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„… und Radiohead spielen gar keine Popsongs!“

Ken­nen Sie noch Sta­tus Quo? Die­se schlimms­ten aller schlim­men Relik­tro­cker, für die das Wort „Rock­di­no­sau­ri­er“ erfun­den wur­de? „Wha­te­ver You Want“, „Rockin‘ All Over The World“, … Siehs­te!

Deren Sän­ger Fran­cis Ros­si, dem man auch mal sagen soll­te, dass graue Zöp­fe nichts sind, was man am Kopf haben soll­te (schon gar nicht bei ansons­ten kahl­köp­fi­gen Män­nern kurz vor dem Ren­ten­ein­tritts­al­ter) hat kürz­lich gesagt, dass er Oasis irgend­wie sehr un-rock’n’rol­lig fän­de:

“But some of the youn­ger bands don’t want to put that phy­si­cal com­mit­ment in, eit­her becau­se it’s not cool at the moment or wha­te­ver.

“What always comes to mind is Oasis. They call them­sel­ves a rock band and they stand the­re loo­king at the flo­or. Bored s***less they look.I’m not say­ing they’re a bad band, but that to me isn’t rock ’n’ roll.”

Nun gut, Oasis vor­zu­wer­fen, dass sie nicht breit­bei­nig über die Büh­ne hüp­fen und Gitar­ren und graue Mäh­nen im Takt schwen­ken, ist unge­fähr so ori­gi­nell, wie Sta­tus Quo vor­zu­wer­fen, dass sie die schlimms­ten aller schlim­men Relik­tro­cker sei­en, für die das Wort „Rock­di­no­sau­ri­er“ erfun­den wur­de. It’s obvious, isn’t it?

Es dürf­te Noel Gal­lag­her leicht gefal­len sein, Ros­sis Maß an Ori­gi­na­li­tät und Vor­her­seh­bar­keit nicht zu über­schrei­ten:

„Nor­mal­ly I would­n’t give a rat’s arse­hole what Sta­tus Quo have got to say about any­thing. But tell them from me that when I go on stage at Wem­bley next sum­mer, I won’t be won­de­ring about what the pos­ter boys from Help The Aged think“

Ein biss­chen wit­zi­ger war da schon der Vor­wurf des altern­den Belang­lo­sig­keits­pop­pers Mich Huck­nall (Sim­ply Red) aus Man­ches­ter, der mein­te, aus­ge­rech­net Oasis sei­en schuld am schlech­ten Image Man­ches­ters. Das ist ja, als ob Micha­el Wend­ler den Kili­ans vor­wür­fe …

[via Visi­ons]

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Listenpanik 09/​08

Es ist Novem­ber und ich bin noch nicht dazu gekom­men, die Bes­ten­lis­te für Sep­tem­ber zu schrei­ben. Das liegt zum einen dar­an, dass im Sep­tem­ber ver­dammt vie­le Alben her­aus­ge­kom­men sind, die mir gefal­len (könn­ten), zum ande­ren dar­an, dass ich zeit­gleich mit dem Vor­ha­ben begon­nen habe, bis­her unge­hör­te CDs aus mei­nem Regal mal einer genaue­ren Prü­fung zu unter­zie­hen. Und dann bin ich auch noch stän­dig unter­wegs …

Ich habe jetzt aber den Moment gefun­den, in dem ich mit der unge­fäh­ren Rei­hen­fol­ge der Sep­tem­ber-Ver­öf­fent­li­chun­gen leben kann. Bevor ich die­se wie­der ver­wer­fe, drü­cke ich bes­ser auf „Ver­öf­fent­li­chen“. Des­halb feh­len dies­mal auch die Erläu­te­run­gen, was ich zu ent­schul­di­gen bit­te.

