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Musik Rundfunk

Liveblog: Echo 2008

20:00 Uhr
Lukas:
Hal­li­hal­lo und herz­lich Will­kom­men im schöns­ten Beton­bun­ker öst­lich des Ber­li­ner ICCs. Weil mir mein Arzt davon abge­ra­ten hat, deut­sche Preis­ver­lei­hun­gen ohne see­li­schen Bei­stand anzu­se­hen, habe ich mir ein biss­chen Ver­stär­kung geholt und wer­de wäh­rend des Abends auch noch die ein oder ande­re Live­schal­te ver­su­chen. Zunächst aber begrü­ße ich mei­ne char­man­te Co-Blog­ge­rin Kath­rin. Hal­lo Kath­rin!
Kath­rin: Hal­lo Lukas!

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Digital

Programmhinweis

Am Frei­tag wird das ver­lie­hen, was die Deut­sche Pho­no-Aka­de­mie immer wie­der „einen der wich­tigs­ten Musik­prei­se der Welt“ nennt: der Echo. Es wird wie­der eine krampf­haft locke­re Nabel­schau mit diver­sen gro­ßen und klei­nen Pein­lich­kei­ten wer­den, dafür sor­gen schon die bekann­ten Musik­jour­na­lis­ten Oli­ver Gei­ßen und Nazan Eckes, die durch den Abend füh­ren wer­den. Und da geteil­tes Leid hal­bes Leid ist, wer­den wir, also Sie und ich, die­sen Abend gemein­sam ver­brin­gen – wenn Sie wol­len:

Live­blog Echo 2008
am Frei­tag, 15. Febru­ar 2008
ab 20:00 Uhr
bei coffeeandtv.de

Die Nomi­nier­ten (in Gott­sei­dank nur 24 Kate­go­rien, wir sind ja nicht bei den Gram­mies) ent­neh­men Sie bit­te die­ser Sei­te. Ich habe das Ver­fah­ren, nach dem die Nomi­nier­ten und Preis­trä­ger bestimmt wer­den, bis heu­te nicht ver­stan­den und ken­ne auch wie­der maxi­mal die Hälf­te, was aber die denk­bar bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für einen Abend vol­ler Über­ra­schun­gen sein dürf­ten.

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Leben

Scheitern als Chance

Da schrei­be ich ges­tern noch über die Musik­in­dus­trie und die tol­le Idee, zah­len­den Kun­den funk­ti­ons­lo­se „Ton­trä­ger“ zu ver­kau­fen, und was mache ich qua­si zeit­gleich? Gehe zu Saturn und kau­fe an einer idio­ti­schen SB-Kas­se eine CD mit Kopier­schutz.

Das aller­dings fiel mir erst auf, als ich die CD zum Anhö­ren in den hei­mi­schen Com­pu­ter schob: iTu­nes woll­te die Schei­be in kei­nem der bei­den Lauf­wer­ke wie­der­ge­ben und nicht mal Win­dows konn­te das Ding erken­nen. Das ist für ein End­an­wen­der-Pro­dukt neu­er Rekord, bis­her kann­te ich der­ar­ti­gen Digi­tal­müll nur als Rezen­si­ons­exem­pla­re für die schwer­kri­mi­nel­len Musik­jour­na­lis­ten. Das Kopier­schutz-Logo war übri­gens erstaun­lich gut getarnt, die CD „The Sin­gles“ von Base­ment Jaxx aus dem Jahr 2005 (was den Kopier­schutz im Nach­hin­ein erklärt). Da an eine gemein­sa­me Zukunft aus nahe­lie­gen­den Grün­den nicht zu den­ken war, schlepp­te ich die CD zurück zu Saturn.

An der Info­the­ke im Erd­ge­schoss muss­te ich nur drei Minu­ten war­ten, dann füll­te die (wirk­lich freund­li­che) Dame einen „Mit­bring­schein“ aus, kopier­te mei­nen Kas­sen­bon von ges­tern und schick­te mich an die Infor­ma­ti­on der CD-Abtei­lung im zwei­ten Stock.

Die dor­ti­ge Infor­ma­ti­on, an der ich zunächst vor­sprach, war die fal­sche, man schick­te mich zu einer wei­te­ren am ande­ren Ende des Gebäu­des. Dort trug ich mein Anlie­gen ein drit­tes Mal vor:

Ich: „Guten Tag, ich habe ges­tern die­se CD gekauft. Da ist ein Kopier­schutz drauf und ich kann sie nicht hören!“
Typ: „Auf dem Com­pu­ter …“
Ich: „Äh, ja.“
Typ: „Das steht da aber auch drauf, nicht?“
Ich: „Oh Gott, Sie wol­len doch auch nicht, dass ich hin­ter­her im Blog so Sachen wie ‚mei­ne Hals­schlag­ader schwoll an‘ oder ‚dürf­te ich bit­te Ihren Vor­ge­setz­ten spre­chen‘ schrei­ben muss, oder? Ich habe ein paar Dut­zend CDs zuhau­se, auf denen Kopier­schutz­lo­gos drauf sind. Bis­her konn­te ich jede ein­zel­ne davon hören – und auf eini­gen war noch nicht mal wirk­lich ein Kopier­schutz drauf.“
Typ: (mur­melt unver­ständ­lich)

Im Fol­gen­den wur­de ich gebe­ten, mei­nen Namen und mei­ne Anschrift zu nen­nen. Ich war natür­lich viel zu ver­wirrt, irgend­wel­chen Blöd­sinn zu erzäh­len, und wuss­te auch nicht, ob mir das Geld nicht viel­leicht bar per Post zuge­stellt wer­den soll­te. Wur­de es aber nicht: Es wur­de ein wei­te­res Blatt Papier bedruckt (der Laden muss eine beein­dru­cken­de Öko-Bilanz haben) und mir mit den Wor­ten „Damit gehen Sie jetzt wie­der zur Kas­se und krie­gen Ihr Geld!“, in die Hand gedrückt wur­de.

