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Sport

It Ain’t Over ‚til It’s Over

Wenn’s nach mir gegan­gen wäre, hät­te die Bun­des­li­ga­sai­son um 16:15 Uhr wirk­lich vor­bei sein kön­nen:

1. Bundesliga, Tabelle: 1. Gladbach 3:0 Tore 3 Pkt

Es gibt Din­ge, von denen eigent­lich klar ist, dass man sie nie tun darf: Sich über ein Fes­ti­val-Lin­e­up freu­en, bevor der Zeit­plan raus ist (und man fest­stellt, dass alle Bands, die man sehen will, gleich­zei­tig spie­len); den eige­nen Freun­den vor dem ent­schei­den­den Date vom aktu­el­len love inte­rest erzäh­len und Sie­ge von Borus­sia Mön­chen­glad­bach vor dem Abpfiff fei­ern. Ich hab heu­te zur Abwechs­lung mal wie­der letz­te­res getan.

Weil ich im Vor­ver­kauf kei­ne Kar­ten für den Glad­ba­cher Block gekriegt hat­te, war ich heu­te auf gut Glück zum Ruhr­sta­di­on gefah­ren. Dort gab es tat­säch­lich noch Kar­ten, aber eben nur für die Bochu­mer Kur­ve. Mit ungu­tem Gefühl mei­ne Eig­nung als Under­co­ver-Agent betref­fend stell­te ich mich also zwi­schen die Bochu­mer Fans (zu denen ich mich als Zuge­zo­ge­ner an jedem ande­ren Spiel­tag auch zäh­le) und stell­te mir die – wie ich annahm theo­re­ti­sche – Fra­ge, ob ich bei mög­li­chen Glad­ba­cher Toren wohl ruhig blei­ben könn­te.

VfL Bochum -  Borussia Mönchengladbach 0:1

Die Fra­ge wur­de in der 19. Minu­te beant­wor­tet: Ich konn­te. (In der letz­ten Sai­son habe ich mir beim 1:0 der Glad­ba­cher mei­ne Stim­me völ­lig rui­niert. Fal­scher Block hat also auch was für sich.) Etwas über­ra­schend ging Glad­bach, das die ers­ten fünf Minu­ten die inter­es­san­te Spiel­va­ri­an­te kom­plett ohne Mit­tel­feld aus­pro­biert hat­te, durch Aran­go in Füh­rung. Sie­ben Minu­ten spä­ter kes­sel­te es erneut, die ers­ten Bochum-Fans ver­lie­ßen das Sta­di­on und die Borus­sia tat etwas, wofür sie nicht unbe­dingt immer berühmt ist: sie spiel­te schö­nen und schlüs­si­gen Offen­siv-Fuß­ball. Das 3:0 in der 41. Minu­te war die logi­sche Fol­ge und Mön­chen­glad­bach war Tabel­len­füh­rer.

Bis hier­hin waren die Borus­sen-Fans schon häu­fig die lau­te­ren Anhän­ger gewe­sen, jetzt waren sie die ein­zi­gen. In der Bochu­mer Kur­ve rich­te­te sich jener abgrund­tie­fe Hass, den man außer­halb von Fuß­ball­sta­di­en nur in Ter­ror­camps und Musik­fo­ren im Inter­net fin­det, plötz­lich gegen die eige­ne Mann­schaft. Zu gern wäre man in der Halb­zeit­pau­se in der Kabi­ne gewe­sen, um Mar­cel Kol­ler bei sei­nem Wut­an­fall zu beob­ach­ten. Aber die „High­lights“ der ers­ten Spiel­hälf­te auf der Video­lein­wand waren auch schon ein schö­ner Ersatz.

Nach der Pau­se fiel den Bochu­mer Spie­lern plötz­lich wie­der ein, war­um sie eigent­lich ins Sta­di­on gekom­men waren, und in der 51. Minu­te stand es 1:3. Was dann folg­te, kann ich erst nach Sich­tung der Fern­seh­bil­der heu­te Abend ver­ste­hen: Es müs­sen maxi­mal fünf Ball­kon­tak­te nach dem Wie­der­an­pfiff gewe­sen sein und schon hat­te Aza­ouagh zum zwei­ten Mal für die Bochu­mer getrof­fen. Da däm­mer­te mir, dass die ers­te Halb­zeit ein Traum gewe­sen war und mich die Glad­ba­cher gera­de mit Holz­häm­mern zu wecken gedach­ten. Ver­ka­tert, mit­ten in der Nacht, an einem Ort, den ich nicht kann­te. Und dann hol­te sich Dan­te in der 59. Minu­te eine der däm­lichs­ten roten Kar­ten der Fuß­ball­ge­schich­te ab und Borus­sia war zu zehnt.

