Beiträge vom März, 2008

Kulturhauptstadt 2008

Von Lukas am Sonntag, 30. März 2008 14:51

Ich freue mich sehr, nachtragen zu können, dass Clemens Schönborn, den ich beim “Bergfest” des Adolf-Grimme-Preises in Marl kennengelernt hatte, und der wie ich in Dinslaken aufgewachsen ist, für seinen Film “Der Letzte macht das Licht aus” das Mercedes-Benz-Förderstipendium verliehen bekommen hat. Im Gegensatz zum eigentlichen Grimme-Preis, für den er nominiert war, macht sich dieses auch in barer Münze (oder wie auch immer man die 10.000 Euro ausgehändigt bekommt) bemerkbar. Ich habe den Film leider immer noch nicht gesehen, aber Stefan Niggemeier, dem ich in solchen Dingen durchaus vertraue, fand ihn gut.

Natürlich müssen derlei gute Nachrichten auch von der Lokalpresse sofort weiterverbreitet werden, und so brachte die “Rheinische Post” gestern ein mittelgroßes Porträt.

Er fühlte sich geschmeichelt, auch von der Begründung der Jury: „Jens Schönborn setzt einen Meilenstein auf das selten – viel zu selten – beackerte Terrain der deutschen Arbeiterkomödie.“

Das stimmt so natürlich nicht, denn in der Begründung der Jury heißt Clemens auch weiterhin Clemens und nicht Jens.

Noch ein weiterer Satz ließ mich stocken:

Er besuchte das Theodor-Heuss-Gymnasium, machte dort sein Abitur.

Ich habe Clemens Schönborn jetzt nicht noch mal zum Fact-Checking kontaktiert, aber bei unserer leicht hysterischen “Kennste das und das und den?”-Runde, die ortsfremde Mitglieder unserer kleinen Gesprächsrunde zu besorgtem Stirnrunzeln animiert hatte, hatte er mir eigentlich erzählt, sein Bruder habe (wie ich) das “THG” besucht, er selbst sei auf das damals noch existente Ernst-Barlach-Gymnasium gegangen. Aber ich mag mich irren, das Bier war an jenem Abend kostenlos.

Nicht irren tue ich mich aber, wenn ich abermals die Kulturmetropole Dinslaken ausrufe. Denn von dort kommt nicht nur Deutschlands angesagteste Nachwuchsband, sondern natürlich auch Michael Wendler, der “König des Popschlagers”, dessen neues Album am Freitag erscheinen wird, und in das Sie bereits jetzt “exklusiv” (was auch immer das diesmal wieder heißen mag) bei bild.de reinhören können.

Das nächste Kapitel Dinslakener Kinogeschichte wird übrigens aufgeschlagen, wenn im April “Lauf um Dein Leben” anläuft, ein Film, der vom in Dinslaken geborenen Regisseur Adnan G. Köse zu weiten Teilen in seiner Heimatstadt gedreht wurde.

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Und jetzt sind wir wieder schwierig

Von Lukas am Freitag, 28. März 2008 16:39

Heute erscheint mit “Graceland” die Vorabsingle zu “Sylt”, dem neuen, dritten Album von kettcar. Ich hätte nie gedacht, sowas mal zu schreiben, aber der Song macht nicht gerade Lust auf das Album.

Musikalisch ein stolpernder Rocker ohne echte Struktur und Melodien, wirkt der Text wie der Versuch, sich unbedingt von den eigenen Emo-Texten der Vergangenheit und der Seichtheit der ganzen anderen Deutschrockbands unterscheiden zu wollen. Irgendwie eine Wichsvorlage für Intro, Spex und Visions – wobei deren Leser die Band sicher schon hassen, seit sie auf Platz fünf der deutschen Albumcharts war.

Dafür ist das Video recht hübsch geworden:

Ich werde mir das Album natürlich trotzdem wieder kaufen. Auch wenn ich vielleicht langsam zu alt dafür bin.

