Wenn Freud heute auf Express.de ginge, was würde er da wohl denken?

Eingesandt von Manfred H.
Nachtrag, 14:52 Uhr: Express.de hat die Überschrift auf „Schwarz-Gelb“ geändert.
Wenn Freud heute auf Express.de ginge, was würde er da wohl denken?

Eingesandt von Manfred H.
Nachtrag, 14:52 Uhr: Express.de hat die Überschrift auf „Schwarz-Gelb“ geändert.
Gar nicht mal so selten (im Sinne von: „Wenn ich überhaupt mal etwas gefragt werde, dann …“) werde ich gefragt, wie man eigentlich so ein „Medienblogger“ wird.
Das ist eigentlich ganz einfach: Eine Zeit lang muss man sehr aufmerksam durch die Welt gehen und allen Quatsch aufschreiben, der einem in die Finger kommt. Dann hat man irgendwann seine Leser, seinen Freundeskreis und seine Familie derart für die kleinen und großen Fehler der Medien sensibilisiert, dass man mit Einsendungen überhäuft wird und sie nur noch aufschreiben muss.
Eingesandt von meiner Mutter:

(Neue Rhein/Ruhr Zeitung vom 22. September 2009)
Das erinnert natürlich fatal an die von Fritz Walter d.J. überlieferte Sentenz:
Der Jürgen Klinsmann und ich sind schon ein tolles Trio, …äh Quartett.
Die gelernte Naturwissenschaftlerin Merkel wird diese Art Beweisführung zulassen müssen: Um ein unbekanntes Element zu erforschen, kann es hilfreich sein, die Daranheftenden und Drumherumschwirrenden zu definieren. Wenn sie zum stets in ihrer Nähe schleichenden Pofalla blickt, nickt er meist sofort. Oder schüttelt den Kopf. Was halt gerade gewünscht wird. Seine Größe ist allein durch Unterwerfung bedingt.
Der Typus Pofalla wird nicht abgestoßen von Merkel, anders als widerständigere Charaktere.
Benjamin von Stuckrad-Barre, das vergisst man gerne, hat ja nur einen Roman und eine Handvoll fiktionaler Texte veröffentlicht. Den Großteil seines Werks machen journalistische Arbeiten aus, besonders Reportagen.
Und die kann der Mann, der kürzlich vom Magazin „Cicero“ sehr schön porträtiert wurde, auch immer noch schreiben – man kriegt davon nur nichts mit, weil sie in Zeitungen wie der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht werden.
Dass es über Merkel, je länger sie regiert, immer weniger Witze gibt, ist auch merkwürdig. Wenn Opposition, Herausforderer und Kommentatoren ihr mangelnde Greifbarkeit vorhalten und quecksilbrige Positionen, klingt das hilflos. Wenn aber den Witzemachern zu ihr nichts mehr einfällt, müssen wir das vielleicht ernst nehmen.
Seine Reportage über eine Zugfahrt mit Angela Merkel kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, nicht zuletzt wegen des sagenhaften Nicht-Interviews, aus dem man mehr über die Kanzlerin erfährt als aus vier Jahren Regierungsverantwortung:
Wenn Sie aus dem Zug schauen, was für ein Land sehen Sie?
Ich sehe ein ziemlich intaktes Land, im Vergleich zu anderen Ländern, in denen man schon so war.
(Man! Länder, in denen man schon so war! Das erste, was einem ein Psychotherapeut beibringt: Sagen Sie nicht „man“, sagen Sie „ich“. Das erste, was man als Profipolitiker wahrscheinlich lernt: öfter mal „man“ sagen, dann kann nichts groß passieren.)
„Wie war die Wurst?“ von Benjamin von Stuckrad-Barre bei welt.de.
Twitter ist ja nicht gerade als das Medium bekannt, das den Siegeszug der Aufklärung endlich abschließen könnte: 140 Zeichen kann man auch eben schnell tippen, ohne dass man das Gehirn zwischen Galle und Finger schalten müsste. Twittern ist oft genug der Sieg des Affekts über die Reflektion, Hauptsache man ist der Schnellste — besonders bei der Eskalation.
Entschuldigung, was? Das hab ich schon mal geschrieben?! Oh ja, Verzeihung!
