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Don’t Stop ‚Til You Get Enough

Als Musik- und Sta­tis­tik­fan ist last.fm natür­lich eine mei­ner Lieb­lings­web­sei­ten.

Jetzt, wo alle auf das Jahr zurück­bli­cken und ich auch lang­sam mal über­le­gen soll­te, was mei­ne Hits 2009 sind, war­tet last.fm wie­der mit unglaub­li­chen Sta­tis­ti­ken auf.

Dar­un­ter auch ein „Micha­el Jack­son Spe­cial“, des­sen Fak­ten man auf den ers­ten Blick zynisch fin­den könn­te:

This year, 69% of Micha­el Jack­son tracks were scrob­bled after his death. Over­all, scrob­bles from ‘09 account for over half of all the MJ tracks ever scrob­bled to Last.fm (sin­ce ’03).

Es drän­gen sich zwei Les­ar­ten auf, je nach Welt­sicht:
a) Nur ein toter Pop­star ist ein guter Pop­star.
b) Men­schen ver­lie­ren die Din­ge, die ihnen wich­tig sind, zwar manch­mal aus den Augen, aber sie ver­ges­sen sie nie.

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Einmal Star und zurück

Da, wo Sex und Drogen lauern: backstage

Wenn die eige­ne Kar­rie­re im Pop-Busi­ness so rich­tig brach liegt, blei­ben Frau­en nur noch Nackt­fo­tos und Män­nern Ent­hül­lungs­bü­cher. Auf letz­te­ren ste­hen dann grif­fi­ge Ankün­di­gun­gen wie „Die Wahr­heit über DSDS, Pop­stars & Co.“ oder „Zwei Gewin­ner packen aus!“

Mar­kus Grimm und Mar­tin Kesi­ci (dem Sie einen gro­ßen Gefal­len täten, wenn Sie sei­nen Nach­na­men auf der zwei­ten Sil­be beto­nen) wis­sen, wie es wir­ken muss, wenn sie jetzt Jah­re nach ihren Sie­gen bei „Pop­stars“ (Grimm war 2004 in der extrem kurz­le­bi­gen, nur mit­tel­er­folg­rei­chen Kir­mes­go­thic­k­a­pel­le Nu Paga­di) und „Star Search“ (Kesi­ci gewann 2003 in der Kate­go­rie „Adult Sin­ger“) mit einem Buch ankom­men, auf dem „Die Wahr­heit über DSDS, Pop­stars & Co.“ und „Zwei Gewin­ner packen aus!“ steht. Und tat­säch­lich fin­den die bei­den ja plötz­lich wie­der in Medi­en statt, die jah­re­lang kei­ne Notiz von ihnen genom­men haben.

Aber Grimm und Kesi­ci haben nichts mehr zu ver­lie­ren. Gemes­sen dar­an ist ihr Buch mit dem auf­merk­sam­keits­hei­schen­den Titel „Sex, Drugs & Cas­ting­shows“ ziem­lich mode­rat aus­ge­fal­len: Es gibt kaum Namens­nen­nun­gen (an eini­gen Stel­len wie etwa bei einem Schla­ger­sän­ger, der von sich selbst nur in der drit­ten Per­son redet, ver­wen­den die Autoren statt Namen Pik­to­gram­me, was sich jetzt aller­dings viel spek­ta­ku­lä­rer anhört, als es sich im Kon­text dann tat­säch­lich liest), kaum schmut­zi­ge Wäsche und die titel­ge­ben­den Sex- und Dro­gen­an­ek­do­ten kann man auch in jedem Inter­view zum Buch nach­le­sen.

„Das Pop­mu­sik­busi­ness ist schlecht und die Leu­te, die damit zu tun haben, sind noch mal einen Grad schlech­ter“, schreibt Grimm an einer Stel­le (nur um eine hal­be Sei­te spä­ter zu erklä­ren, dass Schla­ger und volks­tüm­li­che Musik aber noch mal viel, viel schlim­mer sei­en), aber das Buch wid­met sich dann doch eher dem Busi­ness als den Leu­ten. Dass die Wahr­heit bei Cas­ting­shows ein fle­xi­bles Gut ist, dürf­te noch kaum jeman­den über­ra­schen. Etwas irri­tie­ren­der ist da schon das beschrie­be­ne Geba­ren von Plat­ten­fir­men, gera­de eta­blier­te Acts ein­fach abzu­sä­gen, weil das Nach­fol­ge­pro­dukt schon in den Start­lö­chern steht. Der Laie wür­de ja womög­lich sagen, dass zwei Pfer­de im Ren­nen die Gewinn­chan­cen erhö­hen. Aber des­we­gen füh­ren wir ja alle kei­ne Plat­ten­fir­men.

