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Digital

Zensurlaub

Betriebsferien vom 18. bis zum 21. Juni

Die Kom­men­tar­funk­ti­on wird in guter alter sueddeutsche.de-Manier von Don­ners­tag­abend bis Mon­tag früh deak­ti­viert sein.

Gehen Sie so lan­ge doch mal an die fri­sche Luft, tref­fen Sie sich mit ech­ten Men­schen oder lesen Sie ein­fach mal ein Buch!

Alter­na­tiv kön­nen Sie sich natür­lich auch für die nächs­ten drei­ein­halb Tage angu­cken, wie Thees Uhl­mann und Simon den Har­tog „Human“ von den Kil­lers spie­len:

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Politik Gesellschaft

Sort Of Revolution

Bildungsstreik in Weingarten

Erwar­tet haben die Ver­an­stal­ter an mei­ner Uni nicht viel, zu gering war die Reso­nanz der Stu­den­ten an den Akti­ons­ta­gen. Zu gering das Enga­ge­ment, mit den immer­glei­chen Aus­sa­gen wird man als nai­ver Töl­pel abge­stem­pelt. Man sei ein Träu­mer oder zu links, die For­de­run­gen zu groß und über­zo­gen. Die Skep­ti­ker haben an jeder Ecke gelau­ert. „Wenn wir 200 Leu­te bekom­men, haben wir schon viel erreicht“, so eine Orga­ni­sa­to­rin.

Ich weiß nicht wie es Skep­ti­kern ging, aber als ich ges­tern an mei­ner Uni stand und als anstatt der erwar­te­ten 200 sich ganz plötz­lich uner­war­te­te 1.300 Men­schen auf­tauch­ten, konn­te man die Anspan­nung in den Gesich­tern wei­chen sehen. Das mag jetzt pathe­tisch klin­gen, aber man hat­te wirk­lich das Gefühl, dass man heu­te ein Zei­chen setzt.

Auch Deutsch­land­weit wur­de die Zahl der tat­säch­lich Mit­wir­ken­den unter­schätzt, über 240.000 Stu­den­tIn­nen, Schü­le­rIn­nen waren auf der Stra­ße in mehr als 80 Groß­städ­ten. Die Bilanz kann sich sehen las­sen.

Vom Cam­pus aus zogen alle Demons­tran­ten durch die Wein­gärt­ner Innen­stadt zum Löwen­platz, dem hie­si­gen Markt­platz. Dort wur­den die Zwi­schen­kund­ge­bun­gen abge­hal­ten, nicht nur die AstA und UstA hiel­ten Anspra­chen, son­dern auch einer der Hoch­schul­pro­fes­so­ren der PH hielt eine sehr ein­dring­li­che Rede, in der er den Demons­tran­ten die Sicht der Pro­fes­so­ren schil­der­te, dass es auch für die Hoch­schu­le nicht ein­fach ist mit den Beschlüs­sen der Poli­tik und dem Bolo­gna Pro­zess aus­zu­kom­men, als letz­tes sprach auch eine Kan­di­da­tin der Grü­nen.

Es war eine sehr fried­li­che und den­noch ein­dring­li­che Stim­mung. Nach den Zwi­schen­kund­ge­bun­gen lief die Demons­tra­ti­on wei­ter, auf der Haupt­stra­ße ent­lang zurück zum Unige­län­de. Dort hiel­ten der Schü­ler­spre­cher der zwölf­ten Klas­se sowie ein Abge­ord­ne­ter der SPD die bei­den letz­ten Anspra­chen des Tages.

Nach den Kund­ge­bun­gen spiel­ten die unie­i­ge­nen Bands für die Demons­tran­ten. Bis in den frü­hen Abend wur­den nicht nur gefei­ert, son­dern auch dis­ku­tiert. Aus­schrei­tun­gen oder Kra­wal­le gab es kei­ne. Von Sei­ten der Poli­zei und Hoch­schu­le gab es gro­ßes Lob, die Demons­tra­ti­on in Wein­gar­ten war ein Erfolg, vor allem auch die Beson­nen­heit der Demons­tran­ten wur­de gelobt.

Bildungsstreik in Weingarten

Hier noch eini­ge Stim­men:

„Ich hät­te nie im Leben damit gerech­net, dass 20 Men­schen über 1.000 ande­re moti­vie­ren kön­nen!“, Stef­fen H.

„Die Art und Wei­se der Demons­tra­ti­on hat hof­fent­lich allen Skep­ti­kern gezeigt, dass man doch noch etwas Bewe­gen kann. Man muss jetzt nur am Ball blei­ben!“, Lena E.

