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Musik

Listenpanik 09/​09

Irgend­wie habe ich das Gefühl, dass immer mehr Musik ver­öf­fent­licht wird. Kau­fen tut die zwar außer mir nie­mand mehr, aber ich bin doch ger­ne Kon­junk­tur­mo­tor für die Die­ter Gor­nys die­ser Welt. Nur hören muss man den gan­zen Quatsch ja auch noch irgend­wann, auch dann, wenn man eigent­lich voll mit der Wert­schät­zung des Beat­les-Box-Sets beschäf­tigt ist.

Aber irgend­wie habe ich dann doch noch ganz viel neue Musik gehört und für irgend­wie emp­fehl­bar gehal­ten. Wie immer ist alles streng sub­jek­tiv und in Kür­ze wie­der ganz anders, aber begin­nen wol­len wir eh mit einem Kan­di­da­ten fürs Album des Jah­res:

Alben
Ele­ment Of Crime – Immer da wo Du bist bin ich nie
In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren habe ich im Herbst jeweils eines von Sven Rege­ners phä­no­me­na­len Frank-Leh­mann-Büchern (näm­lich, in der Rei­hen­fol­ge: „Neue Vahr Süd“, „Herr Leh­mann“, „Der klei­ne Bru­der“) gele­sen. Die­ses Jahr gibt es kein neu­es Buch, aber glück­li­cher­wei­se ein neu­es Album von Rege­ners Band Ele­ment Of Crime. Dass das famos ist und ganz locker das Bes­te, was in die­sem Jahr bis­her in deut­scher Spra­che erschie­nen ist, muss man ja kaum noch erwäh­nen, das erzählt einem ja eh jeder, ohne danach gefragt wor­den zu sein. Musi­ka­lisch gibt’s ein paar Tex-Mex-Anlei­hen, es rockt ins­ge­samt ein biss­chen mehr (bei man­chen Stü­cken sind gar ech­te Drum­sticks zu hören!), aber die an sich schon gute Musik der Band ver­blasst natür­lich weit­ge­hend gegen die Tex­te, die auch dies­mal wie­der – las­sen Sie mich hier eine For­mu­lie­rung mei­nes liebs­ten Ger­ma­nis­tik-Dozen­ten ver­wen­den – unend­lich gut sind. Zita­te ver­bie­ten sich, alles top!

Vol­ca­no Choir – Unmap
Jus­tin Ver­non ist mit sei­ner Band Bon Iver inner­halb von andert­halb Jah­ren zum Lieb­ling des Indie-Folk gewor­den. Inzwi­schen bin auch ich mir sicher: Es gab 2008 kein Album, das bes­ser war als „For Emma, Fore­ver Ago“. Jetzt hat Ver­non mit Mit­glie­dern der Band Coll­ec­tions Of Colo­nies Of Bees das Pro­hekt Vol­ca­no Choir gegrün­det. Sein Fal­sett-Gesang ist wie­der herz­zer­rei­ßend (und viel­leicht etwas spe­zi­ell), auch wenn es nicht all­zu viel Text gibt. Man­che Stü­cke sind kaum noch Songs, son­dern eher Klang­col­la­gen. Aber die Atmo­sphä­re ist beein­dru­ckend, man­ches, wie „Still“ (das den Auto­tu­ne-Trip „Woods“ von Bon Ivers „Blood Bank“-EP recy­celt) erin­nert gar an Radio­heads „Kid A“.

Mika – The Boy Who Knew Too Much
Das berühm­te schwie­ri­ge zwei­te Album, mit dem man an die Erfol­ge des Ers­ten anschlie­ßen muss/​will/​soll. Mikas Pop­per­len erwe­cken nicht den Ein­druck, als sei­en sie ihrem Schöp­fer schwer gefal­len – also ste­cken ver­mut­lich Ton­nen von Blut, Schweiß und Trä­nen in die­sen schil­lern­den Klein­oden. Unglaub­lich, wie vie­le Anklän­ge und Ver­wei­se der „Para­dies­vo­gel“ Mika (aus dem Voka­bu­lar von Men­schen, für die ein Abend im Chi­na­re­stau­rant „exo­tisch“ ist) in jeden ein­zel­nen sei­ner Songs packen kann: Alles erin­nert an irgend­et­was ande­res und ist doch ein­deu­tig Mika. Die Abgrün­de, die sich unter dem Zucker­guss auf­tun, sind die der Ado­les­zenz. Dar­an will sich nie­mand mehr erin­nern, wes­we­gen man lie­ber stumm der Plat­te lauscht und spä­tes­tens bei „By The Time“, der Kol­la­bo­ra­ti­on mit Imo­gen Heap (s.a. unten), eine amt­li­che Gän­se­haut bekommt.

Imo­gen Heap – Ellip­se
Wenn man ein Album wirk­lich liebt, hat es der Nach­fol­ger oft schwer. „Speak For Yours­elf“ von Imo­gen Heap war so ein Album und „Ellip­se“ hat den Nach­teil, einer­seits sehr ähn­lich zu klin­gen, ande­rer­seits nicht über die ganz gro­ßen Top-Songs zu ver­fü­gen wie der Vor­gän­ger. Das wich­tigs­te Instru­ment ist natür­lich Imo­gen Heaps Stim­me selbst, die wie­der viel­sei­tig ein­ge­setzt über­ein­an­der geschich­tet wird, dazu gibt es mal schnel­le­re, mal lang­sa­me­re Elek­tro­beats. Den­noch ist „Ellip­se“ ein orga­nisch klin­gen­des, atmo­sphä­risch dich­tes Album, das sich jetzt schon für kal­te Win­ter­aben­de emp­fiehlt („The Fire“ kommt sogar gleich mit Kamin­knis­tern).

Zoot Woman – Things Are What They Used To Be
Wenn Stuart Pri­ce nicht gera­de Musi­cal Direc­tor bei Madon­na ist, die alte Tanz­trul­la oder die Kil­lers pro­du­ziert, oder unter einem sei­ner Tau­send Ali­a­se Remi­xe erstellt, hat er ja auch noch eine Band namens Zoot Woman. Deren drit­tes Album erschien nur andert­halb Jah­re nach der Vor­ab­sin­gle „We Won’t Break“ (was aber auch noch zügig ist, ver­gli­chen mit – sagen wir mal – Geor­ge Micha­el). Über­all zirpt und plu­ckert es in bes­ter Acht­zi­ger-Jah­re-Tra­di­ti­on und ein paar sym­pa­thi­sche Tanz­bo­den­fül­ler sind auch dabei.

Kings Of Con­ve­ni­ence – Decla­ra­ti­on Of Depen­dence
Nach­dem Erlend Øye mit The Whitest Boy Ali­ve eines der Alben für den Som­mer gelie­fert hat­te, legt er jetzt mit den Kings Of Con­ve­ni­ence nach und will auch noch den Herbst domi­nie­ren. Das wird ihm sicher gelin­gen, denn die mal schwel­gen­den, mal groo­ven­den Akus­tik­songs, die er mit sei­nem Band­kol­le­gen Eirik Glam­bek Bøe auf­ge­nom­men hat, füh­len sich unge­fähr so woh­lig an wie eine Kan­ne hei­ßen Kakaos. Das kann man ganz und gar unspek­ta­ku­lär fin­den, aber auch ein­fach toll – viel­leicht sogar gleich­zei­tig.

