Es war ein bisschen schwer in letzter Zeit: Klimawandel, Wirtschaftskrise und die Hochzeit von Boris Becker haben der Menschheit schwer zugesetzt.
Aber es wird besser.
Schon übermorgen:

Es war ein bisschen schwer in letzter Zeit: Klimawandel, Wirtschaftskrise und die Hochzeit von Boris Becker haben der Menschheit schwer zugesetzt.
Aber es wird besser.
Schon übermorgen:

Im Finale der amerikanischen Basketball-Liga NBA spielen LA Lakers und Orlando Magic gerade sieben Mal gegeneinander.
Was glauben Sie, wie viele Bildergalerien man damit füllen kann? Also: Mit den prominenten Zuschauern dieser Spiele? Wenn man „RP Online“ ist?
Da hätten wir zunächst mal eine allgemeine, 24-teilige Bildergalerie, deren Betextung zwischen vollendetem Wahnsinn und Selbstironie oszilliert:
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Zac Efron (ich schreib mal „High School Musical“ in Klammern dazu, Sie scheinen meine Begeisterung für den Disney Channel ja nur bedingt zu teilen) war übrigens auch im Publikum. Und weil er dabei eine Wollmütze trug (das scheint tatsächlich der Aufhänger zu sein), kann man damit natürlich noch mal eine eigene neunteilige Bildergalerie befüllen:
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Ach, und dann war Rihanna auch noch bei mehreren Spielen.
Um das besondere Verhältnis von „RP Online“ und Rihanna zu verstehen, muss man wissen, dass sich im Archiv etliche Bildergalerien zur jungen Sängerin (aus Barbados, Hit: „Umbrella“) befinden, deren Betextung eigentlich nur den Schluss zulässt – wir begeben uns hier ins schlammige Terrain der Spekulation -, dass bei „RP Online“ ein 15-jähriger Praktikant arbeitet, dessen ganzes Zimmer mit Rihanna-Postern tapeziert ist und der keinen Zugang zu kalten Duschen hat.
Der folgende Überblick ist sicher unvollständig: „Rihannas sexy Auftritt in Kanye Wests Video“ (12 Bilder), „Rihanna als Miss Terminator“ (30 Bilder, eingeleitet mit den Worten „Endlich mal wieder ein Auftritt von einer unserer Lieblingssängerinnen“), „Hat Rihanna ihren Geschmack verloren?“ (7 Bilder), „Justin Timberlake schickt Rihanna in die Wüste“ (9 Bilder), „Wurde Rihanna von Chris Brown geschlagen?“ (7 Bilder), „Und die Gewinnerin ist… Rihanna!“ (15 Bilder), „Rihanna und Co. erhalten ‚American Music Award‘ “ (23 Bilder), „Rihanna – die immer schöne Stilikone“ (28 Bilder), „Rihanna und Beyoncé im Vergleich“ (20 Bilder), „Rihanna im schrägen Gothic-Look“ (11 Bilder), „Sängerin Rihanna als Modell“ (7 Bilder), „Rihanna für Unicef – so schön kann Helfen sein“ (11 Bilder), „Rihanna auf der Mailänder Modewoche“ (19 Bilder), „Duffy und Rihanna beim Schuh-Shopping“ (9 Bilder), „Rihannas sexy Auftritt in Manila“ (26 Bilder), „Rihanna begeistert bei den BET-Awards“ (8 Bilder), „Rihanna hat sich neu erfunden“ (13 Bilder), „Das düstere Video von Rihanna“ (10 Bilder), „Für den guten Zweck: Rihanna mit Milchbart“ (11 Bilder), „Rotlicht-Alarm bei Rihanna“ (8 Bilder), „Rihannas Outfits im Vier-Punkte-Check“ (12 Bilder) und natürlich der Klassiker „Rihanna ist stolz auf ihren Po“ (14 Bilder).
Jedenfalls war Rihanna auch da. Das reicht für sieben Bilder und kompetente Einschätzungen:
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Nach vier Spielen führen die Lakers übrigens 3:1 gegen Orlando …

Heutzutage muss man sich ja immer wieder was neues einfallen lassen, um mit seiner Musik wahrgenommen zu werden. „Zahlt was ihr wollt“ ist seit Radiohead durch, aber „Ein Album für einen Dollar“ hatten wir soweit ich weiß noch nicht.