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I blog to differ

Von Lukas am Freitag, 28. März 2008 12:16

Da wir ja gerade noch so von Ellen Page geschwärmt hatten: Das Frollein war vor vier Wochen zu Gast bei “Saturday Night Live”, dem Comedy-Dauerbrenner in den USA und Vorbild für “RTL Samstag Nacht”.

Ich habe die Videos natürlich erst jetzt gefunden, möchte Sie Ihnen aber dennoch nicht vorenthalten:

Und als Zugabe wäre da dann noch der Musikgast jener Ausgabe: Wilco!

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Der Saal wird still, die Lichter gehn aus

Von Lukas am Donnerstag, 27. März 2008 14:32

Seien wir ehrlich: Wir Sind Helden sind so ziemlich die langweiligste Band Deutschlands. Zwar wird man hierzulande sowieso kaum eine Band finden, die sich mal schlecht benimmt oder wenigstens mal ein paar Kollegen disst, aber Wir Sind Helden sind immer noch eine Spur netter. Jetzt touren sie sogar schon mit Baby! Und so eine Band will uns gerade fünf Jahre nach dem Durchbruch ihre Geschichte und ihren Touralltag erzählen? Auf 400 Seiten?

Wir Sind Helden sind aber natürlich auch eine der sympathischsten Bands Deutschlands. Selbst als “Brigitte” und “Polylux”, wo sie zu Hochzeiten gefühlt in jeder Sendung porträtiert wurden, Judith Holofernes zur Klassensprecherin der Nation erklären wollten und die Band drohte, zum Soundtracklieferanten von Attac-Demonstrationen zu werden, sorgte das Quartett immer mit genug Selbstironie dafür, dass man sie immer noch mochte. Oder sie hassen musste, weil sonst ausnahmslos alle sie mochten. Diese Wir Sind Helden haben jetzt “Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen” veröffentlicht, eine Sammlung alter Tour- und Studiotagebücher, angereichert mit ganz vielen Zusatzgeschichten und liebevoll kompiliert von den “Musikexpress”-Granden Josef Winkler und Albert Koch.

Wir haben die aktive Legendenbildung in einem frühen Stadium versäumt und müssen nun damit leben: Drei Viertel der Helden haben sich beim, seufz, Sommerkurs einer Musikhochschule kennengelernt.

Nun gut, wer unreflektiert Drogen- und Sexgeschichten geschildert kriegen will, kann ja “Scar Tissue” von Anthony Kiedis lesen, bei Wir Sind Helden gibt es erst mal längere Schilderungen des zaghaften Kennenlernens, die dafür jeder Mensch nachvollziehen kann, der sich mal mit ein paar Freunden und deren Freunden “so zum rumzocken” getroffen hat. Überhaupt: Das Helden-Buch sollte man zur Pflichtlektüre von Nachwuchsmusikern ernennen. Wenn sich die Band euphorisch an die ersten (natürlich ziemlich schlechten) Auftritte erinnert, will man sofort auf die Bühne in egal welchem Jugendzentrum stürmen – und vielleicht sogar in den Proberaum. Wie man nebenher auch noch ohne echtes Management die Angebote von Plattenfirmen ablehnt, die einen “topdown in GSA” “breaken” wollen, kann man sich bei den Helden zumindest abschauen.

Dass das Buch aber trotz ausführlicher Schilderungen von Studioarbeit und Livebetrieb auch noch für Nicht-Insider interessant ist (sein dürfte), ist der eigentliche Verdienst: Im Gegensatz zum vergleichbaren Tomte-Tourtagebuch “Die Schönheit der Chance” hat “Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen” zwar den sperrigeren Titel, erzählt aber sehr viel allgemeinverständlicher und weit weniger pubertär vom Tour-Alltag. Das könnte natürlich auch daran liegen, dass die beiden Bands so grundverschieden sind, wie Thees Uhlmann im Buch noch mal erklären darf. Als Mehrwert hängt dem Buch noch ein Glossar an, in dem von “A&R” über “Nightliner” bis zum sensationell dämlichen Wort “Venue” (“Auftrittsort”) alle Begriffe erklärt werden, die im Musikgeschäft so wichtig sind. Darüber freuen sich sicher auch Musiker, Musikjournalisten und Musikindustrielle, die zwar täglich mit diesen Begriffen hantieren müssen, sich aber nie trauen würden, nach deren Bedeutung zu fragen.