Gods Of Blitz – Under The Radar
Bei einer Bestands­auf­nah­me deut­scher Bands, die eng­lisch sin­gen, ver­gisst man ja ger­ne alles unter­halb von Kili­ans und Slut – die Zei­ten, wo Bands wie Rea­dy­ma­de und Miles von ein­hei­mi­sche Musik­zeit­schrif­ten und sogar ‑sen­dern (die Älte­ren wer­den sich erin­nern) gewür­digt wur­den, sind eben vor­bei, heut­zu­ta­ge singt man deutsch. Bei den Gods Of Blitz aus Ber­lin wird hin­ge­gen auf Eng­lisch gesun­gen (und das auch noch von einem neu­en Sän­ger, denn der alte ist weg). Eine kla­re Linie ist auch beim drit­ten Album noch nicht zu erken­nen, da wird viel belie­hen und zitiert, und doch ist „Under The Radar“ ein sym­pa­thi­sches Indie­rock-Album, das in sei­nen guten Momen­ten schön nach vor­ne prescht. In eini­gen Songs mei­ne ich, Danko-Jones-Refe­ren­zen erkannt zu haben und „New Dimen­si­on“ taugt sogar zum Ohr­wurm.

Songs
Ele­ment Of Crime – Immer da wo Du bist bin ich nie
Jetzt muss ich doch mal was zitie­ren: Ein Lied­text, der mit „Immer wenn ich Pil­len nahm /​ Und hin­ter­her beim Fahr­rad fah­ren /​ Im Stein­tor in die Ril­len kam /​ Gezo­gen für die Stra­ßen­bahn“ beginnt, kann sehr, sehr platt und albern klin­gen. Kann, muss aber nicht, denn bei Sven Rege­ner klingt es immer noch eini­ger­ma­ßen lebens­wei­se. Dazu eine char­mant nach vorn groo­ven­de Band und ein schlich­ter, aber ein­gän­gi­ger Refrain, des­sen kom­plet­ter Text bereits im Titel ver­ra­ten wird.

Mika – We Are Gol­den
„We are not what you think we are /​ We are gol­den /​ We are gol­den“ – Falls Sie sich immer schon gefragt haben, ob man eigent­lich auch von gespro­che­nen Pas­sa­gen einen Ohr­wurm bekom­men kann, beant­wor­tet Mika Ihnen die­se Fra­ge hier völ­lig selbst­los: Aber sicher. Und dann die­ses Intro, das klingt, als hät­ten Queen und Abba gemein­sam mit Phil Spec­tor das Gesamt­werk Richard Strauss‘ in acht Tak­te kon­den­sie­ren wol­len. Der­art ope­ret­ti­ges muss man natür­lich lie­ben (und die Zahn­pas­ta immer griff­be­reit haben), aber ich lie­be es und die von einem Kin­der­chor (Jahaaa! Wenn, dann rich­tig!) gekreisch­te Pas­sa­ge obi­gen Wort­lauts ist mein Man­tra für die­sen Herbst. Was für ein sen­sa­tio­nell über­kan­di­del­ter Song! Fünf vor „beknackt“, aber toll!

Juli­an Casa­blan­cas – 11th Dimen­si­on
Apro­pos „beknackt“: Ich kann ja ver­ste­hen, wenn man den Song aus volls­tem Her­zen ablehnt, aber ich möch­te zu beden­ken geben, dass die Strokes auf ihrem letz­ten Album ja auch „Man­dy“ von Bar­ry Mani­low geco­vert (und es „Razor­b­la­de“ genannt) haben. Ich kann mir mei­nen soft spot für any­thing eight­ies ja auch nicht rich­tig erklä­ren, aber das ist dann doch schon eine wun­der­bar ver­spul­te Num­mer. „For­gi­ve them /​ Even if they’­re not sor­ry“ – Eben!

Vol­ca­no Choir – Island, IS
Wenn es auf „Unmap“ einen Track gibt, von dem man sich vor­stel­len könn­te, dass er in einem Moment beson­de­rer Unacht­sam­keit sei­tens der Musik­re­dak­ti­on auch mal im Radio läuft, dann „Island, IS“, die Sin­gle. Man könn­te den Song bei­na­he als „tanz­bar“ bezeich­nen, weil er sich durch einen trei­ben­den Beat aus­zeich­net. Text gibt’s auch, wenn auch nicht sehr ver­ständ­lich. Ach, ein­fach anhö­ren!

Kings Of Con­ve­ni­ence – Me In You
„I see you buil­ding that cast­le with one hand while you’­re tearing down ano­ther with the other“ ist so ein Bild, für das man kei­nen Kon­text mehr braucht. Ein­fach eine star­ke Zei­le und ein wun­der­schö­ner Song.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik Digital

This Modern Age

Ver­mut­lich bin ich wie­der der Letz­te, der den Song gehört hat, aber iTu­nes ver­ramscht zur Zeit die ers­te Solo­sin­gle vom Chef-Stro­ke Juli­an Casa­blan­cas für 69 Cent.

Ich hab sie also unge­hört gekauft (bei dem Preis!), gestar­tet und bin in einer sel­te­nen Mischung aus amü­sier­ter Fas­sungs­lo­sig­keit und Begeis­te­rung fast vom Stuhl gefal­len.

Für die drei Leu­te, die den Song auch noch nicht kann­ten:

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Was für eine sen­sa­tio­nel­le 80er-Jah­re-Num­mer! Ich kann nicht eine Gitar­re her­aus­hö­ren …

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Musik Digital

Und alle so: „Yeaahh“

Die nun fol­gen­de Geschich­te ist an kei­ner Stel­le logisch oder rele­vant:

Vor etwa zwei Wochen bekrit­zel­te jemand in Ham­burg ein Wahl­pla­kat von Ange­la Mer­kel. Unter „Die Kanz­le­rin kommt.“ schrieb er (oder sie): „Und alle so: ‚Yeaahh‘ “.

Jemand pho­to­gra­phier­te das Ergeb­nis und lud es bei flickr hoch, war­auf­hin es René von Nerd­core ent­deck­te und selbst dar­über blogg­te.

Auch bei Spree­blick wur­de dar­über gebloggt und die Geschich­te ent­wi­ckel­te sich zu einem soge­nann­ten Mem.

John­ny Haeus­ler bat um die Zusen­dung von „Yeaahh“-Sounds und bas­tel­te dar­aus einen Song, der schon eini­ge Male gere­mixt wur­de. Letz­ten Frei­tag gab es einen Flash­mob in Ham­burg und ges­tern berich­te­ten sogar die Tages­the­men dar­über.

Das alles arbei­te­te irgend­wo unter­be­wusst in mei­nem Hirn. Als ich heu­te Mor­gen erwach­te, hat­te ich einen Song im Ohr, von dem ich wuss­te, dass ich ihn nur wie­der los­wür­de, wenn ich ihn auf­näh­me. Und das hab ich dann getan, inklu­si­ve eini­ger von John­nys „Yeaahh“-Samples.

Es singt für Sie das Cof­fee-And-TV-Orches­ter:

Hier rechts kli­cken und „Ziel spei­chern unter“ wäh­len.

