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Musik Leben

Von Windeln verweht

Die frü­he­re NASA-Astro­nau­tin Lisa Nowak muss 50 Sozi­al­stun­den ableis­ten und an einem acht­stün­di­gen anger-manage­ment Semi­nar teil­neh­men, das ent­schied jetzt ein Gericht in Flo­ri­da.

Nowak hat­te vor fast drei Jah­ren eine ganz beson­de­re Form der Berühmt­heit erlangt, als sie 900 Mei­len am Stück mit ihrem Auto fuhr (wich­ti­ges Detail: sie soll wäh­rend der Fahrt Win­deln getra­gen haben, um nicht anhal­ten zu müs­sen), um der neu­en Freun­din ihres frü­he­ren Gelieb­ten Pfef­fer­spray ins Gesicht zu sprü­hen.

Die Geschich­te ist pop­kul­tu­rell auf ewig fest­ge­hal­ten in einem Song, den Ben Folds am dar­auf fol­gen­den Abend in der Köl­ner Live Music Hall impro­vi­sier­te (in mei­nem Bei­sein, wohl­ge­merkt!), und der spä­ter in leicht ver­än­der­ter Form unter dem Titel „Colo­gne“ auf sei­nem drit­ten Solo­al­bum „Way To Nor­mal“ ver­öf­fent­licht wur­de:

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Den Titel die­ses Ein­trags habe ich scham­los bei Thees Uhl­mann geklaut.

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Musik

Listenpanik 10/​09

Der Herbst kommt, es wird ein wenig melan­cho­li­scher. Oder doch nicht?

Freu­en Sie sich auf das, wor­über ich mich im ver­gan­ge­nen Monat gefreut habe – wie immer garan­tiert sub­jek­tiv:

Alben
Oh, Napo­le­on – Oh, Napo­le­on EP
Ich kann mich ehr­lich gesagt nicht dar­an erin­nern, jemals der­art von einem New­co­mer geflasht gewe­sen zu sein – selbst die ers­te Kili­ans-EP habe ich soweit ich weiß in den ers­ten zehn Tagen nicht öfter als 40 Mal gehört. Ansons­ten gilt, was ich letz­te Woche geschrie­ben habe.

Reli­ent K – For­get And Not Slow Down
Irgend­was muss im Okto­ber pas­siert sein, was mich wie­der in alte Tee­nie-Hör­ge­wohn­hei­ten hat zurück­fal­len las­sen: Nicht nur Oh, Napo­le­on hat­tee ich dut­zend­fach auf Repeat lau­fen, son­dern auch Reli­ent K, auf die ich durch Zufall auf­merk­sam gewor­den war. Es han­delt sich um eine – hold your breath – christ­li­che Rock­band aus Ohio, aber wenn man die gele­gent­li­chen „lord„s mal außen vor lässt, bleibt da eine CD, die musi­ka­lisch all das kom­bi­niert, was ich an Death Cab For Cutie, den Ata­ris, The Gas­light Anthem, Nada Surf und The Fray (die ja eben­falls als christ­li­che Rock­band gel­ten) mag: Power­pop mit melan­cho­li­schen Anwand­lun­gen, dazu viel Kla­vier.

WHY? – Eski­mo Snow
Ich habe zum ers­ten Mal von WHY? gehört, als sie als inter­na­tio­na­ler Bei­trag fürs dies­jäh­ri­ge Fest van Cleef bestä­tigt wur­den. Dort habe ich sie dann zumin­dest theo­re­tisch live gese­hen – wenn zum Zeit­punkt ihres Auf­tritts nicht gera­de ein unglaub­li­ches Unwet­ter getobt hät­te, das mich dann doch ein wenig vom Kon­zert­spek­ta­kel abge­lenkt hat. Aber allein die Geschich­te einer Band, die sich von einer Hip-Hop-Trup­pe aus Cin­cin­na­ti, OH zu einer Indierock­band aus Ber­ke­ley, CA ent­wi­ckelt hat, lohnt ja die nähe­rer Aus­ein­an­der­set­zung. „Eski­mo Snow“ ist laut Eigen­aus­sa­ge am wei­tes­ten vom Hip Hop ent­fernt und in der Tat gibt es in dem leicht ver­schro­be­nen, ziem­lich fili­gra­nen Sound kaum etwas, was an den Ursprung der Band erin­nert. Dafür hat das Album viel von den psy­che­de­li­schen Aus­flü­gen ame­ri­ka­ni­scher und bri­ti­scher Bands in den 1960er und 70er Jah­ren, gar­niert mit etwas absei­ti­gen Tex­ten.