Anders gesagt:
Es kann doch nicht sein, dass wir immer wieder die Informationen loben, die im Internet für jeden überall und frei verfügbar sind, und dann nicht mal drei Minuten darauf verwenden, bei einer solchen Geschichte auch die Gegenseite abzuchecken. Stattdessen wird der Link blindlings bei Twitter weiterverbreitet.
Wie bitte? Das hab ich auch schon geschrieben?! Verdammt, Sie haben Recht!
Was ich sagen will, ist Folgendes:
Die Leute, die den Medien vorwerfen, unkritisch zu sein und nur aufzuschreiben, was ihnen in den Kram passt, waren unkritisch und schrieben genau das auf, was ihnen in den Kram passte: „fail“ eben.
Hä? Ach so.
Gestern Abend hatten sie mich so weit, da war ich plötzlich einer der vielen Millionen Deutschen, die sich Günther Jauch als Bundeskanzler wünschten.
Zugegeben: Nach dem „TV-Duell“, dessen VHS-Aufzeichnungen seit heute früh in Apotheken als Mittel gegen Schlaflosigkeit zu haben sind (allerdings nur auf Rezept!), hätte ich auch Reinhold Beckmann noch als spritzig und sympathisch empfunden. Aber das hatte schon was, wie Jauch sich da in seiner ehemaligen Beinahe-Sendung – die jetzt „Anne Will“ heißt – im Sessel fläzte, gutgelaunt das eben Durchlittene in Worte fasste, die auch an jedem Stammtisch hätten fallen können, und dann als Zugabe noch das aussprach, was ich zuvor auch gedacht hatte: Schwarz-Rot macht jetzt noch zwei, drei Jahre weiter, dann kommt der große Knall und das große Experiment und dann ist Klaus Wowereit mit Hilfe der Linkspartei Kanzler.
Mitten in dieser Therapiesitzung der Selbsthilfegruppe „Große Koalition“ hatte sich eine Erinnerung in mein Bewusstsein geschlichen, die da zum wirklich falschen Zeitpunkt kam: Ich musste ein Jahr zurückdenken, an den Wahlkampf in den USA, an die Fernsehdebatten, die charismatischen Kandidaten auf beiden Seiten, an die „Schicksalswahl“ und den zum Heilsbringer deklarierten Barack Obama. Nach dem Beamtenmikado zur Primetime hätte auch Rudolf Scharping noch einen glaubwürdigen Heilsbringer abgegeben.
Anders als bei der Bundestagswahl vor sieben Jahren, wo „Stoiber verhindern“ noch eine Art von Systemkampf ausgestrahlt hatte, geht es dieses Jahr um nichts. Die Regierungskoalition ist unerheblich, das Volk wird aus unerfindlichen Gründen sowieso der Meinung sein, dass Angela Merkel eine gute „Arbeit“ mache. Das Signal des gestrigen „Duells“ (wer eine Aussage trifft, hat verloren) war ganz klar: Deutschland ist ein Land, das jeder führen kann, der sich irgendwann mal für die gehobene Beamtenlaufbahn qualifiziert hat. Man muss keine Ideen haben, für Deutsche ist es völlig ausreichend, wenn sie verwaltet werden.
Zu schade, dass Günther Jauch nicht antritt.
Alles Wichtige zum TV-Duell hat Peer im FAZ.net-Fernsehblog noch mal zusammengefasst.
Like most people, I was initially confused by EMI’s decision to release remastered versions of all 13 albums by the Liverpool pop group Beatles, a 1960s band so obscure that their music is not even available on iTunes. The entire proposition seems like a boondoggle. I mean, who is interested in old music? And who would want to listen to anything so inconveniently delivered on massive four-inch metal discs with sharp, dangerous edges?
Das Stilmittel der Ironie ist ein gefährliches – vor allem, wenn man es über einen kompletten Text hinweg durchhalten will. Chuck Klosterman hat es aber geschafft, eine Rezension der Beatles-Remasters zu schreiben, die gleichzeitig sensationell schwachsinnig und trotzdem gut und präzise ist. Beim A.V. Club.
Das Problem war, schon damals, dass ich nicht begriffen habe, was sie eigentlich wollte. Ich habe nicht einmal verstanden, ob sie links oder rechts ist. Bei Helga Zepp hat man einfach nicht durchgeblickt. Seitdem kandidiert sie für den Bundestag – jedes Mal! Diese Frau ist ein Steher.