Klar, dass vier Minu­ten spä­ter der Aus­gleich fiel. In nicht mal einer Vier­tel­stun­de, die mir aller­dings vor­kam wie ein vier­stün­di­ger tsche­chi­scher Expe­ri­men­tal-Film ohne Unter­ti­tel, war das kom­plet­te Spiel gekippt. In einem der weni­gen Momen­te, in denen ich noch den­ken konn­te, dach­te ich: „Respekt, wie die Bochu­mer sich da noch mal auf­ge­rap­pelt haben! Glad­bach hät­te ab einem 0:2‑Rückstand nur noch auf Hal­ten gespielt.“ Ich woll­te nach hau­se, aber ich durf­te das Sta­di­on auf kei­nen Fall ver­las­sen, denn die letz­te Hoff­nung waren mei­ne Seri­en: Noch nie hat­te Glad­bach ver­lo­ren, als ich im Sta­di­on war, und noch nie hat­te Bochum etwas ande­res als Unent­schie­den gespielt.

Irgend­wann kamen die Glad­ba­cher dann auch mal wie­der ins Spiel und in die Nähe des Bochu­mer Tores. Zum Schluss hät­te jede Mann­schaft noch einen Sieg­tref­fer lan­den kön­nen, aber für Bochum wäre er zuge­ge­be­ner­ma­ßen etwas ver­dien­ter gewe­sen. Doch es blieb bei den sechs Toren, die natür­lich alle­samt auf der ande­ren Sei­te des Sta­di­ons gefal­len waren. Der Abpfiff kam und ich war erleich­tert, dass die Sai­son wenigs­tens nicht schon wie­der mit einer Nie­der­la­ge begon­nen hat­te. Jetzt nur schnell weg! Als ich zuhau­se aus der U‑Bahn stieg, spiel­te die Shuff­le-Funk­ti­on mei­nes iPods „Don’t Look Back In Anger“.

Viel­leicht war es aber auch ganz gut, dass das mit der Tabel­len­füh­rung nichts wur­de: Zum letz­ten Mal war Glad­bach am ers­ten Spiel­tag der Sai­son 98/​99 auf Platz 1 und stieg am Ende als 18. ab.

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Musik Unterwegs

Bochum Total 2009

In den letz­ten Tagen war Bochum mal wie­der der Mit­tel­punkt irgend­ei­ner Welt – mut­maß­lich der Musik­welt Nord­rhein-West­fa­lens. Jeden­falls war Bochum Total und aus mir selbst nicht ganz nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den woll­te ich mög­lichst viel davon mit­krie­gen.

Ort der Gegensätze: Bochum Total

Vier Tage, 60 Bands, hun­dert­tau­sen­de Liter Bier und noch ein biss­chen mehr Regen­was­ser – eine per­sön­li­che Doku­men­ta­ti­on:

Don­ners­tag, 2. Juli

Man kann nicht behaup­ten, ich sei schlecht vor­be­rei­tet gewe­sen: Cen­ti­me­ter­dick hat­te ich Son­nen­creme auf­ge­tra­gen, um eine zer­fetz­te Nase wie nach mei­nem Nord­see-Urlaub zu ver­mei­den. Ich hat­te eine Son­nen­bril­le auf, die nicht nur unge­fähr­de­tes fas­sungs­lo­ses Anstar­ren bizarr geklei­de­ter Men­schen ermög­lich­te, son­dern auch derbs­te Gewit­ter­tier­chen-Schwär­me davon abhielt, mir in die Augen zu flie­gen. War­um das alles nur halb­gut vor­be­rei­tet war, lesen Sie gleich …

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Leben

Aaaah, Glückauf

Bochum im Frühling

Als BILD­blog­ger muss man regel­mä­ßig „Bild“ lesen. Um nicht als Vor­zei­ge-Leser zu gel­ten und irgend­wann nament­lich begrüßt zu wer­den, ver­su­che ich, mei­ne Zei­tung immer woan­ders zu kau­fen. Bei uns im Vier­tel gibt es eine Tank­stel­le, einen Aldi, eine Lot­to­an­nah­me­stel­le und ein Büd­chen, die „Bild“ im Sor­ti­ment haben. Ich ver­su­che mich an einem rotie­ren­den Sys­tem, gehe aber trotz­dem am liebs­ten zum Büd­chen.