400 Seiten sind recht viel, um darauf knapp sieben Jahre Bandgeschichte zu erzählen. Den Großteil nimmt dabei der Weg bis zum unerwarteten Erfolg des Debütalbums “Die Reklamation” ein, aber das war ja auch eine spannende Zeit und man merkt den klug montierten Erzählungen der Bandmitglieder an, wie unglaublich diese Erfahrungen für sie auch heute noch sein müssen. Man hört das Zweitwerk “Von hier an blind” mit etwas anderen Ohren, wenn man um den Druck weiß, der damals auf den Musikern lastete, und man glaubt es ihnen gerne, wie befreiend es gewesen sein muss, als die Aufmerksamkeit im vergangenen Jahr etwas nachließ.

Am Ende hat man das Gefühl, die Band und ihre Mitglieder wirklich kennengelernt zu haben. Bei der Schonungslosigkeit, mit der eigene Fehler eingestanden und eigene Lügen in der Vergangenheit als solche entlarvt werden, muss dieses Buch einfach der Wahrheit entsprechen. Wenn etwas nervt, dann der wiederholte Hinweis auf die eigene Unkommerzialität: Keine Firmenveranstaltungen, Werbebanner am Konzertort bitte abnehmen – aber dann begeistert annehmen, wenn bei “Rock am Ring”, diesem Marketingfestival mit integriertem Konzertbetrieb, der Headliner abspringt! Wenn die Band sich dann allerdings über die Rezeption am Nürburgring freut, glaubt man ihnen schon fast wieder, dass dort tatsächlich mal für die Länge eines Konzerts keine Hunderttausend Dosenbier-Asis, sondern echte Musikfans auf dem Gelände herumliefen.

Am Ende weiß man: Wir Sind Helden werden nie Rock’n'Roll sein, sind aber grundsympathisch. Sie machen tolle Musik und können sogar Bücher schreiben. Das soll ihnen erst mal einer nachmachen.

Wir Sind Helden – Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen
Fischer Verlag
12,95 Euro

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Somebody’s Baby

Von Lukas am Mittwoch, 26. März 2008 20:42

Das hatte es in den 18 Jahren, seit ich mit “Charlie – Alle Hunde kommen in den Himmel” meinen ersten Kinofilm gesehen hatte, noch nicht gegeben: Ich war alleine im Kino. Und ich meine nicht “ohne Begleitung”, ich meine: alleine, einsam, verlassen. Ich war 100% der Zuschauerschaft. Was doppelt bitter ist, wenn man bedenkt, was für einen tollen Film alle anderen verpasst haben: “Juno”.

Juno ist ein 16jähriges Mädchen, das, als sie aus Neugier ihren besten Freund verführt, prompt schwanger wird. Die Idee einer Abtreibung verwirft sie relativ schnell, was aber schon so ziemlich die einzige Stelle im Film sein dürfte, bei der religiöse Eiferer wohlwollend nicken. Ihr Vater und ihre Stiefmutter haben Junos Erziehung zwar schon länger abgeschrieben, unterstützen sie aber trotzdem aus ganzem Herzen bei der Suche nach Adoptiveltern für das ungeborene Kind. Die sind in Form von Jennifer Garner und Jason Bateman zu perfekt um wahr zu sein, wie sich bald herausstellen wird, aber all das kann Juno nicht mehr groß aus der Bahn werfen.

