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Musik

Track by track: Tomte – Heureka

Ich habe die­sen Text wochen­lang vor mir her­ge­scho­ben, aus einem ein­zi­gen Grund: Ich konn­te mich nicht ent­schei­den, ob ich einen Dis­clo­sure set­zen soll oder nicht.

Wenn ich schrie­be, dass ich schon seit län­ge­rem rie­si­ger Tom­te-Fan bin, mit Tom­te-Sän­ger Thees Uhl­mann schon eini­ge Male ver­schie­de­ne Alko­ho­li­ka zu mir genom­men habe, und ihm eine Demo der Kili­ans zuge­steckt habe, wor­auf­hin er die Band ganz groß raus­ge­bracht hat, könn­te mir das leicht als eit­le Prot­ze­rei aus­ge­legt wer­den.

Wenn ich es nicht schrie­be, käme aber garan­tiert jemand an, der mir noch enge­re Bezie­hun­gen zu Band, Sän­ger und Label unter­stel­len und mich als Bei­spiel für die Ver­lo­gen­heit und den Inzest im Musik­jour­na­lis­mus hin­stel­len wür­de.

Suchen Sie sich also aus, ob Sie die nun fol­gen­de Track-by-track-Ana­ly­se des neu­en Tom­te-Albums „Heu­re­ka“ mit oder ohne Dis­clo­sure im Hin­ter­kopf lesen wol­len.

Wenn Ihnen die Text­zei­len

Und wir heben unser Glas in Demut
Ich erin­ner‘ mich an alles und jeden
Such Dir jeman­den, der Dir nicht weh­tut
Du nennst das Pathos, und ich nenn‘ es Leben

aller­dings schon Zuviel des Guten sind, soll­ten Sie aber sowie­so nicht wei­ter­le­sen.

Und jetzt fan­ge ich end­lich an:

Heu­re­ka
Einen Titel­track auf einem Tom­te-Album gab es zuletzt auf „Eine son­ni­ge Nacht“, aber die­se Infor­ma­ti­on hat allen­falls sta­tis­ti­schen Wert, denn „Heu­re­ka“ beginnt mit einem Kla­vier. Thees Uhl­mann singt Zei­len, die aus­schließ­lich aus Voka­len bestehen, und hört damit in den nächs­ten 51 Minu­ten nicht mehr auf. „Du bist nicht gestor­ben: Heu­re­ka!“, jubi­liert er im Refrain und schließt mit „Man ver­misst, was einen jeden Tag umgibt“. Die küchen­psy­cho­lo­gi­sche Deu­tung: trotz aller Wid­rig­kei­ten und Umbe­set­zun­gen sind Tom­te immer noch da und jetzt wol­len sie wei­ter­ma­chen.

Wie ein Pla­net
Iggy Pops „Pas­sen­ger“ klopft sehr deut­lich an, ehe Herr Uhl­mann erst­mal lei­den darf. Im Refrain schwingt es im Vier-Vier­tel-Takt Six­ties-mäßig vor sich hin. „Das ist die Zeit, das Leben sei schön“, heißt es im Refrain und aus die­ser Jetzt-erst-Recht- und Das-passt-schon-alles-Umar­mung kommt der Hörer auch nicht mehr raus.

Der letz­te gro­ße Wal
Die Sin­gle. Nach einer Ein­ge­wöh­nungs­pha­se ein unglaub­lich gro­ßer Song. Der letz­te Über­le­ben­de in einer Welt, in der sich alles geän­dert hat: Thees Uhl­mann? Vie­len Musi­kern wür­de ich so viel Selbst­ver­trau­en und Ich-Bezo­gen­heit übel neh­men, bei Uhl­mann passt das ein­fach: man weiß, dass er unge­schützt hin­ter jedem „Ich“ steht, dass er meint, was er singt. Ande­rer­seits ist spä­tes­tens jetzt die Gele­gen­heit, das ers­te Mal Den­nis Becker zu loben, den ver­mut­lich bes­ten Gitar­ris­ten des Lan­des.

