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Gute Frage

Seit eini­ger Zeit stellt die „Rhei­ni­sche Post“ in ihren Lokal­tei­len die „Fra­ge des Tages“: Mehr oder weni­ger gut auf­ge­hängt an einen Arti­kel der aktu­el­len Aus­ga­be müs­sen sich die Leser für „Ja“ oder „Nein“ ent­schei­den. Die Fra­gen rei­chen von all­ge­mein („Inter­es­sie­ren Sie sich für die Geschich­te Ihrer Hei­mat­stadt?“, „Sind Sie ver­är­gert über den Win­ter­dienst?“) bis hin zu für Außen­ste­hen­de unver­ständ­lich („Bedeu­tet das Abschnei­den der Musik­schü­ler beim Wett­be­werb Jugend musi­ziert einen Image­ge­winn für Wesel?“, „Begrü­ßen Sie die den Beschluss des RAG-Regio­nal­ra­tes?“).

Am nächs­ten Tag wird das Ergeb­nis des Vor­ta­ges bekannt gege­ben (ohne Nen­nung der Teil­neh­mer­zahl) und die nächs­te ega­le Fra­ge gestellt. So sind jeden Tag ein paar Qua­drat­zen­ti­me­ter Zei­tung sicher gefüllt und „RP Online“ bekommt auch noch ein paar Klicks ab.

Heu­te stellt die Lokal­re­dak­ti­on Dins­la­ken end­lich mal eine Fra­ge zur Abstim­mung, die nicht ganz so egal ist:

Frage des Tages: Ja Nein Abschicken

Nach­trag, 11.50 Uhr: Ange­regt durch die­sen Ein­trag hat „RP Online“ die Fra­ge nach­ge­reicht. Sie ist nur min­der­phi­lo­so­phisch, für Außen­ste­hen­de unver­ständ­lich und lau­tet:

Fin­den Sie es gut, dass die Toi­let­ten­an­la­ge im Burg­thea­ter erneu­ert wird?

Und: Nein, es geht nicht um Wien.

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Rundfunk

TV-Tipp: Der Wendler-Clan

Was fällt Ihnen alles zum The­ma „Dins­la­ken“ ein? Dal­li dal­li!

Micha­el „Der“ Wend­ler, selbst­er­nann­ter König des Pop­schla­gers und Bot­schaf­ter der Stadt Dins­la­ken in der Welt des Glit­zers und Gla­mours, hat jetzt end­lich sei­ne eige­ne TV-Serie über sich und sei­ne Fami­lie. Ich erwar­te eine Mischung aus „This Is Spi­nal Tap“ und „Die Fuss­broichs“ und freue mich, dass mei­ne Home­town gefühl­te 100 Jah­re nach „Nase vorn“ mal wie­der einen regel­mä­ßi­gen Sen­de­platz im deut­schen Fern­se­hen bekommt.

Ste­fan Nig­ge­mei­er hat die ers­te Fol­ge von „Der Wend­ler-Clan“ schon gese­hen und bremst ein wenig mei­ne Eupho­rie. Aller­dings kommt er ja auch nur aus Osna­brück …

Der Wend­ler-Clan
ab Sonn­tag, 3. Janu­ar 2010
jeden Sonn­tag um 19 Uhr auf Sat.1

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Musik Kultur

Lokalrunde

Kilians, live in Aktion

War Dins­la­ken vor den Kili­ans nur ein Fleck auf der Land­kar­te, haben die fünf Jungs aus der nie­der­rhei­ni­schen Pro­vinz das Städt­chen für vie­le Fans zur deut­schen Indie-Haupt­stadt gemacht.

So etwas den­ke ich mir natür­lich nicht aus, so etwas zitie­re ich.

Oder anders for­mu­liert, für unse­re Leser über 50 70:

Heimspiel: Die Musikfachpresse, bundesweit erscheinende Tages- und Wochenzeitungen sowie die Hörer junger Radiowellen sind aus dem Häuschen. Grund sind die Kilians, derzeit Dinslakens populärste Band. Die Jungs haben beim Auftakt zu Kultur 2010 im Januar ein Heimspiel. Die jugendlichen Fans bekommen mehr Show für weniger Geld.

