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Musik Leben Unterwegs

Surf’s Up — In memoriam Brian Wilson

Die Son­ne mach­te sich gera­de bereit, sich das Prä­fix „Abend-“ über­zu­wer­fen und, wenn auch schon tief ste­hend, den Tag wür­de­voll abzu­run­den. Am Strand wäre es sicher­lich noch mal bedeu­tend schö­ner gewe­sen (so wie es am Meer immer schö­ner ist) als am Ran­de der Bochu­mer Innen­stadt, aber da wären wir jetzt nicht so schnell hin­ge­kom­men, außer­dem war Abend­essens­zeit und als wir uns an den Tisch setz­ten, frag­te ich also mei­nen Sohn, ob er jetzt bereit sei für mein klei­nes Impuls­re­fe­rat über Bri­an Wil­son und die Beach Boys.

Eine Stun­de zuvor war die Nach­richt auf mei­nem Smart­phone ein­ge­gan­gen, dass Wil­son, einer der Pio­nie­re der Pop­mu­sik im 20. Jahr­hun­dert; einer der aller­größ­ten Künst­ler der Pop­kul­tur; ich zöge­re nicht zu sagen: einer der Göt­ter der schö­nen Küns­te, im Alter von 82 Jah­ren gestor­ben war. Die Spo­ti­fy-Play­list „This Is The Beach Boys“ hat­te also schon die Zube­rei­tung unse­res Abend­essens laut­stark unter­malt.

Strand von Scheveningen, Niederlande

Wäh­rend wir Hähn­chen­brust mit Thy­mi­an und Gnoc­chi mit Lauch – ein ange­mes­sen som­mer­li­ches Gericht – aßen, muss­te das Kind nun erdul­den, wie ich ihm von der Grün­dung der Beach Boys durch die Gebrü­der Wil­son und ihren Cou­sin berich­te­te; davon, wie Bri­an Wil­son Ein­flüs­se aus Rock ’n‘ Roll, R&B und Bar­ber­shop-Gesang auf bis­her unbe­kann­te Art kom­bi­niert und damit die moder­ne Pop­mu­sik min­des­tens mit-erfun­den hat­te; wie wir Ein­flüs­se von Beach-Boys-Kom­po­si­tio­nen auch heu­te noch in den Songs unse­rer Lieb­lings-Car­toon-Serie „Phi­ne­as & Ferb“ wie­der­fin­den könn­ten. Ich erzähl­te von Bri­an Wil­sons psy­chi­schen Pro­ble­men, sei­nem Aus­stieg aus dem Tour-Leben und den Jah­ren, die der Musi­ker qua­si nur im Bett ver­bracht hat­te — ein so absur­der und pop­kul­tu­rell bedeut­sa­mer Fakt, dass die Baren­aked Ladies ihm in den Neun­zi­gern einen gan­zen Song wid­me­ten, den Wil­son selbst, eini­ger­ma­ßen gene­sen, eini­ge Jah­re spä­ter covern soll­te.


Die Musik der Beach Boys war in mei­ner Kind­heit so all­ge­gen­wär­tig, dass ich gar nicht sagen könn­te, wo sie mir erst­mals begeg­net ist. Viel­leicht im „Babybel“-Werbespot der frü­hen 1990er Jah­re, in dem der wachs­ver­klei­de­te Mini­kä­se auf die Melo­die von „Bar­ba­ra-Ann“ (übri­gens kei­ne Wil­son-Kom­po­si­ti­on) besun­gen wur­de; viel­leicht durch die ein­ge­deutsch­ten Ver­sio­nen ihrer Hits durch eine Band namens – I kid you not – Strand­jungs, die damals im Radio lie­fen (aus „Sur­fin‘ USA“ wur­de etwa „Sur­fen auf­’m Bag­ger­see“ — übri­gens mit mei­nem heu­ti­gen „MoMa“-Kollegen Peter Groß­mann am Mikro­fon); viel­leicht durch „Koko­mo“, die­sen objek­tiv furcht­ba­ren – und Bri­an-Wil­son-frei­en – Ohr­wurm aus dem Tom-Crui­se-Film „Cock­tail“;  viel­leicht durch die maxi­mal unse­riö­se „Super Hits“-CD aus den Wild­west-Tagen der Musik­in­dus­trie, die mein Vater besaß und die sich extrem auf das Surf-las­ti­ge Früh­werk der Band fokus­sier­te. Ver­dammt: Sogar bei „Hal­lo Spen­cer“, der NDR-Ant­wort auf die „Mup­pet Show“, tauch­te eine Band auf, die Quietsch­beus hieß!

