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Musik

Mr. Jones and me

Das zwei­te Rock­kon­zert, das ich in mei­nem Leben besuch­te, war ein Auf­tritt von Tom Jones in der Are­na Ober­hau­sen im Mai 2000. 1

Jones tour­te damals mit sei­nem sehr guten Album „Rel­oad“, das mir unter ande­rem sei­ne Duett-Part­ner Ste­reo­pho­nics und The Divi­ne Come­dy näher­brach­te, und es war genau die Sor­te hoch­pro­fes­sio­nel­le, kom­pro­miss­lo­se Fami­li­en­un­ter­hal­tung, die ich spä­ter auch bei Rob­bie Wil­liams und den Kil­lers bewun­dert habe. 2

Von sei­nen letz­ten Alben habe ich nicht mehr viel mit­be­kom­men, höchs­tens die Nach­richt, dass der wali­si­sche Tiger sein Haupt­haar nicht mehr färbt, war zu mir durch­ge­drun­gen. Aber jetzt war er bei den „Tiny Desk Con­certs“, einer inti­men Kon­zert­rei­he von „All Songs Con­side­red“-Macher Bob Boi­len zu Gast.

Eine etwas über­ra­schen­de Kom­bi­na­ti­on, wie auch Pro­du­zent Robin Hil­ton im Begleit­text zum Mit­schnitt zugibt:

When a publi­cist for Tom Jones cont­ac­ted us and said the sin­ger wan­ted to do a „Big Desk Con­cert“ for us, the thought of Jones‘ rather sub­stan­ti­al voice fil­ling our office left us laug­hing… and dying to do it.

Nur von sei­nem musi­cal direc­tor Bri­an Mon­ro­ney auf der Gitar­re beglei­tet, gibt Jones auch vor ein paar Dut­zend NPR-Mit­ar­bei­tern alles, so als wür­de er gera­de eine rie­si­ge Mehr­zweck­are­na bespie­len. Und doch ist vie­les anders: Statt ein­stu­dier­ter Moves weiß der Mann kaum, wohin mit sei­nen Hän­den; sei­ne Stim­me klingt zwar noch immer voll, bricht aber manch­mal ein biss­chen weg, und statt dem Las-Vegas-erprob­ten Damen­kränz­chen-Bespa­ßer, über den sich alle lus­tig machen, sieht man plötz­lich einen ech­ten Musi­ker vor sich.

Es lohnt sich, das Video mit den vier Songs anzu­se­hen. Vor allem „Green, Green Grass Of Home“ hat bei mir durch­aus für Gän­se­haut gesorgt.

Tom Jones bei den „Tiny Desk Con­certs“

  1. Das ers­te war ein Kon­zert der Prin­zen 1994, das drit­te – und da nähern wir uns dem Begriff „Rock­kon­zert“ – eines der Smas­hing Pump­kins.[]
  2. Jones mach­te das damals mehr als 30 Jah­re, von Rob­bie Wil­liams hat man län­ger nichts gehört.[]
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Der „Spiegel“ muss in Zweifelhaft

Natür­lich sieht das immer ein biss­chen komisch aus, wenn man den eige­nen Arbeit­ge­ber lobt, aber die­ses Titel­bild hät­te ich auch dann gut gefun­den, wenn ich nicht stu­den­ti­sche Hilfs­kraft beim „Frei­tag“ wäre:

Merkels neues Gesicht

Frü­her hät­te man sol­che Titel­gra­fi­ken auf dem „Spie­gel“ gefun­den – und da wäre die Umset­zung zuge­ge­be­ner­ma­ßen auch noch ein biss­chen bes­ser gewe­sen.

Aber der „Spie­gel“ ist schon lan­ge das, was offen­bar jede Medi­en­le­gen­de hier­zu­lan­de („Tages­schau“, das „Mit­tags­ma­ga­zin“ auf WDR 2, Tho­mas Gott­schalk, Harald Schmidt) wer­den muss: ein Schat­ten sei­ner selbst. Und des­halb sieht sein Cover heu­te so aus:

Fremde Freunde - Vom zweifelhaften Wert digitaler Beziehungen

Ob und inwie­fern social net­works unser Leben und unse­ren Umgang mit­ein­an­der beein­flus­sen, ist ja ein The­ma, an dem ich mich das ein oder ande­re Mal abzu­ar­bei­ten ver­sucht habe.

Mein grund­sätz­li­ches Inter­es­se war aber bei der Über­schrift (ein Wun­der, dass sie nicht „Fal­sche Freun­de“ lau­te­te) recht schnell ver­raucht. Ich muss­te den Arti­kel aber gar nicht erst lesen und mich dar­über auf­re­gen, denn bei­des hat Tho­mas Knü­wer dan­kens­wer­ter­wei­se schon über­nom­men.