Noch ein­mal kurz zum Mit­schrei­ben: Um einen Ton­trä­ger umzu­tau­schen, der die Töne zwar tra­gen mag, aber nicht mehr her­ge­ben will, muss­te ich bei drei Per­so­nen (vier, wenn man die fal­sche Info-The­ke mit­zählt, was ich ger­ne mache, denn die war ja nicht mein Feh­ler) auf zwei Eta­gen vor­spre­chen und bekam nach nur einer Vier­tel­stun­de mei­ne 8,99 Euro zurück.

Und jetzt will ich kei­ne Argu­men­te für die CD mehr hören. Die Zukunft gehört der MP3!

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Musik Gesellschaft

Der Anfang vom endgültigen Ende

„Blunt­ly put, in the fewest of words:
Cunts are still run­ning the world“

(Jar­vis Cocker – Run­ning The World)

Auch schon ausgestorben: Dinosaurier

Vor­ges­tern ver­kün­de­te der ange­schla­ge­ne Musik­kon­zern EMI, er wer­de welt­weit zwi­schen 1500 und 2000 Stel­len strei­chen und damit wohl ein Drit­tel sei­ner Ange­stell­ten feu­ern. Der pri­va­te-equi­ty-Kon­zern Ter­ra Fir­ma, der das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men im ver­gan­ge­nen Som­mer über­nom­men hat­te, will aus EMI bin­nen kur­zer Zeit ein pro­fi­ta­bles Unter­neh­men machen.

Das allein klingt schon mal nach einer ziem­lich däm­li­chen Idee, denn jedes Kind weiß, dass Plat­ten­fir­men so ziem­lich die schlech­tes­te Wahl sind, wenn man auf schnel­les Geld aus ist. Oder über­haupt auf Geld. Man könn­te sich genau­so gut in eine Fabrik für elek­tri­sche Schreib­ma­schi­nen oder in einen Zei­tungs­ver­lag ein­kau­fen.

Das Bei­spiel EMI zeigt was pas­siert, wenn glo­bal play­er nicht mehr von welt­frem­den Trot­teln, son­dern von geld­gei­len Voll­trot­teln geführt wer­den: Die Musi­ker, mei­nen lai­en­haf­ten Wirt­schafts­vor­stel­lun­gen zufol­ge nicht unbe­dingt der unwich­tigs­te Teil eines Musik­kon­zerns, waren näm­lich mit den Ansa­gen der neu­en Chefs (vie­le Krea­ti­ve reagie­ren bei­spiels­wei­se auf Zeit­druck all­er­gisch) gar nicht gut zu spre­chen und kün­dig­ten eine Art Ver­öf­fent­li­chungs­boy­kott an. Rob­bie Wil­liams, Cold­play und die wie­der­ver­ei­nig­ten The Ver­ve wol­len angeb­lich erst mal nichts mehr raus­brin­gen, mit Paul McCart­ney, Radio­head und jetzt wohl auch den Rol­ling Stones haben Künst­ler, die teils über meh­re­re Jahr­zehn­te Zug­pfer­de bei EMI waren, dem Kon­zern den Rücken gekehrt oder dies ange­kün­digt. Und egal, ob die Ver­trä­ger einen Musi­ker-Streik wirk­lich zulas­sen und ob aus den Res­ten der EMI wirk­lich ein pro­fi­ta­bler Kon­zern wer­den kann: Ich glau­be, wir erle­ben damit das letz­te Kapi­tel der Musik­in­dus­trie im alten Sin­ne und es wird ein Ende mit Schre­cken.

Es ist fast acht Jah­re her, dass Metal­li­ca-Drum­mer Lars Ulrich dem US-Senat vor­heul­te, dass die Musik sei­ner Band bei Naps­ter auf­ge­taucht sei. Die Poli­tik reagier­te auf die­ses völ­lig neu­ar­ti­ge Phä­no­men mit immer neu­en Geset­zen, die es nun auch in Deutsch­land wie­der ver­lo­cken­der erschei­nen las­sen, CDs direkt im Laden zu klau­en anstatt sie ille­gal her­un­ter­zu­la­den. Die Musik­kon­zer­ne reagier­ten unter ande­rem damit, dass sie ihren ver­blie­be­nen zah­len­den Kun­den High-Tech-Müll ver­kauf­ten, der auf vie­len Abspiel­ge­rä­ten nicht lief (beson­ders lus­tig beim Musik­kon­zern und Elek­tronik­her­stel­ler Sony) oder die Com­pu­ter-Sicher­heit des Käu­fers gefähr­de­ten. Spä­ter ver­such­ten sie, den Wert von Musik dadurch zu ver­mit­teln, dass sie ein­sa­me CDs ohne Book­let (BMG, inzwi­schen heim­lich, still und lei­se wie­der vom Markt ver­schwun­den) oder in bil­li­gen Papp­schu­bern (Uni­ver­sal) zu ver­meint­li­chen „Son­der­prei­sen“ auf den Markt war­fen.

Zuge­ge­ben: Auch ich habe kei­nen bril­lan­ten Plan, wie man auf die feh­len­de Bereit­schaft eines Teils (mög­li­cher­wei­se sogar tat­säch­lich eines Groß­teils) der Bevöl­ke­rung, für die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit von Musik Geld zu zah­len, reagie­ren soll­te. Womög­lich wür­de ich nicht mit der Belei­di­gung und Schi­ka­nie­rung der Rest-Kund­schaft begin­nen. Aber ich bin auch nicht die Musik­in­dus­trie, ich muss gar kei­nen bril­lan­ten Plan haben.