Zu behaupten, in “Juno” passiere nicht viel, wäre falsch: Zwar ist die Grundkonstellation von ergreifender Schlichtheit, aber so hat sie dann eben doch noch niemand erzählt. Hinzu kommt, das Diablo Cody, eine Ex-Stripperin, die für ihr erstes verfilmtes Drehbuch (eben das zu “Juno”) prompt den Oscar bekommen hat, die plot points ihrer Geschichte ziemlich klug gesetzt hat: Immer dann, wenn man ahnt, was jetzt kommen muss, passiert etwas völlig anderes. Die Dialoge, die sich ausnahmslos alle Figuren um die Ohren hauen, sind geschliffen und triefen nur so vor einer liebenswürdigen Gehässigkeit. Das Ensemble, das diese Dialoge vortragen darf, ist sensationell – selbst Jennifer Garner merkt man kaum an, dass sie überhaupt nicht spielen kann.

Aber wir können nicht über “Juno” reden, ohne Ellen Page zu loben. Ach was: Liebesbekundungen wollen wir ihr schmieden, Heiratsanträge töpfern und ewige Verbundenheit in Marmorblöcke schnitzen. Denn bei allem Verdienst von Drehbuch und Ensemble: “Juno” lebt vor allem von seiner Hauptdarstellerin und deren unglaublicher Natürlichkeit. Wenn man sich Interviews wie dieses hier anhört, bekommt man das Gefühl, das könne vor allem daran liegen, dass die 21jährige Kanadierin und die von ihr verkörperte Juno sich nicht ganz unähnlich sind.

Noch eine weitere Frau soll gelobt sein: Kimya Dawson, Ex-Sängerin der Moldy Peaches, hat wunderbare Songs zum Soundtrack des Films beigesteuert. Es ist ihr sehr zu wünschen, dass sie auch hierzulande endlich mal einen ähnlichen Erfolg hat wie ihr Ex-Bandkollege, der Blödelbarde Adam Green.

Bei all den tollen Frauen geht ein Mann ein wenig unter: Regisseur Jason Reitman, dessen “Thank You For Smoking” schon ziemlich gut war, hat mit “Juno” ein etwas anderes feel good movie geschaffen, das sich Stimmungsmäßig irgendwo bei “The Last Kiss”, “Little Miss Sunshine” und “Garden State” einreiht, vielleicht aber noch besser ist als die drei anderen. Und wenn der Text der deutschen Untertitel (ich hatte das große Glück, den Film im Original mit Untertiteln zu sehen) dem der Synchronfassung entspricht, haben sogar diverse Wortspiele und Popkultur-Anspielungen die Eindeutschung überlebt.

Trailer
Offizielle Website
IMDb

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Wie schon St. Peter Lustig immer sagte

Von Lukas am Mittwoch, 26. März 2008 15:31

Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Osterfest!

Die Karwoche ist immer die Zeit des Jahres, zu der ich katholisch werde. Sonst bin ich nie katholisch, schon gar nicht so getauft, und den Papst und das alles finde ich natürlich sowieso nicht gut. Aber ich mag die Showelemente, die die katholische Kirche dem Protestantismus voraushat1 – ich gehe ja auch auf Robbie-Williams- und Killers-Konzerte – und Show gibt es eben an Palmsonntag und in der Osternacht.

Karfreitag verzichte ich aus mir selbst nicht nachvollziehbaren Gründen2 auf Fleisch und Alkohol. Gleichwohl hätte ich kein Problem damit, wenn jemand vor meinen Augen ein halbes Schwein verspeisen oder ein Fass Wein leeren würde. Ich würde auch am Karfreitag “weg gehen”, gerne auch auf Konzerte. Zuhause wäre dies kein Problem: Außerhalb Bayerns können die Kommunen selbst entscheiden, ob sie das “Tanzverbot”, das an den sogenannten “Stillen Tagen” gilt, aufheben wollen. In Bochum will man das offenbar seit längerem und die reichlich besuchten Gothic- und Metalparties sprechen für eine große Nachfrage.3 In Dinslaken ginge es nicht: Als regiere im Kreis Wesel der Pietcong, sind öffentliche Tanzveranstaltungen, der Betrieb von Spielhallen, Märkte, Sportveranstaltungen und die Vorführung nicht “feiertagsfreier” Kinofilme dort verboten – und zwar schon ab Gründonnerstag, 18 Uhr. Da kann man als Mensch, der an die Trennung von Staat und Kirche glaubt, schon mal nervöse Zuckungen im Gesicht kriegen.

