Liebes Gehirn,
warum fällt Dir eigentlich erst ein, dass ich noch eine Papierserviette in der Jackentasche hatte, wenn ich die Wäsche aus der Maschine hole?
Ich erwarte eine Erklärung.
Sincerely Yours, Lukas
Liebes Gehirn,
warum fällt Dir eigentlich erst ein, dass ich noch eine Papierserviette in der Jackentasche hatte, wenn ich die Wäsche aus der Maschine hole?
Ich erwarte eine Erklärung.
Sincerely Yours, Lukas

Stephen Colbert will an der Wahl zum US-Präsidenten im kommenden Jahr teilnehmen – wenn auch nur in South Carolina. Und vielleicht meint er es damit ernster, als man denken könnte, erzählt die „New York Times“. Lustiger als der Robin-Williams-Film „Man Of The Year“ zum gleichen Thema ist die Aktion schon jetzt.
Der „San Francisco Chronicle“ berichtet über Hitlers Globus, der 62 Jahre nach Kriegsende in Oakland aufgetaucht ist und im November versteigert werden soll.
cracked.com stellt die 20 schlimmsten Reime der Popmusikgeschichte vor. Those lucky Americans: Es ist kein „Herz“ / „Schmerz“ dabei. Dafür werden Sie über den „Sieger“ überrascht sein.
Das Wichtigste zum Schluss: Vanessa Hudgens wurde von Disney gefeuert. Oder auch nicht. Oder doch. Oder auch nicht.
Mary-Kate Olsen spielt in der dritten Staffel der großartigen TV-Serie „Weeds“ mit. Ihre erste große Szene kann man sich hier ansehen.
Speaking of which: Ich habe mir am Samstag allen Ernstes beide Teile von „High School Musical“ auf Pro Sieben angesehen, um diese popkulturelle Bildungslücke zu schließen. Ob ich darüber jemals mehr als diese Zeilen hier tippen werde, weiß ich aber noch nicht.
Entgegen meiner gestrigen Behauptung wird das Wetter offenbar doch nicht vom Spielplan der Fußballbundesliga bestimmt, sondern vom Tourkalender britischer Rockbands. Denn kaum hatte ich gestern Mittag zur Einstimmung auf das abendliche Travis-Konzert Musik meiner schottischen Lieblinge aufgelegt, öffnete Petrus auch schon alle Schleusen und zwang mich, zur U‑Bahn zu waten.
In Köln-Mülheim angekommen, hatte sich das Wetter wieder beruhigt, aber im E‑Werk erwarteten mich die nächsten Schocks – oder Schöcke? Jedenfalls war der Laden um zwanzig vor Acht gerade mal mit geschätzten zweihundert Leuten gefüllt und überall hingen riesige Werbebanner von WDR 2. „Neeeeeeiiiin!“, schrie ich, „ich bin doch noch viel zu jung! Ich will nicht auf Konzerte, die von diesem Eltern-Sender präsentiert werden, gehen!“ Später sah ich, dass die Soundmischer das Konzert mitschnitten – und sollte WDR 2 es schaffen, das komplette Konzert auszustrahlen, wäre ich sogar mit den Bannern und dem Gefühl des Altseins versöhnt.1
Vorband waren The Taste aus München, eine Art White Stripes mit umgekehrter Geschlechterverteilung. Das war ganz nett und kurzweilig und weil die Dame und der Herr jedes Lied namentlich ankündigten weiß ich jetzt, dass nahezu alle The-Taste-Songs ein „you“ im Titel haben. Öhm, das klingt jetzt nicht sonderlich positiv, aber stellen Sie sich mal vor, wie sie auf noch so gute Bands reagieren würden, die Ihre Lieblingsband supporten müssten. Da guckt man halt immer auf die Uhr.
Auf die Uhr geguckt wurde auch von offizieller Seite sehr exakt (WDR-2-Konzert halt): 19:59 Uhr Vorband, 21:00 Uhr Licht aus für Travis. Wie man es schon aus diesem Mitschnitt kennt, erklang zunächst die Hymne von 20th Century Fox, ehe die Band in Bademäntel gehüllt zum „Rocky Theme“ in die Halle einzog. Durchs Publikum, das inzwischen glücklicherweise doch noch ein bisschen angewachsen war. Fran Healy sieht von nahem sehr viel kleiner, bärtiger und grauer aus als auf der Bühne, aber er hat sehr wache Augen und einen festen Händedruck.
