Kunst im Alltag: Mediengruppe RP „RP Online“

Von Lukas Heinser, 3. Juni 2008 11:24

Ich habe mich geirrt, all diese Jahre.

Ich hatte ja allen Ernstes gedacht, „RP Online“ sei ein Nachrichtenportal im Internet. Wer „RP Online“ aber mit den Maßstäben des Onlinejournalismus misst, bekommt Bluthochdruck und schlechte Laune. Noch mehr, als wenn man in der großen Print-Schwester „Rheinische Post“ nach Journalismus sucht.

Jetzt habe ich endlich verstanden: „RP Online“ ist ein Multimedia-Kunst-Projekt. Die zahlreichen Agenturmeldungen, die unter dem eigenen Kürzel „RPO“ Wort für Wort übernommen werden, stehen in der Tradition der Ready-mades von Marcel Duchamp. Die Heiligenverehrung für den jüngst verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister muss vermutlich als Neuinterpretation von Andy Warhols „Mao“ gesehen werden. Dada ist eh mindestens die Hälfte der Inhalte.

Und wenn „RP Online“ heute ab 13 Uhr im „Retro-Ticker“ das EM-Viertelfinale zwischen England und Deutschland vom 29. April 1972 in Echtzeit nachempfinden wird, ist das wahrscheinlich ein Verweis auf das Dokumentartheater von Peter Weiss, Heinar Kipphardt und Rolf Hochhuth.

Man sollte so etwas viel stärker würdigen.

3 Kommentare

  1. iolanthe
    3. Juni 2008, 19:50

    schlagt mich tot, den retro-ticker finde ich so sinnlos-absurd, dass er schon wieder toll ist.
    wie kommt man auf sowas?!!

  2. Gregor Keuschnig
    15. August 2008, 11:24

    Abbitte auch von meiner Seite.

    Gibt es irgendwo ein Vorschlagswesen für den nächsten Retro-Ticker? Denke an Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von 1972 zum Beispiel (mit Joachim Fuchsberger als Stadionsprecher). Oder die Bundestagswahl von 1957 mit Adenauers 50,3% („Keine Experimente“)?

  3. Dick und Doof | sportticker
    13. Februar 2009, 13:53

    […] Tanzgruppe Amerikas”schreibt die nachweislich sportjournalistisch bewanderte RPO so poetisch, wie man es eigentlich nur vom Sport Informations Dienst (sid) kennt: “Mehr als 100 […]

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