Harald Martenstein fordert im „Tagesspiegel“, Helga Zepp-LaRouche zur Regierenden Bürgermeisterin zu machen.
Es ist das beherrschende Thema der Medienseiten deutschsprachiger Onlinemagazine am heutigen Tag: der unglaublich unsympathische Kandidat Hans-Martin, der bei „Schlag den Raab“ eine halbe Millionen Euro gewonnen hat. Weniger gegönnt hat das deutsche TV-Publikum einen Sieg zuletzt der italienischen Fußballnationalmannschaft am 4. Juli 2006.
Falls Sie die Sendung verpasst haben sollten und sich fragen, warum ein einzelner Spielshow-Kandidat stärkere Emotionen auslöst als ein ganzer Bundestagswahlkampf, beantwortet Stefan Niggemeier Ihnen die erste Frage im FAZ.net-Fernsehblog. Zur Beantwortung der zweiten Frage hoffe ich noch einen Psychologen zu gewinnen.
Noch während die Sendung lief, wurden Hans-Martin-Hassgruppen bei StudiVZ gegründet und T‑Shirt-Motive angefertigt, die sich über den Kandidaten lustig machten (das habe ich alles nur gelesen – unter anderem in einem inzwischen wieder gelöschten Artikel bei Opinio, dem Leser-schreiben-für-Leser-Portal von „RP Online“ und bei community-management.de).
Die deutschsprachige Netzcommunity … Nee, anders: Die deutschsprachige Netzcommunity gibt es natürlich nicht, da kommt man ja in Teufels Küche, wenn man die irgendwie zusammenfassen würde. Es sind eben immer Hunderte von Individuen, die fast wortgleich das gleiche in den Äther schießen (bei Twitter gut zu erkennen am „RT:“, das in Sachen Aussagekraft noch weit unter dem „Me too!!!!1“ der AOL-Usenet-Ära und unter dem „Like“-Button bei Facebook liegt).
Hunderte Individuen gaben sich also jeder für sich die größte Mühe, alle Klischees vom digitalen Mob zu bestätigen: „Hassmartin“ tauften sie den Kandidaten und straften damit gleich auch noch all jene Lügen, die gedacht hatten, hirnfreiere Namenswitze als „Zensursula“ könnten nun wirklich keinem Menschen über 13 mehr einfallen. Für ein „#piraten+“ war in den Tweets dann leider kein Platz mehr, das hätte man doch schön kombinieren können.
Twitter ist ja eh nicht gerade als das Medium bekannt, das den Siegeszug der Aufklärung endlich abschließen könnte: 140 Zeichen kann man auch eben schnell tippen, ohne dass man das Gehirn zwischen Galle und Finger schalten müsste. Twittern ist oft genug der Sieg des Affekts über die Reflektion, Hauptsache man ist der Schnellste – besonders bei der Eskalation. Heute stehen die Web‑2.0er fassungslos vor den rauchenden Trümmern ihres eigenen „Pogroms“ (natürlich auch nicht alle) und wirken dabei ein bisschen wie die Schüler am Ende von „Die Welle“, als ihnen gesagt wird, dass sie alle gute Nazis abgegeben hätten.
Montagnachmittag im Kölner E‑Werk: Außer Rentnern, Studenten und Arbeitslosen hat um diese Zeit eigentlich niemand Zeit. Trotzdem haben WDR und NDR es hinbekommen, 179 Bundesbürger anzukarren, die angeblich repräsentativ für 82 Millionen sind: alt und jung, aus Nord und Süd, Mann und Frau – die ganze Palette halt. Sie sollen SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in einer dieser Townhall-Meeting-Simulationen, die der neueste Schrei im deutschen Polit-TV sind, auf den Zahn fühlen. Bizarrerweise bin ich einer dieser 179.
