Kategorien
Digital Musik

Noch tiefer im Westen

Mei­ne Mut­ter grad so im ICQ: „Hier, Sohn, guck Dir das mal an. Hab ich bei You­Tube gefun­den!“
Ich so: „Mama, was machst Du bei You­Tube?“, dann aber auf den Link geklickt und – Waaaaaaaah!

Bit­te sehen Sie selbst:

Hier kli­cken, um den Inhalt von You­Tube anzu­zei­gen.
Erfah­re mehr in der Daten­schutz­er­klä­rung von You­Tube.

Kategorien
Musik Digital

Ratinger Hofnarren

Lukas: „Was hal­ten wir eigent­lich von den Toten Hosen?“
Ima­gi­na­ry Fri­end: „Uff! Hmmm, na ja …“
Lukas: „… damit auf­ge­wach­sen sind wa ja schon. Irgend­wie. Nich?“
Ima­gi­na­ry Fri­end: „Das mag sein. Aber Cam­pi­no geht doch gar nicht.“
Lukas: „Wenn wir gleich alle deut­schen Bands schei­ße fin­den wür­den, deren Sän­ger ein zu gro­ßes Mit­tei­lungs­be­dürf­nis haben und jede Talk­show und jede Gazet­te voll­la­bern, dann könn­ten wa aber nur noch Kraft­werk hören. Sieh’s mal so!“
Ima­gi­na­ry Fri­end: „War­um ver­tei­digst Du denn hier die Toten Hosen?“
Lukas: „Tu ich gar nicht. Ich woll­te nur wis­sen, was wir von denen hal­ten.“
Ima­gi­na­ry Fri­end: „Uff …“

Nun, wie dem auch sei: Von den Toten Hosen gibt es inzwi­schen – wahn­sin­nig Punk­rock-like – eine eige­ne „SingStar“-Edition. Das ist … ach, das ist halt so und wäre mir sicher kei­ne Erwäh­nung wert, wenn man beim Uncle-Sally’s‑Magazin die­ses Com­pu­ter-Spiel nicht von drei fach­kun­di­gen Tes­tern auf Herz und Leber hät­te über­prü­fen las­sen: Nagel, Thees Uhl­mann und Mil­le von Krea­torCam­pi­no bewer­tet das Gan­ze. Das alles als Video hier.

Eigent­lich ist es ganz schreck­lich, aber irgend­wie auch sehr unter­halt­sam. Anders aus­ge­drückt: Näher am Punk waren die Toten Hosen in den letz­ten fünf­zehn, zwan­zig Jah­ren nicht.

[via Tom­te-Blog]

Kategorien
Digital

Turbojugend Amazonas

Ja, bei Namen, die auf „S“ enden, ist es in der deut­schen Spra­che gera­de­zu unmög­lich, einen halb­wegs ansehn­li­chen Geni­tiv zu bil­den. Gera­de, wenn es auto­ma­tisch erfol­gen soll.

Ich glau­be zwar, dass ein Inter­net­händ­ler, der mir auf­grund mei­ner bis­he­ri­gen Bestel­lun­gen Vor­schlä­ge unter­brei­ten kann, was mir noch so gefal­len könn­te, auch in der Lage sein soll­te, Namen, die auf „S“ enden, ein ein­fa­ches Apo­stroph anzu­hän­gen, aber viel­leicht erwar­te ich auch zu viel von Amazon.de.

Und ohne die­sen char­man­ten Feh­ler hät­te es heu­te gar kei­nen Blog­post gege­ben:

“Lukass Shop” bei amazon.de

P.S.: Soll­te sich Ihnen ein mög­li­cher Witz über­haupt nicht erschlie­ßen und soll­ten Sie die Über­schrift allen­falls als ver­wir­rend emp­fin­den: Igno­rie­ren Sie die­sen Bei­trag ein­fach. Der nächs­te all­ge­mein­ver­ständ­li­che kommt bestimmt.

Kategorien
Politik

Vorgang wird bearbeitet

Viel­leicht brau­chen wir uns doch nicht so vie­le Sor­gen zu machen um mit­ge­le­se­ne E‑Mails, Vor­rats­da­ten­spei­che­rung und Gedan­ken­kon­trol­le.

Schließ­lich leben wir in einem Land, in dem es die Behör­den nicht mal auf die Rei­he krie­gen, 82 Mil­lio­nen Steu­er­num­mern in time zuzu­tei­len.

Kategorien
Leben Gesellschaft

Irrtum mütterlicherseits

Babies Of The 80

Ich bin immer sehr vor­sich­tig mit die­sem Gere­de von einer „Gene­ra­ti­on XY“. Einer­seits fin­de ich es absurd, dass alle (oder vie­le) Men­schen, die alle gleich alt sind, mehr gemein haben müss­ten als ihr Geburts­da­tum; ande­rer­seits sind gewis­se äuße­re Ein­flüs­se zu einem bestimm­ten Zeit­punkt natür­lich nicht von der Hand zu wei­sen.