PS: Mar­kus Becke­dahl von netzpolitik.org hat­te schon ges­tern auf den Arti­kel ver­wie­sen und ihn für nicht ganz so schei­ße befun­den. Er ver­weist zusätz­lich auf ein Inter­view mit dem Lei­ter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, in dem die­ser sich mit der Aus­sa­ge zitie­ren lässt, er sei „so gut wie gar nicht im Netz unter­wegs“ und kön­ne des­halb kei­ne gute Web­site emp­feh­len.

PPS: Ich habe ges­tern mit einer Über-Sieb­zig­jäh­ri­gen Ver­wand­ten tele­fo­niert, die mei­nes Wis­sens noch nie vor einem Com­pu­ter geses­sen hat, und die trotz­dem eine sehr viel dif­fe­ren­zier­te­re und posi­ti­ve­re Mei­nung zu Blogs (sie benutz­te wirk­lich das Wort „Blog“) und Inter­net hat­te, als ich sie beim „Spie­gel“ je erlebt habe.

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Rundfunk

Leute Häute

Vor vie­len, vie­len Jah­ren war „Dawson’s Creek“ mei­ne liebs­te Fern­seh­se­rie. Nicht nur, weil sie gut gemacht und sehr stim­mungs­voll war, und nicht nur, weil sie damals auf dem idea­len Sen­de­platz (Sonn­tag­nach­mit­tag) lief – die Serie hat­te auch viel mit mei­nem Leben gemein: Ich war ein­deu­tig Daw­son Leery (ich woll­te ja sel­ber lang genug Regis­seur wer­den), mein bes­ter Freund war ein­deu­tig Pacey Whit­ter und für einen hal­ben Som­mer hat­ten wir sogar eine Joey Pot­ter. Dann wech­sel­te „Dawson’s Creek“ in Deutsch­land den Sen­de­platz, die Serie wur­de immer dra­ma­ti­scher und merk­wür­di­ger und die letz­ten drei Staf­feln habe ich (bis auf das gro­ße Fina­le) nie gese­hen.

Wäh­rend Katie „Joey Pot­ter“ Hol­mes eine Bezie­hung mit Tom Crui­se begann und uns lehr­te, dass die tolls­ten Mäd­chen immer bei den größ­ten Freaks enden, lief eine neue Jugend­se­rie an: „O.C., Cali­for­nia“. Die hat­te mit mei­nem Leben schon weni­ger zu tun (mal von Seth Cohens, also mei­nem Musik­ge­schmack abge­se­hen), war aber immer­hin eine Staf­fel lang gut und unter­halt­sam. Dann wur­de sie erst schal, dann sehr, sehr schlimm, dann ein­ge­stellt.

Ich war zu alt gewor­den für Jugend­se­ri­en. Mei­ne neu­en Lieb­lings­se­ri­en hie­ßen „Scrubs“, „Dr. House“ und „Weeds“ und hat­ten vor­der­grün­dig nichts mehr mit mei­nem Leben als Nicht-Medi­zi­ner und Nicht-Kif­fer am Hut.

Und dann kam – Gott­sei­dank, wir haben soeben die Ein­lei­tung hin­ter uns gebracht! – „Skins“. Bei Julia hat­te ich etwas über die Serie gele­sen und da ich das unbe­stimm­te Gefühl hat­te, vor­her schon mal loben­de Wor­te ver­nom­men zu haben, guck­te ich mir die ers­te Fol­ge im Inter­net an.

Ich war so begeis­tert, dass ich – so viel zum The­ma „Copy kills irgend­was“ – Minu­ten spä­ter die DVDs der ers­ten bei­den Staf­feln bestell­te. Natür­lich bei amazon.co.uk, wo ja im Moment alles so herr­lich güns­tig ist, und sich Seri­en-Fans des­halb rei­hen­wei­se ins Unglück stür­zen. Ich hat­te vor­her noch nie das Bedürf­nis gehabt, Fern­seh­se­ri­en auf DVD zu gucken (mei­ne ers­te Staf­fel „Dawson’s Creek“ habe ich bis zur vier­ten oder fünf­ten Fol­ge geschafft), aber „Skins“ woll­te ich unbe­dingt sehen. Sonn­tag Abend hat­te ich bestellt, Mitt­woch früh war das Paket da.

Die Serie hat dabei den (für sozia­le Rest­kon­tak­te sehr nütz­li­chen) Vor­teil, dass die ers­ten bei­den Staf­feln zusam­men aus nur 19 Fol­gen á 45 Minu­ten besteht, was man theo­re­tisch locker an einem Wochen­en­de weg­gu­cken könn­te.