Wie sieht’s aus in Ham­burg?
Auf „Buch­sta­ben über der Stadt“ ging es noch um „New York“, jetzt ist’s eine Num­mer klei­ner: Der zurück­ge­las­se­ne Freund in Ham­burg bekommt das Denk­mal gebaut, das er ver­dient hat. Der Refrain schrammt mit Akus­tik­gi­tar­re, Kla­vier und Satz­ge­sang haar­scharf an der Chee­syn­ess vor­bei, dann kommt ein zwei­stim­mi­ges Gitar­ren­so­lo. Das wird ja über Uhl­mann und sei­ne Tex­te gern ver­ges­sen: wie gut die alle als Musi­ker sind.

Vor­an vor­an
Orgel. Bedeu­tungs­schwe­re. Cold­play-Gefühl. Und dann plötz­lich Elek­tro­beats. Spä­tes­tens jetzt wird klar, dass Tobi­as Kuhn (Ex-Miles, Mon­ta) als neu­er Pro­du­zent genau den fri­schen Wind gebracht hat, den eine Band auf dem fünf­ten Album braucht. Der Refrain ist so sehr Sta­di­on­hym­ne, dass man die geschwenk­ten Feu­er­zeu­ge förm­lich rie­chen kann. „Ich zie­he das durch“, singt Uhl­mann und wer hät­te das Recht, das in Fra­ge zu stel­len.

Küss mich wach Glo­ria
Musi­ka­lisch ist es Eng­land zwi­schen den Sieb­zi­gern und Acht­zi­gern, trotz­dem braucht das Lied gut zwei­ein­halb Minu­ten, um aus dem Quark zu kom­men. Das oben auf­ge­führ­te Pathos-Zitat stammt hier­her und ich kann mir gut vor­stel­len, dass man die­ses Lied unglaub­lich schlimm und prä­ten­ti­ös fin­den kann. Nur: ich mag es. Uhl­mann braucht halt sei­ne per­sön­li­chen „Live Fore­vers“.

Es ist so dass Du fehlst
Akus­tik­gi­tar­ren, Drei­vier­tel­takt, Ein­sam­keit. Irgend­wie klingt auch das nach Cold­play, aber nach deren Debüt. Melan­cho­lie und Zuflucht, „Du bist das Beil, ich bin der Wald“. Schön, aber ein biss­chen was fehlt dann doch.

Und ich wan­der
„Du schlägst Dich durch Dein Leben wie ein Koli­bri fliegt“ ist natür­lich auch wie­der so ein Zitat, bei dem es sehr dar­auf ankommt, von wem es stammt. Die Musik klingt genau­so wie die besun­ge­ne Wan­de­rung („durch die war­me Nacht“) und wenn man die­ses Lied unter­wegs auf dem MP3-Play­er hört, fühlt man sich so ver­stan­den und beschützt.

Du bringst die Sto­ries (Ich bring den Wein)
Schon musi­ka­lisch ist es Lied unglaub­lich _​uplifting_​. Dass Uhl­mann offen­bar ein­mal mehr eine Män­ner­freund­schaft besingt, wirft die Fra­ge auf, ob Frau­en Tom­te eigent­lich genau­so schät­zen. „Wenn Du nichts mehr hast, hast Du immer noch mich, denn ich pla­ne zu blei­ben, mein Freund!“ – Was müs­sen das für glück­li­che Men­schen sein, die sol­che Lie­der geschrie­ben bekom­men?