So wür­de ich mal davon aus­ge­hen, dass vie­le (inzwi­schen nicht mehr wirk­lich jun­ge) Män­ner, die Anfang der Acht­zi­ger Jah­re gebo­ren wur­den, unter ande­rem mit fol­gen­den Ansa­gen groß gewor­den sind: Atom­kraft ist doof; Frau­en kön­nen alles genau­so gut wie Män­ner; Kör­ner­bröt­chen sind gesün­der als Toast; man bie­tet alten Men­schen und schwan­ge­ren Frau­en sei­nen Sitz­platz in der Stra­ßen­bahn an; man steht auf, wenn man jeman­dem die Hand gibt; es ist als Mann völ­lig in Ord­nung, zu sei­nen Gefüh­len zu ste­hen, man darf auch ger­ne lan­ge Haa­re haben, aber nie­mals und auf gar kei­nen Fall pin­kelt man im Ste­hen oder lässt die Klo­bril­le hoch­ge­klappt.

Zumin­dest letz­te­res hat man mei­nen Mit­be­woh­nern offen­bar nie erzählt.

Kategorien
Politik Gesellschaft

Kein Gebot vom Kaiser Augustus

Es gibt ver­mut­lich kei­ner­lei ech­ten Zusam­men­hang, aber das Timing ist trotz­dem merk­wür­dig: Weni­ge Tage vor der gro­ßen Demo gegen Vor­rats­da­ten­spei­che­rung in Ber­lin beschließt der Bun­des­tag eine neue Volks­zäh­lung. Nach allem, was die Staats­si­cher­heits­po­li­ti­ker der CDU/​CSU in den letz­ten Wochen und Mona­ten so gefor­dert haben, dürf­te nie­mand mehr ernst­lich über­rascht sein, wenn aus ihrer Rich­tung plötz­lich der Vor­schlag käme, die der­art erho­be­nen Daten doch nicht zu anony­mi­sie­ren und zu löschen wie vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gefor­dert, son­dern sie direkt für die Füt­te­rung der zen­tra­len Anti­ter­ror­da­tei wei­ter zu ver­wen­den. Das wäre ja auch prak­tisch, wenn man die Daten für 450 Mil­lio­nen Euro eh schon mal erho­ben hat.

Ich bin­ein biss­chen über­rascht, dass es in Zei­ten digi­ta­ler Kar­tei­en und umfas­sen­der Ver­net­zung wirk­lich noch Daten gibt, die der Staat nicht von sei­nen Bür­gern kennt, und man noch mal los­zie­hen muss, um die Leu­te zu befra­gen. Aber offen­bar rei­chen Ein­woh­ner­mel­de­re­gis­ter und Hoch­rech­nun­gen nicht aus, wie die Finan­cial Times Deutsch­land dpa zitiert:

Sta­tis­ti­ker for­dern schon seit län­ge­rem eine neue Daten­ba­sis. Nach ihrer Schät­zung leben in Deutsch­land rund 1,3 Mil­lio­nen Men­schen weni­ger, als auf Basis der Volks­zäh­lung von 1987 fort­ge­schrie­ben wur­de. Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt geht der­zeit von 82,3 Mil­lio­nen Ein­woh­nern aus. Auch die Zahl der Aus­län­der wur­de nach Schät­zun­gen wahr­schein­lich zu hoch geschätzt.

FDP und Grü­ne ent­hiel­ten sich bei der gest­ri­gen Abstim­mung ihrer Stim­men, nur die Links­par­tei stimm­te dage­gen. Da sogar der Daten­schutz­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung Peter Schaar nichts gegen die Akti­on ein­zu­wen­den hat­te, ist es eher unwahr­schein­lich, dass noch ein­mal ein Auf­ruhr durchs Volk geht wie bei der letz­ten Volks­zäh­lung in den Acht­zi­ger Jah­ren. Die Men­schen, die sich damals gegen den „glä­ser­nen Bür­ger“ wand­ten, haben schließ­lich mitt­ler­wei­le alle ihre Kun­den- und Rabatt­kar­ten und geben so fast an jeder Super­markt­kas­se mehr von sich preis, als der Staat damals wis­sen woll­te.

Kategorien
Leben Gesellschaft

Nimm mich, holdes Marzipan

Werbeplakat am Union Square, San Francisco, CA (November 2006)

Es ist wie­der soweit: In den Super­märk­ten ste­hen Leb­ku­chen, Spe­ku­la­ti­us und Mar­zi­pan­kar­tof­feln zur Abho­lung bereit und die Men­schen ste­hen davor und sagen: „Guck mal, Heinz, es gibt schon wie­der Weih­nachts­ge­bäck!