Wenn der Staat Tanzveranstaltungen verbietet und gleichzeitig im Fernsehen Mord und Totschlag stattfinden, kann der Bürger die Plausibilität von staatlichen Regelungen nicht mehr nachvollziehen

sagte deshalb Bischof Gebhard Fürst, meinte das nur völlig anders als ich. Im katholischen Festttagskalender fest verankert ist nämlich seit einiger Zeit die Medienschelte zum Feiertagsprogramm: “Zu brutal, zu lustig, zu wenig familientauglich”, rufen dann der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz oder der Vorsitzende des medienpolitischen Expertenkreises der CDU4 erschüttert aus und werfen die Hände zum Himmel, so wie Pfarrer das in Fünfziger-Jahre-Schwarzweiß-Filmen immer machen, wenn der Satan in Form von Peter Kraus und seiner Rock’n'Roll-Kapelle ins Dorf kommt.

Während der Papst – über den Bernward Loheide von dpa übrigens letzte Woche einen sehr lesenswerten Bericht geschrieben hat – zum Osterfest 2008 so einiges unternahm, um sowohl Juden als auch Moslems vor den Kopf zu stoßen, soll also das deutsche Fernsehen unverfängliche Familienunterhaltung senden für eine Zuschauerschaft, die Ostern sicher nicht vor dem Fernseher, sondern mit der Familie beim Essen oder in der Kirche verbringen wollten? Aha.5

Reflektierter klang da der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der in seiner Osterpredigt Medienkompetenz einforderte, aber gleichzeitig klarstellte, dass jeder die Freiheit habe, sich bestimmte Dinge nicht anzuschauen und abzuschalten. Und das ist ein so weiser Gedanke, dass er auch Carsten Matthäus als Schlusssatz seines sehr lesenswerten Kommentars bei sueddeutsche.de diente. Eben “Abschalten”, wie schon St. Peter Lustig immer sagte.

  1. Streng genommen gibt es den Protestantismus ja unter anderem genau deshalb, weil diese Showelemente wenig mit dem Glauben an sich zu tun haben, aber ich möchte hier weder Martin Luther erklären, noch in längere Religionsphilosophien abdriften. []
  2. I guess that’s why they call it religion. []
  3. “Vier Tage Familienfeier ohne zwischenzeitlichen Ausgang” stehen auf George W. Bushs “Liste mit den Nicht-Folter-Methoden, die wir erproben sollten, falls wir Waterboarding jemals verbieten sollten” ziemlich weit oben. []
  4. Was lustigerweise ausgerechnet Günther Oettinger ist. []
  5. Nickeligkeiten wie die Behauptung, die zwanzigste Wiederholung von “Stirb Langsam” habe mehr Zuschauer gehabt als die Kirchen an Ostern Gottesdienstbesucher, spare ich mir schon aus Faulheit, die tatsächlichen Zahlen herauszusuchen. Außerdem liegt es mir fern, mich über Leute lustig zu machen, die in die Kirche gehen. Ich wäre nämlich auch in der (natürlich katholischen) Kirche gewesen, war aber im Urlaub. []

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Kommunisten bei MySpace?

Von Lukas am Sonntag, 23. März 2008 21:20

Schlimm, schlimm, schlimm: Erst vorletzte Woche sollte sich ein “Bild”-Leserreporter mit “hitler” bei der GEZ anmelden, nun steht der nächste Skandal um die sogenannten Captures vor der Tür:

Coffee-And-TV-Leserreporter Wolfdietrich wollte beim social network MySpace einen neuen “Freund” “hinzufügen”. Zur Bestätigung sollte er eine Buchstabenfolge eingeben, die auf “DKP” endete:

DKP bei MySpace

Gibt es bei dem amerikanischen Internetportal etwa heimliche Unterstützer deutscher Kommunisten?