Das Orches­ter spielt einen Wal­zer
Als ich „Heu­re­ka“ zum ers­ten Mal hör­te, ging ich zu Fuß durch die nie­der­rhei­ni­sche Land­schaft. Bei die­sem Lied saß ich unten am Fluss und starr­te auf das Was­ser. Inso­fern ist das Lied für mich viel­leicht mit etwas zu viel Dra­ma­tik und Bedeu­tung auf­ge­la­den, und ehr­lich gesagt ist es das schwächs­te Lied auf dem Album. Trotz­dem kommt hier die zen­tra­le Zei­le des Albums vor: „Mein Gott, ist das Leben schön“. Wenigs­tens für einen Moment soll­te die Fra­ge erlaubt sein, ob glück­li­che Künst­ler nicht uner­träg­lich sind.

Nichts ist so schön auf der Welt wie betrun­ken trau­ri­ge Musik zu hören!
Ja, die Song­ti­tel auf die­sem Album sind mit­un­ter etwas über­am­bi­tio­niert. Und mit den Tom­te-Lie­dern über Musik könn­te man ein eige­nes Album fül­len. Und über­haupt: sechs Minu­ten! Wir befin­den uns halt mit­ten in dem Teil der Plat­te, den ich objek­tiv als eher mäßig gelun­gen bezeich­nen wür­de. Wie das Lied aller­dings in der Mit­te plötz­lich los­legt und sich um sich selbst win­det, das ist schon sehr Seat­tle in den frü­hen Neun­zi­gern. Man weiß, wie es gemeint ist.

Dein Herz sei wild
Irgend­wann zwi­schen­durch hat­ten Tom­te auch mal die Back-to-the-roots-Paro­le aus­ge­ge­ben. Sie mani­fes­tiert sich in die­sem Vier­ein­halb-Minu­ten-Stück, das auch auf den ers­ten bei­den Alben hät­te sein kön­nen. Irgend­wie auch mehr ein „Pfffffff!“- als ein „Wow!“-Lied.

Vor­an vor­an (Laut)
Noch­mal „Vor­an vor­an“, dies­mal The Clash statt Cold­play. Das macht es natür­lich anders, aber auch gut. Als Raus­schmei­ßer ist die­ser Bonus­track deut­lich bes­ser geeig­net als „Dein Herz sei wild“, denn er macht die vor­he­ri­gen Hän­ger wie­der wett.

Fazit
So groß­ar­tig das Album zu Beginn ist, so sehr baut es doch nach hin­ten hin­aus ab. Zehn Songs statt 13 hät­ten es auch getan, denn dann stün­de es „Hin­ter all die­sen Fens­tern“ und „Buch­sta­ben über der Stadt“ in nichts nach.

Man muss „Heu­re­ka“ aber wohl als Selbst­fin­dungs­pro­zess und Stand­ort­be­stim­mung hören. Immer­hin hat man es hier mit einer Band zu tun, die im Ver­gleich zum Vor­gän­ger­al­bum qua­si zur Hälf­te umge­stellt wur­de (Timo Boden­stein und Olli Koch raus; Max Mar­tin Schrö­der am Schlag­zeug, statt an den Key­boards; Simon Front­zek an den Key­boards), und die sich gleich­zei­tig wei­ter­ent­wi­ckeln und auf ihre Wur­zeln besin­nen will. Gemes­sen dar­an ist „Heu­re­ka“ erstaun­lich rund und stim­mig gewor­den.

Die Hym­nen sind noch ein biss­chen grö­ßer gewor­den, die Rocker wie­der ein biss­chen wüten­der. Tom­te sind immer noch da und sie pla­nen zu blei­ben. Und Thees Uhl­mann ist der letz­te gro­ße Wal.

Tomte - Heureka (Albumcover)
Tom­te – Heu­re­ka

VÖ: 10.10.2008
Label: Grand Hotel van Cleef
Ver­trieb: Indi­go

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Digital

In eigener Sache

Lie­be Leser,

soll­ten Sie in den ver­gan­ge­nen Wochen und Mona­ten hier einen (ver­mut­lich sehr klu­gen) Kom­men­tar abge­ge­ben haben, der dann nicht ange­zeigt wur­de, so liegt es nicht an Ihnen: Bei einer Bege­hung mei­ner Daten­bank habe ich soeben fest­ge­stellt, dass offen­bar Dut­zen­de Kom­men­ta­re als Spam mar­kiert wur­den und ich die­se somit nie zu Gesicht bekam.