Etwas läng­lich und umständ­lich zeich­nen die Autoren ihren Weg in die Final­shows ihrer jewei­li­gen Sen­de­rei­hen nach. Auch dem däm­lichs­ten Leser – und, sei­en wir ehr­lich: ein Buch über Cas­ting­shows läuft Gefahr, ein paar däm­li­che Leser zu fin­den – soll klar wer­den, dass er es hier mit zwei boden­stän­di­gen, ehr­li­chen Musi­kern zu tun hat, die eher zufäl­lig zu Medi­en­stars wur­den. Und deren Namen heu­te noch so ver­brannt sind, dass kaum jemand mit ihnen zusam­men­ar­bei­ten möch­te. Kesi­ci schnod­dert sich durch sei­ne Pas­sa­gen und ver­mit­telt den Ein­druck, als gehe er inzwi­schen ganz sou­ve­rän mit sei­ner Geschich­te um. Bei Grimm hin­ge­gen hat man mit­un­ter das Gefühl, dass ein paar klä­ren­de Gesprä­che mit einem The­ra­peu­ten viel­leicht die bes­se­re Idee gewe­sen wären, als sich den gan­zen Frust von der See­le zu schrei­ben und das dann anschlie­ßend zu ver­öf­fent­li­chen.

Auch wenn die Geschich­ten über Mana­ger und Plat­ten­ver­trä­ge natür­lich alle Kli­schees bestä­ti­gen, die man als Außen­ste­hen­der so vom Musik­busi­ness hat­te (las­sen Sie mich alle guten Rat­schlä­ge auf zwei Wor­te her­un­ter­bre­chen: „NICHTS. UNTERSCHREIBEN.“), stellt man bei der Lek­tü­re fest: Cas­ting­shows haben sehr viel mehr mit Fern­se­hen zu tun als mit Musik. In sei­nem Nach­wort bemerkt Kesi­ci sehr klug, dass Musi­ker „auf die Büh­ne, on the road“ gehö­ren, aber nicht ins Fern­se­hen. Dort geht es näm­lich laut Autoren nur dar­um, Geschich­ten zu erzäh­len und das Publi­kum zu unter­hal­ten und nicht dar­um, Künst­ler auf­zu­bau­en – womög­lich noch lang­fris­tig.

Für das Erzäh­len von Geschich­ten gibt es gan­ze Ver­wer­tungs­ket­ten (RTL und Pro­Sie­ben bestrei­ten damit qua­si ihr gesam­tes Pro­gramm), zu denen natür­lich auch die Bou­le­vard­pres­se gehört. So berich­tet Kesi­ci bei­spiels­wei­se, wie sich ein „Bild“-Mitarbeiter (oder zumin­dest jemand, der sich als sol­cher aus­gab) bei ihm mel­de­te und mit der Ankün­di­gung, wenn Kesi­ci das Vier­tel­fi­na­le gewin­ne, wer­de man über sei­ne Vor­stra­fe wegen Dro­gen­be­sit­zes berich­ten, um ein Gespräch bat. Am Tag nach der Sen­dung mach­te „Bild“ dann mit „Darf so einer Deutsch­lands neu­er Super­star wer­den? Ver­ur­teilt wegen Dro­gen!“ auf.

