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Über das Saugen (Over The Rainbow)

Die MCPS-PRS Alli­ance, das bri­ti­sche Äqui­va­lent zur GEMA, hat gemein­sam mit dem ame­ri­ka­ni­schen Markt­for­schug­nsun­ter­neh­men Big­Cham­pa­gne eine Stu­die über das Down­load­ver­hal­ten der User beim letz­ten Radio­head-Album „In Rain­bows“ her­aus­ge­ge­ben. Und die kommt zu inter­es­san­ten Ergeb­nis­sen.

Wir erin­nern uns: Radio­head hat­ten im ver­gan­ge­nen Okto­ber ihr Album „In Rain­bows“ für zwei Mona­te zum Down­load ange­bo­ten und die Hörer konn­ten dafür so viel Geld bezah­len, wie sie woll­ten – auch nichts. Weil Radio­head sich immer noch aus­schwei­gen, wie vie­le Leu­te das Album auf der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter­ge­la­den haben, kann Big­Cham­pa­gne nur Zah­len zu den Tor­rent-Down­loads prä­sen­tie­ren: 2,3 Mil­lio­nen Mal wur­de das Album zwi­schen dem 10. Okto­ber und dem 3. Novem­ber 2007 dort (ille­gal) her­un­ter­ge­la­den, 400.000 Mal allein am ers­ten Tag. Ande­re Alben nam­haf­ter Künst­ler kom­men auf Wer­te von bis zu 150.000 pro Woche.

Bei der „taz“ hat man die Stu­die ent­we­der nicht ganz gele­sen oder falsch ver­stan­den, denn der Arti­kel zur Stu­die ist mit „Expe­ri­ment geschei­tert“ über­schrie­ben. Klar: Wenn die Leu­te das Album lie­ber Klau­en, als es geschenkt zu neh­men, könn­te man das so sehen.

Die Macher der Stu­die Stu­die aller­dings wol­len das längst nicht so ver­stan­den wis­sen:

[A]nyone who has made it to the end of this paper and assu­mes that the pro­ject was a fail­ure has missed two cri­ti­cal points: first­ly, lots of peo­p­le bought the album in any one of its three for­mats and lots of peo­p­le went to see the show – and the word ‚lots‘ is robust no mat­ter which com­pa­ra­ti­ve mea­su­re you use. Second­ly, the wider pur­po­se of this paper is in many ways echo­ing the tone of the recent artic­le in The Eco­no­mist: ‚Pira­cy is a bad thing. But some­ti­mes com­pa­nies can use it to their advan­ta­ge‘.

[Der „Vor­teil“ war unter ande­rem, dass die Band ein zusätz­li­ches Kon­zert im Lon­do­ner Vic­to­ria Park anset­zen muss­te, weil der Andrang der Fans so groß war.]

Als Grund, war­um die Leu­te das Album lie­ber per Tor­rent gezo­gen haben als von der offi­zi­el­len Sei­te, gibt die Stu­die neben den tech­ni­schen Pro­ble­men am ers­ten Tag (Ser­ver­aus­fall, etwas umständ­li­cher Bestell­vor­gang) vor allem einen wei­te­ren an: die Leu­te ken­nen ihre Tor­rent­tra­cker, weil sie sie täg­lich nut­zen, und kamen gar nicht auf die Idee, es woan­ders zu ver­su­chen (auch wenn bzw. gera­de weil es das Album auch auf offi­zi­el­lem Weg für umsonst gab).

It is even less popu­lar to use phra­ses like ‚brand repu­ta­ti­on‘ when tal­king about the same sites the music indus­try cha­rac­te­ri­ses as shady, fly-by-night, and out­right cri­mi­nal. Make no mista­ke: The Pira­te Bay is a powerful brand with a ster­ling repu­ta­ti­on in the minds of mil­li­ons of young music fans.

Die Autoren zie­hen dann die Nine Inch Nails hin­zu, die ihr letz­tes Album „The Slip“ eben­falls zum kos­ten­lo­sen Down­load ange­bo­ten hat­ten – aller­dings in bes­se­rer Qua­li­tät und mit einem viel ein­fa­che­ren Pro­ze­de­re als Radio­head. Und sie­he da: die Mehr­heit der Leu­te lud das Album von der offi­zi­el­len Sei­te her­un­ter, nicht als Tor­rent. Das heißt also: Wenn man mit den bekann­ten Sys­te­men kon­kur­rie­ren will, muss man vor allem leicht zu bedie­nen sein – was im Übri­gen für das Prin­zip iTu­nes sprä­che.

Der span­nends­te Absatz der Stu­die indes sagt noch etwas ganz ande­res aus:

Fre­quent­ly, music indus­try pro­fes­sio­nals sug­gest that an increase in legi­ti­ma­te sales must neces­s­a­ri­ly coin­ci­de with a com­men­su­ra­te reduc­tion in pira­cy, as if this were a fact. Yet, the com­pa­ny Big­Cham­pa­gne has made no such con­sis­tent obser­va­ti­on in near­ly a deca­de of ana­ly­sing the­se data. Rather, it finds that pira­cy rates fol­low awa­re­ness and inte­rest. In other words, if you do a good job cul­ti­vat­ing a legi­ti­ma­te sales sto­ry, you must also expect a simi­lar up-tick in grey mar­ket acti­vi­ty. The big­gest sel­ling albums and songs are near­ly always the most wide­ly-pira­ted, regard­less of all the ‚anti-pira­cy‘ tac­tics employ­ed by music com­pa­nies.

