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Zitatenstrauß: Claus Kleber

Claus Kle­ber muss­te ges­tern im „Heu­te Jour­nal“ einen Bei­trag anmo­de­rie­ren, in dem es um den Pro­zess­auf­takt zum Ber­li­ner „Koma-Trin­ken“ ging. Er begann über­ra­schend, aber klug:

Es hat da ja jeder sei­ne eige­nen Erfah­run­gen, aber ich den­ke, dass bei uns über kein ande­res The­ma – nicht mal über Sex – so schein­hei­lig gelo­gen wird wie über Alko­hol. Beson­ders zwi­schen älte­ren und jun­gen Leu­ten: Da wird schwa­dro­niert, wie toll das war, als Onkel Jür­gen kaum noch zum Auto lau­fen konn­te, und dann wer­den – nüch­tern betrach­tet – die übli­chen War­nun­gen mit erns­tem Ton von oben her­ab ver­teilt.

Ich weiß schon, war­um ich Claus Kle­ber für einen der Bes­ten im deut­schen Fern­se­hen hal­te.

[Zita­ten­strauß, die Serie]

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Rundfunk Digital

Jahr doch!

Gute Wit­ze, bis­si­ge Kom­men­ta­re, eine humor­vol­le Rück­schau auf das Jahr 2007 – all das wer­den Sie wohl kaum krie­gen, wenn Sie sich mor­gen Abend die „Schei­ben­wi­scher-Gala“ in der ARD anse­hen.

Gehen Sie lie­ber in die ZDF-Media­thek und sehen Sie sich dort „Nuhr 2007“ an, den ges­tern aus­ge­strahl­ten Jah­res­rück­blick mit Die­ter Nuhr. Nuhr zeigt hier ein­mal mehr, dass er einer der bes­ten … äh … *Hand­schu­he anzieh* … *Anfüh­rungs­zei­chen raus­kram* … „poli­ti­schen Kaba­ret­tis­ten“ Deutsch­lands ist, wenn man ihn denn nur lässt. Außer­dem ist er natür­lich sowie­so der bes­te, weil ein­zig gute „Come­di­an“ der Repu­blik, weil sei­ne All­tags­be­ob­ach­tun­gen wirk­lich komisch sind, er nicht tau­send­fach Durch­ge­kau­tes wie­der auf­wärmt und er nicht mit Kli­schees um sich wirft. Kurz­um: Die­ter Nuhr ist der Gegen­ent­wurf zu Mario Barth und trotz­dem rela­tiv erfolg­reich.

Wenn Sie sich vor­ge­nom­men haben, nur einen Jah­res­rück­blick zu schau­en, neh­men Sie „Nuhr 2007“.

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Rundfunk

!!!Witzig

Gera­de eine Pres­se­mit­tei­lung vom ZDF erhal­ten:

Die Sati­re­ex­per­ten von „Fron­tal 21“ schla­gen wie­der zu.

„Grund­gü­ti­ger“, dach­te ich. „Seit wann ver­fü­gen die denn beim ZDF über der­art viel Selbst­iro­nie und prei­sen ihre stets schwach recher­chier­te und vor­ein­ge­nom­me­ne Pri­vat­fern­seh­ma­ga­zin-Par­odie als „Sati­re“ an?“

Dann las ich wei­ter:

In ihrem „!!!Sati­ri­schen Jah­res­rück­blick 2007“ am Diens­tag, 18. Dezem­ber 2007, 23.30 Uhr zei­gen Wer­ner Doyé und Andre­as Wie­mers alles, was 2007 „Toll!“ war: Horst See­ho­fer als Vor­kämp­fer der sexu­el­len Befrei­ung, Wolf­gang Schäub­le als Action-Held in „Schäub­le rel­oa­ded“ und die gan­ze Wahr­heit über Knut den Eis­bä­ren und sei­ne bru­ta­len Hob­bys.

Da ich „Fron­tal 21“ aus den oben genann­ten Grün­den nie sehe, kann ich die Qua­li­tät von „Toll!“ schlecht beur­tei­len. Die Beschrei­bung lässt aller­dings Schlimms­tes ver­mu­ten.

P.S.: Ja, die Sen­dung heißt tat­säch­lich „!!!Der sati­ri­sche Jah­res­rück­blick 2007“. Mit drei Aus­ru­fe­zei­chen vor dem Titel.

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Feigheit ist keine Nachricht

Wir müs­sen noch­mal auf die Erklä­rung der 26 SPD-Abge­ord­ne­ten zu spre­chen kom­men, in der die­se ihre ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen­über dem Gesetz zur Vor­rats­da­ten­spei­che­rung aus­drück­ten, dann aber erklär­ten, die­sem trotz­dem zuzu­stim­men.

Nicht nur ix und Dr. Dean fra­gen sich, war­um es das The­ma eigent­lich über­haupt nicht in die Medi­en geschafft hat. Der Sache woll­te ich dann doch mal auf den Grund gehen.

Ich schrieb also eini­ge E‑Mails und rief in Redak­tio­nen an, wo man mich bat, wei­te­re E‑Mails zu schi­cken. Eine wirk­li­che Ant­wort habe ich bis­her nur vom ZDF bekom­men, wobei das eigent­lich auch kei­ne Ant­wort auf mei­ne Fra­ge war:

Da an die­sem Tag auch der Son­der­er­mitt­ler des Euro­pa­rats Dick Mar­ty sei­nen Bericht vor­stell­te, habe man die­sem Ansatz den Vor­zug gege­ben gegen­über einer eher inlands­ori­en­tier­ten Bericht­erstat­tung.

