Kategorien
Print Sport

Von der Bedeutung, Ernst zu sein

Ich woll­te das ver­gan­ge­ne Jahr nicht schon wie­der mit der Medi­en­grup­pe RP been­den, aber das hier ist noch lie­gen geblie­ben und muss raus:

Die „Rhei­ni­sche Post“ ist auf­grund ihrer geo­gra­phi­schen Ver­or­tung ein wich­ti­ges Medi­um, wenn es um mei­nen Lieb­lings­ver­ein Borus­sia Mön­chen­glad­bach geht. Und die Redak­ti­on macht ihre Arbeit da in der Regel gar nicht mal schlecht.

Aber was die „RP“ da am Sil­ves­ter­mor­gen noch raus­ge­hau­en hat, das war irgend­wie merk­wür­dig:

Borussia Mönchengladbach: Liegt über dem Klub ein Fluch?

Hat „Bild“ die feind­li­che Über­nah­me der „Rhei­ni­schen Post“ end­lich abge­schlos­sen?

Nein, die Lage ist viel … erns­ter:

Fuß­ball ist nicht wit­zig. Fuß­ball ist eine ziem­li­che erns­te Ange­le­gen­heit. Dar­über macht man kei­ne Spä­ße. Ehr­lich. Schon gar nicht, wenn man Fan von Borus­sia Mön­chen­glad­bach ist.

Sie erken­nen an dem ein­ge­scho­be­nen „Ehr­lich“, dass sich hier gleich jemand am schlimms­ten und gleich­zei­tig unzer­stör­bars­ten Lokal­jour­na­lis­mus-Gen­re ver­su­chen wird: der Glos­se.

Auch optisch ist der Text eine Her­aus­for­de­rung, wer­den zusam­men­ge­hö­ren­de Neben­sät­ze doch nicht nur durch einen Punkt, son­dern gleich auch noch durch einen Absatz aus­ein­an­der­ge­ris­sen:

[…] Es wur­den zwar fast nur noch Her­ren mit klang­vol­len Namen (dar­un­ter ein gewis­ser Kahé) ver­pflich­tet.

Etwas in Ver­ges­sen­heit ist dabei aber offen­sicht­lich gera­ten, dass die Koor­di­na­ti­on zwi­schen Hirn und Bei­nen beim Fuß­ball einen nicht zu unter­schät­zen­den Anteil ein­nimmt. […]

Und weil bei der Medi­en­grup­pe RP Dada ja bekannt­lich groß geschrie­ben wird, hier noch ein Pot­pour­ri unzu­sam­men­hän­gen­der Sät­ze:

Dank gilt in die­sem Zusam­men­hang den Pro­du­zen­ten von Han­dy-Klin­gel­tö­nen in Form der Ver­eins­hym­ne „Die Elf vom Nie­der­rhein“. Neu­lich in der Regio­nal­bahn war es dann mal wie­der so weit. Anruf, Hym­ne, Kla­ge­lied. „Ja, ja“, raunzt ein älte­rer Herr von neben­an hin­über und lächelt dabei so ver­ständ­nis­voll, als ob er ein Klein­kind auf­mun­tern will, das beim Mur­mel­wer­fen eine ziem­lich lan­ge Pech­sträh­ne hat, „kom­men bestimmt auch wie­der bes­se­re Zei­ten.“

Der Text endet übri­gens mit dem Satz:

Man­che ver­ste­hen ein­fach den Ernst der Lage nicht.

Mir geht’s da ganz anders.

Kategorien
Print Sport

Dear Mr. President

Bevor heu­te Abend das tra­di­ti­ons­rei­che Fuß­ball­spiel zwi­schen Deutsch­land und Eng­land statt­fin­det (also das Auf­ein­an­der­tref­fen zwei­er einst ruhm­rei­cher Fuß­ball­na­tio­nen), möch­te ich noch ein­mal kurz dar­an erin­nern, was das für ein Ver­ein ist, dem Sie da heu­te ver­mut­lich die Dau­men drü­cken wer­den:

Nach­dem DFB-Prä­si­dent Theo Zwan­zi­ger in zwei Instan­zen mit sei­nem Ver­such geschei­tert war, dem frei­en Sport­jour­na­lis­ten Jens Wein­reich unter­sa­gen zu las­sen, ihn einen „unglaub­li­chen Dem­ago­gen“ zu nen­nen, hat der DFB am ver­gan­ge­nen Frei­tag eine gro­ße Ver­leum­dungs­kam­pa­gne gegen Wein­reich los­ge­tre­ten.

Dabei kehrt der DFB nicht nur die bei­den Gerichts­ent­schei­dun­gen zu Unguns­ten Zwan­zi­gers unter den Tep­pich, er ver­dreht in sei­ner Pres­se­mit­tei­lung auch mun­ter Sach­ver­hal­te und Begriff­lich­kei­ten. So scheu­en sich weder DFB noch Zwan­zi­ger, das Wort „Dem­ago­ge“ mit „Volks­ver­het­zer“ zu über­set­zen und aus­schließ­lich auf den Natio­nal­so­zia­lis­mus zu bezie­hen.

Wer die Vita und das kon­se­quen­te Enga­ge­ment von Theo Zwan­zi­ger im Kampf gegen Neo-Nazis kennt, ver­steht selbst­ver­ständ­lich sei­ne Reak­ti­on. Denn als Dem­ago­ge wird ein Volks­ver­het­zer bezeich­net, der sich einer straf­ba­ren Hand­lung schul­dig macht.

(DFB-Vize­prä­si­dent Dr. Rai­ner Koch)

Wenn man eine sol­che Vita hat und außer­dem, wie ich, in Yad Vas­hem war, denkt man anders über die Din­ge nach. Ich bit­te um Ver­ständ­nis, dass mei­ne Emp­find­lich­keit, was die Nazi-Zeit angeht, grö­ßer ist, als das viel­leicht bei andern Leu­ten oder Jün­ge­ren der Fall ist.

(Theo Zwan­zi­ger im Inter­view mit „Direk­ter Frei­stoß“)

Alles wei­te­re kön­nen Sie bei Jens Wein­reich selbst und bei Ste­fan Nig­ge­mei­er nach­le­sen.

Jede Wet­te: wenn der Vor­stand eines Bun­des­li­ga­ver­eins so eine Show abzie­hen wür­de, wür­den die Fans anschlie­ßend im Sta­di­on mit Sprech­chö­ren und Trans­pa­ren­ten des­sen Abset­zung for­dern. Theo Zwan­zi­ger, der sich heu­te Abend mal wie­der mit der Bun­des­kanz­le­rin schmü­cken wird, muss so etwas kaum befürch­ten.

Kategorien
Digital Sport

Emfohlen

Set­zen Sie sich erst mal!

Atmen Sie tief durch.

Neh­men Sie einen Rot­stift und umkrin­geln Sie das heu­ti­ge Datum auf ihrem Kalen­der.

