Voll ins Schwarze betroffen

Von Lukas Heinser am Freitag, 8. Mai 2009 15:26
Kategorie: Political Science, TV On The Radio

Mein Arzt und mein Rechtsanwalt haben mir geraten, mich zurückzuhalten. Der Bluthochdruck bekomme mir nicht und die von mir gedachten Begriffe seien alle justiziabel.

Sehen Sie sich also nur den nun folgenden Ausschnitt der “Tagesschau” von 14 Uhr an und achten Sie besonders auf die Unterschiede zwischen dem, was Claus-Erich Boetzkes am Anfang und Nicht-Wilhelm von und zu Guttenberg am Ende sagen:

[Direktlink]

Hier können Sie sich übrigens den Text der angesprochenen Petition durchlesen (was der Minister offenbar verabsäumt hatte) und bei Interesse gleich unterschreiben.

22 Kommentare

  1. 1

    Puh… Das geht nun wirklich einmal gar nicht. Man könnte es als Dreist bezeichnen, als eine Frechheit oder als unfassbar ignorant… aber ich rege mich auch nicht auf. Blutdruck und so.

  2. 2

    man könnte außerdem “dreist” auch weiterhin klein schreiben…

  3. 3

    Wie dumm kann man sein: Einstein soll da ja mal was einschlägiges gesagt haben, was man für Bundeswirtschaftsminister jetzt anwenden kann. Schade eigentlich.

  4. 4

    Ob der Nicht-Wilhelm mit Helen Lovejoy verwandt ist?
    “Kann denn nicht ein einziges Mal jemand an die Kinder denken?!”

  5. 5

    Ich glaube eher man hat es versäumt Herrn von Guttenberg über den genauen Inhalt der Petition aufzuklären als man ihn um ein Statement bat (oder er hats nicht verstanden).

  6. 6

    Er hat das ja leider so formuliert, dass es noch nicht als Diffamierung der Unterzeichner durchgeht. Unglaublich.

  7. 7

    @ben.gt: Natürlich wäre es denkbar (wenn auch im Falle der “Tagesschau” hoffentlich unwahrscheinlich), dass die Frage irreführend oder zu knapp formuliert war. Aber sollte der Minister im Fall dieser außergewöhnlich schnell erfolgreichen Petition nicht schon im Vorfeld gewusst haben, worum es ging? So nach dem Motto: “Chef, da läuft grad eine Petition, die hat ordentlich Zulauf. Man wird Sie darauf ansprechen und es geht um Folgendes …”

  8. 8

    Was mir mal so auffällt: Guttenberg könnte natürlich auch etwas ganz anderes gemeint haben.

    Es macht ihn ja “betroffen”, dass “der Eindruck entstehen könnte”, dass es Menschen gäbe, die sich gegen die Sperrung von Kinderpornographie sträubten.

    Und natürlich könnte der Eindruck entstehen, die Unterzeichner wären für Kinderpornographie. Und diese Unterstellung würde ihn dann betroffen machen.

    Guttenbergs Konjunktivkette erinnert ein bisschen an die rhetorische Stärke einer Eva Herman.

  9. 9

    So ein ******* Minister. Keine Ahnung oder wider besseren Wissens so ein ****** daherquatschen. Was für ein *********.
    Puh! Jetzt geht’s wieder.

  10. 10

    Nichtsdestotrotz halte ich ja der Tagesschau hier durchaus zugute, dass der restliche Beitrag diesem Nix-Capice-Statement des (im übrigen ja nicht direkt vom Volk gewählten, da kann man in einem solchen Zusammenhang ja durchaus auch mal drauf hinweisen) Wirtschaftsministers vollkommen widerspricht. Das war auch schon mal anders.

  11. 11

    Kaum überraschend, warum vuzG die Petition so runterputzt. Hier nachzulesen: http://www.stefan-niggemeier.d.....-expertin/

  12. 12

    @ Lukas:

    Der Mann ist Bundeswirtschaftsminister, der muss sich beim Wort nehmen lassen. Ich hatte ihn ja für talentiert gehalten. Mal sehen, ob er auf meine E-Mail abtwortet (oder antworten lässt), in der ich ihm freundlich, aber bestimmt den Wortlaut der Petition und was ich von seinem Kommentar halte gesendet habe.

    Das erste Mal, dass ich mich direkt an einen Bundespolitiker wende. Außer dem Wehrbeauftragten.

  13. 13

    @ Lukas:

    in der 16:00 Uhr tagesschau kommt Franziska Heine etwas ausführlicher zu Wort: http://www.tagesschau.de/multi.....92762.html

  14. 14

    Tja, das ist wirklich ernüchternd. Und ich finde dreist und ignorant zwar auch durchaus richtige Bezeichnungen für diese Worte von Allesaußerwilli, aber ich fürchte, solche Argumentationsdreherei ist obendrein einfach nur abgebrüht und eiskalt, weil: für ihn und seinesgleichen tägliches Geschäft.

