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Musik Literatur

„Das ist keine Reisegruppe“
Ein Interview mit Sven Regener

Musik­jour­na­lis­ten erzäh­len häu­fi­ger, dass sie rela­tiv wenig Ambi­tio­nen hät­ten, ihre per­sön­li­chen Hel­den zu tref­fen. Zu groß ist die Angst, dass sich der über lan­ge Jah­re Bewun­der­te als lang­wei­lig oder – schlim­mer noch – unsym­pa­thisch her­aus­stellt, dass einem kei­ne guten Fra­gen ein­fal­len oder man ver­se­hent­lich die eige­nen Freun­de mit rein­zieht.

Vor Sven Rege­ner habe ich einen Hei­den­re­spekt: Die Musik sei­ner Band Ele­ment Of Crime beglei­tet mich schon län­ger, die letz­ten bei­den Alben habe ich rauf und run­ter gehört und sei­ne Roman­tri­lo­gie über Frank Leh­mann habe ich mit gro­ßem Gewinn gele­sen. Außer­dem muss ich immer an jenes legen­dä­re Inter­view mit der (inzwi­schen fast schon wie­der völ­lig ver­ges­se­nen) „Net­zei­tung“ den­ken.

Es hät­te also gute Grün­de gege­ben, sich nicht um ein Inter­view mit dem Mann zu bemü­hen, obwohl er mit Ele­ment Of Crime in Bochum war. Aber ein kur­ze Begeg­nung beim letzt­jäh­ri­gen Fest van Cleef hat­te mich so weit beru­higt, dass ich gewillt war, mich auf das Expe­ri­ment ein­zu­las­sen.

Element Of Crime (Archivfoto vom Fest van Cleef 2009)

Kurz bevor es los­ging sag­te er: „So, wir duzen uns. Ich bin Sven.“ Gut, dass das vor­ab geklärt ist, Respekts­per­so­nen wür­de man ja sonst auch sie­zen.

Wie das Gespräch dann lief, kön­nen Sie jetzt sel­ber hören und beur­tei­len. Zu den The­men zäh­len Sven Rege­ners Tour­blog, klei­ne­re Städ­te, „Romeo und Julia“, Cover­ver­sio­nen und Vor­bands.

Inter­view mit Sven Rege­ner
(Zum Her­un­ter­la­den rechts kli­cken und „Ziel spei­chern unter …“ wäh­len.)

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Leben

Feels Like Home

Men­schen mit ent­spre­chen­den Erfah­run­gen erklä­ren ger­ne, ein Kind zu bekom­men wür­de die Sicht­wei­se auf die Welt völ­lig ver­än­dern. Ich bin weit davon ent­fernt, dem wider­spre­chen zu wol­len (oder zu kön­nen), aber ich kann die­sen Men­schen zuru­fen: „Für einen Per­spek­tiv­wech­sel braucht’s kei­nen unge­schütz­ten Geschlechts­ver­kehr. Ein Umzug tut’s auch.“

In den letz­ten Wochen und Mona­ten habe ich mich mit Fra­gen zu Boden­be­lä­gen, Wand­far­ben, Tele­fon­an­bie­tern und Möbeln her­um­ge­schla­gen. Ich habe ange­fan­gen, Wer­be­pro­spek­te auf Kühl­schrän­ke, Wasch­ma­schi­nen und Dusch­köp­fe abzu­su­chen. Ich bin in eine Welt abge­taucht, in der man sich freut, dass die Far­be, die man gera­de gleich­mä­ßig auf Zim­mer­de­cke und eige­nem Haupt­haar ver­teilt hat, was­ser­lös­lich ist (was der Lack für Heiz­kör­per und Fuß­leis­ten übri­gens nicht ist). Gesprä­che im Freun­des- und Fami­li­en­kreis dre­hen sich plötz­lich um Küchen­fron­ten und die rich­ti­ge Metho­de, gera­de Lini­en abzu­kle­ben.

Bei der Reno­vie­rung ist mir auf­ge­fal­len, wie egal einem die­ses Inter­net wer­den kann: Für die wirk­lich bedeut­sa­men Nach­rich­ten hat man ja WDR 2, alles wei­te­re kann man abends in zwan­zig Minu­ten über­flie­gen. Und falls sich jemand Sor­gen macht, weil man seit der Fra­ge „Wel­cher die­ser bei­den Dräh­te gehört wo hin?“ kein Sta­tus­up­date mehr bei Face­book durch­ge­führt hat, wird er schon anru­fen oder eine SMS schi­cken.

Am Wochen­en­de bin ich end­lich umge­zo­gen. Das zeit­li­che Ver­hält­nis von Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung ent­sprach dabei in etwa dem Ver­hält­nis zwi­schen WM-Qua­li­fi­ka­ti­on und Im-rich­ti­gen-Moment-den-Fuß-Hin­hal­ten im Fina­le.

Jetzt ste­he ich vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen: Wie sor­tie­re ich mei­ne Bücher neu? Wie krie­ge ich mei­ne Woh­nung rich­tig beheizt? In wel­chem der vie­len Zim­mer könn­te ich jetzt schon wie­der Schlüs­sel und Porte­mon­naie lie­gen gelas­sen haben? Zumin­dest bei der ers­ten Fra­ge kön­nen Freun­de mit Fach­wis­sen wei­ter­hel­fen.

