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Robbie’s Coming Home

„Rob­bie Wil­liams ist bei Take That aus­ge­stie­gen. Der Grund: Er möch­te end­lich mal gute Musik machen.“ Die­sen Witz riss ich im Alter von elf Jah­ren in der damals von mir mode­rier­ten Late Night Show (Publi­kum: mei­ne bei­den jün­ge­ren Geschwis­ter) und auch wenn der dort ent­hal­te­ne Boy­band-Burn der vor­pu­ber­tä­ren Genervt­heit über Klas­sen­ka­me­ra­din­nen, die das alles ganz toll fan­den, geschul­det war (und ich Take That heim­lich auch immer schon ganz gut fand — wenn auch nicht so gut wie East 17), möch­te ich mir mehr als 30 Jah­re spä­ter ein­fach mal attes­tie­ren: Ja.

Ich habe vor unge­fähr zwei Jah­ren schon mal über Rob­bies Früh­werk und des­sen Bedeu­tung für mei­ne eige­ne Musik­bio­gra­phie geschrie­ben. Jetzt hat er die Hei­li­ge Drei­fal­tig­keit des altern­den Pop­stars (Grea­test-Hits-Album mit Orches­ter­be­glei­tung, Net­flix-Doku, Bio­pic mit Affe) hin­ter sich und kann nach vor­ne gucken. Zumin­dest theo­re­tisch, denn das Cover sei­nes 13. Stu­dio­al­bums ziert ein Foto von Rob­bies legen­dä­rem Glas­ton­bu­ry-Wochen­en­de 1995, als er 21-jäh­rig mit den Gal­lag­her Brot­hers sei­nen Abschied von Take That recht zünf­tig beging — hier aller­dings schon muse­ums­reif aus­ge­stellt und von jun­gen Bil­der­stür­mern mit Far­be beschmiert.

Robbie Williams - Britpop (Albumcover)

Dazu der Titel: „Brit­pop“. Jene Par­ty, zu der Rob­bie mit sei­nen ers­ten bei­den Alben „Life Thru A Lens“ (1997) und „I’ve Been Expec­ting You“ (1998) reich­lich spät stieß, zu der er mit Songs wie „Old Befo­re I Die“, „Strong“, „No Reg­rets“, „Lazy Days“ oder „It’s Only Us“ aber durch­aus noch Signi­fi­kan­tes bei­zu­steu­ern hat­te. Er habe das Album erschaf­fen, das er nach sei­nem Aus­stieg bei Take That habe schrei­ben und ver­öf­fent­li­chen wol­len, erklär­te er dann auch beflis­sen bei der Ankün­di­gung im ver­gan­ge­nen Mai — und die Brit­pop-Rob­bie-Fans von damals dach­ten: „Been The­re Then“.

Das Album soll­te zunächst im letz­ten Herbst erschei­nen, wur­de dann wegen Tay­lor Swifts „The Life Of A Show­girl“ auf den Febru­ar ver­scho­ben, und schließ­lich ohne wei­te­re Vor­war­nung doch ver­gan­ge­nen Frei­tag gedroppt. Offen­bar arbei­ten Mega­stars inzwi­schen genau­so erra­tisch wie Behör­den, gro­ße Fuß­ball­ver­ei­ne oder der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk. Viel­leicht lag es dar­an, dass Har­ry Styl­es, der Har­ry Kane zu Rob­bies David Beck­ham, letz­te Woche ein neu­es Album für den 6. März ange­kün­digt hat und der Alt­meis­ter dem (auch nicht mehr ganz so) Jung­star aus dem Weg gehen woll­te.

Tat­säch­lich ver­sprü­hen die ers­ten Songs des Albums – die ers­te Sin­gle „Rocket“ mit Tony Iom­mi von Black Sab­bath an der Gitar­re, „Spies“, „Pret­ty Face“ – eine ähn­lich jugend­li­che Luft­gi­tar­ren-Ener­gie wie das Williams’sche Früh­werk. Sie brin­gen aber auch über­ra­schen­de Erin­ne­run­gen an „Esca­po­lo­gy“ mit, das etwas zwei­schnei­di­ge, angeb­lich so „ame­ri­ka­ni­sche“ Album von 2002, das den Abschied von Rob­bies lang­jäh­ri­gem Song­wri­ting-Part­ner Guy Cham­bers (und damit nach Ansicht vie­ler: den Anfang vom Ende) mar­kier­te und die letz­ten wirk­lich gro­ßen Songs („Feel“, „Come Undo­ne“) ent­hielt.

„Pret­ty Face“ zitiert direkt Nir­va­na („Hel­lo, hel­lo, hel­lo, how low“), „Cocky“ (geschrie­ben mit Gaz Coom­bes von Super­grass) erin­nert ans eige­ne „Man Machi­ne“, „Bite Your Ton­gue“ direkt noch mal an „Rocket“. Stö­cke und Stei­ne, die Kno­chen bre­chen und „Human“ eröff­nen, hat­ten wir schon 2001 in „Toxic“, aber das geht ja alles eh auf einen alten Kin­der­reim zurück und über­haupt: War­um denn nicht nach 30 Jah­ren Solo-Kar­rie­re jetzt auch mal flei­ßig Selbst­zi­tat? „Brit­pop“ ist ja eh selbst­be­wusst meta — bis hin zur Idee, als Titel eine Gen­re­bezeich­nung zu neh­men, die zumin­dest damals von allen gehasst wur­de, die damit bedacht wur­den. Wir Alt-Fans aber neh­men dank­bar alles, nur nicht noch mal sowas wie „Rude­box“ oder das zwei­te Swing-Album!

Inhalt­lich wirkt es ein wenig, als sei er bei „Love My Life” aus dem Jahr 2016 hän­gen­ge­blie­ben: Wir waren mal jung und haben da viel (*zwink­er­zwin­ker*) erlebt; jetzt gera­de ist Fami­lie das Wich­tigs­te; wer weiß, wie viel Zeit uns bleibt. Das alles ist ja nun wirk­lich das exak­te Gegen­teil von Rock ’n‘ Roll, aber eben auch Lebens­wirk­lich­keit sei­ner Xen­ni­al fan base und von daher: Bit­te! „Youth is was­ted on the young“, hat­te Rob­bie ja schon 2001 in „Eter­ni­ty“ geklagt und dabei Geor­ge Ber­nard Shaw (mut­maß­lich) nicht zitiert.

Ob es jetzt wirk­lich noch ein Song mit „my life“ im Titel sein muss­te (hier: „All My Life“), sei mal dahin­ge­stellt, aber der Refrain ist schon wie­der so hym­nisch, dass man – das alko­hol­freie Getränk noch in der Hand – schon wie­der die Tanz­flä­che stür­men und sich brom­an­tisch in den Armen lie­gen muss! Außer­dem beschert uns Rob­bie mal wie­der – die Lis­te ist ja inzwi­schen lang – eine groß­ar­ti­ge Selbst­cha­rak­te­ri­sie­rung: „The only thing I’d miss is mis­be­ha­viour /​ I’ve made fri­ends with kno­wing that I’m stran­ge /​ Maso­chi­stic, but I’m always enter­tai­ning /​ And I know l’Il die, but l’Il never lea­ve the stage“. Klar, dass man so einen Song dann nicht etwa mit einem Knall been­det, son­dern 80er-Jah­re-mäßig aus­fa­den lässt.