Es fol­gen die bes­ten Plat­ten und Songs des Monats Sep­tem­ber – wie immer und alles hier im Blog streng sub­jek­tiv:

Alben
1. Tra­vis – Ode To J. Smith (s.a. hier)
2. Peter­Licht – Melan­cho­lie Und Gesell­schaft
3. Ra Ra Riot – The Rhumb Line
4. Ben Folds – Way To Nor­mal
(s.a. hier)
5. The Streets – Ever­y­thing Is Bor­ro­wed

Songs
1. Tra­vis – Befo­re You Were Young
2. Peter­Licht – Alles was Du siehst gehört Dir
3. Tom­te – Der letz­te gro­ße Wal
4. Oasis – The Shock Of The Light­ning
5. Ra Ra Riot – Too Too Too Fast

Okto­ber kommt dann hof­fent­lich auch bald.

[Lis­ten­pa­nik – Die Serie]

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Müssen alle mit

Wenn das Jahr so wei­ter geht, wird am Ende fast jeder mei­ner Lieb­lings­künst­ler ein neu­es Album ver­öf­fent­licht haben. Bereits erschie­nen sind ja schon die Alben von R.E.M., kett­car, Cold­play, Death Cab For Cutie, Sigur Rós und Niz­lo­pi, von Tra­vis gab es die (recht gelun­ge­ne) „J. Smith EP“, das Album dazu kommt im Herbst. Eben­falls bereits erschie­nen ist das Solo­de­büt von Jakob Dylan (The Wall­flowers).

Neue Alben ver­öf­fent­li­chen wer­den noch Ben Folds („Way To Nor­mal“, Sep­tem­ber – noch ohne deut­sches Label), Ste­reo­pho­nics (jetzt zu viert), Oasis („Dig Out Your Soul“, 6. Okto­ber), The Ver­ve („Forth“, 18. August), Star­sail­or („All The Plans“) und Tom­te (irgend­wann im Herbst).

Einen neu­en Song haben Bloc Par­ty ges­tern vor­ge­stellt. Er hört auf den Namen „Mer­cu­ry“ und klingt … etwas anstren­gend.

Das wird ganz schön hart für mög­li­che New­co­mer, sich bei mir über­haupt Gehör zu ver­schaf­fen.

Nach­trag, 23:55 Uhr: Ich hab Hotel Lights ver­ges­sen. Deren neu­es Album „Fire­cra­cker Peo­p­le“ erscheint im August in den USA.

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Britpop 2.0

The Ver­ve haben sich acht Jah­re nach ihrer Auf­lö­sung wie­der zusam­men­ge­fun­den, um gemein­sam auf Tour zu gehen und ein Album ein­zu­spie­len.

Ges­tern ver­öf­fent­lich­ten sie bei NME.com einen 14minütigen Mit­schnitt der ers­ten gemein­sa­men Jam­ses­si­on. Zwar sind sie damit nicht die ers­te Band, bei der man Mäus­chen im Pro­be­raum spie­len darf, aber eben eine wei­te­re der gol­de­nen Jah­re der bri­ti­schen Rock­mu­sik, die zu unge­wöhn­li­chen Ver­öf­fent­li­chungs­me­tho­den greift.

Radio­heads „In Rain­bows“ ent­wi­ckel­te sich für die Band zu einem schnel­len Erfolg, obwohl oder gera­de weil man es auch kos­ten­los legal her­un­ter­la­den kann. Sofort tauch­ten Gerüch­te auf, auch Oasis und Jami­ro­quai – eben­falls Bands, denen es nicht mehr auf jeden Pen­ny ankom­men dürf­te – wür­den mit ihren neu­en Alben nach­zie­hen. Die neue Char­la­tans-Sin­gle kann man seit ges­tern kos­ten­los beim Radio­sen­der XFM her­un­ter­la­den, das kom­plet­te Album soll im nächs­ten Jahr fol­gen.

So lang­sam stellt sich da natür­lich auch die Fra­ge, wie lan­ge sol­che Aktio­nen eigent­lich noch etwas beson­de­res sein wer­den. Weni­ger in dem Sin­ne, dass der­ar­ti­ge Down­loads bald die CD ersetzt haben wer­den (das kann ich mir bei aller Unfä­hig­keit der Musik­in­dus­trie nur schwer vor­stel­len), als viel­mehr so, dass die Down­loa­d­an­ge­bo­te infla­tio­när wer­den und schon bald kei­nen mehr inter­es­sie­ren.