„Ich glau­be wirk­lich, das es ein Zei­chen gesetzt hat, zumin­dest weiß die Hoch­schu­le sowie die Poli­tik jetzt, dass wir uns nicht alles gefal­len las­sen. Und wird in Zukunft bei ihren Beschlüs­sen anders ent­schei­den“, Julia A.

„Ich bin total stolz auf alle, die mit­ge­lau­fen sind. Ich hät­te damit nie gerech­net. Mei­ne gan­zen Zwei­fel sind ein Stück­chen geschrumpft. Ich hof­fe das es so wei­ter geht und die Poli­tik sowie die Hoch­schu­le sich bewusst wird, wel­che Ver­ant­wor­tung sie haben“, San­dra P.

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Kultur

The Post-It-Service

Ech­te Puris­ten notie­ren sich auf Post-Its wich­ti­ge Din­ge, ande­re wie­der­um machen dar­aus etwas Künst­le­ri­sches. So auch Bang-yao Liu. Und ich kann die wer­te Leser­schaft beru­hi­gen: Der Mann im Video hat kei­ne wich­ti­ge Prü­fung vor sich her­ge­scho­ben.

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Und wer sehen will, wie viel Arbeit in dem Clip steckt, der soll­te sich das Making Of zu Gemü­te füh­ren.

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Musik Print

Stadt, Land, Flucht

Micha­el Wend­ler will umzie­hen – raus aus der durchs „per­fek­te Pro­mi­din­ner“ berühmt gewor­de­nen wei­ßen Vil­la in Ober­loh­berg.

Das erklär­te der König des Pop­schla­gers und bekann­tes­te Dins­la­ke­ner der „Rhei­ni­schen Post“:

Ein neu­es Domi­zil braucht er, weil „die Wend­ler-Vil­la in Hies­feld zur Pil­ger­stät­te gewor­den ist“. Nachts füh­ren Fans vor, hup­ten und rie­fen: „Wend­ler – komm raus!“ Nicht dass ihn das stör­te, sturm­er­probt durch Fest­zel­te und Mal­lor­ca, aber er will Ade­line schüt­zen, sei­ne sie­ben­jäh­ri­ge Toch­ter. Die Nach­barn auch.

Und die schützt er ver­mut­lich am Bes­ten, indem er in der Zei­tung ver­kün­det, einen stadt­be­kann­ten Rei­ter­hof („das 2003 abge­brann­te Gestüt an der Fran­zo­sen­stra­ße“) auf­kau­fen und sich wäh­rend der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten vom Kame­ra­team einer Sat.1‑Dokusoap fil­men las­sen zu wol­len …

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Digital

Wie Barack Obama Twitter am Laufen hielt

Bei den Pro­tes­ten, die der­zeit im Iran statt­fin­den, spielt Twit­ter eine wich­ti­ge Rol­le: Demons­tran­ten kön­nen sich dar­über koor­di­nie­ren und Bot­schaf­ten ins Aus­land abset­zen. Um die­sen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg auf­recht zu erhal­ten, hat Twit­ter am Mon­tag kurz­fris­tig seit lan­gem für ges­tern geplan­te War­tungs­ar­bei­ten auf einen Zeit­punkt ver­scho­ben, als im Iran eh gera­de Nacht war.

Ges­tern ver­brei­te­te Reu­ters die Nach­richt, das US-Außen­mi­nis­te­ri­um habe Twit­ter gedrängt, die War­tungs­ar­bei­ten zu ver­schie­ben:

The U.S. Sta­te Depart­ment said on Tues­day it had cont­ac­ted the social net­wor­king ser­vice Twit­ter to urge it to delay a plan­ned upgrade that would have cut day­ti­me ser­vice to Ira­ni­ans who are dis­pu­ting their elec­tion.

Twit­ter wider­sprach die­ser Dar­stel­lung schon kurz dar­auf im eige­nen Blog:

Howe­ver, it’s important to note that the Sta­te Depart­ment does not have access to our decis­i­on making pro­cess. Nevert­hel­ess, we can both agree that the open exch­an­ge of infor­ma­ti­on is a posi­ti­ve force in the world.

Das war heu­te Nacht um 00:21 Uhr deut­scher Zeit.

Um 03:15 Uhr ticker­te afp:

Twit­ter: War­tungs­ar­bei­ten nicht wegen US-Regie­rung ver­scho­ben

Der Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter pocht auf sei­ne Unab­hän­gig­keit: Die Ver­schie­bung von War­tungs­ar­bei­ten inmit­ten der dra­ma­ti­schen Ereig­nis­se im Iran sei nicht auf Bit­ten der US-Regie­rung erfolgt, teil­te Twit­ter-Mit­be­grün­der Biz Stone am Diens­tag mit.