Nach dem nur verhaltenen Warm-Up durch einen Kollegen (es ist halt eine öffentlich-rechtliche Politiksendung, keine Privatfernseh-Comedy) begrüßen die Moderatoren Jörg Schönenborn und Andreas Cichowicz erst uns und dann den Mann, der Kanzler werden will. Steinmeier begrüßt die Zuschauer, die um ihn herum sitzen, routiniert und man ist froh, dass er nicht gleich mit dem Händeschütteln anfängt. Er hätte ja gar nicht kommen brauchen, sagt er, so toll habe ihn „der Jonas“, ein junger Zuschauer mit blondierten Haaren, der im Warm-Up seinen Platz eingenommen hatte, ja vertreten. Solche Aussagen sorgen für Stimmung, aber dann erinnert Schönenborn, der trotz seiner sonstigen Kernaufgabe, Zahlen von einem Monitor abzulesen, menschlicher wirkt als der lebende Aktendeckel Steinmeier, daran, dass wir ja nicht zum Vergnügen hier seien, und es geht los.
Die erste Frage wird gestellt und die erste Antwort gegeben. Im Vorfeld hatten sich die WDR-Redakteure telefonisch erkundigt, was man eventuell fragen wolle, aber im Studio lässt sich (außer bei ein paar ausgewählten Gästen) nicht zuordnen, wer welche Frage stellen würde – eine wie auch immer geartete Kontrolle scheint ausgeschlossen. Ein Mann wird vorgestellt, der 33 Jahre bei Hertie gearbeitet hat und „mit nichts mehr als einem feuchten Händedruck“ (er muss sehr feucht gewesen sein, denn er findet zwei Mal Erwähnung) verabschiedet wurde. Hoffentlich war es nicht auch noch der selbe Hertie-Mitarbeiter wie vor drei Wochen bei RTL. Steinmeier sagt von Anfang an oft „ich“ und „wir“, ohne dass klar wird, welche geheimnisvolle Truppe er damit meint. Die magischen Buchstaben „SPD“ nimmt er nach 67 Minuten zum ersten Mal in den Mund, „CDU“ folgt kurz darauf. Er redet viel und sagt wenig. Sagt ein Zuschauer, woher er kommt, kommen von Steinmeier stets die gleichen backchannels: „Rheda-Wiedenbrück, ah!“, „Grevenbroich, ah!“, „Bochum, ah!“. Ein Mann, der bei Continental arbeitet, wird fast zu Steinmeiers Joe the plumber: Zwar kann er sich den Namen des Mannes nicht merken, aber auf den „Arbeiter bei Conti“ kommt der Kanzlerkandidat an jeder passenden und unpassenden Stelle gern noch mal zurück.
Konkrete Fragen beantwortet Steinmeier mit dem Hinweis, „sofort“ auf den Kern zurückzukommen, nur um dann so weit auszuholen, dass er an einer beliebigen Stelle abbiegen und über irgendwas reden kann. Als Fragesteller ist man zu betäubt, um das sofort zu merken, und die Moderatoren wissen natürlich sowieso am Besten, dass sie hier keine konkreten Antworten erwarten können.
Eine ältere Dame, die zuvor bereits wüst in die Kamera gewunken hatte, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie eine Frage stellen will, hat ein paar kopierte Zettel dabei und fragt Steinmeier, ob er schon Gelegenheit gehabt habe, den aktuellen „Spiegel“ zu lesen. Steinmeier wird aber gerade frisch überpudert und kann deshalb nicht antworten, weswegen Schönenborn bittet, eine konkrete Frage zu formulieren. Es geht um die Besteuerung von Sonntagsarbeit und Steinmeier antwortet, man dürfe auch nicht alles glauben, was in der Zeitung stehe. Obwohl es natürlich stimmt, kommt das ein bisschen meckerig rüber und die Dame entgegnet, es habe ja nicht in „Bild“ gestanden, sondern im „Spiegel“ und dem müsse man ja trauen. Ich hoffe, dass die Raummikros zu schwach eingestellt waren, als dass man mein glucksendes Gelächter auch noch zuhause hören könnte.
Weil ich ein „junger Mann im karierten Hemd“ bin, darf ich auch eine Frage stellen, aber ich merke schon, als das Fragezeichen durch den Raum schwebt, dass das keine gute Idee war. Ich will wissen, ob Steinmeier manchmal von Murat Kurnaz träume, aber der Kanzlerkandidat antwortet mit dem Verweis auf irgendwelche Dokumentationen über sich und darauf, dass ein Untersuchungsausschuss seine (Steinmeiers) Unschuld bewiesen habe. Man müsse jetzt auch mal mit diesen Anschuldigungen aufhören, sagt er, während wir irgendwie haarscharf aneinander vorbei gucken, und ich das Gefühl habe, unter den Blicken der anderen Zuschauer und der Hitze der Scheinwerfer langsam zu zerfließen.