Falls jemand so ver­rückt ist, und dar­aus auch noch einen Remix bau­en will, stel­le ich die ein­zel­nen Spu­ren ger­ne spä­ter noch online.

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Musik

Interview mit James Walsh (Starsailor)

Star­sail­or kön­nen sich noch so Mühe geben: Wirk­lich cool wer­den die vier Bri­ten in die­sem Leben nicht mehr.

Als James Walsh am Mon­tag­nach­mit­tag in der CD-Abtei­lung des Ham­bur­ger Saturn-Mark­tes ein kur­zes Akus­tik­set spielt, ste­hen die Fans (von denen nicht mords­mä­ßig vie­le gekom­men sind) zwi­schen Rega­len, die mit „Schla­ger“ beschrif­tet sind, um Auto­gram­me an. Da kann man dann auch noch Abbas „Dancing Queen“ covern, ohne dass es Ein­fluss auf die cre­di­bi­li­ty hät­te. Schön ist es trotz­dem.

Zwei­ein­halb Stun­den spä­ter sitzt James Walsh im Back­stage­raum der Fabrik und lang­weilt sich. Ich wer­de das Gefühl nicht los, dass er das auch wäh­rend unse­res Inter­views (sie­he unten) tut, aber da müs­sen wir gemein­sam durch. Die The­men: Rock’n’Roll-Kli­schees, Poli­tik und Jere­mi­ah Dug­gan, über des­sen mys­te­riö­sen Tod die Band vor vier Jah­ren einen Song geschrie­ben hat. Walsh ant­wor­tet höf­lich bis nett und dass er eine Stun­de vor dem Auf­tritt kei­nen Bock hat, end­los zu reden, kann man ja auch ver­ste­hen.

James Walsh im Interview.

Nach zwölf Minu­ten sind Mar­ti­na und ich fer­tig mit Fotos und Inter­views und es kommt noch zu einer Nor­bert-Körz­dör­fer-esken Sze­ne, als Walsh uns mit gro­ßer Ges­te auf­for­dert, uns doch noch aus dem Kühl­schrank zu bedie­nen. „It’s Guin­ness, that’s the real thing“, sagt er und ich den­ke, ich hät­te mal bes­ser gucken sol­len, von wel­cher Mar­ke sei­ne Arm­band­uhr war.

Nach der Vor­band (Oh, Napo­le­on aus Kre­feld, hören Sie da ruhig mal rein) steht ein ande­rer James Walsh auf der Büh­ne: Er ist hell­wach, scherzt mit sei­ner Band und erin­nert kein biss­chen mehr an den scheu­en Anfang-Zwan­zi­ger, der sich vor acht, neun Jah­ren am liebs­ten hin­ter dem Mikro­fon­stän­der ver­steckt hät­te. Anders als bei den letz­ten Tou­ren gibt es kei­nen zusätz­li­chen Gitar­ris­ten mehr, Walsh spielt alles selbst und das kann er durch­aus gut. Fünf Songs spie­len Star­sail­or vom aktu­el­len Album „All The Plans“ – einen weni­ger als vom Debüt „Love Is Here“.

Starsailor live.

Was einem ver­mut­lich wie­der kei­ner glau­ben wird: Die Band hat live in den letz­ten Jah­ren schon immer ordent­lich gerockt, heu­te Abend tut sie es beson­ders. Walsh freut sich über das bes­te Publi­kum, das sie in Deutsch­land je gehabt hät­ten, und man ist geneigt, das nicht als Spruch abzu­tun: Die Fabrik kocht und wenn ich im Schät­zen von Men­schen­mas­sen nicht so unfass­bar schlecht wäre, könn­te ich mei­ne Behaup­tung, es han­de­le sich auch um das größ­te Publi­kum, das die Band in Deutsch­land je hat­te, auch ein wenig unter­mau­ern. Wirk­lich vie­le waren es lei­der trotz­dem nicht.

Der Stim­mung tut das kei­nen Abbruch, neue Songs wer­den warm auf­ge­nom­men, alte beju­belt. Ein Fan sagt, er sei aus Japan gekom­men, will aber sei­nen Namen nicht nen­nen: „Liking Star­sail­or can get you into real trou­ble“, lacht James Walsh und man ist sich gar nicht sicher, ob das jetzt Koket­te­rie oder eine rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung des Ban­di­mages ist. Aber Image ist nichts, ent­schei­dend ist auf der Büh­ne: „Four To The Flo­or“ wird fast von sei­nen kom­plet­ten Dis­co-Strei­chern befreit und kommt als kra­chi­ger Brit­pop-Stamp­fer daher und wird direkt anschlie­ßend noch mal in der Remix-Ver­si­on ange­stimmt. Letz­te­res ist zwar nicht neu, macht aber immer wie­der Spaß.

Nach dem regu­lä­ren Schluss­song „Good Souls“ gibt es noch eine wei­te­re Zuga­be: „Tomor­row Never Knows“ von den Beat­les. An denen kommt man im Moment wirk­lich nicht vor­bei – auf dem Sofa im Back­stage­raum lag auch eine der frisch remas­ter­ten CDs her­um.

Starsailor live.

Und hier das Inter­view im Cof­fee-And-TV-Pod­cast:

Inter­view mit James Walsh (Zum Her­un­ter­la­den rechts kli­cken und „Ziel spei­chern unter …“ wäh­len.)

Sie kön­nen die Pod­casts übri­gens auch als eige­nen Feed oder direkt in iTu­nes abon­nie­ren.

Star­sail­or spie­len das letz­te Kon­zert ihrer Deutsch­land­tour am Sonn­tag, 27. Sep­tem­ber im Glo­ria in Köln.

Fotos: © Mar­ti­na Dri­gnat.

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Musik

Listenpanik 08/​09

Bevor mor­gen (hof­fent­lich) der Paket­bo­te klin­gelt und ich die nächs­ten zwei Mona­te mit mei­nem Beat­les-Box-Set ver­brin­ge, schrei­be ich mal lie­ber noch schnell auf, was ich in den letz­ten Wochen so gehört habe. Die­ses Mal wird es noch etwas kon­fu­ser als sonst, weil z.B. das Imo­gen-Heap-Album in den USA zwar schon erschie­nen, aber noch nicht bei mir ange­kom­men ist. Dafür gibt es mal wie­der Nach­trä­ge, bei denen Sie sich sicher­lich fra­gen wer­den, auf wel­chem Pla­ne­ten ich eigent­lich die letz­ten Mona­te ver­bracht haben. Aber sowas wird es bestimmt bei der nächs­ten Lis­ten­pa­nik auch wie­der geben.