„Bite Your Ton­gue“ gibt sich so etwas ähn­li­ches wie poli­tisch: „Wham bam, ain’t it a scam /​ Afgha­ni­stan and Viet­nam“. Wenn Rob­bie dann auch noch eine 80er-Jah­re-Band mit dem Todes­schüt­zen von Robert F. Ken­ne­dy gleich­setzt („Duran Duran is a Sir­han Sir­han“), steht fest: „poli­tisch“ in dem Sin­ne wie „Palim, Palim“ — aber auch dort hat ja inzwi­schen eine Umdeu­tung statt­ge­fun­den.

Mit „Mor­ris­sey“ (geschrie­ben mit Gary Bar­low!) lie­fert Rob­bie einen wei­te­ren Bei­trag zum Sub­gen­re „Lie­der über den The-Smit­hs-Sän­ger“, mit dem man inzwi­schen gan­ze Com­pi­la­ti­on-Alben fül­len könn­te, was natür­lich deut­lich erfreu­li­cher ist, als dem kom­plett durch­ge­dreh­ten Ras­sis­ten, Tier­rechts­hy­per­ak­ti­vis­ten und Gele­gen­heits-Musi­ker selbst wei­ter zuzu­hö­ren. 1

„It’s OK Until The Drugs Stop Working“ grüßt im Titel The Ver­ve (Rob­bie muss nach den Auf­nah­me­ses­si­ons Mus­kel­ka­ter vom Zwin­kern und Zuni­cken gehabt haben), erin­nert musi­ka­lisch aber über­ra­schend an den inzwi­schen auch schon 20 Jah­re alten Indiepop-Kra­cher „We’re From Bar­ce­lo­na“ — falls sich da außer mir noch irgend­je­mand dran erin­nern kann.

Klingt der Refrain von „Spies“, als wäre er in den „Cham­pa­gne Supernova“-Kelch gefal­len? Ja, klar. Ande­rer­seits: War­um denn auch nicht? Da könn­te man ja gleich die ver­meint­lich man­geln­de Ori­gi­na­li­tät der Gal­lag­hers kri­ti­sie­ren! Das Album wur­de geschrie­ben und auf­ge­nom­men, bevor Oasis wie­der die Band der Stun­de waren (und Richard Ash­croft und Cast zur Par­ty mit­brach­ten), jetzt passt plötz­lich alles zusam­men bei die­sem gro­ßen Welt­klas­sen­tref­fen.

Dabei gilt über­ra­schen­der­wei­se das, was The Hold Ste­ady in „Stay Posi­ti­ve“ über eine ganz ande­re Musik­sze­ne schrie­ben: „There’s gon­na come a time when the true sce­ne lea­ders /​ For­get whe­re they dif­fer and get big pic­tu­re /​ ‚cau­se the kids at the shows, they’ll have kids of their own /​ The sing along songs will be our scrip­tures“. Wenn „Brit­pop“ wirk­lich die ange­spro­che­ne Selbst­ver­wirk­li­chung ist und dabei noch so soli­den Fan-Ser­vice leis­tet, haben wir doch alle was davon!

Natür­lich gibt es das Album auch in einer „Delu­xe Edi­ti­on“, die die Dra­ma­tur­gie des eigent­li­chen Albums (das mit einer Schlaf­lied-Repri­se von „Pocket“ endet), ad absur­dum führt. Das aller­dings – Rob­bie bleibt Rob­bie – gleich sehr gründ­lich, denn der fina­le Song „Desi­re“, der die Son­der­aus­ga­be nach über einer Stun­de beschließt, ist eine „Offi­ci­al FIFA Anthem“, gesun­gen mit Lau­ra Pausi­ni, und min­des­tens so schreck­lich, wie man es ange­sichts des Fuß­ball­welt­ver­ban­des erwar­ten wür­de. Wenn raus­kä­me, dass der gan­ze Song von einer KI mit dem Auf­trag erstellt wur­de, eine schrei­end kli­schier­te Pathos­quatsch­schleu­der im Sti­le von Ima­gi­ne Dra­gons zu pro­du­zie­ren, wäre man nicht im Min­des­ten über­rascht — es wäre viel­mehr die kon­se­quen­te Fort­set­zung von Rob­bies Auf­tritt bei der Eröff­nung der Fuß­ball-WM 2018 in Mos­kau, bei der er der ver­sam­mel­ten Welt­öf­fent­lich­keit den Mit­tel­fin­ger ent­ge­gen­streck­te. Wenn die FIFA so ver­ant­wor­tungs­los mit Geld umgeht, ist es kein Wun­der, dass sie die Scheich­mil­li­ar­den und das „dyna­mic pri­cing“ braucht.

Wenn man die zusätz­li­chen Tracks aller­dings als Rechts­nach­fol­ger der B‑Seiten sieht – jenem aus­ge­stor­be­nen Medi­um, in dem Rob­bie damals ähn­lich pro­duk­tiv war wie all die gro­ßen Brit­pop-Bands -, dann ergibt es wie­der Sinn. Irgend­wie. „Sel­fi­sh Dis­co“ ist ein Aus­flug in ein ande­res Gen­re; „G.E.M.B.“ (das steht für „Green Eyed Men­tal Boy“) ein wei­te­res Gitar­ren­brett in der Tra­di­ti­on von „The World’s Most Hand­so­me Man“ (auch text­lich); und „Com­ment Sec­tion“ macht sich über Social-Media-Nutzer*innen lus­tig (inkl. gut gelaun­ter Ein­la­dung zum Shit­s­torm: „I’m a fan of K‑Pop and One Direc­tion“). Das haben von Tay­lor Swift über die Pet Shop Boys bis hin zu Mar­cus Wie­busch zwar wirk­lich schon alle durch­ex­er­ziert, aber Pop­kul­tur ist ja immer Spie­gel ihrer Zeit — und Social Media ist eben die Umwelt­ver­schmut­zung der Gegen­wart. 2

„Brit­pop“ ist das musi­ka­li­sche Äqui­va­lent dazu, wenn sich Män­ner über 40 – man­che mit Bier­bauch, man­che frisch getrennt, man­che gera­de wer­den­de Väter – zum gemein­sa­men Fuß­ball­spie­len tref­fen: Es sieht nicht mehr so ath­le­tisch aus wie frü­her; bei man­chen Aus­ru­fen hofft man, dass die eige­ne peer group gera­de nicht zuhört; das kon­su­mier­te Bier wird man mor­gen noch mer­ken — aber in einer Welt, in der man lie­ber gar kei­ne Nach­rich­ten mehr kon­su­miert, gibt die­ses Ritu­al ein Gefühl von Sta­bi­li­tät. Rob­bie Wil­liams hält auch mit 51 das Ver­spre­chen, das er uns im ers­ten Song sei­nes Solo-Debüts gege­ben hat: „And we will have /​ A jol­ly good time“.