Nun weiß man natür­lich nicht, ob Twit­ter da die Wahr­heit sagt. Aber die bis­he­ri­gen Fak­ten lau­ten: Das Außen­mi­nis­te­ri­um spricht von Kon­tak­ten, Twit­ter erklärt, die Ent­schei­dung selbst getrof­fen zu haben.

Bei Asso­cia­ted Press hat­te man von all dem offen­bar nichts mit­be­kom­men und so war aus der „Bit­te“ des Außen­mi­nis­te­ri­ums heu­te mor­gen um 08:36 Uhr das hier gewor­den:

Twit­ter-War­tung auf Wunsch des US-Außen­mi­nis­te­ri­ums ver­scho­ben

Um 11:04 ging eine wei­te­re AP-Mel­dung über die Ticker, in der unter ande­rem stand:

Wie in Washing­ton ver­lau­te­te, inter­ve­nier­te des­halb das US-Außen­mi­nis­te­ri­um und bat die Betrei­ber, die War­tung auf eine Zeit zu ver­schie­ben, wenn es im Iran Nacht ist. Twit­ter folg­te die­sem Wunsch.

Wäh­rend vie­le Medi­en immer­hin offen lie­ßen, ob Twit­ter dem Wunsch der US-Regie­rung „gefolgt“ sei, und „Focus Online“ expli­zit auf Twit­ters Gegen­dar­stel­lung ver­wies, waren Medi­en, die sich auf AP ver­lie­ßen, auf­ge­schmis­sen:

Wie in Washing­ton ver­lau­te­te, inter­ve­nier­te des­halb das US-Außen­mi­nis­te­ri­um und bat die Betrei­ber, die War­tung auf eine Zeit zu ver­schie­ben, wenn es im Iran Nacht ist. Twit­ter folg­te die­sem Wunsch.

(Handelsblatt.com)

Ange­sichts der Bedeu­tung der Online­me­di­en für die Infor­ma­ti­on der Welt­öf­fent­lich­keit über die Ereig­nis­se im Iran inter­ve­nier­te das US-Außen­mi­nis­te­ri­ums beim Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter. Die­ser ver­schob auf Wunsch des Außen­mi­nis­te­ri­ums geplan­te War­tungs­ar­bei­ten, wie meh­re­re Gewährs­leu­te am Diens­tag in Washing­ton berich­te­ten.

(heute.de)

Eine ganz eige­ne Her­an­ge­hens­wei­se fand Bild.de, wo statt Mit­ar­bei­tern des Außen­mi­nis­te­ri­ums gleich jemand ganz ande­res mit Twit­ter gespro­chen haben soll:

Auch der Ein­satz von US-Prä­si­dent Barack Oba­ma dürf­te bei der ira­ni­schen Regie­rung für Miss­mut gesorgt haben. Oba­ma hat­te Twit­ter gebe­ten, die ange­setz­ten War­tungs­ar­bei­ten aus­zu­set­zen, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on im Iran irgend­wie auf­recht zu erhal­ten.

Mit Dank auch an Dani S.

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Politik Gesellschaft Digital

Mein anderes Protest-Problem

Ich habe kurz über­legt, ob ich all das, was ich ges­tern zum The­ma Bil­dungs­streik, Demons­tra­tio­nen und Beset­zungs­ak­tio­nen auf­ge­schrie­ben habe, heu­te noch mal zu den Pro­gramm­punk­ten „Zen­sur­su­la“, „Unwähl­bar­keit“ und „Mit Euch reden wir jetzt gar nicht mehr“ auf­schrei­ben soll.

Aber ers­tens fin­de ich lang­sam auch, dass ich mich stän­dig selbst wie­der­ho­le, und zwei­tens sagt ein Bild Screen­shot ja immer noch mehr als tau­send Wor­te:

Zensiert zurück! Das WordPress-Plugin, um Parteien und Fraktionen auszusperren.

Die Logik dahin­ter ist beein­dru­ckend: „Ihr habt unse­re Argu­men­te nicht hören wol­len, wes­we­gen wir sie jetzt vor Euch ver­ste­cken – gut, wir kön­nen nicht über­prü­fen, ob das über­haupt klappt, aber wenigs­tens haben wir Euch noch eine puber­tä­re Trotz­re­ak­ti­on mit auf den Weg gege­ben.“

Und bevor das jetzt wie­der all­ge­mein die­ser „Inter­net-Com­mu­ni­ty“ in die Schu­he gescho­ben wird: Ich füh­le mich von sol­chen Aktio­nen ziem­lich exakt so gut reprä­sen­tiert wie von einem durch­schnitt­li­chen Abge­ord­ne­ten von CDU/​CSU und SPD. Näm­lich gar nicht.

