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Auswärtsspiel: Kanal 14

Für sei­nen Pod­cast Kanal 14 hat mich Sebas­ti­an Keil nach mei­ner Mei­nung zum neu­en Musik­por­tal Roc­ca­tune gefragt. Mit dabei sind Roc­ca­tune-Chef Con­stan­tin Thys­sen, Tho­mas Knü­wer und Dju­re Mei­nen.

Hören und/​oder her­un­ter­la­den kann man das Gan­ze hier.

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Was der „Süddeutschen Zeitung“ heilig ist (und was nicht)

Wenn ich das damals im Kin­der­got­tes­dienst rich­tig ver­stan­den habe, sieht der lie­be Gott alles, petzt aber nicht. Für ihn gilt das wohl umfas­sends­te Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht und was man ihm erzählt, geht nie­man­den sonst etwas an. Wenn man ihm einen Brief schreibt, ist des­sen Inhalt dar­über hin­aus noch von so etwas Welt­li­chem wie dem Brief­ge­heim­nis geschützt.

Barack Oba­ma, der sich gera­de an so eini­ges gewöh­nen muss, konn­te sich also eigent­lich auf der siche­ren Sei­te wäh­nen, als er ver­gan­ge­ne Woche in Jeru­sa­lem ein schrift­li­ches Gebet in eine Rit­ze der Kla­ge­mau­er schob. Immer­hin hat­ten das schon Mil­lio­nen von Men­schen gemacht, dar­un­ter Papst Johan­nes Paul II.

Barack Oba­ma muss­te nicht unbe­dingt damit rech­nen, dass ein Reli­gi­ons­stu­dent (aus­ge­rech­net!) sei­nen Zet­tel aus der Mau­er por­keln und an die Zei­tung Maa­riv wei­ter­ge­ben wür­de – und dass die die­sen Brief dann abdru­cken wür­de.

Nicht, dass Oba­ma Schlim­mes geschrie­ben hät­te, es geht viel mehr um Ver­trau­en und ein uraltes reli­giö­ses Sym­bol. Ent­spre­chend kann man auch den Auf­schrei ver­ste­hen, der nun durch die Medi­en geht und auch die „Süd­deut­sche Zei­tung“ erfass­te:

Der markt­schreie­ri­schen Zei­tung Maa­riv aller­dings sind offen­bar nicht alle Bot­schaf­ten hei­lig. Am Wochen­en­de ver­öf­fent­lich­te das Blatt auf sei­ner Titel­sei­te die von Oba­ma hand­schrift­lich ver­fass­te Note – und lös­te damit erheb­li­che Empö­rung aus, vor allem bei der Kla­ge­mau­er-Ver­wal­tung. Sie sieht nun ihre Glaub­wür­dig­keit in Gefahr, beson­ders bei den Beten­den, die ihre Bot­schaf­ten faxen oder mai­len.

Wie „hei­lig“ der „Süd­deut­schen Zei­tung“ Oba­mas Bot­schaft war, kön­nen Sie frei­lich dar­an able­sen, dass sie die­se gleich zwei­mal druck­te: ein­mal ins Deut­sche über­setzt und ein­mal als Foto des Ori­gi­nal­b­riefs.

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Mit „D“ wie „Provinz“

Ich habe ja, wie ich schon mehr­fach erzählt habe, die ers­ten zwan­zig Jah­re mei­nes Lebens in Dins­la­ken ver­bracht – nicht durch­gän­gig, aber eben doch „wohn­haft“.

Für Roger Wil­lem­sen war „Dins­la­ken“ eine Zeit lang ein Syn­onym für „irgend so ein total hin­ter­wäld­le­ri­sches Kaff“, und ich erin­ne­re mich, dass er das min­des­tens zwei Mal in „Wil­lem­sens Woche“ unter Beweis stell­te: Als Jörg Kachelm­ann zu Gast war, for­der­te Wil­lem­sen, das Kli­ma­phä­no­men El Niño möge doch Dins­la­ken holen, und die Sopra­nis­tin San­dra Schwarz­haupt frag­te er, war­um sie in New York Gesangs­un­ter­richt genom­men habe und nicht zum Bei­spiel in Dins­la­ken.

