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Frühstücksfernsehen

Wie ich etwas über­rascht fest­ge­stellt habe, sen­det Pro­Sie­ben seit dem letz­ten Wochen­en­de die sechs­te Staf­fel „Scrubs“. Von der belieb­tes­ten Serie deut­scher Stu­den­ten (zumin­dest laut die­ser Face­book-Erhe­bung) wer­den Sams­tags um 15 Uhr jeweils zwei Fol­gen hin­ter­ein­an­der gezeigt und nach den etwas schwa­chen Staf­feln 4 und 5 wird die Serie hier wie­der rich­tig gut.

Ich hät­te zwar gedacht, dass der Sen­de­platz ein biss­chen abge­le­gen ist (immer­hin hat Pro­Sie­ben am Sams­tag­nach­mit­tag auch schon „Dawson’s Creek“ und „O.C., Cali­for­nia“ ver­sen­det, wobei die Seri­en ja wirk­lich immer schwä­cher wur­den), aber ich soll­te nicht immer von mir auf ande­re schlie­ßen und Ein­schalt­quo­ten von 13,3 bzw 15,4% in der Ziel­grup­pe schei­nen der Pro­gramm­pla­nung aus­nahms­wei­se mal Recht zu geben.

Für alle, die nicht elf Wochen war­ten wol­len oder die (wirk­lich brauch­ba­re) deut­sche Syn­ch­ro nicht mögen, erscheint in drei Wochen die DVD. In den USA …

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Geladene rote Ampel entgleist

Das „Nacht­ma­ga­zin“ der ARD ver­hält sich zum „RTL-Nacht­jour­nal“ wie „Bri­sant“ zu „Explo­siv“: Wenn oben nicht die­se klei­ne Eins in der Ecke wäre, wür­de man kaum glau­ben, dass man gera­de öffent­lich-recht­li­ches Qua­li­täts­fern­se­hen schaut. Klar: Um kurz nach Mit­ter­nacht rich­tet sich das „Nacht­ma­ga­zin“ an die Men­schen, die dann noch wach sind, und das sind eben eher die jün­ge­ren und die sind eben eher Info­tain­ment gewöhnt. Trotz­dem krie­ge ich regel­mä­ßig die Kri­se ob die­ser zwang­haf­ten Locker­heit, dem schon psy­cho­tisch wir­ken­den stän­di­gen Augen­zwin­kern und der him­mel­schrei­en­den Ober­fläch­lich­keit von Bei­trä­gen und Inter­views.

Des­halb schau­en wir uns die Sen­dung von ges­tern (also heu­te) mal genau­er an:

CSU-Vor­sitz
Gabrie­le Pau­li hat über­ra­schend gefor­dert, Ehen auf sie­ben Jah­re zu befris­ten, mit der Mög­lich­keit auf eine anschlie­ßen­de Ver­län­ge­rung. Hier von „ver­flix­ten sie­ben Jah­ren“ zu spre­chen, drängt sich der­ma­ßen auf, dass wir Ingo Zam­pe­ro­ni sei­ne augen­zwin­kern­de Anmo­de­ra­ti­on noch mal durch­ge­hen las­sen wol­len.

Doch dann geht das Elend rich­tig los, denn Fern­se­hen braucht immer Bewegt­bil­der, auch wenn es nur erklä­ren­de und über­lei­ten­de Wor­te aus dem Off gibt. Die­se Sze­nen nennt der Fach­mann „Schnitt­bil­der“ und seit mei­nem Aus­flug in die audio­vi­su­el­len Medi­en weiß ich, wie wich­tig die­se sind, und bei der ARD weiß man es erst recht:

Schnitt­bild: Gabrie­le Pau­li steht auf einer Ver­kehrs­in­sel neben einer Ampel und posiert für Foto­gra­fen.
Spre­che­rin: „Medi­en­rum­mel in Mün­chen – wie so oft, wenn Gabrie­le Pau­li sich zu Wort mel­det. Sie weiß sich in Sze­ne zu set­zen, doch jetzt ste­hen die Ampeln auf rot für sie.“

Das wich­tigs­te Buch in der Redak­ti­on von „ARD Aktu­ell“ scheint also immer noch der Meta­phern-Duden sein.

EU zu Ener­gie­markt

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Zum Jah­res­wech­sel dürf­ten vie­le Strom­kun­den noch gela­de­ner sein, denn die Ener­gie­prei­se dro­hen erneut zu stei­gen […]. Für *Ent*spannung will jetzt die Euro­päi­sche Uni­on sor­gen.“

Es folgt ein Bei­trag, des­sen Auf­hän­ger dar­in besteht, den EnBW-Chef Utz Cla­as­sen auf dem Weg zu sei­nem Auf­tritt bei „Hart aber fair“ zu beglei­ten. Man sieht dem armen Wirt­schafts­boss förm­lich an, wie oft er die Ein­gangs­tür des WDR-Funk­hau­ses öff­nen und dann forsch (oder bes­ser noch: „ener­ge­tisch“, haha!) an der Kame­ra vor­bei­ge­hen muss­te. Dafür hat er beim O‑Ton die schmu­cke Lob­by des Fünf­zi­ger-Jah­re-Baus am Köl­ner Wall­raf­platz im Nacken.

