Wie Barack Obama Twitter am Laufen hielt

Von Lukas Heinser, 17. Juni 2009 17:37

Bei den Protesten, die derzeit im Iran stattfinden, spielt Twitter eine wichtige Rolle: Demonstranten können sich darüber koordinieren und Botschaften ins Ausland absetzen. Um diesen Kommunikationsweg aufrecht zu erhalten, hat Twitter am Montag kurzfristig seit langem für gestern geplante Wartungsarbeiten auf einen Zeitpunkt verschoben, als im Iran eh gerade Nacht war.

Gestern verbreitete Reuters die Nachricht, das US-Außenministerium habe Twitter gedrängt, die Wartungsarbeiten zu verschieben:

The U.S. State Department said on Tuesday it had contacted the social networking service Twitter to urge it to delay a planned upgrade that would have cut daytime service to Iranians who are disputing their election.

Twitter widersprach dieser Darstellung schon kurz darauf im eigenen Blog:

However, it’s important to note that the State Department does not have access to our decision making process. Nevertheless, we can both agree that the open exchange of information is a positive force in the world.

Das war heute Nacht um 00:21 Uhr deutscher Zeit.

Um 03:15 Uhr tickerte afp:

Twitter: Wartungsarbeiten nicht wegen US-Regierung verschoben

Der Kurznachrichtendienst Twitter pocht auf seine Unabhängigkeit: Die Verschiebung von Wartungsarbeiten inmitten der dramatischen Ereignisse im Iran sei nicht auf Bitten der US-Regierung erfolgt, teilte Twitter-Mitbegründer Biz Stone am Dienstag mit.

Nun weiß man natürlich nicht, ob Twitter da die Wahrheit sagt. Aber die bisherigen Fakten lauten: Das Außenministerium spricht von Kontakten, Twitter erklärt, die Entscheidung selbst getroffen zu haben.

Bei Associated Press hatte man von all dem offenbar nichts mitbekommen und so war aus der „Bitte“ des Außenministeriums heute morgen um 08:36 Uhr das hier geworden:

Twitter-Wartung auf Wunsch des US-Außenministeriums verschoben

Um 11:04 ging eine weitere AP-Meldung über die Ticker, in der unter anderem stand:

Wie in Washington verlautete, intervenierte deshalb das US-Außenministerium und bat die Betreiber, die Wartung auf eine Zeit zu verschieben, wenn es im Iran Nacht ist. Twitter folgte diesem Wunsch.

Während viele Medien immerhin offen ließen, ob Twitter dem Wunsch der US-Regierung „gefolgt“ sei, und „Focus Online“ explizit auf Twitters Gegendarstellung verwies, waren Medien, die sich auf AP verließen, aufgeschmissen:

Wie in Washington verlautete, intervenierte deshalb das US-Außenministerium und bat die Betreiber, die Wartung auf eine Zeit zu verschieben, wenn es im Iran Nacht ist. Twitter folgte diesem Wunsch.

(Handelsblatt.com)

Angesichts der Bedeutung der Onlinemedien für die Information der Weltöffentlichkeit über die Ereignisse im Iran intervenierte das US-Außenministeriums beim Kurznachrichtendienst Twitter. Dieser verschob auf Wunsch des Außenministeriums geplante Wartungsarbeiten, wie mehrere Gewährsleute am Dienstag in Washington berichteten.

(heute.de)

Eine ganz eigene Herangehensweise fand Bild.de, wo statt Mitarbeitern des Außenministeriums gleich jemand ganz anderes mit Twitter gesprochen haben soll:

Auch der Einsatz von US-Präsident Barack Obama dürfte bei der iranischen Regierung für Missmut gesorgt haben. Obama hatte Twitter gebeten, die angesetzten Wartungsarbeiten auszusetzen, um die Kommunikation im Iran irgendwie aufrecht zu erhalten.

Mit Dank auch an Dani S.

4 Kommentare

  1. Muriel
    17. Juni 2009, 18:55

    Cool! Barack Obama hat Facebook befohlen, nie mehr Wartungsarbeiten durchzuführen!
    Aber was hat das mit dem Iran zu tun?

  2. Thomas L
    17. Juni 2009, 19:17

    Mensch Lukas, Obama hat höchst persönlich befohlen dass Stephen Colbert einen Haarschnitt bekommen soll – da klingt die Bildente doch gar nich so unrealistisch, hmm? ;o)

  3. eMHa
    17. Juni 2009, 19:30

    „…, um die Kommunikation im Iran irgendwie aufrecht zu erhalten.“

    Irgendwie so Kommunikation und Twitter und so, weil ja ohne Twitter keine Kommunikation mehr und so, irgendwie!?! Verstehste?

  4. SvenR
    17. Juni 2009, 20:40

    Immerhin hat es Twitter damit in die gestrige heute journal gebracht.