Viel­leicht ist das Wort „Musik­in­dus­trie“ allei­ne (Prof. Die­ter Gor­ny, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Deut­schen Pho­no-Aka­de­mie, spricht sogar von „Krea­tiv­wirt­schaft“) schon ein Irr­tum, ein schreck­li­ches Miss­ver­ständ­nis. Musik ist (wie Film, Lite­ra­tur, Thea­ter, bil­den­de Kunst) in ers­ter Linie Kunst und somit weder unter „Indus­trie“ noch unter „Wirt­schaft“ ein­zu­sor­tie­ren. Die Tat­sa­che, dass Groß­kon­zer­ne ein paar Jahr­zehn­te gut von der Ver­mark­tung die­ser Kunst leben konn­ten, ist his­to­risch betrach­tet eine Aus­nah­me, eine Art Ver­se­hen. Beet­ho­ven, van Gogh und Goe­the haben ihre Kunst nicht geschaf­fen, um damit irgend­wel­chen Unter­neh­mern zu Geld und Ruhm zu ver­hel­fen – im Fal­le von van Gogh hat es zu Leb­zei­ten nicht mal zu eige­nem Geld und Ruhm gereicht.

Natür­lich soll das im Umkehr­schluss nicht hei­ßen, dass alle Künst­ler hun­gern und ver­armt ster­ben sol­len. Selbst über die Fra­ge, ob ein Künst­ler wie Rob­bie Wil­liams einen 120-Mil­lio­nen-Euro-Ver­trag wert sein soll­te, lässt sich noch dis­ku­tie­ren – zumin­dest, wenn die Plat­ten­fir­ma durch die Ver­mark­tung von des­sen Musik ein Viel­fa­ches ein­nimmt. Ich glau­be aber, dass es eine irri­ge Idee ist, mit der Ver­mark­tung von Kunst auch noch jedes Jahr fet­te Ren­di­te erwirt­schaf­ten zu kön­nen. Thea­ter und Muse­en wer­den sub­ven­tio­niert, es gibt die Buch­preis­bin­dung und die Film­för­de­rung – was sagt uns das über die Wirt­schaft­lich­keit von Kul­tur, Stich­wort „Krea­tiv­wirt­schaft“?

Einer der Grund­sät­ze von Wirt­schaft ist die Sache mit Ange­bot und Nach­fra­ge. Was aber tun, wenn die Nach­fra­ge nach kos­ten­pflich­ti­ger Musik wirk­lich nach­lässt? Es wäre eine Mög­lich­keit, das Kon­zept „Songs gegen Koh­le“ zu beer­di­gen, aber das muss viel­leicht nicht mal sein. Eine neue Idee aber braucht es: Einer­seits wäre es wün­schens­wert, jun­gen Men­schen, die fünf Euro für einen Becher Kaf­fee mit Geschmack zah­len, klar zu machen, dass auch das Erdenken, Ein­spie­len, Pro­du­zie­ren und Ver­öf­fent­li­chen von Musik har­te Arbeit ist, ande­rer­seits erscheint es mir eini­ger­ma­ßen begreif­lich, dass kein nor­ma­ler Mensch 18 Euro für eine aktu­el­le CD zah­len will, wenn die­se vor ein paar Jah­ren noch 15 Euro gekos­tet hät­te. Ich mag CDs wirk­lich – ich mag es, das Book­let durch­zu­blät­tern und die Schei­be selbst in den Hän­den zu hal­ten -, aber die Dif­fe­renz von bis zu acht Euro zum lega­len Down­load lässt mich immer häu­fi­ger zum Down­load schwen­ken – zumal ich mir da die oft­mals erfolg­lo­se Suche bei „Saturn“ spa­ren und die Musik sofort hören kann.

Ich könn­te grund­sätz­lich wer­den, ein fehl­ge­lei­te­tes Wirt­schafts­sys­tem gei­ßeln und das Fass mit dem Grund­ein­kom­men auf­ma­chen. Das soll­te nicht aus den Augen gelas­sen wer­den, hilft aber im Moment auch nicht wei­ter. Im Moment droht 2000 Men­schen die Arbeits­lo­sig­keit, die selbst bei dem Ver­such, Künst­ler wie Lisa Bund oder Revol­ver­held an den Mann zu brin­gen, noch Enga­ge­ment zei­gen: die Ansprech­part­ner bei den Plat­ten­fir­men für Pres­se und Künst­ler, die schon in der Ver­gan­gen­heit so häu­fig wech­sel­ten wie sonst nur beim Speed Dating. Die ein­fa­chen Mit­ar­bei­ter, die bei Mee­tings auf Kaf­fee und Gebäck ver­zich­ten müs­sen, wäh­rend die Mana­ger in der Busi­ness Class um die Welt jet­ten und über­all zei­gen, wie wenig Ideen sie selbst noch haben. Und natür­lich geht es auch weni­ger um die Zukunft von Rob­bie Wil­liams und den Rol­ling Stones, als viel­mehr um die Chan­cen mög­li­cher Nach­wuchs­stars.