Dann steigt Cla­as­sen ille­ga­ler­wei­se in den welt­be­rühm­ten Pater­nos­ter ein (die Benut­zung ist aus Ver­si­che­rungs­grün­den aus­schließ­lich WDR-Ange­stell­ten vor­be­hal­ten) und ent­schwin­det nach oben aus dem Bild. Es folgt ein Schnitt und Ari­bert Peters vom Bund der Ener­gie­ver­brau­cher fährt im glei­chen Pater­nos­ter von oben ins Bild hin­ein. Wol­len Sie raten, wie der Off-Kom­men­tar dazu lau­tet?

Spre­che­rin: „In genau die ande­re Rich­tung bewer­ten Ver­brau­cher­ver­bän­de die Vor­schlä­ge.“

Herr Peters hat­te dann wohl noch das Glück, für wei­te­re Schnitt­bil­der das Funk­haus am hel­lich­ten Tag wie­der zu ver­las­sen und noch in der Tür sein Mobil­te­le­fon auf­zu­klap­pen und ans Ohr zu hal­ten, obwohl es garan­tiert nicht geklin­gelt hat.

Deut­sche Ein­heit

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Der Auf­schwung ist im Osten ange­kom­men, das sagt ein ver­hal­ten zuver­sicht­li­cher Wolf­gang Tie­fen­see und der müss­te es ja schließ­lich wis­sen: Ist er doch Ver­kehrs­mi­nis­ter – nicht nur, aber auch der Auf­bau-Ost-Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung. […] Aber die Sche­re zwi­schen Neu­en und Alten Bun­des­län­dern klaf­fe immer noch viel zu weit aus­ein­an­der. Tie­fen­see könn­te das wohl nir­gends bes­ser fest­stel­len als in – Tie­fen­see.“

Yes, inde­ed: Man hielt es für ein total ver­rück­te Idee, ins bran­den­bur­gi­sche Tie­fen­see zu fah­ren, um dort mal zu gucken, wie es im Osten denn so aus­sieht. Und da sage noch einer, Namens­wit­ze sei­en das Pri­vi­leg der Pri­vat­sen­der.

Schnitt­bild: Die Aus­la­ge eines Blu­men­händ­lers.
Spre­che­rin: „Blü­hen­de Land­schaf­ten am Orts­ein­gang. Kein Bäcker, kein Super­markt, kei­ne Knei­pe – abge­schafft, weil unren­ta­bel.“

Und kei­ne andert­halb Minu­ten spä­ter:

Schnitt­bild: Ver­las­se­nes Bahn­hofs­ge­bäu­de, Schwenk auf zuge­wach­se­ne Schie­nen.
Spre­che­rin: „Ist Tie­fen­see ent­gleist? Nein, aber Bahn­an­schluss gibt es trotz­dem kei­nen mehr.“

Meteo­ri­ten-Auf­prall

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Es war, gän­gi­gen Theo­rien zufol­ge, ein Meteo­rit, der vor 65 Mil­lio­nen Jah­ren das Schick­sal der Dino­sau­ri­er auf unse­rem Pla­ne­ten besie­gel­te. Ganz so gewal­tig war der Ein­schlag nicht, der sich am Wochen­en­de in Peru, unweit des Titi­ca­ca­sees ereig­ne­te, und doch hat der Meteo­ri­ten-Auf­prall mys­te­riö­se Fol­gen.“

Ach, geschenkt, dass wir das schon alle bemerkt hät­ten, wenn sich die Son­ne ver­fins­tert hät­te und wir aus­ge­stor­ben wären. Irgend­wie muss man ja das The­ma anmo­de­rie­ren und im Ver­gleich zu den Vox-Spät­nach­rich­ten, wo ein armer Fach­mann mit genau einem Satz zitiert wur­de („Ich glau­be nicht, dass das Außer­ir­di­sche waren“), ist der ARD-Bei­trag zum The­ma völ­lig in Ord­nung.

Wenn ich anfan­ge, klein­lich zu wer­den, bringt mich die­se eine Aus­ga­be des „Nacht­ma­ga­zins“ noch ins Grab. Wid­men wir uns also lie­ber noch kurz dem let­zen Bei­trag der Sen­dung. Es han­delt sich um ein klas­si­sches „Nachtmagazin“-Thema: Das Krat­zen an der Pop­kul­tur.

Pop­komm

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Der Pop kommt – bei der Pop­komm. Aber nicht nur der: Auf der inter­na­tio­na­len Musik­mes­se geht es seit heu­te wie­der um die Trends und Neu­hei­ten in allen Berei­chen der Musik- und Unter­hal­tungs­bran­che.“

Ein Brül­ler ohne Ende. Aber mal was ganz ande­res: Der Pop kommt bei?! Nicht, dass ich Bas­ti­an Sick wäre, aber das ist doch unge­fähr so neben der Spur wie das Pla­kat, das über vie­le Jah­re in mei­ner Hei­mat­stadt ein umher­rei­sen­des Kin­der­pup­pen­thea­ter ankün­dig­te. Dort stand: „Der Kas­per kommt im Thea­ter­zelt“.