Ich muss Ihnen näm­lich jetzt eine Klick­stre­cke emp­feh­len. Bei „RP Online“.

Ich glau­be, es ist das ers­te Mal in der Geschich­te von „RP Online“, dass eine Bil­der­ga­le­rie mit einem Namen ver­se­hen wur­de. Inso­fern will ich Tho­mas Grul­ke ganz direkt loben für etwas, das eigent­lich eine online­jour­na­lis­ti­sche Selbst­ver­ständ­lich­keit sein soll­te – aber für „RP Online“ gel­ten ja spe­zi­el­le Regeln.

Herr Grul­ke hat alle Trai­ner von Borus­sia Mön­chen­glad­bach von 1964 bis heu­te zusam­men­ge­stellt und dabei nicht nur auf doo­fe, nichts­sa­gen­de Fotos gesetzt, wie es in sei­nem Hau­se sonst üblich ist.

Das Ergeb­nis erin­nert viel mehr an ein Auto­quar­tett: Foto, Dau­er der Amts­zeit, Bun­des­li­ga­spie­le mit Borus­sia, Punk­te­schnitt und Erfol­ge sind bei jedem extra auf­ge­führt. Zwar wären die Daten in einer Tabel­le bes­ser ver­gleich­bar, aber irgend­wie erscheint mir auch das Kon­zept „Bil­der­ga­le­rie“ in die­sem Fall ange­mes­sen.

Gut, es tut ein biss­chen weh, sich noch ein­mal an die Tage mit Han­nes Bon­gartz, Ewald Lie­nen oder Dick Advo­caat erin­nern zu müs­sen und vie­le der Namen (Trai­ner von 1964–1987: drei, Trai­ner von 1987 bis heu­te: fünf­zehn) hat­te ich als Fan nicht ohne Grund ver­drängt, aber was soll’s.

Eine Ant­wort auf die Fra­ge, was bei der Borus­sia eigent­lich falsch läuft, bie­tet die Klick­stre­cke zwar auch nicht, aber immer­hin kann man noch ein­mal in Erin­ne­run­gen an gute und noch schlech­te­re Zei­ten schwel­gen:

„Die Trai­ner-Gale­rie von Borus­sia Mön­chen­glad­bach“ bei „RP Online“

Kategorien
Rundfunk Gesellschaft

Nicht lustig

Viel­leicht ist es ein grund­sätz­li­cher Feh­ler, sich mit „TV Total“ über­haupt aus­ein­an­der­set­zen zu wol­len. Die­ser allen­falls noch lau­war­men Mischung aus Res­te­ver­wer­tung und Cross­pro­mo­ti­on, die inzwi­schen in etwa so schlimm ist wie das Unter­schich­ten­fern­se­hen, das beim Start der Sen­dung vor neun­ein­halb Jah­ren noch in den Ein­spie­lern zu sehen war. Die­ser Show, die zuletzt Auf­merk­sam­keit erreg­te, weil sich ein Kan­di­dat ins Stu­dio erbrach. Aber weil ich die Sen­dung ges­tern Abend ver­se­hent­lich gese­hen habe, will ich mich doch mal kurz auf­re­gen:

Vor­ges­tern wur­den die Spiel­or­te für die Frau­en­fuß­ball-WM 2011 in Deutsch­land bekannt gege­ben – und Mön­chen­glad­bach und Bochum sind dabei!

Das The­ma Frau­en­fuß­ball fin­den die Gag-Autoren (und ich habe lan­ge über­legt, ob ich das Wort in Gän­se­füß­chen packen soll, fand das dann aber zu Leser­brief-mäßig) von „TV Total“ sowie­so total lus­tig, weil sie da immer ihre Les­ben-Wit­ze, die Hans-Wer­ner Olm und Jür­gen von der Lip­pe seit Mit­te der Acht­zi­ger unbe­se­hen zurück­ge­hen las­sen, unter­brin­gen kön­nen. Für ges­tern hat­te man sich aber fol­gen­des aus­ge­dacht: Raab, der sei­ne Witz­chen wie immer mit einer „Scheißegal“-Haltung, bei der Harald Schmidt nei­disch wür­de, von Pap­pen abzu­le­sen ver­such­te, soll­te immer wie­der auf die Mel­dung zu spre­chen kom­men, aber bevor er die Spiel­or­te vor­stel­len konn­te, soll­te immer irgend­ei­ne „total wich­ti­ge Eil­mel­dung“ von der Sor­te „Sack Reis in Chi­na umge­fal­len“ ein­ge­scho­ben wer­den. So unwich­tig ist Frau­en­fuß­ball näm­lich, ha ha. Zusätz­lich wur­den zwei häss­li­che Män­ner als Manns­wei­ber kos­tü­miert, „Bir­git Prinz“ und „Kers­tin Garef­re­kes“ genannt und immer wie­der für spä­ter als Gäs­te ange­kün­digt, wobei für ihren Auf­tritt am Ende – ha ha – natür­lich kei­ne Zeit mehr blieb.

Dass die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft der Frau­en seit 1997 fünf inter­na­tio­na­le Titel gewon­nen hat (zum Ver­gleich: die der Män­ner im glei­chen Zeit­raum null) – geschenkt. Es geht mir auch noch nicht mal um den unver­ho­le­nen Sexis­mus, der sol­che Aktio­nen durch­weht (der dis­qua­li­fi­ziert die Macher der Sen­dung selbst laut genug). Es ist nur ein­fach so, dass sol­che Ein­la­gen nicht mal lus­tig wären, wenn Raab sie in einem Clown­kos­tüm und einem auf die Stirn geta­cker­ten Schild mit der Auf­schrift „Lus­tig! Lachen“ vor­tra­gen wür­de.

Allein zur Mel­dung, dass in den Sta­di­en von Borus­sia Mön­chen­glad­bach und dem VfL Bochum Fuß­ball­län­der­spie­le statt­fin­den sol­len, fie­len mir als Glad­bach-Fan und Bochum-Sym­pa­thi­sant ein Halb­dut­zend Wit­ze über die der­zei­ti­ge Situa­ti­on bei den bei­den Mann­schaf­ten ein. Auch die Spiel­or­te Augs­burg, Dres­den, Lever­ku­sen, Sins­heim und Wolfs­burg böten genug Mög­lich­keit, sich wenigs­tens über die Städ­te lus­tig zu machen, wenn man schon doof irgend­was bashen will. Sich irgend­was Wit­zi­ges zu dem The­ma aus­zu­den­ken, ist ers­tens nicht schwer und zwei­tens Auf­ga­be von einem Hau­fen von Gag-Autoren.

Und dann die Num­mer mit den „ver­ges­se­nen Gäs­ten“, die jeg­li­ches Timing ver­mis­sen ließ: Natür­lich ist die auch noch schlecht geklaut, denn der Gag bei Jim­my Kim­mel besteht ja dar­in, einen Welt­star zu „ver­ges­sen“ und nicht nach­ge­bau­te Ver­tre­te­rin­nen einer Sport­art, die medi­al sowie­so nicht gera­de über­re­prä­sen­tiert ist. Wenn die Num­mer über­haupt zu irgend­was taug­te, dann als abschre­cken­des Bei­spiel.