Das wirft die Fra­ge auf, wo die­se Men­schen die letz­ten drei Wochen Ein­kau­fen waren, denn Weih­nachts­ge­bäck gibt es bereits seit Ende August wie­der zu kau­fen. Ich habe schon meh­re­re Pake­te Leb­ku­chen­her­zen, ‑ster­ne und ‑bre­zeln gekauft und die­se mit Freu­den ver­speist. Das Wet­ter passt, mir schmeckt das Zeugs ein­fach und ich habe als (noch) frei­er Bür­ger wenig Lust, mir von plan­wirt­schaft­lich ope­rie­ren­den Back­wa­ren­kon­zer­nen vor­schrei­ben zu las­sen, wann ich wel­che Art Gebäck ver­zeh­ren möch­te. Außer­dem gehe ich durch früh­zei­ti­gen Ver­zehr sicher, dass mir Prin­ten, Domi­no­stei­ne und Pfef­fer­nüs­se spä­tes­tens zu Niko­laus zum Hal­se raus­hän­gen und ich mich in der eigent­li­chen Weih­nachts­zeit voll und ganz auf den Ver­zehr fet­ter Bra­ten, dicker Klö­ße und haus­ge­mach­ter Apfel­kom­pöt­te kon­zen­trie­ren kann.

Da sich der Erst­ver­kaufs­tag der Weih­nachts­ge­bä­cke in den letz­ten Jah­ren nur mini­mal nach vor­ne ver­scho­ben haben dürf­te, besteht indes kein Grund, in die­sem Jahr wie­der Kolum­nen und Edi­to­ria­le mit dem Hin­weis zu fül­len, dass es ja schon im Sep­tem­ber Leb­ku­chen und Stol­len zu kau­fen gäbe und ob das nicht etwas früh sei. Die­ses The­ma ist so aus­ge­lutscht wie die Toma­ten­saft­glos­se der Neun­zi­ger Jah­re. Wenn Ihr irgend­was Wit­zi­ges „aus dem Leben“ ver­ar­bei­ten wollt, müsst Ihr wohl oder übel mal Eure Schreib­stu­ben ver­las­sen, lie­be Kol­le­gen, und mal eine Vier­tel­stun­de real life aus­che­cken. Super­markt­kas­sen sind da z.B. eine töf­te Inspi­ra­ti­ons­quel­le – aber bit­te nicht dar­über schrei­ben, dass man immer in der lang­sa­me­ren Schlan­ge steht!

Was mich am vor­weih­nacht­li­chen Geschäfts­ge­ba­ren irri­tiert, ist etwas völ­lig ande­res: Letz­tes Jahr fiel mir erst­mals auf, dass diver­se Mode­ket­ten und Ver­sand­häu­ser, aber auch Kaf­fee­rös­ter, etwa ab Novem­ber die Innen­städ­te mit leicht­be­klei­de­ten Frau­en zupla­ka­tier­ten. Auf rie­si­gen Pla­kat­wän­den und in Schau­fens­tern wur­de die Sor­te Damen­un­ter­wä­sche ange­prie­sen, die eigent­lich nur schreit „Hal­lo Schatz, sieh mal, ich hab mich hübsch gemacht und jetzt nimm mich, hol­der Recke!“ Mir war zuvor nie auf­ge­fal­len, dass Weih­nach­ten ein der­art pla­ka­tiv ange­gan­ge­nes Sex-Spek­ta­kel sein könn­te – auch wenn das erklä­ren wür­de, war­um so vie­le Freun­de von mir im Sep­tem­ber Geburts­tag haben.

Die­se Jahr, jeden­falls, schmü­cken die Push-Up-BHs, Hemd­chen, Hös­chen, Tan­gas, Hot Pants und Kor­sa­gen schon im Sep­tem­ber die Schau­fens­ter völ­lig seriö­ser Beklei­dungs­ge­schäf­te und wer sagt, das sei sexis­tisch, hat natür­lich völ­lig Recht: Über­all nur halb­nack­te Frau­en und nir­gends wer­den Pro­duk­te für den Herrn ange­bo­ten, der sich hübsch machen will.

Kategorien
Digital

Ein Apfel zum Preis von dreien

Äh, Apple, das kann doch nicht Euer Ernst sein: Ich habe mein Sys­tem neu ein­ge­rich­tet und beim nächs­ten Mal, wenn ich mei­ne im iTu­nes-Store teu­er bezahl­ten Datei­en abspie­len will, muss ich sie erst­mal wie­der für mein Sys­tem frei­ge­ben las­sen?!

Von den ursprüng­lich fünf erlaub­ten „Gerä­ten“ habe ich jetzt schon drei auf­ge­braucht – alle exakt die­ser Com­pu­ter hier.

Kategorien
Rundfunk Fernsehen

Geladene rote Ampel entgleist

Das „Nacht­ma­ga­zin“ der ARD ver­hält sich zum „RTL-Nacht­jour­nal“ wie „Bri­sant“ zu „Explo­siv“: Wenn oben nicht die­se klei­ne Eins in der Ecke wäre, wür­de man kaum glau­ben, dass man gera­de öffent­lich-recht­li­ches Qua­li­täts­fern­se­hen schaut. Klar: Um kurz nach Mit­ter­nacht rich­tet sich das „Nacht­ma­ga­zin“ an die Men­schen, die dann noch wach sind, und das sind eben eher die jün­ge­ren und die sind eben eher Info­tain­ment gewöhnt. Trotz­dem krie­ge ich regel­mä­ßig die Kri­se ob die­ser zwang­haf­ten Locker­heit, dem schon psy­cho­tisch wir­ken­den stän­di­gen Augen­zwin­kern und der him­mel­schrei­en­den Ober­fläch­lich­keit von Bei­trä­gen und Inter­views.