Aber ich fang‘ mal bes­ser von vor­ne an: Im nächs­ten Jahr, wel­ches in weni­ger als zwei Wochen beginnt, wird das Ruhr­ge­biet ja Schau­platz des – so opti­mis­ti­sche Schät­zun­gen – größ­ten kul­tur­po­li­ti­schen Desas­ters seit dem Unter­gang des west­rö­mi­schen Reichs – Wir sind „Kul­tur­haupt­stadt“!

Dass die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ein abso­lu­tes Desas­ter ist und die Ver­ant­wort­li­chen (u.a. Oli­ver Scheytt, Fritz Pleit­gen und Die­ter Gor­ny) schon seit Jah­ren den Ein­druck ver­mit­teln, als sei­en sie nicht nur Wil­lens, son­dern auch in der Lage, das gan­ze Groß­pro­jekt mit Pau­ken, Trom­pe­ten, wehen­den Fah­nen und Voll­gas vor die Wand zu fah­ren, soll nie­man­den wei­ter stö­ren. Im Ruhr­ge­biet sind wir es gewohnt, aus allem das Bes­te zu machen. Und wer den Nie­der­gang der Mon­tan­in­dus­trie über­lebt, wird auch mit Die­ter Gor­ny fer­tig.

Obwohl Essen es noch nicht ganz ver­stan­den hat, ist übri­gens das gan­ze Ruhr­ge­biet „Kul­tur­haupt­stadt“. In den 52 Wochen des Jah­res sind 52 Städ­te soge­nann­ter „Local Hero“ – und mit wel­cher Stadt es los­geht, das erra­ten Sie nie!

Rich­tig.

Eine Woche lang gibt es Kul­tur­events am lau­fen­den Band. Höhe­punkt für Rock­mu­sik­in­ter­es­sier­te dürf­te ohne Zwei­fel das Kon­zert am Frei­tag, 15. Janu­ar sein:

In der Kath­rin-Türks-Hal­le (in Dins­la­ken nur als „Stadt­hal­le“ bekannt) wer­den die Kili­ans, Dins­la­kens erfolg­reichs­ter Export­schla­ger außer­halb der Schla­ger-Bran­che, eines ihrer weni­gen Kon­zer­te des Jah­res 2010 spie­len. Als Vor­bands spie­len zwei wei­te­re Bands, die gera­de dabei sind, den Ruf Dins­la­kens als deut­sches Oma­ha bzw. Bor­län­ge in die Welt zu tra­gen: The Rumours und Cama Maya.

Hold your breath:

Ent­ge­gen der Ankün­di­gung im Vor­feld sind Kor­rek­tu­ren an der Pla­nung vor­ge­nom­men wor­den, die jugend­li­che Musik­freun­de zufrie­den quit­tie­ren dürf­ten.

Und wäh­rend Sie sich noch fra­gen, ob das Gekrei­sche bei Kon­zer­ten dann als „Quit­tungs­ton“ durch­geht, bin ich schon bei den key facts:

Kili­ans, The Rumours & Cama Maya
15. Janu­ar 2010, 19:30 Uhr
Stadt­hal­le Dins­la­ken
Ein­tritt: 15 Euro
All Ages

Um das alles noch ein biss­chen schö­ner zu machen, ver­lost Cof­fee And TV mit freund­li­cher Unter­stüt­zung von Lift­boy 2x2 Gäs­te­lis­ten­plät­ze für das Kon­zert.

Beant­wor­ten Sie ein­fach die Quiz­fra­ge:
Wie heißt der aktu­el­le Bür­ger­meis­ter von Dins­la­ken?

Die Gewin­ner wer­den unter all denen gezo­gen, die die rich­ti­ge Ant­wort bis zum 10. Janu­ar 2010, 23:59:59, an gewinnegewinnegewinne@coffeeandtv.de schi­cken.

Die Gewin­ner wer­den am 11. Janu­ar benach­rich­tigt. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen.

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Yeaahh! Alle so: „und“

Im BILD­blog hat­ten wir vor eini­ger Zeit einen Ein­trag über den über­ra­schen­den Ein­satz von Kon­junk­tio­nen.

Dar­an muss­te ich heu­te den­ken, als ich bei „RP Online“ einen Arti­kel aus der „Rhei­ni­schen Post“ las, in dem ein armer Mensch meh­re­re Poli­zei­mel­dun­gen hat­te zusam­men­fas­sen müs­sen und sich dabei ein wenig ver­hed­dert hat­te.