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Politik Gesellschaft

Mein Protest-Problem

Um das Ver­hält­nis der Ruhr-Uni Bochum zu Stu­den­ten­pro­tes­ten zu ver­ste­hen, muss man wis­sen, dass es in Bochum eher die Aus­nah­me ist, wenn gera­de mal nicht irgend­wo wofür oder woge­gen demons­triert wird. Als vor drei Jah­ren das damals leer­ste­hen­de Quer­fo­rum West (erst Über­gangs­men­sa für die Zeit des Mens­aum­baus, heu­te Tuto­ri­en­zen­trum und für die­se Funk­ti­on denk­bar unge­eig­net) besetzt wur­de, belau­er­ten sich Uni-Ver­wal­tung und Beset­zer etwa acht Mona­te lang, bis das Gebäu­de dann doch von der Poli­zei geräumt wur­de.

Stu­den­ten­ver­tre­tung und Pro­test­ko­mi­tee – ein Wort, bei dem ich im Geis­te immer „Köl­ner Kar­ne­val“ ergän­zen will – schaf­fen es grund­sätz­lich nicht, der rie­si­gen Mehr­heit der Stu­den­ten­schaft ihre Anlie­gen zu erklä­ren. Auf den spär­lich besuch­ten Voll­ver­samm­lun­gen sprin­gen die Red­ner oft bin­nen weni­ger Sät­ze von der Kri­tik am Bil­dungs­sys­tem zur Abschaf­fung des Kapi­ta­lis­mus und dem Krieg in Afgha­ni­stan. Wäh­rend an ande­ren Unis die Pro­fes­so­ren und Dozen­ten ihre Stu­den­ten zur Teil­nah­me am Bil­dungs­streik ermu­ti­gen, haben in Bochum selbst die enga­gier­tes­ten Pro­fes­so­ren kei­ne Lust mehr, sich mit Pro­tes­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen, und fra­gen, ob es nicht geeig­ne­te­re Metho­den gäbe, die durch­aus berech­tig­te Kri­tik an der desas­trö­sen Bil­dungs­po­li­tik der schwarz-gel­ben Lan­des­re­gie­rung zu arti­ku­lie­ren.

Heu­te Mor­gen dann wur­de die Uni-Brü­cke bela­gert. Die Pro­test­ler fleh­ten die her­an­strö­men­den Stu­den­ten fast schon an, sich doch ihre Argu­men­te und Zie­le anzu­hö­ren. Aber irgend­wie war die Idee, die Leu­te über und unter Absper­run­gen klet­tern zu las­sen, nicht geeig­net, die gewünscht Bot­schaft zu ver­mit­teln. Die Stu­den­ten waren genervt und mach­ten Wit­ze. Vor dem Zelt des Pro­tes­ko­mi­tees saßen Men­schen, für deren Beset­zung als Stu­den­ten­ver­tre­ter in einem Fern­seh­film man den zustän­di­gen Cas­ting­di­rek­tor wegen Kli­scheelas­tig­keit ent­las­sen hät­te. Und als schließ­lich etwa acht­zig Pro­test­ler die Hör­sä­le stürm­ten und „Soli­da­ri­sie­ren, Mit­mar­schie­ren!“ skan­dier­ten, wuss­te ich plötz­lich wie­der ganz genau, war­um mir das alles nicht gefällt: Ich mag ein­fach kein Gebrüll und kein Mar­schie­ren.

Vor drei Jah­ren war ich für CT das radio bei einer Demons­tra­ti­on gegen Stu­di­en­ge­büh­ren in Düs­sel­dorf und die­ser Tag hat mein Ver­hält­nis zu Pro­test­ak­tio­nen nach­hal­tig gestört: Wäh­rend am Stra­ßen­rand Pas­san­ten stan­den und sich ange­sichts der doch recht all­ge­mein gehal­te­nen Trans­pa­ren­te und Sprech­chö­re frag­ten, wor­um es eigent­lich gin­ge, kam ein Teil der Men­ge auf die Idee, zur Melo­die von „Einer geht noch, einer geht noch rein“ immer wie­der „Ohne Bil­dung wer’n wir Poli­zist“ zu grö­len, was ich auch rück­bli­ckend noch als empö­rens­wer­ten Aus­bruch von Arro­ganz und Men­schen­ver­ach­tung emp­fin­de.

