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Yeaahh! Alle so: „und“

Im BILD­blog hat­ten wir vor eini­ger Zeit einen Ein­trag über den über­ra­schen­den Ein­satz von Kon­junk­tio­nen.

Dar­an muss­te ich heu­te den­ken, als ich bei „RP Online“ einen Arti­kel aus der „Rhei­ni­schen Post“ las, in dem ein armer Mensch meh­re­re Poli­zei­mel­dun­gen hat­te zusam­men­fas­sen müs­sen und sich dabei ein wenig ver­hed­dert hat­te.

Der Vor­spann ging wie folgt (und ich möch­te Sie bit­ten, auf die über­ra­schen­de Kon­junk­ti­on im letz­ten Drit­tel zu ach­ten):

In der Nacht zu Sams­tag gegen 2.40 Uhr wur­den Poli­zei­be­am­te wegen einer Kör­per­ver­let­zung zu einer Gast­stät­te an der Fried­rich­stra­ße geru­fen. Ein unter Alko­hol­ein­wir­kung ste­hen­der 18-jäh­ri­ger Duis­bur­ger stör­te die Anzei­gen­auf­nah­me so erheb­lich, dass mehr­fach ein Platz­ver­weis aus­ge­spro­chen wur­de. Und in Dins­la­ken ist ein 74-Jäh­ri­ger Opfer eines Trick­be­trü­gers gewor­den.

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Please brother take a chance

Damit die Oasis-Reuni­on, die auch Wolf­gang Nost­rad­amus Doebe­l­ing (ich glau­be, den zwei­ten Vor­na­men hat er sich aus­ge­dacht) im aktu­el­len „Rol­ling Stone“ pro­phe­zeit (und zwar für den 15. Mai 2011), kom­men kann, muss die Band ja erst Mal auf­ge­löst wer­den.

Das hat Liam Gal­lag­her jetzt dan­kens­wer­ter­wei­se in einem Inter­view mit der „Times“ getan. Er woll­te eigent­lich nur über sei­ne Mode­li­nie „Pret­ty Green“ spre­chen, aber dann erklärt er die Band für been­det.

Luke Leitch gelingt es, in dem Arti­kel ein Bild von Liam Gal­lag­her zu zeich­nen, das sehr viel dif­fe­ren­zier­ter ist als das meis­te, was man bis­her über den jetzt Ex-Oasis-Sän­ger gele­sen hat. Am Ende spricht er sogar davon, außer­halb des Rock’n’Roll-Cir­cus irgend­wann sei­nen Frie­den mit Noel zu machen. Even­tu­ell.

Liam Gal­lag­her: a semi-sca­ry, tight­ly wound wind-up mer­chant — abso­lut­e­ly. But also serious, sen­si­ti­ve, impas­sio­ned and, from the look that flit­ted across his face at the end the­re, a man who mis­ses his brot­her. Fur­ther­mo­re, a pro­du­cer of rocking clob­ber for men. Who knew?

Mein Lieb­lings-Gal­lag­her bleibt trotz­dem Noel, so wie mein Lieb­lings-Beat­le Paul McCart­ney und mein Lieb­lings-Liber­ti­ne Carl Barât war. Aber das kön­nen Sie jetzt selbst tie­fen­psy­cho­lo­gisch aus­wer­ten.

[via Chris­ti­an]

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Mit Dir sind wir vier

Gar nicht mal so sel­ten (im Sin­ne von: „Wenn ich über­haupt mal etwas gefragt wer­de, dann …“) wer­de ich gefragt, wie man eigent­lich so ein „Medi­en­blog­ger“ wird.

Das ist eigent­lich ganz ein­fach: Eine Zeit lang muss man sehr auf­merk­sam durch die Welt gehen und allen Quatsch auf­schrei­ben, der einem in die Fin­ger kommt. Dann hat man irgend­wann sei­ne Leser, sei­nen Freun­des­kreis und sei­ne Fami­lie der­art für die klei­nen und gro­ßen Feh­ler der Medi­en sen­si­bi­li­siert, dass man mit Ein­sen­dun­gen über­häuft wird und sie nur noch auf­schrei­ben muss.