Offen­bar war die Erklä­rung der Abge­ord­ne­ten des­halb nir­gend­wo The­ma gewe­sen, weil außer den Redak­teu­ren bei heise.de nie­mand in das Pro­to­koll der ent­spre­chen­den Bun­des­tags­sit­zung geguckt hat­te. Die 26 Abge­ord­ne­ten hat­ten es also nicht nur geschafft, einem Gesetz zuzu­stim­men, dass sie selbst für ver­fas­sungs­wid­rig hiel­ten, sie hat­ten es auch noch fer­tig gebracht, dies in einer öffent­li­chen Erklä­rung zuzu­ge­ben, die nie eine brei­te­re Öffent­lich­keit erreicht hat (oder errei­chen soll­te). Dafür muss­ten sie nur eine Erklä­rung nach § 31 der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges abge­ben:

§ 31 Erklä­rung zur Abstim­mung

(1) Nach Schluß der Aus­spra­che kann jedes Mit­glied des Bun­des­ta­ges zur abschlie­ßen­den Abstim­mung eine münd­li­che Erklä­rung, die nicht län­ger als fünf Minu­ten dau­ern darf, oder eine kur­ze schrift­li­che Erklä­rung abge­ben, die in das Ple­nar­pro­to­koll auf­zu­neh­men ist. Der Prä­si­dent erteilt das Wort zu einer Erklä­rung in der Regel vor der Abstim­mung.

Damit ent­las­tet man sein Gewis­sen und kann hin­ter­her, wenn das Gesetzt kas­siert wur­de und mal wie­der alle auf der Bun­des­re­gie­rung rum­ha­cken, freund­lich lächelnd Anla­ge 4 her­vor­ho­len und „Wir ham’s ja schon immer gesagt“ mur­meln.

Eine ande­re Mög­lich­keit, dass die Öffent­lich­keit von der Erklä­rung erfah­ren hät­te, wäre natür­lich der Pran­ger der Oppo­si­ti­on gewe­sen. Also rief ich mal bei den drei Oppo­si­ti­ons­par­tei­en im Deut­schen Bun­des­tag an und frag­te, war­um man die­se Vor­la­ge aus Tei­len der SPD-Frak­ti­on denn nicht für eine öffent­li­che Bloß­stel­lung der 26 Abge­ord­ne­ten genutzt habe.

Bei der FDP hat­te man bis zu mei­nem Anruf noch nichts von der Erklä­rung gehört, war aber sehr inter­es­siert und sag­te mir, man wol­le „über Hand­lungs­mög­lich­kei­ten nach­den­ken“. Viel­leicht höre ich von denen also noch was.

Mark Sei­bert, Refe­rent im Büro des Die-Lin­ke-Abge­ord­ne­ten Jan Kor­te, nann­te die Erklä­rung eine „poli­ti­sche Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit“, die dem ohne­hin umstrit­te­nen Gesetz „die Kro­ne auf­ge­setzt“ habe. Aller­dings sei zu dem kon­kre­ten Fall im Moment nichts geplant, da „kein neu­er Nach­rich­ten­wert“ vor­han­den sei. Die Lin­ke und beson­ders Jan Kor­te sei­en aber in ver­schie­de­nen Initia­ti­ven gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung orga­ni­siert und plan­ten wei­te­re Aktio­nen.

Auch bis zu Bünd­nis 90/​Die Grü­nen war der Inhalt von Anla­ge 4 noch nicht ganz durch­ge­drun­gen. Wolf­gang Wie­land, Spre­cher für Inne­re Sicher­heit der grü­nen Frak­ti­on, ließ mir aber nur weni­ge Stun­den nach mei­nem Anruf eine schrift­li­che Stel­lung­nah­me zukom­men, die ich (schon wegen ihrer Exklu­si­vi­tät) ger­ne wie­der­ge­be:

Dass man für ein Gesetz stimmt, weil man die Inhal­te über­zeu­gend fin­det, ist der Nor­mal­fall. Dass es weni­ge Geset­ze gibt, bei denen man als Abge­ord­ne­ter nicht auch eini­ge Aspek­te ver­zicht­bar gefun­den hät­te, gehört eben­falls dazu. Wer aber für ein Gesetz stimmt und dar­auf ver­traut, dass sei­ne unge­lieb­ten Tei­le sowie­so bald vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kas­siert wer­den, der ver­sucht, aus einem Dilem­ma eine win-win-Situa­ti­on zu machen.

Tat­sa­che ist: Die Logik hin­ter der jüngst beschlos­se­nen Vor­rats­da­ten­spei­che­rung stellt Sicher­heit über Frei­heit. Tat­sa­che ist auch, dass sie sowohl euro­pa­recht­lich wie grund­ge­setz­lich auf wacke­li­gen Bei­nen steht. Das erken­nen die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von der SPD ja auch, aber sie han­deln nicht danach. Das ist ent­täu­schend, denn es ist Auf­ga­be des Gesetz­ge­bers, ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken von vorn­her­ein aus­zu­räu­men und ent­spre­chen­de Geset­ze zu ver­ab­schie­den. Das Mot­to „Koali­ti­ons­frie­den wah­ren, Idea­le zitier­fä­hig ins Pro­to­koll schrei­ben, Karls­ru­he das Auf­räu­men über­las­sen“ darf nicht die Hand­lungs­ma­xi­me für Abge­ord­ne­te sein.

Für uns Blog­ger heißt das, dass wir einer­seits zwar ganz nah an den The­men sind, der Sprung die­ser The­men in die sog. „eta­blier­ten Medi­en“ und in eine brei­te­re Öffent­lich­keit aber ande­rer­seits noch über­haupt nicht funk­tio­niert.

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Rundfunk

Mehr Sauerstoff!