Ich bin mir sicher, dort hat man fast so viel gelernt wie beim „Nacht­ma­ga­zin“ – aber nur halb so viel gelacht.

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Tatort Programmdirektion

Am Sams­tag­abend soll­te im WDR Fern­se­hen „Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern“ wie­der­holt wer­den. Die Sen­dung mit die­sem irre wit­zi­gen1 Titel, die erst am Vor­abend in der ARD ihre Erst­aus­strah­lung erlebt hat­te, lief aber nicht. Nicht nur Micha­el vom Fern­seh­le­xi­kon frag­te sich, wie­so.

Heu­te Mor­gen dann erfuhr ich bei der Früh­stücks­lek­tü­re der „Süd­deut­schen Zei­tung“ den Grund:

„Auf­grund der zu erwar­ten­den schlech­ten Zuschau­er­ak­zep­tanz im WDR Fern­se­hen haben wir uns ent­schie­den, sie kurz­fris­tig aus dem Pro­gramm zu neh­men und statt­des­sen einen ‚Tat­ort‘ zu sen­den“, teilt Pres­se­spre­che­rin Kris­ti­na Bausch mit.

Da fällt einem zunächst nichts mehr ein und dann eine gan­ze Men­ge.

Ers­tens hat­te Micha­el offen­bar (und wie’s aus­sieht eher unfrei­wil­lig) Recht mit einer sei­ner drei Ver­mu­tun­gen:

Man hat fest­ge­stellt, dass 1,98 Mil­lio­nen Zuschau­er bei der Erst­aus­strah­lung von Herr Schmidt wird 50, will aber nicht fei­ern gar kei­ner so guten Ein­schalt­quo­te ent­spre­chen.
Und will den vie­len Blö­den, die es nicht gese­hen haben, bloß kei­ne Chan­ce geben, das Ver­pass­te nach­zu­ho­len? Ja, klingt schlüs­sig.

Zwei­tens dürf­te zumin­dest jedem, der nicht Betriebs­wirt oder Medi­en­öko­nom ist, ein­leuch­ten, dass eine Sen­dung, die ange­kün­digt ist, in jedem Fall mehr Zuschau­er haben dürf­te als eine, die nicht ange­kün­digt ist: Wer vor dem Fern­se­her saß und Schmidt sehen woll­te, hat die Glot­ze ver­mut­lich noch wäh­rend des „Tatort“-Vorspanns ent­täuscht aus­ge­tre­ten – und wer zu den fünf Leu­ten gehört, die Sams­tags­abend ger­ne noch eine „Tatort“-Wiederholung mit­neh­men wür­den, lag wahr­schein­lich schon im Bett, denn selbst auf der Inter­net­sei­te des WDR stand zu die­sem Zeit­punkt noch, dass „Herr Schmidt …“ lau­fe. Die 210.000 Zuschau­er (6,4% Markt­an­teil) waren bestimmt ein­fach im Fern­seh­ses­sel ein­ge­pennt.

Drit­tens ist das ein Satz, den man nor­ma­ler­wei­se von Pro­Sie­ben-Ver­ant­wort­li­chen hört. Wenn ein gebüh­ren­fi­nan­zier­ter Sen­der wie der WDR meint, sei­ne hek­ti­sche und völ­lig kopf­los wir­ken­de Pro­gramm­po­li­tik mit dem Blick auf die Quo­te erklä­ren zu kön­nen, ver­wirkt er damit in mei­nen Augen sofort und auf alle Zeit den Anspruch, in der Gebüh­ren­debat­te ernst genom­men zu wer­den. Pro­gramm­pla­ner, die ihre (nicht ganz frei­wil­lig) zah­len­den Zuschau­er mit dem Hin­weis auf Öko­no­mie und Quo­ten­druck der­art vor den Kopf sto­ßen, wären wohl selbst fürs Pri­vat­fern­se­hen noch zu dreist.

Anders als die­ser pro­gramm­pla­ne­ri­sche Offen­ba­rungs­eid war die abge­setz­te Sen­dung übri­gens kaum der Rede wert: Sie wur­de ges­tern Abend bei Eins­Fes­ti­val wie­der­holt und ent­pupp­te sich als einer die­ser (von den zustän­di­gen Redak­teu­ren ver­mut­lich als „wahn­sin­nig inno­va­tiv“ emp­fun­de­nen) wüs­ten Zusam­men­schnit­te, die weder chro­no­lo­gisch noch seman­tisch einen Sinn erge­ben. Ohne Off-Spre­cher oder sonst ein ver­bin­den­des Ele­ment wur­den tau­send­mal gezeig­te Sze­nen aus Harald Schmidts bis­he­ri­gem Fern­seh­schaf­fen durch­ein­an­der gewür­felt und mit (wahr­schein­lich „total iro­nisch“ gemein­ten) Sze­nen gar­niert, in denen u.a. Tho­mas Gott­schalk, Elke Hei­den­reich, Ingolf Lück und immer­hin auch Her­bert Feu­er­stein vor einer gip­ser­nen Harald-Schmidt-Büs­te Barock­mu­sik vor­tru­gen. Und weil die ARD ja jetzt alles im 16:9‑Format sen­den muss, wur­den die Aus­schnit­te, die noch im rich­ti­gen Fern­seh­for­mat vor­la­gen, an den Sei­ten mit einer idio­ti­schen Blüm­chen­ta­pe­te auf­ge­füllt, damit das Bild voll ist. Ach, es war ganz schreck­lich – könn­te aber im Fal­le von Schmidts Able­ben jeder­zeit wie­der­holt wer­den.

