Gitarre, Bass, kein Schlagzeug

Von Kathrin Grannemann, 11. Dezember 2008 1:06

Frühjahr 2006. Eine CD mit einer unheimlich liebevollen Zeichnung findet den Weg in die Radioredaktion. Es handelt sich um den „JCB Song“, von einer Band namens Nizlopi, deren Sänger in dem Song die Geschichte von sich und seinem Vater erzählt, wie sie Bagger fahren. Der Sound: Ungewohnt, ein wenig Pop, ein wenig Beatbox. Und für die Briten so überzeugend, dass der Song im Jahr 2005 fast die Weihnachts-Nummer 1 wurde. Die zweite Single, „Girls“, ist da schon anders. Streicher, Melancholie, eine ganz andere Atmosphäre. Trotzdem so gut, dass ich mehr davon brauche.

Das dazugehörige Album „Half These Songs Are About You“, das schon im Jahr 2004 herauskam, haut mich vom Hocker. Der Mix aus Gute-Laune-Songs und teils doch nachdenklichen Tönen verlässt wochenlang nicht meinen CD-Player. Und als ich sie dann ein halbes Jahr später in Glasgow nicht nur live sah, sondern sie auch persönlich kennenlernte, wusste ich, dass da etwas ganz Großes passiert. Ein Duo mit einer Message. Ein Duo, das macht, was sie für richtig halten. Und damit goldrichtig liegt.

Am letzten Freitag war es dann soweit: Nach nunmehr zwei Jahren sehe ich Nizlopi wieder live auf der Bühne. Es ist das möglicherweise letzte Konzert der Band. Schauplatz: Das MTC in Köln, maximale Besucherzahl 300. Ein kuscheliger Rahmen für ein wunderbares Konzert, das ich so schnell nicht vergessen werde. Den Anfang macht die Band traditionell im Publikum. Eine unbeschreiblich schöne Situation, wie Luke und John umgarnt von der Menge mit Energie ihre Musik machen. Wie man sich das vorzustellen hat, kann man hier sehen:

Ein paar weitere, teilweise etwas ausschweifendere Videos des Abends gibt es hier, hier und hier. Viel mehr möchte ich über diesen Gig auch eigentlich gar nicht sagen, die Videos sprechen für diesen Abend. Sehe ich die Mitschnitte so im Nachhinein, wünsche ich mir jedenfalls einmal mehr, dass sie nach ihrer Kreativpause weitermachen.

P.S.: Besonders lachen musste ich an dem Abend über die Nizlopi-Interpretation von „Enter Sandman“ von Metallica. Das ist Folk’n’Roll.

7 Kommentare

  1. Corny
    11. Dezember 2008, 11:07

    und einmal mehr ein argument für kleine, familiäre konzerte.
    ps: ein h weniger in atmosphäre, nerv nerv.

  2. Patrick
    11. Dezember 2008, 11:24

    1. Wunderwunderschön.

    2. Wie geil Amazon manchmal drauf ist.
    Die „Make it happen“ kostet als Import 44,99 Euro.
    Im Vereinigten Königreich kostet sie bei Amazon umgerechnet 11 Euro irgendwatt.
    Ich kann mich zwar nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube nicht, dass der Versand nach Deutschland 35 Euro kostet.

  3. SvenR
    12. Dezember 2008, 10:49

    @ patrick #2:

    Wie sagt mein Klempner immer so schön:

    Ich kaufe Muffenringe ein. Für zehn Cent. Und die verkaufe ich für 100 Cent. Und von den zehn prozent lebe ich.

    *g*

  4. Manuel
    13. Dezember 2008, 9:56

    Ich frage mich gerade, wo ich die letzten Jahre war, so dass ich von der Band noch nie was mitbekommen habe. Die sind ja wohl genial!

  5. Stitch
    13. Dezember 2008, 12:08

    Wenn dir das gefällt, dann müsstest du doch eigentlich auch modernen Bluegrass lieben, wie z.Bsp. die wundervollen Nickel Creek

  6. Coffee And TV: » Listenpanik: Songs 2008
    31. Dezember 2008, 18:25

    […] Aber Kathrin hat das Konzert, für mich das Beste des Jahres war, ja hier im Blog noch ausreichend gewürdigt. Hier also ein Lied mit Gitarre, Kontrabass, Beatboxing und Gospelchor, für das das Wort […]

  7. Coffee And TV: » Alben des Jahres 2011
    23. Dezember 2011, 14:00

    […] das fehlende Bindeglied zwischen Damien Rice und Jason Mraz, zwischen Get Cape. Wear Cape. Fly und Nizlopi. Die ruhigen Songs sind erschreckend anrührend, ohne jemals Gefahr zu laufen, kitschig zu werden, […]

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