Statt über mei­ne Mit­be­woh­ner kann ich mich jetzt über die Selbst­mon­ta­ge­mö­bel schwe­di­scher Prä­gung auf­re­gen, die jeder ander Mensch (oder zumin­dest: jede mir bekann­te Frau) in die­sem Uni­ver­sum in einer hal­ben Stun­de auf­ge­baut bekommt, wäh­rend ich nach vier Stun­den mit hei­se­rer Stim­me krei­sche: „Ach, als ob die­se eine Schrau­be für die Sta­tik des gan­zen Regals ent­schei­dend wäre …“

Schwe­rer noch wird es, mich an die Super­märk­te im neu­en Stadt­teil zu gewöh­nen. Ver­gan­ge­ne Woche bin ich zehn Minu­ten durch den Aldi geirrt, ohne die ver­damm­ten Nudeln zu fin­den. Und ohne Nudeln fehlt mir schon mal ein Drit­tel mei­nes Spei­se­plans. Außer­dem muss ich eine neue „Bild“-Verkaufsstelle fin­den – oder bes­ser: meh­re­re.

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Rundfunk Radio

Ich, WDR 2

Radio-Symbolbild

Ich reno­vie­re ja zur Zeit eine ehe­mals mil­de sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Zwei-Zim­mer-Woh­nung in der Nähe der Bochu­mer Innen­stadt, wes­we­gen ich auch so sel­ten dazu kom­me, irgend­wel­che Tex­te zu schrei­ben. Weil die Geräu­sche, die so eine Reno­vie­rung macht, extrem lang­wei­lig sind (und ich mich immer noch jedes Mal erschre­cke, wenn mei­ne Gas-Ther­me anspringt), habe ich mir ein Radio in die Woh­nung gestellt. Es soll mich mit aktu­el­len Nach­rich­ten und gefäl­li­ger Musik ver­sor­gen, soll unter­hal­ten, aber nicht anstren­gen – kurz­um: Es soll das tun, wozu ein Neben­bei­me­di­um wie das Radio heut­zu­ta­ge da ist.

Ich habe mich not­ge­drun­gen für WDR 2 ent­schie­den. Bei mei­nen Eltern ist WDR 2 seit Jahr­zehn­ten in den Radi­os in Küche, Wohn­zim­mer und Auto ein­ge­stellt, und ich selbst höre den Sen­der seit eini­ger Zeit beim Früh­stück, noch dazu jeden Sams­tag­nach­mit­tag, wenn Fuß­ball ist. Es ist der Sen­der, mit dem ich auf­ge­wach­sen bin, und noch heu­te erin­nern mich Namen wie Horst Kläu­ser, Micha­el Bro­cker oder Gise­la Stein­hau­er an die Nach­mit­ta­ge mei­ner Kind­heit, an denen wir zum Ein­kau­fen fuh­ren oder zu Freun­den gebracht wur­den und im Auto­ra­dio das „Mit­tags­ma­ga­zin“ lau­fen hat­ten.

Ich höre WDR 2 nicht, weil der Sen­der so gut wäre, son­dern weil er alter­na­tiv­los ist: Eins Live ist für mich inzwi­schen uner­träg­lich gewor­den, WDR5 hat einen viel zu hohen Wort­an­teil und zu lan­ge Bei­trä­ge, wegen derer man dann zwan­zig Minu­ten lang den Staub­sauger nicht ein­schal­ten darf, und Deutsch­land­funk und Deutsch­land­ra­dio Kul­tur kann ich auch noch hören, wenn ich eben­so tot bin wie die Macher. CT das radio wäre nahe­lie­gend, habe ich kürz­lich auch pro­biert, aber da fehl­ten mir dann tags­über wie­der die Inhal­te. Es bleibt also wirk­lich nur WDR 2, wo die meis­ten Mode­ra­to­ren ganz sym­pa­thisch sind, die meis­ten Bei­trä­ge vor­her­seh­bar bie­der und man ins­ge­samt weiß, was man hat – so wie in einer lang­jäh­ri­gen Ehe halt.

Das Pro­blem ist: Der durch­schnitt­li­che Hörer hört einen Sen­der am Tag etwa 30 Minu­ten beim Früh­stück, Auto­fah­rer evtl. ein biss­chen mehr. Das Pro­gramm ist nicht dar­auf aus­ge­legt, den gan­zen Tag über zu lau­fen. Wer es trotz­dem ein­ge­schal­tet lässt, bekommt die Quit­tung: Die stän­di­ge Wie­der­ho­lung.

Ein Bei­trag, der in der „West­zeit“ lief, kann bequem noch mal bei „Zwi­schen Rhein und Weser“ recy­celt wer­den. Was im „Mit­tags­ma­ga­zin“ vor­kam, kann bei „Der Tag“ vier Stun­den spä­ter noch ein­mal lau­fen. Die Kurz­form bekommt man in der Zeit dazwi­schen alle zwei Stun­den in den Nach­rich­ten ein­ge­spielt. Der „Stich­tag“ wird eh zwei Mal am Tag aus­ge­strahlt (9.40 Uhr und 17.40 Uhr) – bei­de Male mit der wort­glei­chen An- und Abmo­de­ra­ti­on.

Beson­ders schlimm war es rund um den Jah­res­wech­sel: Vie­le Redak­teu­re hat­ten Urlaub und Rück­bli­cke und Vor­schau­en auf kul­tu­rel­le oder sport­li­che Groß­ereig­nis­se konn­ten belie­big oft gesen­det wer­den. Zeit­lo­se Bei­trä­ge wie der über die kal­ten Füße („War­um hat man sie, was kann man dage­gen tun?“) oder den Kauf des rich­ti­gen Ski-Helms wur­den ver­mut­lich im Okto­ber pro­du­ziert und lau­fen bis März alle andert­halb Wochen, dann wer­den sie ein­ge­mot­tet und erst im Fol­ge­win­ter wie­der her­vor­ge­holt.

