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Lucky & Fred: Episode 7

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Nach einem gewohnt launigen Auftakt wollen wir uns kritisch zum Zeitgeschehen äußern: Was haben Lebkuchen, Sharia und Waschstraßen miteinander zu tun und was ist das Yoko-Ono-Prinzip bei deutschen Kanzlergattinnen?
Wir sprechen über WDR-Redakteur Heribert Schwan, der 600 Stunden im Keller von Helmut Kohl gefangen war, die Wiedervereinigung des maroden Deutschlands und die Dreiteilung des Ruhrgebiets, gründen die Bewegung der Heimatvertriebenen der Alten Bundesrepublik und erklären, wofür es die FDP und die Piratenpartei braucht.
Außerdem: Kartoffelernte auf Facebook.

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Nimm mich, holdes Marzipan

Werbeplakat am Union Square, San Francisco, CA (November 2006)

Es ist wieder soweit: In den Supermärkten stehen Lebkuchen, Spekulatius und Marzipankartoffeln zur Abholung bereit und die Menschen stehen davor und sagen: “Guck mal, Heinz, es gibt schon wieder Weihnachtsgebäck!

Das wirft die Frage auf, wo diese Menschen die letzten drei Wochen Einkaufen waren, denn Weihnachtsgebäck gibt es bereits seit Ende August wieder zu kaufen. Ich habe schon mehrere Pakete Lebkuchenherzen, -sterne und -brezeln gekauft und diese mit Freuden verspeist. Das Wetter passt, mir schmeckt das Zeugs einfach und ich habe als (noch) freier Bürger wenig Lust, mir von planwirtschaftlich operierenden Backwarenkonzernen vorschreiben zu lassen, wann ich welche Art Gebäck verzehren möchte. Außerdem gehe ich durch frühzeitigen Verzehr sicher, dass mir Printen, Dominosteine und Pfeffernüsse spätestens zu Nikolaus zum Halse raushängen und ich mich in der eigentlichen Weihnachtszeit voll und ganz auf den Verzehr fetter Braten, dicker Klöße und hausgemachter Apfelkompötte konzentrieren kann.

Da sich der Erstverkaufstag der Weihnachtsgebäcke in den letzten Jahren nur minimal nach vorne verschoben haben dürfte, besteht indes kein Grund, in diesem Jahr wieder Kolumnen und Editoriale mit dem Hinweis zu füllen, dass es ja schon im September Lebkuchen und Stollen zu kaufen gäbe und ob das nicht etwas früh sei. Dieses Thema ist so ausgelutscht wie die Tomatensaftglosse der Neunziger Jahre. Wenn Ihr irgendwas Witziges “aus dem Leben” verarbeiten wollt, müsst Ihr wohl oder übel mal Eure Schreibstuben verlassen, liebe Kollegen, und mal eine Viertelstunde real life auschecken. Supermarktkassen sind da z.B. eine töfte Inspirationsquelle – aber bitte nicht darüber schreiben, dass man immer in der langsameren Schlange steht!

Was mich am vorweihnachtlichen Geschäftsgebaren irritiert, ist etwas völlig anderes: Letztes Jahr fiel mir erstmals auf, dass diverse Modeketten und Versandhäuser, aber auch Kaffeeröster, etwa ab November die Innenstädte mit leichtbekleideten Frauen zuplakatierten. Auf riesigen Plakatwänden und in Schaufenstern wurde die Sorte Damenunterwäsche angepriesen, die eigentlich nur schreit “Hallo Schatz, sieh mal, ich hab mich hübsch gemacht und jetzt nimm mich, holder Recke!” Mir war zuvor nie aufgefallen, dass Weihnachten ein derart plakativ angegangenes Sex-Spektakel sein könnte – auch wenn das erklären würde, warum so viele Freunde von mir im September Geburtstag haben.

Diese Jahr, jedenfalls, schmücken die Push-Up-BHs, Hemdchen, Höschen, Tangas, Hot Pants und Korsagen schon im September die Schaufenster völlig seriöser Bekleidungsgeschäfte und wer sagt, das sei sexistisch, hat natürlich völlig Recht: Überall nur halbnackte Frauen und nirgends werden Produkte für den Herrn angeboten, der sich hübsch machen will.