Dabei wird aber über­se­hen, dass der hoch­do­tier­te Major-Ver­trag, der lebens­lan­gen Reich­tum garan­tiert, längst schon Aus­nah­me statt Regel ist – vor allem aber ist er kein Muss mehr. Das Inter­net bie­tet so vie­le Mög­lich­kei­ten, Hörer (und damit poten­ti­el­le Käu­fer und Fans) zu fin­den, aber auch um die Ver­mark­tung selbst in die Hand zu neh­men. Zwar gehen Krea­ti­vi­tät und Mar­ke­ting- oder gar Finanz­ge­schick sel­ten Hand in Hand, aber das wird sich auch noch fin­den. Das nächs­te oder über­nächs­te „Inter­net­phä­no­men“ (und damit der Nach­fol­ger von den Arc­tic Mon­keys und Lily Allen) wird sei­ne Musik viel­leicht gar nicht mehr bei einer regu­lä­ren Plat­ten­fir­ma und auf CD her­aus­brin­gen.

Ich jeden­falls wür­de den Musi­kern, deren Werk ich schät­ze, mei­ne finan­zi­el­le Aner­ken­nung ger­ne direkt zukom­men las­sen. Ich war durch­aus noch bereit, mit dem Kauf einer Cold­play-CD zur Gegen­fi­nan­zie­rung klei­ne­rer Bands bei­zu­tra­gen. Aber ich habe wenig Bock, irgend­wel­chen geld­gei­len, men­schen- und kul­tur­ver­ach­ten­den hedge-fonds-Teil­ha­bern bei der Auf­bes­se­rung ihrer Ren­di­te zu hel­fen.

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Digital

Klickbefehl (6): Gegen den Strich

Doch nach Jah­ren des Nie­der­gangs herrscht Auf­bruch­stim­mung. Ver­la­ge und Kon­zert­ver­an­stal­ter boo­men. Bei den klei­ne­ren Plat­ten­fir­men gab es noch nie so vie­le Neu­grün­dun­gen. Und selbst unter den gro­ßen Musik­kon­zer­nen von Uni­ver­sal bis War­ner Music macht sich neue Hoff­nung breit. „Wir been­den das bes­te Jahr seit bestimmt sie­ben Jah­ren“, sagt Edgar Ber­ger, Deutsch­land-Chef von Sony-BMG.

Von wegen ver­hun­gern­de Mana­ger: Das Han­dels­blatt berich­tet über das „Come­back der Musik­in­dus­trie“.

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Wenigs­tens braucht man sich in Hes­sen vor­erst kei­ne Sor­gen um eine star­ke NPD zu machen. Denn Aus­län­der­het­ze über­nimmt der Minis­ter­prä­si­dent per­sön­lich. Und wenn er dann wie­der­ge­wählt ist, zeigt sich Roland Koch sicher wie­der ger­ne mit dem Dalai Lama oder bei der Ver­lei­hung des hes­si­schen Frie­dens­prei­ses.

Stef­fen Jen­ter kom­men­tiert bei tagesschau.de die jüngs­ten For­de­run­gen des hes­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Roland Koch, kri­mi­nel­le Aus­län­der schnel­ler abzu­schie­ben. [via Pott­blog]

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Schlim­mer ist aber noch, dass die Poli­zei ein­fach unter­stellt, alle Per­so­nen, die den Link ange­klickt hät­ten, sei­en dar­auf über das angeb­lich kin­der­por­no­gra­fi­sche Por­tal gekom­men. Dass der Link – mit viel­leicht irre­füh­ren­den oder gar kei­nen Inhalts­an­ga­ben, zum Bei­spiel über eine der unzäh­li­gen Link­lis­ten, in ande­ren Boards oder als Spam-Mail – auch ander­wei­tig ver­brei­tet wor­den sein könn­te, liegt außer­halb ihrer Vor­stel­lungs­welt. Oder sie blen­det es aus.

Udo Vet­ter berich­tet im Law­blog, wie schnell man Opfer poli­zei­li­cher Ermitt­lun­gen wer­den kann – alles im Namen einer eigent­lich guten Sache, dem Kampf gegen Kin­der­por­no­gra­phie.

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„Und? Wie fan­dest Du’s?“
„Ich weiß nicht. Ein biß­chen mul­mig wars mir schon. Das ist ne ganz ande­re Welt.“
„Ganz anders. Genau­so anders wie katho­li­sche Kir­chen, CSU-Par­tei­ta­ge oder Tup­per­waren­par­ty-Jah­res­haupt­ver­samm­lun­gen.“

Fré­dé­ric macht im Spree­blick eine klei­ne Moscheen-Besich­ti­gungs­tour.

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Musik Kultur

Ohne Ecken und Kanten

Ich mag Musik, wirk­lich. Ich mag Musik so sehr, dass ich jedes Jahr ein Hei­den­geld für Ton­trä­ger und Kon­zer­te aus­ge­be. Ger­ne wür­de ich den Musi­kern das Geld, das sie mei­ner Mei­nung nach dafür ver­dient haben, dass sie schö­ne wie trau­ri­ge Momen­te mei­nes Lebens unter­ma­len, selbst in die Hand drü­cken. Aber zwi­schen die Musi­ker und mich hat irgend­je­mand die Musik­in­dus­trie gesetzt.

Die Musik­in­dus­trie mag die Men­schen, von denen sie ihr Geld bekommt und die man anders­wo „Kun­den“ nennt, nicht so sehr. Sie kri­mi­na­li­siert sie, sie will sie aus­spio­nie­ren und sie will ihre Woh­nun­gen ver­schan­deln.

CD-Hülle (hinten), merkwürdiges Teil (vorne)

Im ver­gan­ge­nen Jahr kamen EMI und Uni­ver­sal in Euro­pa auf die absur­de Idee, Ton­trä­ger nicht mehr wie bis­her in die­sen ecki­gen Plas­tik­hül­len, den soge­nann­ten Jewel Cases, aus­zu­lie­fern, son­dern dafür Hül­len mit abge­run­de­ten Ecken zu neh­men, die Super Jewel Boxes. Die­se sol­len angeb­lich sta­bi­ler sein, haben aber den Nach­teil, dass man nicht ver­nünf­tig an das Book­let her­an­kommt, dass man die Hül­len nicht so leicht erset­zen kann, wenn sie doch mal kaputt gehen, und dass sie vor allem ziem­lich däm­lich aus­se­hen.