Aber es sind ja nicht nur die Autoren. Die kön­nen sich viel erlau­ben, weil es in Deutsch­land sowie­so kei­ne guten Come­dy-Shows als Kon­kur­renz gibt und der Humor der Deut­schen nicht umsonst welt­wei­ten Spott genießt. Es ist auch der Mode­ra­tor, dem sei­ne eige­ne Sen­dung so völ­lig egal ist, dass die bes­ten Lacher in dem Moment ent­ste­hen, wenn es ihm selbst auf­fällt. Ste­fan Raab ist sicher ein ver­dienst­vol­ler TV-Schaf­fen­der (ver­mut­lich der Wich­tigs­te in die­sem Jahr­zehnt), aber „TV Total“ ist ein völ­li­ges Desas­ter.

Alles, wirk­lich alles an der Sen­dung ist schlimm: der Stan­dup; die Aus­schnit­te, die inzwi­schen weit­ge­hend unkom­men­tiert und reflek­tiert abge­nu­delt wer­den; die Ein­spie­ler mit lus­ti­gen Stra­ßen­in­ter­views, die ers­tens soooo 1998 sind und bei denen zwei­tens die Fra­gen in der Nach­be­ar­bei­tung von die­sem Mann mit der ach-so-lus­ti­gen Stim­me vor­ge­le­sen wer­den; die Gäs­te, die Raab völ­lig egal sind, und über die er die Hin­ter­grund-Infos allen­falls wäh­rend der Show liest.

Alle paar Wochen, wenn Tie­re zu Gast sind oder die Her­stel­ler von Elek­tro­rol­lern, ist Raab bei der Sache. Dann macht es ihm Spaß und mit ein wenig Glück kom­men dabei wirk­lich lus­ti­ge, bis­wei­len bril­lan­te Aktio­nen rum. Wenn irgend­ein Redak­teur Wert dar­auf legen wür­de, unter­halt­sa­mes Fern­se­hen zu pro­du­zie­ren, wür­de er an genau der Stel­le anset­zen. Aber so lan­ge Pro­Sie­ben die Ver­trä­ge trotz sin­ken­der Quo­ten ver­län­gert, schei­nen alle zufrie­den zu sein. Und wenn die ein­zi­ge „Kon­kur­renz“ unge­fähr drei Mal im Jahr unter dem Titel „Schmidt & Pocher“ ver­sen­det wird, ist das sogar fast nach­zu­voll­zie­hen. Zuschau­er, die ech­te Late-Night-Unter­hal­tung wol­len, sehen sich eh die US-Ori­gi­na­le im Inter­net an.

Kategorien
Digital Sport

Tierisch lyrisch

Am Mon­tag wur­de in Johan­nes­burg das Mas­kott­chen der Fuß­ball-WM 2010 vor­ge­stellt. Es han­delt sich dabei wahl­wei­se um einen „grü­nen“, „hand­zah­men“ oder „woh­lig bekiff­ten“ Leo­par­den namens „Zaku­mi“. Laut welt.de trägt er „Dre­ad­locks“, laut „RP Online“ eine Perü­cke.

Das ist nicht die ein­zi­ge Merk­wür­dig­keit, die sich „RP Online“ gönnt, denn natür­lich hieß das Mas­kott­chen der Fuß­ball-WM 2006 nicht, wie von Deutsch­lands füh­ren­dem Regio­nal­zei­tungs­web­por­tal behaup­tet, „Goleo IV“, son­dern „Goleo VI“ – die Groß­buch­sta­ben hin­ter dem Namen sind römi­sche Zah­len und ste­hen, wenn man sich rich­tig sor­tiert, für die Zahl 6, die im WM-Jahr 2006 an expo­nier­ter Stel­le auf­tauch­te.

Aber kom­men wir zu dem, wofür „RP Online“ zurecht inter­na­tio­na­les Anse­hen genießt, kom­men wir zur Bil­der­ga­le­rie.

Soll­ten Sie sich je gefragt haben, woher die­se alber­nen Tex­te stam­men, die unter jedem Foto zu fin­den sind: die stam­men aus dem dazu­ge­hö­ri­gen Text.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Der Name „Zakumi“ setze sich aus dem Kürzel „ZA“ für Südafrika und dem Wort „kumi“ zusammen, das in mehreren afrikanischen Sprachen „10“ bedeutee.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Mit seinem grünen Outfit, das zum Rasen passen soll, zeige Zakumi, dass er ein echter Fußball-Fan ist, hieß es in einer Mitteilung der Fifa.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Zakumi ist seit dem Ur-WM-Maskottchen „Willie“, einem Löwen der WM 1966 in England, das zwölfte seiner Art.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Tiere sind ohnehin ein beliebtes Vorbild der Designer. 1994 in den USA zottelte „Striker“, ein Hund mit US-Trikot, durch die Arenen, vier Jahre später in Frankreich war es Hahn „Footix“, der für gute Laune sorgen sollte. Obst und Gemüse haben es übrigens auch schon zweimal zum Maskottchen geschafft: Naranjito, eine Orange, war das Symbol der WM 1982 in Spanien, die Chilischote „Pique“ repräsentierte 1986 Mexiko.

Nun sagen Sie: „Ist doch nett, dass man uns Wil­lie, Stri­ker, Foo­tix und die ande­ren noch mal vor­stellt. Weiß doch kei­ner mehr, wie die aus­sa­hen.“

Da sage ich: „Ja, nett. Aber dafür müs­sen Sie schon die­se Bil­der­ga­le­rie von welt.de oder die­sen Arti­kel von laola1.at (bei dem alle Mas­kott­chen auf einer Sei­te gezeigt wer­den) auf­su­chen.“

Bei „RP Online“ ist in der Bil­der­ga­le­rie näm­lich auf jedem ein­zel­nen Bild Zaku­mi zu sehen.

Kategorien
Sport Kultur

Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid?

Es gibt ja so Sachen, die nimmt man sich immer mal wie­der vor, macht sie dann aber doch nie: zum Zahn­arzt gehen, recht­zei­tig Weih­nachts­ge­schen­ke kau­fen, „Spie­gel Online“ aus dem Feed­rea­der schmei­ßen. Ich habe mir seit eini­gen Jah­ren vor­ge­nom­men, end­lich mal zu „Scu­det­to“ zu gehen, einer in Bochum schon legen­dä­ren Ver­an­stal­tungs­rei­he in Sachen Fuß­ball­li­te­ra­tur.

Aus­ge­rich­tet wird sie von Ben Rede­lings, der nicht nur meh­re­re Bücher über Fuß­ball und das Leben als Fan geschrie­ben, son­dern auch drei Fil­me über den VfL Bochum gedreht hat. Seit eini­ger Zeit ver­fol­ge ich sein Scu­det­to­blog, in dem ich auch end­lich die Gele­gen­heit wit­ter­te, „Scu­det­to“ ein­mal live zu erle­ben.