Der Vor­spann ging wie folgt (und ich möch­te Sie bit­ten, auf die über­ra­schen­de Kon­junk­ti­on im letz­ten Drit­tel zu ach­ten):

In der Nacht zu Sams­tag gegen 2.40 Uhr wur­den Poli­zei­be­am­te wegen einer Kör­per­ver­let­zung zu einer Gast­stät­te an der Fried­rich­stra­ße geru­fen. Ein unter Alko­hol­ein­wir­kung ste­hen­der 18-jäh­ri­ger Duis­bur­ger stör­te die Anzei­gen­auf­nah­me so erheb­lich, dass mehr­fach ein Platz­ver­weis aus­ge­spro­chen wur­de. Und in Dins­la­ken ist ein 74-Jäh­ri­ger Opfer eines Trick­be­trü­gers gewor­den.

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Musik

Coffee And TV empfiehlt mal wieder: Jacqui Naylor live

Was nur weni­ge wis­sen: Als wir die­ses Tex­te-im-Inter­net-Maga­zin hier gegrün­det und inten­siv über mög­li­che Namen nach­ge­dacht haben, lau­te­te einer der Vor­schlä­ge in der enge­ren Aus­wahl „Freun­de von mir ham da so ’ne Band …“

Okay, das war gelo­gen. Aber man muss ja die gän­gi­gen Vor­ur­tei­le bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit bedie­nen. Ande­rer­seits ken­nen wir (also Sie, der Leser, und ich) uns jetzt lan­ge genug, dass Sie wis­sen müss­ten, dass ich hier nur Sachen über den grü­nen Klee lobe vor­stel­le, hin­ter denen ich auch voll­in­halt­lich ste­he.

Jac­qui Nay­lor jeden­falls habe ich Ihnen schon mal an der einen oder ande­ren Stel­le nahe zu brin­gen ver­sucht. Die Jazz­sän­ge­rin aus San Fran­cis­co, in inter­es­sier­ten Krei­sen berühmt für ihr „acou­stic smas­hing“ (also die Kom­bi­na­ti­on von Jazz­stan­dards und Rock- und Pop­songs), ist Ende des Monats mal wie­der in Deutsch­land auf Tour.

Beson­ders erfreu­lich fin­de ich es, dass gleich zwei Hei­mat­städ­te von Cof­fee-And-TV-Autoren auf dem Tour­plan ste­hen:

27. Okto­ber: Saar­brü­cken, Saar­län­di­scher Rudn­funk
28. Okto­ber: Kem­pen, Cam­pus
29. Okto­ber: Dins­la­ken, Ledi­gen­heim Loh­berg
31. Okto­ber: Min­den, Jazz­club

Unge­fähr so sieht so ein Jazz­kon­zert übri­gens aus:

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Mehr zu Jac­qui Nay­lor
Offi­zi­el­le Web­site
Jac­qui Nay­lor bei MySpace
Künst­ler­sei­te beim deut­schen Label

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Nächste Woche: Koli-Quiz

Ich bin ja auch der Mei­nung, dass man mit der intel­lek­tu­el­len För­de­rung von Kin­dern gar nicht früh genug anfan­gen kann. Aber muss man die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be denn aus­ge­rech­net Bak­te­ri­en über­las­sen?

Salmonellen in Dinslakener Kitas geben Rätsel auf

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Politik

Smile Like You Mean It

Einer der schlimms­ten Irr­tü­mer unse­rer Zeit ist ja der, dass Wahl­kampf im Inter­net statt­fin­den müs­se. Er kann, wenn man sich mit dem Medi­um aus­kennt, gute Ideen hat oder Barack Oba­ma heißt. Mir per­sön­lich wäre es ange­sichts von Face­book-Pro­fi­len von Poli­ti­kern, iPho­ne-Apps von Par­tei­en und sechs Mil­li­ar­den „#piraten+“-Nachrichten auf Twit­ter täg­lich sogar lieb, wenn das Inter­net ein poli­tik­frei­er Raum wäre, aber man kann nicht alles haben.

Rich­tig bizarr wird es aber, wenn der Kom­mu­nal­wahl­kampf im Inter­net statt­fin­det. Völ­lig ohne Grund geben sich Men­schen, die bestimmt tol­le Ideen für ihre Hei­mat­stadt haben, aber nicht über Know­how und Mit­tel für einen pro­fes­sio­nel­len (und völ­lig über­flüs­si­gen) Online-Wahl­kampf ver­fü­gen, online der Welt­öf­fent­lich­keit preis – und damit zumeist dem Spott.