Zwi­schen­durch läuft viel Musik, aber nur wenig unter­schied­li­che. Nach ein paar Tagen weiß ich, wel­che Songs auf wel­chen Rota­ti­ons­stu­fen lau­fen. Auf der höchs­ten bei­spiels­wei­se „Aero­pla­ne“ von Rea­m­onn, „Wheels“ von den Foo Figh­ters, „Fire­f­lies“ von Owl City und elen­di­ger­wei­se auch „If Today Was Your Last Day“ von Nickel­back. „I Will Love You Mon­day (365)“ von Aura Dio­ne ist ganz offen­sicht­lich der grau­en­er­re­gends­te Song des Jah­res 2009 (viel­leicht auch der schlech­tes­te Song, der jemals auf­ge­nom­men wur­de), aber das muss ja nicht alle 14 Stun­den aufs Neue bewie­sen wer­den. Stan­four kom­men von der Insel Föhr, was jedes ver­damm­te Mal in der Abmo­de­ra­ti­on erwähnt wer­den muss – dass Föhr die zweit­größ­te deut­sche Nord­see­insel ist, erfährt man nur alle drei bis vier Ein­sät­ze.

Unge­fähr die Hälf­te aller WDR2-Songs klingt so ähn­lich, dass man sich beim Zäh­len stän­dig ver­tut: Eine jun­ge Frau singt ein biss­chen soulig über einen Typen, der sie schlecht behan­delt, den sie aber trotz­dem liebt. Sie bleibt eine tap­fe­re, eigen­stän­di­ge Frau, wäh­rend im Hin­ter­grund das von den 1960er-Jah­ren inspi­rier­te Arran­ge­ment mit Blä­sern und Chö­ren schun­kelt. Mark Ron­son hat das Tor zur Höl­le auf­ge­sto­ßen, als er Amy Wine­house und Lily Allen pro­du­zier­te.

Eine Zeit lang den­ke ich, dass es an der eige­nen Radio­er­fah­rung liegt, dass mir das alles auf­fällt. Dann kom­men mei­ne Geschwis­ter zum Anstrei­chen und ver­kün­den, wel­cher Song in wel­cher Stun­de lau­fen wird (bei Eins Live kann man es auf die Minu­te genau vor­her­sa­gen). Nach vier Tagen ken­ne ich die Schicht­plä­ne der Nach­rich­ten­spre­cher und die Sen­de­uhr, nach acht Tagen bin ich die Sen­de­uhr.

Noch öfter als Bei­trä­ge und Musik­stü­cke wie­der­holt sich die Wer­bung – jede hal­be Stun­de. Ex-Deutsch­land­funk-Chef Ernst Elitz hat­te völ­lig Recht, als er ein­mal sinn­ge­mäß sag­te, Radio­wer­bung habe – im Gegen­satz zu Kino- oder Fern­seh­wer­bung – nie neue Ästhe­ti­ken erschaf­fen und neue Trends gesetzt, son­dern sei immer nur nerv­tö­tend gewe­sen.

Ich weiß jetzt, dass es bei Prak­ti­ker bis zum Wochen­en­de 20% auf alles („außer Tier­nah­rung“) gab, was ich aller­dings schon vor­her wuss­te, weil man beim Reno­vie­ren auf­fal­lend oft Bau­märk­te ansteu­ert. Man­fred „Bruce Wil­lis“ Leh­mann wirbt außer­dem noch für einen Küchen­markt, was mar­ke­ting­tech­nisch sicher sub­op­ti­mal ist, weil jetzt stän­dig die Leu­te bei Prak­ti­ker nach den Küchen-Rabatt-Aktio­nen fra­gen. Guil­do Horn wirbt für die Küchen in einem Ein­rich­tungs­markt, Wer­ner Hansch für einen ande­ren und Lud­ger Strat­mann eben­falls für einen. Es gibt Rabatt­ak­tio­nen in der Gale­ria Kauf­hof und Null-Pro­zent-Finan­zie­rung bei Opel und Peu­geot. Und Sei­ten­ba­cher-Müs­li ist gut für die Ver­dau­ung.

Die dre­ckigs­ten Arbei­ten sind abge­schlos­sen, mein gutes altes Tele­fun­ken-Radio hat viel Staub, aber nur sehr weni­ge Farb­sprit­zer abbe­kom­men. So lang­sam könn­te ich mei­nen einen iPod mit­brin­gen und an die alten Aktiv­bo­xen anschlie­ßen. Aber ich wür­de auch etwas ver­mis­sen: Die stän­dig ins Pro­gramm ein­ge­streu­ten Ever­greens von den Light­ning Seeds und The Beau­tiful South, die vor­ge­le­se­nen Hörer-E-Mails und die immer neu­en Ver­su­che, Ver­kehrs­mel­dun­gen mit humo­ris­ti­schen Ein­la­gen zu ver­bin­den.

Das Fre­quenz­wahl-Räd­chen mei­nes Tele­fun­ken wird auch nach dem Umzug unbe­rührt blei­ben.

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Digital

Vom Apfel und der Schlange

Die Fir­ma Apple war mir lan­ge Zeit sym­pa­thisch, ein biss­chen so wie der Vol­vo unter den Com­pu­ter­fir­men.

Im Som­mer des letz­ten Jah­res kauf­te ich mir ein Mac­Book – weil ich mit Win­dows immer unzu­frie­den und bei vor­he­ri­gen Arbei­ten an Macs eini­ger­ma­ßen begeis­tert von der Über­sicht­lich­keit und Funk­ti­ons­wei­se die­ser Com­pu­ter gewe­sen war. Dass Apple längst eine Life­style-Fir­ma war – und in die­ser Funk­ti­on lang­sam aber sicher vom Guc­ci der Com­pu­ter­welt zum Ed Har­dy wur­de -, war mir ziem­lich egal: Ich woll­te einen Com­pu­ter, der ordent­lich arbei­tet, und das tat das Mac­Book.