Fanfarlo sind eine schwedisch-englische Band, deren Debütalbum „Reservoir“ im Februar erschienen ist – und das man jetzt und bis zum 4. Juli für nur einen Dollar (umgerechnet 71 Eurocent, zahlbar per Paypal oder Kreditkarte) auf fanfarlo.com herunterladen kann.
Die Musik erinnert ein bisschen an Arcade Fire, Beirut, Sigur Rós und Stars und vier Bonustracks gibt’s noch dazu, so dass der einzelne Song noch 14,2 4,7 Eurocent kostet. Den Opener „I’m A Pilot“ kriegt man bei last.fm direkt geschenkt.
Ob sich das Ganze für die Band rechnet? Zumindest eine gewisse Aufmerksamkeit ist ihnen sicher. Und die nächste Tour ist bestimmt ausverkauft.
Ein ganzes Album verschenken Pale, die sich gerade aufgelöst haben. 17 Demos, Outtakes und Remixe haben sie zu ihrem Nachlass „Extras“ zusammengestellt, den man direkt auf der Bandhomepage herunterladen kann.
Ich muss gestehen, dass ich von Pale bisher nur ihr letztes Album „Brother. Sister. Bores!“ kannte (weil es vor drei Jahren beim Grand Hotel van Cleef erschienen ist), aber das muss ich dringend ändern. Neben jeder Menge feiner eigener Sachen beeindrucken auf „Extras“ vor allem zwei Coverversionen: „Gold“ (im Original von Spandau Balett, weswegen ich das Lied bei jeder Berlinreise beim Halt im Bahnhof Spandau anstimme) und das atemberaubende „Time Is Now“ (Moloko).
Während es Pale nicht mehr gibt, bleiben einem die Bandmitglieder natürlich erhalten: Schlagzeuger Stephan Kochs bloggt bei Randpop und sein Bruder und Sänger Holger Kochs hat unter anderem das sehr gelungene Artwork zum neuen Kilians-Album erstellt.
Ein Jahr ist die Fußballeuropameisterschaft fast schon wieder her, aber mein Blog-Eintrag „Wie ich lernte, ‚Seven Nation Army‘ zu hassen“ ist noch immer ungeschrieben.
Er wird es auch bleiben, denn ich habe einen anderen Weg gefunden, mich mit der Nummer-Eins-Hymne alkoholisierter Menschen in Deutschland auseinanderzusetzen:
The White Stripes‘ „Seven Nation Army“ has become the number one anthem to be sung bei drunk people in Germany. Something needs to be done:
Es könnte doch noch was werden mit meiner Karriere als öffentlich-rechtlicher Polittalker. Diese Erkenntnis traf mich, als ich es nach einer Minute endlich geschafft hatte, Dieter Wiefelspütz zu unterbrechen.
Zwölf Minuten habe ich mich gestern mit dem innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion über falsche Zitate, Internetsperren und Zensur unterhalten und das Wichtigste aus dem Gespräch steht im BILDblog.
Für mich hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass einzelne Politiker im direkten Kontakt durchaus vernünftig und sympathisch wirken können und ihre Positionen gar nicht mehr so seltsam klingen, wenn sie mal Gelegenheit haben, diese ausführlich – und nicht auf zwei Sätze verknappt – zu vertreten. Wiefelspütz hat mir jedenfalls lang und breit dargelegt, dass er und seine Partei keinerlei Ambitionen hätten, Internetsperren einzuführen, die über die jetzt geplanten gegen Kinderpornographie hinausgingen.
Erste Priorität habe aber sowieso die Bekämpfung von Verbrechen selbst, Sperren dürften erst ganz am Schluss zum Zuge kommen. Und wer nicht gegen Gesetze verstoße, dürfe so lange extremistische Meinungen vertreten, wie er wolle – alles andere sei ja Zensur, sagte mir der Politiker deutlich.
