entscheiden. Die 0,1% stehen.

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Someday We’ll Know

Von Lukas am Freitag, 24. Juli 2009 11:59

Es wäre unhöflich, den Hauptbahnhof von Mülheim an der Ruhr als heruntergekommensten Bahnhof des Ruhrgebiets zu bezeichnen. Es gibt ja noch Duisburg und Dortmund und sämtliche S-Bahn-Haltepunkte dazwischen. Die beste Zeit aber hatte das Gebäude in der Stadt meiner Vorväter definitiv schon länger hinter sich und das wusste auch jeder in Mülheim.

Nun ist es soweit: Seit Dienstag wird der Bahnhof auf den bald beginnenden Umbau vorbereitet! Der Platz vor dem Haupteingang soll einen eigenen “‘Kiss & Ride’-Bereich” bekommen, was ich ganz entzückend finde.

Mit den jetzt tatsächlich anstehenden Bauarbeiten ist dann allerdings auch das legendäre Schild hinfällig, das schon vor längerem (angeblich) den Mülheimer Hauptbahnhof zierte:

Baubeginn: Demnächst
Eröffnung: Nach Fertigstellung

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Schöner Onanieren mit Bild.de

Von Lukas am Freitag, 24. Juli 2009 0:10

Entschuldigung, ich muss was gestehen: Ich hab’s schon wieder getan. Ich wollte ja eigentlich nicht, aber jetzt hab ich wieder auf so einen Sex-Artikel geklickt, diesmal bei Bild.de, und schon nach dem ersten Absatz fühlte ich mich einigermaßen … äh: überfahren:

Sex ist ein wunderbarer Weg, um zu sich selbst zu finden. Doch bis wir die „Auffahrt“ und den passenden Partner zu diesem Abenteuer gefunden haben, stellen wir uns vor lauter Unsicherheiten immer wieder selbst ein Bein. Wir verlieren uns in Ausreden, lassen uns von den Vorlieben anderer beirren, werden zu „Geisterfahrern“ in unserer Sex-Sackgasse. Im schlimmsten Fall resignieren wir und beobachten das Geschehen vom „Standstreifen“…

Wie man sich selbst ein Bein stellen kann, wenn der eine Fuß auf der Kupplung und der andere auf dem Gaspedal ruht, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht bei Automatikwagen. Klar ist hingegen: Wenn einem in einer Sackgasse Geisterfahrer entgegenkommen, muss es sich wohl um eine Einbahnstraße handeln. Und aus einer Sackgasse, die gleichzeitig eine Einbahnstraße ist, kommt man natürlich nie wieder raus.

Haben Sie jetzt gerade beim Wort “Sackgasse” gekichert? Na, dann gab es doch bei “Standstreifen” vermutlich kein Halten mehr, oder? In jedem Fall: Super, aber viel zu früh. Zum Lachorgasmus kommen (hihihi) wir erst später.

Bild.de-Autorin Meike Meyruhn hat die “US-Sexlehrerin” Barbara Carrellas aufgetan (nicht zu verwechseln mit den 106 “Sex-Lehrerinnen” aus der “Galerie der Schande”), die all denen die Welt erklärt, die dachten, bei Tantra handele es sich wahlweise um ein Gebirge, eine Straßenbahn oder einen Schäferhund. Falsch:

Tantra ist eine Lebensphilosophie. Wer Tantra-Sex praktiziert, liebt bewusst, strebt eine Art kosmische Vereinigung im Hier und Jetzt an. Und einen Partner brauchen Sie dazu nicht!

Nun ist das mit der Vereinigung ohne Partner so eine Sache: Die Chancen, dass Deutschland noch eine Wiedervereinigung mitmacht, sind seit dem Ende der DDR beispielsweise rapide gesunken.

Aber was komm ich jetzt mit der DDR an? Es ging ja um Sex. Bild.de empfiehlt natürlich, direkt das Buch der Sex-Lehrerin Sexlehrerin zu kaufen, aber ein paar Auszüge gibt es dann doch noch:

Plane das Date vorher oder sei spontan.

(Vermutlich abhängig davon, ob der Hahn auf dem Mist kräht oder nicht.)

Egal was du machst, stöpsle Telefon, Computer und Fernseher aus, außer du willst einen erotischen Film in deine Szene einbauen.

Der letzte Halbsatz ist sehr wichtig, denn wie oft ist die Betrachtung eines erotischen Films schon daran gescheitert, dass das Telefon ausgestöpselt war?