Ein­ge­sandt von mei­ner Mut­ter:

Ein anderer Trompeter begeisterte ebenfalls: Julian Wasserfuhr, der im Quartett mit seinem Bruder Roman am Piano auch Stücke aus dem gerade erschienenen, fantastischen gemeinsamen Album "Upgraded In Gothenburg" spielte. Die beiden noch jungen Musiker haben die Jazztradition begriffen und überführten sie behutsam in ihre eigene Musik, meist mit wundervollem Understatement.
(Neue Rhein/​Ruhr Zei­tung vom 22. Sep­tem­ber 2009)

Das erin­nert natür­lich fatal an die von Fritz Wal­ter d.J. über­lie­fer­te Sen­tenz:

Der Jür­gen Klins­mann und ich sind schon ein tol­les Trio, …äh Quar­tett.

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Wir haben uns für die Erbsensuppe entschieden

Die gelern­te Natur­wis­sen­schaft­le­rin Mer­kel wird die­se Art Beweis­füh­rung zulas­sen müs­sen: Um ein unbe­kann­tes Ele­ment zu erfor­schen, kann es hilf­reich sein, die Dar­an­hef­ten­den und Drum­her­um­schwir­ren­den zu defi­nie­ren. Wenn sie zum stets in ihrer Nähe schlei­chen­den Pofalla blickt, nickt er meist sofort. Oder schüt­telt den Kopf. Was halt gera­de gewünscht wird. Sei­ne Grö­ße ist allein durch Unter­wer­fung bedingt.

Der Typus Pofalla wird nicht abge­sto­ßen von Mer­kel, anders als wider­stän­di­ge­re Cha­rak­te­re.

Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re, das ver­gisst man ger­ne, hat ja nur einen Roman und eine Hand­voll fik­tio­na­ler Tex­te ver­öf­fent­licht. Den Groß­teil sei­nes Werks machen jour­na­lis­ti­sche Arbei­ten aus, beson­ders Repor­ta­gen.

Und die kann der Mann, der kürz­lich vom Maga­zin „Cice­ro“ sehr schön por­trä­tiert wur­de, auch immer noch schrei­ben – man kriegt davon nur nichts mit, weil sie in Zei­tun­gen wie der „Welt am Sonn­tag“ ver­öf­fent­licht wer­den.

Dass es über Mer­kel, je län­ger sie regiert, immer weni­ger Wit­ze gibt, ist auch merk­wür­dig. Wenn Oppo­si­ti­on, Her­aus­for­de­rer und Kom­men­ta­to­ren ihr man­geln­de Greif­bar­keit vor­hal­ten und queck­silb­ri­ge Posi­tio­nen, klingt das hilf­los. Wenn aber den Wit­ze­ma­chern zu ihr nichts mehr ein­fällt, müs­sen wir das viel­leicht ernst neh­men.

Sei­ne Repor­ta­ge über eine Zug­fahrt mit Ange­la Mer­kel kann ich Ihnen nur wärms­tens emp­feh­len, nicht zuletzt wegen des sagen­haf­ten Nicht-Inter­views, aus dem man mehr über die Kanz­le­rin erfährt als aus vier Jah­ren Regie­rungs­ver­ant­wor­tung:

Wenn Sie aus dem Zug schau­en, was für ein Land sehen Sie?

Ich sehe ein ziem­lich intak­tes Land, im Ver­gleich zu ande­ren Län­dern, in denen man schon so war.

(Man! Län­der, in denen man schon so war! Das ers­te, was einem ein Psy­cho­the­ra­peut bei­bringt: Sagen Sie nicht „man“, sagen Sie „ich“. Das ers­te, was man als Pro­fi­po­li­ti­ker wahr­schein­lich lernt: öfter mal „man“ sagen, dann kann nichts groß pas­sie­ren.)

„Wie war die Wurst?“ von Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­re bei welt.de.

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Nächste Woche: Koli-Quiz

Ich bin ja auch der Mei­nung, dass man mit der intel­lek­tu­el­len För­de­rung von Kin­dern gar nicht früh genug anfan­gen kann. Aber muss man die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be denn aus­ge­rech­net Bak­te­ri­en über­las­sen?

Salmonellen in Dinslakener Kitas geben Rätsel auf

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Das ist doch kein Einbruch!

Eigent­lich hät­te es nur eines The­sau­ru­ses bedurft, um den Arti­kel zu ret­ten, der heu­te in der „Ham­bur­ger Mor­gen­post“ steht.

