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Film

This Is Zodiac Speaking

Zodiac (Amerikanisches Filmposter)Fil­me über wah­re Bege­ben­hei­ten haben ja immer den Nach­teil, dass man weiß, wie sie aus­ge­hen. Zwar berich­te­te mein Bru­der mal von einer Freun­din, die empört war, als man ihr vor dem Kino­be­such das Ende von „Der Unter­gang“ offen­bar­te („Hit­ler erschießt sich und Deutsch­land ver­liert“), aber das dürf­te eben­so die Aus­nah­me sein wie Leu­te, die sich wun­dern, dass in „Tita­nic“ ein Schiff unter­geht. In „Zodiac“ dem neu­es­ten Film des groß­ar­ti­gen David Fin­cher („Fight Club“, „Sie­ben“, „The Game“) geht es um einen Seri­en­mör­der, von dem in Ame­ri­ka jedes Kind weiß, dass er nie gefasst wur­de. Wie man vor die­sem Hin­ter­grund trotz­dem einen span­nen­den Film dre­hen kann, zeigt Fin­cher den Zuschau­ern in 158 Minu­ten.

In der San Fran­cis­co Bay Area wer­den Ende der 1960er Jah­re meh­re­re Mor­de began­gen, der Täter schickt ver­schlüs­sel­te Bot­schaf­ten an Lokal­zei­tun­gen und Poli­zei und insze­niert sich selbst als ers­tes media­les Phä­no­men die­ser Art. Die Ermitt­ler tap­pen im Dun­keln, die Nach­for­schun­gen des Repor­ters Paul Avery (Robert Dow­ney Jr. spielt einen Mann mit Alko­hol­pro­ble­men – How about that?) füh­ren auch nicht wei­ter und der gan­ze Fall ver­läuft sich irgend­wie. Und in dem Moment, wo man sich als Zuschau­er fragt „Ja, und jetzt? Ist ja wohl noch was hin bis zum Schluss …“, in die­sem Moment ent­wi­ckelt der Kari­ka­tu­rist Robert Grays­mith (der in vier­zehn Jah­ren kei­nen Tag altert – Jake Gyl­len­haal sei Dank) eine gera­de­zu krank­haf­te Obses­si­on, den Fall lösen zu wol­len. Er forscht nach, kämpft sich durch Akten­ber­ge und befragt alle mit dem Fall betrau­ten Per­so­nen.

Dass Fin­cher eine bedrü­cken­de Atmo­sphä­re schaf­fen kann, wis­sen wir spä­tes­tens seit „Sie­ben“. In „Zodiac“ rekon­stru­iert er das San Fran­cis­co der spä­ten Sech­zi­ger und Sieb­zi­ger Jah­re mit bei­na­he beun­ru­hi­gen­der Akri­bie und schafft so eine Welt in Braun und Grau, in der es auch noch stän­dig reg­net. Zu jeder Sekun­de sieht der Film so aus, als sei er wirk­lich schon über 30 Jah­re alt und die Kame­ra­fahr­ten durch inzwi­schen längst umge­bau­te Stra­ßen zei­gen, wie toll und unauf­fäl­lig Spe­zi­al­ef­fek­te mitt­ler­wei­le sind, wenn man sie aus­nahms­wei­se mal für rea­lis­ti­sche Bil­der ein­setzt. Der Film nimmt uns mit in eine Zeit, lan­ge vor der welt­wei­ten Ver­net­zung, als längst noch nicht jede Poli­zei­sta­ti­on in den USA ein Fax­ge­rät hat­te und man von gene­ti­schen Fin­ger­ab­drü­cken und ähn­li­chen Spie­le­rei­en noch nicht mal träum­te – eine Zeit, in der die Ame­ri­ka­ner immer­hin auf dem Mond lan­de­ten und in der Edu­ard Zim­mer­mann schon „Akten­zei­chen XY… unge­löst“ mode­rier­te.

Jake Gyl­len­haal wird sein Image als „irgend­wie unheim­li­cher Sof­tie“ wohl nie so ganz los­wer­den, aber wie schon so oft (und zu vör­de­rerst in „Don­nie Dar­ko“) über­zeugt der 26-Jäh­ri­ge auch dies­mal wie­der voll und ganz. Sein Robert Grays­mith, auf des­sen Büchern der gan­ze Film basiert, ist ein ähn­lich getrie­be­ner Cha­rak­ter wie Detec­ti­ve David Mills in „Sie­ben“: Er beläs­tigt die zustän­di­gen Poli­zis­ten mit­ten in der Nacht, spannt sei­ne Kin­der als Hilfs­er­mitt­ler eins und als er zuhau­se Anru­fe vom ver­meint­li­chen Kil­ler erhält, ver­lässt ihn sei­ne zwei­te Frau. Sei­nen Bru­der im Geis­te fin­det er in Inspec­tor David Toschi (Mark Ruf­fa­lo), der ihn mit Infor­ma­tio­nen ver­sorgt und trotz aller Anstren­gun­gen auch nicht vom Zodiac-Fall los­kommt.