Bevor ich mor­gens das Haus ver­las­se, schaue ich ger­ne ein wenig unver­fäng­li­ches Fern­seh­pro­gramm. Heu­te Mor­gen blieb ich bei „Vol­le Kan­ne“ im ZDF hän­gen, wo das Volks­mu­si­kan­ten­duo Mari­an­ne & Micha­el zu Gast war. In die­ser gänz­lich unvolks­tüm­li­chen Atmo­sphä­re waren mir die bei­den – er der Typ ober­kor­rek­ter Hote­lier, sie die leicht über­dreh­te Mut­ter dane­ben – auf Anhieb sym­pa­thisch.

Nach kur­zem Geplän­kel über die Ver­lei­hung der „Gol­de­nen Hen­nen“ ging Mode­ra­to­rin Andrea Ball­schuh gleich zum trost­lo­sen Tages­ge­sche­hen über und bald ent­spann sich ein Gespräch vol­ler Über­ra­schun­gen und Weis­heit über Sau­er­stoff, Klapp­mes­ser und den Über­wa­chungs­staat.

Ein Pro­to­koll:

Ball­schuh: „Eine Sache, über die heu­te jeder spricht, Sie haben’s sicher auch in den Nach­rich­ten gehört: Die Poli­zei ver­ei­telt ein Mas­sa­ker an einer Köl­ner Schu­le. Und das ist ja nicht das ers­te gewe­sen: Am Don­ners­tag wur­de aus Angst vor ’nem Amok­lauf ’ne Schu­le in Mainz geschlos­sen, in Syke bei Bre­men gab’s Dro­hun­gen an einer berufs­bil­den­den Schu­le, wir den­ken alle auch noch an die­sen schreck­li­chen Amok­lauf in Finn­land, wo ein acht­zehn­jäh­ri­ger Schü­ler acht Men­schen erschos­sen hat. Da greift man sich doch annen Kopf und fragt sich: Was ist hier mit die­ser Jugend los, was pas­siert da? Ihr seid ja auch Eltern von zwei erwach­se­nen Söh­nen …“
Micha­el: „Ja!“
Ball­schuh: (seufzt)
Micha­el: „Man redet nicht mit denen.“
Ball­schuh: „Ja, nee, das isses wohl?“
Micha­el: „Ich glau­be, dass die sich unver­stan­den füh­len, dass viel­leicht auch die andern in der Dis­kus­si­on nicht die Ruhe haben um zuzu­hö­ren und das aus­ein­an­der zu klabus­tern, was das tat­säch­lich ist, son­dern man nimmt halt dann Alko­hol.“
Mari­an­ne: „Oder sie wach­sen in einer Welt auf, in Video­di­men­sio­nen, sie sehen irgend­et­was und haben dann noch die­ses fal­sche Umfeld, fal­sche Freun­de und … äh, ja, man, die Eltern, des ist ein­fach ’ne schwie­ri­ge Zeit, reden mit den Kin­dern net, ver­ste­hen sie auch nicht, ham gar kei‘ Zeit womög­lich und … öh …“
Micha­el: „Sie kön­nen sich auch nicht aus­ar­bei­ten.“
Mari­an­ne: „… da natür­lich …“
Micha­el: „Also kör­per­lich. Die Betä­ti­gung, die man kör­per­lich nor­ma­ler­wei­se macht, …“
Mari­an­ne: „Sport fehlt jetzt auch!“
Micha­el: „In der Schu­le fehlt der Sport, in der Schu­le fehlt Gesang, Musik, was auch immer. ’s ist ganz wich­tig, weil das macht frei. Da kommt genü­gend Sau­er­stoff in die Zel­len, das macht dann locke­rer, leich­ter und viel­leicht auch nicht so aggres­siv.“
Ball­schuh: „Wie seid Ihr mit Euern, ich mein Eure Söh­ne sind inzwi­schen erwach­sen, ja …“
Mari­an­ne: „Es war auch ’ne schwie­ri­ge Zeit, eine ganz schwie­ri­ge Zeit.“
Ball­schuh: „Inwie­fern?“
Mari­an­ne: „Ja, die war’n natür­lich auch auf­müp­fig gegen uns und … Na klar, und wir hat­ten auch unse­re Sor­gen und Nöte und waren froh, als sie wie­der ver­nünf­tig wur­den, dass sie die­se Zeit eini­ger­ma­ßen unbe­scha­det über­stan­den haben. Äh, da kommt auch ’n schlech­ter Ein­fluss von Freun­den, da kannst Du dich gar net weh­ren, wenn die die wol­len, wenn die mit die­sen Leu­ten rum­ren­nen, äh, und …“
Micha­el: „Ja und die Kin­der sind ab Acht­zehn voll­jäh­rig, das heißt sie sind für alles selbst haft­bar, das heißt sie kön­nen machen, was sie wol­len. Obwohl sie …“
Ball­schuh: „Aber Ihr seid zumin­dest noch durchs Reden an sie ran­ge­kom­men?“
Micha­el: „Ja!“
Ball­schuh: „Genau, dar­um geht’s: das Reden.“
Micha­el: „Das ist mir auch ganz, ganz wich­tig!“
Mari­an­ne: „Ach, es ist ganz schwie­rig, also es ist ganz, ganz schwie­rig und ich kann mir auch vor­stel­len, die Situa­ti­on jetzt in den Schu­len, die wer­den ja alle über­wacht, mir ham ja jetzt a‘ schon Über­wa­chungs­staat, …“
Micha­el: „Ja.“
Mari­an­ne: „… jetzt sind die Video­ka­me­ras schon, Du musst ja schon Angst haben, was Du sagst!“
Micha­el: „Nein, nein, son­dern man nimmt jetzt ja jeden Jugend­li­chen in irgend­ei­ner Form ins Visier und sagt da, jeder ist a poten­ti­el­ler Geg… äh: Täter.“
Mari­an­ne: „Des ist a Kata­stro­phe!“
Ball­schuh: „Mmmm-hhhhh …“
Micha­el: „Des find ich auch a bissl, also total für mich über­trie­ben, also ich glau­be, dass da scho‘ was dran war, aber so, so, so Soft­pis­to­len oder sonst irgend­was, also da san die meis­ten Kin­der und Jugend­li­chen, die die­ses Ding dahoam ham, ent­we­der kaufen’s die Eltern oder Oma und Opa, oder sie kaufen’s vom Taschen­geld, also …“
Mari­an­ne: „Ich kann mi no‘ erin­nern, da ging’s um die­ses komi­sche Klapp­mes­ser.“
Micha­el: „Ja.“
Mari­an­ne: „Was ham wir mit unse­ren Buben damals in der Puber­tät dis­ku­tiert, aber jeder woll­te so ’n dep­per­tes Klapp­mes­ser haben, was da so raus …“
Micha­el: „Ja, alle hat­ten eins, also auch mei­ne.“
Ball­schuh: „Ja, heu­te hat man kein Klapp­mes­ser, heu­te hat man Pis­to­len, ja?“
Mari­an­ne: „Ja, furcht­bar …“
Micha­el: „Ja ja, so unge­fähr.“

