Rollenspiel

Von Lukas Heinser, 17. September 2007 14:36

Stellen Sie sich bitte für einen Moment mal vor, Sie wären Angela Merkel. Das mit dem Gesicht und der Frisur überlassen wir schön den Kollegen vom Privatfernsehen, dort macht man ja auch noch Namenswitze.

Sie wären vielmehr die erste Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik und beliebt wie nur sonst was. Sie hätten in diesem Jahr als weibliches Gegenstück zu Al Gore den Klimawandel gestoppt und sogar die „New York Times“ hätte gerade groß über Sie und Ihren Rückhalt im Volke berichtet. Natürlich wären Sie auch so beliebt, weil Sie in fast zwei Jahren Regierung nichts getan hätten und die ganzen unbequemen Reformen, die jetzt zu wirken begönnen, alle noch auf das Konto der Vorgängerregierung gingen, aber das könnte Ihnen ja im Prinzip egal sein. Die einzigen Sorgen, mit denen Sie sich bis jetzt hätten rumschlagen müssen, wären eine missglückte Gesundheitsreform, leichte Widerstände gegen das „Elterngeld“ Ihrer Familienministerin und das ganze Theater um die Sicherheit beim G8-Gipfel gewesen.

Und dann hätte irgendjemand ein paar Türen in ein paar Ministerien nicht ordnungsgemäß verschlossen und zwei Minister würden plötzlich mit dem Bollerwagen durch die deutsche Medienlandschaft ziehen um dem letzten Bundesbürger klar zu machen, dass Sie Ihr Kabinett überhaupt nicht unter Kontrolle hätten.

Dass Wolfgang Schäuble seit Monaten immer tiefere Einschnitte in die Grundrechte der Bürger, Ihrer Wähler, fordert, wäre den meisten Betroffenen noch total egal gewesen. Doch plötzlich würde der Mann alle noch mal überraschen und munter herumerzählen, er hielte es ja nur noch für eine Frage der Zeit, bis mal ein Terrorist daherkomme und eine Atombombe zünde.1

Fast zeitgleich würde sich Ihr Verteidigungsminister hinstellen und einen Vorschlag der Vorgängerregierung, den das Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt hätte, wieder hervorholen und öffentlich ankündigen, im Zweifelsfalle auf Verfassung und Gericht zu scheißen und auf entführte Flugzeuge zu schießen. In den „Tagesthemen“ würde er auf die Frage, ob sein Vorstoß überhaupt mit Ihnen abgesprochen sei, antworten, er und der Bundesinnenminister seien die besten Buddies überhaupt und die Frage ansonsten unbeantwortet lassen. Politiker diverser anderer Parteien und die Bundesluftwaffe würden sich gegen seinen Vorschlag wehren und in Deutschland herrschte eine Aufruhr, als habe gerade jemand Hitlers Familienpolitik gelobt oder Kunst als „entartet“ bezeichnet.

Was würden Sie, der Sie ja Angela Merkel wären, jetzt tun?

1 Dass Schäuble meint, wir sollten uns „die verbleibende Zeit“ nicht auch noch „verderben, weil wir uns vorher schon in eine Weltuntergangsstimmung versetzen“, anstatt endlich mal das zu tun, was er die ganze Zeit vorgibt zu wollen, nämlich die Sicherheit der Bürger zu schützen, ist eigentlich einen eigenen Wutanfall wert.

8 Kommentare

  1. Marsellinho
    17. September 2007, 14:51

    Na, wie gut, dass das nur ein Gedankenspiel ist und mit der Realität nichts zu tun hat. ^^

    Aber Spaß beiseite: Das mit der Atombomxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx=[DER REST DES TEXTES WURDE VON DER BUNDESINTERNETAUFSICHTSBEHÖRDE FÜR VOLKSSICHERHEIT IN ONLINEMEDIEN ZU IHREM SCHUTZ ENTFERNT, IHRE BIABFVSIOM]=xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

  2. Sebastian
    17. September 2007, 17:01

    Eines muss man der Vorgängerregierung lassen, Schröder hatte überhaupt kein Problem damit, Minister zu feuern, die Mist gebaut haben. Das war zwar manchmal bisschen überzogen (ich denke da an Däubler-Gmelin und einen relativ harmlosen Vergleich), aber wenigstens war er da konsequent.

    Bei Merkel findet sowas überhaupt nicht statt. Ich denke, deswegen konnte sie so weit kommen. Jeder wusste, dass man unter ihr einen sicheren Job hat, denn sie steht stets hinter den Positionen ihrer Mannen, komme was da wolle. Eigentlich traurig.

  3. Alberto Green
    17. September 2007, 18:35

    Der will ja bis dahin das Grundgesetz ändern.
    Ich glaub, der hat noch nicht mitbekommen, daß laut Gerichtsbeschluß ein Abschuß die Menschenwürde der Insassen verletzen würde und er Artikel 1 ändern müßte, ungefähr in:
    „Die Würde des Menschen ist unantastbar, es sei denn du sitzt im falschen Flieger, Arschloch!“

  4. Lukas
    17. September 2007, 18:51

    @Sebastian: Wie viel Frau Merkel von Personalentscheidungen hält, zeigt sich doch bestens bei der Besetzung eben jenes Innenministerpostens: Da setzte sie auf einen Mann, der zuvor schon politisch tot war und den sie fünf Jahre zuvor in der unrühmlichsten Stunde der CDU als Parteivorsitzende beerbt hatte.

  5. OliverDing
    17. September 2007, 22:47

    Was erwartet man von einer Partei, bei der ein Ministerpräsident nur durch Glück ein paar noch dreckigere Typen vor der Nase hatte, die in erwähnter Stunde dann den Kopf hinhalten mußten, dessen Wahlsieg u.a. mit Hilfe deren Finanzgrundlage ermöglicht wurde und der dann kurz danach mit oscarreif gespielter Echauffierung der damals noch amtierenden Regierung „Wahlbetrug“ vorwarf, weil diese zwar keine Stimmen gefälscht hatte, aber Versprechend nicht hatte halten können, weil die damalige Opposition sie daran hinderte?

  6. ckwon
    18. September 2007, 10:39

    Also, wenn ich Angela Merkel wäre, würde ich in der Situation einfach nochmal nach China reisen und ganz mutig die paar Kritiker, die es da zu Alibizwecken gibt, zu éiner Schüssel Reis einladen.

  7. Michael
    19. September 2007, 13:04

    Was würde Frau Merkel tun? Natürlich das, was sie am besten kann.
    .
    .
    .
    .
    Genau. Gar nichts. Hat doch geklappt, oder?

  8. Jeden Tag so viele nette Leute | Die Sockenseite
    31. Oktober 2013, 14:02

    […] und musste losbrüllen vor Lachen. Doch bevor ich den Gedanken zuende gedacht hatte, dass ihre Chefin Angela doch schon eine Regierung beisammen hätte, merkte ich, dass es gar nicht um die angemessene […]