Gut, dafür hät­te es jetzt nicht unbe­dingt eine Stu­die gebraucht, aber dass die­se Fak­ten mal in einer Ver­öf­fent­li­chung ste­hen, die die MCPS-PRS Alli­ance unter „Inde­pen­dent Stu­dies“ ver­öf­fent­licht (und an der ihr Chef-Öko­nom Will Page mit­ge­schrie­ben hat), das ist doch mal zumin­dest ein biss­chen inter­es­sant.

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Links liegengelassen

Dass zoomer.de, das angeb­lich ach so zweinul­li­ge Nach­rich­ten­por­tal der Holtz­brinck-Grup­pe, aus­ge­rech­net sei­ne Inter­net- und Com­pu­ter­the­men bei Golem.de ein­kauft raus­ko­piert, könn­te man natür­lich ein biss­chen pein­lich fin­den. Aber bes­ser, man holt sich exter­nes Fach­wis­sen, als man dilet­tiert intern.

Schon etwas pein­li­cher ist es da, im Arti­kel über das rund­erneu­er­te del.icio.us kon­se­quent auf einen Link zu der bespro­che­nen Sei­te zu ver­zich­ten – anders übri­gens als im Ori­gi­nal­ar­ti­kel bei Golem.

Wie 2.0 zoomer.de – und vor allem sei­ne Leser­schaft – wirk­lich ist, kann man schön an den Kom­men­ta­ren zu die­sem Arti­kel über Twit­ter able­sen.

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Auswärtsspiel: Kanal 14

Für sei­nen Pod­cast Kanal 14 hat mich Sebas­ti­an Keil nach mei­ner Mei­nung zum neu­en Musik­por­tal Roc­ca­tune gefragt. Mit dabei sind Roc­ca­tune-Chef Con­stan­tin Thys­sen, Tho­mas Knü­wer und Dju­re Mei­nen.

Hören und/​oder her­un­ter­la­den kann man das Gan­ze hier.

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Selbstbezogen und unprofessionell

Der „Spie­gel“ hat sich eine self-ful­fil­ling pro­phe­cy gebas­telt. „Die Beta-Blog­ger“ steht drü­ber – ein Wort­spiel, das im für schlech­te Wort­spie­le bekann­ten Blog coffeeandtv.de noch vor der End­kon­trol­le den Gna­den­schuss bekom­men hät­te – und sie füllt in der mor­gen erschei­nen­den Aus­ga­be drei Sei­ten.

Egal, was man über Blog­ger schreibt, hin­ter­her wird man von ihnen doch nur ver­dro­schen, weil man nix ver­stan­den oder mit den fal­schen Leu­ten gespro­chen hat.

steht da ziem­lich zu Beginn und damit ist eigent­lich alles gesagt.

Genau­so gut könn­te da auch ste­hen „das Gan­ze nach dem Wür­zen eine hal­be Stun­de zie­hen las­sen“, oder „Schö­nes Wet­ter drau­ßen, was?“, aber das wür­de ver­mut­lich nicht dazu füh­ren, dass die­se schreck­lich selbst­re­fe­ren­ti­el­len Blog­ger hin­ter­her schrei­ben, der „Spie­gel“ hät­te nichts ver­stan­den.

Gleich drei Autoren haben an dem „Stück“ („Spiegel“-Sprech) mit­ge­strickt, was der Kohä­renz etwas scha­det, dem Text aber ansons­ten nicht hilft. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird nach­her („Ist ein biss­chen so, als wür­de man sich einer Sek­te nähern, die in inter­nen Gra­ben­kämp­fen ver­sun­ken ist.“) nichts mehr davon hören wol­len.

Der Arti­kel krankt schon an der Grund­an­nah­me, die Jour­na­lis­ten jedes Mal täti­gen, wenn sie einem soge­nann­ten Mas­sen­phä­no­men gegen­über­ste­hen, das sie nicht ver­ste­hen: sie ver­all­ge­mei­nern, sche­ren alle über einen Kamm und wol­len Zusam­men­hän­ge sehen, wo kei­ne sind. Nor­ma­ler­wei­se lau­tet das Wort, das sol­che Tex­te durch­zieht „Gene­ra­ti­on irgend­was“, dies­mal heißt es „Blogo­sphä­re“.

Dabei ist die Blogo­sphä­re weder eine Gemein­schaft von Gleich­ge­sinn­ten, noch ist sie völ­lig zer­strit­ten – sie ist eine völ­lig alber­ne Modell­vor­stel­lung, deren Sinn­lo­sig­keit einem klar wird, wenn man das Wort ein­fach mal durch „Gesell­schaft“ ersetzt. In Wahr­heit heißt Blogo­sphä­re näm­lich: die schie­re Sum­me aller Men­schen, die blog­gen.