Rob­bie Wil­liams – Brit­pop
(Sony Music, 16. Janu­ar 2026)
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  1. Aktu­ells­tes Bei­spiel: „Dear Ste­phen“ von den Manic Street Pre­a­chers, Zeit­ge­nos­sen der gro­ßen Brit­pop-Pha­se und im Jahr 2000 von Rob­bie schon in „By All Means Neces­sa­ry“ nament­lich erwähnt, aus dem ver­gan­ge­nen Jahr.[]
  2. Neben Umwelt­ver­schmut­zung.[]
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Listenpanik: Songs 2008

Ich bin einer die­ser Men­schen, die Sil­ves­ter has­sen wie sonst nur Ebe­nee­zer Scr­oo­ge das Weih­nachts­fest. Ich kann nichts Fest­li­ches oder Tol­les dar­an erken­nen, neue Kalen­der auf­hän­gen und mit­neh­men zu müs­sen und auch das Durch­strei­chen von fal­schen Jah­res­zah­len im Janu­ar (das seit der Ein­füh­rung des Inter­net­ban­kings rapi­de abge­nom­men hat) ist ein Brauch, auf den ich ver­zich­ten könn­te. Davon ab muss ich Ihnen lei­der mit­tei­len, dass For­scher des Bochu­mer Lehr-Orts für erwäh­nens­wer­te Daten her­aus­ge­fun­den haben, dass „Din­ner For One“ nicht lus­tig ist und Blei­gie­ßen impo­tent macht.

Trotz­dem ist der Rob­bie-Bubble-Kin­der­sekt natür­lich kalt­ge­stellt und um die Zeit bis zum „Sil­ves­ter­stadl“ rum­zu­krie­gen, habe ich mei­ne iTu­nes-Lis­ten ein paar mal hin- und her­sor­tiert, ein biss­chen abge­wo­gen und füh­le mich jetzt see­lisch in der Lage, die Songs des Jah­res 2008 zu ver­kün­den (nur um die Lis­te ver­mut­lich noch heu­te Nacht wie­der umsor­tie­ren zu wol­len). Wie üblich ist alles total sub­jek­tiv:

25. Danko Jones – Take Me Home
„Never Too Loud“ war irgend­wie nicht so wirk­lich das Album, das man nach „Sleep Is The Ene­my“ erwar­tet hät­te: ein biss­chen zu ver­hal­ten, ein biss­chen zu lang, Tem­po­li­mit statt durch­ge­tre­te­nem Gas­pe­dal. „Take Me Home“ ist dann auch noch der unty­pischs­te Danko-Jones-Song über­haupt mit sei­nen Akus­tik­gi­tar­ren und den John-Den­ver-Anlei­hen. Aber weil Danko Jones eben Danko Jones ist (sind) und nicht Kid Rock, funk­tio­niert die­ser Irr­sinn trotz­dem. Und ein Lied, in dem der Refrain auf „Take me home to whe­re my records are“ endet, muss man sowie­so her­vor­he­ben, so lan­ge die Leu­te noch wis­sen, was die­se phy­si­schen Ton­trä­ger über­haupt sind.

24. Jakob Dylan – Val­ley Of The Low Sun
Stel­len Sie sich vor, Sie wären der Sohn von Bob Dylan und wür­den Musik machen! Jakob Dylan gebührt allein des­halb Respekt, dass er sich die­sen gan­zen Ver­glei­chen und Fra­gen seit fast 20 Jah­ren aus­setzt – und jetzt kann er sich nicht mal hin­ter den Wall­flowers ver­ste­cken, jetzt steht sein Name auch noch auf dem Album. Und er singt ein­fach völ­lig redu­zier­te Folk-Musik, die eher an War­ren Zevon, Bruce Springsteen und John­ny Cash erin­nert als an Musi­ker ähn­li­chen Namens. „Val­ley Of The Low Sun“ ist eine gewal­ti­ge, schlep­pen­de Bal­la­de, so schön wie ein Son­nen­un­ter­gang in der Sier­ra Neva­da.

23. Slut – If I Had A Heart
Ach ja: Slut haben ja die­ses Jahr auch ein Album ver­öf­fent­licht – und das war noch nicht mal schlecht. „If I had a heart /​ I would have a hearta­che“ kann als Zei­le tie­risch in die Hose gehen, aber so wie Chris Neu­bur­ger das singt, klingt es ein­fach auf­rich­tig und klug.

22. Clue­so – Kei­nen Zen­ti­me­ter
Die­ser Groo­ve, die­ser fast (aber nur fast) ver­nu­schel­te Gesang, die­ser gefühl­vol­le, aber gänz­lich unkit­schi­ge Text. Mehr Under­state­ment als „Ich würd‘ gern mit Dir viel mehr unter­neh­men“ passt in kei­ne Lie­bes­er­klä­rung!

21. Jason Mraz – I’m Yours
Ich hab lan­ge über­legt, ob es auch hier unbe­dingt die Sin­gle sein muss­te, aber doch: so klingt der Som­mer. Selbst bei Minus­gra­den meint man sich dar­an erin­nern zu kön­nen, wie man zu die­sen Klän­gen mit der Liebs­ten im Gras gele­gen und in den wol­ken­lo­sen Him­mel gestarrt hat – auch wenn man das nie getan hat. Anders als der viel­ver­gli­che­ne Jack John­son hat Jason Mraz aber noch mehr auf Lager als die­sen Strand-Schun­k­ler und wird uns des­halb bei den bes­ten Alben des Jah­res wie­der begeg­nen.

20. The Ver­ve – Love Is Noi­se
Okay, das Come­back-Album von The Ver­ve habe ich drei oder vier Mal gehört, ehe es mir zu lang­wei­lig wur­de. Aber die­se Sin­gle! Hyp­no­tisch, eupho­risch, in die Bei­ne gehend – man­che wür­den schlicht­weg „ner­vig“ dazu sagen. „Love is noi­se, love is pain“ ist auch wie­der so ein Satz, der schon von den rich­ti­gen Leu­ten gesun­gen wer­den muss, um nicht doof zu klin­gen. Richard Ash­croft ist ein rich­ti­ger Leut.

19. Death Cab For Cutie – The Ice Is Get­ting Thin­ner
Viel­leicht hat nie jemand einen bes­se­ren Text dar­über geschrie­ben, wie das ist, wenn die Lie­be lang­sam nach­lässt, als Ben Gib­bard hier. Dazu eine Instru­men­tie­rung, die mit „spär­lich“ noch euphe­mis­tisch umschrie­ben ist und fer­tig ist der Gän­se­haut­song 2008. Wer die­ses Lied hört und nichts fühlt, ist ver­mut­lich tot.

18. Niz­lo­pi – Start Begin­ning
Weil das Album „Make It Hap­pen“ in Deutsch­land nicht regu­lär erschie­nen ist, sind Niz­lo­pi durch das Lis­ten­pa­nik-Ras­ter gefal­len. Aber Kath­rin hat das Kon­zert, für mich das Bes­te des Jah­res war, ja hier im Blog noch aus­rei­chend gewür­digt. Hier also ein Lied mit Gitar­re, Kon­tra­bass, Beat­boxing und Gos­pel­chor, für das das Wort „uplif­ting“ erfun­den wer­den müss­te, wenn es nicht schon im Wör­ter­buch stün­de.