Als die vier Schotten und ihr schwedischer Tour-Keyboarder die Bühne erklommen hatten, schmissen sie sich mit Schmackes in „Selfish Jean“, wobei Fran Healy während des ganzen Konzertes eines der T‑Shirts trug, die sich Demetri Martin im Video zum Song vom Körper schält. Ohne ausufernde Ansagen, die Fran noch auf vergangenen Touren gemacht hatte, sprang die Band von Song zu Song und damit kreuz und quer durch die eigene Geschichte. Noch auf keiner Tour nach 2000 haben Travis so viele Songs von ihrem Debütalbum gespielt („Good Day To Die“, „The Line Is Fine“, „Good Feeling“ und „All I Want To Do Is Rock“), noch nie standen alte und neue Songs derart Schulter an Schulter. Was beim Hören der verschiedenen Alben mitunter nur schwer vorstellbar ist, wurde live völlig klar: Diese Songs stammen alle von der selben Band und sie sind auch alle Kinder gleichen Geistes.
Zwar spielte die Band jede Menge Singles, aber das Konzert wirkte dennoch nicht wie eine Greatest-Hits-Show. Dafür fehlten die Nicht-Album-Singles „Coming Around“ und „Walking In The Sun“, aber auch „Re-Offender“ von „12 Memories“. Überhaupt gab’s vom ungeliebten „dunklen“ Album gerade mal zwei Songs zu hören: „The Beautiful Occupation“ und das luftige „Love Will Come Through“. Was aber noch viel merkwürdiger war: Es gab auch gerade mal vier Songs vom aktuellen Album „The Boy With No Name“. Kein „Colder“, kein „Battleships“, kein „Big Chair“.
Die Sieger im Set hießen also „The Man Who“ (5 von 11 Songs, nur „Blue Flashing Light“ fehlte zur vollen Glückseligkeit) und „The Invisible Band“ (5 von 12 Songs, davon „Flowers In The Window“ in einer wunderbaren Akustikversion, bei der die ganze Band sang). Die Reaktionen im Publikum machten deutlich, dass es sich bei den Beiden in der Tat um die Lieblingsalben der meisten Fans handeln muss.
Obwohl das Set also etwas merkwürdig aussah und mindestens zwei Songs (für mich „Blue Flashing Light“ und „Colder“) zu wünschen übrig ließ, war es ein tolles Konzert, denn die Band hatte sichtlich Spaß bei dem, was sie da tat, und diese Freude übertrug sich auf das Publikum. Als letzten Song im Zugabenblock gab es dann natürlich „Why Does It Always Rain On Me?“, das Lied, das für Travis das ist, was „Creep“ für Radiohead, „Loser“ für Beck und „Wonderwall“ für Oasis ist: Das Lied, das jeder kennt, auch wenn er sonst nichts von der Band kennt. Aber Travis schaffen es, mit diesem Hit würdevoll umzugehen und wenn das Publikum erst mal hüpft wie eine Kolonie juveniler Frösche, ist die kommerzielle Bedeutung des Lieds eh egal. Und weil Fran den Song beim ersten Mal falsch zu Ende gebracht hatte („This doesn’t happen that often because usually I’m perfect“), gab’s das Finale dann ein zweites Mal.
Das nächste Mal wollen Travis nicht wieder vier Jahre auf sich warten lassen. Im Dezember geht’s ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen.
1 Ja, ich glaube, das war eine Aufforderung.
Und hier noch die Setlist für die Jäger und Sammler:
Was passiert, wenn Grafiker die richtigen Drogen nehmen, zeigt das US-Magazin „Radar“ mit seinem aktuellen Titelbild:

Wie bei jeder Parodie gilt natürlich auch hier: Es hilft, das Original zu kennen …
[via The Filter]
Heute ist es kalt. Das erfuhr ich im Supermarkt. Zwar würde ich persönlich 15°C Mitte Oktober als nicht wirklich kalt bezeichnen, aber es ist immerhin knappe zehn Grad kälter als am Wochenende.