1 Dem­nächst wirk­lich an die­ser Stel­le: Die zehn schöns­ten Acht­zi­ger-Jah­re-Adjek­ti­ve.

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Irrationale Ängste

Als ich ges­tern „Das Model und der Freak“ sah, dach­te ich, dass es doch ein biss­chen beun­ru­hi­gend wäre, wenn dort ein­mal ein ehe­ma­li­ger Klas­sen­ka­me­rad als „Freak“ auf­tauch­te. Mög­li­cher­wei­se hät­te man sich mit unüber­leg­ten puber­tä­ren Sprü­chen oder der Wahl des Betref­fen­den zum „Schü­ler, der ein­mal in den Nach­rich­ten erschei­nen wird“ in der Abizei­tung mit­schul­dig dar­an gemacht, dass der Arme nun von halb­nack­ten Models in küchen­psy­cho­lo­gi­sche Gesprä­che ver­wi­ckelt wird.

Dann dach­te ich: Noch tra­gi­scher wäre doch, wenn man als Frau vor dem Fern­se­her sitzt und sei­nen Ex-Freund durch eine sol­che Sen­dung gescheucht sieht. Der neue Lebens­part­ner (oder gar Ehe­mann) sitzt mit einem Tel­ler Möh­ren und einer Schüs­sel Kräu­ter­quark auf dem Sofa neben einem und man muss jetzt ganz genau über­le­gen, ob das die rich­ti­ge Situa­ti­on ist, ihm sei­nen Vor­gän­ger vor­zu­stel­len.

Dann erin­ner­te ich mich an ein Gespräch, das ich mal in einem Café mit­be­kom­men hat­te: Eine jun­ge Frau erzähl­te einer ande­ren, sie habe kürz­lich mit ihrem Ex-Freund tele­fo­niert und als sie die­sen gefragt habe, wie es ihm gehe, habe der geant­wor­tet, er sei jetzt mit Sound­so zusam­men und Sound­so war der Name eines Man­nes und der Ex-Freund dem­nach auf ein­mal schwul. Ich konn­te gera­de noch an mich hal­ten, mich zu den bei­den umzu­dre­hen, mich vor­zu­leh­nen und in Rein­hold-Beck­mann-Ton­fall zu fra­gen: „Wie fühlt man sich in einer sol­chen Situa­ti­on? Zwei­felt man da nicht an sei­ner eige­nen Weib­lich­keit?“ Aber dann dach­te ich mir, dass Rein­hold Beck­mann (ob echt oder falsch) der letz­te ist, den man in einer sol­chen Situa­ti­on um sich haben möch­te.

Frü­her, als es im Fern­se­hen nur drei Kanä­le gab, war man noch sicher: Ins Fern­se­hen kam nur, wer Poli­ti­ker, Sport­ler oder Kan­di­dat bei „Wet­ten, dass…?“ war. Dann kamen die Pri­vat­sen­der und ris­sen die vier­te Wand, von der sie ver­mut­lich nicht mal wuss­ten, dass sie exis­tier­te oder wer sie dahin­ge­stellt hat­te, ein. Aber auch nach über zwan­zig Jah­ren haben die Leu­te auf der Stra­ße nicht begrif­fen, dass die ein­zig ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf eine Fern­seh­ka­me­ra und einen über­dreh­ten Repor­ter ist, schnell weg­zu­lau­fen und wäh­rend der Flucht mit den eige­nen Anwäl­ten zu dro­hen, falls die­ser Irr­sinn aus­ge­strahlt wer­den soll­te. Nein, die Leu­te sind immer noch ganz ehr­fürch­tig, wenn sie von alber­nen Fran­zo­sen, die in ein Baguette spre­chen, oder TV-Total-Mit­ar­bei­tern ange­quas­selt wer­den.

Einen, der die­ses jour­na­lis­ti­sche Sub­gen­re in Deutsch­land „groß“ gemacht hat, sah ich neu­lich in der Esse­ner Innen­stadt: Theo West. Von wei­tem sah ich, wie er unver­mit­telt neben (meist älte­ren) Pas­san­ten auf­tauch­te und sie mit ver­mut­lich dadurch schon so weit irri­tier­te, dass sie ihm spä­ter glau­ben wür­den, Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel habe auf dem Esse­ner Wochen­markt einen Stand mit selbst­ge­koch­ter Wal­nuss­mar­me­la­de eröff­net (oder was immer er ihnen erzähl­te). Ich merk­te, dass ich kalt­schwei­ßig wur­de und instän­dig hoff­te, die­ser Knilch möge an mir vor­über­ge­hen. Ich hät­te ver­sucht sein kön­nen, wit­zig oder schlag­fer­tig zu sein (zwei Eigen­schaf­ten, die ich für mich nie in Anspruch genom­men habe), und das hät­te neben einem sol­chen Voll­pro­fi rich­tig pein­lich wir­ken kön­nen. Da hät­te nur noch apa­thi­sches Stie­ren direkt in die Kame­ra eine Aus­strah­lung ver­mas­seln kön­nen (so bin ich mal dem dama­li­gen Musik­sen­der Viva ent­kom­men).