Und obwohl ich im Moment eher ungern mit Fuß­ball beschäf­ti­ge, ging ich trotz­dem gespannt ins Bochu­mer Riff, wo mich „Far Away In Ame­ri­ca“ begrüß­te, das viel­leicht beknack­tes­te Stück Fuß­ball­mu­sik aller Zei­ten. Nach die­sem Duett mit Vil­la­ge Peo­p­le (!!!) und der desas­trö­sen WM 1994 hat sich die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft anschlie­ßend nie wie­der an ein Mot­to­lied her­an­ge­wagt.

Dann ging’s los und es gab Ton­do­ku­men­te, Fotos, Vide­os (You­Tube und eige­ne, s.a. „Scu­det­to-TV“, jetzt auch bei „Spie­gel Online“), eige­ne Tex­te von Ben Rede­lings und Rezi­ta­tio­nen wie die des gran­dio­sen Peter-Neururer-Inter­views aus der „Zeit“. Also all das, was man „Fuß­ball­kul­tur“ nennt.

„Scu­det­to“ ist da wie „11 Freun­de“ oder „Zeig­lers wun­der­ba­re Welt des Fuß­balls“: von Fans für Fans, noch ganz nah an dem Fuß­ball mit Brat­wurst und Bier, weit weg von den VIP-Loun­ges – also ganz nah dran am VfL Bochum. Irgend­wie klar, dass das neue Buch, das Ben Rede­lings ges­tern vor­stell­te, „Fuß­ball ist nicht das wich­tigs­te im Leben. Es ist das Ein­zi­ge“ heißt.

Irgend­wann zwi­schen Lese-Tei­len und Vide­os gab es das (offen­sicht­lich tra­di­tio­nel­le) Fuß­bal­ler-Zita­te-Quiz, bei dem man Rede­lings‘ Fuß­ball-Zita­te-Buch gewin­nen konn­te (wer es ein­mal gewon­nen und aus­wen­dig gelernt hat, hat beim nächs­ten Mal bes­se­re Chan­cen) und bei dem ich gera­de mal andert­halb Ant­wor­ten gewusst hät­te. Ben Rede­lings‘ eige­ne Tex­te sind kurz­wei­lig, sehr gut beob­ach­tet und aus der Per­spek­ti­ve eines ech­ten Fans geschrie­ben. Dass sie nicht unbe­dingt auf Poin­ten hin­aus­lau­fen, lässt sie im auf Lacher aus­ge­rich­te­ten Live­vor­trag mit­un­ter ein biss­chen wie Angrif­fe von Mario Gomez wir­ken, macht sie aber kein Stück schlech­ter.

Der nächs­te „Scudetto“-Termin steht auch schon fest: am 16. Okto­ber, dann mit einem Gast, auf den das Wort „Legen­de“ noch zutrifft: Wil­li „Ente“ Lip­pens. Und am Abend drauf spielt der VfL Bochum gegen Borus­sia Mön­chen­glad­bach.

Kategorien
Print

Das Kaiserreich verliert (mal wieder)

Ach ja, lie­be „WAZ“ in Bochum, wie war das noch mal mit der deut­schen Fah­ne?

Ab 18.30 Uhr wurde es eng. Auch hier alles schwarz-weiß-rot gestimmt, spanische Trikots und die rot-gelbe Flagge der Iberer sah man nur vereinzelt.

Kategorien
Rundfunk Sport

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!

Nun ist die­se Fuß­ball-EM also auch schon wie­der vor­bei. Deutsch­land hat sie nicht gewon­nen (was zu erwar­ten war), ist aber Zwei­ter gewor­den (was nicht zu erwar­ten war).

Somit ist es Zeit für den Cof­fee-And-TV-EM-Rück­blick:

Die Gast­ge­ber
Legen wir aus­nahms­wei­se mal, was wir bei der Hym­ne nie tun wür­den, die Hand aufs Herz: Schwei­zer und Öster­rei­cher gel­ten den Deut­schen ja irgend­wie als die etwas welt­fer­nen Stief­cou­sins. Die, die so ähn­lich wie wir reden, aber doch anders, und die, die beru­hi­gen­der­wei­se immer noch schlech­ter Fuß­ball spie­len als die Deut­schen.

Ent­spre­chend war es dann auch das ers­te wich­ti­ge Tur­nier, bei dem alle Gast­ge­ber die Vor­run­de nicht über­stan­den, was wohl auch die Stim­mung vor Ort etwas trüb­te. Von Öster­reich und der Schweiz bekam man im Fern­se­hen lei­der viel zu wenig mit, die Bil­der aus den Innen­städ­ten hät­ten auch in Dres­den, Han­no­ver oder einer ande­ren deut­schen Stadt, in der ich noch nie war, gedreht sein kön­nen. Doch ges­tern nach dem Fina­le wur­de klar: die Gast­ge­ber waren die beschei­de­nen klei­nen Brü­der von Deutsch­land 2006. Alles war ein biss­chen gedämpf­ter, stil­vol­ler.

Die Favo­ri­ten
Ja, das war etwas merk­wür­dig: Mein Euro­pa­meis­ter­tipp Tsche­chi­en über­stand die Vor­run­de eben­so­we­nig wie mei­ne Lieb­lings­mann­schaft Schwe­den, die Ita­lie­ner ret­te­ten sich mit Mühe und Not gegen die dann aus­ge­schie­de­nen Fran­zo­sen über die Grup­pen­pha­se, und Grie­chen­land bewies end­lich, dass der Gewinn der EM vor vier Jah­ren wirk­lich nur ein Betriebs­un­fall der Fuß­ball­ge­schich­te gewe­sen war. Vor­her hat­ten sie uns aller­dings mit dem 0:2 gegen Schwe­den eines der grau­en­haf­tes­ten Spie­le des Pro­fi­sports gebo­ten.

Nach­dem sie in der Vor­run­de den Welt­meis­ter, den Vize­welt­meis­ter und schließ­lich mit einer B‑Mannschaft auch noch die Rumä­nen in Grund und Boden gede­mü­tigt hat­ten, gal­ten die Hol­län­der als kla­rer Favo­rit, was sich als­bald als die bei die­sem Tur­nier unlieb­sams­te Rol­le her­aus­stell­te: Zack!, bra­chen sie gegen die Rus­sen ein wie eine labb­ri­ge Frit­te im Nord­see­sturm. Von allen Grup­pen­ers­ten schaff­te es gera­de mal Spa­ni­en, sich nach einem freud­lo­sen Spiel gegen die Ita­lie­ner durch­zu­set­zen – aber auch nur, weil deren Elf­me­ter­glück nach dem Ber­li­ner WM-Fina­le bis min­des­tens 2044 auf­ge­braucht ist. Por­tu­gal schei­ter­te an den Deut­schen, die zur Über­ra­schung aller ein gutes Spiel ablie­fer­ten, die Kroa­ten, die wirk­ten als hät­te man ihnen das mit Elf­me­ter­schie­ßen erst nach Ende der Ver­län­ge­rung erklärt, schei­ter­ten letzt­lich an der unfass­ba­ren Last-Minu­te-Macht der Tür­ken.