Der Leser-Reporter: “Ich habe das Fenster sofort weggeklickt. So etwas darf doch nicht passieren!” Jetzt hat er einen Freund weniger.

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Barcamp Ruhr – Der Film

Von Lukas am Freitag, 21. März 2008 1:01

Die Maßeinheit für verspätet vorgetragene Zeitgeistthemen heißt – ich wiederhole mich da gerne – “Polylux”. Allerdings möchte ich zu Gunsten des RBB mal davon ausgehen, dass deren Zeitplan nicht von Hardware-Problemen diktiert wird.

Wie dem auch sei: Das Barcamp Ruhr ist fast schon wieder eine Woche her, es wurde viel darüber geschrieben und das ein oder andere Video ist auch schon länger online. Ich hatte die Wartezeit ja bereits für einen abgeschlossenen Roman über das vergangene Wochenende genutzt, deshalb ist das, was jetzt noch kommt, gewissermaßen meine erste Romanverfilmung – und das bei einem als unverfilmbar geltenden Stoff.

In Wirklichkeit sind es nur ein paar subjektive Impressionen, aber das können Sie ja selbst sehen:


Link: sevenload.com

Nächste Woche dann: Das Hörbuch, das Kochbuch, der Soundtrack und der Fettfrei-Grill zum Event.

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Rock’n'Roll-Kaffeemaschine

Von Lukas am Mittwoch, 19. März 2008 2:16

Rock’n

Kategorie: Rock'n'Roll High School | Kommentare (3)

Teil einer Jugendbewegung

Von Lukas am Montag, 17. März 2008 15:48

Am Wochenende fand – wie bereits erwähnt – das erste Barcamp Ruhr statt. Da das angekündigte Video noch ein wenig auf sich warten lassen wird1, wollte ich das Erlebte vorab schon mal in relativ ungefilterte Worte fassen:

Was genau ein Barcamp ist, wusste ich vor dem Wochenende selbst nicht so genau. Man sagte mir stets, es handele sich um eine “Unkonferenz”, was in etwa so hilfreich ist, wie der Versuch, Quantenphysik mit Hilfe japanischer Vokabeln erklären zu wollen. In Wahrheit ist es ein betont lockeres Zusammentreffen von Menschen, die irgendwas mit Internet zu tun haben. Zu Beginn des jeweiligen Veranstaltungstages stellen die Teilnehmer2 Themen vor, über die sie gerne sprechen würden. Per Handzeichen wird abgestimmt, wie viele Leute sich für das Thema interessieren – daraus ergibt sich dann, in welchem Raum und zu welcher Uhrzeit der Vortrag stattfindet.

“Vortrag” ist im Übrigen falsch. Es handelt sich um sogenannte “Sessions” und deren sprachliche nähe zur jam session in der Musik kommt nicht von ungefähr: “Einer redet, die anderen hören zu” gibt’s nicht und ist angeblich auch nicht erwünscht.

Exkurs: Ich habe in der Schule immer Frontalunterricht gemocht, weil ich nie verstehen werde, warum ein Lehrer, der die Fakten kennt und aufsagen könnte, erst mal eine Dreiviertelstunde lang aufschreibt, was die Schüler, denen er etwas beibringen soll, denn bisher zum Thema wissen. “Hitler war böse” ist zwar eine richtige Feststellung, als Einstieg ins Thema “Zweiter Weltkrieg” aber irgendwie dürftig. Der Geschichtsunterricht der Oberstufe ist deshalb auch heute noch dafür verantwortlich, dass ich beim Wort “Mindmap” kaltschweißig werde und unkontrollierte Laute ausstoße. Auch in der Uni sind mir Vorlesungen hundert Mal lieber als Diskussionen. Andererseits sind mir Diskussionen immer noch hundert Mal lieber als schlechte Referate. Exkurs Ende.