Das liegt nicht nur am nächs­ten, es hat auch die schöns­te Atmo­sphä­re: Neben Bou­le­vard­zei­tun­gen wer­den dort auch Eis und gemisch­te Tüten ver­kauft. Da ich nicht weiß, ob letz­te­res außer­halb des Ruhr­ge­biets über­haupt bekannt ist, hier eine kur­ze Erklä­rung: In zahl­rei­chen Glas- oder Plas­tik­ge­fä­ßen lagern ver­schie­de­ne Süßig­kei­ten, die einem der Büd­chen-Besit­zer dann nach Wunsch („Drei Frö­sche, vier Sala­mi-Bre­zeln und drei Cola-Kra­cher“) oder nach Pau­scha­le („Eine gemisch­te Tüte für einen Euro, bit­te“) zusam­men­stellt. Das ist zwar teu­rer als im Super­markt, fühlt sich aber bes­ser an.

Schon die knapp 200 Meter zum Büd­chen sind wun­der­bar. An man­chen Com­pu­ter-inten­si­ven Tagen sind sie das ein­zi­ge, was ich von der Außen­welt sehe. Im Moment zeigt sich der Früh­ling von sei­ner knal­ligs­ten Sei­te (Büsche in pink und gelb leuch­ten am Weges­rand) und die Men­schen brin­gen ihre Bal­ko­ne und Vor­gär­ten in Ord­nung. Da wer­den Fens­ter geputzt, Rasen gemäht und Trep­pen geschrubbt.

Vor­hin sah ich eine alte Frau in Kit­tel­schür­ze, die sich mit einem Leder, des­sen Ober­flä­che zu mehr als 50% aus Löchern bestand, und einem Schrub­ber abmüh­te. Kin­der gin­gen von der nahen Grund­schu­le nach hau­se, sag­ten so klu­ge Kin­der­sät­ze wie „Die größ­te Win­ter­zeit war mal in Nor­we­gen. Da waren Minus neu­nen­neun­zich Grad!“ und ein Mäd­chen erin­ner­te mich unfrei­wil­lig an eines mei­ner größ­ten Kind­heits­trau­ma­ta: Mit dem Tor­nis­ter auf dem Rücken hin­fal­len und dann hilf­los wie ein Mai­kä­fer lie­gen blei­ben.

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Alltägliche, aber allerliebste Alliterationen

Viel­leicht muss ich dem­nächst noch ein Toch­ter­blog auf­ma­chen: das für schö­ne Über­schrif­ten.

Nach­dem die Lokal­re­dak­teu­re aus Dins­la­ken letz­te Woche gut vor­ge­legt hat­ten, woll­ten die Zei­tungs­ma­cher einer ande­ren Stadt nicht hint­an­ste­hen:

Bald blühen bunte Blumen

Wo man der­art lieb­li­che Stab­rei­me mit „B“ aus dem Ärmel schüt­telt?

Na, in Bochum natür­lich!

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Leben Gesellschaft

„Die glauben, sie wären sonstwer“

Das Zwei­te, was wir nach unse­rer Rück­kehr aus Oslo erleb­ten, war ein Zusam­men­stoß mit einer Zug­be­glei­te­rin der Deut­schen Bahn, die uns auf sehr unfreund­li­che Wei­se mit­teil­te, dass es eine schlech­te Idee gewe­sen sein, unser Gepäck auf der ein­zi­gen hori­zon­ta­len Flä­che im Zug abzu­stel­len, die nicht von Alko­hol oder Erbro­che­nem kon­ta­mi­niert war. (Das ers­te waren betrun­ke­ne Men­schen unter 18 und weit über 50.) „Will­kom­men zuhau­se“, dach­ten (und sag­ten) wir.