Mit Politikern zu sprechen ist eine der unbefriedigendsten Beschäftigungen überhaupt, weil einem immer erst hinterher klar wird, dass das gar kein Gespräch war, sondern eine Phrasen-Routine, die man schon im Informatikunterricht der siebten Klasse schreiben kann. (Es kann kein Zufall sein, dass Douglas Adams einst an einem Computerprogramm namens „Reagan“ arbeitete, das Fernsehdebatten anstelle des US-Präsidenten hätte führen können.) Es macht fast mehr Spaß, im Herbst Laub zusammenzukehren und die Wiese kurz nach dem Wegpacken des Rechens schon wieder mit Blättern übersät zu sehen.
Das Thema Außenpolitik kommt in der Befragung des Außenministers nicht vor. Fragen nach afghanischen Tanklastern („Wie viele davon werden wir noch in die Luft sprengen müssen, bis es in dem Land keine Taliban und keine Zivilisten mehr gibt und wir nach hause gehen können?“) verbieten sich wegen der Vorlaufzeit von fast 30 Stunden: Wer weiß, wie die Nachrichtenlage bei Ausstrahlung aussieht? Afghanistan kommt trotzdem vor, wenn auch anders als gedacht: Die Mutter eines Soldaten fragt nicht etwa, wann ihr Junge dauerhaft zuhause und in Sicherheit bleiben darf, sondern erkundigt sich nach besserer technischer Ausstattung für die Truppen. Dass sich die Sendung so amerikanisch anfühlen würde, war sicher nicht geplant.
Zur Auflockerung werden Steinmeier zwischendurch zwei „Wer wird Millionär?“-mäßige Quizfragen gestellt. Es fällt schwer zu glauben, dass eine mutmaßlich gut bezahlte Redaktion in monatelanger Vorbereitung nicht über „Was werden Sie nach dem Ende der großen Koalition am meisten vermissen? A: Angela Merkel, B: Karl-Theodor zu Guttenberg, C: Ursula von der Leyen, D: meinen Dienstwagen“ hinausgekommen ist. Immerhin gibt es Steinmeier die Gelegenheit zum einzigen Mal in 75 Minuten mit Witz und Schlagfertigkeit zu glänzen, als er antwortet: „ ‚D‘ scheidet ja aus, denn wenn die große Koalition endet, sitze ich ja im Kanzleramt.“
Als Schönenborn eine längere, komplizierte Zwischenmoderation, in der es auch irgendwie um die FDP geht, augenscheinlich völlig frei (also jedenfalls ohne Teleprompter und ohne noch mal auf seine Karten zu gucken) in die Kamera spricht, werde ich zu seinem glühenden Verehrer. Cichowicz dagegen gerät bei seinen kurzen Textpassagen häufiger ins Schwimmen, hat dafür aber das Zwischen-Zuschauern-Hocken in der Tradition von Jürgen Fliege und Günther Jauch im Repertoire. Zwischendurch stürzen immer wieder studentische Mikrofon-hinhalte-Kräfte die Treppen hinunter, was man am Bildschirm vermutlich nur als grotesk anmutende Satzpausen wahrnimmt.
Kurz vor Schluss darf noch eine Mutter mit Migrationshintergrund eine Frage stellen und weil sie in Steinmeiers Rücken sitzt, gerät diese Gesprächssimulation vollends zum Desaster: Steinmeier dreht ihr halb die Schulter zu und redet lieber zu Schönenborn und Kamera 1 und berichtet dann – Einzelschicksale hervorheben! – von einer jungen Türkin, die er kürzlich in Mainz kennengelernt habe und die jetzt ihren Hauptschulabschluss nachmache. Dass vor hinter ihm das vielleicht spannendere Einzelschicksal sitzt, ist egal: Die Frau aus Mainz passt besser in die Routine.
Die ersten Zuschauer erheben sich schon während des Abspanns.
Wahlarena: Zuschauer fragen Frank-Walter Steinmeier
Dienstag, 8. September 2009
21:05 Uhr im Ersten
Nachtrag, 9. September: Bis zum kommenden Samstag kann man sich die Sendung jetzt auch in der ARD-Mediathek ansehen.