17. Tom­te – Der letz­te gro­ße Wal
Schon wie­der die Sin­gle? Ja, tut mir leid, ich kann mir nicht hel­fen. Bei Tom­te setzt bei mir der letz­te Rest Objek­ti­vi­tät aus, des­we­gen neh­me ich ein­fach mal das nahe­lie­gends­te Lied. Aber das ist ja auch gut. Thees Uhl­manns Stim­me ist wie eine ein­zi­ge Umar­mung, die auch vor Leu­ten, die so vol­ler Hass sind wie die­se Schrei­ber, kei­nen Halt macht. Er ist der letz­te gro­ße Wal, der die klei­nen Fische zum Früh­stück ver­speist.

16. Tra­vis – Befo­re You Were Young
Noch so eine Band, wo für Objek­ti­vi­tät kein Platz ist. „Ode To J. Smith“ war aber auch wie­der ein gutes Album – dass bei den vie­len Rock­num­mern der bes­te Song aus­ge­rech­net wie­der eine melan­cho­li­sche Bal­la­de ist, liegt an mir, echt! Oder an dem schö­nen Text, der gran­dio­sen Stei­ge­rung und über­haupt allem, was „Befo­re You Were Young“ aus­macht.

15. Gre­gor Meyle – Irgend­wann
Ste­fan Raabs Cas­ting­show war eine fei­ne Sache: für die Charts fiel Ste­fa­nie Heinz­mann ab (die ihren Job auch wirk­lich gut macht), für die nach­denk­li­che­ren Momen­te Gre­gor Meyle. Der ist nicht nur ein sym­pa­thi­scher Gesprächs­part­ner, son­dern auch noch ein sehr guter Song­wri­ter: text­lich geht er manch­mal bis ganz knapp vor die Schla­ger­gren­ze (aber was will man machen, wenn man jedes Wort ver­steht?), musi­ka­lisch ist er auf Welt­ni­veau und „Irgend­wann“ ist ein Lied, das Sehn­sucht und Antriebs­lo­sig­keit, Opti­mis­mus und Resi­gna­ti­on bes­tens aus­ba­lan­ciert in vier­ein­halb Minu­ten packt.

14. Nada Surf – Who­se Aut­ho­ri­ty
Ich bezweif­le ja, dass Nada Surf irgend­was falsch machen kön­nen, und auch „Lucky“ ist wie­der ein sehr fei­nes Album gewor­den. „Who­se Aut­ho­ri­ty“ ist die­se ganz spe­zi­el­le jugend­li­che Mischung aus Über­mut und Melan­cho­lie in Musik gegos­sen und das Video, das im Licht der tief­stehen­den Son­ne badet, passt wie die Faust aufs Auge.

13. Cold­play – Viva La Vida
Kön­nen Sie’s noch hören? Ich habe Glück, da ich mich ja vom Radio fern­hal­te. Zwar haben allei­ne die­se Woche unge­fähr 42 Jah­res­rück­bli­cke ver­sucht, mir das Lied doch noch zu ver­lei­den, aber irgend­wie ist es dann doch resis­tent gegen sol­che Ver­wurs­tun­gen. Wann geht schon mal ein Lied mit bibli­schen Moti­ven, des­sen gan­ze Rhyth­mus­struk­tur auf Strei­chern, Pau­ken und Glo­cken (!) auf­baut, in die Charts? Nach lan­gem Stu­di­um kann ich Par­al­le­len zu „Dis­arm“ und „Tonight, Tonight“ von den Smas­hing Pump­kins erah­nen, aber Chris Mar­tin hat die schö­ne­re Stim­me. So klingt es, wenn man die Welt regiert.

12. The Hold Ste­ady – Con­s­truc­ti­ve Sum­mer
Defi­ni­tiv eine mei­ner Ent­de­ckun­gen des Jah­res: The Hold Ste­ady. So müs­sen Alben übri­gens los­ge­hen: mit etwas Kla­vier, vie­len Gitar­ren, etwas (aber nur etwas) Gegrö­le, Eska­pis­mus und Ver­wei­sen auf Joe Strum­mer („I think he might have been our only decent tea­cher“). So klingt es, wenn gro­ße Gefüh­le auf gera­de noch gebrems­te Ener­gien tref­fen.

11. R.E.M. – Super­na­tu­ral Super­se­rious
Micha­el Sti­pe könn­te die Schlag­zei­len sin­gen und es wäre ein gro­ßer Song. Ent­schul­di­gung, ich höre gera­de, das ist bereits gesche­hen und hieß „It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)“. Egal: R.E.M. wer­den nie ein schlech­tes Album machen und „Acce­le­ra­te“ war eine gelun­ge­ne Rück­kehr zu den Wur­zeln. „Super­na­tu­ral Super­se­rious“ sol­len ihnen die­se gan­zen 18-Jäh­ri­gen erst­mal nach­ma­chen. (Und er singt wirk­lich nicht „Gise­la, Gise­lei“? Nein? Okay.)

10. The Gas­light Anthem – Old White Lin­coln
War­um man dann manch­mal doch noch mal Radio hören soll­te: Man könn­te dort bis­her über­se­he­ne Juwe­len ent­de­cken. So wie die­ses fei­ne Lied (das Album habe ich mir immer noch nicht gekauft, was sich ver­mut­lich bei der Alben­lis­te rächen wird), das nach 30 Mal hören zwar immer noch ver­blüf­fen­de Par­al­le­len zu The Cure und den Kil­lers auf­weist, aber eben doch eigen­stän­dig genug ist, um es inner­halb von drei­ein­halb Wochen noch in die Top 10 geschafft zu haben.

9. Fet­tes Brot – Lie­ber Ver­bren­nen als Erfrie­ren
„Wir sind jung, wir sind frei, das ist unse­re Stadt /​ Wir haben nichts zu ver­lie­ren /​ Es ist soweit, ich bin dabei, denn das ist unse­re Nacht /​ Lie­ber ver­bren­nen als erfrie­ren“ – Noch Fra­gen? Na gut: Nein, das ist gar kei­ne Dicke-Hose-Hym­ne. Par­ty ja, aber kei­ne ohne Mor­gen. So soll­te deutsch­spra­chi­ger Hip Hop immer sein, es muss ja nicht immer gegen Frau­en und Schwu­le gehen.

8. Black Kids – I’m Not Going To Teach Your Boy­fri­end How To Dance
Das Debüt­al­bum der Black Kids fand ich biss­chen nichts­sa­gend, aber wer dar­auf so einen über­dreh­ten Tanz­bo­den­fül­ler unter­kriegt, ist natür­lich wenigs­tens bei den Songs des Jah­res vor­ne mit dabei. Die Ver­tei­lung der Geschlech­ter­rol­len im Text erschließt sich mir kein biss­chen, aber wer wird beim wüs­ten Her­um­wa­ckeln noch auf sowas ach­ten? „Dance, dance, dance, dance!“

7. The Ting Tings – Gre­at DJ
Sie mei­nen, „That’s Not My Name“ sei der bes­se­re, weil noch ein biss­chen irre­re Song gewe­sen? Mag sein, aber „Gre­at DJ“ hat­te mich beim ers­ten Hören in „All Songs Con­side­red“. Ein schlich­tes Lied, das aber auch gar nicht mehr will als unbe­ding­tes Mitz­ap­peln und ‑sin­gen. Und das funk­tio­niert hier ja wohl groß­ar­tig. Die Trom­meln, übri­gens!