The Ver­ve in allen Ehren1, aber Pro­be­raum­mit­schnit­te lan­de­ten frü­her auf obsku­ren Boot­legs, B‑Seiten, Antho­lo­gien oder Hid­den Tracks. Fans muss­ten lan­ge nach sol­chen Sachen suchen, heu­te bekommt man sie ein­fach geschenkt. Die Hard­core-Fans wer­den sich auch dar­über freu­en, aber es wird viel­leicht auch Leu­te geben, die den Stand­punkt „Was nix kos­tet ist auch nix!“ ver­tre­ten und die geschenk­ten Tracks dann für irgend­wie weni­ger wer­tig hal­ten.

Es bleibt jeden­falls span­nend.

1 Wenn die nach acht Jah­ren beim ers­ten Rum­dad­deln so klin­gen, bin ich mal wirk­lich auf die ein­ge­spiel­te Band im Stu­dio gespannt.

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„My Rice“: Travis werfen Sack um

Haben Sie sich je gefragt, wie eigent­lich die­se idio­ti­schen Mel­dun­gen „Pro­mi X hat Y gesagt“ auf der „Vermischtes“-Seite Ihrer Tages­zei­tung und auf der Start­sei­te von „Spie­gel Online“ ent­ste­hen?

Ich erklär Ihnen das mal gera­de anhand eines Bei­spiels: Der „Mann­hei­mer Mor­gen“ hat anläss­lich des anste­hen­den Tra­vis-Kon­zerts in Mann­heim ein Inter­view mit Tra­vis-Sän­ger Fran Hea­ly geführt. Dar­in kam auch der fol­gen­de Dia­log vor:

Sie sind mit einer Deut­schen ver­hei­ra­tet. Besu­chen Sie Deutsch­land auch pri­vat?

HEALY: Sie wer­den lachen: Nächs­tes Jahr zie­hen wir nach Ber­lin. Unser Sohn ist in einem Alter, wo Müt­ter gern zuhau­se sein wol­len. Der Boss hat also gespro­chen. Wir fol­gen.

Ber­lin war ja ein span­nen­des Pflas­ter für bri­ti­sche Musi­ker. Man den­ke an David Bowie oder U2 …

HEALY: Ja, wir wer­den uns die Han­sa Stu­di­os auch mal anschau­en. Über­haupt zie­hen jetzt vie­le Künst­ler nach Ber­lin. Mein Freund Anton Cor­bi­jn, mein Lon­do­ner Stu­dio-Nach­bar Her­bert Grö­ne­mey­er und sein Pro­du­zent Alex Sil­wa. Das ver­än­dert eine Stadt. Bis jetzt spü­re ich immer viel Trau­rig­keit in Ber­lin, da kann die Injek­ti­on von Krea­ti­vi­tät viel­leicht Abhil­fe schaf­fen. Viel­leicht wird Ber­lin – wie in der Ver­gan­gen­heit schon mal – das New York von Euro­pa.

Die Redak­ti­on des „Mann­hei­mer Mor­gens“ fand die­se Aus­sa­ge wohl eini­ger­ma­ßen span­nend und gab über dpa eine Pres­se­mit­tei­lung her­aus, in der im wesent­li­chen genau die­se Zita­te drin ste­hen.

Nun kann man sol­che Mel­dun­gen als Grund­la­ge nut­zen, selbst noch ein biss­chen recher­chie­ren und schon hat man einen infor­ma­ti­ven klei­nen Text, den man z.B. im „Tages­spie­gel“ ver­öf­fent­li­chen kann. Man kann aber auch ein­fach die Mel­dung mehr oder weni­ger modi­fi­ziert dafür nut­zen, sei­ne Zei­tung zu fül­len oder sei­ne Zugriffs­zah­len zu erhö­hen. Und dann fra­gen sich hin­ter­her alle, war­um die­ser ein­ge­bil­de­te Rock­star sei­ne per­sön­li­chen Umzugs­plä­ne für so wich­tig hält, dass er sie in jeder Zei­tung her­aus­po­sau­nen muss.