Maximal unseriöse „Super Hits“-CD der Beach Boys

Als ich dann selbst tief ein­tauch­te in die Welt der Pop­kul­tur führ­te natür­lich gar kein Weg mehr an Bri­an Wil­son und den Beach Boys vor­bei: In den Sound­tracks von „Almost Famous“, „Vanil­la Sky“ und sogar „Das Expe­ri­ment“, in den Musik­zeit­schrif­ten, die ich ver­schlang, erst recht in der Musik, die ich hör­te und lieb­te. Ben Folds Five, The Ramo­nes, Tra­vis und so vie­le ande­re Bands wür­den nicht so klin­gen, wie sie klan­gen, wenn sie nicht auf die Wilson’schen Chor-Arran­ge­ments und Har­mo­nien hät­ten zurück­grei­fen kön­nen.

Ihre Songs waren so groß und teil­wei­se syn­onym mit Lie­be, dass Neil Han­non von The Divi­ne Come­dy in sei­nem Mehr­fach-Meta-Lie­bes­lied zwei bedeu­ten­de Zuta­ten für den „Per­fect Love­song” aus­mach­te: „A divi­ne Beat­les bass­li­ne /​ And a big old Beach Boys sound“. Mir ist genau heu­te auf­ge­fal­len, dass „Remem­ber“ von Air aus­gie­big den Beach-Boys-Song „Do It Again“ sam­plet.

Man kann eigent­lich fast jeden Song aus ihrem Gesamt­werk hören – und glaubt mir, ich arbei­te seit ges­tern Abend inten­siv dar­an! – und wird immer einen ande­ren, spä­te­ren Song fin­den, der mehr oder weni­ger deut­lich dar­an erin­nert (aller­dings auch etli­che frü­he­re Songs, bei denen sich Bri­an Wil­son und sei­ne Band­mit­glie­der bedient hat­ten).

Ich hab mich immer schon min­des­tens so sehr für die Hin­ter­grün­de und Ent­ste­hungs­pro­zes­se von Pop­kul­tur inter­es­siert wie für das eigent­li­che Werk und Bri­an Wil­son ist da in den 1960er Jah­ren etwas gelun­gen, was in die­ser Form sonst eigent­lich nur die Beat­les beherrsch­ten: Die Pro­duk­ti­ons­tech­ni­ken immer zu erwei­tern und die Gren­zen des Kon­zepts „Pop­song“ per­ma­nent zu ver­schie­ben und dabei immer noch Musik zu erschaf­fen, die einen ein­fach nicht kalt­las­sen kann. Das, was bei ande­ren in unschö­nem Mucker-Voka­bu­lar wie „Rock-Oper“ oder „Kon­zept­al­bum“ gip­fel­te, waren bei ihm immer noch Pop­songs — unend­lich kom­pli­ziert, so dass sie Men­schen, die sich mit Musik­pro­duk­ti­on oder Kom­po­si­ti­on beschäf­ti­gen, noch heu­te als Anschau­ungs­ma­te­ri­al die­nen, dabei aber immer noch so ein­deu­tig Pop, dass ich von den eige­nen Groß­el­tern bis zu mei­nem damals neu­ge­bo­re­nen Sohn wider­spruchs­los alle damit beschal­len konn­te.


Jan Wie­le ist für sei­nen Wil­son-Nach­ruf bei FAZ.net auf die – viel­leicht nicht wahn­sin­nig ori­gi­nel­le, aber wich­ti­ge – Idee gekom­men, den Tod von Bri­an Wil­son (und den von Sly Stone weni­ge Tage zuvor) mit der aktu­el­len Situa­ti­on in Kali­for­ni­en zu ver­schnei­den: Dass die­se bei­den Musi­ker, „die bei­de auf ihre Wei­se für kali­for­ni­sche Träu­me stan­den“, nun aus­ge­rech­net in jenen Tagen ster­ben muss­ten, in denen Donald Trump die Natio­nal­gar­de im frei­heits­lie­ben­den „Gol­den Sta­te“ auf­mar­schie­ren und Pro­tes­te gegen sei­ne unmensch­li­che Abschie­be­po­li­tik nie­der­schla­gen lässt, muss einem schon sym­bo­lisch vor­kom­men.