Als ich mir einen MP3-Play­er kau­fen woll­te, war klar, dass es ein iPod wer­den wür­de. Mei­ne Apple-Bera­te­rin riet mir zum Modell „touch“, weil man damit auch via W‑Lan ins Inter­net kön­ne und über­haupt ganz vie­le tol­le Pro­gram­me dar­auf lie­fen.

Letz­tes Jahr zu Weih­nach­ten schenk­te ich mir zwei Drit­tel des iPods selbst, den Rest schenk­ten mei­ne Eltern. Nach einem hal­ben Tag mit dem Gerät woll­te ich ein iPho­ne haben, so begeis­tert war ich von dem Teil. Es wur­de mir ein treu­er Beglei­ter, spiel­te immer brav die Musik, die ich gera­de hören woll­te, und ver­kürz­te mir mit Sudo­kus, Fuß­ball­si­mu­la­tio­nen und ande­ren Spie­len so man­che Bahn­fahrt.

Im Sep­tem­ber dreh­te mein iPod selb­stän­dig sei­ne Laut­stär­ke auf Null. Er gab kei­ne (hör­ba­ren) Geräu­sche mehr von sich, was bei einem Gerät, das pri­mär als Musikab­spie­ler gekauft wur­de, wenig hilf­reich ist. Ich ging zu einem Bochu­mer Apple-Hän­der und rekla­mier­te das Teil. Nach einer Woche krieg­te ich es zurück: Es sei kein Feh­ler gefun­den wor­den. Dafür bekam ich neue Kopf­hö­rer, denn die hal­ten bei Apple in der Regel so lan­ge wie ein Fahr­rad­schlauch auf Dins­la­ke­ner Rad­we­gen (Anm.: Also nicht sehr lan­ge.)

Drei Wochen spä­ter tauch­te der­sel­be Feh­ler wie­der auf, ich brach­te den iPod wie­der in den Laden und konn­te eine Woche spä­ter ein neu­es Exem­plar abho­len.

Kei­ne drei Wochen spä­ter ging der neue iPod aus. „Haben Sie ver­sucht, ihn wie­der­her­zu­stel­len?“, frag­te der Mit­ar­bei­ter des Apple-Händ­lers am Tele­fon. Ich ver­such­te es, wobei der iPod der­art abstürz­te, dass er danach nicht ein­mal mehr von mei­nem Mac­Book erkannt wur­de. Ich brach­te ihn wie­der vor­bei.

Seit fast fünf Wochen ist mein iPod nun in Repa­ra­tur. Zufäl­li­ger­wei­se fiel das Ende der ein­jäh­ri­gen Garan­tie­pha­se genau in die­se Zeit. Angeb­lich dau­ert es so lan­ge, weil mein neu­er iPod (hof­fent­lich aus einer ande­ren Pro­duk­ti­ons­char­ge) noch gra­viert wer­den muss.

Ich bin also im Moment nur so mit­tel­gut auf die Fir­ma Apple zu spre­chen. Viel­leicht der rich­ti­ge Zeit­punkt, um fest­zu­stel­len, dass sich der iTu­nes Store in die­sem Jahr für sei­ne Akti­on „12 Tage Geschen­ke“ einen ganz beson­de­ren Koope­ra­ti­ons­part­ner aus­ge­sucht hat: Bild.de.

Inter­es­san­ter­wei­se fin­det sich bei Apple selbst kein Hin­weis auf Bild.de – im Gegen­zug ver­sucht „Bild“ aller­dings auch den Ein­druck zu erwe­cken, als ver­schen­ke die Zei­tung selbst ganz allei­ne jeden Tag einen Down­load an ihre Leser.

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Print Politik

„Spiegel“-Eier

Eine Nah­tod­erfah­rung der beson­de­ren Art mach­te ich vor eini­gen Jah­ren, als ich bei der Lek­tü­re der Sati­re­sei­te schandmaennchen.de der­art hef­tig zu lachen begann, dass ich mich nach eini­gen Minu­ten nach Luft rin­gend auf mei­nem Tep­pich­bo­den wälz­te. (Einen Lust­ge­winn habe ich dabei aller­dings nicht ver­spürt.) Grund war ein angeb­li­ches Zitat aus dem „Spie­gel“ über Hel­mut Kohl, sei­ne Büro­lei­te­rin Julia­ne Weber und Früh­stücks­ei­er.

Über Jah­re habe ich ver­sucht, die­ses Zitat zu veri­fi­zie­ren und den exak­ten Wort­laut zu fin­den. Irgend­wie muss ich mich bei der Ver­wen­dung der „Spiegel“-Archivsuche sehr däm­lich ange­stellt haben.

Ges­tern jeden­falls berich­te­te das NDR-Medi­en­ma­ga­zin „Zapp“ über den uralten Arti­kel und jetzt kann ich Ihnen das Zitat end­lich im Wort­laut prä­sen­tie­ren:

Wie gewohnt serviert des Kanzlers langjährige Mitarbeiterin Juliane Weber ihrem Chef den Kaffee. Sie schlägt ihm auch die Eier auf, weil der Kanzler sie so heiß nicht anfassen mag.

Ja, zuge­ge­ben: Brüll­ko­misch fand ich es jetzt auch nicht mehr.