6. Hotel Lights – Ame­lia Bright
Ganz kras­ser Rich­tungs­wech­sel jetzt: Eine Folk­bal­la­de, die mich seit sie­ben Jah­ren beglei­tet hat und jetzt end­lich „fer­tig“ ist. Das ist natür­lich viel mehr Zeit, als sonst irgend­ein Lied hat­te, um mir ans Herz zu wach­sen, aber die Stu­dio­ver­si­on ist ja auch wun­der­schön gewor­den. Neben Niz­lo­pi sind Hotel Lights der Geheim­tipp auch in die­sem Jahr und wir wer­den bei­de Bands so lan­ge in den Him­mel schrei­ben, bis zumin­dest ihre Alben hier­zu­lan­de zu Kau­fen sind.

5. Sigur Rós – Inní Mér Syn­gur Vitley­sin­gur
Lie­der, deren Namen man sich beim bes­ten Wil­len nicht mer­ken kann, haben es mit­un­ter etwas schwer, wenn es um das Erstel­len von Bes­ten­lis­ten geht: „Hier, Dings, die­ses Lied mit dem Kla­vier, den Blä­sern und dem ent­rück­ten Gesang!“ Egal: Dank Copy & Pas­te wis­sen wir jetzt alle, dass die­ses Lied „Inní Mér Syn­gur Vitley­sin­gur“ heißt (was auch immer das hei­ßen mag), und dass es groß­ar­tig ist, müs­sen Sie mir glau­ben (oder es nach­hö­ren). Zu mei­nem nächs­ten Geburts­tag wün­sche ich mir eine Mar­ching Band, die mit die­sem Lied durch mei­ne Bochu­mer Berg­ar­bei­ter­sied­lung mar­schiert (einen Scho­ko­la­den­spring­brun­nen habe ich ja die­ses Jahr schon bekom­men).

4. MGMT – Time To Pre­tend
Nen­nen Sie mir eine Mög­lich­keit, die­sem Key­board-Riff zu wider­ste­hen, und ich müss­te nicht jedes Mal „Waaah, wie geil!“ schrei­en, wenn ich das Lied irgend­wo höre. Wenn Sie bei allem Arsch­wa­ckeln dann viel­leicht noch ein biss­chen Wert­schät­zung für die­sen unglaub­lich klu­gen Text übrig hät­ten, könn­ten wir die Mis­si­ons­ar­beit an die­ser Stel­le auch been­den und nur noch die­sem groß­ar­ti­gen Indie­knal­ler lau­schen.

3. Fleet Foxes – White Win­ter Hym­nal
Ich wie­der­ho­le mich ger­ne, aber die ers­ten 30 Sekun­den die­ses Lie­des zäh­len mit zum Bes­ten, was es die­ses Jahr über­haupt zu Hören gab. Der Rest des Lie­des (und des gan­zen Albums) glück­li­cher­wei­se auch und des­halb ist „White Win­ter Hym­nal“ natür­lich völ­lig zu Recht auf dem Trepp­chen ver­tre­ten.

2. The Kil­lers – Human
Auch nach über 50 Durch­gän­gen bin ich mir sicher: die­ser Song ist arsch­geil! Meckern Sie ruhig alle rum von wegen Micha­el Wend­ler. Selbst wenn Thees Uhl­mann und ich neben Bran­don Flowers die ein­zi­gen Men­schen auf der Welt wären, die des­sen Tex­te zu schät­zen wüss­ten: es blie­be immer noch ein abso­lu­ter Ober­ham­mer von Pop­song! Allein die­se unfass­bar bril­lan­te Fra­ge „Are we human or are we dancer?“, da braucht man doch weder Hegel, noch Kant noch Dou­glas Adams, das ist der abso­lu­te Kern von Phi­lo­so­phie! Und jetzt Ruhe!

1. Goldf­rapp – A&E
Ganz, ganz knapp sind die Kil­lers nur Zwei­te gewor­den, weil die­ses Lied dann am Ende doch noch ein klei­nes biss­chen bes­ser war. So hyp­no­tisch, so klug auf­ge­baut und so wun­der-wun­der­schön. Ich muss­te das Lied unge­fähr 40 Mal hören, bis ich begrif­fen habe, wor­um es in dem Text eigent­lich gehen könn­te (geschei­ter­ter Selbst­mord­ver­such wegen Lie­bes­kum­mers), aber selbst wenn es um die Abgel­tungs­steu­er gin­ge: kein Lied war 2008 in der Sum­me bes­ser als „A&E“. Und wenn ich das nach mehr als acht Mona­ten der Dau­er­ro­ta­ti­on sage, wird es schon stim­men, oder?

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Listenpanik 08/​08

Nein, wirk­lich: Es ist rei­ner Zufall, dass die­se Lis­te so aus­sieht, wie sie aus­sieht. Dass hier ein Folk-Album hin­ter dem nächs­ten kommt (bei den Songs kommt dann noch etwas Brit­pop). Dass ich mich in ziem­li­cher Hilf­lo­sig­keit zu nichts­sa­gen­den Fan-Aus­sa­gen wie „groß­ar­tig“ und „toll“ hin­rei­ßen las­se. Aber was soll ich tun? Das sind ein­fach ver­dammt tol­le Plat­ten gewe­sen im August!

Alben
1. Fleet Foxes – Fleet Foxes
Akus­tik­gi­tar­ren, Orgeln, Satz­ge­sän­ge. Musik, die auch direkt aus den Sieb­zi­gern stam­men könn­te: Crosby, Stills & Nash klop­fen an, Simon & Gar­fun­kel und die Beach Boys. Die­se Band aus Seat­tle, WA macht sakra­len „Cham­ber Pop“, der live noch unglaub­li­cher und Gän­se­haut-ver­ur­sa­chen­der ist, als man sich das beim Hören ihres Debüt­al­bums vor­stel­len kann. Mehr als „groß­ar­tig“ fällt mir nicht ein, lesen Sie lie­ber, was Robin Hil­ton dazu schreibt (und hören Sie sich das dort ver­link­te Live­kon­zert an).

2. Hotel Lights – Fire­cra­cker Peo­p­le
Fol­kig und pop­pig, aber irgend­wie doch ziem­lich anders geht es wei­ter. Lesen Sie hier, wie ich zu der Band kam und war­um ich sie so toll fin­de. Den Herbst, der in Bochum schon seit eini­gen Tagen einen Fuß in der Tür hat, über­steht man am Bes­ten mit dem pas­sen­den Sound­track. Hier ist er.