Doch genug der Theo­rie! Das blieb hän­gen vom Monat August:

Alben
La Roux – La Roux (Nach­trag)
Das hei­ßes­te neue Frau-singt-über-Elek­tro­beats-Din­gen seit „Annie­mal“ von Annie vor vier Jah­ren. Dar­an erin­nern La Roux auch ein biss­chen, sind aber ein gan­zes Stück düs­te­rer. Name­drop­ping-Spe­zia­lis­ten set­zen eh lie­ber auf Yazoo, Human League, Visa­ge und ähn­lich gela­ger­te Künst­ler der 1980er Jah­re. Wenn das von Musik- und Mode­pos­til­len seit Jah­ren pos­tu­lier­te Acht­zi­ger-Revi­val jetzt also nicht lang­sam mal ein­kickt (s.a. Empire Of The Sun, Lady Gaga, sowie die Tode von Micha­el Jack­son und John Hug­hes), dann soll­ten wir uns lang­sam damit abfin­den, dass es in die­sem Jahr­zehnt nicht mehr kom­men wird. Unab­hän­gig davon ist es natür­lich eines der über-cools­ten Alben für Din­ner­par­ty und Club seit lan­gem. Und in dem Moment, wo ich es mir auch gekauft habe, wahr­schein­lich schon wie­der so durch wie die „DJ Kicks!“ von Kru­der & Dorf­meis­ter. (Next stop: Neun­zi­ger-Revi­val.)

The Low Anthem – Oh My God, Char­lie Dar­win
Hier hät­ten wir dann das Folk-Hype­the­ma der lau­fen­den Sai­son, min­des­tens Fleet Foxes und Bon Iver in einem. (Und Gre­at Lake Swim­mers, Neu­tral Milk Hotel, Neil Young und Tom Waits.) Zwi­schen schwel­gen­den Bal­la­den („Char­lie Dar­win“, „To Ohio“) und schep­pern­den Schun­kel-Num­mern („The Hori­zon Is A Belt­way“, „Home I’ll Never Be“ von Jack Kerouac und Tom Waits) ist so ziem­lich alles dabei, was man mit dem Über­be­griff „Folk“ ver­bin­den wür­de. Der Herbst kann kom­men, denn mit die­ser Musik im Ohr kann man den Blät­tern sicher­lich ent­spannt beim Ver­fär­ben zuse­hen.

Jay Rea­tard – Watch Me Fall
„Kin­der“, frag­te der Opa, „wann genau ist Punk­rock so pop­pig gewor­den?“
„Ach“, ant­wor­te­ten die Kin­der, „das war doch eigent­lich immer schon so. Hör Dir mal die Ramo­nes an oder die Under­to­nes!“
„Stimmt auch wie­der“, sag­te der Opa und gab sich den sym­pa­thisch-schlich­ten Songs von Jay Rea­tard hin, die auch in irgend­ei­nem ande­ren der ver­gan­ge­nen 34 Jah­re hät­ten erschei­nen kön­nen.

Franz Nico­lay – Major Gene­ral
Wenn die Posi­ti­on „Lieb­lings­band“ im Leben eines Man­nes nicht ähn­lich früh fest­be­to­niert wür­de wie „bes­ter Freund“ und „Fuß­ball­ver­ein“ (sowie – aus chro­no­lo­gi­schen Grün­den – „ers­te Lie­be“), wären The Hold Ste­ady inzwi­schen mei­ne Lieb­lings­band. Klar, dass man da auch Neben­pro­jek­ten wie dem Solo­de­büt des Key­boar­ders sei­ne Auf­merk­sam­keit schen­ken muss. „Major Gene­ral“ schwankt musi­ka­lisch zwi­schen Extre­men wie Punk­rock und Folk, Chan­son und Power­pop, was nicht nur die Bewer­tung, son­dern auch das Durch­hö­ren des Albums etwas schwie­rig gestal­tet. Tech­nisch ist Nico­lay sicher­lich der bes­se­re Sän­ger als sein Chef Craig Finn, aber dem fal­len die bes­se­ren Tex­te ein. Wenn man die 15 Songs auf zehn zusam­men­ge­stri­chen hät­te, wäre „Major Gene­ral“ viel­leicht nicht nur ein Fall für Kom­plet­tis­ten, so ist es doch ein biss­chen spe­zi­ell. Scha­de, denn Songs wie „Jeff Penal­ty“ oder „I’m Done Sin­ging“ hät­ten ein grö­ße­res Publi­kum ver­dient – oder, so unter­schied­lich wie sie sind: gleich zwei Publi­ka.

Mew – No More Sto­ries
Wenn ich ein Album anstren­gend fin­de, gibt es gene­rell zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der es liegt an mir (fal­sche Stim­mung, gene­rel­le Vor­be­hal­te, schlich­te Igno­ranz) oder an den Künst­lern. Schwer zu sagen, wer dies­mal Schuld ist, denn „No More Sto­ries /​ Are Told Today /​ I’m Sor­ry /​ They Washed Away /​ No More Sto­ries /​ The World Is Grey /​ I’m Tired /​ Let’s Wash Away“ (so der voll­stän­di­ge Name des Albums) ist eigent­lich schon ein schmu­ckes Album, mit dem man auch Pink-Floyd-Fans noch aus dem Schau­kel­stuhl schüt­teln könn­te. Ich mach’s jetzt wie so oft und den­ke mir: „Das muss ich noch mal in Ruhe hören, wenn ich die Muße dazu habe“, und wer­de es dann ver­mut­lich wie­der ver­ges­sen. Und das wird mut­maß­lich gro­ßer Fre­vel sein, weil ich im rich­ti­gen Moment wahr­schein­lich erken­nen wür­de, dass die Dänen von Mew damit ganz gro­ße Kunst geschaf­fen haben. Im Moment kann ich das lei­der nur anneh­men.

Songs
La Roux – Bul­let­pro­of (Nach­trag)
Wenn ich behaup­te­te, ich wür­de mei­ne Eltern nur noch besu­chen, um GoTV gucken zu kön­nen, wäre das sehr unfreund­lich. Aber die­ser klei­ne, fei­ne, öster­rei­chi­sche Musik­vi­deo­sen­der macht ein­fach alles rich­tig. Aus­beu­te des letz­ten Besuchs: eine Hand­voll Tracks, die noch vor dem Fern­se­her sit­zend direkt bei iTu­nes gekauft wur­den. Allen vor­an die­se hier jugend­sprach­li­ches Adjek­tiv ein­set­zen Club-Hym­ne: Genau in dem Moment, wo der schlich­te und ergrei­fen­de Refrain fast ein biss­chen lang­wei­lig wer­den könn­te, kommt der Break­down mit Hil­fe eines Voco­ders („It’s 2009, mother­fu­cker!“, sagt der Break­down, auch wenn es wei­ter­hin wie „This time I’ll be bul­let­pro­of“ klingt) und jeder Mensch mit ein biss­chen Rest­hirn im Tanz­bein merkt: „Argh, geil, Track des Jah­res!“ Nur ich hab natür­lich wie­der vier Mona­te und öster­rei­chi­sches Fern­se­hen gebraucht, um davon was mit­zu­krie­gen.

Gos­sip – Hea­vy Cross (Nach­trag)
Tal­kin‘ bout Track des Jah­res: Da hät­ten wir natür­lich gleich die schärfs­te Kon­kur­renz. Dass der Song auch auf WDR2 läuft, zeigt nur, in was für einer Post-alles-Ära wir hier über­haupt leben. Jeden­falls: Auch eine Mör­der-Num­mer, die man auch als „fett“ bezeich­nen könn­te, wenn das nicht irgend­wie sehr unwit­zig wäre.