Den gan­zen Talk kann man sich auch noch ein­mal in der ZDF-Media­thek anse­hen.

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Rundfunk Digital

TV-Tipp: „Roche & Scobel“

Im Juni star­te­te das ZDF unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit die neue Talk­rei­he „Roche & Sco­bel“ mit der fan­tas­ti­schen Char­lot­te Roche und dem sym­pa­thi­schen Gert Sco­bel, den man schon des­halb bewun­dern muss, weil er seit 19 Jah­ren mit Susan­ne Fröh­lich zusam­men­lebt.

Nur fünf Mona­te nach der ers­ten Sen­dung steht nun auch schon die zwei­te Aus­ga­be der Talk­show, die sich an ein über­wie­gend jugend­li­ches Publi­kum rich­tet, an: sie wird heu­te Abend um 00:20 Uhr im ZDF aus­ge­strahlt. Wer sich die Sen­dung live anse­hen will, was für eine inter­ak­ti­ve Sen­dung, an der man sich per Sky­pe betei­li­gen kann, irgend­wie nahe­lie­gen­der erscheint, soll­te schon um 20:00 Uhr im ZDFin­fo­ka­nal oder bei zdf.de rein­schau­en.

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Rundfunk Print Politik

Noch ein Anstreicher

Es ist ja kei­ne neue Erkennt­nis, dass der kläg­li­che Ver­such, der deut­schen Aus­ga­be von „Vani­ty Fair, eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung jen­seits der Rät­sel­sei­te zu ver­pas­sen, min­des­tens mit­tel­fris­tig zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. Die­sen Null­stel­len-Jour­na­lis­mus im Hin­ter­kopf war die Mel­dung, dass mit Horst Mahler der ein­zi­ge Mensch, der kru­de genug im Hirn ist, sowohl in der RAF als auch in der NPD gewe­sen zu sein, sei­nen Denk­mist aus­ge­rech­net dort in einem Inter­view aus­brei­ten durf­te, für eini­ges Ent­set­zen gut.

Nun hat man sich mit Michel Fried­mann einen exter­nen Mit­ar­bei­ter für die­ses Gespräch gean­gelt, der das von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teil­te Unter­fan­gen (man den­ke an das hilf­lo­se Desas­ter, als Ralph Giord­a­no und Micha­el Glos in der n‑tv-Sen­dung Talk in Ber­lin Jörg Hai­der demas­kie­ren woll­ten) recht bra­vou­rös nach Hau­se bringt. Die­ses eine Mal näm­lich darf, nein, muss Fried­mann so ange­nehm über­heb­lich agie­ren. Denn die Zwei­fel dar­an, daß Mahler ziem­lich schat­tig im Schä­del ist, schwin­den dank Fried­manns gespiel­ter Nai­vi­tät, die Mahler zu immer neu­em Dünn­sinn pro­vo­ziert, immer wei­ter. Aber die Anma­ßung, ein­zig Vani­ty Fair wis­se, wie man mit Nazis zu spre­chen habe, ist dann doch etwas zu viel mit dem Feu­er gespielt. Es ist ja gar nicht lan­ge her, daß eine in die Ecke gedräng­te Zukurz­den­ke­rin die Mit­leids­kar­te aus­spie­len durf­te.

Weni­ger Schau­lau­fen dürf­te der Film „Roots Ger­ma­nia“ von Mo Asumang sein, die als Reak­ti­on auf den Song einer Nazi­band, in dem ihr eine Kugel ver­passt wer­den soll­te, spon­tan das Gespräch mit den Flach­bir­nen such­te und ihnen beim Sich­selbst­ent­lar­ven half. Die­se Nacht um 0:20 Uhr im ZDF. Angu­cken.

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Rundfunk Gesellschaft

Mädchen, warum hast Du nichts gelernt?

Na, das hat ja alles bes­tens geklappt: Der „Raus­wurf“ der Eva Her­man bei und durch Johan­nes B. Ker­ner ist das Tages­the­ma. All­über­all ent­wi­ckeln sich lan­ge und span­nen­de Dis­kus­sio­nen (selbst bei uns), Ker­ner hat eine „Top­quo­te“ ein­ge­fah­ren und Eva Her­mans aktu­el­les Buch ist in den Best­sel­ler­lis­ten von Ama­zon flei­ßig nach oben geklet­tert (Platz 17 um 16 Uhr). Also eine Win-Win-Situa­ti­on für alle Betei­lig­ten?

Nun, Her­man dürf­te sich für län­ge­re Zeit ins Aus manö­vriert haben. Nicht, weil sie obsku­re Wer­te­vor­stel­lun­gen hat (die darf jeder haben), noch nicht ein­mal, weil sie sich vor sechs Wochen so ver­quas­tet und miss­ver­ständ­lich geäu­ßert hat. Aber weil sie ges­tern gegen die gol­de­ne Regel des Medi­en­be­triebs ver­sto­ßen hat: gegen das Recht des Publi­kums auf eine groß­an­ge­leg­te Ent­schul­di­gungs­ze­re­mo­nie.