Strand von Santa Cruz, CA

Kali­for­ni­en – der ein­zi­ge USA-Bun­des­staat, der bis heu­te einen eigen­stän­di­gen deut­schen Namen hat – prägt für die meis­ten von uns Aus­län­dern das Ame­ri­ka­bild wie maxi­mal noch New York City. Der Staat ist gleich­zei­tig pars pro toto für die USA und unend­lich weit weg von den red­necks im fly-over coun­try. Es ist die Geschich­te des Gold­rauschs, der Enter­tain­ment-Indus­trie, des Inter­nets in all sei­nen befrei­en­den und beun­ru­hi­gen­den Aggre­gat­for­men, die vom Paci­fic Coast High­way und die vom Strand. Die Beach Boys haben – auch wenn jetzt wie­der über­all zu lesen ist, dass ja nur Bri­ans Bru­der Den­nis, der Schlag­zeu­ger der Band, wirk­lich Sur­fer war – Kali­for­ni­en und damit die USA auf eine Art erfun­den und zur Mar­ke gemacht.

In den ers­ten Zei­len von „Fun, Fun, Fun“ – einem Song, der den Spaß der­art ernst nimmt, dass er ihn gleich drei­mal im Titel trägt – singt Mike Love „Well, she got her daddy’s car /​ And she crui­sed through the ham­bur­ger stand now“ und skiz­ziert damit – von der unend­lich genia­len Phra­sie­rung von „ham­bur­ger stand now“ mal ganz ab – das, was Men­schen, die sich nicht näher für die USA inter­es­sier­ten, über Jahr­zehn­te über die USA dach­ten: Autos und Fast Food. Wenn Du hier einen Pflock in die Erde schlägst, bil­det er eine Linie mit Geor­ge Lucas‘ „Ame­ri­can Graf­fi­ti“ und wei­ten Tei­len von Quen­ti­on Taran­ti­nos „Pulp Fic­tion“. Dass der Song im Früh­jahr 1964 erschien, zwei­ein­halb Mona­te nach der Ermor­dung von John F. Ken­ne­dy, zu einer Zeit, als der Viet­nam­krieg gera­de anfing, rich­tig unschön zu wer­den, ist Kon­text, der das Ame­ri­ka-Kli­schee per­fekt macht. Stu­die­ren­den­pro­tes­te an kali­for­ni­schen Uni­ver­si­tä­ten? The Beach Boys got you cover­ed.

Mein Kali­for­ni­en-Bild ist geprägt von den Besu­chen bei mei­ner Fami­lie, die in der San Fran­cis­co Bay Area, in Nor­Cal, lebt, weit weg von den ober­fläch­li­chen Show­biz-Leu­ten in SoCal (natür­lich ist auch Kali­for­ni­en noch ein­mal in sich gespal­ten, wenn auch nicht so tief wie der Rest der USA). Ich hab’s – von einem Aus­flug nach Dis­ney­land per Flug­zeug mal ab – nie wei­ter süd­lich geschafft als Big Sur. Und gleich­zei­tig ist der Mythos Süd­ka­li­for­ni­ens natür­lich auch tief in mein Herz ein­ge­ba­cken — durch „The O.C.“, die Red Hot Chi­li Pep­pers und die Bands von Andrew McMa­hon. Der ist gera­de auf Tour­nee, um das 20. Jubi­lä­um von „Ever­y­thing In Tran­sit“ zu fei­ern, und pos­te­te ges­tern sogleich ein Insta­gram-Reel, in dem er Wil­son gedach­te und des­sen Ein­fluss auf sein eige­nes Album wür­dig­te. Soll­te ich jemals mit mei­nem vor vier Jah­ren begon­ne­nen Solo­al­bum fer­tig wer­den, wird dar­auf ein Song ent­hal­ten sein, der „Cali­for­nia Girls“ heißt, den Mythos Kali­for­ni­en fei­ert und sich im Refrain natür­lich scham­los bei den Beach Boys bedient — man kann das Wort „Cali­for­nia“ ja nur im Satz­ge­sang sin­gen.