Hel­gi Hrafn Jóns­son – For The Rest Of My Child­hood
In Island gibt es offen­bar die fes­te Regel, dass jeder Musi­ker min­des­tens ein Mal mit Sigur Rós zusam­men­ge­ar­bei­tet haben muss. Das hat Hel­gi Jóns­son schon hin­ter sich, aber die klang­li­che Nähe zu den Aus­hän­ge­schil­dern des islän­di­schen Indiepop lässt sich nicht leug­nen. Jóns­son singt aller­digns kon­se­quent auf Eng­lisch und sei­ne Songs sind ein wenig zugäng­li­cher als das Meis­te von Sigur Rós, weni­ger opu­lent sind sie nicht. Aus hin­ge­tupf­ten Kla­vier­ak­kor­den schrau­ben sich die Lie­der in höchs­te Höhen und manch­mal klingt Jóns­sons Stim­me ein wenig, als wür­de er von dort in die Tie­fe stür­zen. Kurz­um: Es ist genau die Sor­te Musik, die man hören möch­te, wäh­rend das Wet­ter drau­ßen zwi­schen nebe­lig-trüb und klir­rend-kalt chan­giert.

Air – Love 2
Eine Rund Kli­schees gefäl­lig? Gern: Air haben sich seit ihrem ers­ten Auf­tau­chen vor mehr als einem Jahr­zehnt als fes­te Grö­ße der Schlaf­zim­mer­be­schal­lung eta­bliert (vgl. Pla­ce­bo, Mar­vin Gaye und Mas­si­ve Attack) und brin­gen seit­dem im Abstand von zwei­ein­halb Jah­ren eine neue CD auf den Markt, von der alle sagen, sie klin­ge so wie immer, sei aber natür­lich nicht so gut wie „Moon Safa­ri“, wer­de aber trotz­dem wie­der Hun­der­te von Geschlechts­ak­ten unter­ma­len. „Love 2“ klingt jetzt wirk­lich wie „Moon Safa­ri“, ist natür­lich nicht so gut, aber bringt trotz­dem all das mit, was man von Air erwar­tet. Es ist ganz ähn­lich wie bei Mobys „Wait For Me“ im Som­mer: Jean-Benoit Dun­ckel und Nico­las Godin haben es auf­ge­ge­ben, irgend­wie anders klin­gen zu wol­len, und klin­gen gera­de des­halb so befreit und frisch wie lan­ge nicht mehr. Wer nur eine CD von Air haben will, greift wei­ter­hin zu „Moon Safa­ri“ (in Mobys Fall: „Play“), aber wer sei­ne Samm­lung auf­recht erhal­ten will, hat jetzt immer­hin ein schö­nes neu­es Album im Regal. Allein wegen der Abwechs­lung.

Songs
Oh, Napo­le­on – K
Soll ich, nach­dem ich die vier Songs der EP eh schon über den grü­nen Klee gelobt hab, tat­säch­lich noch einen ein­zel­nen Song her­vor­he­ben? Och joa, war­um denn nicht? Ich mag den schluf­fi­gen Beat, ich mag den repe­ti­ti­ven Refrain und die Stim­me von Kat­rin Bini­asch hat­te ich ja eh schon her­vor­ge­ho­ben. Sehr schön!

WHY? – Into The Shadows Of My Embrace
Fra­gen Sie mich nicht, wor­um es in die­sem Lied geht. Um Altern und Sex, um Nach­barn, die einem beim Mas­tur­bie­ren zuhö­ren, und um einen toten Fuchs unter einer Hecke. So etwas kann man natür­lich nicht mit Stro­phe – Bridge – Refrain ver­to­nen, da muss auch die Song­struk­tur ein biss­chen außer­ge­wöhn­li­cher sein. Ein biss­chen über­ra­schend, dass der Song trotz­dem sofort ins Ohr geht.