Die bru­ta­len Mor­de bil­den eigent­lich nur das Grund­ge­rüst für die Geschich­te, auf eini­ge Fäl­le, die dem Zodiac-Kil­ler eben­falls zuge­schrie­ben wer­den, geht er gar nicht ein. Fin­cher ori­en­tier­te sich nach eige­nen Anga­ben an „All The President’s Men“, dem Film über die Jour­na­lis­ten Carl Bern­stein und Bob Wood­ward, die den Water­ga­te-Skan­dal auf­deck­ten. Trotz­dem ent­wi­ckelt sich in man­chen Sze­nen eine unglaub­li­che Span­nung, die auch durch Fak­ten­wis­sen nicht her­un­ter­zu­spie­len ist. Auf dem Nach­hau­se­weg war ich jeden­falls gering­fü­gig para­no­id.

Fünf Jah­re nach „Panic Room“, der eigent­lich auch nur ent­täu­schend war, weil man nach „Fight Club“ wie­der eine ähn­li­che Groß­tat von Fin­cher erwar­tet hat­te, ist der Regis­seur ein­mal mehr auf dem Höhe­punkt sei­nes Schaf­fens. „Zodiac“ ist ein düs­te­rer, intel­li­gen­ter, letzt­lich aber pes­si­mis­ti­scher Film. Für Leu­te, die sich schon län­ger mit dem Zodiac-Kil­ler befas­sen, ist es eine Bebil­de­rung der eige­nen Vor­stel­lun­gen, für Neu­lin­ge ist es eine sehr gute Ein­füh­rung in den Fall. Die 2004 geschlos­se­nen Akten des San Fran­cis­co Poli­ce Depart­ment zum Zodiac-Kil­ler wur­den im Früh­jahr die­ses Jah­res wie­der geöff­net.

Offi­zi­el­le Web­site zum Film
Offi­zi­el­le deut­sche Web­site zum Film
Film-Trai­ler
„The Z Files“ – Fak­ten­samm­lung zum Zodiac-Kil­ler

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Musik

Lieder für die Ewigkeit: Phantom Planet – California

California (Highway No 1)

Ich höre gera­de ein Mix­tape, das ich mir vor ziem­lich exakt fünf Jah­ren auf­ge­nom­men hat­te, weni­ge Tage nach mei­nen schrift­li­chen Abitur­prü­fun­gen. Die­se Zeit war (im Gegen­satz zur Zeit des Stu­di­en­ab­schluss jetzt) von der Aura des Beson­de­ren geprägt, ent­spre­chend Bedeu­tungs­be­la­den wir­ken die dort ver­sam­mel­ten Lie­der auch heu­te noch auf mich. Unter den 24 Songs war einer, der es beson­ders in sich hat­te: „Cali­for­nia“ von Phan­tom Pla­net.

Ich hat­te das Lied (und das dazu­ge­hö­ri­ge, sehr emp­feh­lens­wer­te Power­pop-Album „The Guest“) im Früh­jahr 2002 ent­deckt. „Cali­for­nia“ war eine Hym­ne, Musik­ge­wor­de­ne Lebens­freu­de mit einem win­zi­gen Schuss Melan­cho­lie, kurz­um: ein Lied, das per­fekt in die­se Zeit pass­te. Trotz­dem brach­te es Phan­tom Pla­net nicht den erhoff­ten und ver­dien­ten Durch­bruch in Deutsch­land, auch das selbst­be­ti­tel­te (und längst nicht so gute) Nach­fol­ge­al­bum ging unter.

Ent­spre­chend über­rascht war ich, als „Cali­for­nia“ vor zwei Jah­ren plötz­lich über­all lief: Im Vor­spann der (zumin­dest in der ers­ten Staf­fel ziem­lich unter­halt­sa­men) US-Serie „O.C., Cali­for­nia“ und infol­ge­des­sen auch in allen Radio­sta­tio­nen und Charts. Mei­ne Freu­de, dass end­lich mal ein von mir für gut befun­de­nes Lied so wei­te Ver­brei­tung erfah­ren hat­te, erlitt auf dem Abi­ball mei­ner Schwes­ter einen klei­nen Dämp­fer: Da waren jun­ge Men­schen, die drei Jah­re nach mir ihren Abschluss mach­ten, und auf ihrer Abschluss­fei­er mein Lied gröl­ten, das sie aus einer doo­fen Fern­seh­se­rie kann­ten. Ich fühl­te mich in gewis­ser Wei­se mei­ner Jugend beraubt.