Ich bin mir rela­tiv sicher, dass ich das Meer auch ohne die Beach Boys lie­ben wür­de (ich fah­re nach Hol­land, seit ich zwei Jah­re alt bin!), aber die Melan­cho­lie, die jeden Strand­be­such umweht, die kommt wahr­schein­lich zu einem guten Teil von der Band.

Jens Bal­zer schafft es in sei­nem Nach­ruf bei „Zeit Online“, wirk­lich jeden Win­kel von Wil­sons Schaf­fen aus­zu­leuch­ten und doch per­sön­lich und mensch­lich zu schlie­ßen. Ann Powers, die gro­ße Pop-Erklä­re­rin bei „NPR Music“, erin­nert auch noch mal aus­führ­lich an die vie­len Her­aus­for­de­run­gen und Tief­schlä­ge im Leben des Man­nes, des­sen Musik für sehr ober­fläch­li­che Beobachter*innen vor allem für „Son­ne, Strand und gute Lau­ne“ stand.

Strand von Egmond Aan Zee, Niederlande

Dabei muss man ja nicht ein­mal zu „God Only Knows“, „I Just Was­n’t Made For The­se Times“ (schon der Titel!) oder „Surf’s Up“ grei­fen: Selbst „Fun, Fun, Fun“ hat eine bedroh­lich an eine Sire­ne erin­nern­de Hin­ter­grund­me­lo­die und der gan­ze Spaß endet, wenn Vati dem über­mü­ti­gen Mäd­chen die Auto­schlüs­sel weg­nimmt. Die­se Wider­sprüch­lich­keit des Lebens wird in „God Only Knows“ beson­ders deut­lich: Die ers­te Zei­le lau­tet – für ein Lie­bes­lied eher unge­wöhn­lich – „I may not always love you“; eine Tren­nung bedeu­te zwar nicht das Ende der Welt, aber ob und wie der Spre­cher her­nach wei­ter­le­ben kön­ne, dass wis­se nur Gott allein.

Bei Bob Dylan hat­te die Ant­wort auf alle wich­ti­gen Fra­gen ein paar Jah­re zuvor schon deut­lich irdi­scher im Wind geweht.

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Unterwegs

If you’re going to San Francisco … (Teil 3)

San Francisco, CA

Nach­dem wir schon Geschäf­te, sowie Knei­pen und Restau­rants emp­foh­len haben, kom­men wir im drit­ten und letz­ten Teil unse­res gro­ßen San-Fran­cis­co-Rei­se­füh­rers „Cocoa And Books“ heu­te zu einem ande­ren, nicht ganz so klar zu umrei­ßen­den The­men­kom­plex. Erst sage ich Ihnen, wel­che Main­stream-Tou­ris­ten­at­trak­tio­nen gar nicht mal so schlecht sind, und dann machen wir noch einen klei­nen Abste­cher ins Nacht­le­ben.

Teil 3: (Ach, da fehlt uns noch ’ne Über­schrift)

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Unterwegs

If you’re going to San Francisco … (Teil 2)

Nach­dem wir im ers­ten Teil unse­res gro­ßen San-Fran­cis­co-Rei­se­füh­rers „Cocoa And Books“ ein wenig Shop­pen waren (und dabei so tol­le Läden wie Fox Hard­ware, sämt­li­che Luxus-Kauf­häu­ser am Uni­on Squa­re und den gan­zen Tou­ris­ten­ramsch am Fisherman’s Wharf uner­wähnt gelas­sen haben), wol­len wir uns nun ein wenig um das leib­li­che Wohl in der schöns­ten Stadt der Welt küm­mern.