Viel wichtiger ist aber, dass ich dort auch erfuhr, warum es jetzt kalt ist/wird: Das liegt daran, dass Bochum am Samstag gegen Bayern spielt. Auch in den letzten Jahren sei es da immer kalt gewesen, erklärte die Kassiererin der Frau am Bäckereitresen.
Wie das Spiel ausgehen wird, habe ich leider nicht erfahren.
Warum sollte es auf meiner Festplatte anders aussehen als in meinem Zimmer? Ich war grad auf der Suche nach etwas völlig anderem, als ich über eine Textdatei stolperte, die meine Aufmerksamkeit erregte. Sie ist ziemlich exakt sechs Jahre alt und mit „drama.txt“ betitelt.
Da ich „drama.txt“ für ein äußerst interessantes zeithistorisches Dokument halte, möchte ich den Inhalt hier gerne in vollem Umfang und unverändert wiedergeben:
Der Marsch der Institutionen – ein Drama in einem Akt.
Alle Namen sind frei erfunden.
Personen: Frau Händel, Lehrerin; Karl, Schüler; Herr Lingen, Schulleiter; etwa zwei dutzend Schüler
Bühne: Ein schlichter Klassenraum. Wichtig sind das Pult, eine Tür und ein stilisierter Kreml-Turm auf einem Schülertisch.Die Schüler sitzen umher und reden. Offenbar sollen sie gleich eine Klausur schreiben. Die Lehrerin fehlt noch.
Manfred: Wenn die wirklich die gleiche Klausur nimmt, dann werde ich wahnsinnig.
Ludwig: So doof wird die kaum sein!
Torben: Gib mir noch mal den Text von Friedrich!Die Tür geht auf, Frau Händel tritt ein. Sie trägt eine übertriebene Perücke und eine große Tasche.
Frau Händel: Hallo Kinder! Hier ist eure Klausur!
Frau Händel teilt ein Papier aus. Die Schüler blicken ungläubig darauf und beginnen dann, laut zu lachen.
Torben: Toll! Und jetzt hab ich das nicht gelesen!
Frau Händel: Was haben Sie nicht gelesen?
Torben: Äh, die Zusammenfassung der stilistischen Mittel, genau!Frau Händel geht nach vorne. Karl meldet sich.
Frau Händel: Ja, Karl?
Karl: Ihnen ist klar, dass sie diese Klausur letztes Jahr im Grundkurs schon einmal geschrieben haben?!?
Frau Händel: (strahlt) Ja!
Karl: Ihnen ist klar, dass wir Kontakt zu den Schülern dieses Grundkurses haben?!?
Frau Händel: (strahlt) Ja!
Karl: Ihnen ist klar, dass einige von uns Zugang zu dieser Klausur hatten?
Frau Händel: (strahlt) Ja, aber schreiben Sie erstmal so gut, wie die im letzten Jahr!Die Schüler gucken ungläubig, einige lachen. Karl steht auf und verlässt den Klassenraum.
Torben: Das meinte ich nämlich! Ich habe die Klausur nicht gelesen und jetzt haben die anderen einen Vorteil.
Frau Händel: (murmelt etwas in einer fremden Sprache)Die Schüler machen sich an die Arbeit und lesen den Text.
Frau Händel: Nicht, dass ihr das Bild interpretiert! Den hab ich nur auf das Blatt kopiert, damit ihr weißt, wie das damals aussah!
Ludwig lässt seinen Kopf neben dem Kremlturm aufs Pult krachen, ehe er das Blatt in zwei Hälften (die eine mit dem Text, die andere mit dem Bild) reißt. Die Tür geht auf, Karl und Herr Lingen betreten die Szene.
Herr Lingen: Frau Händel, kommen Sie mal bitte eben raus?
Frau Händel: (steht auf) Ja, was ist denn?