Die Ruhr­ba­ro­ne stel­len heu­te schlech­te und nicht ganz so schlech­te Bei­spie­le von Inter­net-Vide­os als Mit­tel im Kom­mu­nal­wahl­kampf vor. Von den Bochu­mer Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten habe ich nichts gefun­den, aber in Dins­la­ken haben gleich zwei der sechs Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten Wer­be­spots in Auf­trag gege­ben.

Den Anfang macht Heinz Wan­sing von der CDU (wir erin­nern uns: „Da. Echt. Nah.“), der sich vom Dins­la­ke­ner Star-Regis­seur Adnan Köse („Lauf um dein Leben – Vom Jun­kie zum Iron­man“) in Sze­ne set­zen ließ. Nach­dem Barack Oba­ma uns letz­tes Jahr die Mut­ter aller Wahl­wer­be­spots vor­ge­stellt hat, ler­nen wir mit „Wan­sing – Der Film“ jetzt deren Groß­cou­si­ne müt­ter­li­cher­seits ken­nen:

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Sagen Sie bit­te nicht, ich sei der Ein­zi­ge, der bei der Musik die gan­ze Zeit damit rech­ne, dass gleich Dino­sau­ri­er aus dem Rot­b­ach­see auf­tau­chen. (Und Dins­la­ken wirkt übri­gens nicht ganz so trost­los, wenn man es im Som­mer besucht und filmt.)

Sein Gegen­kan­di­dat von der SPD, Dr. Micha­el Hei­din­ger, ori­en­tiert sich mit „Micha­el Hei­din­ger (SPD) – Der Film“ optisch stär­ker an Fil­men wie „A Scan­ner Dark­ly“ oder „Waltz With Bas­hir“, ver­zich­tet dafür aber völ­lig auf das Able­sen vom Blatt:

Link: Michael Heidinger (SPD) - Der Film (2009)

Die­se Spots wir­ken auf mich ein wenig wie die Auf­trit­te unbe­hol­fe­ner Kan­di­da­ten in Cas­ting­shows: Einer­seits sucht da jemand ganz bewusst die Öffent­lich­keit, ande­rer­seits hat man als Zuschau­er das Gefühl, sie genau davor beschüt­zen zu wol­len.

Nach­trag, 31. August: Die Comic­fi­gur hat übri­gens gewon­nen

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Musik

Es ist nicht immer Delmenhorst

Und Sie hat­ten schon gedacht, ich hät­te es ver­ges­sen:

Heu­te ist die neue Sin­gle der Kili­ans erschie­nen. Es han­delt sich dabei um den Song „Home­town“, den ich hier schon ein­mal geprie­sen hat­te, und der laut Simon den Har­tog trotz allem nicht von Dins­la­ken han­delt.

Trotz­dem hät­te ich es natür­lich irgend­wie fun­ky gefun­den, das Video in Dins­la­ken zu dre­hen, aber es ist auch so ganz hübsch gewor­den:

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Viel­leicht erklärt Chris Mar­tin dem Simon ja bei den Cold­play-Kon­zer­ten ja noch, wie man das mit dem Rück­wärts­sin­gen noch bes­ser hin­kriegt …

Eine B‑Seite gibt’s übri­gens auch bei der Sin­gle: Einen „Hometown“-Remix der Sala­zar Brot­hers (die wo die neue Man­do Diao gemacht haben), den man sich auch ohne Kau­fen bei last.fm anhö­ren kann.

Die Sin­gle gibt’s in allen bekann­ten Down­loads­to­res. Die Kili­ans, vie­le ande­re Bands und die Über­schrift-inspi­rie­ren­den Ele­ment Of Crime gibt es noch mor­gen und über­mor­gen beim Fest van Cleef.

Zir­kel­schluss-Epi­so­de zum Abschluss: Vor­ges­tern saß ich mit Simon den Har­tog in einem Köl­ner Bus, als eine Frau im Micha­el-Wend­ler-T-Shirt ein­stieg. Ich bin ja immer noch der Mei­nung, man müss­te Micha­el Wend­ler feat. Kili­ans zum Grand Prix nach Trom­sø schi­cken.

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Stadt, Land, Flucht

Micha­el Wend­ler will umzie­hen – raus aus der durchs „per­fek­te Pro­mi­din­ner“ berühmt gewor­de­nen wei­ßen Vil­la in Ober­loh­berg.