Dafür hat der „Spie­gel“ sich kürz­lich an einer Neu­auf­la­ge sei­ner Fips-Asmus­sen-Polit­kom­men­tie­rung ver­sucht und dabei die ohne­hin schon nied­rig lie­gen­de Lat­te geris­sen:

Die Kommunistin Sahra Wagenknecht, intime Kennerin von Lafontaines Positionen und nicht nur in Streikfragen mit ihm auf Augenhöhe, verlangt wie er regelmäßig französische Verhältnisse.

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Digital Gesellschaft Fernsehen

Auswärtsspiel: Einheitsbrei

Jah­re­lang war ich fest davon über­zeugt, dass mei­ne ältes­te Live-TV-Erin­ne­rung vom 9. Novem­ber 1989 stammt. Jeden­falls erin­ne­re ich mich dar­an, wie Men­schen mit Häm­mern auf eine bun­te Mau­er ein­schlu­gen. Im Ver­lauf des Erin­ne­rungs­over­kills in den ver­gan­ge­nen Wochen fiel mir aller­dings auf, dass ich als Kin­der­gar­ten­kind wohl kaum Abends nach 23 Uhr vor dem elter­li­chen Fern­se­her geses­sen haben dürf­te. (Genau genom­men möch­te ich ins Blaue hin­ein ein­fach mal bezwei­feln, dass es damals über­haupt Live­bil­der gab, denn um 23 Uhr stand doch sicher schon der Sen­de­schluss vor der Tür der drei Fern­seh­pro­gram­me.)

Jeden­falls war ich sehr ent­täuscht, als ich fest­stell­te, dass mei­ne ältes­te Live-TV-Erin­ne­rung dann wohl doch eher vom Sams­tag, 11. Novem­ber 1989 stammt und wahr­schein­lich noch nicht mal eine Live-TV-Erin­ne­rung ist.

JEDENFALLS: Der 6. Jahr­gangs der elec­tro­nic media school (ems) in Pots­dam hat zum gro­ßen Mau­er­fall-Jubi­lä­um die Inter­net­sei­te einheits-brei.de gestar­tet. Für die­ses Pro­jekt wur­den auch ein paar Blog­ger gefragt, wie ihnen die dies­jäh­ri­gen Fei­er­lich­kei­ten gefal­len hät­ten und was sie in fünf Jah­ren nicht wie­der sehen wol­len. Ich war einer der Befrag­ten und bin beim Ver­such, mich auf die gewünsch­ten „drei bis vier Sät­ze“ zu beschrän­ken, mal wie­der geschei­tert.

„So bit­te nicht mehr!“ auf einheits-brei.de

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Musik Film Literatur

Positive Jam

Ich dach­te ja schon, es wäre die Krö­nung in Sachen Hel­den-Kol­la­bo­ra­ti­on, dass Ben Folds und Nick Horn­by gemein­sam an einem Album arbei­ten (Cof­fee And TV berich­te­te).

Jetzt lese ich, dass Craig Finn, der Sän­ger der von mir hoch­ver­ehr­ten The Hold Ste­ady, gemein­sam mit dem lang­jäh­ri­gen David-Let­ter­man-Autoren Tom Ruprecht an einer Kino­ad­ap­ti­on von Chuck Klos­ter­mans „Far­go Rock City“ arbei­tet.

Zwar kann ich mir im Moment noch nicht ganz vor­stel­len, wie aus einem Buch, das zu wei­ten Tei­len aus dem Theo­re­ti­sie­ren von Hea­vy Metal, Hair Metal und Hard Rock besteht, eine Film­ko­mö­die wer­den könn­te, aber ich ver­traue den bei­den Autoren, die den Film zusam­men mit Klos­ter­man pro­du­zie­ren, da voll. Außer­dem wer­den hier­zu­lan­de alber­ne Quatsch-Rat­ge­ber wie „War­um Män­ner nicht zuhö­ren und Frau­en schlecht ein­par­ken“ zu Kino­pro­duk­tio­nen geprü­gelt, da ist eine Coming-of-age-Geschich­te im länd­li­chen North Dako­ta mit ganz viel Musik sicher der nahe­lie­gen­de­re Stoff.

Aber was für pop­kul­tu­rel­le Mas­hups mit mei­nen per­sön­li­chen Hel­den fin­den als nächs­tes statt? Neh­men Thees Uhl­mann und Max Goldt ein gemein­sa­mes Album auf? Ver­tont Fran Hea­ly die „Cal­vin & Hobbes“-Comics von Bill Wat­ter­son? Nimmt sich Ben Gib­bard ein Buch von Jack Kerouac vor?

Oh.

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Digital

Auswärtsspiel: „Und, wie war das damals bei dir?“

Hol­ger Froh­loff betreibt das Blog 5minutenpause, in dem er gera­de die Serie „Und, wie war das damals bei dir?“ gestar­tet hat. Ja, ich hab anfangs auch gedacht, dass das was mit Dr.-Sommer-Themen zu tun hät­te, aber dar­um geht’s gar nicht.

Im ers­ten Teil erklärt Hol­ger selbst, wie sein ers­ter Kon­takt mit dem Inter­net war, im zwei­ten Teil darf ich ran.

Lesen Sie, wofür 12-Jäh­ri­ge im Jahr 1996 das Inter­net nut­zen, wie mei­ne Eltern mich jah­re­lang mit einem arschlang­sa­men Inter­net­zu­gang quäl­ten und war­um ich heu­te noch vor die Tür gehe.