Es gibt blog­gen­de Jour­na­lis­ten, blog­gen­de Haus­frau­en, blog­gen­de Schü­ler, blog­gen­de Bestat­ter und blog­gen­de Hartz-IV-Emp­fän­ger – man könn­te von einer blog­gen­den Gesell­schaft spre­chen. Und all die­se Men­schen haben so viel oder wenig gemein­sam, wie Jour­na­lis­ten, Haus­frau­en, Schü­ler, Bestat­ter und Hartz-IV-Emp­fän­ger im All­tag gemein­sam haben. Blogs sind ein Medi­um, ein Mit­tel zum Zweck. Man wird unter Blog­gern auf ähn­li­che vie­le net­te Men­schen, auf ähn­lich vie­le Arsch­lö­cher tref­fen, wie in der Welt da drau­ßen – viel­leicht gibt es unter Blog­gern über­durch­schnitt­lich vie­le Men­schen mit einem gewis­sen Mit­tei­lungs­be­dürf­nis, aber das ist dann auch schon alles.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die akti­ver sind und sich bei­spiels­wei­se regel­mä­ßig tref­fen – aber auch das gibt es in Form von Stamm­ti­schen, Ver­ei­nen und Freun­des­krei­sen in der Wirk­lich­keit und hat viel­leicht mehr mit den ent­spre­chen­den Leu­ten zu tun als mit ihrer Pro­fes­si­on.

Ich kann das Bedürf­nis ver­ste­hen, all das Tol­le, Klu­ge, Beun­ru­hi­gen­de, Absto­ßen­de und Neue, das man in Blogs so fin­den kann, irgend­wie einer grö­ße­ren Leser­schaft zu vor­stel­len zu wol­len. In Blogs kann man meis­tens für eine klar umris­se­ne Ziel­grup­pe mit Vor­kennt­nis­sen schrei­ben, aber Jour­na­lis­mus braucht Pro­to­ty­pen und des­halb ist Keith Richards Rock’n’Roll, Kurt Cobain Grunge und Gerard Way Emo (wenn nicht gera­de Han­ni, Nan­ni und Kaf­fee­kan­ni Emo sind).

Also setzt man sich hin, schreibt alles auf, was einem dazu ein­fällt (BILD­blog, Don Alphon­so, Poli­ti­cal­ly Incor­rect, Huf­fing­ton Post) und guckt im Tele­fon­buch unter „B“ wie „Blog­ger“ nach. Nur wird man dem The­ma Blogs damit unge­fähr so gerecht wie ein Blog­ein­trag über Jour­na­lis­mus, der von „Bild“, „Spie­gel“ und irgend­ei­ner Schü­ler­zei­tung han­delt und bei dem Roger Wil­lem­sen, Gün­ther Jauch und Tho­mas Leif was über Jour­na­lis­mus sagen dür­fen. Es ist letzt­lich wie mit den Blin­den und dem Ele­fan­ten.

Jeder Blog­ger schreibt über die The­men, die ihn inter­es­sie­ren, und wenn sich nie­mand zur „glo­ba­len Finanz­kri­se“, dem „Min­dest­lohn“ oder der „Ver­ar­mung des Mit­tel­stands“ äußern will, dann tut das halt nie­mand. Natür­lich tut es trotz­dem jemand, denn auch in den Leser­brief­spal­ten und Call-In-Sen­dun­gen der Radio­sta­tio­nen äußern sich ja Leu­te zu die­sen The­men, von denen sie kei­ne Ahnung haben. Es braucht kei­ne Vor­schrif­ten und kei­ne Lis­ten, was in deut­schen Blogs falsch läuft.

Der Ver­gleich mit ame­ri­ka­ni­schen Blogs (also den rele­van­ten, nicht denen bei MySpace) ist natür­lich nahe­lie­gend, aber auch unfair: die Unter­schie­de zwi­schen Deutsch­land und den USA sind ein­fach zu groß. In den USA gibt es Main­stream-Medi­en mit extre­men Posi­tio­nen, die eine Gegen­öf­fent­lich­keit brau­chen. Wir könn­ten uns ja glück­lich schät­zen, wenn deut­sche Medi­en über­haupt irgend­wel­che Posi­tio­nen ver­trä­ten. Außer­dem gibt es hier­zu­lan­de ein­fach kei­ne Debat­ten­kul­tur, die man digi­tal fort­set­zen könn­te.

Für mich gilt außer­dem: Ich will gar kei­ne gesell­schaft­li­che Rele­vanz haben. Ich schrei­be, weil mir Schrei­ben Spaß macht, seit ich den­ken kann – sogar schon län­ger, als ich eigent­lich schrei­ben kann. Statt ortho­gra­phisch frag­wür­di­ger Geschich­ten über einen „Baua“, der „in Unmacht fellt“, und die mei­ne Eltern lesen (und loben) muss­ten, kann hier heu­te jeder, den es inter­es­siert, lesen, wel­che Musik mir gefällt und was mich alles am der­zei­ti­gen Zustand des deutsch­spra­chi­gen Jour­na­lis­mus stört. Ich habe auch immer schon lus­ti­ge klei­ne Video­fil­me gedreht – frü­her muss­ten die Freun­de mei­ner Eltern deren Vor­füh­rung durch­lei­den, heu­te kann das via You­Tube jeder, der will. Das Inter­net ist das ein­fachs­te Mit­tel, den Kram, den ich sonst für mich selbst machen wür­de, unver­bind­lich einem grö­ße­ren Publi­kum zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das erfolgt für bei­de Sei­ten frei­wil­lig (wer’s nicht lesen mag, muss nicht, und wenn ich kei­nen Bock hab, schreib ich nichts) und kos­ten­los.