Des­halb schau­en wir uns die Sen­dung von ges­tern (also heu­te) mal genau­er an:

CSU-Vor­sitz
Gabrie­le Pau­li hat über­ra­schend gefor­dert, Ehen auf sie­ben Jah­re zu befris­ten, mit der Mög­lich­keit auf eine anschlie­ßen­de Ver­län­ge­rung. Hier von „ver­flix­ten sie­ben Jah­ren“ zu spre­chen, drängt sich der­ma­ßen auf, dass wir Ingo Zam­pe­ro­ni sei­ne augen­zwin­kern­de Anmo­de­ra­ti­on noch mal durch­ge­hen las­sen wol­len.

Doch dann geht das Elend rich­tig los, denn Fern­se­hen braucht immer Bewegt­bil­der, auch wenn es nur erklä­ren­de und über­lei­ten­de Wor­te aus dem Off gibt. Die­se Sze­nen nennt der Fach­mann „Schnitt­bil­der“ und seit mei­nem Aus­flug in die audio­vi­su­el­len Medi­en weiß ich, wie wich­tig die­se sind, und bei der ARD weiß man es erst recht:

Schnitt­bild: Gabrie­le Pau­li steht auf einer Ver­kehrs­in­sel neben einer Ampel und posiert für Foto­gra­fen.
Spre­che­rin: „Medi­en­rum­mel in Mün­chen – wie so oft, wenn Gabrie­le Pau­li sich zu Wort mel­det. Sie weiß sich in Sze­ne zu set­zen, doch jetzt ste­hen die Ampeln auf rot für sie.“

Das wich­tigs­te Buch in der Redak­ti­on von „ARD Aktu­ell“ scheint also immer noch der Meta­phern-Duden sein.

EU zu Ener­gie­markt

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Zum Jah­res­wech­sel dürf­ten vie­le Strom­kun­den noch gela­de­ner sein, denn die Ener­gie­prei­se dro­hen erneut zu stei­gen […]. Für *Ent*spannung will jetzt die Euro­päi­sche Uni­on sor­gen.“

Es folgt ein Bei­trag, des­sen Auf­hän­ger dar­in besteht, den EnBW-Chef Utz Cla­as­sen auf dem Weg zu sei­nem Auf­tritt bei „Hart aber fair“ zu beglei­ten. Man sieht dem armen Wirt­schafts­boss förm­lich an, wie oft er die Ein­gangs­tür des WDR-Funk­hau­ses öff­nen und dann forsch (oder bes­ser noch: „ener­ge­tisch“, haha!) an der Kame­ra vor­bei­ge­hen muss­te. Dafür hat er beim O‑Ton die schmu­cke Lob­by des Fünf­zi­ger-Jah­re-Baus am Köl­ner Wall­raf­platz im Nacken.

Dann steigt Cla­as­sen ille­ga­ler­wei­se in den welt­be­rühm­ten Pater­nos­ter ein (die Benut­zung ist aus Ver­si­che­rungs­grün­den aus­schließ­lich WDR-Ange­stell­ten vor­be­hal­ten) und ent­schwin­det nach oben aus dem Bild. Es folgt ein Schnitt und Ari­bert Peters vom Bund der Ener­gie­ver­brau­cher fährt im glei­chen Pater­nos­ter von oben ins Bild hin­ein. Wol­len Sie raten, wie der Off-Kom­men­tar dazu lau­tet?

Spre­che­rin: „In genau die ande­re Rich­tung bewer­ten Ver­brau­cher­ver­bän­de die Vor­schlä­ge.“

Herr Peters hat­te dann wohl noch das Glück, für wei­te­re Schnitt­bil­der das Funk­haus am hel­lich­ten Tag wie­der zu ver­las­sen und noch in der Tür sein Mobil­te­le­fon auf­zu­klap­pen und ans Ohr zu hal­ten, obwohl es garan­tiert nicht geklin­gelt hat.

Deut­sche Ein­heit

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Der Auf­schwung ist im Osten ange­kom­men, das sagt ein ver­hal­ten zuver­sicht­li­cher Wolf­gang Tie­fen­see und der müss­te es ja schließ­lich wis­sen: Ist er doch Ver­kehrs­mi­nis­ter – nicht nur, aber auch der Auf­bau-Ost-Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung. […] Aber die Sche­re zwi­schen Neu­en und Alten Bun­des­län­dern klaf­fe immer noch viel zu weit aus­ein­an­der. Tie­fen­see könn­te das wohl nir­gends bes­ser fest­stel­len als in – Tie­fen­see.“

Yes, inde­ed: Man hielt es für ein total ver­rück­te Idee, ins bran­den­bur­gi­sche Tie­fen­see zu fah­ren, um dort mal zu gucken, wie es im Osten denn so aus­sieht. Und da sage noch einer, Namens­wit­ze sei­en das Pri­vi­leg der Pri­vat­sen­der.

