It’s not California here

Von Lukas Heinser, 13. März 2008 14:07

Ich kam in letzter Zeit eher selten zum Hören neuer Tonträger, weshalb auch die letzte Listenpanik so lange gebraucht hat. Schuld daran ist ein etwas älteres Album, das ich beinahe täglich höre, hören muss: „Funnel Cloud“ von Hem.

Hem kommen aus Brooklyn, NY und spielen „Countrypolitan“, „Indie Folk-Rock“ oder „Folk Pop“. Letztlich ist es natürlich egal, wie man das nennt, als grobe Richtungsangabe reicht, dass sie wunderschöne, eher ruhige Musik nordamerikanischer Prägung machen. Und weil mit Sally Ellyson eine Frau singt, ist man mit Joni-Mitchell-Vergleichen schnell zur Hand und relativ nah dran.

Sehr wohl California

Kennengelernt habe ich die Band durch ihren Song „Not California“, den ich vor etwa anderthalb Jahren auf der CD-Beilage des amerikanischen „Paste“-Magazins fand. Nach meiner Rückkehr aus Kalifornien wähnte ich in dem Text mein ganzes Fernweh ausgedrückt – auch wenn er ganz anders gemeint war. Nachdem ich das Lied etwa ein Jahr lang gehört hatte, wollte ich doch mal mehr von der Band kennen lernen. Im Import waren die CDs grotesk teuer, bei iTunes (ja, selbst im deutschen iTunes Music Store) kostete die Musik gerade mal 9,99 Euro. So kaufte ich „Funnel Cloud“, das vierte Album der Band, wo auch „Not California“ drauf ist, hörte und war hin und weg.

Ich habe häufiger beim Musikhören Bilder vor Augen, aber bei „Funnel Cloud“ waren sie besonders stark: Das ganze Album klingt wie der Soundtrack zu einem endlosen Herbstnachmittag in den nordkalifornischen Hügeln. Die Sonne steht die ganze Zeit über tief am Himmel und man spürt den Staub, der beim Streifzug über die trockenen Wiesen an den Schuhen kleben bleibt. Nicht schlecht für eine Band, die genau aus der entgegengesetzten Ecke der USA kommt.

Auch California

Und so ist „Funnel Cloud“ anderthalb Jahre nach seinem Erscheinen mein bisher meist gehörtes Album des Jahres 2008. Die angenehm dahinplätschernde Musik beruhigt mich, wenn ich entnervt im nordrhein-westfälischen Nahverkehr festhänge, und wenn ich das Album am Computer höre, bin ich danach immer ganz erstaunt, in Bochum zu sitzen und nicht irgendwo in der unendlichen Landschaft Amerikas. Ich möchte Ihnen dringend ans Herz legen, wenigstens mal reinzuhören.

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8 Kommentare

  1. FelixN
    13. März 2008, 19:49

    Danke für diesen (indirekten) Musiktipp! Gefällt mir äußerst gut.

  2. Oliver Ding
    14. März 2008, 11:52

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  3. daniel
    15. März 2008, 0:22

    Klasse! Die beste Shawn-Colvin-Platte die nicht von Shawn Colvin ist.

  4. Lukas
    15. März 2008, 1:15

    Stimmt, Shawn Colvin ist auch eine sehr passende Referenz. Und k.d. lang, Kathleen Edwards und The Havenots auch.

    @FelixN: Wenn das „indirekt“ war, was hätte ich tun müssen, um einen direkten Musiktipp auszusprechen? ;-)

  5. FelixN
    16. März 2008, 18:39

    Den Post „MUSIKTIPP“ nennen müssen :)

  6. Nordsee-Wolf
    17. März 2008, 23:58

    Danke für den Tipp. Habe gerade beim Online-Händler reingehört und hab direkt geordert.

  7. Kat
    24. März 2008, 3:15

    Hab eben mal reingehört bei Myspace und muss danke sagen, der Song „The part where you let go“ wird hier in den USA gefühlte alle 3 Minuten in einem Werbespot gespielt und ich hab den ständig im Kopf. War aber immer zu faul, den nachzuschlagen. Und der Rest von denen ist auch nicht schlecht stell ich fest.

  8. Coffee And TV: » Listenpanik: Alben 2008
    11. Januar 2009, 1:20

    […] – Stay Positive Auch wenn die ganz große verspätete Band-Neuentdeckung des Jahres für mich Hem waren (die aber 2008 kein Album veröffentlicht haben): The Hold Steady sind sicher im engsten […]