Ande­rer­seits habe ich heu­te in der U35 in Bochum ein Gespräch mit­an­hö­ren müs­sen, das mir nur all­zu tie­fes Ver­ständ­nis für Gereizt­heit und Ent­nervt­heit von Zug­be­glei­tern ein­ge­prü­gelt hat. Eine durch Tabak­kon­sum und Sola­ri­ums­be­su­che ent­stell­te Frau hat es mit dem Kon­trol­leur im Zug und einer mir unbe­kann­ten Per­son am Mobil­te­le­fon geführt und es folgt ein Gedächt­nis­pro­to­koll:

Frau: (ins Tele­fon) Ach, da ist wie­der der Kon­trol­leur, weiß­te? Der will bestimmt gleich wie­der das Ticket so genau begu­cken, macht der doch jedes Mal. Je, der, weiß­te?
Kon­trol­leur: Guten Tag, die Fahr­aus­wei­se bit­te!
F: Sie neh­men das ja schon wie­der aus­ein­an­der! Lang­sam müss­ten Sie das doch mal wis­sen oder sind Sie so schwer von Begriff?
K: Wis­sen Sie, wie vie­le Leu­te ich jeden Tag kon­trol­lie­re?
F: Ja, aber Sie haben mich schon tau­send­mal kon­trol­liert. In der 306!
K: Ich ken­ne Sie doch gar nicht!
F: In der 306!
K: Das ist mei­ne Auf­ga­be …
F: Ja, aber das ist auch mein Ticket! Ich kann bestim­men, was mit mei­nem Ticket pas­siert!
K: Ich muss kon­trol­lie­ren, ob …
F: Ja, aber das sieht man doch!
K: Das Ticket ist total ver­wa­schen, ich kann da nicht sehen, ob …
F: Also ich kann das sehen!
K: Ja, aber ich nicht.
F: Dann, dann, dann soll­ten Sie viel­leicht mal zum Opti­ker gehen! (ins Tele­fon) Ja, wie­der der. Weiß­te, der hat mich schon tau­send­mal kon­trol­liert. Wars­te ja dabei. Ja. Schlimm. Die glau­ben immer, sie wären sonst­wer. Ja. Bil­den sich ein, sie könn­ten sich alles erlau­ben. Schlimm, ganz schlimm. Der muss doch inzwi­schen wis­sen … Ja, in der 306. Ja, schlimm. Weiß­te, die neh­men den Deut­schen die gan­zen Arbeits­plät­ze weg und dann glau­ben­se. Ja. Du, ich muss Schluss machen, ich muss jetzt erst mal aus­stei­gen. Ich ruf spä­ter … (steigt aus) Ja, aber ich muss jetzt erst mal aus­stei­gen, ich ruf dann spä­ter wie­der an …

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Ja, Ihr könnt mich mal (26 & 27)

Die Wahl zum neu­en Bochu­mer Stu­die­ren­den­par­la­ment setzt unge­ahn­te Ener­gien frei und lässt einen bereits mit Sor­ge auf den Bun­des­tags­wahl­kampf im Herbst bli­cken.

Letz­te Woche hat­ten wir den RCDS, die­se Woche das hier:

Der schwarze Ritter ist unbesiegbar. Der erste Schwarze im AStA. Yes, we can

(Wobei die Lis­te „Der schwar­ze Rit­ter ist unbe­sieg­bar“ sowie­so gewis­se Pro­ble­me hat, ernst genom­men zu wer­den. Aber das ist wohl gewünscht.)

Ges­tern fand ich dann in mei­nem Brief­kas­ten eine Post­kar­te, die mir ein anony­mer Leser freund­li­cher­wei­se wei­ter­ge­lei­tet hat­te:

Yes ... we can! Ja, das schaffen wir. Obama hat es vorgemacht und sein Ziel konsequent verfolgt! Geradlinig, klug und ausdauernd. Sie können das auch! PaX eröffnet Ihnen Zugang zu umsatzstarken Kundensegmenten. Mit einem überzeugenden Kraft-Paket, das Ihnen Impulse bietet, die Krise besser zu meistern. PaX macht stark. Umdenken - handeln - gewinnen.

Der Preis in der Kate­go­rie „Abwe­gigs­ter Oba­ma-Ver­weis unter Ein­be­zie­hung von sowohl Uncle Sam als auch der Welt­wirt­schafts­kri­se“ geht damit an PaX, eine Fir­ma, die – obwohl man bei dem Wer­be­text ande­res ver­mu­ten könn­te – Fens­ter und Türen her­stellt.