Im Regal wird die durch­ge­hen­de Kan­te, die alle neben­ein­an­der ste­hen­den CD-Hül­len sonst bil­de­ten, plötz­lich unschön unter­bro­chen von den neu­en Hül­len, die mit ihren Run­dun­gen aus­se­hen wie Kin­der­spiel­zeug für Drei­jäh­ri­ge.

Das war mir bis­her alles rela­tiv egal, denn bei CD Wow kann man die inter­na­tio­na­len Ver­sio­nen der CDs kau­fen. Zu Zei­ten des soge­nann­ten Kopier­schut­zes, der auf mei­nen Gerä­ten immer ein Abspiel­schutz war, bekam man dort ech­te CDs, die man sogar hören konn­te, spä­ter dann wei­ter­hin CDs in ecki­gen Hül­len. „Bekam“, denn heu­te kam die ers­te Lie­fe­rung von CD Wow mit run­den Ecken.

Oasis 1997 (eckig, hinten), Rihanna 2007 (abgerundet, vorne)

Wo Sie grad „Don’t judge a book by its cover“ sagen: Auch auf dem Buch­markt gibt es schlech­te Nach­rich­ten. Nach­dem man uns jah­re­lang mit extrem edlen, mat­ten Taschen­buch­co­vern beglückt hat­te, schwen­ken nun die ers­ten Ver­la­ge wie­der zu den extrem bil­lig aus­se­hen­den, Fin­ger­ab­druck­freund­li­chen Ein­bän­den in Hoch­glanz­op­tik zurück.

In was für einer Welt leben wir eigent­lich, wo schon die Mit­ar­bei­ter der Kul­tur­in­dus­trie jed­we­des ästhe­ti­sches Gespür ver­mis­sen lassen?????ß

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Gesellschaft Musik

Die Vergangenheit der Musikindustrie

Die wenigs­ten Jugend­li­chen, die heu­te Musik hören (und das sind laut neu­es­ten Umfra­gen 98% der Euro­pä­er), wer­den wis­sen, wel­ches Jubi­lä­um die­ser Tage began­gen wird: Vor 25 Jah­ren schloss Sony­Uni­ver­sal, die letz­te Plat­ten­fir­ma der Welt, ihre Pfor­ten. Ein Rück­blick.

Es war ein wich­ti­ger Tag für Deutsch­land, als der Bun­des­tag der Musik­in­dus­trie im Jahr 2009 das Recht ein­räum­te, soge­nann­te „Ter­ror­ko­pie­rer“ (die Älte­ren wer­den sich viel­leicht auch noch an den archai­schen Begriff „Raub­ko­pie­rer“ erin­nern) selbst zu ver­fol­gen und bestra­fen. Als unmit­tel­ba­re Fol­ge muss­ten neue Gefäng­nis­se gebaut wer­den, da die alten staat­li­chen Zucht­häu­ser dem Ansturm neu­er Insas­sen nicht Herr wer­den konn­ten. Dies war die Geburts­stun­de der Pri­so­nia AG, dem Kon­sor­ti­um von Bau- und Musik­in­dus­trie und heu­te wich­tigs­tem Unter­neh­men im EuAX. Die Wie­der­ein­füh­rung der Todes­stra­fe schei­ter­te im Jahr dar­auf nur am Veto von Bun­des­prä­si­dent Fischer – die gro­ße Koali­ti­on aus FDP, Links­par­tei und Grü­nen hat­te das Gesetz gegen die Stim­men der Pira­ten­par­tei, damals ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­par­tei im Bun­des­tag, ver­ab­schie­det.

Im Jahr 2011 fuhr der frisch fusio­nier­te Major War­ne­rE­MI den höchs­ten Gewinn ein, den je ein Unter­hal­tungs­kon­zern erwirt­schaf­tet hat­te. Kri­ti­ker wie­sen schon damals dar­auf hin, dass dies vor allem auf die völ­li­ge Abschaf­fung von Steu­ern für die Musik­in­dus­trie und die Tat­sa­che zurück­zu­füh­ren sei, dass die soge­nann­ten „Klin­gel­tö­ne“, klei­ne Musik­frag­men­te auf den damals so belieb­ten „Mobil­te­le­fo­nen“, für jede Wie­der­ga­be extra bezahlt wer­den muss­ten – eine Pra­xis, die War­ne­rE­MI zwei Jah­re spä­ter auch für sei­ne MP5-Datei­en ein­führ­te.

Die Anzei­chen für einen Stim­mungs­um­schwung ver­dich­te­ten sich, wur­den aber von den Unter­neh­men igno­riert: Der erfolg­reichs­te Solo-Künst­ler jener Tage, Jus­tin Tim­ber­la­ke, ver­öf­fent­lich­te sei­ne Alben ab 2010 aus­schließ­lich als kos­ten­lo­se Down­loads im Inter­net und als Delu­xe-Vinyl-Ver­sio­nen im „Apple Retro Store“. Heu­te fast ver­ges­se­ne Musi­ker wie Madon­na, Rob­bie Wil­liams oder die Band Cold­play folg­ten sei­nem Vor­bild. Hohn und Spott gab es in allen Medi­en für den dama­li­gen CEO von War­ne­rE­MI, als der in einem Inter­view mit dem Blog „FAZ.net“ hat­te zuge­ben müs­sen, die Beat­les nicht zu ken­nen.