Das erklär­te der König des Pop­schla­gers und bekann­tes­te Dins­la­ke­ner der „Rhei­ni­schen Post“:

Ein neu­es Domi­zil braucht er, weil „die Wend­ler-Vil­la in Hies­feld zur Pil­ger­stät­te gewor­den ist“. Nachts füh­ren Fans vor, hup­ten und rie­fen: „Wend­ler – komm raus!“ Nicht dass ihn das stör­te, sturm­er­probt durch Fest­zel­te und Mal­lor­ca, aber er will Ade­line schüt­zen, sei­ne sie­ben­jäh­ri­ge Toch­ter. Die Nach­barn auch.

Und die schützt er ver­mut­lich am Bes­ten, indem er in der Zei­tung ver­kün­det, einen stadt­be­kann­ten Rei­ter­hof („das 2003 abge­brann­te Gestüt an der Fran­zo­sen­stra­ße“) auf­kau­fen und sich wäh­rend der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten vom Kame­ra­team einer Sat.1‑Dokusoap fil­men las­sen zu wol­len …

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Digital

Der Preis des Internets

Sie wer­den es ver­mut­lich noch nicht mit­be­kom­men haben, aber ges­tern wur­den in Düs­sel­dorf die Nomi­nie­run­gen für den Grim­me Online Award 2009 bekannt gege­ben.

Unter den 24 Nomi­nier­ten befin­det sich – das wird die Kri­ti­ker ver­wir­ren – kein ein­zi­ger Ver­tre­ter einer wie auch immer gear­te­ten Ber­li­ner Blog­ger-Sze­ne (aller­dings wie­der jemand mit Wur­zeln in Dins­la­ken, wie mir mei­ne Mut­ter sogleich tele­fo­nisch berich­te­te), und ob die vier Nomi­nie­run­gen für öffent­lich-recht­li­che Pro­jek­te wirk­lich noch jeman­den auf­re­gen, wird sich auch zei­gen.

Bekanntgabe der Nominierten für den Grimme Online Award 2009

Beson­ders erfreut bin ich über die Nomi­nie­rung von freitag.de – an dem neu­en Por­tal der Wochen­zei­tung „Der Frei­tag“, das die Gren­zen zwi­schen Jour­na­lis­ten und Blog­gern auf­he­ben soll, war ich ja anfangs auch als „Netz­wer­ker“ betei­ligt. Ich hal­te die Idee nach wie vor für ein­zig­ar­tig in Deutsch­land und hof­fe, dass die Nomi­nie­rung (und die anste­hen­den Wah­len) dem Pro­jekt wei­ter Auf­trieb geben.

Eben­falls spon­tan erfreut (ich kann­te den Groß­teil der Nomi­nier­ten nicht und möch­te mich da erst mal ein­le­sen) war ich über die Nomi­nie­rung des Sport­jour­na­lis­ten Jens Wein­reich und des Ama­teur­fuß­ball-Por­tals Hart­platz­hel­den. Obwohl bei­de Ange­bo­te sicher schon von ganz allei­ne die Nomi­nie­run­gen recht­fer­ti­gen, kann man ihre Aus­wahl auch als Signal in Rich­tung des Deut­schen Fuß­ball­bunds deu­ten, mit des­sen Ver­tre­tern sowohl Wein­reich als auch die Hart­platz­hel­den schon so ihre Pro­ble­me hat­ten bzw. immer noch haben.

Um Macht­fra­gen ging es Uwe Kam­mann, dem Direk­tor des Adolf-Grim­me-Insti­tuts, des­sen kind­li­che Begeis­te­rung für das Inter­net mich immer wie­der rührt, dann auch in sei­nem Schluss­wort: Das Inter­net sei ein Medi­um der Frei­heit und der Auf­klä­rung und die alten Macht­ha­ber, die mein­ten, ihre Fla­schen­häl­se wei­ter bewa­chen zu kön­nen, wür­den ihre Kon­trol­le bald abge­ben müs­sen. Übri­gens war in die­sem Jahr kein Ver­tre­ter der Poli­tik zur Bekannt­ga­be der Nomi­nier­ten erschie­nen.

