Wie man 2009 einen Hit landet — und wie nicht

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 3. Juni 2009 18:21

a-ha verkündeten gestern stolz via Twitter, dass “Foot Of The Mountain” auf Platz 3 der deutschen Charts einsteigen werde und damit die erfolgreichste Single seit “Take On Me” vor 24 Jahren sei.

Nun sind a-ha trotz der vielen Hits nicht unbedingt das, was man unter einem Single-Act versteht. Ihre Songs werden zwar im Radio gespielt, aber die Kernzielgruppe (Menschen um die 40) wartet dann wohl doch eher, bis das Album erscheint.

Andererseits war der Song beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” der Öffentlichkeit vorgestellt worden und danach sofort bei iTunes verfügbar. Ein anderer Song, der in dieser Sendung nur im Hintergrund zu hören war, blockiert seitdem Platz 1 der iTunes-Charts: “Jungle Drum” von der sonst eher Hit-unverdächtigen Emiliana Torrini.

Diese Fälle zeigen, dass die Leute sehr wohl bereit sind, für Musik zu zahlen. Es muss nur der schnellste und einfachste Weg sein: Man hört einen Song im Radio oder im Fernsehen, geht ins Internet und hat zwei Minuten und 99 Cent später das gewünschte Lied auf der Festplatte — schneller und einfacher als bei den meisten anderen Quellen. (Dass es auch “legaler” ist, dürfte die meisten Nutzer nämlich offen gestanden nicht interessieren. Sie wollen es schnell und bequem — und sind zumindest zum Teil bereit, für diese Bequemlichkeit zu zahlen.)

Wie man daraus kein Kapital schlägt, zeigt der Fall des großen “Scrubs”-Finales: Am Ende der letzten Folge läuft in einer wunderbar rührenden Szene “The Book Of Love” von Peter Gabriel. Diese Coverversion eines Magnetic-Fields-Songs war vor fünf Jahren auf dem Soundtrack zur Richard-Gere-Komödie “Shall We Dance?” enthalten und ist im amerikanischen iTunes Store nur als Teil des gesamten Soundtracks für 11,99$, bei Amazon.com für 8,99$ erhältlich. Bei den deutschen Äquivalenten ist das Lied gar nicht verfügbar.

In den Kommentaren bei iTunes wurde die Möglichkeit, den Song einzeln kaufen zu können, schon vor vier Jahren eingefordert. Ich bin mir sicher, ein nicht unerheblicher Teil der Menschen, die bei last.fm (wo es den Song natürlich auch nicht zu hören gibt) schreiben, wie gut ihnen die Verwendung des Stücks bei “Scrubs” gefallen hat, hätten “The Book Of Love” kurz nach der Ausstrahlung gerne sofort gekauft. Aber Universal, einer der trägsten unter den verblieben Majors, hat wieder einmal gepennt und sich damit ein großes Geschäft versaut.

Darunter leiden natürlich auch Peter Gabriel und die Musiker von den Magnetic Fields, die den Song geschrieben haben — aber die sind normalerweise eh bei ganz anderen Plattenfirmen.

21 Kommentare

  1. Muriel
    3. Juni 2009, 18:35

    Merkwürdig, dass die Musikindustrie auf den Verlust von Kunden und Umsatzrückgänge konsequent mit Maßnahmen reagiert, die noch mehr Kunden vertreiben.
    Schon als das mit dem Kopierschutz anfing, habe ich mich immer gefragt, wieso ich es eigentlich verdient hatte, noch bestraft zu werden für den legalen Kauf einer CD.
    Was wohl deren Geschäftsmodell ist?
    Die gleiche Frage stelle ich mir jedes Mal, wenn ich eine legal gekaufte DVD einlege und mir erstmal minutenlange Urheberrechtshinweise in fünfzehn Sprachen ansehen muss, bevor es losgeht.

  2. Lite
    3. Juni 2009, 19:17

    Noch merkwürdiger ist, daß es den Track bei grooveshark gibt, als Stream. dann aber nicht einzeln bei iTunes? sehr seltsam.
    http://listen.grooveshark.com/.....ove/443150

  3. Christian
    3. Juni 2009, 22:24

    Wird wohl nicht allein Universals Schuld sein. Die werden damals nur für den Soundtrack die entsprechenden Rechte gekauft haben. Konnte ja damals keiner ahnen, daß man später (also heute) einzelne Tracks einer CD kaufen kann.