3. The Dodos – Visi­ter
Offen­bar scheint es irgend­ein mir nicht bekann­tes Gesetz zu geben, das einen bei die­ser Band zwingt dar­auf hin­zu­wei­sen, dass Dodos dicke Lauf­vö­gel waren, die aus­ge­stor­ben sind. (Was hier­mit erle­digt wäre.) Dabei han­delt es sich beim Zweit­werk die­ses Duos aus San Fran­cis­co, CA um weit­ge­hend Vogel-frei­en (haha), quick­le­ben­di­gen, sehr rhyth­mi­schen … äh: Indie Folk.

4. Kath­le­en Edwards – Asking For Flowers
Anzei­chen, dass man alt wird (Fol­ge 981): In der Bahn­hofs­buch­hand­lung vor „Musik­ex­press“ („Die 500 bes­ten Gitar­ren­mo­men­te der Rock­ge­schich­te“) und „Rol­ling Stone“ (Barack Oba­ma) ste­hen und dann auf­grund der sonst noch erwähn­ten Künst­ler (und der bei­geleg­ten CD) den „Rol­ling Stone“ kau­fen. Kath­le­en Edwards ist eine 30-jäh­ri­ge Kana­die­rin, die aber weni­ger an Joni Mit­chell erin­nert und mehr an k.d. lang, Aimee Mann und Bruce Springsteen (vor­aus­ge­setzt, Bruce Springsteen wäre nicht der Inbe­griff von Männ­lich­keit, natür­lich). Einer der bes­ten Songs ihres Debüt-Albums („Asking For Flowers“ ist ihr drit­tes Album) hieß „One More Song The Radio Won’t Like“ – ein Umstand, der bei die­sen Lie­dern eigent­lich kaum vor­stell­bar, aber ver­mut­lich lei­der trotz­dem wahr ist.

5. Conor Oberst – Conor Oberst
Mit dem letz­ten Bright-Eyes-Album „Cass­a­da­ga“ bin ich irgend­wie nie so rich­tig warm gewor­den. Das macht aber nichts, denn Bright-Eyes-Mas­ter­mind Conor Oberst (ich muss die Schreib­wei­se des Vor­na­mens immer noch jedes Mal nach­gu­cken) hat schon wie­der ein neu­es Album fer­tig, das ein biss­chen gefäl­li­ger klingt (die Stim­me muss man frei­lich immer noch mögen) und auch mehr rockt. Und mit „Sou­led Out!!!“ wird er plötz­lich sogar bei WDR 2 gespielt.

Songs
1. Fleet Foxes – White Win­ter Hym­nal
Ver­ges­sen Sie klei­ne Spie­gel unter der Nase und Puls am Hand­ge­lenk: wenn Sie jeman­dem die ers­ten drei­ßig Sekun­den von „White Win­ter Hym­nal“ vor­spie­len und er bekommt kei­ne Gän­se­haut, ist er mit hoher Wahr­schein­lich­keit tot. Sie soll­ten trotz­dem noch einen Arzt zu Rate zie­hen. Und dem kön­nen Sie dann das gan­ze Album (s.o.) vor­spie­len.

2. Hotel Lights – Ame­lia Bright
Es ist schon etwas selt­sam, wenn man ein Lied schon seit sie­ben Jah­ren liebt und es dann zum ers­ten Mal offi­zi­ell hört. „Ame­lia Bright“ hat mich von Anfang an beein­druckt: die erha­be­ne Melo­die und der melan­cho­li­sche Text strah­len gemein­sam eine außer­or­dent­li­che Schön­heit aus. Ein­fach toll.

3. The Ver­ve – Love Is Noi­se
Ich muss mal grad mei­nen ima­gi­na­ry fri­end fra­gen, ob ich eigent­lich je gro­ßer The-Ver­ve-Hörer war. „Na ja, ‚Urban Hymns‘ halt“, sagt der. Und: „eher so die Solo­sa­chen von Richard Ash­croft“. Ach so. Darf ich mich trotz­dem freu­en, dass die Band zurück ist und mit „Love Is Noi­se“ gleich mal einen abso­lu­ten Dampf­ham­mer­song raus­ge­hau­en hat? Gut. Das Album kickt mich lei­der (bis­her) noch nicht so ganz, wes­we­gen es auch an der obi­gen Top-5-Lis­te vor­bei­ge­schrammt ist. Und jetzt ver­ra­te mir mal bit­te einer, was das da für „Oh oh“-Geräusche im Hin­ter­grund sind!

4. Pri­mal Scream – Can’t Go Back
Pri­mal-Scream-Fan war ich defi­ni­tiv nie (zu jung), aber die­ser Song ist schon ein ziem­li­cher Tanz­bo­den-Stamp­fer. Hier wüss­te ich ger­ne, was das für „Whoohohohohoo“-Geräusche sind.

5. Tra­vis – Some­thing Any­thing
Der Weezer-Song des Jah­res kommt von … Tra­vis! Was in die Schot­ten gefah­ren ist, die einst als „Schmu­ser­o­cker“ ver­spot­tet wur­den, weiß ich auch nicht. Rock’n’Roll ver­mut­lich, denn es schep­pert ganz ordent­lich – und klingt trotz­dem toll. War­um die neue deut­sche Plat­ten­fir­ma lie­ber einen ande­ren Song als Sin­gle ver­öf­fent­licht, ist aller­dings noch sehr viel merk­wür­di­ger als die neue (alte) musi­ka­li­sche Rich­tung der Band.

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Musik

Müssen alle mit

Wenn das Jahr so wei­ter geht, wird am Ende fast jeder mei­ner Lieb­lings­künst­ler ein neu­es Album ver­öf­fent­licht haben. Bereits erschie­nen sind ja schon die Alben von R.E.M., kett­car, Cold­play, Death Cab For Cutie, Sigur Rós und Niz­lo­pi, von Tra­vis gab es die (recht gelun­ge­ne) „J. Smith EP“, das Album dazu kommt im Herbst. Eben­falls bereits erschie­nen ist das Solo­de­büt von Jakob Dylan (The Wall­flowers).

Neue Alben ver­öf­fent­li­chen wer­den noch Ben Folds („Way To Nor­mal“, Sep­tem­ber – noch ohne deut­sches Label), Ste­reo­pho­nics (jetzt zu viert), Oasis („Dig Out Your Soul“, 6. Okto­ber), The Ver­ve („Forth“, 18. August), Star­sail­or („All The Plans“) und Tom­te (irgend­wann im Herbst).

Einen neu­en Song haben Bloc Par­ty ges­tern vor­ge­stellt. Er hört auf den Namen „Mer­cu­ry“ und klingt … etwas anstren­gend.

Das wird ganz schön hart für mög­li­che New­co­mer, sich bei mir über­haupt Gehör zu ver­schaf­fen.

Nach­trag, 23:55 Uhr: Ich hab Hotel Lights ver­ges­sen. Deren neu­es Album „Fire­cra­cker Peo­p­le“ erscheint im August in den USA.