Die Ver­an­stal­tung erin­ner­te wie­der ein wenig an die Bilanz­pres­se­kon­fe­renz des Spar­kas­sen­ver­bands West­müns­ter­land, aber der anschlie­ßen­de Ver­such des gemüt­li­chen Her­um­ste­hens im etwas ungast­li­chen Flur der Lan­des­an­stalt für Medi­en taugt ver­mut­lich bes­ser als Sinn­bild des Inter­nets, als es tau­send Sze­ne­tref­fen könn­ten: Da stan­den dann die blog­gen­den Jour­na­lis­ten, die Ver­tre­ter von Sei­ten wie dbna, einem Maga­zin für schwu­le Jugend­li­che, dem Brett­spie­le-Report oder dem digi­ta­len His­to­ri­schen Archiv Köln, aßen Sup­pe und tausch­ten sich aus. Sie sie kom­men aus völ­lig unter­schied­li­chen Berei­chen, haben ganz unter­schied­li­che Moti­va­tio­nen, aber sie eint, dass sie alle etwas im Inter­net machen. Manch­mal hat­te man sich auch nichts zu sagen, aber das ist dann eben so – das Inter­net ist ja nur ein Werk­zeug und sagt noch nichts über die sons­ti­ge Gesin­nung aus.

Uwe Kam­mann bezeich­ne­te das Web als Erwei­te­rung der Öffent­lich­keit, von dem ein gro­ße Öffent­lich­keit nur noch nichts wis­se. Das zu ändern ist eine Auf­ga­be des Grim­me Online Awards, der schon des­halb mehr Auf­merk­sam­keit ver­dient hät­ten.

Die acht Prei­se plus Publi­kums­preis wer­den am 24. Juni in den Köl­ner Vul­kan­hal­len ver­lie­hen – die Preis­trä­ger ent­neh­men Sie bit­te wie immer kurz vor­her dem Inter­net.

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Digital Print

Der Klammeraffenbumerang

Über die Inter­net­kom­pe­tenz von Poli­ti­kern ist gera­de in den letz­ten Tagen viel gespot­tet wor­den und tat­säch­lich habe ich manch­mal den Ein­druck, dass mei­ne 76-jäh­ri­ge Groß­mutter bes­ser mit dem Com­pu­ter umzu­ge­hen weiß als so man­cher Bun­des­mi­nis­ter. (Ver­mut­lich auch bes­ser als eini­ge 25-Jäh­ri­ge, aber dar­um soll es nicht gehen.)

Manch­mal aller­dings ist es um die Inter­net­kom­pe­tenz von Poli­ti­kern (oder ihren Mit­ar­bei­tern) dann viel­leicht doch nicht so schlecht bestellt, wie man­cher Beob­ach­ter das ger­ne hät­te. Das sieht dann zum Bei­spiel so aus wie in der Kolum­ne „Unse­re Woche“ in der Jörg Wer­ner, der Dins­la­ke­ner Lokal­chef der „Rhei­ni­schen Post“, am ver­gan­ge­nen Sams­tag schrieb:

Und zum Schluss noch dies: Dinslakens SPD-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Heidinger hat das Wahlvolk in dieser Woche mit seinem Internet-Auftritt beglückt. Nun wollen wir gar nicht darüber rechten, wie altbacken das von ihm vorgestellte Wahllogo ist. Das ist schließlich Geschmackssache. Eines allerdings gibt uns zu denken. Wer dem Kandidaten eine Mail mailen möchte, sollte dies, so stand es jedenfalls noch gestern nachmittag im Impressum der Seite, unter buergermeister-fuer-dinslaken(ät)arcor.de tun. Mensch, lieber Dr. Heidinger, groß herausposaunen, dass man jetzt einen tollen Internet-Auftritt hat und dann das @-Zeichen nicht finden ... Ist das professionell? Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ich schrieb mei­nem frü­he­ren Chef am Sonn­tag­abend, dass Hei­din­ger die­se obsku­re Schreib­wei­se ver­mut­lich gewählt habe, damit die E‑Mail-Adres­se nicht so leicht von Spam­bots gefun­den wer­de, die das Inter­net durch­fors­ten. (Das dürf­te zwar heut­zu­ta­ge kaum noch wir­kungs­voll sein, aber die Web­site sieht ja auch nicht gera­de aus, als stam­me sie aus dem Jahr 2009.)