Die­se öffent­li­che Häme führ­te zu einem umfas­sen­den Pres­se­boy­kott der Musik­kon­zer­ne. Renom­mier­te Musik­ma­ga­zi­ne in Deutsch­land und der gan­zen Welt muss­ten schlie­ßen, Musik­jour­na­lis­ten, die nicht wie die Redak­teu­re des deut­schen „Rol­ling Stone“ direkt in Ren­te – wie man es damals nann­te – gehen konn­ten, grün­de­ten eine Bür­ger­rechts­be­we­gung, die schnell ver­bo­ten wur­de. Die Lun­te aber war ent­facht.

Im Herbst 2012 kün­dig­te Prof. Die­ter Gor­ny, damals Vor­sit­zen­der der „Kon­sum-Agen­tur für Run­de Ton­trä­ger, Elek­tri­sche Lie­der und Licht­spie­le“ (K.A.R.T.E.L.L.), sei­ne Kanz­ler­kan­di­da­tur an, wor­über der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Gui­do Wes­ter­wel­le alles ande­re als erfreut war. Er setz­te neue Kom­mis­sio­nen für Medi­en- und Kul­tur­in­dus­trie ein und kün­dig­te eine mög­li­che Zer­schla­gung der Musik­kon­zer­ne an. Die­se fusio­nier­ten dar­auf­hin in einer „freund­li­chen feind­li­chen Über­nah­me“ am Euro­päi­schen Kar­tell­amt vor­bei zum Kon­zern Sony­Uni­ver­sal­EMI und droh­ten mit einer Abwan­de­rung in die Mon­go­lei und damit dem Ver­lust der rest­li­chen 300 Arbeits­plät­ze.

Aber weder Kanz­ler Wes­ter­wel­le noch das deut­sche Volk lie­ßen sich erpres­sen: Zum 1. Janu­ar 2013 muss­te MTVi­va den Sen­de­be­trieb ein­stel­len. Die neu­ge­grün­de­te Bun­des­me­di­en­auf­sicht unter Füh­rung des par­tei­lo­sen Ste­fan Nig­ge­mei­er hat­te dem Fern­seh­sen­der, der als soge­nann­ter Musik­ka­nal galt, die Sen­de­li­zenz ent­zo­gen, da die­ser weni­ger als die gesetz­lich gefor­der­ten drei Musik­vi­de­os täg­lich gespielt hat­te. Die Cas­ting­show „Euro­pa sucht den Super­star“ erwies sich für Sony­Uni­ver­sal­EMI als über­ra­schen­der Mega-Flop, der Wert des Unter­neh­mens brach um ein Drit­tel ein, das „EMI“ ver­schwand aus dem Namen.

Im Ber­li­ner Unter­grund grün­de­te sich die Deut­sche (heu­te: Euro­päi­sche) Musi­can­ten­gil­de. Deren heu­ti­ger Ehren­vor­sit­zen­de Thees Uhl­mann erin­nert sich: „Es war ja damals schon so, dass die klei­nen Bands ihr Geld aus­schließ­lich über Kon­zer­te machen konn­ten, die ja dann auch noch ver­bo­ten wer­den soll­ten. Erst haben wir unse­re CDs ja selbst raus­ge­bracht, aber als die Musik­kon­zer­ne dann die Her­stel­lung von CDs außer­halb ihrer Fabri­ken unter Stra­fe stel­len lie­ßen, muss­ten wir auf Kas­set­ten aus­wei­chen.“ Heu­te kaum vor­stell­bar: Das Magnet­band galt damals als so gut wie aus­ge­stor­ben, nur die klei­ne Manu­fak­tur „Tele­fun­ken“ pro­du­zier­te über­haupt noch Abspiel­ge­rä­te, die ent­spre­chend heiß begehrt waren.

Am 29. Novem­ber 2013, heu­te vor 25 Jah­ren, war es dann soweit: Der Volks­zorn ent­lud sich vor der Sony­Uni­ver­sal-Zen­tra­le am Ber­li­ner Reichs­tags­ufer. Das Medi­en­ma­ga­zin „Cof­fee & TV“ hat­te kurz zuvor auf­ge­deckt, dass die Musik­in­dus­trie jah­re­lang hoch­ran­gi­ge Mit­ar­bei­ter gedeckt hat­te, die durch „Ter­ror­ko­pie­ren“ auf­ge­fal­len waren. Wäh­rend der nor­ma­le Bür­ger für sol­che Ver­bre­chen bis zu sechs Jah­re ins Gefäng­nis muss­te, waren die Mana­ger und Pro­mo­ter straf­frei aus­ge­gan­gen. Als nun die Mut­ter des drei­jäh­ri­gen Tim­mie zu einem hal­ben Jahr Arbeits­dienst ver­ur­teilt wer­den soll­te, weil sie ihrem Sohn ein Schlaf­lied vor­ge­sun­gen hat­te, ohne die dafür fäl­li­gen Lizenz­ge­büh­ren von 1.800 Euro zah­len zu kön­nen, zogen die Bür­ger mit Fackeln und selbst gebas­tel­ten Gal­gen zum „Die­ter-Boh­len-Haus“ am Spree­bo­gen.

Das Gebäu­de brann­te bis auf die Grund­mau­ern nie­der, dann zog der Mob unter den Augen von Feu­er­wehr und Poli­zei wei­ter zur Zen­tra­le der „GEMA“ am Kur­fürs­ten­damm (der heu­ti­gen Toyo­ta-Allee). Wie durch ein Wun­der wur­de an die­sem Tag nie­mand ernst­lich ver­letzt. Die meis­ten Füh­rer der Musik­in­dus­trie konn­ten ins nord­ko­rea­ni­sche Exil flie­hen, den „klei­nen Fischen“ wur­de Straf­frei­heit zuge­si­chert, wenn sie ein Berufs­ver­bot akzep­tier­ten und einer drei­jäh­ri­gen The­ra­pie zustimm­ten.