Jetzt scheint Dins­la­ken end­gül­tig zum Syn­onym für „irgend so ein total hin­ter­wäld­le­ri­sches Kaff“ gewor­den zu sein – wie sonst ist es zu erklä­ren, dass der Orts­na­me inner­halb weni­ger Wochen gleich in zwei Car­toons füh­ren­der deut­scher Car­too­nis­ten auf­tauch­te?

Den Anfang mach­ten „Hip­pen­stocks Stra­te­gen“ in der „Süd­deut­schen Zei­tung“ vom 5. Juli:

"In der ersten Woche teilen Sie Ihr Zimmer mit einem Ehepaar aus Dinslaken - ich denke deshalb der Rabatt"

Die Ver­wen­dung hier erfolgt mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Zeich­ners Dirk Meiss­ner.

Und in der aktu­el­len „Tita­nic“ ist ein zwei­sei­ti­ger Car­toon von Katz & Goldt, in dem unter ande­rem fol­gen­des Bild vor­kommt:

"Ach je, in Dinslaken regnet's"

Die Ver­wen­dung hier erfolgt mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Comic­du­os Katz & Goldt.

[unter ande­rem via mei­nen Vater]

Nach­trag, 29. Juli: Wie ich gehört habe, soll sich der Inten­dant des Lan­des­thea­ters Burg­hof­büh­ne (aus Dins­la­ken) bei der Redak­ti­on der „Süd­deut­schen Zei­tung“ über die obe­re Kari­ka­tur beschwert haben.

Nach­trag, 5. August: Wie der Inten­dant das Lan­des­thea­ters Burg­hof­büh­ne sich bei der Redak­ti­on der „Süd­deut­schen Zei­tung“ über die obe­re Kan­di­da­tur beschwert hat (und wie man in Mün­chen dar­auf reagier­te) steht heu­te in der Lokal­aus­ga­be der „Rhei­ni­schen Post“.

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Selbstbezogen und unprofessionell

Der „Spie­gel“ hat sich eine self-ful­fil­ling pro­phe­cy gebas­telt. „Die Beta-Blog­ger“ steht drü­ber – ein Wort­spiel, das im für schlech­te Wort­spie­le bekann­ten Blog coffeeandtv.de noch vor der End­kon­trol­le den Gna­den­schuss bekom­men hät­te – und sie füllt in der mor­gen erschei­nen­den Aus­ga­be drei Sei­ten.

Egal, was man über Blog­ger schreibt, hin­ter­her wird man von ihnen doch nur ver­dro­schen, weil man nix ver­stan­den oder mit den fal­schen Leu­ten gespro­chen hat.

steht da ziem­lich zu Beginn und damit ist eigent­lich alles gesagt.

Genau­so gut könn­te da auch ste­hen „das Gan­ze nach dem Wür­zen eine hal­be Stun­de zie­hen las­sen“, oder „Schö­nes Wet­ter drau­ßen, was?“, aber das wür­de ver­mut­lich nicht dazu füh­ren, dass die­se schreck­lich selbst­re­fe­ren­ti­el­len Blog­ger hin­ter­her schrei­ben, der „Spie­gel“ hät­te nichts ver­stan­den.

Gleich drei Autoren haben an dem „Stück“ („Spiegel“-Sprech) mit­ge­strickt, was der Kohä­renz etwas scha­det, dem Text aber ansons­ten nicht hilft. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird nach­her („Ist ein biss­chen so, als wür­de man sich einer Sek­te nähern, die in inter­nen Gra­ben­kämp­fen ver­sun­ken ist.“) nichts mehr davon hören wol­len.

Der Arti­kel krankt schon an der Grund­an­nah­me, die Jour­na­lis­ten jedes Mal täti­gen, wenn sie einem soge­nann­ten Mas­sen­phä­no­men gegen­über­ste­hen, das sie nicht ver­ste­hen: sie ver­all­ge­mei­nern, sche­ren alle über einen Kamm und wol­len Zusam­men­hän­ge sehen, wo kei­ne sind. Nor­ma­ler­wei­se lau­tet das Wort, das sol­che Tex­te durch­zieht „Gene­ra­ti­on irgend­was“, dies­mal heißt es „Blogo­sphä­re“.

Dabei ist die Blogo­sphä­re weder eine Gemein­schaft von Gleich­ge­sinn­ten, noch ist sie völ­lig zer­strit­ten – sie ist eine völ­lig alber­ne Modell­vor­stel­lung, deren Sinn­lo­sig­keit einem klar wird, wenn man das Wort ein­fach mal durch „Gesell­schaft“ ersetzt. In Wahr­heit heißt Blogo­sphä­re näm­lich: die schie­re Sum­me aller Men­schen, die blog­gen.