Jörg Wer­ner reagier­te prompt und vor­bild­lich, indem er am Diens­tag auf der ers­ten Sei­te des Lokal­teils schrieb:

Professionelles (ät): Auf ein Wort in eigener Sache: Redaktionsleiter, wer hätte das gedacht, sind nicht unfehlbar. Sie sind, ich habe kein Problem, das zuzugeben, nicht allwissend. Aber sie lernen täglich dazu. Warum ich das erzähle? Na ganz einfach, ich hab was dazu gelernt. Da hab ich doch am Samstag die Frage gestellt, ob der Internetauftritt des SPD-Bürgermeisterkandidaten Dr. Michael Heidinger tatsächlich professionell ist, weil das gewohnte @-Zeichen dort durch ein (ät) ersetzt worden ist. Die Antwort auf diese Frage ist: Ja. Denn dieses (ät) gilt, wie ich mich inzwischen habe belehren lassen, als Mittel, sich vor automatischen Programmen auf der Suche nach Adressen für Spam-Mails zu schützen. Nun gut, das kannte ich bislang nur in der Version (at), ob's tatsächlich effektiv hilft, ist auch nicht unumstritten und über die Frage, ob der Trick nicht eher dazu dient, die Erreichbarkeit des Kandidaten für Otto-Normalcomputerbenutzer zu behindern, ließe sich auch philosophieren Aber hier ist nicht der Platz zum Haare spalten. Also, Asche auf mein Haupt, Herr Dr. Heidinger. Die nächste kritische Anmerkung, ich versprech's, trifft aber wieder mitten ins Schwarze. Jörg Werner.

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Musik

Listenpanik 04/​09

Nor­ma­ler­wei­se könn­te ich im Lau­fe des Monats einen Sta­pel mit allen CDs bil­den und ihn am Ende abar­bei­ten. Dage­gen spricht aber zum einen mein Zwang, neue Ton­trä­ger direkt ins Regal ein­sor­tie­ren zu müs­sen, und zum ande­ren die Tat­sa­che, dass ich immer mehr Musik als Down­load kau­fe.

Ich bin aber der Ansicht, dass sie dadurch nicht schlech­ter wird, und ent­spre­chend gut sind dann auch die Sachen, die ich im April gehört und für erwäh­nens­wert befun­den habe:

Alben
Gre­at Lake Swim­mers – Lost Chan­nels
Begin­nen wir mit einem Nach­trag aus dem März, weil mir nie­mand Bescheid gesagt hat­te: Die Gre­at Lake Swim­mers aus Kana­da machen Folk Rock, was sich als Gen­re schlim­mer anhört denn als Musik. Sie spie­len zer­brech­li­che Bal­la­den, die nur aus der Stim­me von Sän­ger Tony Dek­ker und Gitar­ren­klän­gen bestehen, die ver­mut­lich ent­ste­hen, wenn man die Sai­ten anhaucht oder zu streng anguckt, und etwas schwung­vol­le­re Coun­try-Klän­ge, zu denen man gleich sich gleich auf den Appa­la­chi­an Trail bege­ben möch­te. Das alles ist ihnen auf dem Vor­gän­ger­al­bum „Ongi­a­ra“ zwar noch etwas stim­mungs­vol­ler gera­ten, aber das war vor zwei Jah­ren auch ein Über­al­bum.

Death Cab For Cutie – The Open Door EP
Noch­mal März, aber dies­mal nur kurz: Death Cab (wie man als auf­merk­sa­mer „O.C., California“-Zuschauer ja sagt) haben eine EP mit vier neu­en Songs und einer Demo aus den „Nar­row Stairs“-Sessions zusam­men­ge­stellt. Wie immer auf hohem Niveau und auch etwas pop­pi­ger als die Songs, die es aufs Album geschafft hat­ten.

Kili­ans – They Are Cal­ling Your Name
Über­ra­schung! Ich bil­de mir aber auch dies­mal wie­der ein, dass ich das Album auch dann noch sehr gut fän­de, wenn ich nicht mit den Musi­kern befreun­det wäre. Musi­ka­lisch ist das Album anspruchs­vol­ler und noch etwas abwech­lungs­rei­cher als das Debüt (rich­tig abwechs­lungs­reich wird’s, wenn man sich die Spe­cial Edi­ti­on mit Elek­tro- und Cha-Cha-Cha-Ein­la­gen anhört) und man hört auch genau­er auf die Tex­te. Das führt etwa bei „Used To Pre­tend“ dazu, dass man sich hin­ter­her sicher ist, ein unglaub­lich klu­ges, auf­rich­ti­ges und ein­dring­li­ches Tren­nungs­lied gehört zu haben – und den viel­leicht bes­ten Kili­ans-Song bis­her.