Jay Rea­tard – It Ain’t Gon­na Save Me
Ich habe ver­ges­sen, wer der­zeit den Rekord für die häu­figs­te Wie­der­ho­lung des Song­ti­tels hält (mut­maß­lich irgend­was mit „Yeah“ aus den 1960er Jah­ren), aber der Ope­ner von Jay Rea­tards zwei­tem regu­lä­rem Solo­al­bum (und dem mut­maß­lich 42., auf dem er irgend­wie zu hören ist) hät­te gute Chan­cen, die­sen Rekord zu bre­chen. Und dann die­ses Kin­der­ge­burts­tags-Video!

The Low Anthem – Char­lie Dar­win
Nach dem gan­zen Gezap­pel und Gepo­ge möch­ten Sie viel­leicht kurz etwas run­ter­kom­men. Schlie­ßen Sie die Augen, lau­schen Sie den Klän­gen und wenn Sie vor Ihrem geis­ti­gen Auge nicht den Rauch aus dem Schorn­stein eines ver­schnei­ten Häus­chens in den unend­li­chen nord­ame­ri­ka­ni­schen Wei­ten auf­stei­gen sehen, dann … äh: dann haben Sie offen­sicht­lich eine ande­re Phan­ta­sie als ich. Aber trotz­dem schön, nech?

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik Gesellschaft

We don’t know why /​ But we know it’s not right

Ich muss Ihnen nicht sagen, wel­ches Datum heu­te ist. Wenn Sie in den letz­ten Tagen einen Fern­se­her ein­ge­schal­tet haben, wis­sen Sie eh, wor­um es geht.

Frank-Wal­ter Stein­mei­er woll­te mir ja erzäh­len (aus der Rei­he „Sel­te­ne Sät­ze deut­scher Spra­che“), dass „die Tage, Woche und Mona­te nach dem 11.9.“ in Deutsch­land „ein biss­chen außer Gedächt­nis gera­ten sei­en. Ich hal­te das für Quatsch. Ich weiß noch genau, dass ich mich gefragt habe, ob ich mei­nen 18. Geburts­tag zwei­ein­halb Wochen spä­ter noch erle­ben wür­de, oder ob wir bis dahin schon alle von Ter­ro­ris­ten oder ame­ri­ka­ni­schen Gegen­schlä­gen getö­tet sein wür­den (was man als 17-Jäh­ri­ger halt so denkt).

Es sind vie­le, vie­le Songs geschrie­ben wor­den über die­se Zeit (unter ande­rem das gan­ze „The Rising“-Album von Bruce Springsteen), aber am Bes­ten zusam­men­ge­fasst wird das alles in einem Song, der unwahr­schein­li­cher­wei­se von den Fun­punk­pop­pern Gold­fin­ger, Good Char­lot­te und Mest stammt und irgend­wann im Herbst 2001 im Inter­net ver­schenkt wur­de. Ver­lust, Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit und Angst (auch dar­über, was fremd aus­se­hen­den Men­schen plötz­lich blüht) sind auf eine so unmit­tel­ba­re, nai­ve Art Gegen­stand des Tex­tes, dass man acht Jah­re spä­ter fast ein biss­chen pikiert dar­über ist. Aber Pop­mu­sik ist nun mal ger­ne ein unre­flek­tier­tes Zeit­do­ku­ment und des­halb auch meis­tens per­sön­lich packen­der als ein Geschichts­buch:

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Das Video ist ein biss­chen quat­schig, aber ich woll­te nicht schon wie­der bren­nen­de Tür­me zei­gen.

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Musik

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Wenn ein Künst­ler drei Jah­re lang kei­ne neue Musik ver­öf­fent­licht hat, ist es eigent­lich Quatsch, von einem „Come­back“ zu spre­chen. Wenn er in der Zeit davor aber qua­si im Jah­res­takt neue Alben raus­ge­bracht hat, ist die Bezeich­nung dann doch legi­tim.

Rob­bie Wil­liams kehrt also zurück – und es ist natür­lich rei­ner Zufall, dass dies gut zwei Mona­te nach dem Tod des Man­nes geschieht, den man mal „King of Pop“ gehei­ßen hat, und eine Woche nach der mög­li­chen Auf­lö­sung der Band, deren anfäng­li­che Freund- und anschlie­ßen­de Feind­schaft Wil­liams auch in Indie-Krei­sen cre­di­ble gemacht hat.

Seit heu­te läuft sei­ne neue Sin­gle „Bodies“ im Radio und – erst mal nur als Audio­tra­ck – bei You­Tube:

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Beim ers­ten Hören fand ich den Song ganz gräss­lich, dann hielt ich ihn für ein loses rip-off von „How Can You Expect To Be Taken Serious­ly?“ von den Pet Shop Boys (Ach­ten Sie mal auf die Musik im Refrain!), nach etli­chen Durch­läu­fen geht’s lang­sam. Davon, dass man sich wünscht, ein drit­tes Bein zu haben, um bes­ser tan­zen zu kön­nen (Selbst­ein­schät­zung Rob­bie Wil­liams), ist die Num­mer jeden­falls ein gan­zes Stück weit ent­fernt. Und von alten Glanz­ta­ten sowie­so.

Ob Wil­liams mit die­ser Musik und dem dazu­ge­hö­ri­gen Album (Sel­ten däm­li­cher Titel: „Rea­li­ty Kil­led The Video Star“, Ver­öf­fent­li­chung: 9. Novem­ber) auch ein Come­back im kom­mer­zi­el­len Sin­ne gelingt, wird sich zei­gen. Sein ambi­tio­nier­tes, aber auch blut­lee­res letz­tes Album „Rude­box“ pflas­tert ja heu­te angeb­lich chi­ne­si­sche Stra­ßen.

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You and I, we’re gonna live forever

Von meh­re­ren Sei­ten wur­de der Wunsch an mich her­an­ge­tra­gen, ich möge mich in die­sem Publi­ka­ti­ons­or­gan doch bit­te zum Aus­stieg Noel Gal­lag­hers bei Oasis äußern. Nor­ma­ler­wei­se wäre das ein guter Grund, gar nicht erst über einen Text nach­zu­den­ken, son­dern den Bitt­stel­lern den Vogel und den Weg zur Tür zu zei­gen. Aber Oasis sind ja nicht irgend­ei­ne Band und die Dis­kus­sio­nen der letz­ten Tage legen den Ver­dacht nahe, dass das The­ma uns Pop­kul­tur­ge­schä­dig­te min­des­tens so sehr beschäf­tigt wie der Tod von Micha­el Jack­son.

Touristenfotos aus der Brtipop-HölleAlso, zunächst ein­mal: Ich glau­be nicht, dass der Aus­stieg von Dau­er sein wird. Noel Gal­lag­her ist zwar das letz­te Band­mit­glied, das vom Durch­bruch bis vor kur­zem dabei war (wir erin­nern uns: auch Liam war ja zwi­schen­zeit­lich irgend­wie mal aus­ge­stie­gen), inso­fern wiegt das viel­leicht etwas schwe­rer, aber bei Licht bese­hen sind Oasis doch wie die­se Pär­chen im Freun­des­kreis, die sich immer wie­der tren­nen und immer wie­der zusam­men­fin­den – bei­des zum Leid­we­sen aller Unbe­tei­lig­ten. Ein Nach­ruf wird das hier also nicht wer­den.