Herr Lingen: (zu den Schülern) Kann ich mich darauf verlassen, dass Sie hier still weiterarbeiten?Die Schüler murmeln ein „Ja“, Herr Lingen und Frau Händel treten vor die Tür. Die Schüler murmeln los.
Bert: Ist das ein fünfhebiger Jambus? Ist das ein fünfhebiger Jambus?!?
Ludwig: Ja, halt die Klappe![Anmerkung: hierbei muss deutlich werden, dass es sich natürlich um keinen fünfhebigen Jambus handelt, evtl. trägt Bert ein Affenkostüm o.ä.]
Die Tür wird kurz geöffnet, die Schüler verstummen, die Tür wird wieder geschlossen. Ludwig dreht sich begeistert zu Karl um und streckt ihm beide Daumen entgegen. Karl sitz an seinem blanken Pult. Die Tür öffnet sich erneut, Frau Händel kehrt etwas wacklig zu ihrem Pult zurück, Herr Lingen wendet sich an die Klasse.
Herr Lingen: Also, Sie müssen jetzt über das Thema schreiben, Sie können dann nachher Einspruch einlegen! (ab)
Karl, Ludwig und einige andere Schüler schütteln den Kopf. Frau Händel sagt kein Wort.
Lesen Sie nächste Woche: Meinen Dramenzyklus „Sturmfrei“ (bestehend aus „Türen“, „Sitzgruppe“ und „Türen 2“), sowie meine „Ämter“-Trilogie (bestehend aus dem Singspiel „Kreiswehrersatzamt“, dem klassischen Drama „Finanzamt“ und dem absurden Fragment „Arbeitsamt“).
Ja, ja, das neue Radiohead-Album. Jetzt ist es also bald eine Woche draußen und fast alle haben darüber geschrieben: der „NME“, der „Rolling Stone“, „Pitchfork Media“, aber auch bei laut.de, alternativenation.de war man schnell mit den Besprechungen, intro.de hatte immerhin ein Forum zum Sammeln der ersten Höreindrücke eingerichtet.
Die Rezension bei „Spiegel Online“ vereint mal wieder alles, was ich am Musikjournalismus nicht ausstehen kann:
Dabei ist „In Rainbows“ kein Enigma, kein Vexierbild und keine Kippfigur, sondern die zugänglichste Platte, die Radiohead seit „OK Computer“ veröffentlicht haben. Wer hier noch ernsthaft von „sperrig“ spricht, verdient 48 Stunden Dauerbeschallung mit Muse und Placebo, angekettet.
Und bei „Plattentests Online“ erklärt man via Newsletter, warum es auch fünf Tage nach der Veröffentlichung des Albums im Internet noch keine Rezension in diesem Internet-Medium gibt:
Einen halben Tag, teils sogar nur wenige Stunden nach dem Download-Start veröffentlichten einige Online-Magazine stolz ihre Rezensionen und fühlten sich als Sieger, nur weil sie die ersten waren. Sie hatten das Album zwei‑, vielleicht dreimal unter Zeitdruck gehört. Und sie sehen das als Grundlage, den Wert eines Albums zu beurteilen, das jeden Hörer über Monate herausfordern, beschäftigen und in neue Zweifel stürzen wird.
Wir möchten jetzt niemanden dissen oder über Kollegen herziehen, aber unter Seriosität verstehen wir was anderes. Und unterwerfen uns mit http://www.plattentests.de/ nicht diesem von falschen Geltungsdrang getriebenen Wettbewerb. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir Euch locker nach fünf Stunden – oder wenigstens jetzt, nach fünf Tagen – eine Rezension raushauen können. Und natürlich ist auch unsere Vergangenheit nicht frei von überstürzten, zu voreiligen Rezensionen. Doch gerade ein Radiohead-Album braucht mehr Zeit, um sich zu entfalten, weswegen wir Euch aufs nächste Update vertrösten müssen
Und was sag ich?