Auch Begriffe wie „Server“ oder „Provider“ konnte er korrekt verwenden, was man bei Politikern ja leider immer noch hervorheben muss. Dass viele kinderpornographische Inhalte gar nicht auf chinesischen oder russischen Servern lagern wie mir Wiefelspütz erzählen wollte, sondern in Ländern, mit denen Deutschland beste Rechtshilfe-Beziehungen hat (darunter, äh: Deutschland), trübte das Bild etwas, aber als Erkenntnis blieb doch: Der Mann wirkt gar nicht wie ein wahnsinniger Fürst der Finsternis, sondern viel mehr wie einer, der sich Gedanken macht und sich ausdrücklich selbst als Teil der Internetgemeinde sieht.
Nach dem längeren Gespräch wollte ich Wiefelspütz nicht auch noch zum Thema Computerspiele befragen (es wäre auch nur noch persönliches Interesse gewesen). Womöglich hätten wir uns da böse in die Wolle gekriegt, vielleicht hätte ich aber auch ein Stück verstanden, was er eigentlich meint, wenn er sich mit Schlagworten wie „Gewalt ist jung und männlich“ zitieren lässt.
Ich würde übrigens dennoch ungern einen öffentlich-rechtlichen Polittalk moderieren wollen. Diese Sendungen, in denen sich Politiker erst anschreien, bevor sie anschließend gemeinsam ein Bier trinken gehen, schaden der Demokratie mehr als ein paar extravagante Meinungen in einer aufrichtigen Debatte. Besser wäre, wenn Politiker und Bürger einfach mal wieder ins Gespräch kämen.
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Falls Sie dachten, eine Anzeige, die wie redaktioneller Inhalt aussieht (oder andersrum), sei der endgültige Ausverkauf des Journalismus: Die Amerikaner sind da wie immer sehr viel weiter.
| The Daily Show With Jon Stewart | Mon – Thurs 11p / 10c | |||
| Corporate SynerJoe | ||||
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„Das Internet“ als Ganzes zu loben oder zu kritisieren ist ebenso sinnvoll wie Papier zu loben oder zu kritisieren, weil darauf ja einerseits das Grundgesetz und „Faust“ erschienen sind, andererseits aber auch „Mein Kampf“ und Gewaltpornografie.
[…]
Meckernde Leserbriefschreiber waren Journalisten noch nie sympathisch. Nun gibt es, gesunkenen Transaktionskosten sei Dank, wesentlich mehr davon. Wo viel Feedback ist, da ist auch viel Kritik, zum Teil aggressive, pöbelnde, gemeine. Oder anders gesagt: So mancher Autor muss nun endlich erfahren, was manche seiner Leser wirklich von ihm halten. Und das kann weh tun.
Einen der klügsten Texte über das Internet, den ich in den vergangenen Wochen (oder seit seinem letzten großen Artikel zum Thema) gelesen habe, hat Christian Stöcker heute im Internet auf „Spiegel Online“ veröffentlicht: „Das Internet“ gibt es nicht
Wieder einmal ist ein Monat schon länger vorbei, wieder einmal habe ich längst nicht alles hören können und wieder einmal werde ich in einer Minute mit der Revision dieser Liste beginnen, aber was soll’s?
Let’s give it a try:
Alben
Fink – Sort Of Revolution
Manchmal entdeckt man Bands oder Künstler eben erst beim vierten Album (s.a. The Hold Steady). Fin Greenall aus Brighton macht Musik, die im Wikipedia-Artikel mit „Jazz, Blues, Dub, Folk, Indie“ bezeichnet wird, was gleichzeitig alles und nichts sagt.
Ein bisschen erinnert die Musik an Bon Iver (also, historisch betrachtet: andersherum), an Nick Drake und an diverse Saddle-Creek- und Sub-Pop-Bands. Anders ausgedrückt: Es würde mich nicht wundern, wenn eines der Stücke auf dem Soundtrack des nächsten Zach-Braff-Films zu hören wäre.
Bis dahin wird mich diese wunderbar entspannte, leicht melancholische Popmusik sicher noch den ganzen Sommer über begleiten.
The Alexandria Quartet – The Alexandria Quartet
Es passiert ja auch nicht so oft, dass man eine Band eher zufällig zwei Mal live gesehen hat, bevor ihr Album überhaupt in Deutschland rauskommt.