Er beginnt wie folgt:

„Die Poli­zei mach­te mich zum Ein­bre­cher“

44-Jäh­ri­ger flüch­te­te vor Jugend­ban­de auf das Dach einer Hal­le und brach ein – Her­bei­ge­ru­fe­ne Beam­te glaub­ten ihm nicht

Weni­ge Zei­len spä­ter erfährt der Leser, dass der Mann „durch ein Dach gestürzt war (MOPO berich­te­te)“.

Doch im Ver­lauf von zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Absät­zen sorgt der Arti­kel wie­der für hoch­gra­di­ge Ver­wir­rung:

„Ich bin nicht ein­ge­bro­chen“, erklärt der Hafen­ar­bei­ter auf­ge­regt. […]

Er sei über einen Palet­ten­sta­pel auf das Dach geklet­tert – und wenig spä­ter ein­ge­bro­chen.

Und wenn wir uns jetzt noch den Satz „Ich bin nicht ein­ge­bro­chen, Herr Wacht­meis­ter, ich bin nur ein­ge­bro­chen!“ vor­stel­len, klingt es end­gül­tig, als ob sich alles um einen Didi-Hal­ler­vor­den-Sketch han­de­le, den man schon hun­dert Mal gese­hen hat.

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Schreipflicht

Ken­nen Sie das? Man fährt gemüt­lich in sei­nem Dienst­wa­gen an der Spree ent­lang, hört ein biss­chen Radio, und ab und an kriegt man die Schei­ben an den Ampeln geputzt. Manch­mal sagt man „Nein“, dann machen die Damen und Her­ren das trotz­dem, man gibt fünf­zig Cent, kein Pro­blem, schließ­lich ist man ja Gesund­heits­mi­nis­te­rin, und schwupps hat man die Zeit ver­ges­sen und sitzt irgend­wo in Spa­ni­en und das Auto ist einem unter dem Aller­wer­tes­ten weg geklaut wor­den. So schnell kann’s gehen. Erst­mal zum zwei­ten The­ma:

Dienst­wa­gen im Som­mer­loch – das ist ganz und gar brand­ge­fähr­lich. Die Gedan­ken­ver­bin­dung von „Dienst­wa­gen“ zu „Affä­re“ ist eine der kür­zes­ten über­haupt.

Das steht heu­te auf Zeit Online und auch im Online-Ange­bot des „Tages­spie­gel“. Man kann jetzt ver­su­chen, sich zu erin­nern, wann man das letz­te Mal die­se kür­zes­te aller Gedan­ken­brü­cken schla­gen muss­te. Und wenn das über­ra­schen­der­wei­se noch nie der Fall gewe­sen sein soll­te, setzt man alles dar­an, die Asso­zia­ti­ons­ket­te genu­in und neu nach­zu­ver­fol­gen, aber wenn ich das tue, kom­me ich von „Dienst­wa­gen“ immer nur bei „Ben­zin“ vor­bei zu „Tank­stel­le“ und dann viel­leicht noch zu „Schei­ße, EC-Kar­te nicht dabei“, aber das ist ja schon eine rela­tiv lan­ge Ver­bin­dung. Und wie man von „Schei­ße, EC-Kar­te nicht dabei“ so flugs zu „Affä­re“ kommt, ist mir in dem Zusam­men­hang eher schlei­er­haft. Ver­mut­lich ist es eher so, dass da ein­mal wie­der jemand dach­te, dass man durch mög­lichst unei­gent­li­chen Schreib­stil beson­ders leicht zu knüp­pel­har­ten Apho­ris­men kommt. Das sei so sicher wie die Ren­te.

Per­sön­lich, und das muss natür­lich nichts hei­ßen, bin ich der Mei­nung, dass es nicht unbe­dingt nötig war, so eine Pan­zer­li­mou­si­ne mit in den Urlaub zu neh­men, aber die paar Tau­send Euro hät­te man auch ohne Dienst­wa­gen gut ander­wei­tig los­wer­den kön­nen. Muss man sich also nicht drü­ber auf­re­gen. Aber: Wer bin ich schon, um so eine Behaup­tung auf­zu­stel­len?

