Another day the music died

Von Lukas Heinser
Veröffentlicht: 26. Juni 2009 12:51

Buddy Holly, Elvis Presley und John Lennon waren schon tot, als ich geboren wurde. Marvin Gaye starb, als ich ein halbes Jahr alt war.

Bei Miles Davis und Freddie Mercury habe ich erst sehr spät festgestellt, wer die eigentlich waren und was sie gemacht haben.

Am 9. April 1994 saß ich bei meinen Großeltern vor dem Fernseher, um “Elf 99″ oder “Saturday” (oder wie auch immer das Vox-Jugendmagazin damals hieß) zu sehen, als in den Nachrichten zu grieseligen Bildern aus Seattle verkündet wurde, dass Kurt Cobain sich erschossen habe. Ich war immer etwas zu jung für Nirvana, aber da war ich zum ersten Mal sowas wie entsetzt, dass ein Musiker gestorben war.

Dass Tupac Shakur und Biggie Smalls erschossen wurden, kriegte ich völlig am Rande mit, ohne jemals ihre Musik gehört zu haben.

Der Tod von George Harrison war zu erwarten gewesen, trotzdem war ich traurig, als ich im November 2001 beim Einrichten des Videorecorders meiner Großmutter zufällig die Nachrichten sah.

Obwohl ich mich erst nach seinem Tod mit Johnny Cash und seiner Musik beschäftigt habe, war ich betroffen, als ich (wiederum bei meinen Großeltern im Fernsehen) davon erfuhr.

Ich wusste zu wenig über Elliott Smith, aber die Umstände seines Todes, diese zwei Messerstiche ins Herz, waren für mich immer ein gewaltiges Statement.

Gestern Abend guckte ich ganz harmlos durchs Internet, als ich las, dass Michael Jackson gestorben sei. Als kritischer Medienbeobachter wollte ich das lange nicht gelten lassen, aber als CNN (die ja schon den US-Präsidenten ausgerufen hatten) Jackson für tot erklärte, wusste ich, dass auch dieses Kapitel geschlossen war.

Wieder war es ein Künstler, von dem ich zu Lebzeiten kein besonderer Anhänger gewesen war, aber weder Jacksons – hier passt der Begriff ausnahmsweise mal – tragisches Leben noch sein Einfluss auf die Popmusik und -kultur mehrerer Generationen können einen kalt lassen. Ohne Michael Jackson klängen Justin Timberlake und Rihanna, ja vermutlich sogar viele Rockbands, heute anders — oder es gäbe sie schlicht gar nicht.

Komisch, dass ich jetzt gerade seine Musik hören muss.

26 Kommentare

  1. Philip S.
    26. Juni 2009, 13:08

    Just eat it.

  2. krueps
    26. Juni 2009, 13:50

    Geht mir ähnlich, lange kein Lied von Jackson gehört, heute schon mehr als in den letzten 5 Jahren.
    Eins Live hat heute übrigens heute ihr bestes Radioprogramm seit langer Zeit. Leider.

  3. Muriel
    26. Juni 2009, 14:05

    Das ist merkwürdig, wie man plötzlich völlig anders auf Leute blickt, die man nie besonders sympathisch fand, wenn sie erst einmal tot sind. Ich habe das bei einem nahen Verwandten erlebt, und bei Michael Jackson ist es auch ein bisschen so.
    Don’t know what you got till it’s gone.

  4. Martina Drignat
    26. Juni 2009, 14:18

    Ich habe Michael Jackson ja 1997 live gesehen im Münchner Olympiastadion und habe dafür sogar eine Chemiearbeit geschwänzt. Auch wenn ich kein Fan war, habe ich seine Musik sehr gerne gehört und bin ein Stück weit stolz, ihn live gesehen zu haben.

  5. Marc
    26. Juni 2009, 14:39

    Bin heute früh mit den Worten des Radiosprechers “Michael Jackson ist tot” geweckt worden. Zuerst lies es mich erstaunlich kalt. Aber je länger im Radio seine Songs gespielt werden (SWR3 derzeit mit 2h Dauerbeschallung) um so mehr wurde mir klar, was da heute wirklich geschehen ist und wer sich da für immer verabschiedet hat (ich sollte erwähnen, dass ich ihn lange überhaupt nicht mochte). Dass Jacko vor seinem Comeback gestorben ist, bringt ihn auf ewig in den Olymp der “zu früh verstorbenen” und das kann ihm niemand mehr nehmen. Die Skandale der letzten Jahre werden verblassen und hervor tritt der Ausnahmekünstler – Chapeau!

    Möge er endlich den Frieden finden, den er wohl seit frühester Kindheit gesucht hatte.

  6. Nummer Neun
    26. Juni 2009, 15:04

    In den Amazon Top 15 Verkaufscharts grade 12mal Michael Jackson. Wahnsinn.