„The data-epi-spacing Onion“
data-epi-spacing ist data-epi-spacing eine data-epi-spacing amerikanische data-epi-spacing Satirezeitung data-epi-spacing und data-epi-spacing ‑website, data-epi-spacing die data-epi-spacing oft data-epi-spacing mit data-epi-spacing sensationell data-epi-spacing komischen data-epi-spacing Ideen data-epi-spacing aufwartet.
Aber data-epi-spacing irgendwie data-epi-spacing ist data-epi-spacing das data-epi-spacing hier data-epi-spacing zu data-epi-spacing ernst data-epi-spacing und data-epi-spacing realistisch, data-epi-spacing um data-epi-spacing darüber data-epi-spacing lachen data-epi-spacing zu data-epi-spacing können:
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Ich hab mir heute nach fast sechs Jahren in Bochum zum ersten Mal eine „WAZ“ gekauft – für einen Artikel im BILDblog über das Koma-Saufen, zu dem die Junge Union hier in der Stadt angeblich einlädt.
Ich weiß nicht, was ich von einer Party halten soll, bei der man für 10 Euro Eintritt 25 Euro vertrinken kann, so dass die rot-grünen Shots, die „weg müssen“, im Endeffekt weniger als einen Euro kosten. Aber ich würde auch noch viel weniger ins Playa gehen, als ich CDU wählen würde.
Was ich weiß, ist, dass die ganze Aufregung um diese Party irgendwie typisch war: Beim „Westen“ steht, die Gutscheine müssten in anderthalb Stunden vertrunken werden, und kurz darauf steht es so in vielen Blogs und mehr als 300 Leute twitterten, dass die Junge Union …
Auch ich hatte den Link zum „Westen“ für eine Minute in meinen delicious-Links, ehe mir bei den dortigen Trackbacks der Link zu Waynes Blog auffiel, in dem dieser der „WAZ“ schlechten Journalismus vorwarf.
Ob die Junge Union möglicherweise erst nach Erscheinen des Artikels beim „Westen“ auf ihrer Website klargestellt hat, „dass der Gutschein zwar bis 23:30 an der Kasse erworben werden muss aber die ganze Nacht genutzt werden darf“, ist eigentlich unerheblich – die Blogger, die sich auf die Story stürzten, hätten wenigstens den Versuch unternehmen müssen, bei der Jungen Union nach Informationen zu suchen. (Ich natürlich auch, bevor ich den Link gespeichert habe. Ganz besonders, wenn die Quelle „WAZ Bochum“ heißt.)
Es kann doch nicht sein, dass wir immer wieder die Informationen loben, die im Internet für jeden überall und frei verfügbar sind, und dann nicht mal drei Minuten darauf verwenden, bei einer solchen Geschichte auch die Gegenseite abzuchecken. Stattdessen wird der Link blindlings bei Twitter weiterverbreitet – natürlich nicht, ohne ihn vorher nicht noch mit „#fail“, „#cdu-“ und „#piraten+“ (aus Prinzip!) versehen zu haben.
Natürlich traue auch ich den Parteien (und zwar allen) im Wahlkampf so ziemlich alles zu. Aber es spricht trotzdem nicht für die Medienkompetenz von Internet-Powerusern, wenn sie blind auf eine Geschichte anspringen, die ihnen zufälligerweise ins Weltbild passt. Im Gegenteil: In solchen Momenten sind wir keinen Deut aufgeklärter als der alte Mann, der seit 60 Jahren immer die gleiche Partei wählt.
Nachtrag, 22:50 Uhr: Wie hatte ich nur „BO-Alternativ“, das lokale „Indymedia“-Pendant vergessen können? Dort sorgte die Junge Union schon gestern Nachmittag „mal wieder für einen Skandal“.
Andererseits hatte man sich dort die Mühe gemacht, bei der CDU-Jugendorganisation selbst nachzufragen:
Der Pressesprecher der JU Torsten Bade hält das alles für ein Missverständnis: Die Gäste könnten länger trinken und für jugendliche Disko-BesucherInnen sei das ein ganz normales Angebot. Er räumte aber auch ein, dass es schon mehrere Anrufe wegen der Geschichte gegeben habe und einige Plakate auch wieder abgehängt worden seien.