Drei Tage spä­ter fand im Ber­li­ner Tier­gar­ten ein gro­ßes Kon­zert statt, die ers­te öffent­li­che Musik­auf­füh­rung in Euro­pa seit vier Jah­ren. Die Kili­ans, heu­te Rock­le­gen­den, damals noch jun­ge Män­ner, spiel­ten vor zwei Mil­lio­nen Zuhö­rern, wäh­rend die Bil­der von gestürz­ten Die­ter-Gor­ny-Sta­tu­en um die Welt gin­gen.

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Recycling

Erin­nern Sie sich an Max Bus­kohl?

Okay, das ist eine gemei­ne Fra­ge. In der schnell­le­bi­gen Zeit von TV-Cas­ting­shows weiß ja schon nie­mand mehr, wer vor einem hal­ben Jahr bei „Deutsch­land sucht den Super­star“ gewon­nen hat – geschwei­ge denn, wer drei Wochen zuvor aus der Sen­dung aus­ge­stie­gen war.

Ande­rer­seits war die Max-Bus­kohl-Geschich­te so unin­ter­es­sant ja nicht: Immer­hin schmiss der jun­ge Mann im April angeb­lich hin, weil er einen Plat­ten­ver­trag für sei­ne gesam­te Band haben woll­te, wor­auf­hin ihn Ste­fan Raab zu „TV Total“ ein­lud, was aber aus ver­trag­li­chen Grün­den nicht ging, wes­we­gen Raab erst umstrit­te­ne Gra­fi­ken ein­blen­de­te und dann einen eige­nen Talent­wett­be­werb ins Leben rief, der zur Zeit läuft und musi­ka­lisch inter­es­san­ter ist als alle bis­he­ri­gen „DSDS“-Staffeln zusam­men.

Doch zurück zu Max Bus­kohl: Des­sen Band Emp­ty Trash, für die er damals angeb­lich einen Plat­ten­ver­trag haben woll­te, hat natür­lich sofort einen gekriegt – bei Capi­tol Racords, einer Toch­ter von EMI, dem schärfs­ten Kon­kur­ren­ten der „DSDS“-Plattenfirma SonyBMG.

Ver­gan­ge­ne Woche erschien die ers­te Sin­gle „Limi­t­ed“ und da wol­len wir doch erst ein­mal kurz rein­hö­ren:

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Lachen Sie jetzt mal nicht über das Video: Ver­gli­chen mit den doch sehr Schü­ler­band-mäßi­gen Songs, die Emp­ty Trash vor ihrem Sig­ning auf ihrer Web­site hat­ten, ist das musi­ka­lisch eine ziem­li­che Wei­ter­ent­wick­lung. Der Schwe­de Patrick Ber­ger, der das Album mit Bus­kohls Vater Carl Carl­ton pro­du­ziert hat, mag viel­leicht ein biss­chen viel Pla­ce­bo und The Kil­lers gehört haben, bevor er am Misch­pult Platz nahm (die Plat­ten­fir­ma möch­te beson­ders dar­auf hin­wei­sen, dass die Sin­gle von Pel­le Gun­n­ar­feldt abge­mischt wur­de, der sonst für The Hives, The (Inter­na­tio­nal) Noi­se Con­spi­ra­cy und Last Days Of April arbei­tet – doof nur, dass der Mann Gunnerfeldt heißt), aber die Stro­phen haben schon einen durch­aus net­ten Zug nach vor­ne. Scha­de, dass sie in einen der­art H‑Blockx-mäßi­gen Brüll-Refrain mün­den.

Lan­ge Rede, kur­zer Sinn: Von allen Ex-Cas­ting­show-Kan­di­da­ten Deutsch­lands ist Max Bus­kohl mit sei­ner Band Emp­ty Trash mit Sicher­heit der viel­ver­spre­chends­te. Solch ein Lob erin­nert natür­lich erst mal an den Ein­äu­gi­gen, der unter den Blin­den König ist, aber viel­leicht geht da ja wirk­lich noch was mit dem Album, das nächs­te Woche erscheint. Auch wenn Sound und Art­work wie­der mal völ­lig kon­ser­va­tiv alter­na­ti­ve sind: Mir ist es in jedem Fall lie­ber, wenn die Kin­der und Jugend­li­chen sich sowas anhö­ren als eine wei­te­re von Die­ter Boh­len geschrie­be­ne Power­schnul­ze.

P.S.: Machen Sie doch mit beim lus­ti­gen „Limited“-Puzzle. Ich hab schon bei­na­he alle Pla­ce­bo-Songs und Tei­le von „Lea­ving New York“ von R.E.M. wie­der­ent­deckt.

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Musik

Britpop 2.0

The Ver­ve haben sich acht Jah­re nach ihrer Auf­lö­sung wie­der zusam­men­ge­fun­den, um gemein­sam auf Tour zu gehen und ein Album ein­zu­spie­len.

Ges­tern ver­öf­fent­lich­ten sie bei NME.com einen 14minütigen Mit­schnitt der ers­ten gemein­sa­men Jam­ses­si­on. Zwar sind sie damit nicht die ers­te Band, bei der man Mäus­chen im Pro­be­raum spie­len darf, aber eben eine wei­te­re der gol­de­nen Jah­re der bri­ti­schen Rock­mu­sik, die zu unge­wöhn­li­chen Ver­öf­fent­li­chungs­me­tho­den greift.