Ande­rer­seits: Der wah­re Erfin­der des Slo­gans „Yes we can!“ stammt ja bekannt­lich auch aus dem Bau­ge­wer­be

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Kultur

Zelt am See

Mit dem Ruhr­ge­biet und der Kul­tur ist das so eine Sache: natür­lich gibt es hier wel­che, aber jeder ver­steht etwas ande­res dar­un­ter. Man wäre ger­ne mehr als man ist (oder zumin­dest anders), wes­we­gen es zwi­schen Duis­burg und Dort­mund eini­ge hun­dert mit­tel­gu­te, aber sat­te (weil tot­sub­ven­tio­nier­te) Thea­ter, Orches­ter und Kul­tur­zen­tren gibt. Dafür kei­ne Love­pa­ra­de, denn wenn man eines im Ruhr­ge­biet noch mehr liebt als Sub­ven­tio­nen und Kom­pe­tenz­ge­ran­gel, dann die Mög­lich­keit, sich auf einer mög­lichst gro­ßen Büh­ne völ­lig zu bla­mie­ren. 1

Das kom­men­de Jahr, in dem das Ruhr­ge­biet „Kul­tur­haup­stadt Euro­pas“ genannt wer­den darf, wird sicher ein völ­li­ges Desas­ter, und eine Gegend, in der man Don­ners­tag­abends um Vier­tel nach Zehn eine hal­be Stun­de auf einen Zug war­ten muss, 2 der einen in die Nach­bar­stadt bringt, ist vie­les, aber sicher kei­ne inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hi­ge „Metro­pol­re­gi­on“.

Bei die­sen Vor­aus­set­zun­gen freue ich mich immer, wenn jemand ankommt und ohne Sub­ven­tio­nen sein eige­nes Ding durch­zieht – es muss ja nicht immer Hoch­kul­tur sein. So gese­hen ist das „Zelt­fes­ti­val Ruhr“, das im ver­gan­ge­nen Jahr erst­ma­lig statt­fand, eine Berei­che­rung für die unüber­sicht­li­che und oft­mals ver­fein­de­te Kul­tur­land­schaft im Ruhr­ge­biet.

Ich war in der Pre­mie­ren­sai­son lei­der nie vor Ort am Kem­n­ader See, 3 aber es heißt, die Mischung aus Ver­an­stal­tun­gen, Gas­tro­no­mie und Kunst­hand­werk­markt sei recht schön gewe­sen. In die­sem Jahr soll natür­lich alles noch schö­ner und grö­ßer wer­den, wie die Ver­an­stal­ter auf der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz ankün­dig­ten.

Veranstalter, Sponsoren und ein Kulturdezernent

Bei beleg­ten Bröt­chen und Kaf­fee erfuhr die ver­sam­mel­te Lokal­pres­se, 4 was man sich für die­ses Jahr so alles aus­ge­dacht hat: Das Pro­gramm soll deut­lich aus­ge­wei­tet wer­den, es gibt ein drit­tes Ver­an­stal­tungs­zelt und Koope­ra­tio­nen mit loka­len Ver­an­stal­tern.

Auf der Lis­te der bereits bekannt­ge­ge­be­nen Künst­ler fin­den sich neben Götz Als­mann, Sil­ber­mond, Max Raa­be und Die­ter Tho­mas Kuhn mit Hagen Rether, Hea­ther Nova, Polar­kreis 18, Jochen Malms­hei­mer und den frisch wie­der­ver­ein­ten Selig auch eini­ge Pro­gramm­punk­te, die auch mich inter­es­sie­ren wür­den.

Und dann ist da noch ein Ter­min, den man bei einem regio­na­len Kul­tur­fes­ti­val eigent­lich nicht erwar­tet hät­te: eine spo­ken word per­for­mance von Hen­ry Roll­ins.

Alle Ter­mi­ne und wei­ter Infos gibt es dem­nächst unter zeltfestivalruhr.de

  1. Bochums Ober­bür­ger­meis­te­rin Otti­lie Scholz ließ sich kürz­lich zitie­ren: „Wir in Bochum sind nicht pro­vin­zi­ell!“ Son­dern nur doof und unfä­hig, oder was?[]
  2. Been the­re, done that.[]
  3. Der Nah­ver­kehr, s.o.[]
  4. Da merkt man den Unter­schied zwi­schen Bochum und Dins­la­ken dann doch: in Dins­la­ken waren wir immer zu zweit bei sol­chen Pres­se­kon­fe­ren­zen, heu­te waren es min­des­tens zwan­zig Jour­na­lis­ten.[]
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Ich bin nur zugezogen, holt mich hier raus!