Es gibt blog­gen­de Jour­na­lis­ten, blog­gen­de Haus­frau­en, blog­gen­de Schü­ler, blog­gen­de Bestat­ter und blog­gen­de Hartz-IV-Emp­fän­ger – man könn­te von einer blog­gen­den Gesell­schaft spre­chen. Und all die­se Men­schen haben so viel oder wenig gemein­sam, wie Jour­na­lis­ten, Haus­frau­en, Schü­ler, Bestat­ter und Hartz-IV-Emp­fän­ger im All­tag gemein­sam haben. Blogs sind ein Medi­um, ein Mit­tel zum Zweck. Man wird unter Blog­gern auf ähn­li­che vie­le net­te Men­schen, auf ähn­lich vie­le Arsch­lö­cher tref­fen, wie in der Welt da drau­ßen – viel­leicht gibt es unter Blog­gern über­durch­schnitt­lich vie­le Men­schen mit einem gewis­sen Mit­tei­lungs­be­dürf­nis, aber das ist dann auch schon alles.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die akti­ver sind und sich bei­spiels­wei­se regel­mä­ßig tref­fen – aber auch das gibt es in Form von Stamm­ti­schen, Ver­ei­nen und Freun­des­krei­sen in der Wirk­lich­keit und hat viel­leicht mehr mit den ent­spre­chen­den Leu­ten zu tun als mit ihrer Pro­fes­si­on.

Ich kann das Bedürf­nis ver­ste­hen, all das Tol­le, Klu­ge, Beun­ru­hi­gen­de, Absto­ßen­de und Neue, das man in Blogs so fin­den kann, irgend­wie einer grö­ße­ren Leser­schaft zu vor­stel­len zu wol­len. In Blogs kann man meis­tens für eine klar umris­se­ne Ziel­grup­pe mit Vor­kennt­nis­sen schrei­ben, aber Jour­na­lis­mus braucht Pro­to­ty­pen und des­halb ist Keith Richards Rock’n’Roll, Kurt Cobain Grunge und Gerard Way Emo (wenn nicht gera­de Han­ni, Nan­ni und Kaf­fee­kan­ni Emo sind).

Also setzt man sich hin, schreibt alles auf, was einem dazu ein­fällt (BILD­blog, Don Alphon­so, Poli­ti­cal­ly Incor­rect, Huf­fing­ton Post) und guckt im Tele­fon­buch unter „B“ wie „Blog­ger“ nach. Nur wird man dem The­ma Blogs damit unge­fähr so gerecht wie ein Blog­ein­trag über Jour­na­lis­mus, der von „Bild“, „Spie­gel“ und irgend­ei­ner Schü­ler­zei­tung han­delt und bei dem Roger Wil­lem­sen, Gün­ther Jauch und Tho­mas Leif was über Jour­na­lis­mus sagen dür­fen. Es ist letzt­lich wie mit den Blin­den und dem Ele­fan­ten.

Jeder Blog­ger schreibt über die The­men, die ihn inter­es­sie­ren, und wenn sich nie­mand zur „glo­ba­len Finanz­kri­se“, dem „Min­dest­lohn“ oder der „Ver­ar­mung des Mit­tel­stands“ äußern will, dann tut das halt nie­mand. Natür­lich tut es trotz­dem jemand, denn auch in den Leser­brief­spal­ten und Call-In-Sen­dun­gen der Radio­sta­tio­nen äußern sich ja Leu­te zu die­sen The­men, von denen sie kei­ne Ahnung haben. Es braucht kei­ne Vor­schrif­ten und kei­ne Lis­ten, was in deut­schen Blogs falsch läuft.

Der Ver­gleich mit ame­ri­ka­ni­schen Blogs (also den rele­van­ten, nicht denen bei MySpace) ist natür­lich nahe­lie­gend, aber auch unfair: die Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA sind ein­fach zu groß. In den USA gibt es Main­stream-Medi­en mit extre­men Posi­tio­nen, die eine Gegen­öf­fent­lich­keit brau­chen. Wir könn­ten uns ja glück­lich schät­zen, wenn deut­sche Medi­en über­haupt irgend­wel­che Posi­tio­nen ver­trä­ten. Außer­dem gibt es hier­zu­lan­de ein­fach kei­ne Debat­ten­kul­tur, die man digi­tal fort­set­zen könn­te.

