Erste Schlag-Sahne

Von Lukas Heinser, 1. Juni 2008 15:36

so langweilig war schlag den raab glaub ich noch nie

(Stefan Niggemeier, gestern Abend um 23:29 Uhr via ICQ)

Ziemlich exakt zwei Stunden später (und damit eine gute Stunde nach dem anvisierten Ende der Sendung) konnte der Kandidat Olufemi, der zuvor desaströs zurückgelegen hatte, seinen Gewinn im Empfang nehmen: 2,5 Millionen Euro, den Jackpot aus fünf Sendungen, und damit die höchste Summe, die man je aus eigener Kraft im deutschen Fernsehen hatte gewinnen können.

Und das macht unter anderem den Reiz von „Schlag den Raab“ aus: dass selbst professionelle Fernsehzuschauer wie Stefan mitten in der Sendung deren Ende nicht erahnen können. Ich selbst hatte erst um Viertel nach Zehn eingeschaltet und damit in zwei Stunden Sendung gerade mal die Kandidatenauswahl verpasst – und die ersten vier Spiele, die Olufemi ebenso verloren hatte wie das folgende fünfte, dann das siebte und etliche weitere.

„Wie kann es denn sein, dass ich von den fünfzehn Spielen schon acht gewonnen habe und trotzdem noch weitermachen muss?“, fragte Stefan Raab dann auch vor dem alles entscheidenden letzten Spiel. Wer sich so einen Quatsch denn ausgedacht habe? Letzteres war wohl eher als Witz gemeint, aber aus Sicht der Zuschauer ist es eindeutig ein Lob. Die Idee, dass es im erste Spiel gerade mal einen Punkt zu holen gibt, im zweiten zwei, und immer so weiter bis zu den fünfzehn Punkten im fünfzehnten Spiel, macht die Sendung auch bei maximaler Länge (fünfeinviertel Stunden sind in etwa doppelt so lang wie eine durchschnittliche Ausgabe von „Verstehen Sie Spaß?“) noch spannend. Im Idealfall, der gestern fast erreicht worden sein dürfte, wird es eben erst in den letzten zweieinhalb Stunden richtig spannend.

Gerade der Umstand, dass die ersten fünf Spiele geschlossen an Raab gingen, erzeugten beim Publikum zunächst einmal Mitleid mit dem Kandidaten, das sich dann in aufrichtige Unterstützung wandelte. Der völlig verbissene Großentertainer brauchte vielleicht genau diesen Herausforderer, der nach dem verlorenen Jetski-Rennen aus dem Wasser gezogen werden musste, zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr wie ein Gegner wirkte und schließlich doch noch zurückkam.

Dass die Sendung dann ausgerechnet mit einem Elfmeterschießen endete (also einem tatsächlichen), wirkte angesichts eines Kandidaten, der Regionalligafußball spielt und bei 1860 München im Marketing arbeitet, schon fast ein bisschen inszeniert. Trotz Raabs Schwäche war das Elfmeterschießen angesichts des winkenden Gewinns dann ungefähr so spannend wie das Shoot Out zwischen Deutschland und Argentinien bei der Fußball-WM vor zwei Jahren.

Man kann es gar nicht oft genug schreiben: Ausgerechnet Stefan Raab, der stets belächelte „Blödelmoderator“ hat die große Samstagabendshow zurück ins Fernsehen gebracht (viel mehr: die ganz große Spielshow im Stile von „Spiel ohne Grenzen“, das ja gar nicht am Samstagabend lief). Der Trick dabei ist (neben der Abwechslung von Sport-, Geschicklichkeits- und Wissensspielen), nicht mehrere unbekannte Kandidaten gegeneinander antreten zu lassen, sondern immer nur einen gegen den als fast krankhaft ehrgeizig bekannten Stefan Raab. So liegen die Sympathien fast immer beim Kandidaten – außer, der ist so blass wie der Herausforderer Anfang April.

Wie ernst es Raab in dieser Sendung wirklich ist, stellte er dann gestern auch noch mal eher unfreiwillig unter Beweis: als er bei einem Spiel eine falsche Antwort gab, schlug er mit der flachen Hand so fest auf sein Pult, dass er die Glasabdeckung zum Bersten brachte.