Schon gar nicht auf eine Band, die selbst wun­der­bar in Wor­te pack­te, wor­an sich nie jemand gehal­ten hat:

Plea­se don’t put your life in the hands
Of a rock ’n’ roll band
Who’ll throw it all away

Alle Dis­ku­tan­ten haben ein­hel­lig die Mei­nung ver­tre­ten, dass der letz­te rich­tig gute Oasis-Song schon län­ger her sei – nur über den genau­en Zeit­punkt und Titel ist man sich uneins. Ich wür­de vor sie­ben Jah­ren anset­zen, auf „Hea­then Che­mis­try“ mit den letz­ten Über-Bal­la­den „Stop Crying Your Heart Out“ und „Litt­le By Litt­le“ und dem Klein­od „She Is Love“. „Fal­ling Down“ auf dem letzt­jäh­ri­gen „Dig Out Your Soul“ war auch nicht schlecht, aber das darf man alles nicht mit den alten Sachen ver­glei­chen.

Ich habe in den letz­ten Tagen einen Ver­gleich bemüht, von dem ich ver­ges­sen hat­te, dass ich ihn schon beim gro­ßen Jah­res­rück­blick ver­wen­det hat­te: Näm­lich den, dass es mit Oasis sei wie mit einem alten Schul­freund – „das Wie­der­se­hen ist herz­lich, man denkt an alte Zei­ten, trinkt zwei Bier und geht wie­der getrenn­ter Wege“.

Oasis waren ja unge­fähr zwei Som­mer lang so groß, wie die Ultras sie heu­te noch sehen. Auf dem Höhe­punkt abzu­tre­ten haben nicht mal Nir­va­na geschafft. Danach kommt eben die Ver­wal­tung der eige­nen Errun­gen­schaf­ten und dafür kann man dann ruhig den Rol­ling-Stones-Weg ein­schla­gen. Und denen ging es ja in den Acht­zi­gern auch nicht beson­ders.

Ich kam (wie unge­fähr jeder ande­re) über „Won­der­wall“ zu Oasis. Auf „Bra­vo Hits 12“ und das ist ja Grund genug, den Song heu­te zu has­sen. „Solo­al­bum“ von Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re – und Sie dach­ten, wir spre­chen bei Oasis von einem Absturz in die Bedeu­tug­nslo­sig­keit – häm­mer­te mir die Band ins Bewusst­sein, danach wur­den alle bis­her erschie­ne­nen CDs gekauft und bei jeder Neu­erschei­nung das Geld brav in den Laden getra­gen.

Die Pflicht­schul­dig­keit, immer noch jedes neue Album kau­fen und irgend­wie mögen zu müs­sen, habe ich bei Oasis gelernt. Eine objek­ti­ve Beur­tei­lung von Künst­lern, von denen ich mehr als drei Plat­ten habe, ist mir bis heu­te unmög­lich. (Ein­zi­ge Aus­nah­me: „Inten­si­ve Care“ von Rob­bie Wil­liams. So eine Scheiß­plat­te muss man wirk­lich erst mal machen.)

Im Gegen­satz zu ande­ren Brit­pop-Fans glau­be ich auch heu­te noch an den Glau­bens­krieg Oasis vs. Blur. Ich war immer Oasis-Fan, von Blur habe ich nur das Best Of. Cof­fee And TV heißt natür­lich trotz­dem nach einem Blur-Song, auch wenn die Band wenig aus­schlag­ge­bend war für die Wahl. Und es ist natür­lich die ganz beson­de­re Iro­nie der Pop­kul­tur, dass aus­ge­rech­net im Jahr 2009 – rund 15 Jah­re nach den Gol­den Years of Brit-Pop – Blur plötz­lich ein gefei­er­tes Come­back hin­le­gen und bei Oasis das Mas­ter­mind aus­steigt. Bes­ser tan­zen konn­te man frei­lich immer schon zu Blur.

Oasis wer­den wie­der­kom­men, dar­an habe ich kei­nen Zwei­fel. Die Band hat in ihrer Kar­rie­re ver­mut­lich mehr Kon­zer­te abge­sagt, als die Babysham­bles je gespielt haben. Sich klamm­heim­lich aus einem Fes­ti­val-Line-Up zu steh­len, ist mies, denn das Geld kriegt man nicht wie­der – auch nicht, wenn statt­des­sen Deep Pur­ple spie­len.

Und wenn Noel Gal­lag­her nicht in ein, zwei Jah­ren wie­der auf der Büh­ne steht, als sei nichts gesche­hen, dann gilt immer noch, was ein guter Freund und Ex-Oasis-Fan mein­te: „Eine Band ist doch nicht weg, wenn sie sich auf­löst. Die Plat­ten wird es immer geben.“

In die­sem Sin­ne: „You and I, we’­re gon­na live fore­ver!“

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Musik Leben

Post von Semino Rossi

Was hab ich jetzt wie­der ange­stellt?

Post von Semino Rossi

Ande­rer­seits könn­te es natür­lich auch sein, dass ich nach mei­nen Sym­pa­thie­be­kun­dun­gen für Semi­no Ros­si (und mei­nem Lob­lied auf Bata Illic) ein­fach zur Ziel­grup­pe gehö­re.

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Musik

Uhr-Instinkt

Den Bochu­mer Lie­der­ma­cher 1 Tom­my Fin­ke hat­te ich hier ja schon mehr­fach lobend am Ran­de erwähnt.

Dem­nächst erscheint sein neu­es Album „Poet der Affen/​Poet of the Apes“ und ent­spre­chend gibt es vor­her eine Sin­gle:

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[„Halt‘ alle Uhren an“]

Ich mag beson­ders die losen Oasis-Refe­ren­zen im Refrain und die­sen komi­schen Flö­ten­sound 2 vor den Stro­phen. Als Wasch­zet­tel­tex­ter wür­de ich jetzt sowas schrei­ben wie: „Jugend­li­cher als Kett­car, zugäng­li­cher als Gis­bert zu Knyphau­sen und – natür­lich sowie­so – bes­ser als Revol­ver­held.“ Es erin­nert aber auch ein biss­chen an Ath­le­te, fin­de ich.

Jeden­falls ken­ne ich nicht vie­le deutsch­spra­chi­ge Musi­ker, die so knie­tief im Pop ste­hen und dabei so weit von jedem Schla­ger­vor­wurf ent­fernt sind. Spä­tes­tens beim drit­ten Hören nis­tet sich der Song in den Gehör­gän­gen ein, aber kau­fen kann man ihn lei­der erst im Okto­ber.

Und wenn Sie par­tout kei­ne deutsch­spra­chi­ge Musik mögen, hören Sie sich eben die eng­li­sche Ver­si­on des Songs an.

Dis­clo­sure: Ich habe mit Tom­my Fin­ke mal ein Bier getrun­ken getrun­ken, es aber selbst bezahlt.

  1. Falls sich jemand fin­det, der ein zeit­ge­mä­ßes Syn­onym zur Hand hat, das nicht so sehr nach Leder­wes­te und selbst­ge­dreh­ten Ziga­ret­ten klingt, möge er es bit­te in den Kom­men­ta­ren abstel­len.[]
  2. Der mut­maß­lich alles, nur kein Flö­ten­sound ist.[]
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Musik Unterwegs

Drei Tage im August

Haldern Pop 2009.