Für mich gilt außer­dem: Ich will gar kei­ne gesell­schaft­li­che Rele­vanz haben. Ich schrei­be, weil mir Schrei­ben Spaß macht, seit ich den­ken kann – sogar schon län­ger, als ich eigent­lich schrei­ben kann. Statt ortho­gra­phisch frag­wür­di­ger Geschich­ten über einen „Baua“, der „in Unmacht fellt“, und die mei­ne Eltern lesen (und loben) muss­ten, kann hier heu­te jeder, den es inter­es­siert, lesen, wel­che Musik mir gefällt und was mich alles am der­zei­ti­gen Zustand des deutsch­spra­chi­gen Jour­na­lis­mus stört. Ich habe auch immer schon lus­ti­ge klei­ne Video­fil­me gedreht – frü­her muss­ten die Freun­de mei­ner Eltern deren Vor­füh­rung durch­lei­den, heu­te kann das via You­Tube jeder, der will. Das Inter­net ist das ein­fachs­te Mit­tel, den Kram, den ich sonst für mich selbst machen wür­de, unver­bind­lich einem grö­ße­ren Publi­kum zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das erfolgt für bei­de Sei­ten frei­wil­lig (wer’s nicht lesen mag, muss nicht, und wenn ich kei­nen Bock hab, schreib ich nichts) und kos­ten­los.

Und natür­lich wer­den jetzt jede Men­ge Blog­ger über den Arti­kel schrei­ben und sich aus die­sem oder jenem Grund dar­über auf­re­gen. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt dar­aus nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird es sowie­so nicht lesen. Durch die stän­di­ge Gegen­über­stel­lung der Begrif­fe „Blog­ger“ und „Jour­na­list“ ent­steht der Ein­druck, es gin­ge um zwei unver­ein­ba­re Lager und Blog­ger wür­den Jour­na­lis­ten grund­sätz­lich has­sen (was zumin­dest auf mich nicht zutrifft). Es gibt kei­nen Kampf, des­we­gen wird es auch kei­ne Gewin­ner und Ver­lie­rer geben. Außer natür­lich die „Spiegel“-Autoren, die am Ende Recht behal­ten mit ihrer Vor­her­sa­ge.

(Immer­hin steht vor dem Wort „Blog“ jedes Mal der Arti­kel „das“. Man wird ja beschei­den.)

Nach­trag, 21. Juli: Den Arti­kel gibt’s jetzt auch bei „Spie­gel Online“. Dabei hät­te ich es tau­send Mal lus­ti­ger gefun­den, einen Arti­kel über Blogs nur off­line zu ver­brei­ten.

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Affig

Hmmm …

Na ja …

Ich weiß nicht …

Also …

Ich kann mich irren, aber ich habe das Gefühl, da ist was schief gelau­fen bei der Beschrif­tung der Bil­der­ga­le­rie zur Love­pa­ra­de bei „RP Online“:

Eine Krankenschwester verarztet zwei Gorillas.

Zumal das gleich Bild zwei Klicks spä­ter etwas ganz ande­res zei­gen soll:

Übermütig lehnen sich zwei Tänzerinnen aus einem Wagen.

Wobei: noch span­nen­der ist ja eigent­lich die Fra­ge, war­um die Love­pa­ra­de in Dort­mund für die Düs­sel­dor­fer von „RP Online“ offen­bar im Aus­land liegt …

...aktuelles/panorama/ausland/...

Nach­trag, 21:45 Uhr: „RP Online“ hat an der Gale­rie geschraubt. Das dop­pel­te Bild ist nur noch ein­mal da, aber die zwei Goril­las wer­den wir wohl nie zu Gesicht bekom­men. Scha­de eigent­lich.

Nach­trag, 21. Juli: Hur­ra! Tom hat Kran­ken­schwes­ter und Goril­las ent­deckt.

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Stille Gefängnispost (Teil 2)

Die­ser Ein­trag ergibt nur nach der Lek­tü­re des ers­ten Teils Sinn. Wenn über­haupt.