Kaum waren die Absper­run­gen ent­lang der Bann­mei­le um den Land­tag erreicht, hielt es ein Teil der Demons­tran­ten offen­bar für gebo­ten, die­se als ers­tes zu Über­sprin­gen, was die Poli­zei zum Her­an­stür­men ver­an­lass­te. Ich floh der­weil mit einem Redak­ti­ons­nach­weis in der einen und mei­nem Jugend­pres­se­aus­weis in der ande­ren Hand hin­ter die Poli­zei­li­ni­en und tele­fo­nier­te auf­ge­regt in die Live­sen­dung, wäh­rend ein paar Meter wei­ter Chi­na­böl­ler in Rich­tung von Kin­dern und alten Frau­en flo­gen, die sich bizar­rer­wei­se im Park um den Land­tag auf­hiel­ten.

Demons­tran­ten schrien ande­re Demons­tran­ten an, sie soll­ten doch mit dem Scheiß auf­hö­ren. Poli­zis­ten bell­ten in ihre Funk­ge­rä­te, was für Idio­ten denn wohl ver­an­lasst hät­ten, die Men­ge auch noch mit Video­ka­me­ras zu fil­men – auf sol­che Pro­vo­ka­tio­nen kön­ne man ja wohl ver­zich­ten. Eine ande­re Hun­dert­schaft mach­te gera­de Mit­tags­pau­se in der Son­ne. Ich dach­te – und den­ke es gera­de ange­sichts der Mel­dun­gen aus Tehe­ran wie­der -, dass es viel­leicht im Gro­ßen und Gan­zen doch nicht so übel ist, in Deutsch­land zu leben.

Wenn heu­ti­ge Stu­den­ten jetzt von ’68 träu­men, legen sie damit immer­hin die für erfolg­rei­che Revo­lu­tio­nen benö­tig­te Welt­frem­de an den Tag. Zwar neigt Geschich­te dazu, in Abstän­den von etwa vier­zig Jah­ren ver­gleich­ba­re gesell­schaft­li­che Span­nun­gen zu durch­lau­fen, aber die Welt ist 2009 doch in fast jeder Hin­sicht eine ande­re als 1968. Oder: Zumin­dest Deutsch­land ist ein ande­res.

Auch wenn ich per­sön­lich mit mei­nem Stu­di­um ziem­lich zufrie­den bin, weiß ich von genug Leu­ten, bei denen die Bache­lor/­Mas­ter-Stu­di­en­gän­ge zu Desas­tern geführt haben. Ich glau­be in der Tat, dass bil­dungs­po­li­tisch eini­ges, wenn nicht alles, im Argen liegt. Aber mich über­zeu­gen die­se For­men des Pro­tests (zumin­dest die, dich ich bis­her mit­be­kom­men habe) nicht – ich hal­te sie viel eher für kon­tra­pro­duk­tiv. Dass Demons­tra­ti­ons­zü­ge ohne den nöti­gen Rück­halt in der Bevöl­ke­rung allen­falls Mit­leid erzeu­gen, kann man jeden Mon­tag­abend in der Bochu­mer Innen­stadt besich­ti­gen.

Fra­gen Sie mich nicht, wie ich das machen wür­de. Ich leis­te mir nach wie vor die Nai­vi­tät, an die Macht des Dia­logs zu glau­ben und an den Sieg der Ver­nunft. Auch hun­der­te Lan­des- und Bun­des­re­gie­run­gen wer­den mich nicht davon abbrin­gen kön­nen – und mit die­ser Welt­frem­de bin ich doch irgend­wie wie­der ganz bei den Pro­test­lern.

Musik!

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Leben

Endlich gute Nachrichten!

Es war ein biss­chen schwer in letz­ter Zeit: Kli­ma­wan­del, Wirt­schafts­kri­se und die Hoch­zeit von Boris Becker haben der Mensch­heit schwer zuge­setzt.

Aber es wird bes­ser.

Schon über­mor­gen:

Ab Dienstag kann wieder gekegelt werden!
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Digital Sport

Wenn Basketball mal langweilig wird …

Im Fina­le der ame­ri­ka­ni­schen Bas­ket­ball-Liga NBA spie­len LA Lakers und Orlan­do Magic gera­de sie­ben Mal gegen­ein­an­der.

Was glau­ben Sie, wie vie­le Bil­der­ga­le­rien man damit fül­len kann? Also: Mit den pro­mi­nen­ten Zuschau­ern die­ser Spie­le? Wenn man „RP Online“ ist?