Davon betrof­fen waren auch sämt­li­che Kom­men­ta­re, bei denen eine E‑Mail-Adres­se von T‑Online ange­ge­ben wor­den war – irgend­ein ver­trot­tel­ter Tech­ni­ker aus der rie­si­gen Cof­fee-And-TV-Redak­ti­on hat­te einen Fil­ter ein­ge­setzt, der alle Kom­men­ta­re, in denen ein „-online“ vor­kam, auto­ma­tisch aus­sor­tiert hat. Wenn wir den Dep­pen erwi­schen, wird er gefeu­ert – vor­aus­ge­setzt, es han­delt sich dabei nicht um mich.

War­um die­ser Ser­ver hier immer noch so schlecht dar­in ist, Ping- und Track­backs zu ver­schi­cken, ist mir indes immer noch schlei­er­haft, aber ich habe mal beim Pro­vi­der nach­ge­fragt. Falls Sie eine Idee haben: Her damit!

Ich bit­te viel­mals um Ent­schul­di­gung für die­se unfass­bar doo­fen Feh­ler, aber sowas kann halt immer mal pas­sie­ren, wenn man Geis­tes­wis­sen­schaft­ler an den Com­pu­ter lässt. Und wenn Sie mich jetzt ent­schul­di­gen: ich muss noch ein wenig in Sack und Asche nach Canos­sa krie­chen und unter­wegs mei­ne Tisch­plat­te auf­es­sen. Außer­dem ver­su­che ich gera­de, alle bis­her ver­schol­le­nen Kom­men­ta­re frei­zu­ge­ben.

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Die Zeitungskrise erreicht den Westen

So ein biss­chen hat­te der WDR Pech mit sei­nem Timing. Da hat man mit „Dra­ma­ti­sche Ent­wick­lun­gen bei der WAZ-Grup­pe: Zei­tun­gen erschei­nen nur noch in redu­zier­tem Umfang“ eine Top-Mel­dung, die nicht nur für Medi­en­krei­se, son­dern weit dar­über hin­aus inter­es­sant ist, aber lei­der war es schon 19:00 Uhr, als die Pres­se­mit­tei­lung dazu raus­ging. Die Medi­en­diens­te und ‑blogs (mit Aus­nah­me von Medi­en­rau­schen) waren schon im Fei­er­abend und bei der „WAZ“ war nie­mand mehr (also: noch nie­man­der), der für Rück­fra­gen zur Ver­fü­gung hät­te ste­hen kön­nen. Auch bei den Pres­se­mit­tei­lun­gen der WAZ-Medi­en­grup­pe fin­det sich noch nichts zu den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen.

Das Bran­chen­blatt „Wer­ben & Ver­kau­fen“ hat­te das zwar schon am Nach­mit­tag ange­deu­tet, aber dass die Zei­tun­gen des Kon­zerns („West­deut­sche All­ge­mei­ne Zei­tung“, „Neue Rhein/​Neue Ruhr-Zeitung“,„Westfälische Rund­schau“ und „West­fa­len­post“) schon ab mor­gen in deut­lich gerin­ge­rem Umfang erschei­nen sol­len (32 statt 48 Sei­ten), das ist schon ein ziem­li­cher Ham­mer. Dar­über hin­aus könn­ten bis zu einem Drit­tel der Stel­len abge­baut wer­den.

Die Zei­tungs­kri­se, die schon etli­che ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­ti­ons­blät­ter zer­legt oder ins Inter­net gedrängt hat, ist damit mit­ten im Kern­ge­schäft von Deutsch­lands dritt­größ­tem Ver­lags­haus ange­kom­men. Das Fern­se­hen hat­te die Kri­se ja schon ges­tern erwischt.