Ich weiß nicht, ob man bei „Spie­gel Online“ heu­te über­haupt noch zum Arbei­ten gekom­men ist. War es mir ges­tern weder tele­fo­nisch noch per E‑Mail mög­lich gewe­sen, eine Stel­lung­nah­me zum „Fal­ten-Fritzl-Fall“ (Chef­re­dak­teur Rüdi­ger Ditz) zu bekom­men, gin­gen heu­te eini­ge E‑Mails von spiegel.de-Adressen bei mir ein. Gut, ein Teil davon waren Abwe­sen­heits­no­ti­zen, aber Rele­van­tes war auch dabei.

Chef­re­dak­teur Rüdi­ger Ditz selbst ant­wor­te­te am Nach­mit­tag und erklär­te, man gehe der Sache gera­de nach. Um 18:12 Uhr kam dann eine E‑Mail der Pan­ora­ma-Che­fin Patri­cia Drey­er.

Sie schrieb (wie auch im Ursprungs­ar­ti­kel steht), dass man nach Sich­tung der „Mirror“-Nachricht Kon­takt mit dem (angeb­li­chen) Zitat­ge­ber Oberst­leut­nant Huber-Günst­ho­fer auf­ge­nom­men habe. Der habe die Fra­ge, ob er mit dem „Mir­ror“ gespro­chen habe, ver­neint (was ja als gesi­cher­te Erkennt­nis gel­ten darf).

Gegen­über „Spie­gel Online“ habe Herr Huber-Günst­ho­fer gesagt, er kön­ne die „Geschich­te mit der Creme“ nicht bestä­ti­gen. Auf mei­ne Fra­ge, ob Herr Fritzl denn um Haut­creme gebe­ten habe, hat­te der Oberst­leut­nant ja geant­wor­tet, er habe die Creme gegen­über der „Kro­nen­zei­tung“ als Bei­spiel erwähnt. Was er genau zum Repor­ter der „Kro­nen­zei­tung“ gesagt hat, ist also wei­ter ein wenig unklar.

Und dann beging „Spie­gel Online“ einen klei­nen, aber ent­schei­den­den Feh­ler, der mir genau­so hät­te pas­sie­ren kön­nen:

Aus die­ser Aus­kunft Herrn Huber-Günst­ho­fers uns gegen­über zogen wir den Schluss, dass er sich nicht wie im „Mir­ror“ zitiert geäu­ßert hat­te.

Ob er mit ande­ren Medi­en über das The­ma Fritzl und Fal­ten­creme gespro­chen habe, haben wir Herrn Huber-Günst­ho­fer nicht gefragt.

Die Glei­chung „Mir­ror-Zitat falsch = Mir­ror-Zitat erfun­den“ lag ein­fach auf der Hand. Wer hät­te auch auf die Idee kom­men kön­nen, dass das „Mirror“-Zitat eine etwas holp­ri­ge Über­set­zung eines über­geig­ten „Kronenzeitung“-Zitats war?

Nun gut, „Spie­gel Online“ hät­te auf die Idee kom­men kön­nen:

Wir haben dar­auf­hin den „Mir­ror“ kon­tak­tiert, wo wir die Aus­kunft erhiel­ten, man habe die Infor­ma­ti­on einer Agen­tur­mel­dung ent­nom­men.

Und?

Wir haben kei­nen Ver­such unter­nom­men, die­se „Agen­tur­mel­dung“ selbst in Augen­schein zu neh­men, da uns nach den Äuße­run­gen des Herrn Huber-Günst­ho­fer belegt schien, dass die Mel­dung des „Mir­ror“, Fritzl ver­lan­ge nach einer Anti-Fal­ten­creme, so nicht stimm­te.

Mist!

In ihrer E‑Mail schrieb Frau Drey­er, es sei „ohne Zwei­fel ein Ver­säum­nis“, dass man den Arti­kel der „Kro­nen­zei­tung“ nicht gekannt habe. Das hät­te ande­rer­seits schon fast kri­mi­na­lis­ti­schen Ein­satz erfor­dert, denn selbst in der Agen­tur­mel­dung von Cen­tral Euro­pean News (CEN), wo man die Mel­dung aus der „Kro­nen­zei­tung“ für den eng­lisch­spra­chi­gen Markt über­setzt hat­te, fehl­te jeder Hin­weis auf die „Kro­ne“. Und in den Medi­en, die die Infor­ma­tio­nen von CEN wei­ter­ver­brei­te­ten und flei­ßig Details dazu erfan­den, fehl­te jeder Hin­weis auf CEN.