  4. JMK
    3. Juni 2009, 23:04

    Der Witz ist ja dass man als zahlender potentieller Kunde ein wenig bevormundet wird, seitens Künstler oder Labels.
    Da will ich gerne Geld ausgeben um bspw. die neue James Grant zu kaufen oder die neue Sonya Kitchell. Natürlich als download und wo finde ich diese Alben ausschliesslich? Bei itunes.
    Weder habe ich das, noch will ich das. Früher wurden CDs ja auch nicht nur von Mediamarkt oder WOM vertrieben und so bekommen manche Künstler eben kein Geld.Auch doof.

  5. Philip S.
    3. Juni 2009, 23:13

    @JMK die Künstler kriegen doch extra von Itunes Geld wenn sie etwas exklusiv machen…das ist wie mit der Bildzeitung.
    Hab auch früher schon speziellere Läden für Sachen aufsuchen müssen die ich im Media Markt nicht gefunden hab. Versteh dein Problem nicht ganz.

    Bei einzelnen Songs ist die Sache mit der Schnelligkeit auch entscheidend weil mans sonst vergisst..neige dazu mir das irgendwo aufzuschreiben…aber das ist dann wie in Memento, wenn grad nichts da ist vergess ichs das einfach wieder.

  6. JMK
    4. Juni 2009, 0:33

    @Philip
    schrieb ich was von exklusiven Aufnahmen?
    Ich rede von den stinknormalen Alben, die oft genug nur über itunes verkauft werden.

  7. Lukas
    4. Juni 2009, 0:41

    @JMK: Aber macht sie das nicht zu exklusiven Aufnahmen?

  8. JMK
    4. Juni 2009, 9:32

    @Lukas
    die Hartware (CD) gibt’s ja nach wie vor, ich meinte nur die downloads. Aber wer kauft denn noch CDs:-)

  9. Dr. Bär
    4. Juni 2009, 10:41

    Apropos Emiliana Torrini, die hat ein gewöhnungsbedürftiges aber wunderschönes Cover von “Sounds Of Silence” aufgenommen, dass es aber leider auch nirgends zu kaufen gibt. Bleibt nur youtube:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ou6Z6hRddvo

  10. Michael
    4. Juni 2009, 14:24

    Lukas, wenn ich deine letzten beiden Einträge kombiniere, kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass du 69 Love Songs von den Magnetic Fields nie besessen hast. Sonst müsstest du es ziemlich weit oben auf der Liste der besten 99er Alben stehen haben. (Soll heißen: Kaufen! Jetzt!)

  11. roman g
    4. Juni 2009, 14:25

    [Link gelöscht]

  12. Lukas
    4. Juni 2009, 14:33

    Entschuldigung, Links zu Grauzonen-Seiten werden gelöscht.

    Jeder Interessierte kann im Zweifelsfall binnen weniger Minuten selbst finden, was er sucht.

  13. Gänsehaut für 91 Cent « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.
    4. Juni 2009, 20:48

    […] weil es einigermaßen zum Thema passt: das hier drüben beim Lukas […]

  14. SvenR
    4. Juni 2009, 23:15

    Es ist schon erstaunlich, wie offensichtlich auf der Straße liegendes Geld da auch liegen gelassen wird. Wie lange musste ich warten, um das “Blade Runner”-Original auf DVD kaufen zu dürfen? Warum konnte ich nie meine LPs auf CDs upgraden, warum kann ich jetzt nirgends meine CDs auf MP3s (oder was auch immer) upgraden? Warum kann ich nicht jetzt die a-ha Single kaufen und anschließend das Album unter Anrechnung des Single-Kaufpreises (warum das früher nicht ging ist mir klar, aber heute?)? Ich habe auch keine Möglichlkeit gefunden, bei itunes das Album vorzubestellen.

    Trotz der vielen Unzulänglichkeiten halte ich itunes für das Beste aller kommerziellen Dowloadportale, mit einem nachvollziehbaren und (relativ) günstigen Preismodell.

    Egal, ich mag sowohl “Foot of the Mountain” als auch “Jungle Drum”. Warum ich immer nur dabei an das grauenvolle “Jungle Beat” von Costa Cordalis denken muss, und warum ich das überhaupt kenne…

  15. SvenR
    4. Juni 2009, 23:17

    Ach, und könnte jemand bitte einem 40jährigen das Geschäftsmodell von last.fm erklären und warum das legal ist.