Reli­ent K – The­ra­py
Natür­lich ent­spricht die­ser Song der Blau­pau­se „Songs, die Lukas Hein­ser gut fin­det“: Ein Kla­vier­mo­tiv, ein trei­ben­der Beat, eine Stim­me, die an Ben Gib­bard erin­nert, eine Eröff­nungs­zei­le, die was von Springsteen hat („I never thought I’d be dri­ving through the coun­try just to dri­ve“), und ein Refrain, in dem alles auf Elf hoch­ge­dreht wird. Ja, die­se ein­fa­chen Wirk­me­cha­nis­men funk­tio­nie­ren bei mir. Meis­tens. So auch in die­sem Fall. Tol­ler Song, Punkt.

Death Cab For Cutie – Meet Me On The Equin­ox
Zwar kann ich mei­ne Freun­de immer wie­der damit ver­wir­ren, dass ich weiß, wie die Haupt­dar­stel­ler der „Twighlight“-Filme hei­ßen, aber angu­cken woll­te ich mir die­sen Quatsch eigent­lich nie. Mög­li­cher­wei­se muss ich mei­ne Mei­nung revi­die­ren, denn zumin­dest der Sound­track zum zwei­ten Teil liest sich beein­dru­ckend: Death Cab For Cutie, The Kil­lers, Lykke Li, Bon Iver & St. Vin­cent und Thom Yor­ke sind ja nicht gera­de die Acts, die man mit neu­em Mate­ri­al auf dem Sound­track zu einer Tee­nie-Vam­pir­ro­man­ze erwar­ten wür­de. Die Songs schwan­ken ein wenig zwi­schen okay und sehr gut (die trau­ri­ge Erkennt­nis am Ran­de lau­tet: Muse klau­en inzwi­schen bei den Kai­ser Chiefs), der Death-Cab-Song sticht als Sin­gle ein­deu­tig her­vor. Auf „Nar­row Stairs“ wäre er einem ver­mut­lich nicht beson­ders auf­ge­fal­len, aber schlecht ist er nun wirk­lich nicht.

[Lis­ten­pa­nik, die Serie]

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Musik Film Literatur

Positive Jam

Ich dach­te ja schon, es wäre die Krö­nung in Sachen Hel­den-Kol­la­bo­ra­ti­on, dass Ben Folds und Nick Horn­by gemein­sam an einem Album arbei­ten (Cof­fee And TV berich­te­te).

Jetzt lese ich, dass Craig Finn, der Sän­ger der von mir hoch­ver­ehr­ten The Hold Ste­ady, gemein­sam mit dem lang­jäh­ri­gen David-Let­ter­man-Autoren Tom Ruprecht an einer Kino­ad­ap­ti­on von Chuck Klos­ter­mans „Far­go Rock City“ arbei­tet.

Zwar kann ich mir im Moment noch nicht ganz vor­stel­len, wie aus einem Buch, das zu wei­ten Tei­len aus dem Theo­re­ti­sie­ren von Hea­vy Metal, Hair Metal und Hard Rock besteht, eine Film­ko­mö­die wer­den könn­te, aber ich ver­traue den bei­den Autoren, die den Film zusam­men mit Klos­ter­man pro­du­zie­ren, da voll. Außer­dem wer­den hier­zu­lan­de alber­ne Quatsch-Rat­ge­ber wie „War­um Män­ner nicht zuhö­ren und Frau­en schlecht ein­par­ken“ zu Kino­pro­duk­tio­nen geprü­gelt, da ist eine Coming-of-age-Geschich­te im länd­li­chen North Dako­ta mit ganz viel Musik sicher der nahe­lie­gen­de­re Stoff.

Aber was für pop­kul­tu­rel­le Mas­hups mit mei­nen per­sön­li­chen Hel­den fin­den als nächs­tes statt? Neh­men Thees Uhl­mann und Max Goldt ein gemein­sa­mes Album auf? Ver­tont Fran Hea­ly die „Cal­vin & Hobbes“-Comics von Bill Wat­ter­son? Nimmt sich Ben Gib­bard ein Buch von Jack Kerouac vor?