Aber selbst, wer die Esse­ner, Köl­ner und Ber­li­ner (wo man immer­hin noch von Cars­ten van Rys­sen ver­arscht wer­den konn­te) Innen­stadt mei­det, ist nicht mehr sicher: Seit neu­es­tem läuft man auch zuhau­se Gefahr, von Sen­dun­gen wie „Quiz-Tour“ beläs­tigt zu wer­den. Mein schlimms­ter Alp­traum indes wäre, dass Tine Witt­ler bei mir klin­gel­te, um medi­ter­ra­ne Wisch­tech­nik und Stau­raum in mei­ne vier Wän­de zu brin­gen, auf dass ich zukünf­tig lie­ber unter einer Brü­cke schlie­fe als daheim. Wo sind die Leu­te, die immer mit dem Grund­ge­setz wedeln, eigent­lich, wenn öffent­lich der­art gegen die Unver­letz­lich­keit der Woh­nung ver­sto­ßen wird?

All dies sind natür­lich Extrem­bei­spie­le; Ängs­te, die – wie die aller­meis­ten Ängs­te – unbe­grün­det sind. So habe ich jah­re­lang wie­der­holt geträumt, in einem Fahr­stuhl zu sein, der wahl­wei­se abstürzt oder nach oben durch die Decke schießt. Das ist inso­fern fas­zi­nie­rend, als ich im wachen Zustand kei­ner­lei Pro­ble­me mit gro­ßen Höhen oder Fahr­stüh­len habe – mit der Ein­schrän­kung, dass ich pani­sche Angst davor habe, gemein­sam mit Jür­gen Drews und Gül­can Karahan­ci in einem Fahr­stuhl ste­cken zu blei­ben. Da ich aber weder dem „König von Mal­lor­ca“, noch der Plau­der­ta­sche von Viva bis­her begeg­net bin, basiert auch die­se Angst mehr auf der vagen Mög­lich­keit, ein sol­ches Ereig­nis kön­ne ein­tre­ten, als auf per­sön­li­chen Erfah­run­gen. Noch unwahr­schein­li­cher ist ledig­lich der Traum, den ich kürz­lich hat­te, und in dem ich zum Bun­des­vor­sit­zen­den der Jun­gen Uni­on gewählt wor­den war. Der war aber auch schreck­lich.

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Korrekturspalte

Am 19. Juli 2007 behaup­te­te ich in dem Arti­kel „Öffent­lich-recht­li­che Rad­lo­sig­keit“:

Für die Öffent­lich-Recht­li­chen ist das ein laut­star­ker, öffent­li­cher Schlag in die Fres­se, denn die Quo­ten bei Sat.1 wer­den – wie ges­tern die bei Euro­s­port – explo­die­ren.

Die­se Pro­phe­zei­ung war falsch. Rich­tig ist viel­mehr: Die Tour-Quo­ten von Sat.1 sind eine ziem­li­che Kata­stro­phe. Ich bedaue­re die­se fal­sche Vor­aus­sa­ge zutiefst und wer­de für­der­hin kei­ne Quo­ten­pro­gno­sen zu Sport­ver­an­stal­tun­gen mehr abge­ben.

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So I start a revolution from my bed

Gallagher Lane in San Francisco, CA

Zur Stun­de ist ja bekannt­lich Macht­wech­sel in Groß­bri­tan­ni­en. Das ist an sich schon ganz gro­ßes Kino, gewinnt aber noch mehr Qua­li­tät durch die (natür­lich her­vor­ra­gen­de) news covera­ge von BBC World:

Ein Bei­trag, in dem ein Inti­mus über den desi­gnier­ten Pre­mier­mi­nis­ter Gor­don Brown spricht, wur­de mit dem Intro von „Won­der­wall“ unter­legt, und zum Abschluss gab es dann noch mal die schöns­ten Bil­der aus Tony Blairs zehn­jäh­ri­ger Amts­zeit, unter­legt mit? Na klar: „Don’t Look Back In Anger“.

Und jetzt stel­len wir uns mal vor, ARD und ZDF unter­leg­ten den nächs­ten Regie­rungs­wech­sel in Deutsch­land mit … äh … mit … Ach ver­dammt, der Ver­gleich hinkt dop­pelt …

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Ein halber TV-Tipp

Heu­te Abend zeigt das ZDF „Kei­ne Lie­der über Lie­be“. Wenn ich die Hand­lung noch rich­tig erin­ne­re, geht es um einen Doku­men­tar­fil­mer (der groß­ar­ti­ge Flo­ri­an Lukas), der die Band sei­nes Bru­ders (Jür­gen Vogel) auf Tour beglei­ten will – und irgend­wie ent­spinnt sich dann eine Drei­ecks­ge­schich­te mit Hei­ke Makat­sch.