Radio­heads „In Rain­bows“ ent­wi­ckel­te sich für die Band zu einem schnel­len Erfolg, obwohl oder gera­de weil man es auch kos­ten­los legal her­un­ter­la­den kann. Sofort tauch­ten Gerüch­te auf, auch Oasis und Jami­ro­quai – eben­falls Bands, denen es nicht mehr auf jeden Pen­ny ankom­men dürf­te – wür­den mit ihren neu­en Alben nach­zie­hen. Die neue Char­la­tans-Sin­gle kann man seit ges­tern kos­ten­los beim Radio­sen­der XFM her­un­ter­la­den, das kom­plet­te Album soll im nächs­ten Jahr fol­gen.

So lang­sam stellt sich da natür­lich auch die Fra­ge, wie lan­ge sol­che Aktio­nen eigent­lich noch etwas beson­de­res sein wer­den. Weni­ger in dem Sin­ne, dass der­ar­ti­ge Down­loads bald die CD ersetzt haben wer­den (das kann ich mir bei aller Unfä­hig­keit der Musik­in­dus­trie nur schwer vor­stel­len), als viel­mehr so, dass die Down­loa­d­an­ge­bo­te infla­tio­när wer­den und schon bald kei­nen mehr inter­es­sie­ren.

The Ver­ve in allen Ehren1, aber Pro­be­raum­mit­schnit­te lan­de­ten frü­her auf obsku­ren Boot­legs, B‑Seiten, Antho­lo­gien oder Hid­den Tracks. Fans muss­ten lan­ge nach sol­chen Sachen suchen, heu­te bekommt man sie ein­fach geschenkt. Die Hard­core-Fans wer­den sich auch dar­über freu­en, aber es wird viel­leicht auch Leu­te geben, die den Stand­punkt „Was nix kos­tet ist auch nix!“ ver­tre­ten und die geschenk­ten Tracks dann für irgend­wie weni­ger wer­tig hal­ten.

Es bleibt jeden­falls span­nend.

1 Wenn die nach acht Jah­ren beim ers­ten Rum­dad­deln so klin­gen, bin ich mal wirk­lich auf die ein­ge­spiel­te Band im Stu­dio gespannt.

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Musik Digital

Knives Out

Am Mitt­woch erschien also das neue Radio­head-Album „In Rain­bows“ als Down­load. Angeb­lich hat die Band schon am ers­ten Tag 1,2 Mil­lio­nen Alben zu einem durch­schnitt­li­chen Preis von 4£ ver­kauft – und hät­te damit knapp sie­ben Mil­lio­nen Euro ver­dient.

Da es noch kein offi­zi­el­les Art­work gibt, hat visions.de sei­ne Leser zu einem Mal­wett­be­werb auf­ge­ru­fen – und kam damit zwei Tage zu spät.

Wie auch immer das mit der Musik­in­dus­trie wei­ter­ge­hen mag: „In Rain­bows“ und das Drum­her­um sind schon jetzt etwas ganz beson­de­res.

P.S.: Das Album ist gut. Viel­leicht schreib ich noch mal mehr dazu.

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Musik Digital

Anyone Can Sell Records

Radio­head haben weit­ge­hend über­ra­schend ange­kün­digt, ihr neu­es Album „In Rain­bows“ bereits in zehn Tagen zu ver­öf­fent­li­chen – zumin­dest als Down­load.

Ähn­lich wie die Kana­di­er Stars, die ihr neu­es Album „In Our Bed­room After The War“ auch direkt nach dem Mas­te­ring als kos­ten­pflich­ti­gen Down­load zur Ver­fü­gung stell­ten, wol­len wohl auch die Man­nen um Thom Yor­ke so wenigs­tens ein biss­chen an den sowie­so früh­zei­tig ein­set­zen­den Down­loads mit­ver­die­nen. Der Unter­schied: Bei Radio­head kann jeder Down­loa­der selbst ent­schei­den, wie viel er für das Album bezah­len will.

Moment, das war nicht ganz ange­mes­sen for­ma­tiert. Noch­mal:

Bei Radio­head kann jeder Down­loa­der selbst ent­schei­den, wie viel er für das Album bezah­len will!!!!!!1

Außer­dem kann man eine Disc­box des Albums, die am 3. Dezem­ber erschei­nen wird, für 40 Pfund bestel­len – man erhält das Album dann auf Vinyl und CD und als Down­load, sowie eine zusätz­li­che CD mit acht Bonus­tracks. Eine regu­lä­re Ver­öf­fent­li­chung auf CD (und mög­li­cher­wei­se auch mit einer Plat­ten­fir­ma im Rücken) ist fürs nächs­te Früh­jahr geplant.

Links:
Die Web­site zum Album
Eine aus­führ­li­che Wür­di­gung im taz-Pop­b­log
Die Mel­dung beim NME
Eine Vor­schau auf das Album anhand von Live-Vide­os im NME-Blog

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Musik

Heulen und Zähneklappern

Stel­len Sie sich vor, Sie wür­den von der ame­ri­ka­ni­schen Musik­in­dus­trie­or­ga­ni­sa­ti­on RIAA für die Benut­zung von Inter­net-Tausch­bör­sen auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Was wäre schlim­mer: die Aus­sicht auf kost­spie­li­ge Zah­lun­gen und einen mög­li­chen Gefäng­nis­auf­ent­halt oder die Pres­se­mel­dung, dass Sie unter ande­rem „My Favo­ri­te Mista­ke“ von Sheryl Crow und „Did­n’t We Almost Have It All“ von Whit­ney Hous­ton her­un­ter­ge­la­den hät­ten?