Aber wor­um geht’s eigent­lich? Um eine Grup­pe von Teen­agern in Bris­tol und ihre Pro­ble­me mit Schu­le, Eltern, Lie­be, Sex und sich selbst. Nun bin ich selbst nicht mehr 17 (ich war selbst mit 17 kein gro­ßer Par­ty­gän­ger) und ken­ne mich beson­ders mit bri­ti­schen Jugend­kul­tu­ren nicht hun­dert­pro­zen­tig aus, aber ich habe das Gefühl, die Serie könn­te zum Rea­lis­tischs­ten zäh­len, was man je auf dem Gebiet der Jugend­se­rie gese­hen hat. (Was wie­der­um am 23-jäh­ri­gen Jamie Brit­t­ain lie­gen könn­te, der die Serie gemein­sam mit sei­nem Vater Bryan Els­ley ent­wi­ckelt hat.)

Da „Skins“ kei­ne ame­ri­ka­ni­sche Serie ist, dür­fen die jun­gen Haupt­per­so­nen hem­mungs­los flu­chen, Dro­gen kon­su­mie­ren, in Unter­wä­sche rum­lau­fen und Sex haben. Und trotz­dem ist „Skins“ nicht nur eine Jugend­se­rie, sie funk­tio­niert auf vie­len Ebe­nen: Die Dia­lo­ge sind oft­mals bril­lant, Kame­ra­ar­beit und Ton­schnitt fügen eine eige­ne Erzähl­ebe­ne hin­zu und über­haupt ist die gan­ze Serie so voll von lite­ra­ri­schen Anspie­lun­gen (und ein paar auf „Dawson’s Creek“ und „The O.C.“), dass man selbst mit einem Magis­ter in grie­chi­scher Mytho­lo­gie noch sei­nen Spaß dar­an haben kann.

Gro­ße Kon­flik­te um Loya­li­tät, Reli­gi­on, Sexua­li­tät und Ent­schei­dun­gen wer­den holz­schnitt­ar­tig, aber gar nicht mal so plump ver­han­delt. Die Dar­stel­ler sind durch die Bank gut, im glei­chen Alter wie ihre Rol­len und nicht über­trie­ben hübsch (man sieht regel­mä­ßig deut­lich ihr not­dürf­tig über­pu­der­ten Pickel). Nicho­las Hoult, der den coo­len Tony spielt, kennt man noch aus „About A Boy“, alle ande­ren wird man sicher­lich noch in irgend­wel­chen gro­ßen Film­pro­jek­ten wie­der­se­hen. Sogar ich habe mit dem nerdi­gen Sid wie­der eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur.

Das ein­zi­ge, was ich an „Skins“ kri­ti­sie­ren könn­te, ist der klas­si­sche Seri­en-Fluch: In der zwei­ten Staf­fel sind ein paar Kon­flik­te zu viel in die Dreh­bü­cher gerutscht. Zwar bewegt sich alles noch im rea­lis­ti­schen Rah­men (Schick­sals­schlä­ge tre­ten ja bekannt­lich immer in Grup­pen auf), aber ein klei­nes biss­chen weni­ger wäre auch okay gewe­sen. Und dann ist am Ende von Staf­fel 2 plötz­lich Schluss mit den alt­be­kann­ten Gesich­tern der ers­ten bei­den Staf­feln und in der drit­ten (die im Moment im UK im Fern­se­hen läuft) geht es um ganz ande­re Per­so­nen. Das ist ein guter Kunst­griff, den die Autoren da gemacht haben, um ihre Cha­rak­te­re nicht tot­zu­er­zäh­len, aber nach allem, was man gemein­sam „durch­ge­macht“ hat, schmerzt der Abschied schon.

Sie ent­neh­men mei­nen unge­wohnt eupho­ri­schen Schil­de­run­gen, dass „Skins“ eine Serie ist, die jeder, wirk­lich jeder, von Ihnen gese­hen haben soll­te (ein­zi­ge Aus­nah­me: Eltern von Kin­dern, die gera­de zwi­schen 15 und 18 Jah­re alt sind). Ich habe in mei­nem Leben kei­ne Fern­seh­se­rie gese­hen, die so wit­zig, auf­rich­tig, rea­lis­tisch, trau­rig, sexy, wahr und groß­ar­tig ist, wie „Skins“ – und dann haben die Macher auch hand­werk­lich noch alles rich­tig gemacht.

Bei aller Ver­eh­rung für die ame­ri­ka­ni­sche Pop­kul­tur: Das haben die Bri­ten wirk­lich ver­dammt gut hin­ge­kriegt.