Um die dem Tur­nier inne­woh­nen­de Tra­gik auf die Spit­ze zu trei­ben, erwisch­te es im Halb­fi­na­le aus­nahms­wei­se mal die Tür­kei in der letz­ten Minu­te, wor­auf­hin Deutsch­land ver­se­hent­lich im Fina­le stand, in das am Fol­ge­tag die Spa­ni­er ein­zo­gen. Auch Guus Hidd­inks Rus­sen, die sich im ers­ten Grup­pen­spiel gegen Spa­ni­en trick­reich tot­ge­stellt und danach alles domi­niert hat­ten, konn­ten die Ibe­rer (Sport­jour­na­lis­mus geht nicht ohne The­sau­rus) nicht mehr stop­pen.

Im Fina­le muss­te Spa­ni­en nur noch Deutsch­land schla­gen, was dann auch kein Pro­blem mehr war, weil die Deut­schen neben Phil­ipp Lahm und Jens Leh­mann aus­schließ­lich Dop­pel­gän­ger ihrer Stamm­elf auf­ge­stellt hat­ten. Beim ein­zi­gen Gegen­tor kamen sich kon­se­quen­ter­wei­se Lahm und Leh­mann in die Que­re.

Dies Spa­ni­er wur­den völ­lig ver­dient Euro­pa­meis­ter und bewie­sen bei der Pokal­über­ga­be auch noch, dass sie deut­lich bes­ser erzo­gen sind als die Ita­lie­ner, die sich den Cup vor zwei Jah­ren ein­fach selbst ver­lie­hen hat­ten. Michel Pla­ti­ni wirk­te wie ein Leh­rer auf Klas­sen­fahrt, als er inmit­ten der spa­ni­schen Spie­ler die am wenigs­ten häss­li­che Sport­tro­phäe der Welt (man ist ja schon für Klei­nig­kei­ten dank­bar) Iker Cas­il­las in die Hand drück­te.

Deutsch­land
Die eigent­li­che Sen­sa­ti­on ereig­ne­te sich bereits am 8. Juni: Deutsch­land gewann ein EM-Spiel. Viel mehr hat­ten sich Joa­chim Löw und sei­ne Mann­schaft wohl nicht vor­ge­nom­men, wes­we­gen man im dar­auf­fol­gen­den Spiel gegen Kroa­ti­en ein­fach mal alles (außer dem eige­nen Harn) lau­fen ließ. Ich habe glück­li­cher­wei­se die zwei­te Halb­zeit ver­schla­fen und wur­de erst pünkt­lich zur roten Kar­te gegen Bas­ti­an Schwein­stei­ger wie­der wach. Ver­mut­lich zum letz­ten Mal in der Natio­nal­mann­schaft gese­hen haben wir David Odon­kor, bei Mario Gomez wird sehr, sehr viel Auf­bau­ar­beit nötig sein.

Gegen Öster­reich erleb­te man end­lich wie­der die klas­si­sche deut­sche Tur­nier­mann­schaft wie bei der EM ’96 oder der WM 2002: schwach spie­len, hin­ten sau­ber hal­ten, vor­ne eine Stan­dard­si­tua­ti­on aus­nut­zen, wei­ter­kom­men. Gegen Por­tu­gal sieg­te dann Bas­ti­an Schwein­stei­ger im Allein­gang, wie er das jetzt offen­bar immer gegen Por­tu­gal machen will, und gegen die Tür­kei war Deutsch­land so unfass­bar schlecht, dass es ein­zig und allein dem grund­sym­pa­thi­schen Phil­ipp Lahm und des­sen Sieg­tor zu ver­dan­ken war, dass ich mir das Fina­le über­haupt anse­hen woll­te. Das Trau­ma des Halb­fi­nals, dass man sich über einen völ­lig unver­dien­ten Sieg freu­en soll­te, wie­der­hol­te sich ges­tern Abend dann zum Glück nicht: Nach zehn Minu­ten Fuß­ball woll­te das Deut­sche Team auch mal „was mit Rasen“ machen und ser­vier­te den Spa­ni­ern die Tor­chan­cen auf einem Sil­ber­ta­blett mit Pla­tin­in­tar­si­en. Wenn man der spa­ni­schen Mann­schaft einen Vor­wurf machen kann, dann den, dass ihre Chan­cen­aus­beu­te genau­so schlecht war wie bei allen ande­ren Mann­schaf­ten ab dem Vier­tel­fi­na­le. Ich möch­te hier­mit die neue Regel vor­schla­gen, dass, wenn zwei Mann­schaf­ten es nicht schaf­fen, inner­halb von 120 Minu­ten wenigs­tens ein Tor zu schie­ßen, ein­fach bei­de aus dem Tur­nier aus­schei­den.

Nicht uner­wähnt blei­ben soll­te Ange­la Mer­kel, die im Sta­di­on nicht nur die wich­tigs­te Ent­schei­dung ihrer bis­he­ri­gen Amts­zeit traf (Bas­ti­an Schwein­stei­ger moti­vie­ren), son­dern auf der Tri­bü­ne und im Inter­view ein­mal mehr ihren Fuß­ball­sach­ver­stand bewies. Ich möch­te sie hier­mit ganz ehr­lich als kom­men­de DFB-Prä­si­den­tin vor­schla­gen, was sicher auch im Hin­blick auf 2011 ein schö­nes Signal wäre.

Regeln & Schieds­rich­ter
Die schon län­ger bestehen­de Rege­lung, dass in der Grup­pen­pha­se bei Punkt­gleich­heit der direk­te Ver­gleich zäh­le, sorg­te dank des gut aus­ge­ar­bei­te­ten Spiel­plans dafür, dass gleich drei Grup­pen­sie­ger schon vor dem letz­ten Spiel fest­stan­den, wes­we­gen sie ent­spre­chend mit einer B- bis C‑Mannschaft (Oma der Nach­ba­rin des Bus­fah­rers) auf­lie­fen. Ande­rer­seits gab es so in jeder Grup­pe ein End­spiel um den zwei­ten Tabel­len­platz. Das zwi­schen der Tür­kei und Tsche­chi­en schrieb Fuß­ball­ge­schich­te, als die Tsche­chen es in den letz­ten Spiel­mi­nu­ten nicht schaff­ten, den Ball auch nur in die Nähe des tür­ki­schen Tores zu schla­gen, in dem seit der roten Kar­te gegen den tür­ki­schen Tor­wart ein Feld­spie­ler stand. Außer­dem gab es noch eine gel­be Kar­te für einen Ersatz­spie­ler auf der Bank.