Oh.

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Musik

Nichts mit Waterloo

Das Maß, in dem bri­ti­sche Nach­wuchs­bands häu­fig gehypt wer­den, ist für Deut­sche oft über­ra­schend. Aber in Groß­bri­tan­ni­en gibt es eben rele­van­te Musik­zeit­schrif­ten, die noch dazu teils wöchent­lich erschei­nen und des­halb viel mehr Künst­ler aufs Cover packen kön­nen, und man hat eh ein ande­res Ver­hält­nis zur Pop­kul­tur.

Oh, Napoleon live

Dass eine deut­sche Nach­wuchs­band schon renom­mier­te inter­na­tio­na­le Acts sup­port­en darf, bevor sie selbst auch nur irgend­was ver­öf­fent­licht hat, kommt dage­gen eher sel­ten vor. Oh, Napo­le­on 1 haben schon mehr­fach vor Por­tu­gal. The Man und Star­sail­or (bei denen ich sie auch ent­deckt habe) gespielt, ihre ers­te EP ist aber erst vor elf Tagen erschie­nen.

Gut, man soll­te an die­ser Stel­le viel­leicht erwäh­nen, dass die Band von Marc Lieb­scher (Sport­freun­de Stil­ler) gema­nagt wird, einen Ver­trag mit Uni­ver­sal hat und auch sonst über eini­ge wich­ti­ge För­de­rer ver­fügt. Das macht die Sache mit den Sup­port-Slots viel­leicht ein­fa­cher, aber sol­che Hin­ter­grün­de nüt­zen auch nicht viel, wenn die Musik nicht stimmt.

Oh, Napoleon liveAber wie die Musik stimmt: Fand ich die Band live schon ziem­lich gut, ver­miss­te aber so ein biss­chen die Span­nung, hat mir die selbst­be­ti­tel­te Debüt-EP vom ers­ten Moment an die Schu­he aus­ge­zo­gen. Der Sound, für den Pro­du­zent Oli­ver Zülch (noch so ein gro­ßer Name: The Notwist, Slut, Die Ärz­te, Juli, …) ver­ant­wort­lich zeich­net, ist glas­klar. Die Gitar­ren, das Kla­vier und die Rhyth­mus­grup­pe bil­den eine sehr gute Grund­la­ge für die – Hil­fe, ich muss schon wie­der eine aus­ge­lutsch­te Musik­jour­na­lis­ten­vo­ka­bel benut­zen! – aus­drucks­star­ke Stim­me der Sän­ge­rin Kat­rin Bini­asch.

Die vier Songs erin­nern an Kath­le­en Edwards, 2 die Car­di­gans in ihrer „Long Gone Befo­re Daylight“-Phase und diver­se ame­ri­ka­ni­sche Singer/​Songwriterinnen, die man vor allem aus dem Sound­track von „Dawson’s Creek“ kennt. Folk­pop im bes­ten Sin­ne, ide­al für den Herbst und sicher­lich auch voll radio­taug­lich.

Der Ope­ner „To Have (To Lose)“ ist schwung­voll, danach geht es ent­spannt zu. In den Tex­ten geht es um Bezie­hungs­en­den, Ein­sam­keit und Lie­be, „K“ ist mit sei­nem etwas repe­ti­ti­ven Refrain bei mir am nach­drück­lichs­ten hän­gen geblie­ben. Und wenn die Män­ner­stim­men in „A Book Ending“ nicht mehr nur form­voll­ende­te „Uuuuuh“-Chöre bil­den, son­dern mit eige­nem Text und Gesangs­li­nie in den Lead-Gesang rein­grät­schen, 3 ist das noch mal ein ganz gro­ßer Gän­se­haut­mo­ment.