Es geht aber noch unspek­ta­ku­lä­rer: Fran Hea­ly hat in einem Inter­view mit dem Radio­sen­der XFM „zuge­ge­ben“, dass die Akkor­de zu „Wri­ting To Reach You“ vom ’99er Tra­vis-Album „The Man Who“ von Oasis‘ „Won­der­wall“ abge­schrie­ben sei­en. Und – Zack! – ist auch das eine Mel­dung wert.

Das wäre wohl kaum jeman­dem auf­ge­fal­len. Außer den Lesern von Q Magazine’s 1001 Grea­test Songs (Novem­ber 2003), den Hörern von Dean Grays „Bou­le­vard Of Bro­ken Songs“ (Okto­ber 2004), den Nut­zern der Indiepe­dia (Okto­ber 2005) und irgend­wel­chen Men­schen, die kei­nen Broc­co­li in den Ohren haben.

P.S.: Völ­lig rat­los sit­ze ich noch vor die­ser Über­schrift: „Tra­vis: „Mei­ne Augen“ nun auch drau­ßen“

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Musik Digital

Video-Spiele

Weil ja nie­mand den Nerv hat, den gan­zen Tag MTV und Viva lau­fen zu las­sen in der Hoff­nung, mal ein gutes Musik­vi­deo zu sehen (oder über­haupt mal eins) und weil es ja You­Tube gibt, liegt die Zukunft des Musik­vi­de­os im Inter­net.

Und weil ich gera­de so vie­le tol­le Vide­os auf Hal­de habe, hau ich die ein­fach mal nach­ein­an­der raus:

Tra­vis – My Eyes

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Tra­vis machen mal wie­der alles rich­tig. Sie kop­peln die rich­ti­ge Sin­gle raus und dre­hen ein über­aus char­man­tes Video, das als Destil­lat aller guten Tra­vis-Vide­os durch­ge­hen kann: Alber­ne Ver­klei­dun­gen, nas­se Band­mit­glie­der und sicht­lich Spaß am Gan­zen.

Bob Dylan (Remi­xed by Mark Ron­son) – Most Likely You Go Your Way (And I’ll Go Mine)

So ganz sicher bin ich mir noch nicht, was ich vom ers­ten Dylan-Remix ever hal­ten soll. Die Glei­chung „Sin­ger/­Song­wri­ter-Legen­de + Pro­du­zent der Stun­de = Meis­ter­werk“ ging jeden­falls nicht ganz auf. Ron­son hat die glei­chen Blä­ser­sät­ze wie über­all sonst ver­bra­ten und lässt den Remix dadurch etwas belie­big wir­ken. Trotz­dem hat der Song sei­nen Charme und das Video ist wirk­lich sehr gelun­gen (wenn auch nicht hier ein­bind­bar, bit­te kli­cken Sie hier).

Oasis – Lord Don’t Slow Me Down

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Trotz des Titels die­ses Blogs war ich immer mehr Oasis- als Blur-Fan. Also wird auch jeder neue Oasis-Song gefei­ert, egal wie er klingt. „Lord Don’t Slow Me Down“ [via Pop­kul­tur­jun­kie] wird eine Down­load-Only-Sin­gle und ist der Titel­song zur neu­en Oasis-Tour-DVD. Es ist kein son­der­lich bril­lan­ter Song, hät­te aber gut auf „Don’t Belie­ve The Truth“ gepasst.

Brit­ney Spears – Gim­me More

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Nee, war natür­lich nur Spaß. Nicht kli­cken! Och …
Musi­ka­lisch geht die­se Num­mer des Tim­ba­land-Azu­bis Dan­ja natür­lich gar nicht, aber für hor­mo­nell über­steu­er­te Teen­ager gibt’s viel­leicht noch einen Ver­wen­dungs­zweck.
Okay, das war gemein. Ent­schul­digt, lie­be Teen­ager.