Nach Anga­ben von Frau Drey­er war­tet man bei „Spie­gel Online“ im Moment auf eine Ant­wort, von wel­chem „Gefäng­nis­ver­ant­wort­li­chen“ sich CEN die Zita­te hat­te bestä­ti­gen las­sen.

Für uns war Herr Huber-Günst­ho­fer heu­te bis Stand Absen­dung die­ser Mail nicht zu errei­chen.

Unter­des­sen hat „Spie­gel Online“ den Vor­spann des Tex­tes gekürzt und den Arti­kel mit fol­gen­der Anmer­kung ver­se­hen:

Anmer­kung der Redak­ti­on: SPIEGEL ONLINE hat eine zunächst in die­sem Arti­kel publi­zier­te For­mu­lie­rung, „Neu­ig­kei­ten“ über Fritzl wür­den „erfun­den“, ent­fernt.

Quel­le der vom „Mir­ror“ publi­zier­ten Agen­tur­mel­dung war offen­bar ein Bericht in der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“, der gegen­über Erich Huber-Günst­ho­fer angeb­lich bestä­tig­te, Fritzl habe nach einer Haut­creme ver­langt – was er SPIEGEL ONLINE gegen­über aller­dings demen­tier­te.

Bleibt die Fra­ge, wel­che Rele­vanz eigent­lich die Beschaf­fen­heit der Haut des „Inzest-Mons­ters aus Amstet­ten“ („Bild“) hat. Und war­um Mel­dun­gen über ihn (es) offen­bar immer den Umweg über das Aus­land neh­men müs­sen.

[Fort­set­zung folgt bestimmt …]

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Stille Gefängnispost

Die fol­gen­de Geschich­te wird ein biss­chen kom­pli­ziert. Legen Sie also bes­ser schon mal Papier und Blei­stift bereit, wie Sie es beim Betrach­ten der „Lin­den­stra­ße“ oder beim Lesen von John-Gris­ham-Büchern tun, um den Über­blick zu behal­ten.

Josef Fritzl, das darf als gesi­cher­te Infor­ma­ti­on gel­ten, sitzt zur Zeit in der Jus­tiz­an­stalt St. Pöl­ten in Unter­su­chungs­haft. Der als „Inzest-Mons­ter aus Amstet­ten“ bekannt gewor­de­ne Mann war­tet dort auf sei­nen Pro­zess, der Ende des Jah­res begin­nen soll.

Der „Dai­ly Mir­ror“, eine die­ser gru­se­li­gen bri­ti­schen Bou­le­vard­zei­tun­gen, berich­te­te am Diens­tag, Fritzl habe den Gefäng­nis­arzt um Anti-Fal­ten-Creme gebe­ten. Noch am sel­ben Tag nahm Bild.de die Geschich­te dank­bar auf und erfand noch hin­zu, Fritzl habe „wohl kein Spiel“ der Fuß­ball-EM ver­passt.

Inzest-Drama von Amstetten: Josef Fritzl verlangt im Knast nach Anti-Falten-Creme

Fast zeit­gleich berich­te­te „Spie­gel Online“ über den „Mirror“-Artikel und war­te­te mit einem über­ra­schen­den Twist auf:

Der Gefäng­nis­spre­cher weiß nichts davon. Auf Nach­fra­ge von SPIEGEL ONLINE sag­te Huber-Günst­ho­fer, er habe nie mit dem „Dai­ly Mir­ror“ gespro­chen.

Er kön­ne sich nicht erklä­ren, wie die bri­ti­sche Zei­tung dazu kom­me, ihn zu zitie­ren.

An die­sem Punkt wäre es eine schö­ne Geschich­te fürs BILD­blog gewe­sen: „Bild.de schreibt eine Falsch­mel­dung des ‚Dai­ly Mir­ror‘ ab“.

So ein­fach aber war es nicht: der „Mir­ror“ war längst nicht das ein­zi­ge bri­ti­sche Medi­um, das über die Anti-Fal­ten-Creme berich­tet hat­te. Neben diver­sen Bou­le­vard­me­di­en fand sich die Mel­dung auch beim renom­mier­ten „Dai­ly Tele­graph“ – und die wer­den ja kaum unge­prüft aus dem „Mir­ror“ abschrei­ben.