Auf­re­gen kann man sich näm­lich auch über weit gerin­ge­re Din­ge, womit wir beim eigent­lich ers­ten The­ma ange­langt wären. Die „Süd­deut­sche Zei­tung“ druckt heu­te (wie an jedem Tag seit 1946) auf ihrer Titel­sei­te die Glos­se mit dem Namen „Streif­licht“. Die ist manch­mal ziem­lich wit­zig, oft ziem­lich bemüht, wit­zig zu sein und in den gott­lob sel­tens­ten Fäl­len irgend­wie ein Griff ins Klo. Heu­te geht es um besag­te Fens­ter­put­zer an Ber­li­ner Ampel­kreu­zun­gen:

Bis vor kur­zem han­del­te es sich bei die­sen Ser­vice­leu­ten um Punks. Sie waren sehr freund­lich, denn an jeder Kreu­zung des Lebens, an der es links zur Anar­chie geht und rechts zur Schrank­wand aus Eiche, waren sie ein­fach geade­aus wei­ter­ge­trot­tet […]. Lehn­te also der gemei­ne Ber­li­ner ihre Offer­te ab, etwa mit den Wor­ten „Solan­ge ick dir hier­durch erken­nen kann, läss­te dei­ne Fin­ger von“, troll­ten sich die arti­gen Punks. Was ihre dem Aus­se­hen und Ver­neh­men nach aus Süd­ost­eu­ro­pa kom­men­den Nach­fol­ger nicht tun. Sie wischen trotz­dem. Dann hal­ten sie die nas­se Hand auf.

Dann wird sich da noch ein biss­chen über ein paar Auf­kle­ber aus­ge­las­sen und geen­det wird mit der unspe­zi­fi­schen Aus­sa­ge, dass nicht jeder gleich ein Schwein sei, der an der Ampel nein sagt. Zunächst war ich mir nicht so ganz sicher, was ich davon zu hal­ten hat­te. Ich ken­ne lei­der nie­man­den per­sön­lich, der sich durch sei­ne finan­zi­el­len Umstän­de irgend­wie dazu gezwun­gen sieht, den hal­ben Tag mit Schwimm­fin­gern auf der Fried­rich­stra­ße her­um­zu­ste­hen, aber ich kann mir vor­stel­len, dass die­ser jemand, läse er die­se Kolum­ne, sich ein biss­chen füh­len wür­de wie der, über den man in der ach­ten Klas­se geläs­tert hat, ohne zu bemer­ken, dass er hin­ter einem stand. Auf der Titel­sei­te ist das Ding jeden­falls irgend­wie frech, auf der Mei­nungs­sei­te wäre es auf­grund der feh­len­den Rele­vanz sowie­so nicht auf­ge­taucht, und wenn man es in die Pan­ora­ma-Ecke stellt, wüss­te der Leser ja sowie­so gleich, was Pha­se ist. Hät­te man man bes­ser abge­bü­gelt.

Den­noch gibt es heu­te auch eine fro­he Bot­schaft: Die „taz“ hat begrif­fen, dass die Wahr­heit manch­mal ein­fach schö­ner und leich­ter ver­dau­lich ist als die Wahr­heit.

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Unvordenkliche Pattitessen

Eigent­lich woll­te ich ja nur wis­sen, wie das Kon­zert von Pat­ti Smith in Frank­furt war. Aber schon nach den ers­ten zwei Sät­zen der Rezen­si­on der Repor­ta­ge des Arti­kels von Rose-Maria Gropp in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“ war mir klar, dass ich das nicht so ein­fach her­aus­fin­den wür­de:

Sie schrei­tet den Par­cours ihrer Mög­lich­kei­ten ganz ab, von bald vier Jahr­zehn­ten ist da zu spre­chen. Zeit scheint für Pat­ti Smith nicht ent­lang einer Schie­ne zu ver­lau­fen, son­dern ihr wie ein wei­ter, geräu­mi­ger Hof zur Ver­fü­gung zu ste­hen.

Irgend­je­mand hat also auf einem bald vier Jahr­zehn­te gro­ßen Hof – wie viel das wohl in Fuß­ball­fel­dern ist? – einen Mög­lich­kei­ten-Par­cours errich­tet, den Pat­ti Smith nun abzu­schrei­ten gedenkt.