Teil 2: Knei­pen und Restau­rants

Erwar­ten Sie von mir kei­ne Bespre­chun­gen kuli­na­ri­scher Tem­pel – dafür habe ich viel zu wenig Ahnung, die geschätz­ten Autoren von Go to Rio dafür umso mehr. Hier und jetzt soll es um Ambi­en­te, Ori­gi­na­li­tät und Satt wer­den gehen. Und das geht so:

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Unterwegs

If you’re going to San Francisco … (Teil 1)

Die Kol­le­gin Kath­rin ist zur Zeit in San Fran­cis­co, CA. Weil ich vor zwei­ein­vier­tel Jah­ren ein­mal elf Wochen in die­ser Stadt ver­bracht – oder kos­mo­po­li­ti­scher aus­ge­drückt: dort gelebt – habe, fühl­te ich mich bemü­ßigt, ihr eine Lis­te mit Emp­feh­lun­gen mit­zu­ge­ben, was man unbe­dingt gese­hen und besucht haben soll­te. Und weil das ein ziem­li­cher Auf­wand war, kön­nen Sie jetzt auch davon pro­fi­tie­ren:

Cocoa And Books – Der gro­ße Cof­fee-And-TV-San-Fran­cis­co-Füh­rer

Teil 1: Geschäf­te

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Rundfunk Politik

Präsidiales Liveblog

00:00 Uhr: Jetzt geht’s lo-hos!

Blog­ger und Arbeits­platz sind bereit:

Ich gucke seit zehn Minu­ten ARD und bezweif­le jetzt schon, dass ich das wach über­ste­hen wer­de. Was schon mal ein Fort­schritt ist: vor vier Jah­ren saß in die­ser Maisch­ber­ger-Run­de Hen­ryk M. Bro­der.

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Musik

It’s not California here

Ich kam in letz­ter Zeit eher sel­ten zum Hören neu­er Ton­trä­ger, wes­halb auch die letz­te Lis­ten­pa­nik so lan­ge gebraucht hat. Schuld dar­an ist ein etwas älte­res Album, das ich bei­na­he täg­lich höre, hören muss: „Fun­nel Cloud“ von Hem.

Hem kom­men aus Brook­lyn, NY und spie­len „Coun­try­po­li­tan“, „Indie Folk-Rock“ oder „Folk Pop“. Letzt­lich ist es natür­lich egal, wie man das nennt, als gro­be Rich­tungs­an­ga­be reicht, dass sie wun­der­schö­ne, eher ruhi­ge Musik nord­ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung machen. Und weil mit Sal­ly Elly­son eine Frau singt, ist man mit Joni-Mit­chell-Ver­glei­chen schnell zur Hand und rela­tiv nah dran.

Sehr wohl California

Ken­nen­ge­lernt habe ich die Band durch ihren Song „Not Cali­for­nia“, den ich vor etwa andert­halb Jah­ren auf der CD-Bei­la­ge des ame­ri­ka­ni­schen „Pas­te“-Maga­zins fand. Nach mei­ner Rück­kehr aus Kali­for­ni­en wähn­te ich in dem Text mein gan­zes Fern­weh aus­ge­drückt – auch wenn er ganz anders gemeint war. Nach­dem ich das Lied etwa ein Jahr lang gehört hat­te, woll­te ich doch mal mehr von der Band ken­nen ler­nen. Im Import waren die CDs gro­tesk teu­er, bei iTu­nes (ja, selbst im deut­schen iTu­nes Music Store) kos­te­te die Musik gera­de mal 9,99 Euro. So kauf­te ich „Fun­nel Cloud“, das vier­te Album der Band, wo auch „Not Cali­for­nia“ drauf ist, hör­te und war hin und weg.

Ich habe häu­fi­ger beim Musik­hö­ren Bil­der vor Augen, aber bei „Fun­nel Cloud“ waren sie beson­ders stark: Das gan­ze Album klingt wie der Sound­track zu einem end­lo­sen Herbst­nach­mit­tag in den nord­ka­li­for­ni­schen Hügeln. Die Son­ne steht die gan­ze Zeit über tief am Him­mel und man spürt den Staub, der beim Streif­zug über die tro­cke­nen Wie­sen an den Schu­hen kle­ben bleibt. Nicht schlecht für eine Band, die genau aus der ent­ge­gen­ge­setz­ten Ecke der USA kommt.