Über­haupt stand ja schon bei „Spie­gel Online“:

Mit die­ser Aus­sa­ge kon­fron­tiert, teilt der „Dai­ly Mir­ror“ mit, man habe die Infor­ma­tio­nen „einer Agen­tur­mel­dung“ ent­nom­men.

Eine Nach­fra­ge beim „Tele­graph“ ergab: Die Agen­tur, die die­se Mel­dung ver­brei­tet hat­te, heißt „Cen­tral Euro­pean News“ (CEN) und sitzt in Wien. Kein deut­scher Jour­na­list hat je von ihr gehört. Dort war man sehr freund­lich und koope­ra­tiv und teil­te mir mit, die Nach­richt aus der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“ zu haben.

Und dort stand am 12. Juli 2008:

Kurze Spaziergänge im Hof - Einziger Wunsch: Hautcreme - Häftling Fritzl verpasst keinen Bericht über seine Horrortaten!

„Der ein­zi­ge Extra­wunsch von Josef Fritzl war bis­her eine Haut­creme“, so Oberst­leut­nant Erich Huber-Günst­ho­fer von der Jus­tiz­an­stalt St. Pöl­ten.

Bevor CEN die Mel­dung an den „Dai­ly Mir­ror“ schick­te, habe man extra noch mal bei den Gefäng­nis­ver­ant­wort­li­chen nach­ge­fragt und sich die Zita­te bestä­ti­gen las­sen, so die Agen­tur. Ent­spre­chend über­rascht sei man des­halb auch über den Arti­kel bei „Spie­gel Online“ gewe­sen: zwar stimmt es ja wohl, dass der Gefäng­nis­spre­cher nicht mit dem „Dai­ly Mir­ror“ gespro­chen hat – aber das muss­te er ja auch nicht, weil es sich ja eigent­lich um eine Mel­dung der „Kro­nen­zei­tung“ gehan­delt hat­te. Und mit deren Repor­ter hat Oberst­leut­nant Huber-Günst­ho­fer dann schon gespro­chen, wie er mir auf Anfra­ge bestä­tig­te. Die viel­zi­tier­te Haut­creme habe er aller­dings schon im Gespräch mit der „Kro­nen­zei­tung“ eher bei­spiel­haft genannt, um auf die All­täg­lich­keit von Fritzls Wün­schen hin­zu­wei­sen.

Die Behaup­tun­gen („Kro­nen­zei­tung“, „Dai­ly Mir­ror“, „Bild“), dass Fritzl vor allem oder aus­schließ­lich Berich­te über sich selbst lese oder schaue, bezeich­ne­te Erich Huber-Günst­ho­fer im Übri­gen als über­trie­ben: Die Fern­se­her in den Zel­len ver­füg­ten über 22 Pro­gram­me und da es kei­ne 24-Stun­den-Über­wa­chung gebe, wüss­te auch die Gefäng­nis­ver­wal­tung nicht, was sich ein Gefan­ge­ner da genau anse­he. Glei­ches gel­te für Zei­tun­gen: „Ob er die Wit­ze­sei­te oder den Sport­teil liest, kann ich Ihnen nicht sagen.“

Es blei­ben frei­lich immer noch ein paar Fra­gen offen:

  • Wie­so muss eine Mel­dung der öster­rei­chi­schen „Kro­nen­zei­tung“ erst einen Umweg über Eng­land neh­men, ehe sie von „Bild“ auf­ge­grif­fen wird?
  • War­um hat „Spie­gel Online“ nicht nach der Agen­tur­mel­dung gesucht, auf die sich der „Dai­ly Mir­ror“ beru­fen hat?
  • Wie wur­de eigent­lich aus der „Haut­creme“ (Huber-Günst­ho­fer, „Kro­nen­zei­tung“) die „Anti-Fal­ten-Creme“ („Bild“)?

Ach, letz­te­res lässt sich ganz leicht durch einen klei­nen Über­set­zungs­feh­ler bei CEN erklä­ren, den der „Dai­ly Mir­ror“ ahnungs­los auf­ge­grif­fen und Bild.de eben­so ahnungs­los zurück­über­setzt hat:

Incest mons­ter Josef Fritzl is a fre­quent visi­tor to the pri­son doc­tor to com­plain about aches and pains and has asked for a sup­p­ly of anti aging face cream.