Die Qualität der Sessions bei einem Barcamp hängt deshalb nicht nur von den Kompetenzen des Vortragenden3 ab, sondern auch von der Gruppe der Zuhörer. Da kann es schon mal vorkommen, dass spannende Ausführungen abgewürgt werden und ein Zuhörer ohne vorherige Meldung einfach vor sich hin doziert. Auch wenn ich mich an solche Umgangsformen im Laufe des Wochenendes gewöhnen konnte, wird dieses Verfahren nie zu meiner favorisierten Art der Wissensvermittlung zählen. Um verschiedene Ansichten zu einem Thema kennen zu lernen, ist es aber ganz hilfreich.

Thematisch sind den Sessions keine Grenzen gesetzt, alles, was auch nur im Entferntesten mit Internet zu tun haben könnte, kommt darin vor. Damit stand ich persönlich vor einem weiteren Problem: Wirtschaft ist zum Beispiel ein Thema, dass mich noch nie interessiert hat – null. Ich könnte auch unter Androhung von körperlicher Gewalt keine zehn DAX-Unternehmen auflisten – geschweige denn fünf Startups.4

Ich finde es faszinierend, auf welche Ideen Leute kommen, deren kreative Hirnhälfte auch Synapsen zu dem Teil, der ans Geldverdienen denkt, aufgebaut hat, aber ich will kein Unternehmen gründen. Die Worte “business plan”, “crowd sourcing” oder “break even” erscheinen mir immer wie Parodien auf die Wirtschaft und laden mich allenfalls zum Bullshit-Bingo ein. Da fällt es schwer, ernst zu bleiben, und die Leute, die sicherlich alle total nett sind und tolle Ideen haben, nicht für den gleichen schrecklichen Menschenschlag zu halten, wie die Investoren, denen sie Geld für ihre Projekte abringen wollen.

Ein Schwerpunkt des Barcamps Ruhr lag auf Musik im Internet, was mich als Musikfan und Gelegenheitsmusiker schon interessierte. Entsprechend irritiert war ich aber, als in diesbezüglichen Sessions plötzlich von “content”, statt von “Musik” die Rede war. Das ist für mich dann auch kein großer Unterschied mehr zu dem bösen, bösen Majorlabel, wo alle ständig von “Produkten” faseln.

Überhaupt: Für Mitglieder des unsäglichen “Vereins Deutsche Sprache” wäre ein Barcamp das, was Sodom und Gomorrha für einen guten Katholiken sind. Wer schon technische Begriffe wie “Laptop” oder “Browser” geißelt, der wird inmitten von “Sessions”, “Startups” und “Back Offices” foam vor dem mouth bekommen und im triangle springen. Das Unperfekthaus in Essen5 wurde übrigens stets als “Location” bezeichnet, was dann ungefähr der Punkt war, an dem es selbst mir ein bisschen too much wurde. “Schlimmer als die wahllose Verwendung fremdsprachlicher Begriffe ist aber immer noch die falsche Aussprache derselben”, dachte ich, während ich gedankenverloren in meinem Tschappukino rührte.

Was mich auch einigermaßen verstörte, war die Einstellung mancher Leute. Bisher hatte ich den unendlichen Reiz des Internets unter anderem darin gesehen, dass dort jeder tun und lassen kann, was er ganz alleine will, maximal begrenzt durch Gesetze, die bitte nicht zu streng sind. Plötzlich kamen Leute an, die von einer “Bloggerkultur” sprachen und Sätze sagten wie: “Wer nicht auf Barcamps geht, ist für mich kein Blogger”, “Journalisten sind keine Blogger” oder “Ein Blog ohne Kommentare ist kein Blog”. Da waren sie wieder, die Leute, die man im Bereich der Musik “Indienazis” nennt, und die in Schubladen denken, die ihnen “Spex”, “Intro” und “Visions” aus dem Holz eines abgebrochenen Soziologiestudiums gezimmert haben. Menschen, die im Usenet und in Webforen schreiben, warum diese oder jene Band einfach scheiße sein muss und nicht Indie sein kann, und die sich selbst vor allem über die Abgrenzung zu anderen und die Ausgrenzung derselben definieren. Solche gibt es also auch im Web 2.0. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihre Interpretation des Konzepts “Blog” irgendwann einmal tatsächlich zu einer Definition werden sollte, werde ich mir schon mal einen neuen Begriff überlegen, unter dem diese lose Textsammlung im Internet dann firmieren wird.