Seit lan­gem (also: seit First Aid Kit im Febru­ar) hat mich kein New­co­mer so sehr begeis­tert wie Oh, Napo­le­on. War Kre­feld musi­ka­lisch bis­her nur durch Blind Guar­di­an und Andrea Berg auf­ge­fal­len, 4 könn­te sich das Dank die­ser fünf unver­schämt jun­gen Musi­ker schon bald ändern. Ich weiß nicht, ob es in Deutsch­land einen Markt für sol­che Musik gibt, 5 aber ich den­ke schon, dass Oh, Napo­le­on sehr schnell den Sta­tus des Geheim­tipps los­wer­den dürf­ten. Im Früh­jahr 2010 soll das Album erschei­nen – bis dahin wer­de ich die EP ver­mut­lich ein paar hun­dert Mal gehört haben.

Oh, Napoleon - Oh, Napoleon EP (Cover)
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Oh, Napo­le­on bei Ver­ti­go
EP hören bei last.fm

Liv­e­fo­tos: © Mar­ti­na Dri­gnat.

  1. Band­na­men, die Satz­zei­chen ent­hal­ten, stö­ren den Lese­fluss lei­der immer ein biss­chen (vgl. The­ra­py?, WHY?, Get Cape. Wear Cape. Fly, Por­tu­gal. The Man oder Loney, Dear) – aber schö­ner als der vor­he­ri­ge Band­na­me Your Dumb Inven­ti­on ist Oh, Napo­le­on auf alle Fäl­le. Außer­dem gibt es einen Song von The Acorn, der „Oh Napo­le­on“ heißt.[]
  2. Ja ja, zuge­ge­ben: Ich hab auch ewig gebraucht, um Regi­na Spek­tor zu ent­de­cken. Aber wie kann es denn sein, dass Kath­le­en Edwards hier­zu­lan­de der­art über­se­hen wird?[]
  3. Na ja, viel­leicht schmie­gen sie sich auch eher an den Lead-Gesang an. Gegrätscht wird bei Oh, Napo­le­on nicht.[]
  4. Par­al­le­len zu ande­ren nie­der­rhei­ni­schen Städ­ten mit berühm­ten Pop­schla­ger­in­ter­pre­ten und Nach­wuchs­bands deu­ten sich am Hori­zont an.[]
  5. Und ob man auf dem nicht ein ähn­li­ches Schick­sal erlei­den könn­te wie das One-Hit-Won­der Bell, Book And Cand­le.[]
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Musik

Fran Healy unplugged

Ein Bekann­ter mein­te mal, bei Tra­vis habe doch auch schon der „Chris-de-Burgh-Effekt“ ein­ge­setzt: „Nur noch in Deutsch­land erfolg­reich.“

Nun ja: Die ganz gro­ßen Erfolgs­zei­ten der vier Schot­ten sind vor­bei. Cold­play fül­len welt­weit Sta­di­en, wäh­rend sich die Ver­an­stal­tungs­or­te bei Tra­vis lang­sam aber sicher von „Hal­len“ in Rich­tung „Clubs“ zu ver­schie­ben schei­nen. Chris Mar­tin ist wenigs­tens anstän­dig genug zu erklä­ren, dass es sei­ne Band ohne Tra­vis nie gege­ben hät­te.

Man könn­te mut­ma­ßen, dass es vor allem wirt­schaft­li­che Grün­de hat, wenn im Moment nicht Tra­vis als Band mit Tour-Key­boar­der und Live­crew die USA berei­sen, son­dern Fran Hea­ly und Andy Dun­lop allein mit ihren Akus­tik­gi­tar­ren unter­wegs sind. Aber selbst wenn dem so wäre, wür­de ich eini­ges dafür geben, mir die bei­den in rich­tig klei­nen Clubs anschau­en zu kön­nen.

Screenshot: Spin.com

Einen klei­nen Ein­blick kann man auch als Euro­pä­er bekom­men, denn Fran Hea­ly war in der Redak­ti­on von „Spin“ zu Gast und hat den Mit­ar­bei­tern drei Songs vor­ge­sun­gen, die jetzt als Vide­os im Inter­net ste­hen.