Na ja, schau­en wir mal, wie lan­ge wir da mit­schrei­ten kön­nen:

Sie heizt ihren Auf­tritt an mit dem schar­fen alten Song „Free Money“, dann holt sie sich ihr Publi­kum schon näher mit jenem Charme, der ihre seit unvor­denk­li­chen Zei­ten bestehen­de Lie­be zu Euro­pa und sei­nen Dich­tern ver­sprüht: „I came to Frank­furt to see Goethe’s house“, dekla­miert sie zur Gitar­re und erzählt eine klei­ne Geschich­te von Zer­stö­rung und Wie­der­auf­bau, vom Geist, der weht, wo er das darf – „the­re in the light, the­re is Goethe’s desk“.

Ist das nicht ver­ant­wor­tungs­los, das Publi­kum so nah an einen auf­ge­heiz­ten Auf­tritt her­an­zu­ho­len? Zumal, wenn dort etwas sprüht. Aber was genau eigent­lich? Man­che Men­schen ver­sprü­hen ja schon mal Charme, bei Pat­ti Smith ver­sprüht aber offen­bar der Charme Lie­be. Und zwar eine, die seit unvor­denk­li­chen Zei­ten besteht. Na, das muss ja eine alte Lie­be sein. Gut, dass die nicht ros­tet, sonst wäre es noch gefähr­li­cher, da so nah dran zu ste­hen. Immer­hin weht da vor­ne auch noch ein Geist – oder darf er das genau dort nicht?

Es hat sich schon immer gelohnt, Pat­ti Smit­hs Tex­te zu ver­ste­hen und zu begrei­fen; denn sie ist ganz eigent­lich eine Dich­te­rin, und der Punk in ihr ist vor allem sprach­li­che Ent­äu­ße­rung, die Musik ihre Rhyth­mus­ma­schi­ne, die frei­lich längst nicht so sim­pel kon­stru­iert ist, wie sie vor­gibt, als wären da bloß ein paar Akkor­de zu grei­fen.

Es ent­behrt natür­lich nicht einer gewis­sen Iro­nie (ver­mut­lich einer sehr unsim­pel kon­stru­ier­ten), der­art umständ­lich über die Ver­ständ­lich­keit und Begreif­bar­keit von Tex­ten zu schrei­ben. Dass Frau Smith „ganz eigent­lich“ eine Dich­te­rin ist, hät­te man natür­lich erah­nen kön­nen ange­sichts der Tat­sa­che, dass die Dame schon ein Dut­zend Gedicht­bän­de ver­öf­fent­licht hat.

Über­ra­schen­der wäre es viel­leicht gewe­sen, wenn sie „ganz eigent­lich“ eine Kon­di­to­rin wäre, die die­se gan­zen künst­le­ri­schen und intel­lek­tu­el­len Auf­trit­te nur als Tar­nung benutzt, um in Ruhe rie­si­ge Schwarz­wäl­der Kirsch­tor­ten backen zu kön­nen. Die wären ihr dann sicher eine kuli­na­ri­sche Ent­äu­ße­rung.

Aber wie sieht’s eigent­lich mit dem näher gehol­ten Publi­kum aus?

Längst hat sie die Hal­le auf ihrer Sei­te – die­je­ni­gen, die mit ihr den lan­gen Weg seit den Sieb­zi­gern gegan­gen sind, und die vie­len Jun­gen, die viel­leicht gekom­men sind, um eine leben­de Legen­de zu betrach­ten; ihnen wird eine veri­ta­ble Erschei­nung zuteil, die ihr Publi­kum anzieht wie ein Magnet die Spä­ne.

War der lan­ge Weg jetzt eine Schie­ne oder ein Hof? Ich kom­me da immer durch­ein­an­der. Jeden­falls scheint das Publi­kum inzwi­schen an Pat­ti Smith zu kle­ben, bzw. an einer veri­ta­blen Erschei­nung. Aber wo geho­belt wird …

An Pat­ti Smit­hs Sei­te steht immer wie­der und unver­brüch­lich Len­ny Kaye in sei­ner fort­wäh­rend schö­nen, eher alt­eu­ro­päi­schen Melan­cho­lie, schlank und edel ergraut, noch immer ein Aus­nah­me­gi­tar­rist, der sich indes­sen mit einem Hauch Iro­nie, vor allem wenn er singt, ganz in den Dienst sei­ner Front­frau stellt.