Da hät­ten wir zunächst mal eine all­ge­mei­ne, 24-teil­i­ge Bil­der­ga­le­rie, deren Betex­t­ung zwi­schen voll­ende­tem Wahn­sinn und Selbst­iro­nie oszil­liert:

Dagegen hat Rapper Will I Am mächtig Spaß mit Leonardo DiCaprio. Hie einmal von hinten.Von vorn hatten wir den ja schon ein paar Mal.

Zac Efron (ich schreib mal „High School Musi­cal“ in Klam­mern dazu, Sie schei­nen mei­ne Begeis­te­rung für den Dis­ney Chan­nel ja nur bedingt zu tei­len) war übri­gens auch im Publi­kum. Und weil er dabei eine Woll­müt­ze trug (das scheint tat­säch­lich der Auf­hän­ger zu sein), kann man damit natür­lich noch mal eine eige­ne neun­tei­li­ge Bil­der­ga­le­rie befül­len:

In Sachen Basketball kennt Efron sich aus.

In allen drei High-School-Musical-Teilen spielt er Basketball...

... in "17 Again", seinem aktuellen Film, auch.

Ach, und dann war Rihan­na auch noch bei meh­re­ren Spie­len.

Um das beson­de­re Ver­hält­nis von „RP Online“ und Rihan­na zu ver­ste­hen, muss man wis­sen, dass sich im Archiv etli­che Bil­der­ga­le­rien zur jun­gen Sän­ge­rin (aus Bar­ba­dos, Hit: „Umbrel­la“) befin­den, deren Betex­t­ung eigent­lich nur den Schluss zulässt – wir bege­ben uns hier ins schlam­mi­ge Ter­rain der Spe­ku­la­ti­on -, dass bei „RP Online“ ein 15-jäh­ri­ger Prak­ti­kant arbei­tet, des­sen gan­zes Zim­mer mit Rihan­na-Pos­tern tape­ziert ist und der kei­nen Zugang zu kal­ten Duschen hat.

Der fol­gen­de Über­blick ist sicher unvoll­stän­dig: „Rihan­nas sexy Auf­tritt in Kanye Wests Video“ (12 Bil­der), „Rihan­na als Miss Ter­mi­na­tor“ (30 Bil­der, ein­ge­lei­tet mit den Wor­ten „End­lich mal wie­der ein Auf­tritt von einer unse­rer Lieb­lings­sän­ge­rin­nen“), „Hat Rihan­na ihren Geschmack ver­lo­ren?“ (7 Bil­der), „Jus­tin Tim­ber­la­ke schickt Rihan­na in die Wüs­te“ (9 Bil­der), „Wur­de Rihan­na von Chris Brown geschla­gen?“ (7 Bil­der), „Und die Gewin­ne­rin ist… Rihan­na!“ (15 Bil­der), „Rihan­na und Co. erhal­ten ‚Ame­ri­can Music Award‘ “ (23 Bil­der), „Rihan­na – die immer schö­ne Sti­li­ko­ne“ (28 Bil­der), „Rihan­na und Bey­on­cé im Ver­gleich“ (20 Bil­der), „Rihan­na im schrä­gen Gothic-Look“ (11 Bil­der), „Sän­ge­rin Rihan­na als Modell“ (7 Bil­der), „Rihan­na für Unicef – so schön kann Hel­fen sein“ (11 Bil­der), „Rihan­na auf der Mai­län­der Mode­wo­che“ (19 Bil­der), „Duffy und Rihan­na beim Schuh-Shop­ping“ (9 Bil­der), „Rihan­nas sexy Auf­tritt in Mani­la“ (26 Bil­der), „Rihan­na begeis­tert bei den BET-Awards“ (8 Bil­der), „Rihan­na hat sich neu erfun­den“ (13 Bil­der), „Das düs­te­re Video von Rihan­na“ (10 Bil­der), „Für den guten Zweck: Rihan­na mit Milch­bart“ (11 Bil­der), „Rot­licht-Alarm bei Rihan­na“ (8 Bil­der), „Rihan­nas Out­fits im Vier-Punk­te-Check“ (12 Bil­der) und natür­lich der Klas­si­ker „Rihan­na ist stolz auf ihren Po“ (14 Bil­der).

Jeden­falls war Rihan­na auch da. Das reicht für sie­ben Bil­der und kom­pe­ten­te Ein­schät­zun­gen:

Rihanna sieht endlich wieder glücklich aus. Die Sängerin besuchte das Spiel der Los Angeles Lakers bei den Orlando Magic.

Basketball ist halt ab und zu auch mal langweilig. Rihanna, die auch an den Fingern tätowiert ist, vetreibt sich die Zeit mit einem Softdrink.