Die pein­li­che Absa­ge der Love­pa­ra­de, die die­ses Jahr eigent­lich in Bochum statt­fin­den soll­te, bestimmt in den letz­ten Tagen die Lokal­pres­se:

Nein, von einem Image­scha­den kön­ne kei­ne Rede sein, gab Stadt­rat Paul Aschen­bren­ner (SPD) zu Pro­to­koll. „Weil wir eine ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Ent­schei­dung getrof­fen haben.“

(„Ruhr­nach­rich­ten“)

Gut, dass Bochum kein Image hat, was zu Scha­den kom­men könn­te. Und wen inter­es­sie­ren schon jun­ge Men­schen, die Krach hören und Rausch­gift kon­su­mie­ren?

Die SPD jeden­falls nicht:

So hat­te etwa der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me, der schon Wolf­gang Cle­ment poli­tisch weit­ge­hend über die Klin­ge sprin­gen ließ, einen Antrag für den Rat vor­be­rei­tet, wegen dro­hen­der Ver­mül­lung der Anlie­ger­stra­ßen vom Raver-Tanz­ver­gnü­gen ganz abzu­las­sen.

In dem Antrag vom 31. Juli 2008 heißt es wört­lich: „Der SPD-Orts­ver­ein Bochum-Ham­me sieht in der Aus­rich­tung der Love­pa­ra­de 2009 in Bochum kei­nen kul­tu­rel­len bzw. nach­hal­ti­gen Bei­trag zur Ver­bes­se­rung des Images des Ruhr­ge­bie­tes bzw. für das Kul­tur­haupt­stadt­jahr 2010. Die im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­on ent­ste­hen­den Kos­ten und Nach­fol­ge­schä­den ste­hen in kei­nem Ver­hält­nis zum Nut­zen die­ser Ver­an­stal­tung und sind öffent­lich nicht ver­tret­bar.” Bochum sol­le des­halb die Ver­an­stal­tung zurück­ge­ben.

(„WAZ“)

Aber die sehr end­li­che Kom­pe­tenz der SPD mani­fes­tiert sich bis ins kleins­te Detail:

Im Som­mer 2008 ver­ab­schie­de­te der Orts­ver­ein den Antrag an den Rat, die Love­pa­ra­de in Bochum abzu­bla­sen, wegen Gefahr der Ver­mül­lung und ande­rer Schä­den. Zwar wur­de der Antrag nie abge­schickt, doch in den SPD-Gre­mi­en wie Rats­frak­ti­on und Unter­be­zirks­par­tei­tag sicker­te die Ableh­nung gleich­wohl durch.

(Noch mal die „WAZ“)

Ent­spre­chend gut lässt sich die­ser Eier­tanz kom­men­tie­ren:

Wie eine Nach­ge­burt kom­men nun Ein­schät­zun­gen zu Tage, die dar­auf hin­wei­sen, dass die Macher der Bochu­mer Poli­tik mit der Love­pa­ra­de wenig am Hut hat­ten. Statt­des­sen ging die Sor­ge um, das The­ma spal­te und kön­ne im Super­wahl­jahr 2009 Wäh­ler­stim­men kos­ten.

Das aller­dings ist nicht von der Hand zu wei­sen. Zu auf­fäl­lig, wie ein­drucks­voll und wort­mäch­tig sich Bochu­mer Poli­ti­ker über Kon­zert­haus­bau, Cross-Bor­der-Deal und Gott und die Welt ver­brei­tet haben, das The­ma Love­pa­ra­de aber fast gänz­lich mie­den. […]

Und dann die Kos­ten: 130 000 Euro allein durch den Ein­satz der Feu­er­wehr und Ret­tungs­diens­te. Ganz zu schwei­gen von hun­der-ten Extrabus­sen. Und der befürch­te­ten Ver­mül­lung. Das wirkt doch sehr wie ein run­des bestell­tes Gut­ach­ten. Von Leu­ten, die nicht wirk­lich wol­len.

(Kom­men­tar in der „WAZ“)

Ins­ge­heim dürf­ten spä­tes­tens seit dem Erfolg der Love­pa­ra­de in Essen klar gewe­sen sein: Bochum ist dem nicht gewach­sen. Da das nie­mand sagen will, fehl­te nur ein Grund für die Absa­ge.

Zum Glück gibt es die Gleis­bau­ar­bei­ten der Bahn.