Los geht’s mit „20“, jener „All I Want To Do Is Rock“-B-Seite, die einst fes­ter Bestand­teil im Live­set war. Es folgt „Wri­ting To Reach You“, bei des­sen Anblick mir schlag­ar­tig wie­der ein­fiel, war­um ich vor neun­ein­halb Jah­ren ange­fan­gen hat­te, mir selbst das Gitar­ren­spiel bei­zu­brin­gen. Zu guter letzt gibt es „The Litt­le Things In Life“, ein Cover der eher unbe­kann­ten Band Green On Red. Alles tadel­los gespielt und gesun­gen und mit ein paar net­ten Wor­ten anmo­de­riert.

Fran Hea­ly unplug­ged bei Spin.com
Das Video funk­tio­niert bei mir nicht im Fire­fox, ver­su­chen Sie’s zur Not mal mit einem ande­ren Brow­ser.

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Musik Digital

Verwirranstalt

Neh­men wir mal an, sie hät­ten die (nicht ganz unlus­ti­ge) Nach­richt vor­lie­gen, dass der Sän­ger einer sehr bekann­ten Band ein Kon­zert in Lima (Peru) mit einem enthu­si­as­ti­schen „Thank you very much, Chi­le!“ been­det hat, und woll­ten die­sen Sach­ver­halt in einer bun­ten Mel­dung nebst kna­cki­ger Über­schrift wei­ter­ver­brei­ten – wür­den Sie es nicht exakt so for­mu­lie­ren?

Dave Gahan verwirrte seine Fans

Nein?!

Gut!

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Musik

They’ll be gone in a year or two

Nur fürs Pro­to­koll:

a‑ha wer­den im nächs­ten Jahr eine Abschieds­tour rund um den Erd­ball machen und am 4. Dezem­ber 2010 (zehn Jah­re und zwei Tage nach dem „Abschieds­kon­zert“ der Smas­hing Pump­kins – aber das hat nichts zu bedeu­ten, außer dass ich mir defi­ni­tiv zu vie­le Daten mer­ke) in Oslo ihr letz­tes Kon­zert spie­len.

Das ist einer­seits scha­de, ander­seits fin­de ich es immer beacht­lich, wenn Bands nach 25 Jah­ren sagen „Jetzt war gut“, bevor sie in die Rol­ling-Stones-Fal­le tap­pen. Mor­ten Har­ket wird dann 51 Jah­re alt sein und fri­scher aus­se­hen als irgend­wel­che Rock­mu­si­ker Anfang Zwan­zig. Alle drei Band­mit­glie­der wer­den ver­mut­lich wei­ter Musik machen und sie wer­den das wei­ter­hin sehr ordent­lich tun, wie die bis­he­ri­gen Solo- und Neben­pro­jek­te zei­gen. Zwar wäre das über­se­he­ne Meis­ter­werk „Ana­lo­gue“ das noch wür­de­vol­le­re Abschieds­al­bum gewe­sen als „Foot Of The Moun­tain“, aber so tre­ten sie wenigs­tens mit sat­tem Chart-Erfolg ab.

* * *

Bon Iver lösen sich nicht auf, son­dern machen nur Pau­se. Und zwar … irgend­wie län­ger – oder auch eben nicht:

During a packed stand at the River­si­de Thea­ter in Mil­wau­kee last night, Bon Iver’s Jus­tin Ver­non told the home sta­te crowd that the show would be the Bon-tourage’s last as a full band for an „inde­fi­ni­te“ peri­od of time or at least „until next year.“

[The Trip­wire, via Pas­te]

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Musik

Sex outside marriage is against our religion

Es ist über­haupt nicht schlimm, wenn Sie nicht auf Anhieb wis­sen, wer Levi John­s­ton ist. Immer­hin wür­de die­se Unkennt­nis bele­gen, dass die alber­nen Nicht-Schlag­zei­len deut­scher Bou­le­vard­me­di­en ver­gan­ge­ne Woche an Ihnen vor­bei gegan­gen sind. Levi John­s­ton jeden­falls ist der Vater des Enkel­kinds von Sarah Palin, Punkt.

Die Namen Nick Horn­by und Ben Folds soll­ten Ihnen – gera­de als regel­mä­ßi­ge Cof­fee-And-TV-Leser – aller­dings schon etwas sagen. Der eng­li­sche Best­sel­ler­au­tor hat Tex­te geschrie­ben, die vom ame­ri­ka­ni­schen Pia­no­bar­den ver­tont wur­den – was ja an sich schon mal eine Traum­mel­dung für Musik­nerds ist.