Ich finde nach wie vor, dass das Album gut ist, aber es ist wie mit so manchem „guten“ Buch oder so manchem „guten“ Wein: Ich erkenne, dass das Werk von einer hohen Qualität sein muss, aber es sagt mir persönlich nichts. Wie alle anderen Radiohead-Alben nach „Kid A“ auch, lässt mich „In Rainbows“ weitgehend kalt. Ich habe nicht das Gefühl, dass es meinem Leben oder dem Gesamtwerk der Band irgendetwas hinzufügt, und ob ich es höre oder nicht, macht für mich keinen Unterschied. Mit „15 Step“ kann ich ebenso wenig anfangen wie mit Thom Yorkes Soloalbum und von den zehn Songs ist „Videotape“ der einzige, der mich persönlich anspricht.
Und damit stehe ich vor einem Dilemma, denn es scheint fast, als müsse man „In Rainbows“ unbedingt in den Himmel loben. Schreiben, es sei das zugänglichste Album seit „OK Computer“ („In Rainbows“ ist zugänglich, aber „OK Computer“ ist für mich zum Beispiel so zugänglich wie Haruki-Murakami-Bücher, also: gar nicht). Erzählen, dass man Frau und Kinder verlassen habe, um sich ganz der Rezeption dieses Albums zu widmen.
Radiohead stehen – wie sonst eigentlich nur R.E.M., Bob Dylan, Johnny Cash und Joni Mitchell – eh schon über allem, mit der Veröffentlichungstaktik ihres neuen Albums scheinen sie sich völlig unangreifbar gemacht zu haben. Oder zumindest scheinen die Leute zu denken, dass Radiohead jetzt unangreifbar sind. Ich wüsste gerne, wie viele Musikjournalisten verzweifelt vor ihrem Computer saßen und dachten: „Aha. Und?“. Und dann schrieben sie, es sei ein Meilenstein, ein Meisterwerk, die Musikwerdung des Herrn.
Ich habe so viele CDs im Regal, so viele MP3s auf dem Computer, da höre ich lieber Musik, die mich anspricht, die mir persönlich etwas „gibt“. Und überlasse „In Rainbows“ denen, die auch sonst zu Architektur tanzen.
Was ist denn hier beim „Spiegel“ los?

Die Wahrheit ist – wie so oft – noch alberner …
Lange nichts mehr von der Bundesregierung gehört, was? Um daran zu erinnern, dass es immer noch eine gibt, hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen der überraschten Weltöffentlichkeit einen neuen Vorschlag unterbreitet: Kinder und Jugendliche sollten als „verdeckte Ermittler“ in Geschäften ausprobieren, ob man ihnen Alkohol, Zigaretten oder „Gewaltvideos“ verkaufen würde.
Das Ziel der Aktion ist klar und durchaus begrüßenswert: Es geht um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Auch wenn ich persönlich nichts gegen Alkohol und Spielfilme habe („Killerspiele“ stehen sicher auch auf der Liste), so gibt es für all das doch bestimmte Altersgrenzen. Und auch wenn diese oft beliebig erscheinen („Mama, warum darf ich heute noch kein Bier trinken, morgen aber schon?“ – „Weil der Alkohol ab dem 16. Jahrestag Deiner Geburt weniger schädlich ist, mein Kind!“), ist ihre Einhaltung schon eine okaye Sache. Meinetwegen sollen mich die Kassiererinnen auch mit 24 noch nach meinem Ausweis fragen, wenn ich Bier kaufen will – nur wenn die bärtigen 15-Jährigen nach mir ohne Probleme ihre Spirituosen kaufen können, werde ich etwas ungehalten.
Von der Leyens Vorschlag aber ist aus mehreren Gründen schwierig: Erstens würden die Kinder die Händler direkt zu einer Straftat anstiften, da sie ohne echte Kaufabsicht an die Kasse gehen. Klar, die Händler dürfen nicht an an zu junge Personen verkaufen, wenn sie es doch tun sind sie im Prinzip „selbst schuld“. Aber ich sehe zumindest einen moralischen Unterschied zwischen einem Gesetzesverstoß und einem provozierten Gesetzesverstoß. Das ist ja, als ob einen Zivilpolizisten nachts auf einer entlegenen Straße verfolgen, bedrängen und einen anschließend wegen Geschwindigkeitsüberschreitung anhalten.