Meh­re­re Ver­su­che, mit den Ver­ant­wort­li­chen bei „Spie­gel Online“ Kon­takt auf­zu­neh­men, ver­lie­fen erfolg­los. Unter­des­sen hat Bild.de den Arti­kel off­line genom­men und CEN hat ange­kün­digt, sich wegen fal­scher Unter­stel­lun­gen bei einer ent­spre­chen­den Stel­le (falls es so etwas wie eine „Ger­man Press Asso­cia­ti­on“ gibt) über „Spie­gel Online“ beschwe­ren zu wol­len.

Mit Dank an die vie­len BILD­blog-Hin­weis­ge­ber!

Nach­trag, 18. Juli: Zur Stel­lung­nah­me von „Spie­gel Online“ bit­te hier ent­lang!

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Rundfunk Leben

Kirmescontent

Irgend­wie kamen mir die Moti­ve, mit denen die 573. Cran­ger Kir­mes bewor­ben wird, so selt­sam ver­traut vor:

Werbemotiv der Cranger Kirmes

Werbemotiv der Cranger Kirmes

Ich wuss­te dann auch recht schnell wie­der, woher:

iPod-Werbeplakat

Woher mir die Cran­ger Kir­mes bekannt vor­kam, wuss­te ich frei­lich sofort:

[audio:http://www.coffeeandtv.de/wp-content/uploads/2008/07/kirmeskoenig.mp3]

Aus der „Früh­schicht“ auf CT das radio am 10. August 2005. Es lachen die Kol­le­gin Cor­du­la Pütz und ich.

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Digital

Missglückte Produktnamen (Teil 712)

Forher - Lifestyle für Sie.

Von den Erfin­dern von „Fiel­leicht“, „Fer­gnü­gen“ und „Vrü­her“.

[via Horizont.net]

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Digital

Zwischen Biergarten und Grune Alt

Was genau trin­ken die eigent­lich bei der „taz“, bevor sie ihre Über­schrif­ten raus­hau­en?

Die größte Bierbrauerfusion aller Zeiten: Hackedichter Markt

Wie üblich gelun­gen ist hin­ge­gen die Bild­un­ter­schrft:

Bud schmeckt wahrscheinlich genauso wie vorher: eben wie US-Plörre

(Wobei man natür­lich nicht uner­wähnt las­sen darf, dass es auch in den USA das eine oder ande­re lecke­re Bier gibt.)

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Musik Rundfunk

A TV Script Ending

„Spie­gel Online“ hat einen Repor­ter zum Kon­zert von Death Cab For Cutie in Ham­burg geschickt. Neben aller­lei Cold­play- und Nir­va­na-Ver­glei­chen schli­chen sich auch fol­gen­de Pas­sa­gen in den Text:

Im Seat­tle von 2008 freut man sich bei Sub­Pop, wenn die Label-Mus­ter­schü­ler The Shins wie­der ein­mal mit einem Song in der Teen­ager­lie­bes­kum­mer-unter-Pal­men-Sei­fen­oper „O.C., Cali­for­nia“ zu hören sind.

[…]

Ein Gast­auf­tritt bei „O.C.“ ist in den Staa­ten mitt­ler­wei­le eine ähn­li­che Erfolgs­ga­ran­tie wie hier­zu­lan­de ein Gig bei „Wet­ten, dass…?“ oder frü­her bei „Geld oder Lie­be“.

Im „Seat­tle von 2008“ wäre man aber wohl eher erstaunt, wenn man noch einen neu­en Song bei „O.C., Cali­for­nia“ plat­zie­ren könn­te – lief doch die letz­te Fol­ge der Serie am 22. Febru­ar 2007. Also eher „eine ähn­li­che Erfolgs­ga­ran­tie“ wie „Geld oder Lie­be“ heut­zu­ta­ge.

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Sommerloch

Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen, Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen, Top-Ratgeber: Im Freizeitpark: Elefant packt Kind mit Kinderwagen
Nein, das ist kei­ne Pho­to­mon­ta­ge, son­dern ein Screen­shot der „Panorama“-Seite bei „RP Online“. Aller­dings muss man zuge­ben, dass sich die­ser Anblick wegen der rotie­ren­den Teaser nur etwa jede Minu­te für ein paar Sekun­den bie­tet.