Auch eine wei­te­re „Skandal“-Geschichte rund um „Star Search“ fand in „Bild“ ihren Anfang: Kesi­ci beschreibt, wie er und zwei wei­te­re Kan­di­da­ten weni­ge Tage vor dem gro­ßen Fina­le mit einer Limou­si­ne abge­holt wur­den, in der Repor­ter von „Bild“ und dem Sat.1‑Boulevardmagazin „Blitz“ war­te­ten. Gemein­sam fuhr man in eine Tab­le­dance-Bar, wo der „Bild“-Fotograf jene Fotos mach­te, die am dar­auf fol­gen­den Tag den Arti­kel „Dür­fen die­se Sex-Fer­kel neue Super­stars wer­den?“ bebil­dern soll­ten. Erstaun­lich ist dar­an viel weni­ger, dass „Bild“ invol­viert war, son­dern, dass Sen­der und Pro­duk­ti­ons­fir­ma der­ar­ti­ge Geschich­ten anschei­nend auch noch for­ciert haben.

Sex- und Dro­gen­par­ties in Pro­mik­rei­sen wer­den zwar erwähnt (Grimm schreibt sei­ten­lang über – Ach­tung! – „eine After-Show, denn sie hat­ten alle kei­ne Hosen an und zeig­ten ihren nack­ten Arsch und mehr“), aber zum gro­ßen Pro­mi­klatsch taugt das Buch nicht. Kesi­ci behaup­tet, „dass 70 Pro­zent der Leu­te aus die­ser Glit­zer- und Gla­mour­welt bei sol­chen Par­tys auf Dro­gen sind“, ent­täuscht aber zwei Sät­ze spä­ter die Erwar­tun­gen der ent­hül­lungs­gei­len Leser­schaft mit dem Hin­weis, dass er kei­ne Namen nen­nen wer­de. Es ehrt ihn als Men­schen, scha­det aber natür­lich der Ver­markt­bar­keit des Buchs.

So erfährt man statt­des­sen, wie es abläuft, wenn eine Plat­ten­fir­ma ein Band­mit­glied raus­schmeißt oder einen Künst­ler droppt. Der Leser bekommt schnell den Ein­druck, dass man bes­ser einen Ban­den­krieg unter süd­ame­ri­ka­ni­schen Dro­gen­kar­tel­len anzet­teln soll­te, als bei einer Major-Plat­ten­fir­ma zu unter­schrei­ben. Dafür gibt es im Anhang auch 50 Sei­ten (teil­wei­se geschwärz­te) Ori­gi­nal­ver­trä­ge, die man ohne meh­re­re juris­ti­sche Staats­examen natür­lich kaum durch­schaut. Wenn aller­dings das, was ich nicht ver­ste­he, genau soviel Quatsch ent­hält wie das, was ich ver­ste­he, dann ist das ganz schön viel Quatsch.

„Sex, Drugs & Cas­ting­shows“ ist letzt­lich War­nung vor den gan­zen Ver­stri­ckun­gen, die die Teil­nah­me an so einem Cas­ting mit sich bringt. Auch als Schil­de­rung zwei­er Lebens­we­ge, die von „Durch­schnitts­typ“ zu „Super­star“ und zurück füh­ren, funk­tio­niert das Buch eini­ger­ma­ßen gut. Es hät­te aller­dings gehol­fen, wenn das Manu­skript zumin­dest mal kurz­fris­tig in der Nähe von jeman­dem gele­gen hät­te, der sich mit dem Schrei­ben von Büchern aus­kennt.

Dass Teil­neh­mer und Zuschau­er glei­cher­ma­ßen ver­arscht wer­den, hat­te man sich ja immer schon gedacht. Bei der Lek­tü­re sieht man also vie­les bestä­tigt, was man sowie­so über die feh­len­de Wahr­haf­tig­keit sol­cher Sen­dun­gen geahnt hat­te, gewürzt mir ein paar fas­sungs­los machen­den Anek­do­ten. Aber die ver­spro­che­ne Abrech­nung, „die Wahr­heit“, das alles fällt letzt­lich ein biss­chen mager aus. Ja: Cas­ting­shows sind doof und gefähr­lich und jetzt wis­sen wir alle, war­um. Das auf mehr als 350 Sei­ten aus­ge­brei­tet zu krie­gen, ist ver­mut­lich immer noch ange­neh­mer, als die Ver­wer­tungs­ma­schi­ne­rie des Show­ge­schäfts selbst zu durch­lau­fen.