Der jun­ge Mann war schon die gan­ze Zeit mit CDs und einem Filz­stift über den Alten Reit­platz gelau­fen und hat­te Leu­te an den Ein­gän­gen zu Back­stage- und Pres­se­be­rei­chen ange­spro­chen, ob sie ihm wei­ter­hel­fen könn­ten. Jetzt stand er plötz­lich hin­ter einer die­ser Absper­run­gen und ließ sich Auto­gram­me von Asaf Avi­dan und des­sen Band geben. Nach­dem die­ses klei­ne Zusam­men­tref­fen für alle Betei­lig­ten so erfreu­lich ver­lau­fen war, ging Asaf Avi­dan noch ein­mal zum Secu­ri­ty-Mit­ar­bei­ter am Zugang zum Pres­se­be­reich und bedank­te sich bei ihm: „Thanks for let­ting that guy in!“

Es ist nur ein Detail, aber als ich es am Ran­de mit­be­kam, dach­te ich: „Das ist Hald­ern!“ Das Fami­liä­re, Ent­spann­te, etwas Ande­re macht das Fes­ti­val am schö­nen Nie­der­rhein auch bei der 26. Auf­la­ge zu etwas beson­de­rem. (Mit „beson­ders“ mei­ne ich übri­gens nicht ein­zig­ar­tig – ich weiß, dass es über­all in Deutsch­land so klei­ne, per­sön­li­che Fes­ti­vals gibt. Aber unter die­sen dürf­te Hald­ern dann schon wie­der das größ­te sein.) Dok­ter Renz von Fet­tes Brot wirk­te eini­ger­ma­ßen ver­wirrt, als er fest­stell­te, dass die gan­ze Büh­ne frei von Mobil­funk­wer­bung war – eigent­lich erstaun­lich, dass die Fes­ti­val-Tickets trotz solch aus­ge­schla­ge­ner Ein­nah­me­quel­len ver­gleichs­wei­se güns­tig sind.

Haldern Pop 2009.

Dass das Hald­ern Pop die­ses Jahr erst am zwei­ein­halb­ten August­wo­chen­en­de statt­fand, hing mit dem Ter­min des Lol­la­pa­loo­za-Fes­ti­vals in Chi­ca­go zusam­men (das letz­te Fes­ti­val in Nord­ame­ri­ka, nach dem dann all Künst­ler wie die Zug­vö­gel nach Euro­pa wei­ter­zie­hen), erwies sich in Sachen Wet­ter aber als abso­lu­ter Glücks­fall. Nach den legen­dä­ren Schlamm­schlach­ten 2005 und 2006 ist man ja eini­ger­ma­ßen beschei­den und freut sich schon, wenn sich sowas nicht mehr wie­der­holt, aber so gut wie in die­sem Jahr habe ich das Wet­ter seit neun Jah­ren nicht in Erin­ne­rung (2003 war es wär­mer, aber das war abso­lut unan­stän­dig und kurz vor töd­lich). Und an den impro­vi­sier­ten Was­ser­wer­fern Berie­se­lungs­an­la­gen zeig­te sich dann wie­der der beson­de­re Hald­ern-Charme.

Auch sonst war mein Zehn­tes für mich eines der schöns­ten Hald­ern-Fes­ti­vals über­haupt. Zwar war es musi­ka­lisch nicht hun­dert­pro­zen­tig über­zeu­gend, aber das liegt zum einen dar­an, dass ich immer noch jedes Hald­ern mit der 2001er Aus­ga­be (Tra­vis, Star­sail­or, Neil Finn, The Divi­ne Come­dy, Phoe­nix, Muse, Slut, Black­mail, …) ver­glei­che, und zum ande­ren kann man’s ja eh nie allen gleich­zei­tig recht machen. Ver­an­stal­ter Ste­fan Reich­mann sag­te sogar, er fän­de es legi­tim, „auch mal was rich­tig schei­ße zu fin­den“ – aber die­se Ein­schät­zung traf dann bei mir doch auf kei­nen der gese­he­nen Künst­ler zu.

Fettes Brot beim Haldern Pop 2009.

Bon Iver waren wie erwar­tet groß­ar­tig (und genau rich­tig in der frü­hen Abend­son­ne), Fet­tes Brot, Dear Rea­der, Wil­liam Fitzs­im­mons und Ath­le­te gefie­len mir auch live gut. Colin Mun­roe war die Neu­ent­de­ckung des Fes­ti­vals und mit Anna Tern­heim, Asaf Avi­dan & The Mojos, The Ther­mals und Blit­zen Trap­per muss ich mich dann in den nächs­ten Wochen noch mal näher befas­sen.

Der Span­nungs­bo­gen hät­te frei­lich ein wenig mehr Zug ver­tra­gen: Vie­les plät­scher­te nett vor sich hin, was auch sehr schön war, aber als die Ther­mals plötz­lich los­bra­chen, waren sich vie­le einig, dass es dem Fes­ti­val bis­her etwas an Dri­ve gefehlt hat­te.

Hat­te ich in den letz­ten Jah­ren zwi­schen­durch immer in bes­ter „Lethal Weapon“-Manier geflucht, dass ich jetzt lang­sam aber wirk­lich „zu alt für die­sen Scheiß“ sei, bin ich mir dies­mal abso­lut sicher: Wir sehen uns 2010!

Mehr Hald­ern Pop 2009 hier im Blog: Live­blog Frei­tag und Live­blog Sams­tag.

Hald­ern Pop im Fern­se­hen: Rock­pa­last.

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Musik Unterwegs

Haldern Pop 2009: Liveblog Samstag

iLi­KET­RAiNS
Die Band zum iPod (oder so). Irgend­wie ist die­ser Acht­zi­ger-Düs­ter­pop ein gro­ßer blin­der Fleck in mei­nem Musik­ge­schmack (s.a. hier), denn für mich klin­gen alle die­se Edi­tors, Inter­pols, White Lies, Foals und eben auch iLi­KET­RAiNS alle gleich. Eine jun­ge Frau sag­te gera­de, das sei Musik, die sie nur hören wol­le, wenn sie mit dem letz­ten Bier in der Hand nach Hau­se schwan­ke und es liegt mir fern, die­ses fach­kun­di­ge Urteil in Abre­de stel­len zu wol­len. Es passt halt irgend­wie nicht so recht zum lang­sa­men Ver­bren­nen wei­ter Tei­le der eige­nen Haut­ober­flä­che.

Dear Reader beim Haldern Pop 2009

Dear Rea­der
Die­se süd­afri­ka­ni­sche Band hat­te ich eigent­lich schon lan­ge bei der Lis­ten­pa­nik nach­tra­gen wol­len: Wun­der­schö­ner Indiepop mit Sän­ge­rin und Folk-Ein­schlag (klar), der ganz wun­der­bar zum Wet­ter passt. Zum ers­ten Mal seit neun Jah­ren habe ich wie­der auf der Wie­se vor der Büh­ne gehockt (weil sie gar nicht mat­schig ist). Wäh­rend­des­sen fuhr ein Tre­cker mit vol­lem Was­ser­tank vor und eröff­ne­te eine Was­ser­stel­le neben der Büh­ne (so wird die Wie­se viel­leicht doch noch mat­schig). Um es Goog­le-taug­lich zu for­mu­lie­ren: Jun­ge, hüb­sche Men­schen über­gie­ßen ihre halb­nack­ten Kör­per mit Was­ser. Und ich Wahn­sin­ni­ger will gleich ins Spie­gel­zelt …

Junge, hübsche Menschen übergießen ihre halbnackten Körper mit Wasser.