Um die bei­den etwas wacke­lig in der Luft hän­gen­den Absät­ze dort oben mal zusam­men­zu­füh­ren: Nick Horn­by und Ben Folds haben einen Song namens „Levi Johnston’s Blues“ geschrie­ben (Kern­text­zei­le: „Ya fuck with me and I’ll kick your ass“). Und den gibt es jetzt bei der „Huf­fing­ton Post“ zu hören.

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Musik

Verschenkte Früchte

Fools Gar­den zäh­len auch nicht unbe­dingt zu den Bands, die einem als ers­tes zum Wort „cool“ ein­fie­len. Der Erfolg ihrer Sin­gle „Lemon Tree“ vor drei­zehn Jah­ren war ein­fach zu groß gewe­sen und hat­te sie dann schnell in die Schub­la­de der one hit won­ders kata­pul­tiert: bei vier Wochen Num­mer Eins wird es halt schwer, das noch zu top­pen. (Wenn man den sym­pa­thisch Beat­le-esken Brit­pop von Fools Gar­den mit der Musik heu­ti­ger Erfolgs­bands wie Revol­ver­held ver­gleicht, könn­te man schnell auf die Idee kom­men, sich die Neun­zi­ger zurück zu wün­schen.) Fools Gar­den haben sich von ihrem Image offen­bar nicht beir­ren las­sen und mit einer treu­en Fan­ba­se ein­fach immer wei­ter gemacht – die­ser Tage erschien daher ihr Best Of „High Times“, das 15 Songs ent­hält, von denen 14 nicht „Lemon Tree“ hei­ßen.

Zu Pro­mo­ti­ons­zwe­cken hat sich die Band etwas ganz beson­de­res ein­fal­len las­sen (mög­li­cher­wei­se gab es so etwas auch vor­her schon mal, aber ich bin schlicht zu faul, in der Rich­tung zu recher­chie­ren, weil mir die pas­sen­den Goog­le-Begrif­fe nicht ein­fal­len wol­len). Jeden­falls gibt es eine „Web­tour“, bei der jeden Tag ein ande­rer Song auf einer ande­ren (teils exo­tisch anmu­ten­den) Web­site zum kos­ten­lo­sen Down­load ange­bo­ten wird. Ich hal­te das für eine sehr schö­ne Idee und wenn man von vor­ne bis hin­ten mit­macht, hat man am Ende das gan­ze Album für umme.

Zu den Sei­ten, auf denen der heu­ti­ge Gut­schein­code zu fin­den ist, gehört taubenstrasse.de, die Web­site mei­ner guten Freun­din und Haus­fo­to­gra­fin Mar­ti­na, die auch das Art­work für „High Times“ ent­wor­fen hat.

Der heu­ti­ge Song heißt übri­gens „Lemon Tree“.

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Musik

Coffee And TV empfiehlt mal wieder: Jacqui Naylor live

Was nur weni­ge wis­sen: Als wir die­ses Tex­te-im-Inter­net-Maga­zin hier gegrün­det und inten­siv über mög­li­che Namen nach­ge­dacht haben, lau­te­te einer der Vor­schlä­ge in der enge­ren Aus­wahl „Freun­de von mir ham da so ’ne Band …“

Okay, das war gelo­gen. Aber man muss ja die gän­gi­gen Vor­ur­tei­le bei jeder sich bie­ten­den Gele­gen­heit bedie­nen. Ande­rer­seits ken­nen wir (also Sie, der Leser, und ich) uns jetzt lan­ge genug, dass Sie wis­sen müss­ten, dass ich hier nur Sachen über den grü­nen Klee lobe vor­stel­le, hin­ter denen ich auch voll­in­halt­lich ste­he.

Jac­qui Nay­lor jeden­falls habe ich Ihnen schon mal an der einen oder ande­ren Stel­le nahe zu brin­gen ver­sucht. Die Jazz­sän­ge­rin aus San Fran­cis­co, in inter­es­sier­ten Krei­sen berühmt für ihr „acou­stic smas­hing“ (also die Kom­bi­na­ti­on von Jazz­stan­dards und Rock- und Pop­songs), ist Ende des Monats mal wie­der in Deutsch­land auf Tour.