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Der Anfang vom endgültigen Ende

„Blunt­ly put, in the fewest of words:
Cunts are still run­ning the world“

(Jar­vis Cocker – Run­ning The World)

Auch schon ausgestorben: Dinosaurier

Vor­ges­tern ver­kün­de­te der ange­schla­ge­ne Musik­kon­zern EMI, er wer­de welt­weit zwi­schen 1500 und 2000 Stel­len strei­chen und damit wohl ein Drit­tel sei­ner Ange­stell­ten feu­ern. Der pri­va­te-equi­ty-Kon­zern Ter­ra Fir­ma, der das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men im ver­gan­ge­nen Som­mer über­nom­men hat­te, will aus EMI bin­nen kur­zer Zeit ein pro­fi­ta­bles Unter­neh­men machen.

Das allein klingt schon mal nach einer ziem­lich däm­li­chen Idee, denn jedes Kind weiß, dass Plat­ten­fir­men so ziem­lich die schlech­tes­te Wahl sind, wenn man auf schnel­les Geld aus ist. Oder über­haupt auf Geld. Man könn­te sich genau­so gut in eine Fabrik für elek­tri­sche Schreib­ma­schi­nen oder in einen Zei­tungs­ver­lag ein­kau­fen.

Das Bei­spiel EMI zeigt was pas­siert, wenn glo­bal play­er nicht mehr von welt­frem­den Trot­teln, son­dern von geld­gei­len Voll­trot­teln geführt wer­den: Die Musi­ker, mei­nen lai­en­haf­ten Wirt­schafts­vor­stel­lun­gen zufol­ge nicht unbe­dingt der unwich­tigs­te Teil eines Musik­kon­zerns, waren näm­lich mit den Ansa­gen der neu­en Chefs (vie­le Krea­ti­ve reagie­ren bei­spiels­wei­se auf Zeit­druck all­er­gisch) gar nicht gut zu spre­chen und kün­dig­ten eine Art Ver­öf­fent­li­chungs­boy­kott an. Rob­bie Wil­liams, Cold­play und die wie­der­ver­ei­nig­ten The Ver­ve wol­len angeb­lich erst mal nichts mehr raus­brin­gen, mit Paul McCart­ney, Radio­head und jetzt wohl auch den Rol­ling Stones haben Künst­ler, die teils über meh­re­re Jahr­zehn­te Zug­pfer­de bei EMI waren, dem Kon­zern den Rücken gekehrt oder dies ange­kün­digt. Und egal, ob die Ver­trä­ger einen Musi­ker-Streik wirk­lich zulas­sen und ob aus den Res­ten der EMI wirk­lich ein pro­fi­ta­bler Kon­zern wer­den kann: Ich glau­be, wir erle­ben damit das letz­te Kapi­tel der Musik­in­dus­trie im alten Sin­ne und es wird ein Ende mit Schre­cken.

Es ist fast acht Jah­re her, dass Metal­li­ca-Drum­mer Lars Ulrich dem US-Senat vor­heul­te, dass die Musik sei­ner Band bei Naps­ter auf­ge­taucht sei. Die Poli­tik reagier­te auf die­ses völ­lig neu­ar­ti­ge Phä­no­men mit immer neu­en Geset­zen, die es nun auch in Deutsch­land wie­der ver­lo­cken­der erschei­nen las­sen, CDs direkt im Laden zu klau­en anstatt sie ille­gal her­un­ter­zu­la­den. Die Musik­kon­zer­ne reagier­ten unter ande­rem damit, dass sie ihren ver­blie­be­nen zah­len­den Kun­den High-Tech-Müll ver­kauf­ten, der auf vie­len Abspiel­ge­rä­ten nicht lief (beson­ders lus­tig beim Musik­kon­zern und Elek­tronik­her­stel­ler Sony) oder die Com­pu­ter-Sicher­heit des Käu­fers gefähr­de­ten. Spä­ter ver­such­ten sie, den Wert von Musik dadurch zu ver­mit­teln, dass sie ein­sa­me CDs ohne Book­let (BMG, inzwi­schen heim­lich, still und lei­se wie­der vom Markt ver­schwun­den) oder in bil­li­gen Papp­schu­bern (Uni­ver­sal) zu ver­meint­li­chen „Son­der­prei­sen“ auf den Markt war­fen.

Zuge­ge­ben: Auch ich habe kei­nen bril­lan­ten Plan, wie man auf die feh­len­de Bereit­schaft eines Teils (mög­li­cher­wei­se sogar tat­säch­lich eines Groß­teils) der Bevöl­ke­rung, für die stän­di­ge Ver­füg­bar­keit von Musik Geld zu zah­len, reagie­ren soll­te. Womög­lich wür­de ich nicht mit der Belei­di­gung und Schi­ka­nie­rung der Rest-Kund­schaft begin­nen. Aber ich bin auch nicht die Musik­in­dus­trie, ich muss gar kei­nen bril­lan­ten Plan haben.

Viel­leicht ist das Wort „Musik­in­dus­trie“ allei­ne (Prof. Die­ter Gor­ny, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Deut­schen Pho­no-Aka­de­mie, spricht sogar von „Krea­tiv­wirt­schaft“) schon ein Irr­tum, ein schreck­li­ches Miss­ver­ständ­nis. Musik ist (wie Film, Lite­ra­tur, Thea­ter, bil­den­de Kunst) in ers­ter Linie Kunst und somit weder unter „Indus­trie“ noch unter „Wirt­schaft“ ein­zu­sor­tie­ren. Die Tat­sa­che, dass Groß­kon­zer­ne ein paar Jahr­zehn­te gut von der Ver­mark­tung die­ser Kunst leben konn­ten, ist his­to­risch betrach­tet eine Aus­nah­me, eine Art Ver­se­hen. Beet­ho­ven, van Gogh und Goe­the haben ihre Kunst nicht geschaf­fen, um damit irgend­wel­chen Unter­neh­mern zu Geld und Ruhm zu ver­hel­fen – im Fal­le von van Gogh hat es zu Leb­zei­ten nicht mal zu eige­nem Geld und Ruhm gereicht.

Natür­lich soll das im Umkehr­schluss nicht hei­ßen, dass alle Künst­ler hun­gern und ver­armt ster­ben sol­len. Selbst über die Fra­ge, ob ein Künst­ler wie Rob­bie Wil­liams einen 120-Mil­lio­nen-Euro-Ver­trag wert sein soll­te, lässt sich noch dis­ku­tie­ren – zumin­dest, wenn die Plat­ten­fir­ma durch die Ver­mark­tung von des­sen Musik ein Viel­fa­ches ein­nimmt. Ich glau­be aber, dass es eine irri­ge Idee ist, mit der Ver­mark­tung von Kunst auch noch jedes Jahr fet­te Ren­di­te erwirt­schaf­ten zu kön­nen. Thea­ter und Muse­en wer­den sub­ven­tio­niert, es gibt die Buch­preis­bin­dung und die Film­för­de­rung – was sagt uns das über die Wirt­schaft­lich­keit von Kul­tur, Stich­wort „Krea­tiv­wirt­schaft“?