Auch California

Und so ist „Fun­nel Cloud“ andert­halb Jah­re nach sei­nem Erschei­nen mein bis­her meist gehör­tes Album des Jah­res 2008. Die ange­nehm dahin­plät­schern­de Musik beru­higt mich, wenn ich ent­nervt im nord­rhein-west­fä­li­schen Nah­ver­kehr fest­hän­ge, und wenn ich das Album am Com­pu­ter höre, bin ich danach immer ganz erstaunt, in Bochum zu sit­zen und nicht irgend­wo in der unend­li­chen Land­schaft Ame­ri­kas. Ich möch­te Ihnen drin­gend ans Herz legen, wenigs­tens mal rein­zu­hö­ren.

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Band­pro­fil bei MySpace
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Digital

Klickbefehl (7)

In Sachen Nokia läuft gera­de ein Fass über. Und die Ver­ant­wort­li­chen in der Poli­tik – allen vor­an der Minis­ter­prä­si­dent Rütt­gers – täten gut dar­an, jetzt kein Öl mehr ins Feu­er zu gie­ßen.

Nach der Ankün­di­gung von Nokia, das Werk in Bochum dicht zu machen, über­bie­ten sich die Poli­ti­ker in Popu­lis­mus. Dju­re von „blog.50hz.de“ tritt einen Schritt zurück und nennt das Ver­hal­ten von Nokia „kon­se­quent“.

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Wäh­rend hier­zu­lan­de Niko­tin­freun­de unter dem Knei­pen-Rauch­ver­bot äch­zen, grei­fen kali­for­ni­sche Behör­den rich­tig hart durch. Die Klein­stadt Cala­ba­sas sol­len in Zukunft qualm­frei sein – auch in den eige­nen vier Wän­den.

„Spie­gel Online“ berich­tet über das geplan­te Rauch­ver­bot in Miet­woh­nun­gen in Cala­ba­sas, CA („LA Dai­ly News“ zum sel­ben The­ma).

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Heu­te ban­ge ich um das Leben jedes Opas, der in der Tram die Augen rollt, wenn eine Cli­que 15-Jäh­ri­ger die Belast­bar­keit der Schei­ben mit Schlag­rin­gen tes­tet. Das Ent­rüs­tungs­po­ten­ti­al älte­rer Men­schen wird ja immer mehr zum Sicher­heits­ri­si­ko im öffent­li­chen Raum. Ich grei­fe dann sofort ein und ver­wick­le den sich in Rage den­ken­den Mitt­sieb­zi­ger in ein Gespräch über Stauf­fen­berg, die Wehr­macht oder die Seg­nun­gen von Essen auf Rädern.

Dani­el Haas hat bei „Spie­gel Online“ eine wun­der­ba­re … ja, was eigent­lich: Pole­mik, Sati­re? Er hat jeden­falls einen wun­der­ba­ren Text über die aktu­ell her­auf­be­schwo­re­nen Gefah­ren in U‑Bahnen ver­fasst.

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„Rie­chen Sie die U‑Bahn?“, fra­ge ich. Wir stei­gen ein, fah­ren durch die Pro­blem­vier­tel Ber­lins. Drei Betrun­ke­ne stei­gen zu, sie haben Bier­fla­schen in den Hän­den. Ich habe kei­nen Augen­kon­takt mit den Bier­trin­kern. Frau Zypries auch nicht. Wir spre­chen über die Archi­tek­tur der Groß­städ­te, die auch Gewalt aus­löst, über Hoch­häu­ser.

Gon­zo-Jour­na­lis­mus bei „Bild.de“: Franz Josef Wag­ner und Bri­git­te Zypries fah­ren U‑Bahn. Mit Video!

Pas­send dazu: „In zehn ein­fa­chen Schrit­ten: Schrei­ben wie Franz Josef Wag­ner“ bei medienlese.com

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When histo­ry was writ­ten, the final page will say …

Auch deut­sche Poli­ti­ker sagen mit­un­ter merk­wür­di­ge Din­ge. Aber nie­mand ist so merk­wür­dig wie Geor­ge W. Bush – und nie­mand nimmt das bes­ser aus­ein­an­der als die eine „Dai­ly Show“.