Bob Dylan – Tog­e­ther Through Life
Und noch jemand, den man nicht ernst­haft bewer­ten kann. Auch, wenn ich mich nicht als gro­ßen Dylan-Fan (oder gar ‑Ken­ner) bezeich­nen wür­de, schät­ze ich sei­ne Musik und sei­ne Per­son doch sehr und bin gera­de von sei­nen jüngs­ten Alben schwer begeis­tert. „Tog­e­ther Through Life“ steht „Love And Theft“ und „Modern Times“ da in nichts nach: Blues, der mal tro­cken nach vor­ne stapft, mal melan­cho­lisch am Kla­vier gespielt wird. Bemer­kens­wert ist es dann aber schon, dass Dylan mit dem Album die ers­te UK-Num­ber-One seit 39 Jah­ren gelun­gen ist und die Sin­gle „Bey­ond Here Lies Not­hin‘ “, die ein biss­chen an „Black Magic Woman“ von San­ta­na erin­nert und die es einen Tag als kos­ten­lo­sen Down­load auf Dylans Web­site gab, plötz­lich im Radio rauf und run­ter läuft.

Offi­ci­als Secrets Act – Under­stan­ding Elec­tri­ci­ty
Es gibt Alben, da weiß ich beim ers­ten Hören, dass ich sie mag, aber nicht son­der­lich oft hören wer­de. „Under­stan­ding Elec­tri­ci­ty“ könn­te die­ses Schick­sal blü­hen, obwohl der Indie­rock zwi­schen Maxï­mo Park, We Are Sci­en­tists und The Wom­bats wirk­lich schön ist. Mit­un­ter ner­ven man­che abge­dreh­ten Sounds ein biss­chen, aber Songs wie „Litt­le Birds“ und „Hold The Line“ (hat nichts mit Toto zu tun) sind dann auf der ande­ren Sei­te ein­fach ganz gro­ßer Pop und haben zumin­dest erhöh­tes Mix­tape-Poten­ti­al.

Songs
Kili­ans – Home­town
Hat­te ich nicht gera­de noch „Used To Pre­tend“ als „den viel­leicht bes­ten Kili­ans-Song bis­her“ bezeich­net? Ja, klar. Aber wenn die Kili­ans einen Song namens „Home­town“ schrei­ben, der auch noch so einen cat­chy Refrain hat, dann muss der natür­lich noch ein­mal beson­ders her­vor­ge­ho­ben wer­den. Auch wenn es angeb­lich gar nicht um Dins­la­ken an sich geht, son­dern um das Gefühl, von einer Stadt und ihren Men­schen geprägt wor­den zu sein, emp­fiehlt sich die­ser Song natür­lich als inof­fi­zi­el­le Stadt­hym­ne. Wenn die Dins­la­ke­ner cool wären, wür­de im Som­mer kein ande­res Lied aus Cabri­os und offe­nen Woh­nungs­fens­tern tönen.

Bob Dylan – Life Is Hard
In die Rei­he von „Moon­light“ und „Workingman’s Blues #2“ gesellt sich „Life Is Hard“: Ein ruhi­ger Blues und die Stim­me eines Man­nes, der alles erlebt hat und den nichts mehr erschüt­tern kann. Schlicht und ergrei­fend.

Muff Pot­ter – Nie­mand will den Hund begra­ben
Ich weiß nicht, wie oft ich die neue Muff-Pot­ter-Plat­te „Gute Aus­sicht“ hören müss­te, bis sie mir gefällt. Bei „Ste­ady Fremd­kör­per“ hat’s ja auch irgend­wann geklappt – nur, dass ich die Plat­te seit Ewig­kei­ten nicht mehr gehört habe und mich nur an einen Song erin­nern kann. „Nie­mand will den Hund begra­ben“ könn­te also das dies­jäh­ri­ge „Die Guten“ sein. Dies­mal geht’s aber nicht um Tren­nun­gen son­dern – Super-Song­the­ma – um Land­flucht. Die Schil­de­rung der Hei­mat­stadt, in der es kaum noch jun­ge Leu­te gibt, und in der alles lang­sam stirbt, hat schon Springsteen’sche Dimen­sio­nen und hät­te auch gut auf die letz­te kett­car-Plat­te gepasst. Das war übri­gens auch so ein Album, das ich mir erst schön­hö­ren muss­te, um es dann ganz schnell wie­der zu ver­ges­sen.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]