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Von Lukas Heinser, 23. Juni 2009 16:11

Man sollte meinen, dass sich das Musikmagazin „Visions“ mit den Manic Street Preachers bestens auskennt: „7 Stories / 9 Reviews“ über die walisische Band stehen im Online-Archiv, einmal zierte sie auch die Titelseite der Zeitschrift. Und so ganz unbekannt sind die Musiker ja auch nicht — spätestens, seit vor 14 Jahren ihr Rhythmusgitarrist und Texter Richey Edwards spurlos verschwand.

Rhythmusgitarrist und Texter:


Bevor Manics-Sänger Richey Edwards vor 14 Jahren spurlos verschwand, händigte er seinen Bandkollegen noch ein paar Textbücher aus.

Aber während man sich da noch gerade mit der Begründung rausretten könnte, Edwards‘ Stimme sei ja immerhin ab und zu mal im Hintergrund zu hören gewesen, ist folgende Behauptung schlichtweg falsch:

Edwards' Eltern weigern sich bis heute, den Sohn für tot erklären zu lassen, und den Manic Street Preachers geht es ähnlich.

Edwards‘ Eltern hatten sich jahrelang geweigert, ihren Sohn für tot erklären zu lassen, obwohl dies seit 2002 möglich gewesen wäre. Im November 2008 entschieden sie sich aber doch zu diesem Schritt — eine Entscheidung, die von den verbliebenen Bandmitgliedern ausdrücklich begrüßt worden war.

Diese Geschichte ging im letzten Herbst durch die einschlägigen Medien und stand unter anderem auch bei Visions.de.

16 Kommentare

  1. fs
    23. Juni 2009, 16:28

    wäre gut, eine direkte Quellenangabe bzw. Verfasser genannt zu haben.
    die Praktikanten der Visions sind auch nur unterbezahlte Menschen, die nebenher noch anderen Tätigkeiten nachgehen und unter Termindruck wahrscheinlich auch nicht alles bis zur aktuellsten Meldung nachrecherchieren. nicht mal im eigenen Archiv, vom letzten Praktikanten.

  2. Johanna
    24. Juni 2009, 9:47

    Muss ich fs zustimmen. Habe da eher Mitleid mit der armen Wurst, die das verfasst hat. Der/die schreibt garantiert gratis und kriegt dafür jetzt noch aufn Sack. Blöd gelaufen.

  3. SvenR
    24. Juni 2009, 10:51

    Ach, der „Kopf“ der Band ist nicht immer der Sänger?

    *naivdreinblick*

  4. Lukas
    24. Juni 2009, 13:28

    @fs und Johanna: Wir reden hier nicht von irgendeiner unbekannten Nachwuchsband, wo solche Schnitzer noch verständlich wären, sondern von einer der bekanntesten Bands der letzten zwei Jahrzehnte. Und wir haben auch nicht mehr 1997, wo man sich beim Fanzine-Zusammenkleben auf irgendwelches Hörensagen verlassen musste, sondern 2009. Falls man sich also über den letzten Stand in Sachen Richey Edwards nicht ganz sicher ist, ist es eine Sache von zwei Sekunden, in der Wikipedia einen Eintrag zu finden, der mit folgenden Worten beginnt:

    Richard James Edwards (born 22 December 1967, presumed deceased on or after 1 February 1995[1][2])

    @SvenR: Nein. Neben den Manics gibt es noch ein paar andere Bands, bei denen der Sänger nicht der (Haupt-)Songschreiber ist. Depeche Mode z.B. oder Virginia Jetzt.

  5. Andreas
    24. Juni 2009, 15:37

    Wow, Wikipedia als Quelle. Interessantes Rechercheverständnis.

    Erklärt das auch die zuletzt immer häufigeren „Korrekturen“ im BILDblog?

  6. Lukas
    24. Juni 2009, 15:43

    @Andreas: Natürlich hat Wikipedia nichts mit journalistischer Recherche im eigentlichen Sinne zu tun. Nichtsdestotrotz hätte ein Blick dorthin in diesem Fall völlig ausgereicht — man hätte ja noch kurz beid den Links hinter „presumed deceased“ vorbeischauen können.

  7. Hannah
    24. Juni 2009, 18:50

    @Andreas: ich schreibe zurzeit an einer Hausarbeit für die Uni, für die wir ausdrücklich auch Wikipedia als Quelle benutzen dürfen – natürlich kann man sich nicht auf alles verlassen, was dort steht, aber ganz ehrlich: auch wissenschaftliche Texte u.ä. sind nicht immer zu 100% vertrauenswürdig

  8. Muriel
    24. Juni 2009, 20:14

    Die Kommentatoren, die hier auf die günstige Situation der Praktikanten hinweisen, haben ja möglicherweise recht. Ich verstehe aber nicht, inwiefern es deshalb völlig in Ordnung ist, wenn ein Musikmagazin über eine durchaus bekannte Band irgendwelchen Quatsch schreibt, den sogar ich auf Anhieb als falsch erkenne.

  9. Muriel
    24. Juni 2009, 20:15

    Schon wieder… Erst lesen, dann abschicken. Ich meinte natürlich „…ungünstige Situation…“

  10. Patrick
    24. Juni 2009, 20:23

    @Andreas:
    1. Warum hast du Korrekturen in Anführungszeichen gesetzt?
    2. Ich war grad auf Bildblog. Zumindest auf der ersten Seite ist keine einzige (Selbst)Korrektur.

  11. SvenR
    25. Juni 2009, 13:05

    @ Lukas:

    Ich bin nicht sicher, ob Du meine feine Ironie nicht bemerkt hast, oder Dein „Virginia Jetzt“ die verdiente Retourkutsche ist.

    Aber: Du hast ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert.

  12. Christian
    25. Juni 2009, 16:43

    schön referenz in der überschrift, Lukas!

  13. Lukas
    25. Juni 2009, 16:45

    Nur für Dich, Christian, nur für Dich!

  14. Christian
    25. Juni 2009, 17:01

    ich stelle gerade eine alternative „Best Of Mainc Street Preachers 1989 – 1994“ zusammen und da ist mir wieder aufgefallen wie großartig ich jenen Song finde. und den Songtitel erst!

  15. Andreas
    26. Juni 2009, 0:14

    @ Hannah:
    Lustig.

    @ Patrick:
    zu 1.: Weil Korrekturen im Bildblog oft als Nachtrag abgehandelt werden, ein Nachtrag dort aber auch nur eine Ergänzung sein kann.
    zu 2.: Dann ist ja alles bestens.

  16. Johanna
    30. Juni 2009, 22:15

    Ich weiß, ich bin ja nun viel zu spät dran, aber ich wollte nochmal sagen, dass ich es ja auch nicht „okay“ finde, aber dass ich mir durchaus erklären kann, wie es dazu kommen kann…