Schnitt­bild: Die Aus­la­ge eines Blu­men­händ­lers.
Spre­che­rin: „Blü­hen­de Land­schaf­ten am Orts­ein­gang. Kein Bäcker, kein Super­markt, kei­ne Knei­pe – abge­schafft, weil unren­ta­bel.“

Und kei­ne andert­halb Minu­ten spä­ter:

Schnitt­bild: Ver­las­se­nes Bahn­hofs­ge­bäu­de, Schwenk auf zuge­wach­se­ne Schie­nen.
Spre­che­rin: „Ist Tie­fen­see ent­gleist? Nein, aber Bahn­an­schluss gibt es trotz­dem kei­nen mehr.“

Meteo­ri­ten-Auf­prall

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Es war, gän­gi­gen Theo­rien zufol­ge, ein Meteo­rit, der vor 65 Mil­lio­nen Jah­ren das Schick­sal der Dino­sau­ri­er auf unse­rem Pla­ne­ten besie­gel­te. Ganz so gewal­tig war der Ein­schlag nicht, der sich am Wochen­en­de in Peru, unweit des Titi­ca­ca­sees ereig­ne­te, und doch hat der Meteo­ri­ten-Auf­prall mys­te­riö­se Fol­gen.“

Ach, geschenkt, dass wir das schon alle bemerkt hät­ten, wenn sich die Son­ne ver­fins­tert hät­te und wir aus­ge­stor­ben wären. Irgend­wie muss man ja das The­ma anmo­de­rie­ren und im Ver­gleich zu den Vox-Spät­nach­rich­ten, wo ein armer Fach­mann mit genau einem Satz zitiert wur­de („Ich glau­be nicht, dass das Außer­ir­di­sche waren“), ist der ARD-Bei­trag zum The­ma völ­lig in Ord­nung.

Wenn ich anfan­ge, klein­lich zu wer­den, bringt mich die­se eine Aus­ga­be des „Nacht­ma­ga­zins“ noch ins Grab. Wid­men wir uns also lie­ber noch kurz dem let­zen Bei­trag der Sen­dung. Es han­delt sich um ein klas­si­sches „Nachtmagazin“-Thema: Das Krat­zen an der Pop­kul­tur.

Pop­komm

Ingo Zam­pe­ro­ni: „Der Pop kommt – bei der Pop­komm. Aber nicht nur der: Auf der inter­na­tio­na­len Musik­mes­se geht es seit heu­te wie­der um die Trends und Neu­hei­ten in allen Berei­chen der Musik- und Unter­hal­tungs­bran­che.“

Ein Brül­ler ohne Ende. Aber mal was ganz ande­res: Der Pop kommt bei?! Nicht, dass ich Bas­ti­an Sick wäre, aber das ist doch unge­fähr so neben der Spur wie das Pla­kat, das über vie­le Jah­re in mei­ner Hei­mat­stadt ein umher­rei­sen­des Kin­der­pup­pen­thea­ter ankün­dig­te. Dort stand: „Der Kas­per kommt im Thea­ter­zelt“.

Ich bin mir sicher, dort hat man fast so viel gelernt wie beim „Nacht­ma­ga­zin“ – aber nur halb so viel gelacht.

Kategorien
Film

Fatih Akin kann es einfach

Dass Yeter ster­ben wird, erfah­ren wir noch bevor wir sie ken­nen­ge­lernt haben. Nach einem kur­zen Pro­log, den wir sehr viel spä­ter noch ein­mal sehen und erst dann ver­ste­hen wer­den, kommt eine Titel­ein­blen­dung: „Yeters Tod“.

Yeter (Nur­sel Köse) arbei­tet als Pro­sti­tu­ier­te in Bre­men. Bei ihrer Arbeit lernt sie den pen­sio­nier­ten Wit­wer Ali (Tun­cel Kur­tiz) ken­nen, der sie nach ein paar Besu­chen bit­tet, als sei­ne Lebens­ge­fähr­tin zu fun­gie­ren – den übli­chen Satz wer­de er ihr bezah­len. Alis Sohn Nejat (Baki Dav­rak) ist nicht son­der­lich begeis­tert von die­ser Akti­on sei­nes Alko­hol- und Herz­kran­ken Vaters, aber er ist beein­druckt von der Tat­sa­che, dass Yeter einen Groß­teil ihres Ver­diens­tes in die Tür­kei schickt, um ihrer Toch­ter das Stu­di­um zu finan­zie­ren. Als Yeter stirbt (s.o.), beglei­tet Nejat den Sarg in die Tür­kei und macht sich auf die Suche nach Yeters Toch­ter Ayten, von der Yeter lan­ge nichts mehr gehört hat­te.