Als ich Pat­ti Smith live gese­hen habe (vor sechs Jah­ren beim Hald­ern Pop), wirk­te sie eini­ger­ma­ßen zart. Erstaun­lich, dass an ihrer Sei­te den­noch Platz für eine kom­plet­te Hal­le und einen Aus­nah­me­gi­tar­ris­ten ist. Und was das für ein Aus­nah­me­gi­tar­rist ist: Einer, der immer wie­der und unver­brüch­lich steht (an Pat­ti Smit­hs Sei­te) und der offen­bar in fort­wäh­rend schö­ner, eher alt­eu­ro­päi­schen Melan­cho­lie – nicht irgend­ei­ner: sei­ner! – edel ergraut ist. Er könn­te aber auch nur in die­ser Melan­cho­lie ste­hen, so genau gibt das die Gram­ma­tik nicht her. Sicher ist: Er steht und stellt sich dabei ganz in den Dienst sei­ner Front­frau. Das tut er natür­lich „indes­sen“, weil die­ses Wort auf Sei­te 137 des Nach­schla­ge­werks „Wor­t­he zum bedeu­tungs­schwan­ger in Tex­ten her­um­ste­hen“ (3., aktu­al. Auf­la­ge, Wei­mar 1871) zu fin­den ist.

Die­se Dya­de ist von hohem Reiz, und wenn die bei­den auf den Stahl­sai­ten ihrer akus­ti­schen Gitar­ren ein Duett geben, das groß­ar­tig aus­ufert in etwas, das frü­her die Ses­si­on einer Band gehei­ßen hät­te, dann ist da ein sol­cher Moment, für den Kon­zer­te gemacht sind.

Die gute Nach­richt zuerst: Eine Dya­de ist nicht – wie ursprüng­lich von mir ange­nom­men – ein Fisch.

Ses­si­ons hei­ßen jetzt also irgend­wie anders, aber wie sie hei­ßen, weiß Frau Gropp nicht – oder sie will es uns nicht mit­tei­len. Jeden­falls ist das Duett der rei­zen­den Dya­de erst groß­ar­tig in etwas aus­geu­fert und dann war da plötz­lich ein Moment – nicht irgend­ei­ner: ein sol­cher! -, für den Kon­zer­te gemacht sind. Hof­fent­lich wuss­te der den gan­zen Auf­wand zu schät­zen.

Aber zurück zur Fra­ge, wie es denn eigent­lich war, das Kon­zert. Zieht man sämt­li­che Adjek­ti­ve und Adver­bi­en ab, wäre der Arti­kel nur noch halb so lang. bleibt eine Erkennt­nis:

Mit Pathos wird Geschich­te gemacht.

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Klickbefehl (22)

Hei­ne: […] Die Unter­zeich­ner der Peti­ti­on haben gese­hen, wie Ent­schei­dun­gen in der Poli­tik getrof­fen wer­den – und das wird sie nach­hal­tig prä­gen.

von der Ley­en: Das ist doch etwas Tol­les

Hei­ne: Für uns war das nicht so toll.

Die „Zeit“ hat Ursu­la von der Ley­en, die das Gesetz für Inter­net­sper­ren vor­an­ge­trie­ben hat, und Fran­zis­ka Hei­ne, die die Peti­ti­on gegen die­ses Gesetz gestar­tet hat, zusam­men­ge­bracht.

Es ist ein beein­dru­cken­der Beleg dafür, dass es noch lan­ge kein Dia­log sein muss, wenn zwei Men­schen mit­ein­an­der reden. Ich bin mir sicher, in spä­tes­tens zehn Jah­ren wer­den wir sze­ni­sche Lesun­gen die­ses Tref­fens auf irgend­ei­ner Thea­ter­büh­ne erle­ben.

* * *

Die IVW (Infor­ma­ti­ons­ge­mein­schaft zur Fest­stel­lung der Ver­brei­tung von Wer­be­trä­gern) plant, die Mess­grö­ße Page Impres­si­on ab 2010 nicht mehr öffent­lich aus­zu­wei­sen. Sie will auf ihrer Web­site nur noch die Visits bekannt geben.

Erle­ben wir im nächs­ten Jahr das Ende der Bil­der­ga­le­rie im Online­jour­na­lis­mus? Was wer­den „RP Online“, „Welt Online“ und all die ande­ren Klick­hu­rer machen? Erle­ben wir eine Renais­sance der Tabel­le?