Das alles exklu­siv auf 5minutenpause.com

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Leben

A Room Of One’s Own

Ich habe heu­te das getan, was Max Goldt „nach Woh­nun­gen gucken“ nennt. Ich lief also durch die Gegend und guck­te nach Stra­ßen und Häu­sern, in denen ich gern woh­nen wür­de, in der vagen Hoff­nung, dass auch tat­säch­lich irgend­wo irgend­was frei sein könn­te. Ich bin näm­lich mit mir über­ein­ge­kom­men, dass die Zeit, in der ich Abfluss­roh­re von ander­erleuts Fuß­nä­geln befreie, so schnell wie mög­lich enden soll. (Ent­schul­di­gung, vor die­sen ein­ge­scho­be­nen Halb­satz hät­te ich natür­lich auch ein „Ach­tung, eklig!“ set­zen kön­nen. Nu isses zu spät!)

Als latent fau­ler Mensch hat­te ich natür­lich zunächst ange­nom­men, zur Woh­nungs­su­che auf das Instru­ment zurück­grei­fen zu kön­nen, dass mir für mich schon die Erschlie­ßung und Pfle­ge von Sozi­al­kon­tak­ten, sämt­li­che Finanz­trans­ak­tio­nen und die Ver­sor­gung mit aktu­el­ler Musik über­nom­men hat: das Inter­net.

Genau genom­men sind aber kryp­ti­sche Anzei­gen in Spam-Zei­tun­gen, die Hin­wei­se wie „KDB“ oder „WBS“ ent­hal­ten, den etwas aus­führ­li­che­ren Schil­de­run­gen in Online-Por­ta­len vor­zu­zie­hen. Die klei­nen Tex­te inmit­ten der Blei­wüs­ten erwe­cken näm­lich noch nicht mal den Ein­druck, irgend­et­was aus­zu­sa­gen. Im Inter­net gibt es zwar Fotos, aber fast immer nur sol­che, die nichts erklä­ren. Kürz­lich sah ich das Bild einer Woh­nung, in der von der Küche aus ein geflies­ter Raum zu erah­nen war, der durch eine Falt­tür zugäng­lich war. Ich frag­te zwei Freun­de, ob es sich dabei wohl um die Spei­se­kam­mer oder um das Bad han­de­le, und bei­de ant­wor­te­ten wort­gleich: „Ich fürch­te letz­te­res.“ Genau konn­te man das dem Foto und den Beschrei­bun­gen nicht ent­neh­men, aber mein Inter­es­se, das vor Ort zu unter­su­chen, war erlo­schen.

Auch die Beschrei­bun­gen sind nicht immer hilf­reich. Ein Anbie­ter, dem offen­bar zwei Drit­tel aller Miet­im­mo­bi­li­en in Bochum gehö­ren, hält es für sinn­voll, bei jeder Woh­nung die Ent­fer­nung zum nächs­ten Flug­ha­fen anzu­ge­ben (und zwar mit einer Stel­le hin­term Kom­ma), schweigt sich aber stets dar­über aus, ob die das zur Woh­nung gehö­ren­de Bade­zim­mer über eine Bade­wan­ne oder eine Dusche ver­fügt. Dafür wird man mit jener Geheim­spra­che behel­ligt, die aus­schließ­lich von Mak­lern und Wirt­schafts­jour­na­lis­ten ver­stan­den wird. „ver­kehrs­güns­tig gele­ge­ne, städ­ti­sche Stra­ße“ heißt ver­mut­lich „es fühlt sich an, als ob der Ver­kehr direkt durchs Wohn­zim­mer knat­tert“, aber: Weiß man’s?

Ein biss­chen was lernt man natür­lich auch. Ich weiß jetzt, dass ein „Gefan­ge­ner Raum“ nur durch ein ande­res Zim­mer zugäng­lich ist und nicht direkt vom Flur aus. (Schlech­te Scher­ze über öster­rei­chi­sche Kel­ler schrau­ben Sie sich bit­te bei Bedarf selbst zusam­men, die sind mir nun wirk­lich zu blöd.) Eine Pan­try-Küche ist ein Schrank, in dem eine Mini­bar, eine Mund­du­sche, eine Heiz­plat­te und Platz für eine Packung Nudeln unter­ge­bracht sind – also das Smart­phone unter den Küchen, nur noch ein biss­chen nutz­lo­ser.

Als ich mich für eine Woh­nung bewor­ben habe, woll­te die ver­mie­ten­de Wohn­ge­nos­sen­schaft von mir Kon­to­da­ten und Per­so­nal­aus­weis­num­mer wis­sen und inter­es­sier­te sich auch dafür, wel­che Musik­in­stru­men­te ich denn so spie­le – mut­maß­lich nicht, um ein Woh­nungs­block-Orches­ter zusam­men­zu­stel­len.

Natür­lich ist der Zeit­punkt, die Ver­än­de­rung der Wohn­si­tua­ti­on jetzt aber mal wirk­lich anzu­ge­hen (und zwar „sowas von“), unglück­lich gewählt: Zum Semes­ter­be­ginn kann man auch Abstell­kam­mern (so es sich dabei nicht um das Bad inner­halb der Küche han­delt) meist­bie­tend ver­mie­ten. Da muss man schon so dreist sein und erzäh­len, man habe „den gan­zen Kram“ direkt unten im Auto und müs­se sonst unter der Brü­cke näch­ti­gen – und selbst dann ist nicht garan­tiert, dass man auch den Zuschlag bekommt.

