Von der Bedeutung, Ernst zu sein

Von Lukas Heinser, 2. Januar 2009 15:28

Ich wollte das vergangene Jahr nicht schon wieder mit der Mediengruppe RP beenden, aber das hier ist noch liegen geblieben und muss raus:

Die „Rheinische Post“ ist aufgrund ihrer geographischen Verortung ein wichtiges Medium, wenn es um meinen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach geht. Und die Redaktion macht ihre Arbeit da in der Regel gar nicht mal schlecht.

Aber was die „RP“ da am Silvestermorgen noch rausgehauen hat, das war irgendwie merkwürdig:

Borussia Mönchengladbach: Liegt über dem Klub ein Fluch?

Hat „Bild“ die feindliche Übernahme der „Rheinischen Post“ endlich abgeschlossen?

Nein, die Lage ist viel … ernster:

Fußball ist nicht witzig. Fußball ist eine ziemliche ernste Angelegenheit. Darüber macht man keine Späße. Ehrlich. Schon gar nicht, wenn man Fan von Borussia Mönchengladbach ist.

Sie erkennen an dem eingeschobenen „Ehrlich“, dass sich hier gleich jemand am schlimmsten und gleichzeitig unzerstörbarsten Lokaljournalismus-Genre versuchen wird: der Glosse.

Auch optisch ist der Text eine Herausforderung, werden zusammengehörende Nebensätze doch nicht nur durch einen Punkt, sondern gleich auch noch durch einen Absatz auseinandergerissen:

[…] Es wurden zwar fast nur noch Herren mit klangvollen Namen (darunter ein gewisser Kahé) verpflichtet.

Etwas in Vergessenheit ist dabei aber offensichtlich geraten, dass die Koordination zwischen Hirn und Beinen beim Fußball einen nicht zu unterschätzenden Anteil einnimmt. […]

Und weil bei der Mediengruppe RP Dada ja bekanntlich groß geschrieben wird, hier noch ein Potpourri unzusammenhängender Sätze:

Dank gilt in diesem Zusammenhang den Produzenten von Handy-Klingeltönen in Form der Vereinshymne „Die Elf vom Niederrhein“. Neulich in der Regionalbahn war es dann mal wieder so weit. Anruf, Hymne, Klagelied. „Ja, ja“, raunzt ein älterer Herr von nebenan hinüber und lächelt dabei so verständnisvoll, als ob er ein Kleinkind aufmuntern will, das beim Murmelwerfen eine ziemlich lange Pechsträhne hat, „kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten.“

Der Text endet übrigens mit dem Satz:

Manche verstehen einfach den Ernst der Lage nicht.

Mir geht’s da ganz anders.

2 Kommentare

  1. Tessa
    2. Januar 2009, 17:02

    bist du gestern nacht auch über den film auf 3sat gestolpert?
    wenn man nur lange genug wach bleibt und zappt, vermg das fernsehprogramm doch noch zu überraschen. was die rp da allerdings liefert, scheint hingegen kaum noch zu überraschen, das entsetzt eher. die lage ist mehr als ernst.

  2. Cohn Structa
    3. Januar 2009, 0:09

    … als alter Alemannia-Fan sehe ich das Ganze natürlich ganz anders – nicht dass Du nicht mein Mitleid hast, insbesondere wo Ihr jetzt alleine ohne uns absteigen dürft (vielleicht noch mit den Böcken) – aber ernsthaft kann man über die Transferpolitik in Gladbach doch nicht mehr schreiben… – Dadaismus ist auch eine Art sich mit Fußball auseinanderzusetzen.
    Spielt Voigt auch rechts hinten ? da brauchen wir noch einen, Rösler kommt auch zurück :-)