Die WM 2006 hat­te den unver­dien­ten Elf­me­ter der Ita­lie­ner (ja, ich weiß, dass das ein Pleo­nas­mus ist) gegen die Aus­tra­li­er und die drei gel­ben Kar­ten gegen Josip Simu­nic in einem Spiel, ist mir aber sonst nicht durch grö­ße­re Schieds­rich­ter-Inkom­pe­ten­zen in Erin­ne­rung geblie­ben. Dies­mal war es anders: die Fehl­ent­schei­dun­gen häuf­ten sich und bei man­chen Sze­nen frag­te man sich, ob man – so das wirk­lich die Eli­te der euro­päi­schen Unpar­tei­ischen sein soll­te – in Zukunft bei einer EM nicht bes­ser Kol­le­gen aus Tri­ni­dad und Toba­go ein­flie­gen soll­te. Gab es vor Spie­len Geschrei um die Natio­na­li­tät eines Schieds­rich­ters (der Deut­sche bei Spa­ni­en – Ita­li­en, der Schwei­zer bei Deutsch­land – Tür­kei, der Ita­lie­ner im Fina­le), gaben sich die­se größ­te Mühe, die Beden­ken zu zer­streu­en, in dem sie kon­se­quent gegen die von ihnen ver­meint­lich bevor­zug­te Mann­schaft pfif­fen. Nur beim Hand­spiel Leh­manns an der Straf­raum­li­nie bei erschöpf­tem Aus­wech­sel­kon­tin­gent zwan­zig Minu­ten vor Schluss kam den Deut­schen mal die Inkom­pe­tenz des Schi­ri-Gespanns ent­ge­gen.

Der Tief­punkt war da frei­lich schon lan­ge erreicht gewe­sen: die Ver­ban­nung bei­der Trai­ner auf die Tri­bü­ne im Spiel Öster­reich – Deutsch­land war eine gefähr­li­che Mischung aus den Ego-Pro­ble­men des soge­nann­ten vier­ten Offi­zi­el­len und der Unent­spannt­heit des spa­ni­schen Schieds­rich­ters. Die UEFA bewies Humor, indem sie bei­de Trai­ner für je ein Spiel sperr­te und eben jenen Spa­ni­er im Vier­tel­fi­na­le gegen Por­tu­gal als vier­ten Mann auf­stell­te. Wo er dann auch kurz davor stand, wenigs­tens den por­tu­gie­si­schen Trai­ner auf die Tri­bü­ne schi­cken zu las­sen.

Immer­hin eine Schieds­rich­ter-Ent­schei­dung blieb posi­tiv in Erin­ne­rung: im Spiel Hol­land – Ita­li­en wuss­te der Schieds­rich­ter, dass das ver­meint­li­che Abseits­tor kei­nes war (also kein Abseits, ein Tor war es ja sehr wohl).

Fern­se­hen
Schlim­mer als Schieds­rich­ter und Deut­sche waren immer­hin noch die Leu­te, die uns den Fuß­ball ins Haus brin­gen: es ging gar nichts. Nichts.

Béla Réthy, von den Print­kol­le­gen merk­wür­di­ger­wei­se immer über den grü­nen Klee gelobt, nervt nur. Er redet in einem fort, nur als im Halb­fi­na­le plötz­lich das Bild aus­fiel und man auf sein Gequas­sel ange­wie­sen war, wur­den sei­ne Sät­ze knap­per. Tom Bartels kann selbst Fuß­ball­kri­mis zum Sand­männ­chen degra­die­ren, so dass man ges­tern Angst haben muss­te, die deut­schen Spie­ler hät­ten ver­se­hent­lich sei­nen Kom­men­tar aufs Ohr bekom­men und sei­en des­halb so müde. Stef­fen Simon ist einer die­ser Men­schen, die beim Ita­lie­ner „brusket­ta“ und „jnok­ki“ bestel­len, weil sie mal ein Semes­ter in der Volks­hoch­schu­le waren. Beson­ders pein­lich wur­de es immer dann, wenn er einen aus­län­di­schen Namen zum gefühlt hun­derts­ten Mal vor­ge­turnt hat­te, und man anschlie­ßen den mut­ter­sprach­li­chen Sta­di­on­spre­cher etwas ähn­li­ches, aber doch ganz ande­res sagen hör­te. Wie wohl­tu­end boden­stän­dig war dage­gen Wolf-Die­ter Posch­mann, der alles so aus­sprach wie man’s schreibt.

Beck­mann und Ker­ner gehen per se nicht, in kei­ner Rol­le und auf kei­nem Sen­der, mit Net­zer und Del­ling soll­te lang­sam auch mal gut sein, Jür­gen Klopp ist mir unsym­pa­thisch. Urs Mey­er geht, der groß­ar­ti­ge Meh­met Scholl kam bei Beck­mann (s.o.) nicht wirk­lich zur Ent­fal­tung. Moni­ka Lier­haus wirk­te bei den Trai­ner­in­ter­views immer wie Kai Diek­mann bei der Papst­au­di­enz (außer in dem unpas­sen­den Moment, wo sie end­lich mal jour­na­lis­tisch wir­ken woll­te) und Kat­rin Mül­ler-Hohen­stein … ach ja. Als ich es ein­mal nicht mehr aus­hielt mit Béla Réthy und im Radio wei­ter­hö­ren woll­te, war dort grad Sabi­ne Töp­per­wi­en am Mikro­fon und rela­ti­vier­te wie­der eini­ges, wenn auch nicht alles, was ich schlechts über Réthy zu sagen hät­te.

Es sei an die­ser Stel­le nur noch ein­mal dar­auf hin­ge­wie­sen: die­se Kom­men­ta­to­ren, Mode­ra­to­ren und sons­ti­gen Sport­jour­na­lis­ten­dar­stel­ler wer­den von uns allen bezahlt. Gutes Per­so­nal ist halt schwer zu fin­den.

Die Fans
Was soll das eigent­lich mit die­sem „Schland“ und wann und wo hat das ange­fan­gen? An die Beflag­gung von Wohn­häu­sern und Auto­mo­bi­len hat man sich zwei Jah­re nach der Geburt des „posi­ti­ven Patrio­tis­mus“ inzwi­schen gewöhnt, die Reichs­par­tei­tags­ver­wei­se sind längst nur noch Brauch­tum und Iro­nie.

Wie undog­ma­tisch die Deut­schen sind zeig­te sich immer wie­der, wenn die glei­chen Leu­te, die mor­gens beim „Bild“-Kauf über die Ben­zin­prei­se jam­mer­ten, Abends beim Auto­kor­so (nach dem Öster­reich-Spiel!) den Gegen­wert eines Final­ti­ckets in den Innen­städ­ten ver­brann­ten. Auch die Bou­le­vard­pres­se schaff­te die­sen Spa­gat, indem sie vor dem Halb­fi­na­le gegen die Tür­kei gleich­zei­tig zu Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit auf­rief und für die kom­men­de Nacht bür­ger­kriegs­ähn­li­che Zustän­de vor­aus­sag­te.