Mar­kus Grimm/​Martin Kesi­ci – Sex, Drugs & Cas­ting­shows
Riva, 428 Sei­ten
17,90 Euro

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Kaminzimmerhumor

Irgend­wann muss den Redak­teu­ren der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“ auf­ge­fal­len sein, dass ihr „Streit­ge­spräch“ zwi­schen Bun­des­wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Annet­te Scha­van und dem Stu­den­ten­ver­tre­ter Tho­mas War­nau vor All­ge­mein­plät­zen nur so strotz­te, kei­ner Debat­te – schon gar nicht der aktu­el­len um Stu­di­en­re­for­men – irgend­et­was Neu­es hin­zu­zu­fü­gen hat­te und ins­ge­samt so ein­schlä­fernd war, dass man es auch gegen Schlaf­stö­run­gen hät­te ver­schrei­ben kön­nen.

Und genau in die­sem Moment wer­den sie sich gedacht haben: „Ver­su­chen wir halt, alles mit der Bild­un­ter­schrift wie­der raus­zu­rei­ßen“, und haben mir damit den Sonn­tag ver­süßt.

Seite 5 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 29. November 2009

Die Minis­te­rin und der Stu­dent dis­ku­tie­ren über die Stu­di­en­re­form vor der 35 000 Bän­de umfas­sen­den Marx-Engels-Gesamt­aus­ga­be in gerech­ter Spra­che im Kamin­zim­mer unse­rer Ber­li­ner Redak­ti­on.

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Musik Digital

Weihnachtsbasteln mit AFP

Ich weiß nicht, wie es um das pop­kul­tu­rel­le Inter­es­se der Mit­ar­bei­ter der Agence France Pres­se bestellt ist (oder auf wel­chem Pla­ne­ten sie sich in den letz­ten Wochen auf­ge­hal­ten haben).

Aber irgend­wie hal­te ich es nach den jüngs­ten Erfolgs­mel­dun­gen dann doch für etwas gewagt, eine aktu­el­le Mel­dung über Rob­bie Wil­liams mit die­sem Satz enden zu las­sen:

Der­zeit bas­telt er an sei­nem Come­back.

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„Spiegel“-Eier

Eine Nah­tod­erfah­rung der beson­de­ren Art mach­te ich vor eini­gen Jah­ren, als ich bei der Lek­tü­re der Sati­re­sei­te schandmaennchen.de der­art hef­tig zu lachen begann, dass ich mich nach eini­gen Minu­ten nach Luft rin­gend auf mei­nem Tep­pich­bo­den wälz­te. (Einen Lust­ge­winn habe ich dabei aller­dings nicht ver­spürt.) Grund war ein angeb­li­ches Zitat aus dem „Spie­gel“ über Hel­mut Kohl, sei­ne Büro­lei­te­rin Julia­ne Weber und Früh­stücks­ei­er.

Über Jah­re habe ich ver­sucht, die­ses Zitat zu veri­fi­zie­ren und den exak­ten Wort­laut zu fin­den. Irgend­wie muss ich mich bei der Ver­wen­dung der „Spiegel“-Archivsuche sehr däm­lich ange­stellt haben.

Ges­tern jeden­falls berich­te­te das NDR-Medi­en­ma­ga­zin „Zapp“ über den uralten Arti­kel und jetzt kann ich Ihnen das Zitat end­lich im Wort­laut prä­sen­tie­ren:

Wie gewohnt serviert des Kanzlers langjährige Mitarbeiterin Juliane Weber ihrem Chef den Kaffee. Sie schlägt ihm auch die Eier auf, weil der Kanzler sie so heiß nicht anfassen mag.

Ja, zuge­ge­ben: Brüll­ko­misch fand ich es jetzt auch nicht mehr.

Dafür hat der „Spie­gel“ sich kürz­lich an einer Neu­auf­la­ge sei­ner Fips-Asmus­sen-Polit­kom­men­tie­rung ver­sucht und dabei die ohne­hin schon nied­rig lie­gen­de Lat­te geris­sen:

Die Kommunistin Sahra Wagenknecht, intime Kennerin von Lafontaines Positionen und nicht nur in Streikfragen mit ihm auf Augenhöhe, verlangt wie er regelmäßig französische Verhältnisse.