Im ver­gan­ge­nen Jahr war ich für drei Mona­te in San Fran­cis­co und natür­lich durf­te „Cali­for­nia“ auf mei­nem extra für die­sen Auf­ent­halt zusam­men­ge­stell­ten Sam­pler nicht feh­len. Als mich ein Freund aus Deutsch­land besuch­te und wir im Auto den High­way No. 1 Rich­tung San­ta Cruz hin­ab­fuh­ren, sprang der CD-Wechs­ler des Autos auf „The Guest“ um. Die ers­ten Tak­te von „Cali­for­nia“ erklan­gen und obwohl wir uns über das Kli­schee amü­sier­ten, das die­se Sze­ne umgab, pass­te der Song gleich­zei­tig doch per­fekt zu der male­ri­schen, son­nen­durch­flu­te­ten Land­schaft der Pazi­fik­küs­te. Und so san­gen wir „Cali­fooooo­or­nia­aaaaaaaaaaa, here we coooooooooooo­me!“

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Musik

Don’t Dream It’s Over

Am Wochen­en­de fand in Kali­for­ni­en das Coa­chel­la statt, eines der größ­ten Musik­fes­ti­vals Nord­ame­ri­kas. Was die dies­jäh­ri­ge Aus­ga­be – neben dem ohne­hin span­nen­den Line-Up (Arca­de Fire, Tra­vis, Lily Allen, Kai­ser Chiefs, Björk, Red Hot Chi­li Pep­pers, Arc­tic Mon­keys, Hap­py Mon­days, Jack’s Mane­quin, Coco­Ro­sie, Mika, …) – beson­ders span­nend mach­te, waren die Reuni­on-Shows von Rage Against The Machi­ne und Crow­ded House, die für dort ange­kün­digt waren. Ehr­lich gesagt inter­es­sie­ren mich die gro­ßen älte­ren Her­ren des Pop deut­lich mehr als die auch nicht mehr ganz jun­gen Polit­ro­cker aus L.A., aber wenigs­tens bedeu­tet deren Reuni­on ja das Ende der schreck­li­chen Audio­slave.

Die ein­zi­ge Infor­ma­ti­on, die ich bis­her zum Auf­tritt von Crow­ded House fin­den konn­te, war die, dass Neil Finn von war­ten­den RATM-Fans mit einer Was­ser­fla­sche bewor­fen wur­de. Wobei der sicher auch über­rascht war, dass mal etwas ande­res als immer nur Finn-Cra­cker auf die Büh­ne flo­gen.

Und dann gibt es noch die­ses Foto aus einer Bil­der­ga­le­rie bei der net­zei­tung, wo man es geschafft hat, in zwölf Wor­ten Begleit­text gleich drei Feh­ler unter­zu­brin­gen:

Irgendeine Band mit C …
(Screen­shot: netzeitung.de, Her­vor­he­bung: Cof­fee And TV)

Das Come­back-Album nach über zehn Jah­ren soll übri­gens im Juli erschei­nen.

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Film Leben

Aus dem Zusammenhang

In den spä­ten 1960er Jah­ren trieb in Nord­ka­li­for­ni­en der sog. Zodiac Kil­ler sein Unwe­sen. Sei­ne (nach­weis­ba­ren) Opfer waren in der Regel jun­ge Pär­chen, die er auf teils ziem­lich bru­ta­le Wei­se töte­te. Beson­ders spek­ta­ku­lär an dem Fall waren die kom­plex ver­schlüs­sel­ten Brie­fe, die der (mut­maß­li­che) Täter an die Öffent­lich­keit schick­te und in denen er die Ver­ant­wor­tung für eine Viel­zahl wei­te­rer Mor­de über­nahm. Bis heu­te ist sich die Poli­zei nicht sicher, wer der Zodiac Kil­ler ist, und wel­che Moti­ve ihn antrie­ben. Die Poli­zei­ak­te des San Fran­cis­co Poli­ce Depart­ments, die vor drei Jah­ren geschlos­sen wor­den war, wur­de im Früh­jahr die­ses Jah­res wie­der geöff­net.

Vor zwei Wochen lief in den USA „Zodiac“ an, der neue Film von David Fin­cher („Se7en“, „Fight Club“), der sich auf teils fik­ti­ven, teils ver­brief­ten Wegen mit dem Fall des Zodiac Kil­lers befasst.

Ges­tern wur­de in San Fran­cis­co ein 17jähriges Mäd­chen von einem unbe­kann­ten jun­gen Mann auf offe­ner Stra­ße erschos­sen, ihr Beglei­ter wur­de ver­letzt.

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Digital

Kalifornische Stadt mit vier Silben

Ich bin mir sicher, eines Tages wer­den wir erle­ben, dass man bei Spie­gel Online, kurz bevor man eine nur mini­mal modi­fi­zier­te Agen­tur-Mel­dung online setzt, noch mal eben über­prüft, ob man bei den wich­tigs­ten Anga­ben auch kei­nen Feh­ler gemacht hat. Heu­te jedoch nicht:

Irgendwo in Kalifornien
Screen­shot: Spie­gel Online, Her­vor­he­bun­gen: Cof­fee And TV

Nach­trag 1. März, 10:22 Uhr: Irgend­wann in den letz­ten neun Stun­den haben sie es doch noch bemerkt. Die rich­ti­ge Ant­wort war natür­lich „San Fran­cis­co“, bit­te nicht mehr anru­fen.