War­um ich mir einen Film, der aus­schließ­lich mit Hand­ka­me­ra gedreht ist, der eine ver­wor­re­ne und pes­si­mis­ti­sche Hand­lung hat und in dem nicht viel mehr pas­siert, als das Men­schen mit­ein­an­der reden (oder bes­ser noch: sich anschwei­gen), kurz: war­um ich mir einen jun­gen deut­schen Film über­haupt ange­se­hen habe, liegt an der Band, der Jür­gen Vogel vor­steht: Es han­delt sich um die Grand-Hotel-van-Cleef-All­star-Kapel­le Han­sen Band mit Mar­cus Wie­busch (kett­car) und Thees Uhl­mann (Tom­te) an den Gitar­ren, Felix Geb­hardt (Home Of The Lame) am Bass und Max Mar­tin Schrö­der (Tom­te, Olli Schulz & der Hund Marie, Der Hund Marie) am Schlag­zeug. Jür­gen Vogel singt (sehr schön, das muss man ihm las­sen) die Lie­der, die ihm sei­ne Back­ing Band geschrie­ben hat, und das Album der Han­sen Band ist nach wie vor zu emp­feh­len.

Lei­der ist „Kei­ne Lie­der über Lie­be“ weder „This Is Spi­nal Tap“ noch „Almost Famous“ und so die­nen Musik und Band allen­falls als Hin­ter­grund für eine melo­dra­ma­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te, die von den Betei­lig­ten zwar gut vor­ge­tra­gen wird (der gan­ze Film ist impro­vi­siert), aber trotz­dem nicht so recht über 101 Minu­ten tra­gen will.

Wer also „Kei­ne Lie­der über Lie­be“ noch nie gese­hen hat, kann ihn sich heu­te Abend um 22:45 Uhr im ZDF anse­hen. Ich bin ganz froh, dass ich schon was bes­se­res vor­hab.

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„Hoffentlich sieht das keiner!“ [Teil 2]

Wo wir schon gera­de dabei sind, über die Pro­gramm­pla­nung des ZDFs zu mot­zen: Ein Schick­sal, das dem von Char­lot­te Roche und Gert Sco­bel nicht unähn­lich ist, wider­fährt der aus­ge­zeich­ne­ten Fern­seh­se­rie „Vero­ni­ca Mars“ im Zwei­ten nun schon seit über einem Jahr. Ursprüng­lich am Sams­tag Nach­mit­tag um 14 Uhr gestar­tet, wer­den die Geschich­ten der High­school-Schü­le­rin und Hilfs­de­tek­ti­vin mitt­ler­wei­le in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag ver­sen­det – dann also, wenn das Ziel­pu­bli­kum bestimmt kei­ne Zeit für öffent­lich-recht­li­ches Fern­se­hen hat, weil es den Wochen­end­por­no auf Kabel 1 gucken muss.

War­um es scha­de ist um „Vero­ni­ca Mars“? Weil die Serie – man kann sie wahl­wei­se als „O.C. Cali­for­nia Delu­xe“ oder „Twin Peaks Light“ ver­fol­gen – neben einer groß­ar­tig kon­stru­ier­ten Haupt­hand­lung, in der Vero­ni­ca ver­sucht, den Mord an ihrer bes­ten Freun­din auf­zu­klä­ren und nach ihrer ver­schwun­de­nen Mut­ter sucht (ist viel span­nen­der, als es klingt), immer wie­der mit klei­nen Neben­schau­plät­zen ver­blüfft, die eben­so kom­plex und cle­ver auf­ge­baut wer­den wie die eigent­li­che Geschich­te. Weil die auf­wen­dig ent­wor­fe­nen und durch­gän­gig her­vor­ra­gend besetz­ten Cha­rak­te­re über die häu­fig übli­chen drei Eigen­schaf­ten pro Per­son hin­aus­ge­hen, sehr rea­lis­tisch gezeich­net wer­den und ein glaub­haf­tes Bild von ame­ri­ka­ni­schen (Nobel-)Highschools ver­mit­teln. Weil gera­de der spie­le­ri­sche Umgang zwi­schen Vero­ni­ca (Kris­ten Bell) und ihrem Vater Keith (Enri­co Colan­to­ni) durch tro­cke­nen, schlag­fer­ti­gen Humor besticht. Und weil die Serie nicht zuletzt in ihren Film-Noir-infor­mier­ten Rück­blen­den immer wie­der mit visu­el­ler Bril­lanz über­rascht.

Im ZDF steckt die Serie der­zeit in der Mit­te der zwei­ten Staf­fel, was Quer­ein­stei­gern den Zugang zusätz­lich erschwe­ren dürf­te. Eigent­lich ist „Vero­ni­ca Mars“ aber ohne­hin eine klas­si­sche DVD-Serie, wes­halb eher dazu gera­ten sei, die zwei bis­her (nur als Regi­on-1-DVDs) erschie­nen Staf­feln über amazon.co.uk zu impor­tie­ren. Das dann aber drin­gend.

[Zur Ver­tei­di­gung des ZDFs sei fai­rer­wei­se gesagt, dass die Serie auch in den USA trotz sehr guter Kri­ti­ken (bei Pop­mat­ters wur­de sie bspw. zur TV-Show des Jah­res 2006 gewähtl) nur wenig Anklang fand und vor weni­gen Wochen nach drei Staf­feln been­det wur­de. „Vero­ni­ca Mars“-Erfinder Rob Tho­mas denkt nun dar­über nach, die Geschich­te als Kino­film und/​oder Comic wei­ter zu erzäh­len.]