(Kom­men­tar in den „Ruhr Nach­rich­ten“)

Der publi­zis­ti­sche Todes­stoß kam aller­dings aus der alten Hei­mat der Love­pa­ra­de. Ein Pro­vinz­por­trät in zwei­ein­halb Sät­zen:

Her­bert Grö­ne­mey­er hat Bochum groß gemacht, aber nicht groß genug. Die Love­pa­ra­de – Älte­re wer­den sich erin­nern – kann dort in die­sem Jahr man­gels Kapa­zi­tät nicht statt­fin­den: Bahn­hof zu klein, Miet­toi­let­ten aus­ge­bucht, zu wenig Papier­kör­be, so etwa.

(„Der Tages­spie­gel“)

Der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de im Bochu­mer Stadt­rat wird von der „WAZ“ übri­gens wie folgt zitiert:

Es wur­de der Ein­druck erweckt, als wären nur Dep­pen am Werk.

Wie jetzt? „Ein­druck“? „als“?

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Politik

Schlechter Wechselkurs

Zuge­ge­ben: Ich hät­te den RCDS bei den anste­hen­den Wah­len zum Bochu­mer Stu­die­ren­den­par­la­ment eh nicht gewählt.

Change. Wechsel wollen. RCDS wählen.

Aber nach die­ser Pla­kat­kam­pa­gne wäre ich über­rascht, wenn der Ring Christ­lich-Demo­kra­ti­scher Stu­den­ten auch nur eine Stim­me mehr bekä­me als er Mit­glie­der hat.

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Musik Unterwegs

Bochum überraschend eingelaufen

Hat­te ich geglaubt, mit mei­nem Umzug von Dins­la­ken nach Bochum ein Pro­vinz­nest gegen eine Groß­stadt ein­ge­tauscht zu haben, weiß ich es spä­tes­tens seit heu­te bes­ser: Die Love­pa­ra­de, die in die­sem Jahr in Bochum statt­fin­den soll­te, fällt aus.

Der Wes­ten schreibt dazu:

Hin­ter­grund für die Absa­ge ist eine Erklä­rung der Stadt Bochum, dass die vor­han­de­ne Infra­struk­tur der Stadt nicht dazu aus­rei­che, die erwar­te­ten Besu­cher­mas­sen zu bewäl­ti­gen.

Ich sehe es förm­lich vor mir, wie die gan­zen Mit­glie­der der Stadt­ver­wal­tung, die seit Jah­ren behaup­ten, so eine Love­pa­ra­de in Bochum sei schon zu stem­men, plötz­lich ges­tern Mor­gen auf dem Weg zur Arbeit von der Erkennt­nis getrof­fen wur­den: „Ach Du Schei­ße, dat is ja allet viel zu klein hier!“

Scha­de vor allem für Domi­nik Peters, der mor­gen die ers­te Jugend­her­ber­ge Bochums eröff­net:

Spä­tes­tens zur Love­pa­ra­de, da ist sich Peters sicher, wird die Her­ber­ge prop­pen­voll sein.

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Ja, Ihr könnt mich mal (10)

Dies­mal müs­sen wir auch gar nicht über irgend­wel­che Städ­te dis­ku­tie­ren, dies­mal hab ich’s mit­ten in Bochum ent­deckt:

Yes, you can!

(Man beach­te, dass hier gleich noch eine zwei­te Poli­tik-Iko­ne mit ver­bra­ten wur­den!)

Alle bis­he­ri­gen Oba­ma-Anspie­lun­gen gibt’s hier.

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2008: Menschen, Tiere und Frisuren

Wenn sich das Jahr dem Ende neigt (im Fern­se­hen auch schon einen Monat frü­her), wer­den die Men­schen sen­ti­men­tal und schau­en zurück. Medi­en­schaf­fen­de stei­gen in die Archi­ve und glau­ben sel­ber nicht mehr, was sie da anschlep­pen. All das gilt auch für den gro­ßen Jah­res­rück­blick von Cof­fee And TV.

Er ist – so viel kann ich ver­spre­chen – eine wider­li­che Nabel­schau, wie man sie nur in Blogs fin­det, aber es gibt auch ein Wie­der­se­hen mit lie­ben Inter­view­part­nern, alten Bekann­ten, einem Chef­re­dak­teur und einem hal­ben Dut­zend Fri­su­ren. Am Ende wer­den Sie mög­li­cher­wei­se das Wort Pathos neu buch­sta­bie­ren wol­len, aber dafür haben Sie ja in den nächs­ten Tagen hof­fent­lich auch genug Zeit.

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