Hatte ich The Alexandria Quartet in Oslo noch als „Indierock zwischen Mando Diao, den frühen Killers und Travis“ beschrieben, muss ich über die Platte etwas völlig anderes behaupten: Die erinnert gerade in den ruhigeren Momenten (in denen die Band am Besten ist) eher an Jeff Buckley, Eskobar und Richard Ashcroft und – wenn sie dann losrocken – an Feeder und die frühen Radiohead. (Die Chancen stehen allerdings gut, dass ich auch diese Vergleiche in drei Monaten wieder für völlig lächerlich halten werde.)
Jedenfalls: Das selbstbetitelte Debüt der Norweger kommt, wie White Tapes ganz richtig bemerkt, „eigentlich circa 10 Jahre zu spät“, aber irgendwo zwischen Athlete, Embrace und Thirteen Senses wird schon noch ein Platz frei sein für diesen Britpop der melancholischeren Sorte.
Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers
Ich bin bekanntlich ein eher unpolitischer Mensch, aber wenn plakative Parolen mit Pop-Appeal daherkommen wie bei The Clash, Asian Dub Foundation, Rage Against The Machine oder eben den Manics, dann höre ich mir das gerne an, singe laut mit und stelle mir vor, wie sich das anfühlt, da auf den Barrikaden. Die Lehnstuhl-Revolution auf dem iPod, sozusagen.
Die Texte des neuen Manics-Albums stammen aus einer Zeit vor Barack Obama, vor dem 11. September und vor New Labour. Sie stammen aus dem (wohl leider tatsächlich) Nachlass des vor 14 Jahren verschwundenen Band-Gitarristen Richey Edwards und sind vor allem bildgewaltig und kryptisch.
Die Songs sind nicht unbedingt das, was man als „eingängig“ bezeichnen würde, aber sie haben eine rohe Energie, die zu Zeiten des lahmenden Spätwerks „Lifeblood“ kaum noch jemand für möglich gehalten hätte. Und wenn zum Schluss Bassist Nicky Wire „William’s Last Words“ anstimmt („singt“ wäre dann vielleicht doch das falsche Wort), dann ist das schon ein ganz großer Gänsehaut-Moment, der sich nach dem endgültigen Abschied von einem Freund anhört.
Ob das Album auch ohne diese ganze Vorgeschichte so spannend wäre? Kunst funktioniert eigentlich nie ohne Kontext, aber ich glaube schon.
Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix
Eine vorab: Die beste Phoenix-Platte des Jahres kommt dann vermutlich doch von The Whitest Boy Alive. Für die Franzosen wird es aber aller Voraussicht nach immer noch für den zweiten Platz reichen, was unter anderem an Songs wie „Lisztomania“ und „Rome“ liegt. Vielleicht wird das Album noch ein bisschen über sich hinauswachsen, wenn ich es endlich mal in der Sonne hören kann, aber im Ruhrgebiets-Regen verbreitet es auch schon mal eine ordentliche Portion Sommer.
Jupiter Jones – Holiday In Catatonia
Mit dem zweiten Jupiter-Jones-Album „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich“ nie ganz warm geworden, aber für „Holiday In Catatonia“ sieht es besser aus: Nach einem wahren Dampfhammer-Auftakt schaltet die Band ein bis zwei Gänge zurück, schafft es aber, so schöne Melodien rauszuhauen wie noch nie. Das hat manchmal ein bisschen was von Kettcar, aber das ist durchaus als Kompliment gemeint. Bei der Wahl zum deutschsprachigen Liedzitat des Jahres empfiehlt sich „Mit dem Alter kommt die Weisheit / Nach der Jugend kommt die Eiszeit“ jedenfalls jetzt schon für die Shortlist.
Songs
Manic Street Preachers – Jackie Collins Existential Question Time
Diesmal gibt’s keine Singles, aber das Lied mit dem ellenlangen Titel ist trotzdem so etwas wie das Flaggschiff für „Journal For Plague Lovers“. Warum? Zwei Zitate: Das unschlagbare „Oh mummy what’s a Sex Pistol?“ im Refrain und die spannende Frage „If a married man, if a married man fucks a Catholic / And his wife dies without knowing / Does that make him unfaithful, people?“. (Dass das „fuck“ im Video durch ein „beg“ ersetzt wurde, ist allerdings schon ein bisschen lame.)