Und natür­lich wer­den jetzt jede Men­ge Blog­ger über den Arti­kel schrei­ben und sich aus die­sem oder jenem Grund dar­über auf­re­gen. Wer sich für Blogs inter­es­siert, erfährt dar­aus nichts Neu­es, und wer vor­her noch nie von Blogs gehört hat­te, wird es sowie­so nicht lesen. Durch die stän­di­ge Gegen­über­stel­lung der Begrif­fe „Blog­ger“ und „Jour­na­list“ ent­steht der Ein­druck, es gin­ge um zwei unver­ein­ba­re Lager und Blog­ger wür­den Jour­na­lis­ten grund­sätz­lich has­sen (was zumin­dest auf mich nicht zutrifft). Es gibt kei­nen Kampf, des­we­gen wird es auch kei­ne Gewin­ner und Ver­lie­rer geben. Außer natür­lich die „Spiegel“-Autoren, die am Ende Recht behal­ten mit ihrer Vor­her­sa­ge.

(Immer­hin steht vor dem Wort „Blog“ jedes Mal der Arti­kel „das“. Man wird ja beschei­den.)

Nach­trag, 21. Juli: Den Arti­kel gibt’s jetzt auch bei „Spie­gel Online“. Dabei hät­te ich es tau­send Mal lus­ti­ger gefun­den, einen Arti­kel über Blogs nur off­line zu ver­brei­ten.

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Digital Kultur

Kunstpause

Wid­men wir uns zur Abwechs­lung doch mal etwas Erfreu­li­chem: Mei­ne gute Freun­din Mar­ti­na Dri­gnat hat ihre Inter­net­sei­te taubenstrasse.de gere­launcht.

Möwen auf taubenstrasse.de (Foto: Martina Drignat)

Dort fin­den Sie „Medi­en­kunst & Foto­gra­fie“ und wenn Sie sich dar­un­ter nichts vor­stel­len kön­nen: Mar­ti­na hat unter ande­rem die Web­site von kett­car gestal­tet, das Art­work der Kili­ans-CD (womit ich nichts zu tun hat­te!) und das Lay­out Logo des sehr emp­feh­lens­wer­ten Inter­net­mu­sik­ma­ga­zins mainstage.de. Außer­dem kön­nen Sie sich dort – je nach Geschmack – Fotos von Kat­zen, Scha­fen und Stop­pel­fel­dern anse­hen, sowie Por­träts und Liv­e­fo­tos von zahl­rei­chen Musi­kern.

Ich wür­de mich freu­en, wenn Sie dort mal vor­bei­schau­en und sich zumin­dest durch einen Teil der paar­hun­dert Bil­der kli­cken wür­den. Schließ­lich sind das end­lich mal Bil­der­ga­le­rien, die kei­ne IVW-Zah­len und Wer­be­ein­nah­men hoch­trei­ben.

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Rundfunk Gesellschaft

Sturm’n’Drang High School

Eigent­lich sit­ze ich gera­de an einem Text, in dem ich mal beson­ders gelun­ge­nen Jour­na­lis­mus vor­stel­len möch­te. Dann aller­dings bekam ich den Link zu einem You­Tube-Video geschickt, das eine solch erschüt­tern­de Jour­na­lis­mus­at­trap­pe zeigt, dass ich (nach­dem ich eine Vier­tel­stun­de zu den Klän­gen von Thurs­day mit dem Kopf gegen die Wand geschla­gen habe) mich erst ein­mal dar­über aus­kot­zen muss.

Das Video zeigt einen Bei­trag aus der gest­ri­gen Aus­ga­be von „Explo­siv – Das Maga­zin“ auf RTL, hat also genau genom­men gar nichts mit Jour­na­lis­mus am Hut. Aller­dings haben 1,79 Mil­lio­nen Men­schen die­se Sen­dung gese­hen und die Vor­stel­lung, dass auch nur einer die­se Info­tain­ment-Par­odie ernst genom­men haben könn­te, macht mir Angst.

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Es ging um Emos und weil vie­le Zuschau­er viel­leicht nicht wis­sen was das ist (Chan­ce zum schlech­ten Witz mit aus­tra­li­schen Lauf­vö­geln ver­passt), erklärt die Mode­ra­to­rin­nen­dar­stel­le­rin das Gan­ze noch mal kurz:

„Emo“ kommt von „emo­tio­nal“ und Teen­ager, die die­ser Bewe­gung anhän­gen, klei­den sich merk­wür­dig.

Außer­dem neig­ten die Jugend­li­chen zu Depres­sio­nen, ritz­ten sich teil­wei­se die Haut auf und über­haupt habe der Repor­ter einen Fall gefun­den, „wo ein jun­ger Mann sich umge­bracht haben soll“.

Dann geht’s los mit blu­ti­gen Bil­dern, ent­setz­ten Eltern und jovia­len depres­si­ven Jugend­li­chen.

Von dem jun­gen Mann, der „sich umge­bracht haben soll“ (also er ist tot, nur ob das mit Emo zusam­men­hängt, ist nicht klar: er „war wahr­schein­lich ein Emo“), wird ein (natür­lich unver­pi­xel­tes) Bild gezeigt, das er vor sei­nem Tod „in ein Emo-Forum ins Inter­net gestellt“ hat. Wir müs­sen also ganz am Ran­de auch noch anneh­men, dass RTL mal wie­der Wit­wen­schüt­teln 2.0 betrie­ben hat.