Beson­ders erfreu­lich fin­de ich es, dass gleich zwei Hei­mat­städ­te von Cof­fee-And-TV-Autoren auf dem Tour­plan ste­hen:

27. Okto­ber: Saar­brü­cken, Saar­län­di­scher Rudn­funk
28. Okto­ber: Kem­pen, Cam­pus
29. Okto­ber: Dins­la­ken, Ledi­gen­heim Loh­berg
31. Okto­ber: Min­den, Jazz­club

Unge­fähr so sieht so ein Jazz­kon­zert übri­gens aus:

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Mehr zu Jac­qui Nay­lor
Offi­zi­el­le Web­site
Jac­qui Nay­lor bei MySpace
Künst­ler­sei­te beim deut­schen Label

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Musik Print

Please brother take a chance

Damit die Oasis-Reuni­on, die auch Wolf­gang Nost­rad­amus Doebe­l­ing (ich glau­be, den zwei­ten Vor­na­men hat er sich aus­ge­dacht) im aktu­el­len „Rol­ling Stone“ pro­phe­zeit (und zwar für den 15. Mai 2011), kom­men kann, muss die Band ja erst Mal auf­ge­löst wer­den.

Das hat Liam Gal­lag­her jetzt dan­kens­wer­ter­wei­se in einem Inter­view mit der „Times“ getan. Er woll­te eigent­lich nur über sei­ne Mode­li­nie „Pret­ty Green“ spre­chen, aber dann erklärt er die Band für been­det.

Luke Leitch gelingt es, in dem Arti­kel ein Bild von Liam Gal­lag­her zu zeich­nen, das sehr viel dif­fe­ren­zier­ter ist als das meis­te, was man bis­her über den jetzt Ex-Oasis-Sän­ger gele­sen hat. Am Ende spricht er sogar davon, außer­halb des Rock’n’Roll-Cir­cus irgend­wann sei­nen Frie­den mit Noel zu machen. Even­tu­ell.

Liam Gal­lag­her: a semi-sca­ry, tight­ly wound wind-up mer­chant — abso­lut­e­ly. But also serious, sen­si­ti­ve, impas­sio­ned and, from the look that flit­ted across his face at the end the­re, a man who mis­ses his brot­her. Fur­ther­mo­re, a pro­du­cer of rocking clob­ber for men. Who knew?

Mein Lieb­lings-Gal­lag­her bleibt trotz­dem Noel, so wie mein Lieb­lings-Beat­le Paul McCart­ney und mein Lieb­lings-Liber­ti­ne Carl Barât war. Aber das kön­nen Sie jetzt selbst tie­fen­psy­cho­lo­gisch aus­wer­ten.

[via Chris­ti­an]

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Musik Rundfunk Radio

Über Kronen

Im Dezem­ber wird die WDR-„Jugendwelle“ (die sich glaub ich schon län­ger nicht mehr selbst mit die­sem Acht­zi­ger-Jah­re-Wort­kon­strukt bezeich­net) 1Live zum zehn­ten Mal die „1Live Kro­ne“ ver­lei­hen. Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch fin­det die Ver­lei­hung des „größ­ten deut­schen Radio Awards“ (WDR-Pres­se­info) in der Bochu­mer Jahr­hun­dert­hal­le statt.

Neben Jan Delay, Sil­ber­mond, Ste­fa­nie Heinz­mann und Jen­ni­fer Ros­tock befin­den sich unter den Nomi­nier­ten auch die …

*Trom­mel­wir­bel*

Kili­ans!

In der sehr ehren­haf­ten Kate­go­rie „Bes­ter Live-Act“ gehen sie gegen Phil­ipp Poisel,die Toten Hosen, Peter Fox und Ramm­stein ins Ren­nen. Das wird sicher nicht ganz leicht, aber da es sich um einen Publi­kums­preis han­delt, ist alles mög­lich.

Abstim­men kann man jeden­falls ab sofort auf einslive.de