Chris­toph Daum durf­te, nach­dem er sich wort­reich für sei­ne Koka­in-Affä­re ent­schul­digt hat­te, wei­ter als Fuß­ball­trai­ner arbei­ten; Michel Fried­man, dem auch Koka­in zum Ver­häng­nis wur­de, leis­te­te öffent­lich Abbit­te und ist heu­te wie­der in fast allen Medi­en prä­sent. Noch schnel­ler ver­zieh das Land Erik Zabel, der aus der trä­nen­rei­chen Pres­se­kon­fe­renz ging, als sei nie etwas gewe­sen, und selbst in den USA ver­zieh der Dis­ney-Kon­zern sei­nem Tee­nie­star Vanes­sa Hud­gens deren Nackt­bil­der, nach­dem sie sich dafür ent­schul­digt hat­te. Sie alle haben die Mecha­nis­men der Medi­en begrif­fen: Ein­mal zer­knirscht und am Bes­ten unter Trä­nen vor die Pres­se tre­ten, dann ist irgend­wann alles wie­der gut – egal, ob man das eige­ne Ver­hal­ten jetzt wirk­lich als Feh­ler ansieht, egal ob es über­haupt ein Feh­ler war.

Die­je­ni­gen, die kei­ne Feh­ler ein­räu­men und sich nicht ent­schul­di­gen woll­ten, wer­den im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis unter „unbe­lehr­bar“, „ver­rückt“ oder gar „para­no­id“ ein­sor­tiert. Ihre Namen lau­ten Jür­gen W. Möl­le­mann, Die­ter Bau­mann oder Jan Ull­rich. Das Gemei­ne an die­ser Situa­ti­on: Wir wis­sen nicht, ob Die­ter Bau­manns Zahn­pas­ta mit Doping­mit­teln ver­setzt wur­de, wir wis­sen nicht, ob Jan Ull­rich nicht viel­leicht wirk­lich unschul­dig ist. Wir wis­sen ja auch nicht, ob Daum und Fried­man ihr Dro­gen­kon­sum wirk­lich leid tut, aber wir müs­sen es glau­ben, weil es durch die Medi­en ging.

Da stellt sich die Fra­ge, ob Jan Ull­rich nicht längst wie­der Ren­nen fah­ren (oder zumin­dest kom­men­tie­ren) dürf­te, wenn er zuge­ge­ben hät­te, gedopt zu haben – selbst, wenn er es nie getan hät­te. Ist eine trä­nen­rei­che Ent­schul­di­gung nicht in jedem Fal­le hilf­rei­cher als die Ver­brei­tung kru­der Ver­schwö­rungs­theo­rien – etwas, womit Eva Her­man ges­tern bei Ker­ner zu ihrem Unglück auch noch ange­fan­gen hat?

Sicher, das wäre schon sehr zynisch, aber zynisch ist die Welt, sind vor allem die Medi­en. Eva Her­man soll­te, nein: muss das wis­sen. Es sind die Regeln eines gro­ßen Spiels, das sich mit­un­ter um Kar­rie­ren und Men­schen­le­ben dreht. Man könn­te es ihr als per­sön­li­che Stär­ke anrech­nen, sich nicht für etwas ent­schul­di­gen zu wol­len, das sie nach eige­ner Auf­fas­sung nicht gesagt und schon gar nicht gemeint hat. Aber Johan­nes B. Ker­ner war in der Bezie­hung erstaun­lich fair: Er woll­te nicht ein­mal ein „Mir tut das alles so unend­lich leid“ hören, ihm hät­te ein „Nun ja, ich sehe ein, dass mei­ne Sät­ze in der frei­en Rede etwas kru­de und miss­ver­ständ­lich waren. Was ich sagen woll­te, ist Fol­gen­des …“ gereicht. Allein: Eva Her­man war nicht ein­mal bereit, eige­ne lin­gu­is­ti­sche Unzu­läng­lich­kei­ten ein­zu­ge­ste­hen und bezog sich mun­ter wei­ter auf die Sät­ze, die sie gesagt hat­te, und die eben wirr for­mu­liert as hell waren. Nicht ein­mal, als ihr Mar­ga­re­the Schrei­ne­ma­kers die­sen Weg vor­for­mu­liert auf­zeig­te.

Was dann folg­te, war nur noch unpro­fes­sio­nell: Sie kom­men­tier­te von oben her­ab („Wer redet heu­te noch über Dei­ne Sen­dung?“ zu Frau Schrei­ne­ma­kers, „Mit Ihnen rede ich nicht mehr!“ zum gela­de­nen Exper­ten) und es war plötz­lich völ­lig egal, dass Frau Schrei­ne­ma­kers auch schon unrühm­li­che TV-Momen­te hat­te (wobei wir wie­der nicht wis­sen, was an der gan­zen „Steu­er­af­fä­re“ eigent­lich dran war) und dass Prof. Wolf­gang Wip­per­mann nicht unum­strit­ten ist und zu Beginn der Sen­dung ziem­li­chen Quark gequas­selt hat­te. Sie rede­te von einer „Gleich­schal­tung“ der Medi­en und ver­hin­der­te jeg­li­che Dis­kus­si­on über den inhalt­li­chen Wahr­heits­ge­halt (alle schrei­ben von den Agen­tu­ren ab, die wie­der­um bei der „Bild“-Zeitung abge­schrie­ben haben), indem sie die­ses in ihrer Situa­ti­on völ­lig unglück­li­che Wort ver­wen­de­te. Es spielt kei­ne Rol­le mehr, dass Wor­te per se nicht „gut“ oder „böse“ sind, oder wer das Wort sonst noch so ver­wen­det: Es war ein wei­te­res Buz­zword auf der Nazi-Bin­go-Kar­te, die das Publi­kum in den Hän­den hielt. Und auf dem letz­ten frei­en Feld stand „Auto­bah­nen“.