Das Cof­fee-And-TV-Redak­ti­ons­team bewies sei­ne gro­ße Fuß­ball­kom­petnz, indem es sich vor dem Eröff­nungs­spiel mit Fah­nen ein­deck­te, die alle­samt zum Ende der Vor­run­de ein­ge­holt wer­den konn­ten: Schwe­den, Grie­chen­land und die Schweiz spiel­ten unge­fähr so gut, wie wir tipp­ten. In der fami­li­en­in­ter­nen Tipp­run­de muss­te ich mich nicht nur mei­nem Bru­der, son­dern auch mei­nen Eltern und mei­ner Schwes­ter geschla­gen geben. Aber als Borus­sia-Mön­chen­glad­bach-Fan ist man lei­den gewohnt.

So geht’s wei­ter …
Am 9./10. August star­tet der DFB-Pokal, eine Woche spä­ter die Bun­des­li­ga. Mön­chen­glad­bach ist wie­der da, wo es hin­ge­hört, der MSV Duis­burg auch.

Die Natio­nal­mann­schaft wird sich für die WM 2010 qua­li­fi­zie­ren und wenn sie da plötz­lich die Leis­tun­gen aus so man­chen Qua­li­fi­ka­ti­ons­spie­len und dem EM-Vier­tel­fi­na­le wie­der­ho­len, könn­te das schon was wer­den. Außer­dem spricht 2006: 3., 2008: 2. für 2010: 1. Die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve wäre eine gol­de­ne Gene­ra­ti­on im deut­schen Team: wie die Por­tu­gie­sen immer schön spie­len und Favo­rit sein, es dann aber nie schaf­fen. Die Rol­le des ewig erfolg­lo­sen Geheim­fa­vo­ri­ten ist seit ges­tern Abend unbe­setzt.

Kategorien
Uncategorized

Ballspielhaftes Verhalten

Dins­la­ken hat zur Zeit ein Rat­ten­pro­blem.

Und was für eins:

Drei Generationen von Wanderratten dribbeln derzeit durch die Stadt.

Kategorien
Rundfunk Gesellschaft

Herdenprämie

Frü­her, als Fuß­bäl­le noch aus Schwei­ne­bla­sen her­ge­stellt wur­den und das ein­zi­ge Bild­schirm­emp­fangs­ge­rät einer Gemein­de in der ört­li­chen Gast­stät­te stand, traf sich die Dorf­ge­mein­schaft zu wich­ti­gen Ereig­nis­sen wie dem Gewinn einer Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft in der voll­ge­qualm­ten Gast­stu­be und schau­te sich die Über­tra­gung im Kol­lek­tiv und im Schwarz-Weiß-Fern­se­her an. Spä­ter hat­ten immer mehr Men­schen einen eige­nen Fern­se­her, der sogar Farb­bil­der dar­stel­len konn­te, und man guck­te den Gewinn von Welt- und Euro­pa­meis­ter­schaf­ten im hei­mi­schen Wohn­zim­mer.

Vor zwei Jah­ren fin­gen die Deut­schen dann wie­der an, sich in gro­ßen Grup­pen auf öffent­li­chen Plät­zen zu ver­sam­meln und ihre Natio­nal­flag­ge zu schwen­ken. Sehr zur Freu­de der rest­li­chen Welt ver­zich­te­ten sie dabei aber auf die gan­zen ande­ren Ele­men­te ihres merk­wür­di­gen Brauch­tums. Statt­des­sen guck­ten sie auf eine Groß­bild­lein­wand und lausch­ten sogar den Aus­füh­run­gen der Sport­jour­na­lis­ten­dar­stel­ler Rein­hold Beck­mann, Johan­nes B. Ker­ner und Bèlá Rêthý, ohne dadurch zum maro­die­ren­den Mob zu wer­den. Vor allem das muss man den Deut­schen sehr hoch anrech­nen.

Die­ses öffent­li­che Gucken nann­ten die glei­chen Mar­ke­ting­ex­per­ten, die sich so genia­le phan­ta­sie­sprach­li­che For­mu­lie­run­gen wie „Han­dy“, „Powered by emo­ti­on“ oder jetzt „We love the new“ aus der Nase gezo­gen haben, „Public Vie­w­ing“. Zyni­ker über­setz­ten das mit „Völ­ki­scher Beob­ach­ter“, ande­re wuss­ten zu berich­ten, dass man die öffent­li­che Auf­bah­rung von Toten in den USA so nen­ne (was natür­lich stimmt, aber genau­so wie das gemein­sa­me Fern­se­hen nur einen klei­nen Teil der Bedeu­tung des Begriffs aus­macht).

Im Vor­feld der Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft bat der Jugend­ra­dio­sen­der Eins­li­ve sei­ne Hörer um Alter­na­tiv­vor­schlä­ge zum Begriff „Public Vie­w­ing“ und bekam eini­ges an Zusen­dun­gen. In einer Abstim­mung ent­schied sich das Publi­kum für den Begriff „Rudel­gu­cken“, der seit­dem bei Eins­li­ve mit an Bru­ta­li­tät gren­zen­der Vehe­menz pro­mo­tet wird. Irgend­wie mag ich den Klang des Wor­tes nicht – es erin­nert pho­ne­tisch viel zu sehr an „Rudel­bum­sen“ und hat auch sonst einen nega­ti­ven Bei­klang.

Ana­tol vom sehr emp­feh­lens­wer­ten Bre­mer Sprach­blog fasst die­sen ganz gut in Wor­te:

da klingt doch über­all die Ver­ach­tung der­je­ni­gen durch, die Fuß­ball lie­ber gepflegt zu Hau­se, oder, noch bes­ser, gar nicht gucken.

Das wirk­lich Inter­es­san­te ist aber: im Gegen­satz zu den pein­li­chen Aktio­nen, die die gru­se­li­ge „Stif­tung deut­sche Spra­che“ regel­mä­ßig durch­führt (im Moment sucht sie übri­gens ein deut­sches Pen­dant für … äh: „Public Vie­w­ing“) scheint der Begriff „Rudel­gu­cken“ sofort Ein­zug in die All­tags­spra­che vie­ler (vor allem jun­ger) Men­schen gefun­den zu haben. Goog­le fin­det der­zeit 71.000 Such­ergeb­nis­se, fragt aber auch, ob man nicht „rudel gur­ken“ gemeint haben könn­te. Die­ser Vor­gang ist durch die geziel­te Plat­zie­rung durch einen Radio­sen­der zwar eini­ger­ma­ßen unna­tür­lich, aber das war die Ver­brei­tung von „Public Vie­w­ing“ ja auch.