Jetzt habe ich alles aufgeschrieben, was ich merkwürdig bis abschreckend fand, und es wirkt, als sei das Barcamp Ruhr für mich eine ganz und gar schreckliche Veranstaltung gewesen. Das ist falsch. Zwar war der Samstag wirklich verwirrend und anstrengend, aber der Sonntag hat viel wieder wettgemacht. Es waren sehr viele nette Leute da und bei rund 120 Teilnehmern ist auch bei optimistischster Weltanschauung rein statistisch klar, dass darunter mindestens eine Handvoll sein wird, deren Bekanntschaft man lieber nie gemacht hätte. Die Atmosphäre war die ganze Zeit über sehr angenehm und dass ich vor größeren Gruppen6 Angst habe und kein großer Freund von Smalltalk und ziellosen Diskussionen bin, ist ja letztlich mein persönliches Problem.

Ich habe in der Tat noch einige interessante Dinge erfahren7 und einige spannende Gespräche geführt. Die Altersspanne der Teilnehmer reichte von 18 bis 57, wobei ich es vor allem großartig finde, wenn auch Menschen im fortgeschrittenen Alter mit mehr Offenheit auf neue Sachen zugehen als ich selbst mit meinen 24 Jahren.

Überall erwähnt wurde die überaus unschöne Tatsache, dass während des Barcamps zwei iPods8 (ein Nano, ein Touch), eine Kamera, ein Asus Eee9 und ein iBook gestohlen wurden. Das war im Nachhinein leider fast abzusehen bei den unzähligen Leuten, die zusätzlich zu den Teilnehmern noch durchs Haus liefen. Ich bin aber überzeugt davon, dass dem Dieb seine Hände, seine Zunge und sein Glied abfaulen werden. Wenn Sie also demnächst in der Essener Innenstadt einen stummen Mann mit Armstümpfen sehen, sollten Sie ihm noch kurz die Hose runterziehen und ihn dann zur Polizei schleifen.

Vor Monaten hatte ich gemutmaßt, ein Barcamp sei “eine Art Kirchentag”. Jetzt habe ich beides einmal mitgemacht und muss sagen, dass diese Einschätzung geradezu prophetisch war. Beide Male blieb trotz einer Menge Skepsis und Ärger ein ziemlich positiver Eindruck – und die Frage, ob ein Mal nicht ausreicht.

Demnächst dann: Die ganze Grütze noch mal in Ton und Bild.

Nachtrag, 21. März: JETZT! Grütze gibt’s hier.

  1. Ich muss erst noch neuen Arbeitsspeicher kaufen. []
  2. Externe Referenten sind nicht vorgesehen. []
  3. Keine Ahnung, wie der richtige Begriff lautet, vermutlich “Session Leader” oder so. []
  4. Ein Startup ist eine Existenzneugründung im Internet. Da gibt es alles von social networks (MySpace oder Facebook waren mal Startups) bis hin zu Internetseiten, auf denen man sein Müsli oder seinen Kaffee individuell zusammenstellen kann. []
  5. Eine Art Hippiekommune mit kurzen Haaren, in der man sich ganz rührend um uns kümmerte. []
  6. “größer” = “mehr als fünf Leute”. []
  7. So habe ich zum Beispiel qik.com kennengelernt, eine Internetseite, die meiner Meinung nach für den endgültigen Untergang des Abendlandes und das Ende der Menschheit verantwortlich sein könnte. []
  8. Mobile Musikabspielgeräte der Firma Apple. []
  9. Eine Art Laptop, aber noch kleiner. []

Kategorie: Digital Ist Besser, Somebody Told Me | Kommentare (13)

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