Grizz­ly Bear
Auf­grund von Ände­run­gen im Zeit­plan (die bis­her nie­mand so recht erklä­ren konn­te), spielt Wil­liam Fitzs­im­mons erst um halb sechs im Spie­gel­zelt. Das gibt mir Gele­gen­heit, noch ein biss­chen Grizz­ly Bear auf der Haupt­büh­ne zu hören. Wenn das Gedrän­ge im Foto­gra­ben ein guter Indi­ka­tor für die Wich­tig­keit einer Band ist (was bis­her eigent­lich immer der Fall war), dann ist das Quar­tett aus Brook­lyn ver­dammt wich­tig. Radio­head sind erklär­te Fans und das passt auch ganz gut, auch wenn bei Grizz­ly Bear die Folk-Ein­flüs­se (was sonst?) deut­lich stär­ker durch­kom­men. Min­des­tens drei Band­mit­glie­der sin­gen (abwech­selnd und gemein­sam) und spie­len dazu Musik, die irgend­wo zwi­schen Ani­mal Coll­ec­ti­ve und Fleet Foxes ange­sie­delt ist. Der Groß­teil des Publi­kums ist indes dort ange­sie­delt, wo die Bäu­me auf dem Alten Reit­platz etwas Schat­ten spen­den, denn es ist doch ein gan­zes Stück wär­mer, als die­ser alber­ne Wet­ter­be­richt mal wie­der vor­ab behaup­tet hat­te. („Zuver­läs­sig wie der Wet­ter­be­richt“ soll­te eigent­lich die schlimms­te Belei­di­gung deut­scher Spra­che sein – war­um ist sie es nicht?)

William Fitzsimmons beim Haldern Pop 2009.

Wil­liam Fitzs­im­mons
Ja, es war warm im Spie­gel­zelt, aber dann doch nicht so heiß wie befürch­tet. Dazu kam, dass es sich kon­ti­nu­ier­lich leer­te – war­um auch immer, an der Musik wird es kaum gele­gen haben. Die war wun­der­schön melan­cho­li­scher Folk­pop zwi­schen Joshua Radin und Bon Iver. In sei­nen Ansa­gen offen­bar­te Fitzs­im­mons erstaun­li­che Deutsch­kennt­nis­se und zeig­te sich total begeis­tert vom Publi­kum.

Bon Iver beim Haldern Pop 2009.

Bon Iver
Als ich aus dem Spie­gel­zelt kam, hör­te ich plötz­lich Bon Iver. Aber die soll­ten doch erst um Vier­tel vor Neun spie­len?! So wie es aus­sieht, wird die 2009er Aus­ga­be als Hald­ern mit den meis­ten Zeit­plan­än­de­run­gen in die Geschich­te ein­ge­hen – dumm, wenn man davon nichts mit­be­kom­men hat. (Dies­mal lag es wohl dar­an, dass Andrew Bird noch unter­wegs war.) Aber lan­ge auf­re­gen kann man sich über sol­che spon­ta­nen Wech­sel natür­lich nicht, wenn gera­de eine der bes­ten Bands der letz­ten Jah­re ihre wun­der­ba­re Musik spielt. Ehr­lich gesagt pass­te die dann auch viel bes­ser zur Abend­son­ne und dem wol­ken­lo­sen Him­mel, die der sowie­so natur­ver­bun­de­nen Musik (die berühm­te Wald­hüt­te, in der „For Emma, Fore­ver Ago“ ent­stand) noch mehr mit­ga­ben. Bon Iver hat­te ich im Mai schon gese­hen, aber sie sind immer wie­der beein­dru­ckend.

The Ther­mals
Stel­len Sie sich vor: Man kann auch Songs mit mehr als 120 beats per minu­te spie­len. Auf dem Hald­ern ist das in die­sem Jahr eine Neu­ig­keit – und ent­spre­chend wird die schön nach vor­ne gehen­de Rock­mu­sik von den Ther­mals hier gera­de gefei­ert. Der Regis­seur des (fast) alles auf­zeich­nen­den Rock­pa­lasts fei­ert das mit gesund­heits­schäd­li­chen Schnit­ten, wie wir hier auf dem Kon­troll­mo­ni­tor sehen kön­nen. Egal: Die Band rockt schön, da muss ich unbe­dingt mal ins Album rein­hö­ren. (PS: Patrick Sway­ze lebt ent­ge­gen anders lau­ten­der Gerüch­te auf dem Platz und auf der Büh­ne immer noch.)

Blit­zen Trap­per
Wegen der abschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz hab ich nur noch 1 1/​2 Songs der Sub-Pop-Band aus Ore­gon mit­ge­kriegt, aber die hat­ten es in sich: blues­ro­ckig ging es noch vor­ne, eine Mischung aus ZZ Top und Crosby, Stills, Young & Nash. Das deckt sich auch nicht gera­de mit den Songs der Band, die ich vor­her kann­te, aber es schreit defi­ni­tiv nach einer nähe­ren Aus­ein­an­der­set­zung.

König Boris von Fettes Brot beim Haldern Pop 2009.

Fet­tes Brot
Nach­dem die „Bro­te“ letz­tes Jahr als Über­ra­schungs­gast im Zelt gespielt hat­ten (wo nur die wenigs­ten dabei waren), gab es sie die­ses Jahr offi­zi­ell auf der Haupt­büh­ne für alle. Und alle kamen. Kein Ver­gleich mit der gro­ßen Dis­kus­si­on um Jay‑Z beim Glas­ton­bu­ry, noch nicht mal eine Mini­mal­auf­re­gung wie bei Jan Delay auf dem Hald­ern vor zwei Jah­ren habe ich mit­ge­kriegt. Fet­tes Brot waren über­ra­schen­der­wei­se die Kon­sens­band und wie zum Beweis eröff­ne­ten sie ihre Show (und was für eine das war!) mit „Jein“, einem von den drei deutsch­spra­chi­gen Hip­hop-Lie­dern, die jeder Mensch mit­rap­pen kann, der zwi­schen 1980 und 1990 gebo­ren ist (die ande­ren sind „Sie ist weg“ von den Fan­tas­ti­schen Vier und „A‑N-N‑A“ von Freun­des­kreis). Es gab aber nicht nur ein Grea­test-Hits-Pro­gramm, son­dern auch Absei­ti­ges wie die B‑Seiten „Kon­trol­le“ (gegen Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Über­wa­chungs­staat und Wolf­gang Schäub­le) und „Was in der Zei­tung steht“ (gegen „Bild“ und ande­re Trash-Medi­en), Cover­ver­sio­nen von Rio Rei­ser („Ich bin müde“) und Fehl­far­ben („Ein Jahr“) und im unver­meid­li­chen Fina­le „Nor­dish By Natu­re“ erklan­gen plötz­lich „Dance With Some­bo­dy“ und „Män­ner sind Schwei­ne“. Nach viel ruhi­ger und schwel­gen­der Musik und mil­dem Gemo­s­he bei den Ther­mals konn­te wer woll­te zum Abschluss also noch mal rich­tig schön abge­hen. Ein Abschluss nach Maß.