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„Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ wirkt eigent­lich ver­gleichs­wei­se unge­fähr­lich gegen­über „Big Brot­her“ oder vie­len Talk­shows und Doku-Soaps, weil die Teil­neh­mer kei­ne nai­ven Lai­en sind, son­dern Pro­fis, die wis­sen könn­ten, wor­auf sie sich ein­las­sen, und Bera­ter an ihrer Sei­te haben. Doch mit Blick auf Tei­le des Per­so­nals und ihr Ver­hal­ten im Dschun­gel muss man dar­an zwei­feln, ob die Teil­nah­me für alle rein sub­jek­tiv wirk­lich so frei­wil­lig ist.

Ste­fan Nig­ge­mei­er macht sich in der „FAZ“ Gedan­ken dar­über, was die Kan­di­da­ten zu ihrer Teil­nah­me bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ getrie­ben haben könn­te.

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The epi­so­de is the latest in which blog­gers and others have used the Inter­net to force Chi­ne­se aut­ho­ri­ties to inves­ti­ga­te bea­tings and other abu­ses by govern­ment offi­ci­als.

Die Online-Aus­ga­be der „New York Times“ berich­tet dar­über, wie Blog­ger in Chi­na die genaue­re Unter­su­chung eines mys­te­riö­sen Todes­falls ansto­ßen konn­ten.

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Musik

Heulen und Zähneklappern

Stel­len Sie sich vor, Sie wür­den von der ame­ri­ka­ni­schen Musik­in­dus­trie­or­ga­ni­sa­ti­on RIAA für die Benut­zung von Inter­net-Tausch­bör­sen auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Was wäre schlim­mer: die Aus­sicht auf kost­spie­li­ge Zah­lun­gen und einen mög­li­chen Gefäng­nis­auf­ent­halt oder die Pres­se­mel­dung, dass Sie unter ande­rem „My Favo­ri­te Mista­ke“ von Sheryl Crow und „Did­n’t We Almost Have It All“ von Whit­ney Hous­ton her­un­ter­ge­la­den hät­ten?

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Regenzeit

Nach nun­mehr 48 Stun­den Dau­er­re­gen („gefühl­tem Dau­er­re­gen“, zumin­dest) dach­te ich mir, es sei mal an der Zeit für ein biss­chen Eska­pis­mus und Fern­weh.

Des­we­gen jetzt und hier: Eine Minu­te San Fran­cis­co, CA – im Regen. Auf­ge­nom­men im ver­gan­ge­nen Novem­ber.

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So lan­ge wie ich zum Umco­die­ren und Hoch­la­den mei­nes ers­ten You­Tube-Clips ever gebraucht habe, hat es natür­lich auf­ge­hört zu reg­nen.

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Musik

It’s gonna be an easy ride

Jacqui Naylor (photo by Thomas Heinser)Es gibt Alben, die sind so Gen­re-spren­gend, dass sie haar­scharf an jeder Ziel­grup­pe vor­bei­schram­men. „The Color Five“ von Jac­qui Nay­lor könn­te so ein Fall sein: Eigent­lich ist die Kali­for­nie­rin Jazz­sän­ge­rin, aber ihre Alben und Kon­zer­te öff­nen auch die Schub­la­den „Folk“ und „Pop“ so weit, dass die Kom­mo­de, auf der groß „Musik­gen­res“ steht, und die Musik­jour­na­lis­ten­me­ta­phern um die Wet­te aus­ein­an­der­fal­len.

Gemein­sam mit ihrer (sehr guten, aber dazu kom­men wir noch) Band hat Jac­qui Nay­lor etwas erfun­den, was sie „acou­stic smas­hes“ nennt: Singt Nay­lor den Text eines Pop­songs („Hot Legs“ von Rod Ste­wart“, „I Still Haven’t Found What I’m Loo­king For“ von U2, „Lola“ von den Kinks), spielt die Band dazu einen Jazz­stan­dard („Can­ta­lou­pe Island“ von Her­bie Han­cock, „All Blues“ von Miles Davis, „Side­win­der“ von Lee Mor­gan); singt Nay­lor einen … nun ja: etwas abge­grif­fe­nen Klas­si­ker wie das unver­meid­li­che „Sum­mer­ti­me“ von Geor­ge und Ira Gershwin, bemerkt man das viel­leicht gar nicht auf Anhieb, weil die Band lie­ber „Whip­ping Post“ von den All­man Brot­hers spielt. Hört sich kom­pli­ziert, merk­wür­dig oder schlicht unvor­stell­bar an? Hier kann man in alle Songs rein­hö­ren und sich davon über­zeu­gen, dass es ziem­lich gut klingt.