Und dann natürlich noch dieses Riff, das meine Behauptung, das Album sei nicht eingängig, Lügen straft.
a‑ha – Foot Of The Mountain
Ich hatte mein Verhältnis zu a‑ha und meine Begeisterung für diese Mal-wieder-Comeback-Single ja schon ausführlich geschildert. Aber dieser Song ist ja wohl auch ein Musterbeispiel der Kategorie „der etwas anspruchsvollere Popsong“.
Fink – Sort Of Revolution
6:32 Minuten sind nicht gerade das, was sich Formatradiomacher als Songlänge wünschen. Aber der Titeltrack und Opener des vierten Fink-Albums (s.o.) besticht durch seine Instrumentierung (dieses Schlagwerk!) und den genuschelten Gesang. „Let me know when we get there / If we get there“, so oft wiederholt, bis es einen fast komplett eingelullt hat. Und dann geht das Album erst richtig los.
The Alexandria Quartet – Montauk
Wenn ich jetzt Saybia und Lorien als Orientierungshilfe nenne, bin ich mir zwar ausnahmsweise mal sicher, habe aber auch treffsicher zwei längst vergessene Bands des Genres hervorgeholt.
„Montauk“ gehört zu der Sorte schleppender Balladen, bei denen sich die Pärchen auf Konzerten ganz eng umschlungen im Takt der Musik wiegen, das Bühnenlicht in ein verklärendes Gelb getaucht wird, und die, die allein zum Konzert gekommen sind, mit viel Glück noch ihr Handy zücken, um den Moment mit jemandem zu teilen. Wer ganz allein ist, genießt eben für sich.
Jarvis Cocker – Angela
Es ist schwierig, bei den Zeilen „Angela / An unfinished symphony“ nicht an die Bundeskanzlerin zu denken, aber irgendwie geht es dann schon. Jarvis Cocker klingt für 2:58 Minuten, als wolle er an seiner Elvis-Costello-Werdung arbeiten und der neue Bart legt diese Vermutung nahe. Leider ist dieser trockene Stampfer dann auch schon der Höhepunkt von Cockers zweitem Soloalbum, das ansonsten eher unspannend vor sich hin dümpelt.
Phantom/Ghost – Thrown Out Of Drama School
Wenn da nicht die Stimme (und der Akzent) von Dirk von Lowtzow wäre, ginge dieser Song sicher auch als B‑Seite von The Divine Comedy durch: Dieses Ragtime-Piano, der melodramatische Text, all das ergibt ein wunderbar skurriles Gesamtbild, dessen Faszination man sich selbst kaum erklären kann.

Weil ich bei den letzten Wahlen postalisch abgestimmt habe, war ich vorhin erst zum zweiten Mal in meinem Leben in einem Wahllokal. Ich hatte mir extra ein Hemd angezogen, um bei der Wahrnehmung meiner staatsbürgerlichen Pflichten auch halbwegs würdevoll auszusehen. Denn mal ehrlich: Viel mehr als Wählen tue ich ja nicht für unsere Gemeinschaft.
Das Argument vieler Nichtwähler, sie wüssten ja gar nicht, worum es bei den Europawahlen geht, ist nur oberflächlich betrachtet zutreffend. Ich möchte jedenfalls mal den Wähler erleben, der weiß, was in einem Landtag oder einem Stadtrat passiert – und trotzdem geht man dafür zur Wahl.
Politik ist mir eine Mischung aus suspekt und egal. Die meisten Politiker sind für sich betrachtet sympathische Gesprächspartner und sagen kluge Sachen, aber in der Summe ist es wie mit dem Volk: Der Dümmste bestimmt das Niveau der ganzen Gruppe. Nun bin ich weit davon entfernt, Politiker mit einem stammtischigen „Die da oben machen doch eh, was sie wollen“ verdammen zu wollen, aber wenn ich Leute wie den SPD-Superhardliner Dieter „Gewalt ist jung und männlich“ Wiefelspütz in Mikrofone sprechen höre, überkommen mich schon schwere Zweifel an dem Wort „Volksvertreter“.