Erlaube dir, deine Pläne zu ändern, wenn deine Stimmung schwingt, aber bleib bei deinem Rendezvous!

Wer kennt sie nicht, die berühmten Stimmungsschwingungen beim Rendezvous ([ʀɑ̃de ˈvu], französisch: ‚Verabredung‘, wörtlich: ‚treffen Sie sich‘) mit sich selbst?

Egal was du machst, denke daran, bewusst zu atmen. Das beruhigt deinen Geist und lenkt die Aufmerksamkeit auf deinen Körper.

Gut, dass man da alleine ist: Wer hätte beim Gedanken an bewusste Atmung und der Aufmerksamkeit auf den Körper noch Zeit, sich um jemand anderen zu kümmern? Also: Frauen vielleicht, aber Männer sind ja bekanntlich nicht Multitasking-fähig. (Deswegen atmen Männer übrigens auch nie beim Sex. Jetzt wissen Sie’s!)

Nimm die Gefühle an, die hochkommen. Vielleicht verwandelt sich dein Orgasmus in einen Schrei-, Wut- oder Lachorgasmus. Erlaube dir alles, was dein Körper heute erfahren will.

Damit wären wir dann beim Lachorgasmus. Laut Google handelt es sich dabei zwar um etwas eher Unsexuelles (nämlich das, was in den 1990er Jahren am Niederrhein “schrott lachen” hieß), aber wer würde Barbara Carrellas schon widersprechen wollen? Vielleicht hat es auch was mit dem “Kitzelsex” zu tun, den Bild.de erst kürzlich gefeiert hat — faszinierenderweise ohne den sehr naheliegenden Kalauer “Werden Sie zum Kitzler!”

Jedenfalls: Wenn Lachen beim (sexuellen) Orgasmus, dann bitte allein! Ihr Partner könnte sonst ähnlich entgeistert reagieren wie wenn Sie dabei jodeln.

Wenn du dich nicht sonderlich sexy fühlst, dann nimm das wahr und respektiere es. Vielleicht willst du dich ins Bett kuscheln und endlich das Buch lesen, für das du dir nie Zeit genommen hast. Gebe dir das, was du willst. Bereite dir

Leider werden wir nie erfahren, was man sich bereiten soll, denn mit diesen Worten enden die guten Ratschläge. Aber das gehört vermutlich zum Tantra dazu: den Höhepunkt einfach … wegzulassen.

Wichtiger ist eh:

Gebe dir das, was du willst.

… aber vermeide korrekte Imperative!

Falls Ihnen dieser Artikel jetzt zu lang war (Sie wissen schon: die Kunst des Herauszögerns), hier noch einmal die Kurzform: “Hol dich doch einfach mal wieder gepflegt einen runter!”

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Coffee And FH

Von Lukas am Donnerstag, 23. Juli 2009 17:02

Ich habe während meines Studiums mehrfach darüber nachgedacht, einfach alles abzubrechen. Einer dieser Momente war, als eine Dozentin nach einer Klausur, die weite Teile der Studentenschaft – mich eingeschlossen – schwer verbockt hatten, Zettel mit den “lustigsten Antworten” verteilte. Zwar standen keine Namen dabei, aber ich empfand diesen Vorgang durchaus als Bloßstellung — zumal die Vorlesung sterbenslangweilig und von “lustig” bis zu diesem Punkt nie die Rede gewesen war.

Der Fachbereich Medien der Hochschule Mittweida hat offenbar den selben Humor wie meine damalige Dozentin und stellt “einige Gründe für die zuweilen ausgebrochene Heiterkeit unter den sonst doch so gestrengen Wissenschaftlern” gleich ins Internet.

Darunter:

Frage: Die Begriffe “Pearl” und “Java” klingen wie exotische Mixgetränke oder Modedrogen, bezeichnen aber etwas anderes, nämlich was?
Antwort: “Nein, das sind Kaffeesorten”. (Richtig: Programmiersprachen)

Hahahahaha, was für ein Idiot!

Es sei denn natürlich, er meinte Java-Kaffee und die “Partnership for Enhancing Agriculture in Rwanda through Linkages” (PEARL), die sich in Ruanda vor allem um den fairen Anbau von Maniok und … äh Kaffee bemüht.

(Und warum die Programmiersprache Java jetzt ausgerechnet eine Kaffeetasse als Logo hat, das kann ich Ihnen natürlich auch nicht sagen.)

[via Katti]

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