Nurgül Yeşilçay und Patrycia Ziolkowska in “Auf der anderen Seite” (Pressefreigabe)Auch von Lot­te erfah­ren wir vor ihrem ers­ten Auf­tritt, dass sie ster­ben wird: „Lot­tes Tod“ steht auf dem Zwi­schen­ti­tel. In der Men­sa lernt die jun­ge Frau aus gutem Hau­se (Patrycia Ziol­kows­ka) Ayten ken­nen, die vor der tür­ki­schen Poli­zei geflo­hen ist und in Bre­men ihre Mut­ter sucht. Lot­te freun­det sich mit Ayten (Nur­gül Yeşil­çay) an und quar­tiert sie bei ihrer Mut­ter Susan­ne (Han­na Schy­gul­la) ein. Als Ayten in die Tür­kei abge­scho­ben wird (eben­so lapi­da­re wie irri­ge – und wohl lei­der auch authen­ti­sche – Begrün­dung: im Zuge des geplan­ten EU-Bei­tritts der Tür­kei wer­de ihr dort auch als poli­tisch Ver­folg­te schon nichts pas­sie­ren), reist Lot­te ihr hin­ter­her. Durch Zufall zieht sie bei Nejat, der sich inzwi­schen in Istan­bul nie­der­ge­las­sen hat, ein und kommt wenig spä­ter unter tra­gi­schen Umstän­den ums Leben.

Die drit­te Epi­so­de trägt den Namen, der auch auf den Kino­pla­ka­ten steht: „Auf der ande­ren Sei­te“. Susan­ne ist nach Istan­bul gereist, um zu erfah­ren, wo und wie ihre Toch­ter kurz vor ihrem Tod gelebt hat. Auch sie kommt bei Nejat unter und sie geht den Weg, den Lot­te ein­ge­schla­gen hat, wei­ter und holt Ayten aus dem Gefäng­nis. Ganz neben­bei bringt sie Nejat dazu, sich mit sei­nem Vater ver­söh­nen zu wol­len …

Was beim Lesen viel­leicht etwas unüber­sicht­lich, arg kon­stru­iert und unwahr­schein­lich wirkt, ist in Fatih Akins fünf­tem Spiel­film völ­lig orga­nisch. Es sind die Geschich­ten drei­er Elter-und-Kind-Paa­re1, Hanna Schygulla und Bavi Davrak in “Auf der anderen Seite” (Pressefreigabe)wobei der direk­te Kon­takt zwi­schen Eltern und Kin­dern eher gering ist. Die Hand­lungs­fä­den sind kunst­voll mit­ein­an­der ver­wo­ben, die Haupt­per­so­nen aber lau­fen mehr­mals knapp anein­an­der vor­bei. Man ahnt das Reiß­brett, an dem Akin sei­ne Geschich­ten neben­ein­an­der auf­ge­zeich­net und hin­ter­ein­an­der arran­giert haben muss um den Über­blick zu behal­ten, und trotz­dem sind die Geschich­ten eben­so glaub­wür­dig wie die Cha­rak­te­re. Den Dreh­buch­preis in Can­nes hat er also völ­lig zu Recht gewon­nen.

Neun Jah­re nach sei­nem Regie­de­büt „Kurz und schmerz­los“ und drei­ein­halb Jah­re nach dem furio­sen „Gegen die Wand“ lässt sich leicht zusam­men­fas­sen: Fatih Akin kann es ein­fach. Zwar sind der­ar­ti­ge Erzähl­mus­ter längst kei­ne Sen­sa­ti­on mehr, aber es gibt ja auch genug Regis­seu­re, die schon an einer völ­lig linea­ren Hand­lung schei­tern. Nicht so Fatih Akin: Er bringt die ganz gro­ßen The­men, ohne dass die­se den Film bemüht oder bedeu­tungs­schwan­ger erschei­nen lie­ßen. Er kom­po­niert Bil­der und Dia­log so geschickt, dass man sich hin­ter­her fragt, ob über­haupt gespro­chen wur­de.

Fatih Akin sieht sei­nen Film nicht als einen „poli­ti­schen“ an und ver­mut­lich hat er recht: Auch wenn es am Ran­de um Abschie­bung, tür­ki­sche Gefäng­nis­se und „Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen“ geht; auch wenn der Film einer Bre­mer Demo zum ers­ten Mai mit Brat­wurst essen­den Ver.di-Funktionären und Spiel­manns­zug Ran­da­le in Istan­bul gegen­über­stellt: das Poli­ti­sche ist immer nur Hin­ter­grund für die pri­va­ten Schick­sa­le. „Auf der ande­ren Sei­te“ ist aber ein Film über Idea­le. Nejat sucht Ayten, weil er ihr auch nach dem Tod der Mut­ter das Stu­di­um ermög­li­chen möch­te; Lot­te nimmt Ayten bei sich auf und folgt ihr in die Tür­kei, weil es ihr wich­tig und rich­tig erscheint, für ihre Freun­din zu kämp­fen; Susan­ne macht schließ­lich wei­ter, was Lot­te nicht zu Ende füh­ren konn­te. So wie Ali und Nejat abwech­selnd Deutsch und Tür­kisch mit­ein­an­der spre­chen, so ver­schwim­men auch die Gren­zen zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei im Film, denn wer wo für jeman­den kämpft, ist zweit­ran­gig. Der ein­zi­ge sicht­ba­re Unter­schied besteht in den hel­len, far­ben­fro­hen Bil­dern des leben­di­gen Istan­buls auf der einen, und den kühl und klar struk­tu­riert erschei­nen­den deut­schen Städ­ten Ham­burg und Bre­men auf der ande­ren Sei­te.