Was ich dabei auch immer wieder vergesse: Die Binsenweisheit, wonach nichts so heiß gegessen werde, wie es gekocht wird, ist nicht in der Gastronomie am zutreffendsten, 1 sondern in der Politik. Und: Anders als in der Fußballnationalmannschaft sind im Bundestag und Kabinett ja nicht die Besten ihres Fachs versammelt, sondern die, die sich in den Intrigensportvereinen, die wir „Parteien“ nennen, nach oben gemeuchelt haben; die, die prominente Politiker in der Familie hatten; und die, die zufällig gerade in der Gegend herumstanden, als ein Posten besetzt werden musste. Zwar sollen sie eigentlich die Meinung ihrer Wähler vertreten, aber dieses Prinzip wird schon durch das alberne Listen-Wahlrecht in Deutschland ad absurdum geführt. Wo es keinerlei Bindung zwischen Wählern und Abgeordneten gibt, können die Bürger ihren Parlamentariern auch nur unzureichend auf die Finger klopfen. 2
Gewiss: Man könnte selbst in die Politik gehen, aber man könnte seinen Müll auch selbst zur Deponie fahren oder sein Grillfleisch selbst erlegen. Ich habe da keinerlei Ambitionen, also muss ich mit dem leben, was (politisch) im Angebot ist.
Insofern nervt mich auch immer wieder das Gezetere in Blogs und bei Twitter, diese oder jene Partei sei wegen einer einzelnen Person oder Äußerung „unwählbar“. Natürlich scheiden dadurch schnell sämtliche existenten Parteien aus und man missachtet dabei eines der grundlegenden Ziele einer Demokratie: das Streben nach einem Kompromiss. 3 Perfektion wird man nirgends finden, weder bei Parteien noch bei Lebenspartnern. 4 Und spätestens, wenn es zur Wahlwerbung kommt, wird man beide Augen zudrücken müssen.
„Unwählbar“ aber ist ein kreischendes, absolutes Urteil, das damit in der langen Reihe von Schlagworten wie „Faschismus“ und „Zensursula“ steht und die Frage, warum sich eigentlich kaum ein Politiker für die Interessen der Netzgemeinde interessiere, von selbst beantwortet. Wäre ich Politiker und würde auf einer Wahlkampfveranstaltung von drei am Rande stehenden Nerds als „ahnungslos“ und „Faschist“ beschimpft, wäre mein Interesse an einem Dialog auch gedämpft. Insofern stehen viele – nicht alle – Diskutanten im Web 2.0 den von ihnen kritisieren Politikern in nichts nach, wenn sie nur auf Lautstärke 11 kommunizieren. Wenn sich zwei auf niedrigem Niveau begegnen, ist das nur noch technisch betrachtet ein Dialog auf Augenhöhe.
Ein einziges Mal hat es unsere Bundesregierung 5 geschafft, dass ich mich gewissermaßen politisch engagiert habe und in einer E‑Mail Verwandte, Freunde und Bekannte gebeten habe, sich das Thema „Internetsperren“ doch bitte einmal genauer anzuschauen und sich gegebenenfalls an der Petition dagegen zu beteiligen. Aber Wut und Fassungslosigkeit scheinen mir auch kein besserer Antrieb zu sein als Angst und Panikmache auf der anderen Seite.
Parteien selbst sind mir in höchstem Maße suspekt, weil ihre Mitglieder zu einer Linientreue tendieren, die jeden Fußballfan staunend zurücklässt. Die Respektlosigkeit, mit der schon die Jugendorganisationen 6 den „politischen Gegner“ behandeln, empfinde ich als höchst verstörend, und die Tatsache, dass wichtige Entscheidungen einfach nicht gefällt werden, weil die Anträge von der „falschen“ Partei eingebracht wurden, lässt meinen Blutdruck wieder in gesundheitsgefährdende Bereiche steigen.
Statt Inhalten interessiert mich bei Wahlen seit jeher eher das Drumherum, vor allem die erste Prognose bei Schließung der Wahllokale. Bei der Bundestagswahl 1994 führte ich mit einem Mitschüler Wahlumfragen in unserer Klasse durch und präsentierte hinterher stolz die Hochrechnung für die Klasse 6c. Am Wahltag selbst hatte ich mir im Keller mit Tüchern und Pappen ein Hauptstadtstudio (natürlich Bonn) eingerichtet und präsentierte von 15 Uhr an im Halbstundentakt immer neue Vorhersagen. Rudolf Scharping wäre sicher ein interessanter Bundeskanzler gewesen.