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The Geek (Must Be Destroyed)

Uni-Semi­na­re über Mas­sen­kul­tur haben den Vor­teil, dass man sich „im Auf­trag der Wis­sen­schaft“ Fern­seh­se­ri­en anschau­en kann, deren Kennt­nis man ansons­ten vehe­ment abstrei­ten wür­de. Ich habe also die ers­te Fol­ge von „Das Model und der Freak“ gese­hen und geriet dar­über in eine schwe­re Grü­be­lei.

Das Kon­zept der Serie lau­tet: Zwei mir völ­lig unbe­kann­te Models (Gott­sei­dank, es ist Pro­Sie­ben, da kön­nen es kei­ne „Top­mo­dels“ sein, denn das sind die Sie­ger von Hei­di Klums Cas­ting Show) sol­len zwei „Freaks“ in „Top­män­ner“ ver­wan­deln. „Freaks“, das sind in der Welt von Pro­Sie­ben Leu­te, die Ten­nis­so­cken, alte Sweat­shirts und unmo­di­sche Fri­su­ren tra­gen, an Com­pu­tern her­um­schrau­ben und viel­leicht auch noch bei ihrer Mut­ti woh­nen. Vor weni­gen Jah­ren, vor dem Sie­ges­zug der Metro­se­xua­li­tät, hät­te man sie schlicht „Män­ner“ genannt.

Die­se Män­ner, die der Off-Spre­cher mit ekel­er­re­gen­der Pene­tranz als „Freaks“ bezeich­net, wer­den zunächst ein biss­chen öffent­lich vor­ge­führt, dann machen die Models mit ihnen ein „Selbst­be­wusst­seins­trai­ning“, das jeder Hei­zungs­mon­teur glaub­wür­di­ger hin­be­kom­men hät­te, und schließ­lich wer­den sie „umge­stylt“.

Zuge­ge­ben: Nach ihren Fri­seur­be­su­chen sahen die bei­den Kan­di­da­ten wirk­lich deut­lich anspre­chen­der aus und wirk­ten auch gleich ganz anders – eine Sze­ne, die mich doch dar­über nach­den­ken ließ, mein Gestrub­bel auch mal wie­der von denen rich­ten zu las­sen, die das kön­nen, was nur Fri­seu­re kön­nen. Mög­li­cher­wei­se war das, was man bei Tobi­as (21) und Tho­mas (27) sah, sogar ech­te Selbst­si­cher­heit, die da plötz­lich auf­keim­te. Ich wür­de es ihnen wün­schen, denn die bei­den wirk­ten sehr sym­pa­thisch (und auch am Ende noch recht natür­lich).

Zuvor hat­ten die bei­den aber mehr­fach mei­nen Beschüt­zer­instinkt geweckt und in mir das Bedürf­nis auf­kom­men las­sen, den Zynis­mus die­ser bun­ten Fern­seh­welt zu gei­ßeln. Was für eine „Moral“ soll das denn bit­te­schön sein, wenn jun­ge Fern­seh­zu­schau­er, die gesell­schaft­lich aus was für Grün­den auch immer außen ste­hen und die wir „Nerds“, „Geeks“ oder „Infor­ma­ti­ker“ nen­nen wol­len (Pro­Sie­ben nennt sie bekannt­lich „Freaks“), ver­mit­telt bekom­men, man müs­se sich nur auf Kos­ten eines Fern­seh­sen­ders ein biss­chen her­aus­put­zen las­sen und schon lernt man die Frau fürs Leben ken­nen oder kann end­lich von Mut­ti weg­zie­hen?

Da mache ich ger­ne mal einen auf Evan­ge­li­sche Lan­des­kir­che, oder wie haupt­be­ruf­li­che Beden­ken­trä­ger sonst hei­ßen, und stel­le ein paar Voka­beln zur Selbst­mon­ta­ge einer laut­star­ken Empö­rung zur Ver­fü­gung: „zynisch“, „men­schen­ver­ach­tend“, „ober­fläch­lich“, „inne­re Wer­te“, „mate­ria­lis­ti­sche Gesell­schaft“, „geschmack­los“, „Gleich­schal­tung“, „öffent­li­che Zur­schau­stel­lung“, …

Im Ernst: Ich weiß nicht, was ich von die­ser Sen­dung hal­ten soll. Wenn sich die Kan­di­da­ten am Ende wirk­lich wohl in ihrer Haut und den frem­den Kla­mot­ten füh­len, war es für sie viel­leicht ein Erfolg. Ande­rer­seits besteht die Gefahr, dass man auch auf die optisch gere­launch­ten Män­ner zei­gen wird, wenn man sie in der Stadt erblickt, und sagen wird: „Mut­ti, sieh mal: Da ist der Freak aus dem Fern­se­hen!“ Die Auf­ma­chung der Sen­dung ist mit „grenz­wer­tig“ ganz gut cha­rak­te­ri­siert und das (nicht mal neue) Kon­zept dahin­ter viel zu schwarz/​weiß.

Ich bin jetzt Wir-Sind-Hel­den-Hören: „The geek shall inhe­rit the earth“.