Das Medi­en­ge­schäft ist ein har­tes, schmut­zi­ges, durch­aus auch zyni­sches. Vie­le ahnungs­lo­se Men­schen kön­nen sich dar­in ver­hed­dern oder dar­in ver­lo­ren gehen. Eva Her­man muss sich als lang­jäh­ri­ge Jour­na­lis­tin und erfah­re­ne Pro­vo­ka­teu­se aber vor­wer­fen las­sen muss, dass sie offen­bar nicht abschät­zen konn­te, wor­auf sie sich ges­tern Abend ein­ließ.

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Fernsehen Rundfunk

„Geh in die rechte Ecke und schäm dich!“

Es gibt Situa­tio­nen, da ste­hen sich zwei Men­schen gegen­über und man weiß gar nicht, wer von den Bei­den jetzt unsym­pa­thi­scher ist und die schlech­te­ren Argu­men­te hat. So geht mir das zum Bei­spiel beim Klein­krieg zwi­schen Hart­mut Meh­dorn (Deut­sche Bahn AG) und Man­fred Schell (Gewerk­schaft der Lok­füh­rer). Man wünscht sich immer einen über­gro­ßen Klas­sen­leh­rer, der bei­de am Arm packt, vor die Tür schleift und sie mit erns­ter Stim­me bit­tet, das unter sich zu klä­ren. „Wie erwach­se­ne Men­schen“, wür­de er klu­ger­wei­se nicht sagen.

So ähn­lich war das gera­de beim gro­ßen „TV-Eklat“, dem „Raus­wurf“ von Eva Her­man bei Johan­nes B. Ker­ner. Ker­ner hat­te sich die frü­he­re NDR-Mode­ra­to­rin wohl in sei­ne Sen­dung ein­ge­la­den, um ein Exem­pel in Sachen Reue zu sta­tu­ie­ren: Es wäre doch gelacht gewe­sen, wenn sie sich nicht unter Trä­nen beim deut­schen Volk Zuschau­er für ihre „miss­ver­ständ­li­chen Äuße­run­gen“ ent­schul­digt hät­te. Um es vor­weg zu neh­men: Sie tat es natür­lich nicht und ich habe wirk­lich kei­ne Ahnung, wer von bei­den unsym­pa­thi­scher war.

Es war ein weit­ge­hend wür­de­lo­ser Eier­tanz, der nur des­halb zu ertra­gen war, weil die groß­ar­ti­ge Sen­ta Ber­ger ein paar gran­dio­se Oneli­ner lan­den konn­te und die erstaun­lich sym­pa­thisch wir­ken­de Mar­ga­re­the Schrei­ne­ma­kers mit aller gebo­te­nen Unhöf­lich­keit auf den dort gespro­che­nen Irr­sinn reagier­te.

Ker­ner, der einem fast schon leid tun konn­te in sei­nem Ver­such, der Unbe­lehr­ba­ren Andeu­tun­gen von Selbst­zwei­feln zu ent­lo­cken, wur­de irgend­wann so etwas ähn­li­ches wie sau­er und dann pas­sier­te – erst­mal wie­der nichts. Statt­des­sen rede­te Eva Her­man nun auch noch von „Bän­dern“, die „unter Ver­schluss gehal­ten“ wür­den, und einer „Her­aus­ga­be des Mate­ri­als“ und für einen Moment dach­te ich mir „Wenn­se die ma nich über­mor­gen inner Bade­wan­ne fin­den!“ Prof. Wolf­gang Wip­per­mann, mit dem Her­man zu die­sem Zeit­punkt schon nicht mehr spre­chen woll­te, sprach von „Ver­schwö­rungs­pa­tho­lo­gie“ und obwohl der Mann Geschichts­pro­fes­sor ist, glaub­te ich ihm sei­ne Dia­gno­se sofort.

Nach einer schier end­lo­sen Zeit, in der Her­man tat­säch­lich auch noch auf die Auto­bah­nen zu spre­chen kam, droh­te Sen­ta Ber­ger schließ­lich damit, die Run­de zu ver­las­sen (ers­te Anzei­chen von Alters­mil­de: frü­her wäre sie ein­fach gegan­gen) und Ker­ner schick­te statt­des­sen Eva Her­man nach hau­se. Die bedank­te sich auch noch artig und lief nicht ein­mal in einen Gitar­ren­ver­stär­ker, als sie die Show ver­ließ.1

1 War­um ist der Auf­tritt von Bet­ti­na Böt­tin­ger in der „Harald Schmidt Show“ nicht bei You­Tube zu fin­den?

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Bartschattenboxen

Im ZDF-Nacht­stu­dio ging es ges­tern ums The­ma „Die Macht dahin­ter – Wer bestimmt die Medi­en?“ und man mag es sym­pto­ma­tisch fin­den oder nicht, aber die klügs­ten Sachen sag­ten Prof. Miri­am Meckel, die ein­zi­ge Frau in der Run­de, und der acht­zig­jäh­ri­ge Klaus Harp­p­recht. Auch Klu­ges sag­te Lutz Hach­meis­ter, der unter ande­rem bemän­gel­te, dass der Jour­na­lis­mus in Deutsch­land immer weni­ger von gro­ßen Jour­na­lis­ten mit kla­ren Stand­punk­ten geprägt wur­de.

Für die unklu­gen Sachen brauch­te man nur einen Gast, aber der rede­te auch unge­fähr so viel wie die drei ande­ren zusam­men: Mat­thi­as Matus­sek, Kul­tur­chef des „Spie­gel“.