Viel schwerer wiegt aber, dass der Vorschlag bestens ins Gesamtbild der Bundesregierung passt, im Land ein Klima der Angst zu schüren. Überall wird man von Videokameras überwacht, der Bundesinnenminister will wissen, wann man wie lange mit wem telefoniert hat, und bald soll man nicht mal mehr Kindern trauen können? Die Vollendung des Überwachungsstaates stünde kurz bevor.
Und was, wenn Kinder erstmal erfolgreich Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz aufdecken? Was, wenn dann der nächste Politiker vorschlägt, man könnte Kinder doch auch als „Lockvögel“ im Kampf gegen Kinderpornographie einsetzen? Das diente doch auch der „guten Sache“ …
Noch was:
Wer einem Minderjährigen in Zukunft Schnaps, Zigaretten oder ein Gewaltvideo verkauft, muss danach mit Geldbußen bis zu 50.000 Euro rechnen.
(Quelle: sueddeutsche.de)
Nun ist es generell möglich, dass die Formulierung „in Zukunft“ irgendwie von den Agenturen in die Meldung reingedichtet worden ist und nicht aus dem Familienministerium selbst stammt. Wir wollen es hoffen, denn im Jugendschutzgesetz (Abschnitt 6: Ahndung von Verstößen, § 28 Bußgeldvorschriften) steht schon seit längerem:
(5) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro geahndet werden.
Nachtrag 21:59 Uhr: Jens weist in den Kommentaren darauf hin, dass der Vorschlag schon wieder vom Tisch ist. Jetzt „regieren“ die schon schneller als ich bloggen kann …
Vor einem halben Jahr hatte ich mal über die Reihe „Top Of The Blogs“ bei „Spiegel Online“ geschrieben und mich darüber gewundert, dass dort zwar Musiker vorgestellt wurden, die zuvor in Blogs gelobt worden waren, aber kein einziges Blog verlinkt war.
Gerade fiel mir die Geschichte wieder ein und ich wollte mal nachschauen, was diese zukunftsweisende Rubrik eigentlich so macht. Siehe da: Sie ist sang- und klanglos vor fünf Monaten ausgelaufen, nach zehn Episoden.
Am Mittwoch erschien also das neue Radiohead-Album „In Rainbows“ als Download. Angeblich hat die Band schon am ersten Tag 1,2 Millionen Alben zu einem durchschnittlichen Preis von 4£ verkauft – und hätte damit knapp sieben Millionen Euro verdient.
Da es noch kein offizielles Artwork gibt, hat visions.de seine Leser zu einem Malwettbewerb aufgerufen – und kam damit zwei Tage zu spät.
Wie auch immer das mit der Musikindustrie weitergehen mag: „In Rainbows“ und das Drumherum sind schon jetzt etwas ganz besonderes.
P.S.: Das Album ist gut. Vielleicht schreib ich noch mal mehr dazu.
Bei manchen Musikern sind die Interviews, die sie zur Veröffentlichung eines neuen Albums geben, spannender als die Musik selbst. Bei anderen Musikern ist die Musik so toll und einzigartig, dass sie gar nichts mehr zu sagen bräuchten – und manchmal auch gar nichts zu sagen haben.
Diese Erfahrung musste auch Luke Burbank von NPR machen, der Sigur Rós im Studio hatte. Zugegeben: Seine Fragen waren nicht unbedingt die besten (man lernt doch am ersten Tag, dass man keine Fragen stellen soll, auf die man mit „Ja“ oder „Nein“ antworten könnte), aber das, was sich aus diesem „Gespräch“ entwickelt, ist schon ziemlich desaströs und somit unterhaltsam.
Anyway, last Friday the band showed up promptly at 11am (EDT) and commenced to give what is possibly the worst interview in the history of electronic media.
Seriously.
It was that bad.
Zwar bin ich mir nicht sicher, ob Burbanks Einschätzung richtig ist, aber „nicht sonderlich gut“ war das Interview auf alle Fälle.
Und weil NPR so multimedial und zukunftsweisend ist, kann man sich das Radio-Interview nicht nur anhören, sondern auch ansehen. Und das alles hier.