Nach vier Spie­len füh­ren die Lakers übri­gens 3:1 gegen Orlan­do …

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Politik Gesellschaft

Wo bitte geht’s zur Bildung?

Es wer­den momen­tan wich­ti­ge Wei­chen gestellt. Nicht nur in der Welt­wirt­schaft, son­dern auch in der Bil­dung. Denn nicht nur in Deutsch­land muss Bil­dung iro­ni­scher Wei­se zuguns­ten der Wirt­schaft zurück­ste­cken, euro­pa­weit lei­den Uni­ver­si­tä­ten an den Beschlüs­sen der Poli­tik zuguns­ten der Wirt­schafts­kri­se.

Es wer­den Ban­ken unter­stützt, Mil­li­ar­den­be­trä­ge für Auto­mo­bil­kon­zer­ne auf­ge­bracht und auf der ande­ren Sei­te wer­den sozia­len Ein­rich­tun­gen, Schu­len, Kin­der­gär­ten und Uni­ver­si­tä­ten Zuschüs­se gekürzt oder fal­len ganz weg.

Wie soll jedoch die Gesell­schaft von mor­gen opti­mal auf all die Pro­ble­me der Zukunft vor­be­rei­tet wer­den, wenn Schu­len geschlos­sen wer­den? Wenn kein Geld in Bil­dung inves­tiert wird? Wenn die Qua­li­tät der Leh­re nicht ver­bes­sert, son­dern gar nicht erst ernst genom­men wird?

Wer wird ein Kon­to bei einer Bank eröff­nen, ein Auto oder im Kauf­haus etwas kau­fen kön­nen, wenn er kein eige­nes Geld ver­die­nen kann, weil er kei­ne Aus­bil­dung anfan­gen kann? Wenn für das Stu­di­um und die Aus­bil­dung zu einem Beruf immer weni­ger Zeit bleibt?

Wie sol­len Schü­ler und Stu­den­ten aus­pro­bie­ren und ihre Nische fin­den, ihr Wis­sen fes­ti­gen und sich in ihrem Beruf sicher füh­len, wenn sie in 6 Semes­tern durch die Uni kata­pul­tiert wer­den? Was, wenn sie ihr Stu­di­um wegen feh­len­der finan­zi­el­le Unter­stüt­zung erst gar nicht anfan­gen kön­nen?

Es sind Fra­gen, die viel­mehr auch dar­auf auf­merk­sam machen, wie die Stu­den­ten bis jetzt mit ihrer Situa­ti­on umge­gan­gen sind: Der Groß­teil der Stu­den­ten nahm brav hin und zahl­te die Stu­di­en­ge­büh­ren, nahm einen Kre­dit auf oder brach das Stu­di­um ab.

Es tat sich nicht viel. Der gro­ße Ruck ging nicht durchs Land. Ein paar Pro­tes­te in den grö­ße­ren Uni-Städ­ten, ver­ein­zel­te Aktio­nen gegen Stu­di­en­ge­büh­ren, aber die gro­ße Mas­se an Stu­den­ten konn­te bis­her nicht mobi­li­siert wer­den, alle Mühen der Demons­tra­tio­nen blie­ben ver­ge­bens.

Jedoch gab es auch die Grün­dung ver­schie­de­ner Orga­ni­sa­tio­nen, die sich für eine bes­se­re Bil­dungs­lob­by ein­set­zen woll­ten und dies auch taten!

Und es scheint, dass die Initia­ti­ve – Bil­dungs­streik 09 – in die­sen Tagen die Früch­te ihrer Arbeit ern­ten kann. In bis zu 80 gro­ßen und klei­nen Städ­ten in Deutsch­land wird ab nächs­ter Woche in Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten gestreikt. Ab dem 15. Juni sind ver­schie­de­ne Aktio­nen geplant die ein Zei­chen set­zen sol­len – von Pla­kat­ak­tio­nen bis zu Debat­ten.

Chan­cen­gleich­heit in der Bil­dung, selbst­be­stimm­tes Ler­nen und die Ver­ant­wor­tung des Lan­des gegen­über der Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten sind nur ein Teil der For­de­run­gen.

An der Demons­tra­ti­on am 17. Juni wer­den rund 100.000 Schü­le­rIn­nen und Stu­den­tIn­nen erwar­tet. Auch Attac und die Bil­dungs­ge­werk­schaft GEW gab ihre Unter­stüt­zung bekannt.

Natür­lich ist auch ein Hauch von Skep­sis ange­bracht, ob die Demons­tra­tio­nen ihre Wir­kung nicht ver­feh­len? Ob vie­le weni­ge etwas aus­rich­ten kön­nen?