Einer der Grund­sät­ze von Wirt­schaft ist die Sache mit Ange­bot und Nach­fra­ge. Was aber tun, wenn die Nach­fra­ge nach kos­ten­pflich­ti­ger Musik wirk­lich nach­lässt? Es wäre eine Mög­lich­keit, das Kon­zept „Songs gegen Koh­le“ zu beer­di­gen, aber das muss viel­leicht nicht mal sein. Eine neue Idee aber braucht es: Einer­seits wäre es wün­schens­wert, jun­gen Men­schen, die fünf Euro für einen Becher Kaf­fee mit Geschmack zah­len, klar zu machen, dass auch das Erdenken, Ein­spie­len, Pro­du­zie­ren und Ver­öf­fent­li­chen von Musik har­te Arbeit ist, ande­rer­seits erscheint es mir eini­ger­ma­ßen begreif­lich, dass kein nor­ma­ler Mensch 18 Euro für eine aktu­el­le CD zah­len will, wenn die­se vor ein paar Jah­ren noch 15 Euro gekos­tet hät­te. Ich mag CDs wirk­lich – ich mag es, das Book­let durch­zu­blät­tern und die Schei­be selbst in den Hän­den zu hal­ten -, aber die Dif­fe­renz von bis zu acht Euro zum lega­len Down­load lässt mich immer häu­fi­ger zum Down­load schwen­ken – zumal ich mir da die oft­mals erfolg­lo­se Suche bei „Saturn“ spa­ren und die Musik sofort hören kann.

Ich könn­te grund­sätz­lich wer­den, ein fehl­ge­lei­te­tes Wirt­schafts­sys­tem gei­ßeln und das Fass mit dem Grund­ein­kom­men auf­ma­chen. Das soll­te nicht aus den Augen gelas­sen wer­den, hilft aber im Moment auch nicht wei­ter. Im Moment droht 2000 Men­schen die Arbeits­lo­sig­keit, die selbst bei dem Ver­such, Künst­ler wie Lisa Bund oder Revol­ver­held an den Mann zu brin­gen, noch Enga­ge­ment zei­gen: die Ansprech­part­ner bei den Plat­ten­fir­men für Pres­se und Künst­ler, die schon in der Ver­gan­gen­heit so häu­fig wech­sel­ten wie sonst nur beim Speed Dating. Die ein­fa­chen Mit­ar­bei­ter, die bei Mee­tings auf Kaf­fee und Gebäck ver­zich­ten müs­sen, wäh­rend die Mana­ger in der Busi­ness Class um die Welt jet­ten und über­all zei­gen, wie wenig Ideen sie selbst noch haben. Und natür­lich geht es auch weni­ger um die Zukunft von Rob­bie Wil­liams und den Rol­ling Stones, als viel­mehr um die Chan­cen mög­li­cher Nach­wuchs­stars.

Dabei wird aber über­se­hen, dass der hoch­do­tier­te Major-Ver­trag, der lebens­lan­gen Reich­tum garan­tiert, längst schon Aus­nah­me statt Regel ist – vor allem aber ist er kein Muss mehr. Das Inter­net bie­tet so vie­le Mög­lich­kei­ten, Hörer (und damit poten­ti­el­le Käu­fer und Fans) zu fin­den, aber auch um die Ver­mark­tung selbst in die Hand zu neh­men. Zwar gehen Krea­ti­vi­tät und Mar­ke­ting- oder gar Finanz­ge­schick sel­ten Hand in Hand, aber das wird sich auch noch fin­den. Das nächs­te oder über­nächs­te „Inter­net­phä­no­men“ (und damit der Nach­fol­ger von den Arc­tic Mon­keys und Lily Allen) wird sei­ne Musik viel­leicht gar nicht mehr bei einer regu­lä­ren Plat­ten­fir­ma und auf CD her­aus­brin­gen.

Ich jeden­falls wür­de den Musi­kern, deren Werk ich schät­ze, mei­ne finan­zi­el­le Aner­ken­nung ger­ne direkt zukom­men las­sen. Ich war durch­aus noch bereit, mit dem Kauf einer Cold­play-CD zur Gegen­fi­nan­zie­rung klei­ne­rer Bands bei­zu­tra­gen. Aber ich habe wenig Bock, irgend­wel­chen geld­gei­len, men­schen- und kul­tur­ver­ach­ten­den hedge-fonds-Teil­ha­bern bei der Auf­bes­se­rung ihrer Ren­di­te zu hel­fen.

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Britpop 2.0

The Ver­ve haben sich acht Jah­re nach ihrer Auf­lö­sung wie­der zusam­men­ge­fun­den, um gemein­sam auf Tour zu gehen und ein Album ein­zu­spie­len.

Ges­tern ver­öf­fent­lich­ten sie bei NME.com einen 14minütigen Mit­schnitt der ers­ten gemein­sa­men Jam­ses­si­on. Zwar sind sie damit nicht die ers­te Band, bei der man Mäus­chen im Pro­be­raum spie­len darf, aber eben eine wei­te­re der gol­de­nen Jah­re der bri­ti­schen Rock­mu­sik, die zu unge­wöhn­li­chen Ver­öf­fent­li­chungs­me­tho­den greift.

Radio­heads „In Rain­bows“ ent­wi­ckel­te sich für die Band zu einem schnel­len Erfolg, obwohl oder gera­de weil man es auch kos­ten­los legal her­un­ter­la­den kann. Sofort tauch­ten Gerüch­te auf, auch Oasis und Jami­ro­quai – eben­falls Bands, denen es nicht mehr auf jeden Pen­ny ankom­men dürf­te – wür­den mit ihren neu­en Alben nach­zie­hen. Die neue Char­la­tans-Sin­gle kann man seit ges­tern kos­ten­los beim Radio­sen­der XFM her­un­ter­la­den, das kom­plet­te Album soll im nächs­ten Jahr fol­gen.

So lang­sam stellt sich da natür­lich auch die Fra­ge, wie lan­ge sol­che Aktio­nen eigent­lich noch etwas beson­de­res sein wer­den. Weni­ger in dem Sin­ne, dass der­ar­ti­ge Down­loads bald die CD ersetzt haben wer­den (das kann ich mir bei aller Unfä­hig­keit der Musik­in­dus­trie nur schwer vor­stel­len), als viel­mehr so, dass die Down­loa­d­an­ge­bo­te infla­tio­när wer­den und schon bald kei­nen mehr inter­es­sie­ren.

The Ver­ve in allen Ehren1, aber Pro­be­raum­mit­schnit­te lan­de­ten frü­her auf obsku­ren Boot­legs, B‑Seiten, Antho­lo­gien oder Hid­den Tracks. Fans muss­ten lan­ge nach sol­chen Sachen suchen, heu­te bekommt man sie ein­fach geschenkt. Die Hard­core-Fans wer­den sich auch dar­über freu­en, aber es wird viel­leicht auch Leu­te geben, die den Stand­punkt „Was nix kos­tet ist auch nix!“ ver­tre­ten und die geschenk­ten Tracks dann für irgend­wie weni­ger wer­tig hal­ten.

Es bleibt jeden­falls span­nend.

1 Wenn die nach acht Jah­ren beim ers­ten Rum­dad­deln so klin­gen, bin ich mal wirk­lich auf die ein­ge­spiel­te Band im Stu­dio gespannt.