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Jenseits von Eden

Ges­tern war also die zwei­te pl0gbar in Bochum und wenn ich eines gelernt habe, dann dass man hin­ter­her dar­über blog­gen soll­te. Zum Bei­spiel, um sich selbst und den ande­ren noch mal zu ver­si­chern, was für ein net­ter Abend es war (war es wirk­lich), und um nie­der­zu­schrei­ben, wie die The­men lau­te­ten, über die man gespro­chen hat­te: Die gol­de­ne Fleisch­wurst der Fie­ge-Braue­rei, diver­se Auf­trit­te Anwe­sen­der in den sog. „alten Medi­en“ (ich hab mal lie­ber nicht erzählt, dass ich mal bei einer Auf­zeich­nung der Vox-Sen­dung „Koch­du­ell“ zuge­gen und auch groß im Bild war), die schöns­ten Lie­der bei „Sing­star“, sowie die Viva-Mode­ra­to­rin Gül­can Karahan­ci, die man lie­ber nicht in der Nähe einer Fle­der­maus­ko­lo­nie spre­chen las­sen soll­te, die aber bald einen Fern­se­her hei­ra­tet (oder irgend­wie sowas).

Neben die­sem The­men-Pot­pour­ri wur­de auch immer wie­der kurz über die mög­li­che Orga­ni­sa­ti­on eines sog. „Bar­camps“ in Bochum gespro­chen, aber was das genau ist, hab ich auch nach län­ge­ren Erklä­rungs­ver­su­chen noch nicht ganz ver­stan­den. Klang aber ein biss­chen wie eine Mischung aus Infor­ma­tik­un­ter­richt und Kir­chen­tag. Gesun­gen wur­de ges­tern schon – aber nur am Neben­tisch.

Und hier noch die Nach­klapps bei die stän­di­ge Rei­se, Pott­blog, Tales from the Mac Hell und Ich den­ke nicht….

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Fernsehen Rundfunk Politik

Acht- und Sachgeschichten

Ich glaub, ich ver­bring die nächs­ten Tage aus­schließ­lich mit Phoe­nix-Gucken. Das Pro­gramm, das die aus Hei­li­gen­damm sen­den, muss man sich so vor­stel­len, wie wenn ARD und ZDF letz­tes Jahr rund um die Uhr von der Fuß­ball-WM berich­tet hät­ten, aber die Kame­ras nach den Natio­nal­hym­nen hät­ten abschal­ten müs­sen.

Dafür gibt es die gan­ze Zeit Gesprä­che mit Exper­ten, die man sonst nie ken­nen­ge­lernt hät­te – vor­hin zum Bei­spiel mit dem Kli­ma­for­scher Mojib Latif. Zwi­schen­durch wird an die Front geschal­tet, wo Anwoh­ner vor­ge­stellt wer­den, die die Demons­tran­ten mit Kaf­fee ver­sor­gen, dann wer­den direkt hin­ter dem Mode­ra­tor Green­peace-Boo­te auf­ge­bracht. Wann bekommt man schon Welt­po­li­tik, Lokal­kollorit und Action gleich­zei­tig gebo­ten?

Ich hät­te mir aller­dings gewünscht, dass bei den Über­tra­gun­gen auch Lip­pen­le­ser zur Ver­fü­gung ste­hen. Zu gern hät­te ich erfah­ren, wor­über Nico­las Sar­ko­zy, Tony Blair, Wla­di­mir Putin und Geor­ge W. Bush mit Ange­la Mer­kel gescherzt haben. Über­haupt: Von Bush gab es heu­te Mor­gen eine sehr schö­ne Sze­ne, wie er mal wie­der die Bun­des­kanz­le­rin anflir­te­te.

Ich könn­te mir die­ses Geplän­kel stun­den­lang angu­cken. Und solan­ge die Staats- und Regie­rungs­chefs sich beneh­men wie Teen­ager auf Klas­sen­fahrt, kön­nen sie auch kei­ne poli­ti­schen Fehl­ent­schei­dun­gen tref­fen.

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Rundfunk Leben Fernsehen

Hat man beim WDR etwas gegen Veronica Ferres?

Ich habe seit Mon­tag im WDR zwei Doku­men­ta­tio­nen über Jörg Immendorff gese­hen, die zwar teil­wei­se aus dem glei­chen Mate­ri­al bestan­den, aber eben doch zwei ver­schie­de­ne Fil­me waren.

In bei­den Fil­men waren Aus­schnit­te von öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen zu sehen (die Eröff­nung der Retro­spek­ti­ve in der Neu­en Natio­nal­ga­le­rie 2005 und die Über­ga­be des Kanz­ler­por­träts im Früh­jahr 2007), bei denen neben Immendorff jeweils Ger­hard Schrö­der und Vero­ni­ca Fer­res zuge­gen waren. Und, unge­lo­gen: Jedes mal, wenn Frau Fer­res im Bild war, sag­te die Spre­che­rin gera­de etwas von „Nutz­nie­ßern“, „Bus­si-Bus­si-Gesell­schaft“ und Leu­ten, die Immendorff am Ende „zuwi­der“ gewe­sen sei­en. Das kann doch kein Zufall mehr sein, oder?