Matus­sek hat neo­kon­ser­va­ti­ve Bücher geschrie­ben, die „Die vater­lo­se Gesell­schaft – Eine Pole­mik gegen die Abschaf­fung der Fami­lie“ hei­ßen oder „Wir Deut­schen – War­um die ande­ren uns gern haben kön­nen“, er ver­brei­tet sei­ne sehr per­sön­li­che, mit­un­ter auch sehr eigen­wil­li­ge Welt­sicht via „Spie­gel“ und per Video-Blog auf „Spie­gel Online“. Und wem Matus­sek wegen sei­ner Inhal­te noch nicht unsym­pa­thisch war, dem wur­de er es bestimmt ges­tern Abend im ZDF.

Matus­sek nuschelt aus­drucks­los vor sich hin, spricht über Anwe­sen­de in der drit­ten Per­son und guckt dann auch noch grund­sätz­lich an ihnen vor­bei auf den Boden. Egal, wor­über grad dis­ku­tiert wird: Matus­sek schafft es stets, auf sei­ne bis­he­ri­gen Ein­satz­or­te, sei­ne Titel­ge­schich­ten, im Wesent­li­chen: sich zu spre­chen zu kom­men. Eines sei­ner Bücher wur­de mit Hei­ne ver­gli­chen, aber damit wol­le er sich nicht schmü­cken; als er über sei­ne Zeit in Lon­don spricht (natür­lich, ohne dass es dafür einen Anknüp­fungs­punkt gege­ben hät­te), droppt er mal eben so vie­le Namen, dass kaum jemand über­prü­fen kann, ob es sich dabei wirk­lich um ange­se­he­ne Jour­na­lis­ten oder Cha­rak­te­re aus „Har­ry Pot­ter“ han­delt, und sei­ne Roman­tik-Geschich­te im aktu­el­len „Spie­gel“ erwähnt er gleich ein Halb­dut­zend Mal.

Egal was die Gesprächs­part­ner sagen: Matus­sek fällt ihnen ins Wort oder tut ihre Aus­füh­run­gen als Blöd­sinn ab, meis­tens macht er ein­fach bei­des. Selbst wenn er nickt, wirkt das wie ein wei­te­rer Pos­ten aus sei­nem Kata­log der her­ab­las­sen­den Mie­nen und Ges­ten. Für sei­nen Bart­schat­ten, der ihn immer ein biss­chen unge­pflegt erschei­nen lässt, kann er viel­leicht nichts, für sei­nen Hemd­kra­gen, den er trägt wie ande­re Leu­te eine offe­ne Hose, aber sehr wohl. Über sein Video-Blog „Matus­seks Kul­tur­tipp“ sagt er, dort kön­ne er „Free­style“ machen. Kurz­um: Er benimmt sich, wie sich ein 53jähriger Mann auf kei­nen Fall beneh­men soll­te, wenn er nicht als total anbie­dernd und betont läs­sig gel­ten will.

Dabei bringt die­se Ran­schmei­ße an eine ver­meint­li­che Jugend­spra­che sowie­so nichts, denn schon im nächs­ten Atem­zug ver­tei­digt Matus­sek die geplan­ten Online­durch­su­chun­gen und den Papst und des­sen Islam-Kri­tik. Kurz dar­auf ver­sa­gen sei­ne Medi­ka­men­te und Matus­sek nennt das, was der „Spie­gel“ da all­wö­chent­lich noch unters Volk haut, „Welt­klas­se­jour­na­lis­mus“, der den Eng­län­dern und Ame­ri­ka­nern min­des­tens eben­bür­tig sei. Die Behaup­tung, in sei­nem Hau­se wer­de „gründ­lich“ recher­chiert, lässt sich frei­lich nicht sofort wider­le­gen, die fer­ti­gen Arti­kel legen aber den Schluss nahe, dass von die­ser gründ­li­chen Recher­che dann zumin­dest nicht viel im Heft lan­det.

In die­ser Situa­ti­on ver­kün­det Herr Harp­p­recht, Matus­sek zäh­le zu den bes­ten Schrei­bern Deutsch­lands und Ste­fan Aust sei ein klu­ger Mann. Ich rech­ne es die­sem alten Mann hoch an, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, ob das jetzt sein Ernst oder ganz wei­se Iro­nie war.

Wer ger­ne unsym­pa­thi­schen „Spiegel“-Redakteuren zuhört, kann sich heu­te Abend ab 19 Uhr den Pod­cast von Bas­ti­an Sick im WDR2-„Montalk“ geben. Das kom­plet­te Video des gest­ri­gen „Nacht­stu­di­os“ kann man sich hier anschau­en.

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Rad und Tat

Man kann sicher viel dar­über dis­ku­tie­ren, ob es eine gute Idee war, dass Sat.1 die Bericht­erstat­tung der Tour de France über­nom­men hat, kaum dass ARD und ZDF aus­ge­stie­gen waren. Das geschieht ja auch hie und da und dort. Letzt­end­lich gibt es da sicher­lich kein „rich­tig“ oder „falsch“, aber es muss ja nicht jede Dis­kus­si­on zu einem Ergeb­nis kom­men.

Was mich aber gera­de mal wie­der auf die Pal­me treibt, sind die Ber­li­ner Hin­ter­bänk­ler, die – kaum, dass sich das Som­mer­loch bedroh­lich über der Medi­en­land­schaft öff­net – eiligst durch die Gegend ren­nen und in die erst­bes­ten Mikro­fo­ne hin­ein­sal­ba­dern:

Die Grü­nen spra­chen von einem «fata­len Signal», wenn die Quo­te zäh­le, der Inhalt aber nicht. «An die Zuschau­er wird dabei nicht gedacht, an einen sau­be­ren Rad­sport schon gar nicht – Haupt­sa­che Spek­ta­kel», heißt es in einer gemein­sa­men Erklä­rung der medi­en­po­li­ti­schen Spre­che­rin, Griet­je Bet­tin, und des sport­po­li­ti­schen Spre­chers, Win­fried Her­mann.