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Digital

Klickbefehl (15)

Es gibt Tage, da hal­te ich das Inter­net für einen gro­ßen Irr­tum. Die Idee, dass jeder sei­ne noch so ent­rück­te Mei­nung in die Welt schrei­en darf, erscheint mir unend­lich dumm, und ich wür­de am Liebs­ten mei­nen Com­pu­ter im nächst­ge­le­ge­nen Fluss ver­sen­ken. Aber durch Bochum fließt kein Fluss.

Und dann gibt es Tage, an denen lese ich im Inter­net Tex­te, die so klug, so toll geschrie­ben und so anrüh­rend sind, dass ich mich fra­ge, wie Men­schen ohne die­ses Medi­um leben kön­nen.

Heu­te ist ein Tag der zwei­ten Sor­te, denn Tors­ten Dewi hat einen wun­der­ba­ren Text geschrie­ben über einen frü­he­ren Arbeits­kol­le­gen, der kürz­lich ver­stor­ben ist. Und die­sen Text soll­ten Sie lesen: „Der Max Fried­mann, den ich kann­te…“

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Musik Digital

For Me This Is Heaven

Ich war grad im Pro­be­raum von Jim­my Eat World.

Also, nicht räum­lich, aber schon irgend­wie. Und drei­hun­dert ande­re waren auch da.

Die Band hat­te via twit­ter dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie gera­de ustream – ein Pro­gramm mit dem man live Bewegt­bild ins Inter­net strea­men kann – tes­ten wür­den. Als ich ankam, hat­ten sie etwa 30 Zuschau­er und spiel­ten im Pro­be­raum an ihren Lap­tops rum.

Im Lau­fe der Zeit kamen über 300 Zuschau­er vor­bei, was einer­seits viel für so eine spon­ta­ne Akti­on ist, ande­rer­seits auch ver­dammt wenig für eine Band, die seit Jah­ren eher die grö­ße­ren Clubs und Hal­len füllt. Und so wur­den wir Teil eines exklu­si­ven Spek­ta­kels, in des­sen Ver­lauf sie „Lucky Den­ver Mint“, „A Sun­day“ und „Just Watch The Fire­works“ spiel­ten (die Band probt gera­de für die Tour anläss­lich des zehn­ten Geburts­tags ihres Albums „Cla­ri­ty“).

Jimmy Eat World live im Web

Und wäh­rend die Band da so spiel­te, konn­ten sich die Zuschau­er direkt neben dem Video­fens­ter im Chat unter­hal­ten, ohne dass ihr Gemur­mel jeman­den gestört hät­te. Einer fass­te es dann auch sehr schön zusam­men: „Man it’s like I’m 16 again“.

Es sind Geschich­ten wie die­se, die mir zei­gen, war­um ich das Inter­net mag. Die­ses gan­ze Gere­de von „Demo­kra­ti­sie­rung“ und „Zukunft des Jour­na­lis­mus“ mag sich als Irr­glau­be und kur­zer Trend her­aus­stel­len (viel­leicht auch nicht, wer mag sowas schon vor­her­sa­gen?), aber sol­che rela­tiv klei­nen Aktio­nen wie ein­mal bei einer der eige­nen Lieb­lings­bands in den Pro­be­raum zu spin­xen, die betref­fen und begeis­tern mich per­sön­lich.

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Eine Woche voller Freitage

Wenn Sie sich rudi­men­tär für Medi­en inter­es­sie­ren, wer­den Sie es mög­li­cher­wei­se schon mit­be­kom­men haben: Die Wochen­zei­tung „Frei­tag“ hat sich einen Arti­kel (die Wort­art, nicht die Text­sor­te), ein neu­es Lay­out und einen neu­en Inter­net­auf­tritt gegönnt.

Bei freitag.de sol­len die Leser alles kom­men­tie­ren, aber auch sel­ber blog­gen kön­nen. Beson­ders bemer­kens­wer­te Leser­bei­trä­ge lan­den dann auch in der gedruck­ten Zei­tung und wer­den ent­spre­chend ent­lohnt.

Ich bin beim neu­en freitag.de als „Netz­wer­ker“ dabei, was bedeu­tet, dass ich mich mit eini­gen ande­ren um eine Ver­zah­nung der Sei­te mit der Blogo­sphä­re küm­me­re, ein biss­chen auf die Com­mu­ni­ty schaue und dort ein eige­nes Blog zum The­ma Medi­en füh­re.

Ich fin­de das Kon­zept sehr gut (sonst wür­de ich dort nicht mit­ma­chen) und wür­de mich freu­en, wenn Sie in Zukunft auch regel­mä­ßig beim „Frei­tag“ vor­bei­schau­en wür­den.