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Musik Rundfunk

Swim for the music that saves you

In der von mir hoch­ver­ehr­ten „Dai­ly Show“ mit Jon Ste­wart sind Musik­gäs­te eher eine Sel­ten­heit. Wenn ich nie­man­den ver­drängt habe, gab es in den drei Jah­ren, die ich die Show jetzt sehe, genau zwei Musi­kacts: Cold­play und Bruce Springsteen.

Ohne Andrew McMa­hon zu nahe tre­ten zu wol­len: Sei­ne Band Jack’s Man­ne­quin gehört eher nicht in die Rei­he die­ser Sta­di­on­fül­len­den Super­stars. Um so über­ra­schen­der und schö­ner, dass er in der letz­ten Show vor der ein­wö­chi­gen Thanks­gi­ving-Pau­se zu Gast sein durf­te, um zwei Songs aus sei­nem (sehr, sehr guten) aktu­el­len Album „The Glass Pas­sen­ger“ (s.a. Lis­ten­pa­nik 07/​09) vor­zu­stel­len.

Bei „Swim“ hat er gegen­über der Album­ver­si­on mal eben die kom­plet­te Phra­sie­rung geän­dert, aber wer beim Satz­ge­sang kei­ne Gän­se­haut bekommt, ist mut­maß­lich schon län­ger tot:

The Dai­ly Show With Jon Ste­wart Mon – Thurs 11p /​ 10c
Jack’s Man­ne­quin – Swim
www.thedailyshow.com

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Dai­ly Show
Full Epi­so­des
Poli­ti­cal Humor Health Care Cri­sis

„The Reso­lu­ti­on“ wur­de im Fern­se­hen abge­würgt, ist im Inter­net aber erfreu­li­cher­wei­se in vol­ler Län­ge zu hören (und sehen):

The Dai­ly Show With Jon Ste­wart Mon – Thurs 11p /​ 10c
Exclu­si­ve – Jack’s Man­ne­quin – The Reso­lu­ti­on
www.thedailyshow.com

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Full Epi­so­des
Poli­ti­cal Humor Health Care Cri­sis
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Digital Gesellschaft Fernsehen

Auswärtsspiel: Einheitsbrei

Jah­re­lang war ich fest davon über­zeugt, dass mei­ne ältes­te Live-TV-Erin­ne­rung vom 9. Novem­ber 1989 stammt. Jeden­falls erin­ne­re ich mich dar­an, wie Men­schen mit Häm­mern auf eine bun­te Mau­er ein­schlu­gen. Im Ver­lauf des Erin­ne­rungs­over­kills in den ver­gan­ge­nen Wochen fiel mir aller­dings auf, dass ich als Kin­der­gar­ten­kind wohl kaum Abends nach 23 Uhr vor dem elter­li­chen Fern­se­her geses­sen haben dürf­te. (Genau genom­men möch­te ich ins Blaue hin­ein ein­fach mal bezwei­feln, dass es damals über­haupt Live­bil­der gab, denn um 23 Uhr stand doch sicher schon der Sen­de­schluss vor der Tür der drei Fern­seh­pro­gram­me.)

Jeden­falls war ich sehr ent­täuscht, als ich fest­stell­te, dass mei­ne ältes­te Live-TV-Erin­ne­rung dann wohl doch eher vom Sams­tag, 11. Novem­ber 1989 stammt und wahr­schein­lich noch nicht mal eine Live-TV-Erin­ne­rung ist.

JEDENFALLS: Der 6. Jahr­gangs der elec­tro­nic media school (ems) in Pots­dam hat zum gro­ßen Mau­er­fall-Jubi­lä­um die Inter­net­sei­te einheits-brei.de gestar­tet. Für die­ses Pro­jekt wur­den auch ein paar Blog­ger gefragt, wie ihnen die dies­jäh­ri­gen Fei­er­lich­kei­ten gefal­len hät­ten und was sie in fünf Jah­ren nicht wie­der sehen wol­len. Ich war einer der Befrag­ten und bin beim Ver­such, mich auf die gewünsch­ten „drei bis vier Sät­ze“ zu beschrän­ken, mal wie­der geschei­tert.