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Musik Rundfunk

M.T.V. – Get Off The Air

Wäh­rend sich die halb­her­zi­ge Dis­kus­si­on über die Qua­li­tät im deut­schen Fern­se­hen nicht so recht legen will, tun die Sen­der-Ver­ant­wort­li­chen alles, um die Qua­li­tät ihres Pro­gramms zu stei­gern: sie schmei­ßen Leu­te raus.

Das ZDF trennt sich mit sofor­ti­ger Wir­kung von Elke Hei­den­reich (was bei einem Sen­der, der Johan­nes B. Ker­ner, Mar­kus Lanz, Johann Lafer und Horst Lich­ter unter Ver­trag hat, die maxi­mal fünft­bes­te Idee sein kann) und MTV macht qua­si gleich den gan­zen Laden dicht.

Ich habe weder MTV noch Viva sehen wol­len, nach­dem mit Sarah Kutt­ners Show der letz­te Fit­zel Rele­vanz und Unter­hal­tung aus den eins­ti­gen Musik­sen­dern ver­schwun­den war. Von daher kann ich nicht genau beur­tei­len, was eigent­lich noch übrig bleibt, wenn die „MTV News“, „MTV Urban“, „MTV Rock­zo­ne“ und „MTV Mas­ters“ gestri­chen und die Aus­ga­ben von „TRL“ und „Viva Live“ rapi­de redu­ziert wer­den. Ver­mut­lich wer­den auf den bei­den Kanä­len noch mehr Seri­en lau­fen, die beim frisch ein­ge­dampf­ten Come­dy Cen­tral eigent­lich bes­ser auf­ge­ho­ben wären. Es ist ein letz­tes Zucken, bevor man hof­fent­lich bald dazu über­ge­hen wird, die Sen­der ganz dicht zu machen.

Das Musik­fern­se­hen hier­zu­lan­de ist an sei­nen Pro­gramm­ver­ant­wort­li­chen ver­en­det, nicht an You­Tube und ande­ren Por­ta­len, auf denen man Musik­vi­de­os sehen kann, wenn man will. Denn dass man sich Vide­os in oft krü­me­li­ger Qua­li­tät auf sei­nem Com­pu­ter ansieht, ist ja nur die Reak­ti­on dar­auf, dass sie im Fern­se­hen nicht mehr lie­fen. Außer­dem konn­te man im Musik­fern­se­hen, als es das noch gab, auch auf bis­her unbe­kann­te Musik sto­ßen, die einen dann sofort begeis­ter­te. Die­ser Ent­de­ckungs­ef­fekt ist bei geziel­tem Video­gu­cken im Netz nicht mehr so wahr­schein­lich. Und schließ­lich konn­te man Musik­fern­se­hen super im Hin­ter­grund lau­fen las­sen, so als bebil­der­tes Radio qua­si.

Das Ende des Musik­fern­se­hens in Deutsch­land begann mit dem Ende von Viva 2 zum Jah­res­wech­sel 2001/​2002 und fand sei­nen Abschluss eigent­lich schon mit dem Aus von Onyx im Sep­tem­ber 2004. Dass MTV immer noch nicht abge­schal­tet oder wenigs­tens umbe­nannt wur­de ist inkon­se­quent, hat aber allen­falls ver­schlei­ern­de Wir­kung. Ande­rer­seits kam der meis­te Seri­en­schrott, der dort in den letz­ten Jah­ren lief, ja von der ame­ri­ka­ni­schen Mut­ter und die heißt immer­hin auch noch „Music Tele­vi­si­on“.

Das Argu­ment, mit Musik­vi­de­os kön­ne man halt kei­ne Quo­te machen und die Zukunft läge eh im Inter­net, will sich mir nicht so ganz erschlie­ßen. War­um hat zum Bei­spiel Öster­reich, ein Land des­sen Ein­woh­ner­zahl knapp ein Zehn­tel der deut­schen beträgt, dann eine so tol­le Clipab­spiel­sta­ti­on wie Go TV? (Und war­um haben die Öster­rei­cher mit FM4 gleich auch noch so einen gelun­ge­nen Radio­sen­der für jun­ge Leu­te?)