  7. *indigoidian.de* » Blog Archive » Das treffendste Zitat des heutigen Tages
    26. Juni 2009, 15:27

    […] “Ohne Michael Jackson klängen Justin Timberlake und Rihanna, ja vermutlich sogar viele Rockbands, heute anders — oder es gäbe sie schlicht gar nicht.” (via coffee & tv) […]

  8. tux.
    26. Juni 2009, 17:15

    Mich lässt das kalt. Ich mag seine Musik nun mal nicht, auch jetzt noch nicht. Ein Musiker bleibt ein Musiker. Eklig ist primär, dass da jetzt Dutzende “Best Ofs” auf den Markt kommen werden, um noch mal ordentlich Kohle zu scheffeln. Na, wer’s Geld hat.

  9. tux.
    26. Juni 2009, 17:16

    Marc: Jeder, der stirbt, ist für irgendwen “zu früh” gestorben. Kein Grund, ihn zum Gott zu stilisieren.

  10. Sabine
    26. Juni 2009, 17:26

    In drei Tagen kommt mir wahrscheinlich die Musik von Michael Jackson an den Füßen raus, weil sie andauernd im Radio gedudelt wird. Hm, gerade läuft Jackson Five, das ist wenigstens Mal ein wenig Abwechslung.

  11. Kunar
    26. Juni 2009, 18:57

    Als via Google News mehrere Zeitungen verkündeten, Michael Jackson sei verstorben und als Quelle “US-Medienberichte” angaben, war meine erste Reaktion ebenfalls: Abwarten, ob sich das nicht als Ente oder falsch abgeschrieben entpuppt.

    Michael Jackson war vor der 20 Jahren nicht ein, sondern der einzige Megastar. Eigens für ihn war damals dieser Begriff erschaffen worden, denn seine Plattenverkäufe, seine Auftritte und Videos sprengten alle bisher gekannten Dimensionen. Ich würde ihn mit keinem der im Artikel genannten Musiker vergleichen, sondern am ehesten mit Mozart (schon als Kind berühmt, aber später immer wieder chronische Geldsorgen aufgrund eines verschwenderischen Lebenswandels) und Ludwig II. von Bayern (zeitlebens einsamer Mann mit seltsamen, riesigen Bauprojekten, an dessen geistiger Gesundheit mehr und mehr Zweifel aufkamen).

  12. Andreas
    26. Juni 2009, 20:08

    Schön, dass die Welt jetzt weiß, was der kritische Medienbeobachter Lukas Heinser gerade gemacht und gefühlt hat, als er vom Tod bekannter Musiker erfuhr.

    Eines würde mich aber noch interessieren: Wie erging es Dir mit Falco?

  13. SvenR
    26. Juni 2009, 22:05

    Als ich gestern abend ins Bett gegangen bin hatte ich meinen BlackBerry noch mal in die Hand genommen, weil er so hektisch blinkte. Ein Follower hatte da schon getwittert, das Michael Jackson wahrscheinlich gestorben sei. Komischerweise (nicht im Sinne von “lustig”) hatte ich sofort das Gefühl, das er wirklich tot ist. Keine Zweifel. Und ich dachte sofort “Gott sei dank, jetzt hat er’s geschafft.”

    Bin ich deshalb ein schlechter Mensch?

  14. JMK
    26. Juni 2009, 22:52

    @Kunar, dass Jackson vor 20 Jahren der einzige Superstar gewesen wäre, ist nun leider komplett falsch.
    Dass Jacksons Musik massgeblichen Einfluss auf die Popwelt hatte ist unbestritten, nur ist dies eher Quincy Jones denn Jackson selbst zuzuschreiben.

    Ansonsten bin ich bei Tux. Lege trotzdem gleich “Off the Wall” auf, wenigstens das.

  15. Lukas
    27. Juni 2009, 1:06

    Wenn meine Über-Achtzigjährigen Großeltern (Erkennen Sie das Muster?) mich fragen, was ich denn zum Tod von Michael Jackson sagen würde, dann erkenne ich darin eine gesellschaftliche Relevanz, die weit über die Popkultur hinausgeht. Ich glaube nicht, dass wir sowas noch bei vielen Musikern erleben werden.

  16. Kunar
    27. Juni 2009, 1:34

    @SvenR: Nein, das finde ich sogar sehr nachvollziehbar. So etwas habe ich auch schon gedacht, wenn ein berühmter Mensch gestorben ist, der in den letzten Jahren nicht gerade ein schönes Leben hatte.

    Kleiner Nachtrag zu Michael Jackson und Rihanna: Es gibt da ein Video bei Youtube inklusive Bild von beiden. Der Einfluss läßt sich beim Anhören sogar sehr klar aufzeigen. Wie die beiden Lieder heißen (und von welchem dritten Lied das gleiche Element eigentlich stammt), steht in einem Artikel bei Bayern 3.