Das Bild zeigt – und jetzt kommt’s – einen grim­mig drein­schau­en­den jun­gen Mann mit Paläs­ti­nen­ser­tuch vor einem Pos­ter, das wenn ich mich nicht sehr irre, die Metal­band Metal­li­ca zeigt. D’oh! Weni­ger Emo geht nun wirk­lich kaum.

Er trägt das typi­sche Emo-Tuch, ‚Pali‘ genannt.

Emo (Symbolbild)

Jour­na­lis­ten hät­ten sich viel­leicht die Mühe gemacht, den Ursprung der Emo-Bewe­gung zu erklä­ren. Man hät­te sehr weit aus­ho­len und bis zu Embrace (US), Rites Of Spring, Fuga­zi und The Pro­mi­se Ring gehen kön­nen, wenn man sich mit der ursprüng­li­chen Emo-Sze­ne unter musi­ka­li­schen Aspek­ten hät­te beschäf­ti­gen wol­len, man hät­te aber wenigs­tens über Unsi­cher­heit, Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Hoff­nungs­lo­sig­keit spre­chen kön­nen. Im Feuil­le­ton hät­te man Par­al­le­len zum Sturm und Drang, der Jugend­be­we­gung der 1770er Jah­re, geschla­gen, in jedem Fall hät­te man aber sagen müs­sen, dass der Begriff „Emo“ in etwa so schwam­mig sei wie der des „Jugend­li­chen“ und dass man sich im fol­gen­den auf einen klei­nen Kreis beschrän­ken und holz­schnitt­ar­ti­ge Ver­all­ge­mei­ne­run­gen auf­fah­ren müs­se. Dafür aber war in einem Sechs­mi­nü­ter kein Platz.

Das Wort „Emo“ war also im fol­gen­den ein Platz­hal­ter für „merk­wür­dig geklei­de­te Jugend­li­che, die sich alle immer die Arme auf­schnei­den, was wir aus dem Inter­net wis­sen, die das aber vor unse­rer Kame­ra nicht zuge­ben wol­len“.

RTL mach­te aber nicht nur so gro­be inhalt­li­che Feh­ler, der Bei­trag war bis ins kleins­te hand­werk­li­che Detail schlecht. Immer wie­der wur­den in Groß­auf­nah­me die glei­chen sen­sa­ti­ons­lüs­ter­nen Bil­der von auf­ge­schnit­te­nen Glied­ma­ßen gezeigt, die wer-weiß-woher stamm­ten. Ja, sie haben es noch nicht ein­mal geschafft, Text­ein­blen­dun­gen und Off-Spre­cher auf eine Linie zu krie­gen: zu den aus dem Kon­text irgend­ei­nes „Emo-Forums“ geris­se­nen (und offen­bar in MS Paint gesetz­ten) Wor­ten „es ist allen SCHEIß EGAL!!!!“ sagt die um Bedeu­tungs­schwe­re und Dra­ma­tik bemüh­te RTL-Stan­dard­stim­me, es sei „alles“ scheiß­egal.

Der auf­ge­ta­ne Psy­cho­lo­gie Dr. Chris­ti­an Lüd­ke wirft Emos und Sata­nis­ten mun­ter in einen Topf, spricht von der „Fas­zi­na­ti­on des Abscheu­li­chen“ und sagt, Emos woll­ten „pro­vo­zie­ren“. Als nächs­tes erklärt der Spre­cher, „sie“ (es geht also in jedem Moment um aus­nahms­los alle Emos) sei­en „bezie­hungs­ge­stört, aber sie demons­trie­ren Nähe“. Ähn­lich infor­ma­tiv wäre es zu behaup­ten, Men­schen sei­en alle­samt weib­lich, hät­ten blaue Augen und ein Bein: alles trifft ja sicher in eini­gen bis etli­chen Fäl­len zu, wer wür­de sich da noch mit Rasier­klin­gen­spal­te­rei auf­hal­ten wol­len?

Sie sind lieb zuein­an­der und geben sich harm­los vor der Kame­ra – doch im Inter­net zei­gen sie ihre wah­ren Abgrün­de: ich lebe, doch eigent­lich bin ich schon tot.

Eine Mut­ter ist der Mei­nung, dass es ande­re Din­ge gäbe, die Jugend­li­che machen könn­ten, als zusam­men zu rit­zen, zu sau­fen und zu kif­fen. Ich muss zuge­ben, das Bild, das in die­sem Moment in mei­nem Kopf ent­stand, hat­te was: zwan­zig mis­an­thro­pi­sche Straight-Edger sit­zen zusam­men in einem elter­li­chen Wohn­zim­mer, trin­ken Han­sa-Pils, rau­chen Gras und sägen – alle zusam­men und jeder für sich – an ihren Unter­ar­men rum.

Es gibt viel­fäl­ti­ge Bewei­se dafür, dass Emos zur Selbst­ver­stüm­me­lung nei­gen.

Die­se „Bewei­se“ sind irgend­wel­che Bil­der mit mor­bi­der Sze­ne­rie: von der Decke bau­meln­de Kör­per, ver­wahr­los­te Mäd­chen, die Her­zen auf eine Wand malen, Rasier­klin­gen in der Unter­lip­pe. Oder mit ande­ren Wor­ten: alles, was die Goog­le-Bil­der­su­che nach dem Begriff „Emo“ so her­gab.