All die­se Fra­gen beant­wor­tet die Mel­dung bei horizont.net noch nicht.

[via Kat­ti]

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Ifmusicjournalismtoldthetruthforoneday …

Man soll­te mei­nen, dass sich das Musik­ma­ga­zin „Visi­ons“ mit den Manic Street Pre­a­chers bes­tens aus­kennt: „7 Sto­ries /​ 9 Reviews“ über die wali­si­sche Band ste­hen im Online-Archiv, ein­mal zier­te sie auch die Titel­sei­te der Zeit­schrift. Und so ganz unbe­kannt sind die Musi­ker ja auch nicht – spä­tes­tens, seit vor 14 Jah­ren ihr Rhyth­mus­gi­tar­rist und Tex­ter Richey Edwards spur­los ver­schwand.

Rhyth­mus­gi­tar­rist und Tex­ter:


Bevor Manics-Sänger Richey Edwards vor 14 Jahren spurlos verschwand, händigte er seinen Bandkollegen noch ein paar Textbücher aus.

Aber wäh­rend man sich da noch gera­de mit der Begrün­dung raus­ret­ten könn­te, Edwards‘ Stim­me sei ja immer­hin ab und zu mal im Hin­ter­grund zu hören gewe­sen, ist fol­gen­de Behaup­tung schlicht­weg falsch:

Edwards' Eltern weigern sich bis heute, den Sohn für tot erklären zu lassen, und den Manic Street Preachers geht es ähnlich.

Edwards‘ Eltern hat­ten sich jah­re­lang gewei­gert, ihren Sohn für tot erklä­ren zu las­sen, obwohl dies seit 2002 mög­lich gewe­sen wäre. Im Novem­ber 2008 ent­schie­den sie sich aber doch zu die­sem Schritt – eine Ent­schei­dung, die von den ver­blie­be­nen Band­mit­glie­dern aus­drück­lich begrüßt wor­den war.

Die­se Geschich­te ging im letz­ten Herbst durch die ein­schlä­gi­gen Medi­en und stand unter ande­rem auch bei Visions.de.

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Stadt, Land, Flucht

Micha­el Wend­ler will umzie­hen – raus aus der durchs „per­fek­te Pro­mi­din­ner“ berühmt gewor­de­nen wei­ßen Vil­la in Ober­loh­berg.

Das erklär­te der König des Pop­schla­gers und bekann­tes­te Dins­la­ke­ner der „Rhei­ni­schen Post“:

Ein neu­es Domi­zil braucht er, weil „die Wend­ler-Vil­la in Hies­feld zur Pil­ger­stät­te gewor­den ist“. Nachts füh­ren Fans vor, hup­ten und rie­fen: „Wend­ler – komm raus!“ Nicht dass ihn das stör­te, sturm­er­probt durch Fest­zel­te und Mal­lor­ca, aber er will Ade­line schüt­zen, sei­ne sie­ben­jäh­ri­ge Toch­ter. Die Nach­barn auch.

Und die schützt er ver­mut­lich am Bes­ten, indem er in der Zei­tung ver­kün­det, einen stadt­be­kann­ten Rei­ter­hof („das 2003 abge­brann­te Gestüt an der Fran­zo­sen­stra­ße“) auf­kau­fen und sich wäh­rend der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten vom Kame­ra­team einer Sat.1‑Dokusoap fil­men las­sen zu wol­len …

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Was Killerchen nicht lernt …

Die Samm­lung „Die geschmack­lo­ses­ten Ein­lei­tungs­sät­ze aller Zei­ten“ wird zwar gera­de erst eröff­net, aber die „Chem­nit­zer Mor­gen­post“ dürf­te sich schon mal einen Platz in der ewi­gen Ruh­mes­hal­le erkämpft haben:

MÜHLAU - Früh übt sich, was ein Holzklotz-Killer werden will: Drei Tage nach Verurteilung des Oldenburgers Nicolai H. (31) warfen jetzt auf der A72 zwei Kinder von einer Brücke aus Steine auf die Fahrbahn. Eine Fahrerin (53) entkam dem Tode nur knapp.

Mit Dank an BILD­blog-Hin­weis­ge­ber Fabi­an H.