I hope that it got into you

Von Lukas Heinser, 5. September 2008 15:35

Dies ist die Geschichte eines Liedes.

2001, ein Jahr nachdem sich meine Lieblingsband Ben Folds Five aufgelöst hatte, stieß ich im Internet auf die drei letzten neuen Songs, die die Band jemals live vorgestellt hatte: „The Secret Life Of Morgan Davis“, ein swingender Popsong, tauchte wenig später als B-Seite zu Folds‘ erster Solosingle „Rockin‘ The Suburbs“ wieder auf, „Prince Charming“, geschrieben und gesungen vom Bassisten Robert Sledge, erschien 2004 auf der ersten (und einzigen) EP von dessen Nachfolgeband International Orange. Der dritte, den ich immer am Meisten gemocht hatte, blieb verschwunden: „Amelia Bright“, geschrieben von Darren Jessee, dem Schlagzeuger von Ben Folds Five, der auch die großartige Ballade „Magic“ auf dem letzten Album der Band geschrieben hatte.

Darren Jessee (Foto: Debora Francis)2004 stellte ich dann fest, dass es Hotel Lights gab, Darrens neue Band, in der er die Songs schrieb, Gitarre und Klavier spielte und sang. Ich hörte mir die Songs an, die online verfügbar waren, und schrieb Darren eine E-Mail. Ich schrieb ihm, dass ich die Musik von Hotel Lights liebte, fragte aber auch, was mit „Amelia Bright“ passiert war. Darren antwortete, dass ihm schon viele Leute diese Frage gestellt hätten, und wir blieben in Kontakt. Er schickte mir das selbstbetitelte Debutalbum von Hotel Lights, CT das radio, das Bochumer Campusradio für das ich damals arbeitete, war vermutlich der erste europäische Sender, der die Band gespielt hat, und jedesmal, wenn ich jemanden aus der Musikindustrie traf, schwärmte ich ihm von Hotel Lights vor (Das habe ich überhaupt nur zwei Mal gemacht. Bei den Kilians verlief das allerdings etwas erfolgreicher.) 2006 veröffentlichten Hotel Lights eine EP namens „Goodnightgoodmorning“, auf der einmal mehr wunderbare Folk-basierte Popsongs zu finden waren. Möglicherweise haben Sie den Song „A.M. Slow Golden Hit“ bei „Grey’s Anatomy“ gehört, ohne es zu merken.

Vor ein paar Wochen stellte ich fest, dass Hotel Lights ein neues Album namens „Firecracker People“ veröffentlichen würden – und auf ihrer MySpace-Seite stolperte ich endlich über ihre Version von „Amelia Bright“. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich den Song schon seit sieben Jahren geliebt hatte, aber seine Schönheit haute mich buchstäblich um. Er war sogar noch viel besser als die Ben-Folds-Five-Version – was vermutlich daran lag, dass der Sänger diesmal auch der Mann war, der das Lied geschrieben hatte: Darren Jessee.

Auch wenn „Amelia Bright“ aus „Firecracker People“ herausragt (und von mir als billiger Aufhänger für diesen Artikel benutzt wurde), sind die anderen Songs kein Stück schlechter. Die Musik von Hotel Lights erinnert mich an Künstler wie Ron Sexsmith, Josh Rouse und Sparklehorse (Alan Weatherhead von Sparklehorse hat das Album mitproduziert und darauf Gitarre gespielt). Sie klingt herbstlich, melancholisch und friedlich und ich stelle mir vor, durch kleine amerikanische Städte und in die menschenleere Landschaft zu fahren – Bilder, mit denen Darren Jessee leben kann.


HOTEL LIGHTS „Blue Always Finds Me“ from Firecracker People on Vimeo.

Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit Darren Jessee von Hotel Lights: auf deutsch oder im englischen Original.

Hotel Lights - Firecracker People (Album cover)
Hotel Lights – Firecracker People

VÖ: 19. August 2008 (in den USA)
Label: Bar/None
(einen US-Import des Albums kann man bei Amazon.de bestellen)

5 Kommentare

  1. Thomas
    5. September 2008, 16:32

    Super schöne Musik, bin ich auch vor einiger Zeit mal drauf gestoßen – habs aber wieder vergessen, dafür jetzt bestellt. Danke Lukas!

  2. SvenR
    5. September 2008, 21:32

    Und schon wieder muss ich Geld ausgeben. Danke, Lukas.

  3. Coffee And TV: » Listenpanik 08/08
    7. September 2008, 11:38

    […] Firecracker People Folkig und poppig, aber irgendwie doch ziemlich anders geht es weiter. Lesen Sie hier, wie ich zu der Band kam und warum ich sie so toll finde. Den Herbst, der in Bochum schon seit […]

  4. Coffee And TV: » Listenpanik: Songs 2008
    31. Dezember 2008, 18:26

    […] Hotel Lights – Amelia Bright Ganz krasser Richtungswechsel jetzt: Eine Folkballade, die mich seit sieben Jahren begleitet hat und jetzt endlich “fertig” ist. Das ist natürlich viel mehr Zeit, als […]

  5. Coffee And TV: » Listenpanik: Alben 2008
    11. Januar 2009, 1:19

    […] das in Deutschland gar nicht “regulär” erschienen ist. Aber wen interessiert sowas? “Firecracker People” ist ein herbstliches Album mit vielen Folk-Anleihen, das eine gewisse schwere Melancholie […]