Das De-Fac­to-Ende von MTV und Viva fällt natür­lich nur zufäl­li­ger­wei­se mit der aktu­el­len Qua­li­täts­dis­kus­si­on zusam­men. Ich sehe dar­in auch kei­nen Vor­bo­ten für das Ende des Fern­se­hens ins­ge­samt. Es ist das Ende von Sen­dern, die kein ech­tes Pro­fil haben, ihre Zuschau­er mit Call-In-Shows beläs­tigt haben und irgend­wel­che bestimmt sehens­wer­ten Kon­zert­mit­schnit­te zwi­schen „Fla­vour Of Love“ und der sechs­tau­sends­ten „South Park“-Wiederholung ver­ste­cken. Und – so tra­gisch das für die vie­len Leu­te ist, die jetzt ihre Jobs ver­lie­ren – es geschieht die­sen Sen­dern ganz recht.

Die heu­ti­ge Über­schrift wur­de Ihnen prä­sen­tiert von den Dead Ken­ne­dys.

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Wissensvorsprung

Mir wird ja hin und wie­der vor­ge­wor­fen, ich wür­de immer alles so schreck­lich nega­tiv sehen und mich völ­lig in mei­nen „Hass“ auf „RP Online“ ver­ren­nen.

Kom­men wir des­halb nun mal zu etwas Posi­ti­vem: der glo­ba­len Finanz­kri­se.

Ras­hi­da Jones („The Office“) und Nata­lie Port­man (tolls­te Frau der Welt) haben eine Lösung dafür gefun­den, die nicht „42“ lau­tet, die sie aber auf funnyordie.com der Welt­öf­fent­lich­keit mit­tei­len.

Bit­te sehr:

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See more Nata­lie Port­man vide­os at Fun­ny or Die

[via natalieportman.com]

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Sport Digital

„RP Online“ macht alles richtig

Es ist wohl eine etwas kom­pli­zier­te­re Geschich­te, das mit dem Trans­fer von René Adler vom VfB Leip­zig zu Bay­er Lever­ku­sen, den ver­ein­bar­ten Zusatz­zah­lun­gen und der anschlie­ßen­den Plei­te des VfB. Jetzt wur­de aber wohl ent­schie­den, dass Bay­er Lever­ku­sen kei­ne Nach­zah­lun­gen mehr an den VfB Leip­zig leis­ten muss.

So weit haben das wohl auch die Redak­teu­re der „Rhei­ni­schen Post“ bzw. von „RP Online“ ver­stan­den, die gleich zwei Arti­kel mit dem Satz

Fuß­ball-Bun­des­li­gist Bay­er Lever­ku­sen kommt wohl um Nach­zah­lun­gen in Mil­lio­nen­hö­he für Natio­nal­tor­wart Rene Adler her­um.

begin­nen las­sen.

Etwas merk­wür­dig sind aller­dings die Über­schrif­ten, die die bei­den (ansons­ten wort­glei­chen) Arti­kel zie­ren:

Bayer 04 Leverkusen: Rene Adler kostet Bayer noch mehr

Nach­trag, 24. Okto­ber: Nach­dem sich „RP Online“ bis Mit­ter­nacht auch von vier Leser­kom­men­ta­ren zur Über­schrift nicht zu einer Über­ar­bei­tung der­sel­ben hat­te bewe­gen las­sen, wur­den bei­de Tex­te heu­te Mor­gen über­ar­bei­tet:

Keine Nachzahlungen für Adler

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Musik

Verzeihlich

Es scheint ein kom­plett neu­es Musik-Gen­re zu geben: die Metal­li­ca-Cover­ver­si­on.