Kategorien
Sport

Lasset die Spiele beginnen

Es ist alles vor­be­rei­tet:

Die schwedische Flagge an Lukas’ Balkon
Kategorien
Sport Gesellschaft

Christoph Daums Bedenken

Am Mitt­woch, 28. Mai 2008, wird das Deut­sche Sport­fern­se­hen (DSF) eine Doku­men­ta­ti­on aus­strah­len, die sich mit dem immer noch größ­ten Tabu im Fuß­ball beschäf­tigt: der Homo­se­xua­li­tät.

Wenn es stimmt, was die Deut­sche Aka­de­mie für Fuß­ball­kul­tur vor­ab ver­mel­det, wird Chris­toph Daum, Trai­ner der Fahr­stuhl­mann­schaft 1. FC Köln, in die­sem Film fol­gen­de Wor­te sagen:

Da wird es sehr deut­lich, wie sehr wir dort auf­ge­for­dert sind, gegen jeg­li­che Bestre­bun­gen, die da gleich­ge­schlecht­lich aus­ge­prägt ist, vor­zu­ge­hen. Gera­de den uns anver­trau­ten Jugend­li­chen müs­sen wir mit einem so gro­ßen Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein ent­ge­gen tre­ten, dass gera­de die, die sich um die­se Kin­der küm­mern, dass wir denen einen beson­de­ren Schutz zukom­men las­sen. Und ich hät­te da wirk­lich mei­ne Beden­ken, wenn dort von Theo Zwan­zi­ger irgend­wel­che Libe­ra­li­sie­rungs­ge­dan­ken ein­flie­ßen soll­ten. Ich wür­de den Schutz der Kin­der über jeg­li­che Libe­ra­li­sie­rung stel­len.

Das klingt erst ein­mal ziem­lich kon­fus, was sicher auch der frei­en Rede geschul­det ist. Aber es bedarf kei­ner beson­ders bös­wil­li­gen Inter­pre­ta­ti­on, um zu erah­nen, dass da wohl mal jemand Homo­se­xua­li­tät und Pädo­phi­lie durch­ein­an­der gebracht hat. Oder brin­gen woll­te.

Nun hal­te ich nor­ma­ler­wei­se nicht viel davon, Men­schen mög­li­che Ver­feh­lun­gen aus ihrer eige­nen Ver­gan­gen­heit immer wie­der vor­zu­hal­ten, aber an die­ser Stel­le soll­te nicht uner­wähnt blei­ben, dass sich da ein Mann um Jugend­li­che und „Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein“ sorgt, der vor acht Jah­ren nicht Fuß­ball­bun­des­trai­ner wur­de, weil ihm schwe­rer Koka­in­kon­sum nach­ge­wie­sen wer­den konn­te. (Mei­net­we­gen kann jeder mit sei­ner Gesund­heit machen, was er will, aber hier geht es ja um die mora­li­sche Kom­po­nen­te der Geschich­te.) Dass Daum aus­ge­rech­net Trai­ner in der „schwuls­ten Stadt Deutsch­lands“ ist, ist da das Tüp­fel­chen auf dem i.

Ich bin gespannt, wie die Doku­men­ta­ti­on letzt­lich aus­se­hen wird, und ob Daums homo­pho­ber Aus­fall von der Öffent­lich­keit über­haupt wahr­ge­nom­men wird. Der Pro­fi­fuß­ball wird immer wie­der mit der katho­li­schen Kir­che in einem Atem­zug genannt, wenn es um die letz­ten Bas­tio­nen offe­ner Schwu­len­feind­lich­keit gilt. Das Fuß­ball­ma­ga­zin „Rund“ hat die­sem The­ma schon meh­re­re gro­ße Arti­kel gewid­met, die man hier und hier bei „Spie­gel Online“ nach­le­sen kann.

DFB-Chef Theo Zwan­zi­ger will jetzt „ein Kli­ma schaf­fen“ in dem auch offen homo­se­xu­el­le Fuß­bal­ler ent­spannt im Sta­di­on auf­lau­fen kön­nen. Das ist ihm hoch anzu­rech­nen, aber es wird ein schwe­rer Weg in einem Umfeld, in dem Fans geg­ne­ri­sche Spie­ler oder den Schieds­rich­ter immer noch als „schwul“ bezeich­nen und das durch­aus als Belei­di­gung mei­nen. Wie bei sei­nem Enga­ge­ment gegen Ras­sis­mus wird der DFB einen lan­gen Atem brau­chen und auch sei­ne eige­nen Ent­schei­dun­gen anpas­sen. So wur­de der Dort­mun­der Tor­wart Roman Wei­den­fel­ler im ver­gan­ge­nen Jahr für drei Spie­le gesperrt und muss­te 10.000 Euro Stra­fe zah­len, weil er sei­nen Gegen­spie­ler Gerald Asa­mo­ah belei­digt hat­te: angeb­lich wur­de Wei­den­fel­ler für die Wor­te „Du schwu­le Sau“ ver­ur­teilt – wenn er den dun­kel­häu­ti­gen Asa­mo­ah (wie zunächst behaup­tet wur­de) als „schwar­zes Schwein“ beschimpft hät­te, wäre die Stra­fe noch erheb­lich schwe­rer aus­ge­fal­len.

Zum aktu­el­len Fall Daum hat sich Moritz von hel­lo­jed. im offi­zi­el­len Web­fo­rum des 1. FC Köln umge­se­hen und prä­sen­tiert die schlimms­ten Kom­men­ta­re.

[via queer.de]

Nach­trag, 18:40 Uhr: Wie Moritz in einem wei­te­ren Ein­trag schreibt, hat sich Daum inzwi­schen gegen­über dem Köl­ner „Express“ erklärt – und dabei ein­drucks­voll unter Beweis gestellt, dass er den Unter­schied zwi­schen Homo­se­xua­li­tät und Pädo­phi­lie wirk­lich nicht kennt:

Grund­sätz­lich bin ich ein tole­ran­ter und libe­ra­ler Mensch. Ich habe kei­ner­lei Berüh­rungs­ängs­te zu homo­se­xu­el­len Men­schen. Auch in mei­nem Bekann­ten­kreis gibt es Eini­ge, die gleich­ge­schlecht­li­che Bezie­hun­gen leben.
Kin­der­schutz geht mir aber über alles. Kin­der müs­sen vor Gewalt und sexu­el­len Über­grif­fen, ganz gleich ob homo- oder hete­ro­se­xu­el­len Men­schen, geschützt wer­den. Des­we­gen arbei­te ich auch aktiv bei der Orga­ni­sa­ti­on Power-Child.

Wer beim Wort „schwul“ gleich an ekli­ge Män­ner denkt, die klei­nen Jungs an die Sport­ho­se wol­len, soll­te zumin­dest kurz über­le­gen, ob er die­ses ver­que­re Welt­bild auch noch der Öffent­lich­keit mit­tei­len muss.

Und wäh­rend der „Express“ noch recht neu­tral „Wir­bel um Daum-Aus­sa­ge“ titelt, gehen bild.de („Daum belei­digt Schwu­le“) und stern.de („Daum macht gegen Schwu­le mobil“) gleich in die Vol­len. Das muss ja auch nicht sein …