Zunächst ein­mal freut es mich natür­lich, wenn sich die mir bis­her unbe­kann­ten Grü­nen-Spre­cher als mei­ne Anwäl­te (ich als Teil­men­ge von die Zuschau­er) auf­spie­len. Allein: Ich will gucken – und eine knap­pe Mil­lio­nen ande­rer Leu­te offen­bar auch.

Sicher: Wir könn­ten auch der Über­tra­gung bei Euro­s­port fol­gen, dafür braucht es kei­ne lang­wei­li­ge Sat.1‑Übertragung. Aber allein die Ver­wen­dung des Begriffs „Spek­ta­kel“ zeigt, dass sich offen­bar kei­ner der Bei­den die Mühe gemacht hat, sich das Elend bei Sat.1 anzu­schau­en – dage­gen ist ja jeder Wet­ter­be­richt nach den „Tages­the­men“ ein grö­ße­res Spek­ta­kel. Und die Quo­te „stimm­te“ ges­tern bei Sat.1 schon mal über­haupt nicht.

Mir erschließt sich auch nicht so ganz, ob und wie der Rad­sport dadurch sau­be­rer wer­den soll­te, wenn die Tour nicht im Fern­se­hen auf einem Sen­der, der einen ein­stel­li­gen Sen­de­platz auf der Fern­be­die­nung belegt, über­tra­gen wür­de. Es ist ein biss­chen wie mit Schrö­din­gers Kat­ze: ent­we­der wird gedopt oder nicht – ob man dabei zuse­hen kann oder nicht, hat dar­auf kei­nen Ein­fluss.

Poli­ti­ker müs­sen nicht zu allem eine Mei­nung haben und vor allem soll­ten sie dar­auf ver­trau­en, dass die Bür­ger, von denen sie mit der Wah­rung ihrer Inter­es­sen beauf­tragt wur­den, mün­dig genug sind, einen Fern­se­her ein­zu­schal­ten oder nicht. So doll wie frü­her waren die Zuschau­er­zah­len der Tour schon bei ARD und ZDF nicht – also gibt es offen­bar genug frü­he­re Zuschau­er, die ent­we­der die Schnau­ze voll haben von gedop­ten Sport­lern oder – auch das wäre nicht undenk­bar – denen die unge­dop­ten Fah­rer zu lang­sam fah­ren.

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Öffentlich-rechtliche Radlosigkeit

Ges­tern sind ARD und ZDF aus der Über­tra­gung der Tour de France aus­ge­stie­gen. Der Spie­gel­fech­ter hat die­ses Vor­ge­hen recht aus­führ­lich kom­men­tiert und in zwei Sät­zen gut zusam­men­ge­fasst:

Wenn man „den Doping­sumpf“ halb­wegs tro­cken legen will, ist weder kra­wal­li­ger Aktio­nis­mus noch Hys­te­rie hilf­reich, wie die ARD und ZDF an den Tag legen. Wer bes­se­re Kon­trol­len for­dert und laut auf­schreit, wenn die­se Kon­trol­len tat­säch­lich etwas zu Tage för­dern, agiert wie der Dieb der „Hal­tet den Dieb!“ schreit.

Heu­te haben dann völ­lig über­ra­schend Sat.1 und Pro­Sie­ben, zwei Sen­der die in der letz­ten Zeit nicht unbe­dingt durch Sport­über­tra­gun­gen auf­fie­len, die Sen­de­rech­te der Tour de France gekauft. Für die Öffent­lich-Recht­li­chen ist das ein laut­star­ker, öffent­li­cher Schlag in die Fres­se, denn die Quo­ten bei Sat.1 wer­den – wie ges­tern die bei Euro­s­port – explo­die­ren. Die Zuschau­er wol­len offen­bar die Tour sehen und das ist ja auch gar nicht so abwe­gig: Unter Beob­ach­tung wer­den die Fah­rer ja wohl hof­fent­lich weni­ger Schei­ße bau­en, als wenn sie unter sich sind.

Die Teams von ARD und ZDF, die für drei Wochen gebucht waren, ste­hen jetzt mit ihren Über­tra­gungs­wa­gen, Dekos und Kame­ras irgend­wo mit­ten in Frank­reich, ihnen droht auch noch der Ent­zug ihrer Akkre­di­tie­run­gen. Mög­li­cher­wei­se wird sich der eine oder ande­re Gebüh­ren­zah­ler fra­gen, wel­che Kos­ten die nun­mehr beschäf­ti­gungs­lo­sen ÖR-Repor­ter gera­de so ver­ur­sa­chen.

Für Sat.1 kam die Nach­richt unter­des­sen so über­ra­schend, dass man impro­vi­sie­ren muss­te: Exper­te Mike Klu­ge erzähl­te vor­hin, man habe ihn ges­tern Abend um 23 Uhr ange­ru­fen und gefragt, ob er kom­men­tie­ren wol­le. Des­we­gen sit­zen er und N24-Sport­chef Timon Saat­mann heu­te auch noch in einem Ber­li­ner Stu­dio und nicht (wie sonst üblich) am Ziel in Mont­pel­lier. Das erklärt auch, war­um der Kom­men­tar heu­te so ster­bens­lang­wei­lig ist: die bei­den haben ja noch nicht mal das Buch zur Hand, in dem his­to­ri­sche Gebäu­de, loka­le Wein- und Käse­sor­ten ver­merkt sind. Ich will hof­fen, dass sich das ab mor­gen ändert. Sonst muss ich mir die Tour nach­her noch von Euro­s­port kom­men­tie­ren las­sen.