Anspruchs­voll bin ich ja auch: Erd­ge­schoss geht nicht, weil ich Gar­di­nen has­se, aber auch nicht über die nie­der­län­di­sche Staats­bür­ger­schaft ver­fü­ge – ich will nicht, dass mir jeder auf den Ess­tisch gucken kann, also muss ich wei­ter rauf. Mehr als eine, maxi­mal zwei Trep­pen möch­te ich aber auch nur ungern stei­gen müs­sen, beson­ders beim Umzug. Und wie um die­sen Punkt zu unter­mau­ern, habe ich mir neu­lich ein Leder­so­fa schen­ken las­sen, das nur sehr umständ­lich zu bewe­gen ist und sicher nicht durch jedes Trep­pen­haus passt. „Möbliert“ ist übri­gens ein Reiz­wort, denn wenn schon häss­lich, dann bit­te nach mei­nem Wil­len!

Ich bin also wei­ter auf der Suche, aber mein Opti­mis­mus ist unge­bro­chen. Beim heu­ti­gen Rund­gang bin ich näm­lich auf ein Objekt gesto­ßen, das mei­ne Begeis­te­rung fürs etwas ande­re und mei­nen heim­werk­li­chen Ehr­geiz glei­cher­ma­ßen ange­spro­chen hat:

Abrisshaus in Bochum.
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Musik

Fran Healy unplugged

Ein Bekann­ter mein­te mal, bei Tra­vis habe doch auch schon der „Chris-de-Burgh-Effekt“ ein­ge­setzt: „Nur noch in Deutsch­land erfolg­reich.“

Nun ja: Die ganz gro­ßen Erfolgs­zei­ten der vier Schot­ten sind vor­bei. Cold­play fül­len welt­weit Sta­di­en, wäh­rend sich die Ver­an­stal­tungs­or­te bei Tra­vis lang­sam aber sicher von „Hal­len“ in Rich­tung „Clubs“ zu ver­schie­ben schei­nen. Chris Mar­tin ist wenigs­tens anstän­dig genug zu erklä­ren, dass es sei­ne Band ohne Tra­vis nie gege­ben hät­te.

Man könn­te mut­ma­ßen, dass es vor allem wirt­schaft­li­che Grün­de hat, wenn im Moment nicht Tra­vis als Band mit Tour-Key­boar­der und Live­crew die USA berei­sen, son­dern Fran Hea­ly und Andy Dun­lop allein mit ihren Akus­tik­gi­tar­ren unter­wegs sind. Aber selbst wenn dem so wäre, wür­de ich eini­ges dafür geben, mir die bei­den in rich­tig klei­nen Clubs anschau­en zu kön­nen.

Screenshot: Spin.com

Einen klei­nen Ein­blick kann man auch als Euro­pä­er bekom­men, denn Fran Hea­ly war in der Redak­ti­on von „Spin“ zu Gast und hat den Mit­ar­bei­tern drei Songs vor­ge­sun­gen, die jetzt als Vide­os im Inter­net ste­hen.

Los geht’s mit „20“, jener „All I Want To Do Is Rock“-B-Seite, die einst fes­ter Bestand­teil im Live­set war. Es folgt „Wri­ting To Reach You“, bei des­sen Anblick mir schlag­ar­tig wie­der ein­fiel, war­um ich vor neun­ein­halb Jah­ren ange­fan­gen hat­te, mir selbst das Gitar­ren­spiel bei­zu­brin­gen. Zu guter letzt gibt es „The Litt­le Things In Life“, ein Cover der eher unbe­kann­ten Band Green On Red. Alles tadel­los gespielt und gesun­gen und mit ein paar net­ten Wor­ten anmo­de­riert.

Fran Hea­ly unplug­ged bei Spin.com
Das Video funk­tio­niert bei mir nicht im Fire­fox, ver­su­chen Sie’s zur Not mal mit einem ande­ren Brow­ser.

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Leben

Das Raunen der Alraune

Ges­tern stand ich zum Zwe­cke der Gesichts­ent­fus­se­lung vor dem Bade­zim­mer­spie­gel, als ein Wort vor mein geis­ti­ges Auge bzw. eher vor mein geis­ti­ges Ohr trat.

ALRAUNE.

„Hal­lö­chen“, sag­te ich mit viel Schwie­ger­sän­ger­haf­tem Schla­ger­sohn­tim­bre in der Stim­me, „wo kommst Du denn her? Ken­nen wir uns denn? Pas­si­ver Wort­schatz, akti­ver Wort­schatz? … Hal­lo?“

Trotz frei ver­füg­ba­rem Inter­net und durch­aus exis­ten­ter Nach­schla­ge­wer­ke im eige­nen Bücher­re­gal beschloss ich, dem Wort nicht auf den Grund zu gehen, und es ein wenig in der Groß­hirn­rin­de spa­zie­ren zu tra­gen. Was soll­te schon groß pas­sie­ren? Schlim­mer als ein Frag­ment aus einem Musik­stück, des­sen Titel man frei­lich nicht mal eben ergoo­geln kann, wür­de die spon­tan erschie­ne­ne Voka­bel ja wohl kaum sein.

Pünkt­lich zu dem Zeit­punkt, als ich ein­zu­schla­fen gedach­te, kam das Wort wie­der her­vor. Es hat­te sich in eine Visua­li­sie­rung geklei­det, die einer Pflan­ze ent­sprach: ihre Blät­ter waren zackig wie die eines Ilex, ihre Blü­te war blau wie ein Edel­weiß.