“Auf der anderen Seite” (Filmplakat)Auch die Bezie­hun­gen zwi­schen Eltern und Kin­dern sind uni­ver­sell: Eltern lügen ihre Kin­der an, weil sie nur das Bes­te für sie wol­len; Kin­der wol­len auf kei­nen Fall wie ihre Eltern wer­den und fin­den sich plötz­lich in deren Fuß­stap­fen wie­der; Eltern wol­len, dass ihre Kin­der etwas aus ihrem Leben machen, und sind dann irri­tiert, wenn die Kin­der tat­säch­lich mal aktiv wer­den. Gera­de Han­na Schy­gul­la spielt die Mut­ter, die immer wie­der über ihre Gren­zen geht, erst als han­sea­tisch-vor­neh­me Dame, die aber die gan­ze Zeit über ein gro­ßes Herz hat und von der man nach und nach erfährt, wie unkon­ven­tio­nell sie eigent­lich ist. Außer­dem hat sie eine gro­ße Ner­ven­zu­sam­men­bruch-Sze­ne, die völ­lig mini­ma­lis­tisch anfängt und dann trotz Auf-dem-Boden-wäl­zen und Schrei­en nicht pein­lich wird. „Schau­spiel­le­gen­de“, eben.

Die 122 Minu­ten von „Auf der ande­ren Sei­te“ kom­men einem län­ger vor. Aber nicht, weil sich der Film so zöge und lang­at­mig wür­de, son­dern weil so viel pas­siert und es auch neben dem Offen­sicht­li­chen noch viel zu ent­de­cken gibt. Fatih Akin schafft es sogar, sei­ne ganz eige­ne Ring­pa­ra­bel in der Geschich­te zu ver­stau­en, indem er Baki Dav­rak aus dem Koran erzäh­len lässt, von einem Mann, der Allah sei­nen Sohn opfern soll. Und wenn Han­na Schy­gul­la an die­ser Stel­le nicht für das unstudier­te Publi­kum sekun­die­ren müss­te: „Die Geschich­te gibt es bei uns auch!“ (auf­merk­sa­me Kin­der­got­tes­dienst­be­su­cher wis­sen: Abra­ham und Isaak), dann wäre das ein rich­tig wei­ser und erhel­len­der Moment.

„Auf der ande­ren Sei­te“ läuft ab heu­te in Ham­burg und ab 27. Sep­tem­ber in ganz Deutsch­land.

Offi­zi­el­le Web­site

1 Ich hab kei­nen Nerv, mir von der deut­schen Spra­che den Sin­gu­lar für „Eltern“ aus­re­den zu las­sen. Wenn nur genug mit­ma­chen, wird „ein Elter“ irgend­wann nor­mal.

Kategorien
Film Leben

Meine erste Pressevorführung

Ich ver­öf­fent­li­che jetzt seit fast acht Jah­ren Film­kri­ti­ken im Inter­net. Ich habe bis­her hun­der­te von Fil­men in Dut­zen­den von Kino­sä­len auf zwei Kon­ti­nen­ten gese­hen, war bei Pre­views dabei, bei Vor­pre­mie­ren in Anwe­sen­heit von Mit­wir­ken­den und bei Film­fes­ti­vals. Aber heu­te war ich zum aller­ers­ten Mal bei einer Pres­se­vor­füh­rung.

Das ist in etwa so spek­ta­ku­lär, wie es sich anhört: Man muss zu einer weit­ge­hend abnor­men Kino­zeit (11 Uhr sei noch spät, hieß es) in einem gro­ßen, schmu­cken Kino antan­zen, trägt sich in eine Lis­te ein, schüt­telt Hän­de mit den loka­len Beauf­trag­ten und den Kol­le­gen der ande­ren „Pres­se­or­ga­ne“, kann sich was zu Trin­ken aus­su­chen und setzt sich dann mit einem Halb­dut­zend Cine­as­ten­säue in einen rie­si­gen Kino­saal.

Kei­ner raschelt mit dem Pop­corn, kein Han­dy klin­gelt und nie­mand quas­selt. Lei­der hat­te auch kei­ner der Kol­le­gen so einen cra­zy Leucht­ku­gel­schrei­ber dabei, die ich bis­her für ein unab­ding­ba­res Arbeits­in­stru­ment des gemei­nen Film­kri­ti­kers hielt.