Eine zuge­ge­be­ner­ma­ßen gelun­ge­ne Sze­ne ist der Dia­log zwi­schen drei Emo-Mäd­chen und einem Sty­ler, bei dem die Ach-so-Ein­fühl­sa­men plötz­lich gar nicht mehr so genau erklä­ren kön­nen, was sie eigent­lich sind und sich händ­chen­hal­tend in eine hilf­lo­se Dis­kus­si­on stür­zen, die sie anschlie­ßend als „typisch“ bezeich­nen.

Hier wäre die Gele­gen­heit gewe­sen, das, was heu­te „Emo“ genannt wird, als die Pose zu ent­lar­ven, die sie oft genug nur noch ist. Als Bri­co­la­ge aus Punk, Gothic, Visu­al Kei, Rocka­bil­ly und Hel­lo Kit­ty. Statt­des­sen wird die anti-auf­klä­re­ri­sche Panik­ma­che noch auf die Spit­ze getrie­ben.

Emos: offen­bar eine typi­sche Erschei­nung der Puber­tät. Leicht­fer­tig wird hier mit der Selbst­ver­stüm­me­lung koket­tiert. Und es gibt vie­le Jugend­li­che, die das toll fin­den, die ziem­lich naiv in die­se Sack­gas­se tap­pen.

„Naiv“ und „Sack­gas­se“ sind frei­lich Begrif­fe, die für die­sen unfass­ba­ren Bei­trag noch wohl­wol­lend wären.

Lie­be Eltern, die Sie jetzt den­ken „Hil­fe, mein Kind ist Emo! Wie krieg ich die Beer­di­gung bezahlt?“: bit­te glau­ben Sie nicht die­sen enthirn­ten Schwach­sinn, den RTL ges­tern Abend in Ihre Kachel­tisch-Wohn­zim­mer gesen­det hat. Wenn Sie unge­fähr ver­ste­hen wol­len, was Emo ist, Sie also Ihr Kind ver­ste­hen wol­len, grei­fen Sie bit­te zu „Ever­y­bo­dy Hurts“ von Les­lie Simon und Tre­vor Kel­ley. Dafür müs­sen Sie etwas Eng­lisch kön­nen, aber hin­ter­her wis­sen Sie wenigs­tens, wor­um es geht.

[via Kat­ti und Kahta]

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Fernsehen Musik Rundfunk

Nichts geht verloren

Zum drit­ten Mal in der Geschich­te der „Dai­ly Show“ gab es ges­tern einen Musik­gast: Cold­play, „the num­ber one in this coun­try and most likely every coun­try“.

Und wenn man Cold­play schon mal da hat, lässt man sie natür­lich gleich zwei Mal spie­len.

„42“:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.thedailyshow.com anzu­zei­gen.

„Lost“:

Hier kli­cken, um den Inhalt von www.thedailyshow.com anzu­zei­gen.

Das Gan­ze gibt mir übri­gens Gele­gen­heit, end­lich mal auf den „Full Epi­so­de Play­er“ hin­zu­wei­sen, den thedailyshow.com seit eini­gen Wochen anbie­tet. Wer braucht da noch Fern­se­hen? In Deutsch­land?

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35. Ölfober 200*

Es tut mir leid, dass die­ses Blog gera­de etwas zur Abla­de­hal­de lus­ti­ger Fund­stü­cke wird.

Aber:

Sendungsstatus: Die Sendung wurde zur Abholung durch den Empfänger bereitgestellt und von diesem am 18.06.2008 abgeholt. Achtung: Das angezeigte Zustelldatum weicht eventuell vom tatsächlichen ab (das handschriftliche Datum auf dem Auslieferungsbeleg war nicht eindeutig lesbar).

Ob das wohl eine fest­ste­hen­de Opti­on in den Post-Com­pu­tern ist?

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Digital

Und wer bei Zehn noch steht, hat Recht

Wir müs­sen doch noch mal über den Grim­me Online Award reden. Mein Video ist natür­lich ziem­lich auf Poin­te gebürs­tet – anders als zum Bei­spiel die Mode­ra­tio­nen von Kat­rin Bau­er­feind. Wir hat­ten es uns am Blog­ger­tisch mit Twit­ter, Kölsch und Zynis­mus bequem gemacht, aber wir hat­ten unse­ren Spaß.

Es war mei­ne ers­te Preis­ver­lei­hung, von daher weiß ich nicht, ob es immer so ist: da waren also ein paar Blog­ger und sons­ti­ge Onli­ner, Leu­te wie die Macher von kids-hot­line, zeitzeugengeschichte.de und Lite­ra­tur­port, die eine ganz ande­re Sei­te des Inter­nets dar­stel­len, dazu jede Men­ge Reprä­sen­tan­ten aus Poli­tik und Gre­mi­en. Ange­nehm auf­fal­lend war, dass die Ver­an­stal­tung nicht mit völ­lig absei­ti­gen Pro­mis auf­ge­bla­sen wur­de, was aber auch zu absur­den Sze­nen führ­te, wenn die halb­wegs pro­mi­nen­ten Gäs­te (ARD-Vor­abend­se­ri­en­dar­stel­le­rin­nen oder MTV-Video­an­sa­ger) von den Foto­gra­fen bela­gert wur­den wie sonst nur Welt­stars in Can­nes.

Die Grim­me-Leu­te, das muss man auch ein­mal beto­nen, nah­men es alle sport­lich: nie­mand mach­te uns Vor­wür­fe, weil wir als zwei­tes Blog und vier­tes Medi­um die Gewin­ner ver­brei­tet hat­ten, und alle noch so doo­fen Sprü­che wur­den ent­we­der gepflegt igno­riert oder gar pariert. Ver­mut­lich sorgt der Arbeits­all­tag in Marl für ein dickes Fell und viel Gal­gen­hu­mor.