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Musik

Get The Patina Started

Im Mai 2006, kei­ne vier Mona­te, nach­dem ich ihm die Kili­ans-Demo in die Hand gedrückt hat­te, tra­fen Thees Uhl­mann und ich in der Bochu­mer Zeche erneut auf­ein­an­der. Thees war Juror beim Nach­wuchs­band­wett­be­werb einer gro­ßen Braue­rei, ich war Zuschau­er und dies­mal völ­lig unschul­dig. Es spiel­ten drei oder vier oder fünf Bands und ich kann mich noch an zwei erin­nern: die eine spiel­te Ska und hat­te ihren gan­zen Fan­club mit­ge­bracht, die ande­re spiel­te Akus­tik­rock und hat­te den Vater eines Band­mit­glieds als Per­cus­sio­nis­ten dabei.

Letz­te­re Band hieß Black Rust und kam aus Ahlen. 1 Sie gewann die Publi­kums­ab­stim­mung, ich erschwatz­te mir am Merch-Stand eine Demo-CD für den Radio­ein­satz 2 und die Band spiel­te ein paar Wochen spä­ter – histo­ry does repeat – als Sup­port für Tom­te. Das Area-4-Fes­ti­val, für das man bei dem Nach­wuchs­wett­be­werb einen Auf­tritt gewin­nen konn­te, fand nie statt.

Danach spiel­ten Black Rust noch beim Hald­ern Pop 2007 (wo ich sie ver­pass­te) und fort­an hör­te ich nichts mehr von ihnen. Um so über­rasch­ter war ich, als ich im letz­ten Dezem­ber plötz­lich hör­te, dass die Band bald ihr offi­zi­el­les Debüt­al­bum ver­öf­fent­li­chen wür­de – pro­du­ziert von nie­mand gerin­ge­rem als dem Sophia-Mas­ter­mind Robin Pro­per-Shepp­ard.

Okay, von den Ein­flüs­sen des Düs­ter­pop-Man­nes hört man auf „Medi­ci­ne & Meta­phors“, das am heu­ti­gen Frei­tag erschien, auf Anhieb nicht ganz so viel, aber sowas spricht ja eher für die Band und ihre eige­nen Qua­li­tä­ten. Black Rust spie­len Folk­rock im wei­tes­ten Sin­ne, der mal nach Coun­ting Crows, mal nach Goo Goo Dolls und mal an die Wall­flowers erin­nert. Musik ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung also, die man sich wun­der­bar als Unter­ma­lung irgend­wel­cher roman­ti­scher Komö­di­en und höher­wer­ti­ger TV-Seri­en vor­stel­len kann.

„Emp­ty Park. Emp­ty Street.“ erin­nert stark, aber nicht zu sehr, an Ryan Adams und sei­ne alte Band Whis­key­town; „Silent Lament“ hat eher was von Dami­en Rice, weil es einer­seits sehr redu­ziert mit einem Kla­vier und der ange­neh­men Stim­me von Jonas Kün­ne daher­kommt, ande­rer­seits Dank eines Streich­in­stru­ments 3 eine enor­me Opu­lenz ent­wi­ckelt.

Ob es gleich 13 Songs und fast 57 Minu­ten Spiel­zeit vol­ler Akus­tik­gi­tar­ren, Kon­tra­bäs­se und Man­do­li­nen sein muss­ten, ist aller­dings eine berech­tig­te Fra­ge. Schlecht oder stö­rend ist dabei kein ein­zi­ges Lied, aber es zieht sich halt etwas, bis das Album schließ­lich mit dem Über­song „Mar­le­ne (6:54 Minu­ten, inkl. Wie­der-Fade-In) sei­nen krö­nen­den Abschluss fin­det.

Man ist ver­sucht zu schrei­ben, dass Black Rust „erfri­schend un-deutsch“ klän­gen, aber dafür müss­te man erst­mal sagen, wel­che eng­lisch­spra­chi­ge Band aus Deutsch­land eigent­lich „deutsch“ klingt. Jetzt von Rea­m­onn mit ihrem iri­schen Sän­ger mal ab.

Black Rust - Medicine & Metaphors (Albumcover)
Black Rust – Medi­ci­ne & Meta­phors

VÖ: 30. Janu­ar 2009
Label: Stran­ge Ways
Ver­trieb: Indi­go

  1. Ich wer­de mich hüten, irgend­was über klei­ne Städ­te zu schrei­ben, aus denen Bands kom­men.[]
  2. Mir fällt in die­sem Moment ein, dass ich die CD nie zur Abhör­sit­zung bei CT das radio mit­ge­nom­men habe. Ich bin ger­ne bereit, die zehn Euro nach­träg­lich zu bezah­len, weil die­ses Ver­hal­ten unent­schuld­bar ist – aber auch uner­heb­lich für den wei­te­ren Ver­lauf der Geschich­te.[]
  3. Da merkt man mei­ne sehr begrenz­te Kom­pe­tenz im Bezug auf Musik­in­stru­men­te, die nicht in mei­nem Kel­ler ste­hen.[]
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Digital Gesellschaft

You don’t know me at all

Ach­tung: Erhöh­te Selbst­re­fe­ren­tia­li­tät!