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Rundfunk Politik Fernsehen Musik

So I start a revolution from my bed

Gallagher Lane in San Francisco, CA

Zur Stun­de ist ja bekannt­lich Macht­wech­sel in Groß­bri­tan­ni­en. Das ist an sich schon ganz gro­ßes Kino, gewinnt aber noch mehr Qua­li­tät durch die (natür­lich her­vor­ra­gen­de) news covera­ge von BBC World:

Ein Bei­trag, in dem ein Inti­mus über den desi­gnier­ten Pre­mier­mi­nis­ter Gor­don Brown spricht, wur­de mit dem Intro von „Won­der­wall“ unter­legt, und zum Abschluss gab es dann noch mal die schöns­ten Bil­der aus Tony Blairs zehn­jäh­ri­ger Amts­zeit, unter­legt mit? Na klar: „Don’t Look Back In Anger“.

Und jetzt stel­len wir uns mal vor, ARD und ZDF unter­leg­ten den nächs­ten Regie­rungs­wech­sel in Deutsch­land mit … äh … mit … Ach ver­dammt, der Ver­gleich hinkt dop­pelt …

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Musik

Bochum-Total-Tagebuch (Tag 3)

Das Ruhr­ge­biet im All­ge­mei­nen und Bochum im Spe­zi­el­len ist ein Ort, an dem sich Men­schen, die von unse­ren Eltern in den Acht­zi­gern „Gruf­ties“ genannt wur­den, ger­ne tref­fen und gemein­sam Musik hören, die von sehr teu­ren Syn­the­si­zern erzeugt wird, und zu der Män­ner (tief) und Frau­en (hoch) Tex­te sin­gen, die im All­ge­mei­nen von Schmerz, Tod und Nacht han­deln. Die ein­zi­ge Musik­rich­tung, die mich noch weni­ger inter­es­siert als Gothic/​EBM ist Reg­gae, aber wer wäre ich, das Line-Up des Bochum Total zu kri­ti­sie­ren, zumal nach die­sem Auf­takt? Es ist halt wirk­lich für jeden Geschmack etwas dabei und so kam ich am gest­ri­gen Sams­tag wie­der zwei­mal auf mei­ne Kos­ten:

Sugar­plum Fairy (Eins-Live-Büh­ne)
Vic­tor und Carl Norén, die bei­den Sän­ger von Sugar­plum Fairy sind die klei­nen Brü­der von Gus­taf Norén von Man­do Diao. Als letz­te­re vor zwei Jah­ren auf dem Hald­ern Pop spiel­ten, reg­ne­te es in Strö­men, ich saß im Pres­se­zelt und lang­weil­te mich, denn die Band war live min­des­tens so schwach wie Franz Fer­di­nand am Abend zuvor.

Ges­tern war also Bochum Total, es reg­ne­te immer mal wie­der, ich stand vor der Büh­ne und war hell­auf begeis­tert. Die klei­nen schwe­di­schen Rotz­löf­fel (hab grad extra nach­ge­guckt: wenigs­tens der Schlag­zeu­ger ist älter als ich, wenn auch nur eine Woche) haben sich natür­lich viel bei der Schwes­ter­band und vor allem bei Oasis abge­guckt, aber bei allem Gepo­se war noch der Spaß dahin­ter zu erken­nen und es klang ein­fach gut. Sie spiel­ten vie­le Songs vom aktu­el­len Album „First Round First Minu­te“, wobei sich Carl, Vic­tor und David Hebert stän­dig an Bass, Gitar­re, Orgel und Gesang abwech­sel­ten, was ich immer beson­ders schön fin­de. Die meis­te Stim­mung kam aber bei den Hits des Debüt­al­bums auf: bei „Mor­ning Miss Lisa“, „Sail Bey­ond Doubt“, „(And Plea­se) Stay Young“ und dem über­ra­gen­den „Sweet Jackie“, das Noel Gal­lag­her sicher ger­ne geschrie­ben hät­te, wenn die Noréns es nicht aus sei­nen größ­ten Hits zusam­men­ge­puz­zelt hät­ten.