Übri­gens tau­ge ich offen­bar noch nicht zum Film­kri­ti­ker: Mei­ne Mat­te mag von der Berufs­ver­ei­ni­gung der Musik­jour­na­lis­ten abge­seg­net sein, als pro­fes­sio­nel­ler Kino­gän­ger müss­te ich mein Haar aber grau und 5 Mil­li­me­ter lang tra­gen. Und mei­ne Bril­le hät­te ich auch von Anfang an auf­ha­ben müs­sen, um echt aus­zu­se­hen. Die habe ich natür­lich wie­der erst im Saal auf­ge­setzt, als ich fest­stell­te, dass ich die Lein­wand sonst nicht sehen kann.

Einen Film habe ich natür­lich auch gese­hen, aber die Bespre­chung dazu gibt’s erst mor­gen. Ein biss­chen Span­nung muss hier ja auch mal sein.

Was?

Nein, es war nicht „Kili­ans – Der Film“. Scherz­keks!

Nach­trag 20. Sep­tem­ber: Die Film­kri­tik gibt’s jetzt hier.

Kategorien
Politik Gesellschaft

Rollenspiel

Stel­len Sie sich bit­te für einen Moment mal vor, Sie wären Ange­la Mer­kel. Das mit dem Gesicht und der Fri­sur über­las­sen wir schön den Kol­le­gen vom Pri­vat­fern­se­hen, dort macht man ja auch noch Namens­wit­ze.

Sie wären viel­mehr die ers­te Kanz­le­rin in der Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik und beliebt wie nur sonst was. Sie hät­ten in die­sem Jahr als weib­li­ches Gegen­stück zu Al Gore den Kli­ma­wan­del gestoppt und sogar die „New York Times“ hät­te gera­de groß über Sie und Ihren Rück­halt im Vol­ke berich­tet. Natür­lich wären Sie auch so beliebt, weil Sie in fast zwei Jah­ren Regie­rung nichts getan hät­ten und die gan­zen unbe­que­men Refor­men, die jetzt zu wir­ken begön­nen, alle noch auf das Kon­to der Vor­gän­ger­re­gie­rung gin­gen, aber das könn­te Ihnen ja im Prin­zip egal sein. Die ein­zi­gen Sor­gen, mit denen Sie sich bis jetzt hät­ten rum­schla­gen müs­sen, wären eine miss­glück­te Gesund­heits­re­form, leich­te Wider­stän­de gegen das „Eltern­geld“ Ihrer Fami­li­en­mi­nis­te­rin und das gan­ze Thea­ter um die Sicher­heit beim G8-Gip­fel gewe­sen.

Und dann hät­te irgend­je­mand ein paar Türen in ein paar Minis­te­ri­en nicht ord­nungs­ge­mäß ver­schlos­sen und zwei Minis­ter wür­den plötz­lich mit dem Bol­ler­wa­gen durch die deut­sche Medi­en­land­schaft zie­hen um dem letz­ten Bun­des­bür­ger klar zu machen, dass Sie Ihr Kabi­nett über­haupt nicht unter Kon­trol­le hät­ten.

Dass Wolf­gang Schäub­le seit Mona­ten immer tie­fe­re Ein­schnit­te in die Grund­rech­te der Bür­ger, Ihrer Wäh­ler, for­dert, wäre den meis­ten Betrof­fe­nen noch total egal gewe­sen. Doch plötz­lich wür­de der Mann alle noch mal über­ra­schen und mun­ter her­umer­zäh­len, er hiel­te es ja nur noch für eine Fra­ge der Zeit, bis mal ein Ter­ro­rist daher­kom­me und eine Atom­bom­be zün­de.1

Fast zeit­gleich wür­de sich Ihr Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter hin­stel­len und einen Vor­schlag der Vor­gän­ger­re­gie­rung, den das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt hät­te, wie­der her­vor­ho­len und öffent­lich ankün­di­gen, im Zwei­fels­fal­le auf Ver­fas­sung und Gericht zu schei­ßen und auf ent­führ­te Flug­zeu­ge zu schie­ßen. In den „Tages­the­men“ wür­de er auf die Fra­ge, ob sein Vor­stoß über­haupt mit Ihnen abge­spro­chen sei, ant­wor­ten, er und der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter sei­en die bes­ten Bud­dies über­haupt und die Fra­ge ansons­ten unbe­ant­wor­tet las­sen. Poli­ti­ker diver­ser ande­rer Par­tei­en und die Bun­des­luft­waf­fe wür­den sich gegen sei­nen Vor­schlag weh­ren und in Deutsch­land herrsch­te eine Auf­ruhr, als habe gera­de jemand Hit­lers Fami­li­en­po­li­tik gelobt oder Kunst als „ent­ar­tet“ bezeich­net.

Was wür­den Sie, der Sie ja Ange­la Mer­kel wären, jetzt tun?

1 Dass Schäub­le meint, wir soll­ten uns „die ver­blei­ben­de Zeit“ nicht auch noch „ver­der­ben, weil wir uns vor­her schon in eine Welt­un­ter­gangs­stim­mung ver­set­zen“, anstatt end­lich mal das zu tun, was er die gan­ze Zeit vor­gibt zu wol­len, näm­lich die Sicher­heit der Bür­ger zu schüt­zen, ist eigent­lich einen eige­nen Wut­an­fall wert.