  17. Steffen
    27. Juni 2009, 20:43

    Jaja, soso.
    Ich steh dem ganzen sehr indifferent ggü, habe aber meinen Beifahrern gestern erlaubt auf der Fahrt irgendeine Michael Jackson CD durchzuhören. Naja, ich kann nix damit anfangen und auch nicht nachvollziehen wie das emotional jemandem so nahe gehen kann (Dimebag Darrell ist auf der Bühne erschossen worden! “… was shot five times in the back of the head, killing him instantly.”).

    Eigentlich wollte ich nur auf die Reaktionen im mtv guestbook hinweisen:

    http://www.mtv.de/music/articl.....rum_page=1

  18. Kunar
    27. Juni 2009, 21:24

    @Steffen
    Ganz, ganz herrlich, was den Verweis betrifft! Michael Jackson bekam mehrere Minuten in der Tagesschau. Es war die erste Meldung noch vor Merkels Besuch bei Obama. (Über diese Gewichtung wird auch ein wenig diskutiert.) Die ARD änderte anscheinend ihr Programm und strahlte ein MJ-Konzert aus. Und was macht MTV? Nicht Vernünftiges, wie man an den Kommentaren der erbosten Zuschauer sehen kann. Die ÖR-Sender – das bessere Musikfernsehen als MTV. Wer hätte das jemals für möglich gehalten?

  19. Thomas
    28. Juni 2009, 17:01

    “Ohne Michael Jackson klängen Justin Timberlake und Rihanna, ja vermutlich sogar viele Rockbands, heute anders — oder es gäbe sie schlicht gar nicht.”

    Jap, genau. Habe ich mich hier auch mit beschäftigt:

    http://tvundso.com/2009/06/28/.....-jacksons/

  20. Alberto Green
    29. Juni 2009, 10:33

    Als ich am Freitag aufgestanden bin, dröhnte über den Hinterhof “Billy Jean”, Radio Eins (!) brachte “Man in the Mirror”, worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich das Lied vor zwanzig Jahren das letzte Mal gehört hatte, und als ich das Haus verließ, tönte aus einem Auto “Black and White”. Das kam mir merkwürdig vor, bis ich am Kiosk vorbei ging.
    Irgendwie fand ich das großartig: Keine Ahnung zu haben, überall seine Musik zu hören und dann von seinem Tod zu erfahren. Nix mit Twitter und Internet und som Kram.

  21. Oliver Ding
    29. Juni 2009, 18:20

    Ich neige dazu, vom Tod von mir geschätzter Musiker durch makabere Witze zu erfahren. 1994 war’s die Frage, was sechs Arme, sechs Beine und zwei Köpfe habe (Antwort: Nirvana), die sich zwei Leute vor mir in der Schlange vor dem Phillip-Boa-Gig stellten. Am Freitag war’s der Spreeblicks Retweet von SirSiggis Witzchen über die Effektivität von Zensursulas Augenwischerei-Maßnahme.

  22. Coffee And TV: » You and I, we’re gonna live forever
    1. September 2009, 1:57

    […] Von mehreren Seiten wurde der Wunsch an mich herangetragen, ich möge mich in diesem Publikationsorgan doch bitte zum Ausstieg Noel Gallaghers bei Oasis äußern. Normalerweise wäre das ein guter Grund, gar nicht erst über einen Text nachzudenken, sondern den Bittstellern den Vogel und den Weg zur Tür zu zeigen. Aber Oasis sind ja nicht irgendeine Band und die Diskussionen der letzten Tage legen den Verdacht nahe, dass das Thema uns Popkulturgeschädigte mindestens so sehr beschäftigt wie der Tod von Michael Jackson. […]

  23. Coffee And TV: » Advertising Space
    4. September 2009, 12:06

    […] kehrt also zurück — und es ist natürlich reiner Zufall, dass dies gut zwei Monate nach dem Tod des Mannes geschieht, den man mal “King of Pop” geheißen hat, und eine Woche nach der […]

  24. Und Berlin war wie New York – Coffee And TV
    20. Februar 2013, 22:04

    […] yeah, whatever, nevermind” singt, krieg ich jedes Mal Gänsehaut. Und habe wieder diese grieseligen VHS-Bilder aus Seattle auf Vox vor Augen. Am Tag, als Kurt Cobain […]

  25. Hinkowski
    21. Februar 2013, 17:18

    Sie sollten aufhören, bei Ihren Großeltern fern zu sehen.

  26. And I swear that I don’t have a gun | Die Sockenseite
    20. Februar 2014, 21:00

    […] nachgeholt werden sollte. Ich werde den Witz, mit dem ich die Nachricht seines Todes erfuhr, nicht noch einmal erzählen. Heute ist es zwanzig Jahre her, dass Kurz Cobain […]

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