Ich weiß weder, wer Micha­el Arring­ton, noch, was Tech­crunch ist. 1 Aber dass er bei dem/​der/​dem DLD in Mün­chen 2 ange­spuckt wur­de, das habe sogar ich mit­be­kom­men.

Jeder Mensch weiß, dass man sowas nicht macht, und der­je­ni­ge, der es getan hat, wird sich hof­fent­lich eine ordent­li­che Ohr­fei­ge von sei­ner Mama ein­han­deln, wenn sie dahin­ter kommt. Ande­rer­seits hat er ver­mut­lich sowie­so genug Pro­ble­me.

Paul Carr, von dem ich eben­falls nicht weiß, wer er ist und was er sonst so schreibt, hat für den Online-Auf­tritt des „Guar­di­an“ einen sehr lesens­wer­ten Arti­kel geschrie­ben, in dem er sei­ne eige­nen Erfah­run­gen auf dem/​der/​dem DLD und bei ähn­li­chen Ereig­nis­sen beschreibt. Wie die Leu­te auf ihn zukom­men und ihn für irgend­wel­che Gehäs­sig­kei­ten loben, die er mal geschrie­ben oder get­wit­tert hat, und ihn fra­gen, ob er die­se Ver­an­stal­tung und jene Per­son mor­gen auch wie­der öffent­lich schlach­ten wür­de.

Und obwohl mir die­se Welt – wie oben oft genug ange­merkt – fremd ist, kamen mir Carrs Schil­de­run­gen selt­sam ver­traut vor.

Wenn ich hier mal etwas vor­stel­le, was mir wirk­lich gefällt, fal­len die Reak­tio­nen beschei­den aus: ein Kom­men­tar oder gar kei­ner. Wenn ich mich ein biss­chen über Sym­bol­fo­tos von dpa lus­tig mache, gibt’s deut­lich mehr.

Natür­lich habe ich in den letz­ten drei Wochen jede Men­ge schwach­sin­ni­ger Oba­ma-Anbie­de­run­gen auf­ge­schrie­ben. Zum einen, weil ich ein­mal damit ange­fan­gen hat­te und ich alle Bei­spie­le auf die eine oder ande­re Art bemer­kens­wert fand, zum ande­ren, weil unse­re Leser mich mit Ein­sen­dun­gen über­häuft haben. Als ich die Post­kar­te in mei­nem Brief­kas­ten fand, war ich glei­cher­ma­ßen belus­tigt von der idio­ti­schen Kar­te und gerührt von der Ges­te, dass ein mir unbe­kann­ter Mensch mir sowas ein­fach wei­ter­ge­lei­tet hat.

Ich habe schon ernst­haft über­legt, ob ich über Blog-Bei­trä­ge wie die zum dpa-Sym­bol­bild oder den gan­zen Oba­mas viel­leicht „Ach­tung, irrele­vant!“ schrei­ben soll­te, damit ja nie­mand glaubt, dahin­ter ste­cke mehr als mein schlich­ter Wunsch, das kurz auf­zu­schrei­ben.

Wir haben Cof­fee And TV vor fast zwei Jah­ren als Grup­pen­blog gestar­tet, 3 in dem es um alles gehen soll­te, was uns inter­es­siert. Ich woll­te Musik, Fil­me und Bücher, die mir gefal­len, mit mög­li­chen Lesern tei­len und vor Sachen war­nen, die mir per­sön­lich nicht so gefal­len. Dass das The­ma Medi­en immer mehr Platz ein­nahm, lag dar­an, dass ich mich immer stär­ker damit beschäf­tigt habe und mir vie­le Din­ge auf­ge­fal­len sind, die mich mit­un­ter empört haben 4 oder die ich erwäh­nens­wert fand, weil sie lus­tig, merk­wür­dig oder auch ein­fach nur gut waren. Dass es mehr Platz braucht, wenn man über bizar­re Stil­le-Post-Spiel­chen und Unge­reimt­hei­ten bei der Recher­che schreibt, als wenn man eben einen guten Text emp­feh­len will, 5 liegt wohl in der Natur der Sache.