Dass der frü­he­re Staats­se­kre­tär für Medi­en Andre­as Kraut­scheid auch nach mehr­fa­cher Erwäh­nung nicht mit­be­kom­men hat­te, dass die Gewin­ner auch in die­sem Jahr sehr wohl schon bekannt waren, ist bit­ter, aber wirk­lich nicht dem Grim­me-Insti­tut anzu­las­ten. Dann schon eher die mit unglück­li­chen Meta­phern und all­zu phi­lo­so­phi­schen Zita­ten durch­setz­te Rede des Insti­tut-Direk­tors Uwe Kam­mann. Aber auch das ist wohl wie­der den völ­lig unter­schied­li­chen Wel­ten geschul­det, die da auf­ein­an­der­tra­fen: ich neh­me den Hono­ra­tio­ren völ­lig ab, dass sie vom Inter­net fas­zi­niert sind wie die Men­schen im Mit­tel­al­ter von der Erfin­dung des Buch­drucks – und dann sit­zen da am vor­letz­ten Tisch Blog­ger, die die gan­ze Zeit über mit Rota­ti­ons­pres­sen Twit­ter rum­spie­len.

Wie weit die­se bei­den Wel­ten noch von­ein­an­der ent­fernt sind, hat­te sich am Nach­mit­tag schon auf dem medienforum.nrw abge­zeich­net: nach­dem ein Ver­tre­ter von T‑Online ein „Media Cen­ter“ vor­ge­stellt hat­te, das schon bald all das kön­nen soll, was Goog­le und GMX seit eini­gen Jah­ren anbie­ten, ent­spann sich eine Dis­kus­si­on, die mich schwer nach­denk­lich zurück­ließ. Für die Mode­ra­ti­on hat­te man Robert Basic gewin­nen kön­nen, der die Ver­an­stal­tung in eine völ­lig ande­re Rich­tung dräng­te als alle vor­he­ri­gen Panels. Lei­der war das Gan­ze weni­ger Punk und viel mehr Pre­digt, denn Basic zog mit einem Mikro­fon durchs über­sicht­li­che Publi­kum, befrag­te wie ein ame­ri­ka­ni­scher TV-Pfar­rer die Leu­te und woll­te, ein­mal beim The­ma Twit­ter ange­kom­men, gar nicht mehr auf­hö­ren zu reden.

Es war die ers­te Ver­an­stal­tung beim Medi­en­fo­rum, die ich vor­zei­tig ver­las­sen habe. Zu groß war mei­ne Angst, am Ende noch eine Heiz­de­cke oder wenigs­tens einen auf­blas­ba­ren Twit­ter-Account kau­fen zu müs­sen. Als dem Inter­net durch­aus zuge­ta­ner Mensch war mir das, was ich sah, kör­per­lich unan­ge­nehm. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass eine so laut­star­ke Eupho­rie die Skep­ti­ker fürs Web 2.0 begeis­tern kann. Ande­rer­seits war ich auch schon wie­der auf 180, als eine mit­tel­al­te Frau – wir nann­ten sie fort­an „die Print­jour­na­lis­tin“ – bemän­gel­te, „so Tip­pen“ habe doch nichts mit „ech­tem Aus­tausch“ zu tun.

Ich habe das alles schon mal auf­ge­schrie­ben: die Gren­ze ver­läuft nicht zwi­schen Gene­ra­tio­nen, son­dern zwi­schen On- und Off­linern. Und wir, die wir Twit­ter, RSS-Feeds und Blogs nut­zen wie frü­her Cola­do­sen zum Fuß­ball­spie­len, sind ein ver­dammt klei­ner Kreis. Und dann gibt es auch noch genug Leu­te, die uns has­sen, weil wir für BILDblog.de schrei­ben oder gleich­zei­tig Blog­ger und Jour­na­lis­ten sein wol­len. Es ist ein hete­ro­ge­ner Hau­fen, der auch nie­mals homo­gen wer­den wird und darf – denn genau die­ses unsor­tier­te und unre­gu­lier­te macht für mich den Reiz des Inter­nets aus. („Lie­ber Pro­fes­sor Schnei­der“, wie ich fast hin­zu­fü­gen möch­te.)

Natür­lich wäre es – und Sie hat­ten schon gedacht, ich krieg den Bogen nicht mehr – wün­schens­wert, einen Online-Preis zu ver­lei­hen, bei dem wir unter uns sind. Bei dem kein West­deut­scher Rund­funk und kein Volks­hoch­schul­ver­band im Hin­ter­grund steht, und mit dem wir uns genau­so selbst fei­ern kön­nen wie jede ande­re Bran­che auch. Aber ers­tens wäre der (s.o) wie­der nur für einen Teil der deutsch­spra­chi­gen Online-Welt reprä­sen­ta­tiv und zwei­tens wäre Köcheln im eige­nen Saft auch kon­tra­pro­duk­tiv. Bei Events wie dem Grim­me Online Award besteht wenigs­tens noch die theo­re­ti­sche Chan­ce zum Aus­tausch zwi­schen alter und neu­er Welt.