Ich sage, ja! Es ist an der Zeit und ange­bracht, sich ver­ant­wor­tungs­voll zu enga­gie­ren. Denn es muss ein Stein ins Rol­len gebracht wer­den. Nur dann nimmt die Öffent­lich­keit davon auch Notiz.

Man konn­te es in mei­ner Uni, der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Wein­gar­ten ganz deut­lich füh­len, dass die Zeit reif ist, sich für sei­ne Idea­le und sei­ne Zukunft ein­zu­set­zen. In der Voll­ver­samm­lung letz­te Woche fan­den knapp 300 Stu­den­ten zusam­men. Das sind immer­hin 10% der imma­tri­ku­lier­ten Stu­den­ten­schaft. Mit gro­ßem Inter­es­se hör­te man den Initia­to­ren des Bil­dungs­streiks 09 zu, die uns dar­über infor­mier­ten, wie der Stand der Din­ge ist und was zu erwar­ten ist, wenn die Situa­ti­on so bleibt wie sie ist. Sogar Pro­fes­so­ren waren von der Stim­mung wäh­rend der Kund­ge­bung begeis­tert und gaben durch die Blu­me ihre Unter­stü­zung bekannt.

Rücken­de­ckung gibt es nicht nur von Sei­ten der Gewerk­schaf­ten, auch die Uni­ver­si­tä­ten und Schu­len haben für den Bil­dungs­streik die Regeln gelo­ckert, aber auch kla­re Ver­hal­tens­re­geln fest­ge­legt! Nur mit Rücken­de­ckung kann der Bil­dungs­streik ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung sein.

Was sich im Bil­dungs­streik 09 alles live tun wird, kann man ab nächs­ter Woche nicht nur hier nach­le­sen!

Wer sich infor­mie­ren möch­te was in sei­ner Stadt geplant ist: bs.risiko09.de

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(Fast) geschenkt!

Ein Dollar

Heut­zu­ta­ge muss man sich ja immer wie­der was neu­es ein­fal­len las­sen, um mit sei­ner Musik wahr­ge­nom­men zu wer­den. „Zahlt was ihr wollt“ ist seit Radio­head durch, aber „Ein Album für einen Dol­lar“ hat­ten wir soweit ich weiß noch nicht.

Fan­far­lo sind eine schwe­disch-eng­li­sche Band, deren Debüt­al­bum „Reser­voir“ im Febru­ar erschie­nen ist – und das man jetzt und bis zum 4. Juli für nur einen Dol­lar (umge­rech­net 71 Euro­cent, zahl­bar per Pay­pal oder Kre­dit­kar­te) auf fanfarlo.com her­un­ter­la­den kann.

Die Musik erin­nert ein biss­chen an Arca­de Fire, Bei­rut, Sigur Rós und Stars und vier Bonus­tracks gibt’s noch dazu, so dass der ein­zel­ne Song noch 14,2 4,7 Euro­cent kos­tet. Den Ope­ner „I’m A Pilot“ kriegt man bei last.fm direkt geschenkt.

Ob sich das Gan­ze für die Band rech­net? Zumin­dest eine gewis­se Auf­merk­sam­keit ist ihnen sicher. Und die nächs­te Tour ist bestimmt aus­ver­kauft.

* * *

Ein gan­zes Album ver­schen­ken Pale, die sich gera­de auf­ge­löst haben. 17 Demos, Out­takes und Remi­xe haben sie zu ihrem Nach­lass „Extras“ zusam­men­ge­stellt, den man direkt auf der Band­home­page her­un­ter­la­den kann.

Ich muss geste­hen, dass ich von Pale bis­her nur ihr letz­tes Album „Brot­her. Sis­ter. Bores!“ kann­te (weil es vor drei Jah­ren beim Grand Hotel van Cleef erschie­nen ist), aber das muss ich drin­gend ändern. Neben jeder Men­ge fei­ner eige­ner Sachen beein­dru­cken auf „Extras“ vor allem zwei Cover­ver­sio­nen: „Gold“ (im Ori­gi­nal von Span­dau Balett, wes­we­gen ich das Lied bei jeder Ber­lin­rei­se beim Halt im Bahn­hof Span­dau anstim­me) und das atem­be­rau­ben­de „Time Is Now“ (Molo­ko).

Wäh­rend es Pale nicht mehr gibt, blei­ben einem die Band­mit­glie­der natür­lich erhal­ten: Schlag­zeu­ger Ste­phan Kochs bloggt bei Rand­pop und sein Bru­der und Sän­ger Hol­ger Kochs hat unter ande­rem das sehr gelun­ge­ne Art­work zum neu­en Kili­ans-Album erstellt.