Müh­ten sich im August noch fünf deut­sche Bands an eini­gen Songs der bekann­tes­ten Metal-Band der Welt ab, kommt die neu­es­te Num­mer aus einer ganz ande­ren Ecke:

Ste­fa­nie Heinz­mann, die Sie­ge­rin von Ste­fan Raabs Cas­ting­show „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“, hat ein Cover von „The Unf­or­gi­ven“ auf­ge­nom­men. Mir wäre die­ser Umstand kaum auf­ge­fal­len, aber ich bin ja auch kein gro­ßer Metal­li­ca-Exper­te.

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Vom Ori­gi­nal ist wenig bis fast gar nichts mehr zu erken­nen, dafür groovt es ähn­lich char­mant wie letz­tes Jahr auf Mark Ron­sons „Ver­si­on“, auf dem ja auch jede Men­ge mehr oder weni­ger obsku­re Cover zu hören waren.

Unbe­dingt anse­hen soll­te man sich auch das elec­tro­nic press kit, in dem Fräu­lein Heinz­mann auf Lars Ulrich trifft. Ich kann nicht sagen war­um, aber irgend­wie hat die­se Begeg­nung etwas rüh­ren­des.

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Digital

Auswärtsspiel: Max & Malte Podcast

Durch eine Ver­ket­tung von Zufäl­len fand ich mich ges­tern Abend in einer Ber­li­ner Alt­bau­woh­nung wie­der, wo gera­de ein Pod­cast auf­ge­zeich­net wur­de. Der eigent­li­che Gast hieß Ste­fan Nig­ge­mei­er, aber weil im Web 2.0 vie­les so spon­tan ist, durf­te ich ihm immer wie­der das Mikro­fon ent­rei­ßen, was dann häss­li­che Stör­ge­räu­sche gab.

Unse­re Gast­ge­ber hie­ßen Max und Mal­te, an die vie­len The­men kann ich mich nicht mehr wirk­lich erin­nern und das gan­ze ist mehr als zwei Stun­den lang.

Wenn Sie das alles noch nicht abge­schreckt hat, kön­nen Sie den Pod­cast bei Spree­blick hören und her­un­ter­la­den.

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Digital

Geht die Welt heute unter, geht sie ohne mich

Ges­tern Nach­mit­tag wur­de in der Bochu­mer Innen­stadt eine Zehn-Zent­ner-Bom­be aus dem zwei­ten Welt­krieg ent­deckt. Die Gegend (inklu­si­ve des Bermuda3ecks) wur­de eva­ku­iert, Stra­ßen und Bahn­stre­cken gesperrt.

Gera­de woll­te ich mich mal infor­mie­ren, ob die Ent­schär­fung denn inzwi­schen wenigs­tens vor­bei sei und alles gut geklappt hat:

Bombenfund: Klinik und Altenheim evakuiert. Bei Ausschachtungsarbeiten für die neue Kanalisation an der Viktoriastraße in unmittelbarer Nähe der Marienkirche entdeckte heute, 20. Oktober, gegen 15.30 Uhr ein 43 Jahre alter Baggerfahrer einen Blindgänger, der in den Abendstunden entschärft werden soll. mehr... WAZ Bochum, 20.10.2008, Norbert Schmitz

„Der Wes­ten“, das Por­tal der WAZ-Grup­pe, das so ger­ne „RP Online“ als füh­ren­des Regio­nal­zei­tungs­por­tal ablö­sen wür­de, war­tet im Bochu­mer Lokal­teil mit einer unda­tier­ten Mel­dung von irgend­wann ges­tern Nach­mit­tag auf, außer­dem gibt es eine eben­so unda­tier­te Mel­dung mit Agen­tur­ma­te­ri­al auf der Start­sei­te.