  16. Kunar
    25. Juni 2009, 0:01

    Frage zum Einstieg: Die Kernzielgruppe von a-ha waren doch nicht bereits vor 25 Jahren die 40-jährigen, sondern Leute, die heute 40 sind und damals Teenager waren. Von daher verstehe ich die Überlegung mit den Singles nicht: Als hippe bravokompatible Jugendband hätten a-ha in den 1980ern durchaus noch mehr Erfolge als ihre erste Single haben können.

    Emilíana Torrini hatte zumindest schon ein Lied, das man sich hätte merken können: Gollum’s Song aus “Die zwei Türme”. Ich gebe zu, dass es zwischen den anderen Liedern aus der Herr-der-Ringe-Trilogie bei mir ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Aber immerhin, die Dame hat man nicht plötzlich aus der Retorte geholt, die hat schon vorher jahrelang Musik gemacht – und zwar offensichtlich stilistisch sehr unterschiedliche Sachen.

    Ich habe mir heute tatsächlich die CD-Single gekauft. Es sind zwar nur zwei Stücke drauf, aber dafür kostete sie weniger als 3 Euro und hatte keinen Kopierschutz. Dafür zahle ich gerne.

    Die Idee, aus dem Fernsehen bekannte Musik schnell käuflich erwerbbar zu machen, ist nicht neu. Vielleicht wird es in absehbarer Zeit endlich auch für Internetkäufer besser umgesetzt. “Singles schnell und umkompliziert kennenlernen” – das wäre doch ein Konzept, das sich bei Musik für Käufer wie Musiker lohnen würde.

  17. SvenR
    25. Juni 2009, 13:23

    @ Kunar:

    Hm, bei iTunes kostet ein Emiliana Torrini Song 0,99 € ohne Koperschutz, bei Amazon 0,91 €.

    Warum kann ich nicht jetzt die a-ha Single kaufen und anschließend das Album unter Anrechnung des Single-Kaufpreises (warum das früher nicht ging ist mir klar, aber heute?)?

    Das schlägt iTunes in der Rechnungs-E-Mail jetzt vor.

  18. Kunar
    25. Juni 2009, 22:55

    @SvenR:

    Ich freue mich ja – und zwar für jeden, der auf übers Internet einzelne Dateien erwerben kann. Es ist nur nicht mein Ding, wie ich anhand meiner legalen MP3-Sammlung festgestellt habe. Da sind tolle Sachen dabei, aber es ist nicht dasselbe Gefühl wie eine Anzahl von Tonträgern.

    Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die CDs mindestens einmal aufmerksam von vorne bis hinten hören, dabei das Begleitheft durchlesen, in dem hoffentlich die Texte abgedruckt sind und sich generell über ein schönes Titelbild freuen. Ich habe gerne einen Tonträger in der Hand, von dem ich annehmen kann, dass er die nächsten Jahre wahrscheinlicher überleben wird als die Festplatte meines Rechners. Außerdem möchte ich im Zweifelsfall die CD in ein verlustfreies Format (wie FLAC) auf meine Festplatte kopieren können.

    Manches Mal entdecke ich beim Kauf eines ganzen Albums Stücke, auf die ich sonst nie aufmerksam geworden wäre. Diese Möglichkeit möchte ich mir nicht nehmen.

    Das ist natürlich nur meine Vorliebe, die niemand sonst teilen muss. Es ist nur die Erklärung, warum ich etwa 3 Euro für eine CD-Single ausgebe. Dass andere Leute lieber eine Datei ohne Kopierschutz für weniger als einen Euro kaufen, kann ich gut verstehen.

  19. Coffee And TV: » They’ll be gone in a year or two
    15. Oktober 2009, 15:31

    […] gewesen als “Foot Of The Mountain”, aber so treten sie wenigstens mit sattem Chart-Erfolg ab. * * […]

  20. Kiam etaj princoj iras dormi « La vivo de Kunar
    14. November 2009, 15:36

    […] ke ekzistas interretaj vendejoj por tio ekde jaroj. Tio estas io speciala, se oni scias, ke mi forte preferas diskojn al dosieroj kaj ke mi ne ŝatas âceti unuopajn kantojn. Fakte mi ne mendis la kanton por mi mem. Kaj mi vidis, […]

  21. Songs des Jahres 2012 – Coffee And TV
    22. Januar 2013, 16:01

    […] Bedeutung aufgeladen. Das war mit Peter Gabriels “The Book Of Love” am Ende von “Scrubs” so (die Unzumutbarkeiten der neuen Folgen verschweigen wir einfach) und so war es auch mit […]

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