„So bit­te nicht mehr!“ auf einheits-brei.de

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Gesellschaft

Narrenhände

Bildungsstreik

Bildung für alle!

Irgend­wie habe ich das Gefühl, dass das Semes­ter­ti­cket nächs­tes Jahr schon wie­der teu­rer wird …

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Musik Gesellschaft

If anyone asks …

Ich hab län­ger über­legt, ob ich noch was über den media­len Over­kill schrei­ben soll, der Deutsch­land seit dem Tod von Robert Enke fest im Griff hat. Dar­über, wie ich mich ges­tern ange­sichts des „Bild“-Titels „Deutsch­land weint mit Frau Enke“ an die Zeit nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 erin­nert fühl­te, als schon mal die Kol­lek­ti­vie­rung der per­sön­li­chen Emp­fin­dung völ­lig die tat­säch­li­che per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung ver­hin­der­te.

Am Mitt­woch­abend war ich in Düs­sel­dorf beim Kon­zert von Wea­k­erthans-Sän­ger John K. Sam­son. Bevor er den (wun­der­wun­der­schö­nen) Song „Pam­phle­teer“ anstimm­te, sprach Sam­son die „Elegy For Gump Wors­ley“ vom letz­ten Wea­k­erthans-Album. Gump Wors­ley war ein kana­di­scher Eis­ho­ckey­tor­wart, der unter Flug­angst litt und in der Sai­son 1968/​69 einen Ner­ven­zu­sam­men­bruch erlitt:

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(Das Video ent­stand ein paar Tage vor­her im Kon­zert­haus Dort­mund.)

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Musik

I Wish I Knew Natalie Portman

Hip-Hop gehört ja nicht unbe­dingt zu den Kern­ge­bie­ten mei­nes musi­ka­li­schen Inter­es­ses, aber dass K‑OS zu den Guten gehört, das wuss­te ich. Dass er im Okto­ber ein neu­es Album ver­öf­fent­licht hat, wuss­te ich bis eben nicht. Auch nicht, dass sei­ne aktu­el­le Sin­gle Sau­kra­tes und Nel­ly Fur­ta­do fea­tured, Phan­tom Pla­nets „Cali­for­nia“ zitiert und „I Wish I Knew Nata­lie Port­man“ heißt.

Jetzt weiß ich es – und der Song ist ver­dammt cool:

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[via Uwe Vieh­mann]

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Wüstenbeschimpfungen

Viel­leicht hat „Bild“ da am Don­ners­tag ver­se­hent­lich das eige­ne Gesamt­werk in 336 Zei­chen zusam­men­ge­fasst: Den gan­zen Sexis­mus, die gan­ze Into­le­ranz gegen­über ande­ren Mei­nun­gen, die gan­ze Scha­den­freu­de und das gan­ze Aus-nichts-eine-Mel­dung-machen-Müs­sen.

Und alles nur, weil sie Sahra Wagen­knecht zum „Ver­lie­rer“ machen woll­ten:

Ausriss: "Bild" vom 12. November 2009

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99 Kriegsminister

Falls Sie heu­te noch nicht am Kiosk waren: Las­sen Sie’s! Es lohnt sich nicht.

Fol­gen­des hät­te Sie in etwa erwar­tet:

Titelseite "Süddeutsche Zeitung", 13. November 2009

Titelseite "Frankfurter Allgemeine Zeitung", 13. November 2009

Titelseite "Der Tagesspiegel", 13. November 2009

Titelseite "Berliner Zeitung", 13. November 2009

Titelseite "Welt Kompakt", 13. November 2009

Titelseite "Braunschweiger Zeitung", 13. November 2009

Titelseite "Ruhr Nachrichten", 13. November 2009

Gut, es geht natür­lich auch … anders:

Titelseite "Bild", 13. November 2009

Titelseite "Hamburger Morgenpost", 13. November 2009

Titelseite "Berliner Kurier", 13. November 2009

Zwei Titel­ge­schich­ten zum Preis von einer bekom­men nur die Leser der „Abend­zei­tung“:

Titelseite "Abendzeitung", 13. November 2009

[Alle Titel­sei­ten via Mee­dia]