Ganz anders die Lokal­sei­te der „Ruhr Nach­rich­ten“:

Aufatmen in der südlichen Innenstadt: Die 500-Kilo-Bombe ist entschärft
BOCHUM Der Bombenalarm in der Bochumer Innenstadt ist aufgehoben. Experten des Kampfmittelräumdienstes haben die 500-Kilo-Bombe am Montagabend um 23 Uhr entschärft. Nach dem Fund des Blindgängers am Nachmittag war die südliche Innenstadt im Umkreis von einem halben Kilometer rund um den Fundort evakuiert worden. 6000 Menschen waren hiervon betroffen, der Verkehr brach zusammen. mehr...

Die hat einen Arti­kel von 23:23 Uhr, der es mit etwas Glück noch in die Print-Aus­ga­be schafft und in den ers­ten zwei Sät­zen des Vor­spanns alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen lie­fert:

Der Bom­ben­alarm in der Bochu­mer Innen­stadt ist auf­ge­ho­ben. Exper­ten des Kampf­mit­tel­räum­diens­tes haben die 500-Kilo-Bom­be am Mon­tag­abend um 23 Uhr ent­schärft.

Ach, und auf der Start­sei­te von ruhrnachrichten.de ist es im Moment die Top-Mel­dung.

Nach­trag, 08:14 Uhr: Den Arti­kel im über­re­gio­na­len Teil hat „Der Wes­ten“ jetzt durch eine dpa-Mel­dung mit der geist­rei­chen Über­schrift „Bom­ben­fund: 6000 Men­schen in Bochum eva­ku­iert“ ersetzt.

Auf der Bochu­mer Sei­te sieht es immer noch so aus wie heu­te Nacht. Ver­mut­lich ist die Lokal­re­dak­ti­on der „WAZ“ ein­fach mit­eva­ku­iert wor­den und seit­dem hat dort kein Mit­ar­bei­ter mehr einen Com­pu­ter gefun­den.

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Reisverdächtig

„RP Online“ hat das coming out 1 der Fern­seh­mo­de­ra­to­rin Dun­ja Haya­li zum Anlass genom­men, eine neun­ein­halb­zei­li­ge Mel­dung zum The­ma und eine 12-teil­i­ge Bil­der­ga­le­rie mit den übli­chen Schwup­pen und Les­ben raus­zu­hau­en (man kennt das ja).

Einer der Leser kom­men­tier­te das wie folgt:

Reissack-Umfall-Zähler. Dieser wäre weitaus interessanter als solche Meldungen. Kann als Ticker auf Ihrer Startseite installiert werden. Gerne auch unterteilt nach Reisorten.....

Ich bin sicher, in der Redak­ti­on wird bereits fie­ber­haft an einer Umset­zung gear­bei­tet.

  1. Ver­zei­hen Sie mir hier die­se Sick-igkeit, aber es heißt „coming out“. Geoutet wird man von ande­ren und nicht von sich selbst![]
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Digital

Heinsern für Anfänger

Ich hab kei­nen Bock mehr!

Hier ist ein Arti­kel von „RP Online“, in dem ein paar eigen­wil­li­ge Schreib­wei­sen und Pro­dukt­na­men ver­steckt sind. Mög­li­che Ver­wei­se auf Acht­jäh­ri­ge ver­bie­ten sich aus Respekt vor eben die­sen.

Machen Sie selbst was damit, mir hat’s mein Arzt ver­bo­ten!

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Rundfunk Fernsehen

„This whole thing is a joke!“

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.thedailyshow.com anzu­zei­gen.

[Direkt­link]

Mal davon ab, dass wir in Deutsch­land weder einen Richard Lewis, noch eine „Dai­ly Show“ haben: Kön­nen Sie sich vor­stel­len, was in der deut­schen Bou­le­vard­pres­se los wäre, wenn ein Come­di­an in einer Talk­show dem Gast­ge­ber der­art das Wort abschnit­te, über sei­nen Penis sprä­che und sich so über eini­ge Poli­ti­ker echauf­fier­te?

Die Zei­tun­gen könn­ten eine Woche von die­sem „Skan­dal“ leben.