Ein Drit­tel der fünf­zehn Songs sind die­se „acou­stic smas­hes“, ein Drit­tel „nor­ma­le“ Cover­ver­sio­nen und ein Drit­tel Ori­gi­nals, also Songs, die Nay­lor und ihr Musi­cal Direc­tor Art Khu selbst geschrie­ben haben. Das nicht gänz­lich unre­nom­mier­te Maga­zin „Jazz Times“ ver­glich das Song­wri­ting der bei­den mit dem der nicht gänz­lich unbe­deu­ten­den Joni Mit­chell und Paul Simon, und ich möch­te wenigs­tens noch Sara McLach­lan, Tori Amos und Neil Finn name­drop­pen. „Easy Ride From Here“ z.B. ist ein der­art run­der Pop­song, dass ich ihn bit­te in den nächs­ten Jah­ren in min­des­tens fünf ver­schie­de­nen roman­ti­schen Komö­di­en oder ame­ri­ka­ni­schen Hoch­glanz­se­ri­en hören möch­te.

Ich weiß nicht, ob ich je von Jac­qui Nay­lor erfah­ren hät­te, wenn ich sie nicht per­sön­lich ken­nen­ge­lernt hät­te; ob ich auch so von ihrer Musik begeis­tert wäre, wenn ich sie nicht live gese­hen hät­te. Ihre Stim­me bewegt sich zwi­schen but­ter­weich und ange­nehm krat­zig und ihre Band … Ach, die­se Band: Jazz­mu­si­kern zuzu­se­hen, ist für Men­schen wie mich, die stolz sind, drei Akkor­de feh­ler­frei grei­fen zu kön­nen, immer in glei­chem Maße beein­dru­ckend wie ernüch­ternd. Die­se Band ist beson­ders tight (ist „tight“ über­haupt eine Voka­bel, die zum Beschrei­ben von Jazz­bands geeig­net ist?): Art Khu könn­te man ver­mut­lich ein Alp­horn in die Hand drü­cken und nach fünf Minu­ten wür­de er dem Instru­ment lieb­lichs­te Töne ent­lo­cken, Drum­mer Josh Jones spielt nicht nur die ver­track­tes­ten Beats und Rhyth­men­wech­sel, er gri­mas­siert dabei auch noch, als müs­se er wäh­rend des Kon­zerts noch einer Grup­pe durch­ge­knall­ter Comic­zeich­ner Modell sit­zen.

Es gibt Alben, die sind so Gen­re-spren­gend, dass sie jede Ziel­grup­pe begeis­tern. „The Color Five“ von Jac­qui Nay­lor könn­te so ein Fall sein.

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Übliches Ableben

Am Flug­ha­fen von San Fran­cis­co ist ein toter Chi­ne­se im Bauch eines Flug­zeugs ent­deckt wor­den – offen­bar ein blin­der Pas­sa­gier aus Shang­hai.

Für die Art, wie der „San Fran­cis­co Chro­nic­le“ die­sen und ver­gleich­ba­re Fäl­le beschreibt, müss­te man eigent­lich eine Stei­ge­rungs­form von „lako­nisch“ erfin­den:

Bodies are peri­odi­cal­ly found in the wheel wells of air­planes, usual­ly after peo­p­le seek covert ent­ry into the United Sta­tes or Euro­pe. Such sto­wa­ways usual­ly die during the flight.

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Leben Unterwegs

Greetings From Co

Offen­bar ist Inkom­pe­tenz kein Pri­vi­leg der deut­schen Post, auch die ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen wis­sen zu beein­dru­cken:

*** *******CO, California

Gut, dass ich weiß, woher die Post­kar­te kommt. Lesen wür­de ich es näm­lich nicht kön­nen.