7 Kommentare

  1. SvenR
    1. Juni 2008, 20:59

    Ich habe mir angewöhnt, die ersten eineinhalb bis zwei Stunden Schlag den Raab mittels Hard-Disk-Recorder aufzunehmen und erst später einzuschalten. Die Kandidatenvostellung und die Werbung muss ich nicht so detailliert sehen. Ich habe so gegen halb zehn angefangen zu schauen, gegen elf war ich dann live dabei. So kam es mir gar nicht langweilig vor, sondern ziemlich spannend.

    Zwischenzeitlich fragte ich mich zwar – nicht das ich ein Bewegsungstalent wäre – mit welchen beschränkten körperlichen Fähigkeiten man Regionalligafußball spielen kann. Aber damit hat Olufemi ja bereits aufgehört.

    Spannend fand ich auch, wie der scheinbar gar nicht so dumme und selbstbewusste Kandidat bei den Wissensspielen aus lauter Nervosität sich selbst im Wege stand.

    Und zum Elfmeterschießen: Ich hatte erwartet, dass – egal wer gewählt würde, die letzten Spiele in jedem Falle auf den Kandidaten/die Kandidatin zugeschnitten sein würden.

    Es gab unter den letzten vier gescheiterten Kandidaten zwei, denen ich es mehr gewünscht hätte, den Raab zu schlagen, aber das Leben ist ja nun mal kein Wunschkonzert.

  2. Steffen
    1. Juni 2008, 23:43

    Hat er recht, der Niggemeier.

  3. WackelDackel
    2. Juni 2008, 16:47

    Also, ich kann nicht so recht erkennen, was so toll daran sein soll, dass in einer fünfstündigen Sendung erst nach knapp drei Stunden so etwas wie Spannung aufkommt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Zuschauer dann bereits aus Langeweile weggezappt haben.

    Ich habe mich bei früheren SdR-Sendungen deutlich besser unterhalten gefühlt; klar gab es früher auch Längen, aber so schlimm wie bei der letzten Sendung war’s bisher noch nicht.

  4. WackelDackel
    2. Juni 2008, 16:55

    Außerdem würde mich einmal interessieren, wieso Oliver Pocher bereits am Donnerstag weiß, dass in der Sendung am Samstag Jetski gefahren wird, und Stefan Raab angeblich nicht mitbekommt, was in seiner Sendung für Spiele vorkommen werden.

    Schon seltsam.

    ARD-Mediathek

  5. Nordtroll
    2. Juni 2008, 19:22

    Ehrlich gesagt hatte ich mir bei der Sendung bis zur Hälfte die Frage gestellt ob das der erste Kandidat wird der ohne Punkte nach Hause geht, oder zumindest mit nicht viel mehr als die No Angels beim Grand Prix. Wie sich das Spiel dann doch durch wenige Ereignisse (hätte er beim letzten Dosenschuss auch verfehlt wäre es mit der Moral wohl aus gewesen) noch drehen kann ist schon ein interessantes Konzept.

    In einige Länder verkauft läuft die Sendung inzwischen auch erfolgreich im Ausland, aber da meistens in einer Art „Joes vs. Pros“ Format was längst nicht so interessant ist wie diese Originalvariante. Was den historischen Maßstab angeht erinnert mich die Spannung des Formats am ehesten an den „Großen Preis“, was ich als Kind immer toll fand.

  6. Val
    2. Juni 2008, 21:08

    @4
    Die Anlage, die da am Deutzer Hafen aufgebaut wurde, dürfte nicht in ein paar Stunden aufzubauen sein. Zumal Opdenhövel ja von Proben in den vergangenen Tagen sprach.

    Zumal solch eine Aktion inmitten einer Großstadt schwer geheimzuhalten sein dürfte:
    http://maps.google.de/maps?t=k.....&z=15

    @1
    Volle Zustimmung zum letzten Satz

  7. Niels
    3. Juni 2008, 17:24

    „Gerade der Umstand, dass die ersten fünf Spiele geschlossen an Raab gingen, erzeugten beim Publikum zunächst einmal Mitleid mit dem Kandidaten, „

    Der Punkt war sehr schnell erreicht. Das schlug dann aber um in Mitleid mit dem Studiopublikum und den anderen Kandidaten. Die wären bestimmt weniger töffig gewesen.

    „das sich dann in aufrichtige Unterstützung wandelte. „

    Bei mir nicht. Dafür war er zu tapsig. Mehr Glück als Verstand.