  15. 15

    Ich kann es drehen und wenden wie ich will, ich verstehe einfach nicht, was der Herr Bundesminister genau aussagen wollte. Frage mich außerdem, wieso die Tagesschau diesen O-Ton genommen hat.

  16. 16

    Stimmt. Eben kam es noch mal in der 20 Uhr – und nachdem die erste Empörung verklungen ist: Guttenbergs Aussage ist völlig verschwurbelt und man kann nicht erkennen, was er eigentlich meint. Umso erstaunlicher, wie mein Vorredner schon schrieb, dass die tagesschau dieses Zitat bringt.

  17. 17

    Was mir mal so auffällt: Guttenberg könnte natürlich auch etwas ganz anderes gemeint haben.

    Es macht ihn ja “betroffen”, dass “der Eindruck entstehen könnte”, dass es Menschen gäbe, die sich gegen die Sperrung von Kinderpornographie sträubten.

    Exakt so habe ich auch zunächst interpretiert (der nächste Satz relativiert das ja schon wieder) und mich gewundert, dass das niemand anderem aufgefallen zu sein scheint. Bin ich ja Gott sei Dank nicht der Einzige.

  18. 18

    [...] zu Guttenberg, auf den überwältigenden Zulauf von Bürgern angesprochen, die ihre politische Vertretung zu zigtausenden darauf aufmerksam [...]

  19. 19

    Mit dieser Antwort des Herrn von und zu Guttenberg muss ich mit Tränen mein Vertrauen in unsere Regierung und an meine Vorstellung von einem Volksvertreter hinter mir lassen…oder um es mit den Worten meines Rechts-Dozenten zu sagen: “Sollte eines Tages, jemand unser demokratisches Rechtsprinzip angreifen, bin ich der erste, der mit einer Waffe auf der Kreuzung steht!”

  20. 20

    Unabhängig davon, ob das Zitat von Herrn Guttenberg so oder so verstanden werden kann: Ich fühle eine totale Ohnmacht gegenüber der Staatsmacht in Deutschland. Seit Jahren in vielen unterschiedlichen Ressorts gezeigte Ignoranz vieler Volksvertreter scheint hier endgültig in kriminelle Absichten zu gipfeln.

    Ich habe die EPetition unterschrieben aber meine Hoffnung, dass das Gesetz verhindert wird, geht gegen Null. Nicht einmal Wahlen werden das ändern, denn selbst wenn wir 100.000 Mitzeichner zusammenkriegen, die Mehrheit denkt immer noch, es beträfe sie ja nicht weil sie sich ja keine Kinderpornos ansehen und das Internet für viele immer noch nicht selbstverständlich ist. Die Uninformiertheit ist desaströs und man hat sich ja auch sehr schlau das “Außenseitermedium” für die Grundrechtseinschränkung ausgesucht. Ein Medium, welches bereits von der konservativen Mehrheit der Bevölkerung als mindestens anrüchig angesehen wird, wird es sehr schwer haben, genug Fürsprecher zu finden. Und wenn wir die GG-Aufweichung erstmal haben, dann ist es zu spät sie in anderen Medien wirksam zu verhindern.

    Ich für meinen Teil bin desillusioniert. Auch wenn ich ausgewandert bin (aus anderen Gründen allerdings), ich mache mir große Sorgen, wie es mit der Deutschen Politik weitergeht. Was man liest von Schäuble und Co. macht mich traurig und wütend, soviel Ignoranz gegenüber dem Volk, dem gesunden Menschenverstand und nicht zuletzt unserer Verfassung ist unheimlich schwer nachzuvollziehen. Und ich möchte nicht (muss aber wohl) glauben, dass mit bösem Vorsatz gehandelt wird.

    Hoffentlich wird alles gut oder wenigstens nicht so schlimm. (So naiv das auch klingt)

  21. 21

    @Lukas (8): Ich HATTE ihn erst so verstanden. Mein Kiefer fiel erst beim nächsten Satz nach unten: “Das ist nun wirklich eines der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.”

    Also entweder die Unterzeichner sträuben sich aus Bösartigkeit gegen die Sperrung von Kinderpornografie oder weil sie die Brillianz des Gesetzes in ihrer Verbohrtheit nicht kapiert haben.

    Der anklagende Zeigefinger zeigt aber in jedem Fall in Rchtung Unterzeichner.

  22. 22

    [...] macht die “Dummdreistigkeit” von Politikern wie Guttenberg einfach nur Angst. Lukas geht der Blutdruck hoch. Auf Blogsprache ist man nur froh, dass Menschen, die so offensichtlich [...]

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