Sie ent­neh­men mei­nem klar struk­tu­rier­ten Ein­trag: Inter­net ist geleb­te Unein­deu­tig­keit. Quä­len­de Preis­ver­lei­hun­gen und der lus­tigs­te Abend des Jah­res in einem. O Cap­tain! My Cap­tain!

Nach Hau­se gefah­ren wur­den Kat­ti, Frau Schnu­tin­ger und ich übri­gens von Hen­nes Ben­der. Er hat einen her­vor­ra­gen­den Musik­ge­schmack, ist ein sehr siche­rer Auto­fah­rer und ist pri­vat viel lus­ti­ger als im Fern­se­hen.

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Digital Gesellschaft

Award Day’s Night

Span­nung, Twit­ter, gro­ße Gefüh­le und ein viel zu lau­ter Hand­trock­ner – so lässt sich die Ver­lei­hung des Grim­me Online Awards ges­tern Abend in Köln zusam­men­fas­sen.

Cof­fee And TV war ganz nah dran an den Nomi­nier­ten, Kri­ti­kern und Exper­ten und prä­sen­tiert Ihnen die bes­ten Sze­nen in einem abend­fül­len­den Spiel­film.

Näm­lich hier:

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Nach­trag 13. Juni: Bit­te lesen Sie auch mei­ne Medi­ta­ti­on über den Abend und die Kluft zwi­schen On- und Off­linern.

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Rundfunk Digital

Und jährlich grüßt der GOA

Im Pres­se­zen­trum des Medi­en­fo­rums NRW wuseln gera­de alle ganz hek­tisch durch­ein­an­der. Nein, das ist falsch: In Wahr­heit ste­hen wir hier, lachen uns kaputt und schüt­teln mit dem Kopf.

Da hat­te sich das Grim­me-Insti­tut sol­che Mühe gege­ben, ein ähn­li­ches Desas­ter wie im Vor­jahr zu ver­hin­dern, als die Preis­trä­ger des Grim­me Online Awards schon Tage vor der Preis­ver­lei­hung im Netz stan­den. Selbst WDR-Inten­dan­tin Moni­ka Piel, von der am Mon­tag alle dach­ten, dass sie sich ver­plap­pert hät­te, als sie in der Hit­ze der Dis­kus­si­on ver­kün­de­te, sie (ja: sie) bekom­me die­ser Tage einen Preis für ein Online-Spe­cial über Welt­re­li­gio­nen, hat­te ein­fach nur „Nomi­nie­rung“ und „Aus­zeich­nung“ ver­wech­selt und damit noch nichts ver­ra­ten.

Aber dann … ja, dann hat kress.de die Gewin­ner ein­fach raus­ge­hau­en:

„Infor­ma­ti­on“:
Stö­rungs­mel­der
WDR Media­thek regio­nal

„Wis­sen und Bil­dung“:
kids-hot­line
Zeitzeugengeschichte.de

„Kul­tur und Unter­hal­tung“:
Intro.de
Lite­ra­tur­port

„Spe­zi­al“:
Hobnox.com

Publi­kums­preis:
San­dra Scha­dek – ALS

Aber die Preis­ver­lei­hung heu­te Abend wird sicher trotz­dem nett.

Nach­trag 15:31 Uhr: kress.de waren offen­bar noch nicht mal die ers­ten. Um 13:20 Uhr war die Geschich­te schon bei informationweek.de online gegan­gen, wo sie um 15:30 Uhr wie­der ver­schwand.

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Digital Gesellschaft

Klickbefehl (11)

Ich war vor­hin bei einer Dis­kus­si­ons­run­de über Daten­schutz und „Daten­ex­hi­bi­tio­nis­mus“ (der hoch­ver­ehr­te frü­he­re Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Ger­hart Baum). Sie bot wenig neu­es und die auch von mir immer wie­der ver­tre­te­nen The­sen, dass es doch irgend­wann egal sei, wenn erst mal alle alles online gesetzt hät­ten, woll­te so recht auch nie­mand gel­ten las­sen.

Schön, dass aus­ge­rech­net heu­te ein Arti­kel in der Net­zei­tung erscheint, in dem sich Mal­te Wel­ding mit dem The­ma befasst und so klu­ge Sät­ze schreibt wie

Die Alter­na­ti­ve dazu, vom Per­so­nal­chef gegoo­gelt zu wer­den, ist: Nicht im Netz zu erschei­nen. Wäre ich jedoch Per­so­nal­chef und wür­de einen Bewer­ber bei Goog­le nicht fin­den, wür­de ich mich fra­gen, ob der Betref­fen­de die letz­ten Jah­re tot war, Analpha­bet ist oder sich nur anonym im Netz rum­treibt auf Fetisch­sei­ten, deren The­ma dicke Frau­en, die viel zu schwe­re Ruck­sä­cke tra­gen, sind. Wie man es also macht, macht man es falsch.

oder

Ich kann es nicht nach­voll­zie­hen, war­um man auf Par­tys Fotos macht und sie im Dut­zend ins Inter­net stellt. Genau­so­we­nig, wie unse­re Groß­el­tern ver­ste­hen konn­ten, dass unse­re Eltern die Kör­per­pfle­ge ein­stell­ten und Fri­seur­be­su­che ver­wei­ger­ten oder unse­re Urgroß­el­tern, dass unse­re Groß­el­tern Jazz hör­ten.

Sie kön­nen den Arti­kel hier lesen und soll­ten es auch tun!