Natür­lich ist es etwas hin­der­lich, dass hier im Blog kur­ze Quatsch-Bei­trä­ge und län­ge­re Gedan­ken­gän­ge, die mir wich­tig sind, völ­lig gleich­be­rech­tigt über­ein­an­der ste­hen. Hier gibt es kei­ne Auf­ma­cher und kei­ne „Kurz notiert“-Spalte und das mag ich eigent­lich auch. Ich ver­traue dar­auf, dass die Leser mer­ken, was mir wich­tig ist und was nicht, und ich bin mir sicher, dass das bei den meis­ten auch ganz gut gelingt.

Als ich am Mon­tag die Mel­dung der „Ber­li­ner Zei­tung“ zum Atom­müll­la­ger Asse ver­link­te und mit dem spon­ta­nen Gedan­ken, der mir beim Hören der Mel­dung gekom­men war, anrei­cher­te, dach­te ich, dass die dras­ti­schen Wor­te, die ich hier im Blog sonst nie benut­ze, für sich spre­chen und mei­ner Resi­gna­ti­on gegen­über unse­rer Bun­des­re­gie­rung Aus­druck ver­lei­hen wür­den. Statt­des­sen erfuhr ich aus den Kom­men­ta­ren, 6 dass die­ses Blog „von sinn­lo­ser Pole­mik, Hoch­nä­sig­keit, pseu­do-poli­ti­schen Anma­ßun­gen und Klug­schei­ße­rei“ lebe.

Da frag­te ich mich schon: Mache ich auf Sie wirk­lich den Ein­druck eines arro­gan­ten, bla­sier­ten Men­schen, der nie weiß, wor­über er schreibt und sowie­so nur aus­tei­len will?

Falls ja, wür­de ich näm­lich sofort auf­hö­ren mit die­sem Blog.

  1. Und Sie sind bit­te so anstän­dig und schrei­ben jetzt nicht alle „Das ist doch … !“[]
  2. Da weiß ich auch nicht so ganz, was das ist aber das ist auch uner­heb­lich.[]
  3. Und es ist immer noch eines, auch wenn die Autoren weni­ger gewor­den sind und ich am häu­figs­ten schrei­be.[]
  4. Wobei ich von nie­man­dem erwar­te, dass er mei­ne Empö­rung tei­len muss.[]
  5. Beach­ten Sie dazu die Rubrik „Lese­tipps“ in der rech­ten Spal­te die­ses Blogs.[]
  6. Natür­lich von einem anony­men Kom­men­ta­tor.[]
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Politik

Bailout Boy

Die Steu­er­zah­ler müs­sen die Mil­li­ar­den-Kos­ten für das ein­sturz­ge­fähr­de­te Atom­müll­la­ger im nie­der­säch­si­schen Asse über­neh­men. „Die Kos­ten für den Wei­ter­be­trieb und die Still­le­gung trägt der Bund“, heißt es in einem Koali­ti­ons­an­trag zur Novel­le des Atom­ge­set­zes, der der Ber­li­ner Zei­tung vor­liegt. Damit weicht die Koali­ti­on vom Grund­satz im Atom­ge­setz ab, dass die Ver­ur­sa­cher von Atom­müll für den Betrieb und die Still­le­gung von End­la­gern auf­kom­men.

So berich­tet heu­te die „Ber­li­ner Zei­tung“.

Mir fällt zu die­ser Bun­des­re­gie­rung nichts mehr ein. Außer viel­leicht das, was ich heu­te mor­gen (neben eini­gen Brot­kru­men) mei­nem Radio ent­ge­gen­ge­brüllt habe, als ich die Mel­dung hör­te: „Fickt Euch!“

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Print

Der schwarze Gürtel im Nervensägen

Als ich noch ein klei­ner Jun­ge war und mit mei­ner Fami­lie in der Innen­stadt von Dins­la­ken wohn­te, fuhr die Stra­ßen­bahn­li­nie 903 direkt hin­ter unse­rem Haus ent­lang. Mit mei­nem bes­ten Freund habe ich oft an den Glei­sen gespielt (was man natür­lich, lie­be Kin­der an den Bild­schir­men zuhau­se, nie tun soll­te) und ein, zwei Mal bin ich auch (natür­lich in Beglei­tung Erwach­se­ner) mit der Stra­ßen­bahn nach Duis­burg und von da aus wei­ter in den Zoo gefah­ren.

War­um erzäh­le ich Ihnen das? Ralf Birk­han hat für die „NRZ“ eine Repor­ta­ge über die Linie 903, mit der man durch halb Duis­burg juckeln kann, geschrie­ben. Es ist eine sehr atmo­sphä­ri­sche Schil­de­rung gewor­den, die sprach­li­chen Bil­der sind manch­mal etwas zu bemüht, aber man­che Sät­ze sind auch ganz groß­ar­tig in ihrer Schlicht­heit:

An der Hal­te­stel­le „Fischer­stra­ße” in Hoch­feld ist der Mit­tag gekom­men, sonst nie­mand.