Es wäre also ein rund­her­um gelun­ge­nes Rock’n’Roll-Kon­zert gewe­sen, hät­te Carl Norén nicht plötz­lich die vier­te Wand ein­ge­ris­sen und das Oasis’sche „Won­der­wall“ ange­stimmt. Da zeig­te sich näm­lich für einen Moment, dass Sugar­plum Fairy letzt­end­lich doch noch nur Ersatz­be­frie­di­gung für das laut­hals mit­grö­len­de Publi­kum waren. Ande­rer­seits haben Oasis ja auch oft genug die Beat­les geco­vert …

Toco­tro­nic (Eins-Live-Büh­ne)
Tocotronic beim Bochum Total 2007Beim bereits oben erwähn­ten Hald­ern 2005 kam mir Musik­ex­press-Redak­teur Josef Wink­ler im Pres­se­zelt ent­ge­gen­ge­rauscht, flö­te­te „Toco­trooooo­nic!“ und ent­schwand Rich­tung Büh­ne (in mei­ner Erin­ne­rung trug er ein Feen­ge­wand und Bän­der im Haar, aber ich mag mich da durch­aus irren). Der Auf­tritt damals war schlicht­weg fan­tas­tisch und das gro­ße Fina­le mit „Neu­es vom Trick­ser“ ende­te in dem Unwet­ter, was den Man­do-Diao-Auf­tritt beglei­ten soll­te.

Dies­mal nie­sel­te es nur leicht, was in Sachen Spe­zi­al­ef­fek­te ja bei­na­he lang­wei­lig ist. Trotz­dem waren Dirk „der Graf“ von Lowtzow und die Sei­nen wie all­ge­mein üblich sehr, sehr gut. Es gab eini­ges an neu­em Lied­werk vom noch unver­öf­fent­lich­ten Album „Kapi­tu­la­ti­on“ zu hören (das wie­der sehr gut wird) und eine Art Grea­test-Hits-Revue, die sich den Main­stream-Hits „This Boy Is Toco­tro­nic“ und „Let The­re Be Rock“ kon­se­quent ver­wei­ger­te. Dafür gab es bei­spiels­wei­se bei „Ich bin viel zu lan­ge mit euch mit­ge­gan­gen“ und dem fina­len „Frei­burg“ die wohl größ­ten Stu­den­ten­chö­re der Welt zu hören (Trai­nings­ja­cken inklu­si­ve) und bei „Aber hier leben, nein dan­ke“ flog kein ein­zi­ger Becher auf die Büh­ne.

Detail am Ran­de: Ein etwa sechs- bis acht­jäh­ri­ges Mäd­chen im Toco­tro­nic-Band­shirt auf den Schul­tern sei­nes Vaters, das den Refrain der aktu­el­len Sin­gle „Kapi­tu­la­ti­on“ begeis­tert und aus einem Schnei­de­zahn­lo­sen Mund mit­sang.

Das ver­wen­de­te Foto stammt von Kath­rin. Hier hat sie noch mehr vom Bochum Total.

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Musik

Fast Times At Dropout High

Da „lied abschluss­fei­er“ (oder Art­ver­wand­tes) in den letz­ten Tagen auf­fal­lend oft in den Such­an­fra­gen auf­ge­taucht ist, sehe ich das als Auf­ruf ori­en­tie­rungs­lo­ser Abitu­ri­en­ten, die drin­gend ein Mot­to­lied für ihren Schul­ab­schluss suchen, das nicht „(I’ve Had) The Time Of My Life“, „Sum­mer Of ‚69“ oder „Gei­le Zeit“ heißt.

Euch kann gehol­fen wer­den mit die­ser Lis­te und zahl­rei­chen iTu­nes-Links: