Interview mit James Walsh (Starsailor)

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 23. September 2009 22:02

Starsailor können sich noch so Mühe geben: Wirklich cool werden die vier Briten in diesem Leben nicht mehr.

Als James Walsh am Montagnachmittag in der CD-Abteilung des Hamburger Saturn-Marktes ein kurzes Akustikset spielt, stehen die Fans (von denen nicht mordsmäßig viele gekommen sind) zwischen Regalen, die mit “Schlager” beschriftet sind, um Autogramme an. Da kann man dann auch noch Abbas “Dancing Queen” covern, ohne dass es Einfluss auf die credibility hätte. Schön ist es trotzdem.

Zweieinhalb Stunden später sitzt James Walsh im Backstageraum der Fabrik und langweilt sich. Ich werde das Gefühl nicht los, dass er das auch während unseres Interviews (siehe unten) tut, aber da müssen wir gemeinsam durch. Die Themen: Rock’n'Roll-Klischees, Politik und Jeremiah Duggan, über dessen mysteriösen Tod die Band vor vier Jahren einen Song geschrieben hat. Walsh antwortet höflich bis nett und dass er eine Stunde vor dem Auftritt keinen Bock hat, endlos zu reden, kann man ja auch verstehen.

James Walsh im Interview.

Nach zwölf Minuten sind Martina und ich fertig mit Fotos und Interviews und es kommt noch zu einer Norbert-Körzdörfer-esken Szene, als Walsh uns mit großer Geste auffordert, uns doch noch aus dem Kühlschrank zu bedienen. “It’s Guinness, that’s the real thing”, sagt er und ich denke, ich hätte mal besser gucken sollen, von welcher Marke seine Armbanduhr war.

Nach der Vorband (Oh, Napoleon aus Krefeld, hören Sie da ruhig mal rein) steht ein anderer James Walsh auf der Bühne: Er ist hellwach, scherzt mit seiner Band und erinnert kein bisschen mehr an den scheuen Anfang-Zwanziger, der sich vor acht, neun Jahren am liebsten hinter dem Mikrofonständer versteckt hätte. Anders als bei den letzten Touren gibt es keinen zusätzlichen Gitarristen mehr, Walsh spielt alles selbst und das kann er durchaus gut. Fünf Songs spielen Starsailor vom aktuellen Album “All The Plans” — einen weniger als vom Debüt “Love Is Here”.

Starsailor live.

Was einem vermutlich wieder keiner glauben wird: Die Band hat live in den letzten Jahren schon immer ordentlich gerockt, heute Abend tut sie es besonders. Walsh freut sich über das beste Publikum, das sie in Deutschland je gehabt hätten, und man ist geneigt, das nicht als Spruch abzutun: Die Fabrik kocht und wenn ich im Schätzen von Menschenmassen nicht so unfassbar schlecht wäre, könnte ich meine Behauptung, es handele sich auch um das größte Publikum, das die Band in Deutschland je hatte, auch ein wenig untermauern. Wirklich viele waren es leider trotzdem nicht.

Der Stimmung tut das keinen Abbruch, neue Songs werden warm aufgenommen, alte bejubelt. Ein Fan sagt, er sei aus Japan gekommen, will aber seinen Namen nicht nennen: “Liking Starsailor can get you into real trouble”, lacht James Walsh und man ist sich gar nicht sicher, ob das jetzt Koketterie oder eine realistische Einschätzung des Bandimages ist. Aber Image ist nichts, entscheidend ist auf der Bühne: “Four To The Floor” wird fast von seinen kompletten Disco-Streichern befreit und kommt als krachiger Britpop-Stampfer daher und wird direkt anschließend noch mal in der Remix-Version angestimmt. Letzteres ist zwar nicht neu, macht aber immer wieder Spaß.

Nach dem regulären Schlusssong “Good Souls” gibt es noch eine weitere Zugabe: “Tomorrow Never Knows” von den Beatles. An denen kommt man im Moment wirklich nicht vorbei — auf dem Sofa im Backstageraum lag auch eine der frisch remasterten CDs herum.

Starsailor live.

Und hier das Interview im Coffee-And-TV-Podcast:

Interview mit James Walsh (Zum Herunterladen rechts klicken und “Ziel speichern unter …” wählen.)

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Starsailor spielen das letzte Konzert ihrer Deutschlandtour am Sonntag, 27. September im Gloria in Köln.

Fotos: © Martina Drignat.

10 Kommentare

  1. GuramC
    24. September 2009, 1:36

    Give me a break… reden wir hier wirklich von denselben Starsailor? Die whiny bitches mit Daddy was an Alcoholic? Klar werden die nicht ernstgenommen und verachtet. Und Tomorrow Never knows darf eh nur noch Noel G. covern :p

    Aber danke für Oh, Napoleon und mal wieder einen musikalischen Beitrag, macht immer wieder Spaß, das hier zu lesen, trotz Meinungsverschiedenheiten, was einzelne Bands angeht))

  2. Rüdiger
    24. September 2009, 12:32

    Ich weiß wirklich nicht, was an Starsailer uncool sein soll und warum sie verachtet werden/ werden sollten. Das Wort als solches passt schon gar nicht in Bezug auf eine Gruppe sondern eher in Richtung Mörder oder Kinderschänder also was soll so ein Kommentar?
    Das Konzert war wahrlich ein Rockkonzert und ist mit ihrem letzten, welches ich gesehen habe – Große Freiheit vor 4 Jahren – nicht vergleichbar. Da waren es wirklich Jungs, die sich hinterm Mikro versteckt haben.
    Ich mag diese Truppe sehr, und sollten sie tatsächlich so wahnsinnig uncool sein, na und, dann bin ich’s auch….also leck mich!

  3. Lukas
    24. September 2009, 15:21

    Na ja, komm: Uncool sind sie schon. Aber das sind die meisten Bands, die ich mag, von daher passt das sehr gut.

  4. Jan
    24. September 2009, 21:58

    Wobei du es aber auch cool findest, auf angeblich uncoole Bands zu stehen, oder nicht, Lukas? ;-)

    Ich habe bei Starsailor nach dem zweiten Album das Interesse verloren. Vielleicht sollte ich mir den Kram danach ja doch mal anhören.

  5. Jonas Schaible
    25. September 2009, 0:01

    Sag mal, Lukas, was für ein Aufnahmegerät hast du da?
    Ich suche nämlich derzeit und habe keine Ahnung, was meinen Anforderungen (Aufnehmen von Interviews und Aussagen, eher keine Audio-Veröffentlichung) entspricht und wie viel so etwas kosten soll?

  6. Lukas
    25. September 2009, 13:11

    @Jonas: Ich hab das Gespräch mit meinem iPod touch und diesem kleinen Mikrofon aufgenommen.

    Eigentlich hatte ich nur gehofft, dass die Qualität wenigstens zum Transkribieren reicht, aber am Ende fand ich es (bei 64 kb/s, 44,100 KHz und mono) auch veröffentlichbar.

    Wir haben früher bei CT Interviews on air geschickt, die deutlich mieser klangen.

  7. juliaL49
    26. September 2009, 0:17

    Ach was, Starsailer sind ok :) Ich habe James vor exakt einem Jahr bei einem Soloauftritt in Manchester gesehen (es ist ja schon nach Mitternacht), als er eine Handvoll Songs mit Akustikgitarre vorgetragen hat und das war ziemlich gut!

  8. Zirkuskind
    29. September 2009, 22:37

    Oh, ich habe Starsailor 2001 auf Ihrer ersten großen Tour in Bielefeld gesehen (damals noch mit David Kitt als Vorband – genial!!!) und da war das Publikum schon ziemlich groß. Zwei Jahre später im Kölner Wartesaal dann leider nicht mehr so und ich habe ein bisschen den Eindruck, dass die allgemeine Meinung ein wenig sehr durch das dritte Album der Band getrübt wurde. Leider!!

    Ich für meinen Teil finde die Band ganz grandios, gerade live! Das Konzert hier in Köln letztes Wochenende musste ich leider aussetzen, aber beim nächsten bin ich ganz bestimmt wieder dabei!

  9. Lukas
    30. September 2009, 11:48

    Das dritte Album finde ich eigentlich sehr gelungen. Ich find das Zweite schwankt etwas zwischen den Extremen.

    Am Sonntag in Köln waren übrigens dann doch so sechs-, siebenhundert Zuschauer, die Stimmung war von Anfang an sehr gut und die Band war noch ein bisschen tighter als kurz zuvor in Hamburg.

  10. Coffee And TV: » Nichts mit Waterloo
    27. Oktober 2009, 16:33

    [...] Oh, Napoleon haben schon mehrfach vor Portugal. The Man und Starsailor (bei denen ich sie auch entdeckt habe) gespielt, ihre erste EP ist aber erst vor elf Tagen erschienen. [...]

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