Und weil hier ja viel zu oft über schlech­ten Jour­na­lis­mus geme­ckert und guter viel zu sel­ten gelobt wird, möch­te ich Ihnen die Repor­ta­ge mit dem lei­der fürch­ter­lich ver­un­glück­ten Titel „Stra­ßen­bahn-Linie 903: mit­tags beim „Kua­för” – abends das Arbei­ter-Bier“ hier­mit ans Herz legen – auch, wenn Sie noch nie in Duis­burg waren.

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Allerletztes.fm 2008

Wer­fen wir einen letz­ten Blick zurück auf die Musik des ver­gan­ge­nen Jah­res!

last.fm wur­de ja pri­mär für Sta­tis­tik- und Lis­ten­ge­eks wie mich ent­wi­ckelt, die Social-Net­work-Kom­po­nen­te ist da eher ein Neben­ef­fekt. Ich habe mei­nen neu­en iPod auch nur, damit auch die unter­wegs gehör­ten Musik­stü­cke in mei­ne Sta­tis­ti­ken mit ein­flie­ßen. Für 2009 wer­den die Zah­len also (von Radio- und Kon­zert­be­schal­lung viel­leicht mal ab) noch exak­ter sein – für 2008 tun’s aber auch fast exak­te Sta­tis­ti­ken.

Etwas erstaun­lich fin­de ich, dass unter den 25 meist­ge­hör­ten Künst­lern des Jah­res gleich acht sind, die 2008 kei­ne neu­en Alben ver­öf­fent­licht haben – dar­un­ter der unan­ge­foch­te­ne Spit­zen­rei­ter:

Meist­ge­hör­te Künst­ler
1. Hem (353 Songs)
2. R.E.M. (253)
3. Tra­vis (223)
4. Tom­te (203)
5. Cold­play (200)
6. The Kil­lers (195)
7. Goldf­rapp (178)
8. Hotel Lights (175)
9. Oasis (169)
10. Kett­car (161)
11. Slut (153)
12. The Clash (140)
13. Ste­reo­pho­nics (138)
14. The Beat­les (128)
15. Danko Jones (127)
16. Ben Folds (124)
17. The Smas­hing Pump­kins (117)
18. Manic Street Pre­a­chers (116)
19. Jim­my Eat World (114)
20. Nada Surf (110)
21. Ben Folds Five (106)
22. Gre­gor Meyle (105)
23. Niz­lo­pi (103)
24. Star­sail­or (93)
24. Death Cab For Cutie (93)

Meist­ge­hör­te Songs
1. Goldf­rapp – A&E (50 Mal)
2. The Kil­lers – Human (47)
3. The Gas­light Anthem – Old White Lin­coln (27)
4. Gre­gor Meyle – Nie­mand (25)
4. R.E.M. – Super­na­tu­ral Super­se­rious (25)
6. Hem – Not Cali­for­nia (23)
7. Cold­play – Viva La Vida (22)
7. Cold­play – Vio­let Hill (22)
9. Ste­fa­nie Heinz­mann – My Man Is A Mean Man (20)
9. Black Lab – Lonely Boy (20)
11. Hotel Lights – Ame­lia Bright (19)
11. Hem – Hotel Fire (19)
11. Tom­te – Der letz­te gro­ße Wal (19)
14. Tra­vis – Song To Self (18)
14. Gre­gor Meyle – Irgend­wann (18)
14. Tra­vis – J. Smith (18)
17. Hem – The Burnt-Over Dis­trict (17)
17. Tra­vis – Get Up (17)
17. Tra­vis – Befo­re You Were Young (17)
20. Stef­fi List – Break The Silence (16)
20. Goldf­rapp – Some Peo­p­le (16)
20. R.E.M. – Living Well Is the Best Reven­ge (16)
23. Slut – If I Had A Heart (15)
23. Sigur Rós – Inní Mér Syn­gur Vitley­sin­gur (15)
23. Gre­at Lake Swim­mers – Your Rocky Spi­ne (15)
23. Goldf­rapp – Mons­ter Love (15)

[und hier die Hits des Vor­jah­res]

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War is over (If you want it)

Weih­nach­ten ist ja das Fest, zu dem man für einen Moment auch mal ein biss­chen ver­söhn­lich wer­den soll­te.

Und weil es gera­de so schön passt und sel­ten genug vor­kommt, möch­te ich mich heu­te mal voll­in­halt­lich der „Rhei­ni­schen Post“ anschlie­ßen:

Wir wünschen unseren Lesern frohe und gesegnete Weihnachten - Verlag und Redaktion

Zur Fei­er des Tages hier noch mein Lieb­lings­weih­nachts­lied aus mei­nem Lieb­lings­weih­nachts­film:

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