„War­um soll­te denn ein Edel­weiß blau sein?“, klopf­te mein noch nicht ganz ent­schlum­mer­ter Ver­stand an. „Wenn’s blau wär, hieß es doch wohl eher ‚Edel­blau‘, meins­te nicht?“ – „Aber Hei­no hat doch schon …“ – „Jaaaa?“ – „Ach nee, ‚Blau, blau, blau blüht der Enzi­an‘ hat er gesun­gen. Aber doch auch irgend­was mit Edel­weiß, oder nicht?“ – „Die Edel­weiß­pi­ra­ten gab’s, das waren jugend­li­che Wider­ständ­ler im drit­ten Reich …“ – „… und ‚Schwarz-braun ist die Hasel­nuss‘! Das hat er auch gesun­gen …“ – „Wirk­lich? Es ist drei Uhr nachts und wir sind schon wie­der bei Hit­ler?!“ – „Ich war bei Hei­no, Du warst bei Hit­ler …“

In die­sem Moment hat­te sich mein rest­wa­ches Bewusst­sein zum Glück in dem vor weni­gen Sekun­den gedach­ten Wort „Ilex“ ver­bis­sen und mein­te plötz­lich, doch noch ein Lied­frag­ment in die Run­de wer­fen zu müs­sen: irgend­was mit „Ilec­son“, „Elec­son“ und mög­li­cher­wei­se einem „Gene­ral“ davor. Na, herz­li­chen Dank, das wür­de ja eine lus­ti­ge Nacht wer­den.

Doch da trat auch schon der Bru­der von Vat­ter Hein durch die Tür und schick­te mich ins Reich der Träu­me. (Der Tod ist ja bekannt­lich „Schla­fes Bru­der“, also muss der Schlaf auch der Bru­der des Todes sein. Im Fran­zö­si­schen wird aber der Orgas­mus auch als la petit mort, also „der klei­ne Tod“, bezeich­net. Das muss ja eine lus­ti­ge Fami­lie sein, in der glei­cher­ma­ßen getö­tet, gevö­gelt und geschla­fen wird – fast so wie im RTL-Nach­mit­tags­pro­gramm.)

Jeden­falls: Ich schlief, nie­mand starb und nie­mand erreich­te den sexu­el­len Höhe­punkt (was man bei den dün­nen Wohn­heims­wän­den hier in Sams­tag­näch­ten sonst durch­aus schon mal als Ohren­zeu­ge zu ver­fol­gen gezwun­gen sein kan). Ich schlief sogar so gut, dass mir weder Alrau­nen, noch Ile­xe, Edel­wei­ße, Enzia­ne oder Hasel­nüs­se begeg­ne­ten, kein Hit­ler und kein Hei­no, und auch das mys­te­riö­se Musik­stück blieb mir reich­lich schwen­di. Erst der Wecker been­de­te mei­nen stein­glei­chen Schlaf und am Früh­stücks­tisch war ich viel zu sehr mit der exak­ten Koch­zeit von Eiern (sechs­ein­halb Minu­ten für die Grö­ße L, frisch aus dem Kühl­schrank), mei­nen diver­sen Mar­me­la­den und Auf­schnit­ten (Kiwi-Sta­chel­beer, Him­beer, Brenn­nes­sel­kä­se und Pfef­fer­sa­la­mi), sowie mei­nem Kaf­fee (schwachtz) beschäf­tigt, als dass mir Alrau­nen hät­ten ein­fal­len kön­nen. Die kamen erst spä­ter zurück.

Und jetzt habe ich Sie lan­ge genug an den Ereig­nis­sen in mei­nen Hirn­win­dun­gen teil­ha­ben las­sen und auf die Fol­ter gespannt. In die­sem Moment wer­den Sie und ich end­lich gemein­sam erfah­ren, was eine Alrau­ne ist.

Es ist …

eine mehr­jäh­ri­ge krau­ti­ge Pflan­ze, deren Ver­zehr schon in gerin­gen Men­gen zu Atem­läh­mung und zum gran­de mort, also der Begeg­nung mit Vat­ter Hein, dem sen­se­schwin­gen­den gro­ßen Bru­der von Schlaf und Orgas­mus, füh­ren kann.

Na, das war ja mal unspek­ta­ku­lär!

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Musik Digital

Und alle so: „Yeaahh“

Die nun fol­gen­de Geschich­te ist an kei­ner Stel­le logisch oder rele­vant:

Vor etwa zwei Wochen bekrit­zel­te jemand in Ham­burg ein Wahl­pla­kat von Ange­la Mer­kel. Unter „Die Kanz­le­rin kommt.“ schrieb er (oder sie): „Und alle so: ‚Yeaahh‘ “.

Jemand pho­to­gra­phier­te das Ergeb­nis und lud es bei flickr hoch, war­auf­hin es René von Nerd­core ent­deck­te und selbst dar­über blogg­te.

Auch bei Spree­blick wur­de dar­über gebloggt und die Geschich­te ent­wi­ckel­te sich zu einem soge­nann­ten Mem.

John­ny Haeus­ler bat um die Zusen­dung von „Yeaahh“-Sounds und bas­tel­te dar­aus einen Song, der schon eini­ge Male gere­mixt wur­de. Letz­ten Frei­tag gab es einen Flash­mob in Ham­burg und ges­tern berich­te­ten sogar die Tages­the­men dar­über.

Das alles arbei­te­te irgend­wo unter­be­wusst in mei­nem Hirn. Als ich heu­te Mor­gen erwach­te, hat­te ich einen Song im Ohr, von dem ich wuss­te, dass ich ihn nur wie­der los­wür­de, wenn ich ihn auf­näh­me. Und das hab ich dann getan, inklu­si­ve eini­ger von John­nys „Yeaahh“-Samples.

Es singt für Sie das Cof­fee-And-TV-Orches­ter:

Hier rechts kli­cken und „Ziel spei­chern unter“ wäh­len.

Falls jemand so ver­rückt ist, und dar­aus auch noch einen Remix bau­en will, stel­le ich die ein­zel­nen Spu­ren ger­ne spä­ter noch online.